Korruptes (= verdrehtes, verkehrtes) Handeln, das mit dem göttlichen Auftrag in Widerspruch steht, ist in der christlichen Gemeinde kein außergewöhnlicher, sondern ein natürlicher Vorgang, der ständig stattfindet:

Denn, selbstsüchtig wie wir sind, wollen wir immer das Gegenteil von dem, was Gottes Geist will. Doch der Geist Gottes duldet unseren Egoismus nicht. Beide kämpfen gegeneinander, so dass ihr gute Absichten nicht in die Tat umsetzen könnt.“ (Gal 5,17).

Die natürlichen Bedürfnisse sind wie ein ständiger, starker Sog, dem das „Glaubensschiff“ auf seiner Reise ausgesetzt ist. Wer ans Ziel kommen will, muss diesem Sog gegensteuern. Deswegen fordert das Wort Gottes sehr häufig auf, die Aktionen des Fleisches ins Licht zu stellen, insbesondere sie von dem, was der Geist Gottes will, zu unterscheiden:

Lebt als Gottes Kinder im Licht Gottes und prüft, was Gott gefällt! Lasst euch auf keine  fruchtlosen und finsteren Machenschaften ein! Helft vielmehr, sie aufzudecken!“ (Eph 5,9-11)

Korruption kann zur Gewohnheit werden. Weil man dafür nicht mehr ehrlich Rechenschaft ablegen kann, werden Tricks der Desinformation, Manipulation und Täuschung eingesetzt.

Solche Tricks sagen etwas über die Beziehung zu dem Menschen aus, der desinformiert wird: er wird nicht als Freund betrachtet und soll auch in Zukunft keiner werden. Manipulative Tricks machen ihn zum Objekt, das in einer gewünschten und vorausberechneten Weise reagieren soll.

Hand aufs Herz! Würde jemand wirklich solche Tricks gegenüber einem Freund (!) anwenden?

Leider waren auf unserer Webseite manchmal Informationen eingestellt, die wir im nachhinein als falsch oder unpassend erkannt und wieder gelöscht haben. Manchmal hat uns erst die Kritik eines Lesers die Augen geöffnet. Uns ist sehr wichtig, dass wirklich alle Inhalte fehlerfrei und auf die Bibel gegründet sind. Deshalb bitten wir alle Leser ja schon auf unser Startseite, uns auf Fehler hinzuweisen.

Damit wären wir schon beim ersten üblen Trick. Man kann einen alten, fehlerhaften Text unserer Webseite herumzeigen als angeblichen Beweis für den „Mangel an Seriosität“. Was kann man dagegen tun? Einfach drei Fragen stellen:
1. Frage: Wie alt ist der Text oder das Bild?
2. Frage: Ist das Beanstandete heute noch vorhanden ?
3. Frage: Wenn ja: wurde der Autor auf die Mängel des Textes oder Bildes aufmerksam gemacht, sodass er eine Chance hatte, sich zu korrigieren ?

Hier geht es um Fehleinschätzungen, in der Regel kaum um Sünden. Selbst von einer handfesten Sünde, die begangen worden ist, gilt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so hält Gott sich an seine Zusage und vergibt uns die Schuld und reinigt uns davon bis auf den letzten Rest.“ (1.Joh 1,9) und „Gott hat die Sünde im Meer versenkt, dort, wo es am tiefsten ist.“ (Micha 7,19)

Nun kann man die vierte Frage stellen: Ist es etwa kein Mangel an Seriosität, wenn man alte Fehlinformationen, die vielleicht noch nicht einmal Sünde, sondern nur Fehleinschätzung sind, aus der Tiefe des Meeres hervorholt und als „aktuelle“ Information in der Gemeinde herumzeigt ? Ist das Nachtragen längst vergebener und korrigierter Fehler keine Sünde?

Offenbar nicht. Manche Gläubige betrachten solche üblen Tricks überhaupt nicht als Sünde, sondern als Notwehr, die ja nach unserem Strafrecht nicht bestraft wird. Wer seinen Einfluss und seine Macht verteidigt, der „wehrt sich ja nur“. Deshalb sind alle Mittel erlaubt, die der Verteidigung dienen. Das glauben sie tatsächlich.

