Automatische Heilssicherheit?

„Eine automatische, selbstverständliche Heilssicherheit, die sich mit einem Bekenntnis zu Jesus Christus einstellt und völlig losgelöst vom persönlichen Handeln selbst den Abfall vom Glauben unbeschadet übersteht, scheint es biblisch gesehen nicht zu geben. Glaube wird nirgends in der Bibel losgelöst von den entsprechenden Taten gesehen. Ein Glaube ohne Werke ist tot (Jakobus 2,14)… Gott beschützt Christen durch ihren Glauben – nicht ohne ihn. “ Ich zitiere hier aus einem hilfreichen Artikel der Webseite „Mehrglauben“ (https://www.mehrglauben.de/die-bibel-fuer-fortgeschrittene/artikel/heilsgewissheit/), der meines Erachtens sehr gut beschreibt, wie schwer tröstende und warnende Bibelstellen unter einen Hut zu bringen sind.

Warnende Bibelstellen stehen sicherlich nicht in der Bibel, um den Gläubigen aufzufordern, sich sein Heil zu verdienen oder einen Beitrag dazu zu leisten. „Wenn ihr durch das Gesetz gerecht (=von Gott anerkannt) werden wollt, habt ihr Christus verloren. Ihr seid aus der Gnade gefallen.“ (Gal 5,4) Wer damit anfängt, „ist schuldig, das ganze Gesetz einzuhalten“. (V.3) Das kann niemand. Deswegen soll der Gläubige auch den kleinsten Anfängen in dieser Richtung wehren. „Ein wenig Sauerteig verdirbt den ganzen Teig“ (V.9)

Dieser Weg ist ohne Verheißung. (Gal 3) Entweder er führt in die Selbstgerechtigkeit (Luk 18,10) und Blindheit (Joh 9, 39-40) der Pharisäer oder in Depression und Verzweiflung (Rö 7).

Warnende Bibelstellen geben dem Gläubigen einen starken Impuls, wachsam zu sein und über sich selbst, über seine bisherigen Entscheidungen und über den Sinn des Gebotes nachzudenken.

Diese Wachsamkeit ist Jesus sehr wichtig. (Mt 24,43 / 25,13) Wenn jedoch Gläubige an Warnungen verzweifeln, so geben sie sich auf und sind nicht mehr wachsam. Damit ist der Zweck der Warnung verfehlt. Solche Gläubige sollten ihren Blick auf die Tatsache richten, dass bei Gott der Schwerpunkt auf der Gnade liegt und nicht auf dem Gericht. „Denn sein Zorn währt einen Augenblick, und lebenslang seine Gnade“ (Ps 30,5) Wie die Bibel sagt, urteilt Gott barmherziger als Menschen (2.Sam 24,14 / Joh 8, 11)

Wer sich warnen lässt, darf sich an den Trostworten festhalten, die ihm zusichern, dass „Jesu Schafe nimmermehr umkommen werden und niemand sie aus der Hand des Vaters reißen kann.“ (Joh 10,28)

Warum sind Gebote wichtig? Sie sind mit einer guten Absicht gegeben worden, um den Menschen vor Schaden zu bewahren. Menschen können sie jedoch auch so anwenden, dass diese Absicht durchkreuzt wird.

Im Anschluss an unsere Untersuchung, welche Gebote des neuen Testamentes von allen Gläubigen respektiert werden, welche nur von einem Teil beachtet und welche meist vernachlässigt werden. (https://www.matth2323.de/rangunterschiede-biblischer-aussagen/) wird festgestellt, dass eine willkürliche Aufhebung eines Gebotes nicht zulässig ist, sondern mit der Bibel überzeugend begründet werden muss.