Ob Jesus das auch so sieht ?

Die Kanzel ist meist eine Einbahnstraße für Informationen und eignet sich daher sehr gut für Manipulationen. Ursprünglich war es im Gottesdienst so, dass mehrere Brüder vortragen konnten und dass ihre Botschaft von den anderen sogleich geprüft wurde.

Von den Brüdern, die Gottes Weisungen empfangen, sollen nur zwei oder drei sprechen; die anderen sollen das Gesagte deuten und beurteilen (και οί άλλοι διακρινέτωσαν).“ (1.Kor 14,29) Auch bei Jesus sehen wir, dass Zwischenfragen möglich waren.

Üblicherweise beansprucht der Redner auf der Kanzel im Gottesdienst das Redemonopol. Es gilt in vielen Gemeinden als äußerst unhöflich – als Störung – während der Predigt eine Frage zu stellen. Es ist oft auch schon deshalb gar nicht möglich, weil nur der Redner vorne ein Mikrophon hat und der Fragesteller keins.

Wenn die Korrektur durch eine Zwischenfrage fehlt, dann kann der Redner nach Belieben sogenannte „Killerphrasen“ verwenden, die das Interesse der Hörer abbremsen, sich mit bestimmten wichtigen Wahrheiten näher zu befassen.

Ein Beispiel. Der Redner sagt: „Sitzen Theologen hier? Ich kann euch sagen, wir Theologen sind alles Nullen…“ Natürlich enthält dieser Satz Wahrheit. Auch jemand der theologisch arbeitet, soll bescheiden von sich denken und hoch von seinem Herrn. Soweit so gut.

Dieser Satz kann aber auch dazu dienen,  Stimmung gegen wichtige theologische  Reformen zu machen. Und da beginnt die Manipulation und Unredlichkeit. Theologische Arbeit ist notwendig und es ist auch keine Frage, dass etliche Theologen viel seriöser und aufrichtiger arbeiten als andere, die im Strom der üblichen Mehrheitsmeinung mitschwimmen. Wenn dem Redner theologische Verbesserungen bekannt sind, die kein Gehör finden, so ist ein solcher Satz schon sehr manipulativ und unfair.

Der Redner kann Pauschalisierungen verwenden, um dafür zu sorgen, dass immer alles so bleibt wie es ist. „Ich versichere euch, wir alle sind korrupt!“ Das ist nun nichts Neues und sicherlich richtig, dass die Vermischung von geistlichen und fleischlichen Motiven alle Christen betrifft.

Doch dieser Satz kann auch deshalb geäußert werden, um einzuschläfern und um die Gemeinde daran zu gewöhnen, dass sich die Leitung korrupter Maßnahmen bedient. So ist es eben, bitte akzeptiert es! Und wir haben ja mit dem Appell auf der Kanzel genug dagegen getan. Und das ist falsch. Es ist keine Frage, dass korrupte Verhaltensweisen bei den leitenden Brüdern offen angesprochen und in Ordnung gebracht werden müssen. Insbesondere bei schiedsgerichtlichen Entscheidungen darf es Korruption, Parteilichkeit und Fahrlässigkeit überhaupt nicht geben – beides hätte verheerende Folgen für den geistlichen Zustand der Gemeinde.

Bisweilen wird auch eine kritische Sicht geheuchelt. Wortreich redet der Prediger über die Versuchung zum Machtmissbrauch in der Gemeinde und beteuert, dass er davon selber nichts hält. Doch über hilfreiche und notwendige Gegenmaßnahmen erfährt die Gemeinde nichts. Nach der Predigt hat sie nur den (falschen) Eindruck, dass der Redner das Thema im Blick hat und dass es ihm wichtig ist – was gar nicht zutrifft.

Ein Predigtnachbereitungsdienst bietet der Gemeinde die Chance zur Predigt Stellung zu nehmen, sodass Manipulationen seltener werden.

Bibelgläubige Christen sollten im Interesse der geistlichen Gesundheit ihrer Gemeinde den Machtmissbrauch an den im folgenden genannten Methoden erkennen können:

Wichtigtuerei und Arroganz: man weist auf seinen höheren Rang in der sozialen Hierarchie hin, um zu rechtfertigen, dass man dem „weniger bedeutenden“ Gläubigen, der unerwünschte Informationen liefert, nicht zuzuhören braucht.

Die Bibel: Wahrheit hat in sich selbst Autorität. Diese Autorität ist nicht abhängig von dem Rang der Person, die sie übermittelt. Der Knabe Samuel musste dem Priester Eli das Gericht Gottes ankündigen (1.Sam 3). Gott gebrauchte einen erbärmlichen Esel, um der Torheit des Propheten Bileam zu widerstehen (2.Pe 2,16). Gott bestrafte den Priester Amazja, der dem Bauern Amos das Predigen verbot (Amos 7,10 ff). Rangunterschiede in der Gemeinde sind durch Jesus Christus aufgehoben. „Ihr sollt euch nicht Meister nennen lassen, denn einer ist euer Meister, Christus. Wer unter euch groß sein will, der soll allen anderen dienen. Alle, die sich selbst ehren, werden gedemütigt werden. Wer aber den anderen höher achtet als sich selbst, wird geehrt werden.“ (Mt 23, 10-12). Wahrheit hat einen unverwechselbaren Klang. Es ist die Stimme Jesu, des guten Hirten. „Wer die Wahrheit liebt, der erkennt meine Stimme„. (Joh 18,37). Paulus warnt vor Gläubigen, die Ansehen haben, das sie aufgrund ihrer innerlichen Einstellung gar nicht verdienen (2.Kor 5,12)

Ausgrenzung: Gläubige, die auf Fehler hinweisen, lässt man fühlen, dass sie den Frieden stören und nicht richtig dazugehören.

Die Bibel:Nehmt euch ein Beispiel an den Propheten, die im Auftrag des Herrn gesprochen haben. Wie vorbildlich und mit welcher Geduld haben sie alle Leiden ertragen. Menschen, die so standhaft waren, sind wirklich glücklich zu nennen.“ (Jak 5,10-11) „Weh euch, die ihr von allen Seiten gelobt werdet. Denn die falschen Propheten waren schon immer beliebt!“ (Lk 6,26)

Einschüchterung: Man belehrt die Gläubigen, dass jeder Zweifel am eigenen Denkmodell als Angriff auf den Glauben zu sehen ist, den Gott bestrafen muss.

Die Bibel: Paulus war es wichtig, sehr sorgfältig zwischen ausdrücklichem Auftrag Jesu und der eigenen Meinung zu unterscheiden. (1.Kor 7,25) Andernfalls würde er den Namen Gottes missbrauchen und sich damit strafbar machen: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo 20,7)

Üble Nachrede und Verleumdung: Wenn kritische Argumente unangreifbar sind, dann versucht man „unter die Gürtellinie zu treten“. Man wird persönlich und beleidigend, informiert über Fehlschläge oder Mängel in der Karriere, über Krankheiten oder – noch schlimmer – streut Verleumdungen über charakterliche Mängel aus: „wirf mit Schmutz – dann wird schon etwas hängenbleiben…“ Man hofft darauf, dass sich viele, denen gute Argumente unsympathisch sind, hier anschließen und gar kein Interesse mehr haben an der Frage, ob die Kritik zutreffend sein könnte.

Die Bibel:Wir beurteilen niemanden mehr nach rein menschlichen Maßstäben. Selbst wenn wir Christus danach früher beurteilt haben, so gelten diese Maßstäbe jetzt nicht mehr.“ (2.Kor 5,16). „Wer seinen Nächsten hinter dessen Rücken schlechtmacht, dem werde ich den Mund stopfen. Ich kann den nicht ertragen, der sich mit Hochmut und Stolz über andere stellt.“ (Ps 101,5) „Redet nicht schlecht übereinander, liebe Brüder, Denn wer jemanden schlechtmacht und den Stab über ihn bricht, der verstößt gegen Gottes Gebot. Anstatt es zu befolgen, spielt er sich als Richter auf.“ (Jak 4,11-12).