Dass manche Gebote aufgehoben werden können, ja aufgehoben werden müssen, hat Mose nicht gewusst. Das erfahren wir erst durch das Neue Testament. Jesus z.B. fand es in Ordnung, das strenge Sabbatgebot nicht zu beachten, wenn ein Ochse oder Esel in den Brunnen gefallen war und herausgeholt werden musste. (Lk 14, 5) So ein großes Tier aus dem Brunnen herauszuholen, das dürfte sicherlich eine ganze Menge Arbeit machen. Ein sehr strenges Gebot wird also außer Kraft gesetzt, weil es ein anderes Gebot gibt, das Vorrang hat, hier das Mitleid mit der leidenden Kreatur. (Spr 12,10)

Erst Jesus richtete die drei Maßstäbe – Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit – als wichtigste Gebote auf. Den Schriftgelehrten warf er vor, dass sie eifrig die Gebote – besonders das Geben des Zehnten – beachteten, aber diese Gebote als Nebensache betrachteten und folglich das Wort Gottes falsch verstanden und anwendeten – zum Schaden ihrer Mitmenschen. (Mt 23,23)

Eine gedankenlose Interpretation von Geboten, die nicht nach dem Vorrang konkurrierender Gebote fragt, kann im Widerspruch zu den höchsten Geboten stehen. Der Buchstabe hilft dann nicht, sondern schadet, ja “tötet“. (2.Kor 3,16) Auch das steht in der Bibel.

Unsere Berichte und Broschüren belegen das praktisch mit Erfahrungsberichten. Wenn gutwillige Menschen dank ihrer Gesetzesprediger beim Psychiater landen und zeitlebens an einer verkorksten Seele laborieren, darf dann nicht die Frage erlaubt sein, ob hier nicht gravierende Irrtümer im Verstehen der Heiligen Schrift die Ursache sein könnten?

Man kann sich natürlich auch auf die Position zurückziehen: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ (Gen 4,9) – Hat Jesus auch so gedacht? „Was ihr dem Geringsten unter den Gläubigen getan habt, habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40+45) Jesus sieht den einzelnen Menschen, auch den, der dank einer buchstabenhörigen kranken Theologie in der Psychiatrie sitzt.

Jesus hatte keine verkorkste, sondern eine gesunde und starke Seele. Es ist sein Wunsch, dass seine Jünger ihm auch darin möglichst nahekommen. Ich zitiere aus Jesu hohepriesterlichem Gebet: „Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, und damit sie vollkommen seien in eins und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebst sie, gleichwie du mich liebst.“ (Joh 17,22-23)

Christentum hat etwas mit Würde zu tun, mit Anteil an der Herrlichkeit Christi, mit Charakterstärke (Eph 6,10). Nur wenn Menschen in der Welt das erkennen können, kann man sie auch vom Wert des christlichen Glaubens überzeugen.

Wir selbst müssen auch überzeugt sein. Das sind wir, wenn es uns wie Jesus, „Speise ist, den Willen Gottes zu tun.“ (Joh 4,34) Unser Seele wählt das Gute, wenn wir erkennen, wie gut und heilsam das Gebot ist. Deswegen denken wir auf unserer Webseite über Gebote nach, um ihren guten und heilsamen Inhalt zu erkennen. ( https://www.matth2323.de/ziel/ )

Dabei kann der Gläubige seinem Herrn auch dann treu sein, wenn positive Gefühle wie Freude nur spärlich vorhanden sind. Der Entschluß zur Nachfolge beruht nicht auf starken Gefühlen, sondern auf Einsicht, auf der Erkenntnis, dass ein triebgesteuertes und ichbezogenes Leben erbärmlich und fruchtlos ist – ohne jeden Wert für die Ewigkeit. Diese Erkenntnis macht es dem Gläubigen leicht, sich an Gottes Weisungen zu halten (1.Joh 5,3). Mögen auch die Gefühle schwanken, so gewinnt er dadurch doch die Gewissheit, auf einem guten, sinnvollen Weg zu sein und damit tiefe Zufriedenheit.

Dagegen gewinnen Gläubige, die freudlos und ängstlich, ständig von schlechtem Gewissen und Drohungen getrieben sind, gar nichts. Die Erkenntnis, dass Gottes Weisungen gut und hilfreich sind, kann auf diese Weise gar nicht entstehen. Ich kann nicht glauben, dass diese armen Menschen tatsächlich verpflichtet sind – bei Androhung der Höllenstrafe – mit einem beschädigten Innenleben auch noch Missionsdienst zu leisten. Sollen sie etwa die Leute einladen: “ werdet so wie ich“?

Leider gibt es viele Gläubige, die meinen, das tun zu müssen. Sie schaden sich damit und anderen. Sie geben nicht die Freude weiter, mit der sie werben, sondern ihre Unfreiheit und Blindheit.

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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