Was tut der gläubige Christ, wenn er den Bruder oder die Schwester falsch handeln sieht? Soll er nichts tun? Keineswegs! Wenn einem Gläubigen zu Recht ein Vorwurf gemacht werden muss, dann sollte ihm immer die Möglichkeit gegeben wurde, das Schädliche seines Fehlverhaltens aus Liebe einzusehen. Jesus forderte, die Sache zunächst unter vier Augen zu klären: „Wer seinem Bruder etwas vorzuwerfen hat, soll erst mit ihm persönlich sprechen, und ggf. einen weiteren Bruder zuziehen.“ (Mt 18,15). Da die Liebe das entscheidende Motiv ist, soll ihm der Vorwurf in angemessener Form mitgeteilt werden: „Liebe Brüder und Schwestern, wenn einer von euch vom rechten Wege abkommt, dann sollt ihr, die ihr von Gottes Geist geleitet werdet, ihn auf liebevolle Weise korrigieren. Seht zu, dass ihr nicht einer ähnlichen Versuchung nachgebt.“ (Gal 6,1)

Wer üble Nachrede verbreitet, redet nur über, aber nicht mit dem Bruder, der sich falsch verhalten hat, sodass dieser gar nicht die Chance erhält, sein Verhalten zu überdenken und zu korrigieren. Gerade das ist ja nicht erwünscht! Der Verleumder möchte stattdessen, dass die anderen denken: „der Bruder handelt nicht nur falsch, sondern er ist darin unverbesserlich.“ Die Leute sollen denken, dass der Beschuldigte charakterlos ist, obwohl das gar nicht erwiesen ist. Der Verleumder ist es also, der die Sünde fortdauern lassen will! Das ist die niederträchtige und unredliche Einstellung, die hinter der üblen Nachrede steht. Gerade bei Christen, die sich mit der Aufdeckung von Missständen unbeliebt gemacht haben, wird geradezu nach Fehlern gesucht. Man freut sich (!), wenn der Bruder sich in irgendeinem Punkt selber falsch verhalten hat und man unterstellt ihm ohne jede Rückfrage, dass er sein Verhalten nicht bereut, damit man etwas gegen ihn in der Hand hat.

Solche Verhaltensweisen dürfen in der Gemeinschaft der Heiligen nicht geduldet werden! Was aber können Christen gegen die Sünde der üblen Nachrede tun? Wird ein Vorwurf erhoben, so müssen sie natürlich immer zuerst die Frage stellen, ob man den Bruder wegen seines Fehlverhaltens „in liebevoller Weise zurechtgewiesen“ hat. Ist das nicht der Fall, so sollten sie die üble Nachrede bei den Schiedsrichtern der Gemeinde unverzüglich anzeigen. Diese werden prüfen, ob der Betroffene zu Unrecht beschuldigt wurde oder ob er sein Fehlverhalten bereut. Ist das der Fall, so werden sie sich öffentlich für ihn einsetzen, um seine Ehre wiederherzustellen. Werden Gläubige plötzlich gemobbt, gemieden oder unfreundlich behandelt, ohne dass sie sich eines Fehlverhaltens bewusst sind, so kann üble Nachrede der Grund dafür sein. Hier hilft es manchmal, wenn man von Gläubigen, von denen die Verleumdung vermutlich ausgegangen ist, eine Erklärung einfordert, was sie über den anderen Nachteiliges gesagt haben.

Provokation. Man bemüht sich, einen Gläubigen, der unangenehme Fragen stellt, durch borniertes und verstocktes Auftreten dahin zu bringen, dass er die Fassung verliert und ärgerlich wird. Dann kann man ihm „Lieblosigkeit“ vorwerfen und ihm überhaupt das Recht absprechen, etwas zu sagen.

Die Bibel:Es ist nützlicher, sich von einem verständigen Menschen scharf zurechtweisen zu lassen, als sich die Lobhudelei dummer Menschen anzuhören.“ (Pred 7,5) Paulus bereute es nicht, dass er die Korinther „durch seinen Brief traurig gemacht hat“ (2.Kor 7,8). Paulus gebrauchte auch die strenge Rede: „Entscheidet also selbst: Soll ich den Stock bei euch gebrauchen oder mit Liebe und Freundlichkeit zu euch kommen?“ (1.Kor 4,21) Dieser Gegensatz zeigt: „der Stock“ wurde zwar auch in Liebe gebraucht, sah aber äußerlich gar nicht wie Liebe aus.

Formale Argumente werden missbraucht, um inhaltliche Argumente nicht anhören zu müssen.  Man taktiert und verweigert das Recht zu reden, weil der Beitrag nicht rechtzeitig angemeldet sei, oder wenn er angemeldet wurde, dass man keine Zeit gefunden habe, ihn ausreichend zu prüfen, oder man behauptet, dass das Thema nicht zur Gemeindetradition passe und die Gemeindemitglieder emotional überfordern und nur Streit anrichten würde. Auch die erwähnte erwähnte Provokation zur „Lieblosigkeit“ gehört zu dieser Taktik.

Die Bibel: Der größte Störenfried der Geschichte war Jesus Christus. Er sagte über sich selbst: „Meint nur nicht, dass ich gekommen bin,  um Frieden auf die Erde zu bringen. Nein, ich bringe Streit! Ich werde Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Schwiegertochter und Schwiegermutter gegeneinander aufbringen. Die schlimmsten Feinde werden in der eigenen Familie sein.“ (Mt 10,34-35) „ Ihr habt durch euren Glauben erkannt, wie wertvoll dieser Grundstein ist. Für alle aber, die nicht glauben, gilt das Wort: »den wichtigsten Stein des ganzen Hauses haben die Bauarbeiter weggeworfen, weil sie ihn für unbrauchbar hielten. Für sie ist es nur ein Stolperstein, der ihnen im Weg liegt, ein ärgerliches Hindernis.«“ (1.Pe 2,8). Nach der Bibel ist der Inhalt grundsätzlich wichtiger als die Form – ein Prinzip, das von fundamentaler Bedeutung ist für die Heilsgewissheit: „Die Abstammung von jüdischen Eltern und die Beschneidung sind nur äußerliche Formen und lassen noch nicht jemand zum Mitglied des Gottesvolkes werden. Du gehörst nur dann dazu, wenn die Beschneidung für dich mehr bedeutet als die Erfüllung toter Buchstaben. Was wirklich zählt, ist eine Beschneidung, die der innere Mensch nötig hat und die durch den Heiligen Geist geschieht. Gott nimmt das sehr wichtig, auch wenn Menschen es für nebensächlich halten.“ (Rö   2,28-29).

Betonung äußerlicher Formen, um innere Missstände zu verbergen. Dies erklärt, weshalb etliche evangelikale Gemeinden, die sich über die in dieser Broschüre erläuterten Gebote Christi unbeirrbar hinwegsetzen, dennoch darauf bestehen, dass keine einzige Frau in die Gemeindeleitung aufgenommen wird. Sie halten es für ihre Pflicht, da der Apostel Paulus es für falsch hielt (1.Tim 2,12). Wenn man aber gleichzeitig die Anordnungen des Paulus, die den schiedsgerichtlichen Dienst betreffen und deren Missachtung sehr schlimme Folgen haben kann, ignoriert, wieso kann man dann den Ausschluss der Frau vom Leitungsamt mit der Ehrfurcht vor dem Wort Gottes begründen? Dass solche Erklärungen tatsächlich noch ernstgenommen werden, zeigt, wie gut man es verstanden hat, die Gemeindemitglieder zur Leichtgläubigkeit zu erziehen.

Die Erklärung liegt doch auf der Hand: das Verbot des Paulus – die Frau betreffend – ist natürlich hochwillkommen, weil es materiell vorteilhaft ist. Auf diese Weise fällt nämlich die gesamte weibliche Konkurrenz um die Pfarrstellen weg. Das vernachlässigte Gebot des Paulus in 1.Kor 6,1 ff schränkt dagegen den Einfluss der Hauptamtlichen zugunsten der Autorität ehrenamtlicher Schiedsrichter ein. Materiell nützt es also in erster Linie dem Geschädigten, der seinen Schaden nicht mehr alleine tragen muss. Den Hauptamtlichen nützt es materiell nicht. Und genau deshalb ist bei vielen überhaupt kein Interesse dafür vorhanden.

Die Bibel:  Wenn Männer versagen, kann Gott durchaus auch Frauen berufen. So setzte Gott Debora als Richterin (!) über das patriarchalische Israel ein (Ri 4,4). Sie teilte Gottes Befehle dem Heerführer Barak mit (Ri 4,6 ff). Der Apostel Johannes schrieb der „auserwählten Herrin“, die in ihrer Gemeinde offenbar notgedrungen die Leitung hatte (2.Jo 1,1). Hätte der Apostel Paulus wirklich Frauen, die bereit waren, sich wie einst Debora für treue Erfüllung schiedsgerichtlicher Pflichten einzusetzen, von der Gemeindeleitung ausgeschlossen, wenn es gar keine Männer gab, die dazu bereit waren? Sicherlich nicht! Der schiedsgerichtliche Dienst ist ja für die geistliche Gesundheit einer Gemeinde von wesentlicher Bedeutung. Den Vorwurf, den er der Frau macht, dass sie sich habe kaufen und verführen lassen (1.Tim 2,14), der trifft doch unter diesen Bedingungen viel mehr für die Männer zu! Die für den Formalismus typische Widersprüchlichkeit kennzeichnete die Pharisäer. Sie machten die Quasten, die das mosaische Gesetz vorschrieb (4.Mo 15,37), besonders lang (Mt 23,5). Sie pflegten die Gräber der Propheten, obwohl sie sich allen Reformversuchen genauso wie ihre Väter widersetzten (Mt 23,29). Sie legten großen Wert auf Reinigungszeremonien, weil das Bemühen um Reinheit des Herzens fehlte (Mt 23,25).

Verständnis heucheln: Manche Älteste halten es für klug, wenn sie Gläubigen, die Kritik äußern, erlauben, sich im Seelsorgezimmer „auszuheulen“. Sie heucheln Verständnis, während sie fest entschlossen sind, die Kritik, deren Berechtigung sie erkennen und die sie nicht widerlegen können, nicht zu beachten. Hier kann man vorbeugen, indem man im Anschluss an das Gespräch ein Ergebnisprotokoll verfasst, das von beiden Gesprächspartnern zu unterschreiben ist (s.Kap. 6.3 „Supervision“ im Anhang der Broschüre „Liebe ohne Fairness„) und in dem auch die nächsten praktischen Schritte vereinbart werden.

Die Bibel:Habt einander innig lieb. Lasst euch immer wieder neu reinigen und durch Gottes Wahrheit zurechtbringen.“ (1.Pe 1,22) „Hört auf mit aller Bosheit und allem Betrug! Heuchelei, Neid und böses Gerede darf es bei euch nicht geben !“ (1.Pe 2,1)

Bevormundung und Abschirmung: Die eigene theologische Meinung gilt als so unantastbar, dass sie nicht mit der Bibel gerechtfertigt werden muss. Über ihre Schwächen darf nicht offen und ehrlich gesprochen werden. Wenn die Gegenargumente zu gut sind oder den eigenen Einfluss oder die Beliebtheit einschränken könnten, bemüht man sich, ihr Bekanntwerden zu erschweren oder zu verhindern.

Ein Beispiel dafür sind gewisse „Heilungszeugnisse“ auf Veranstaltungen mancher Pfingstgemeinden. Die Zuschauer erkennen es nicht, wenn hier ein Kranker (!) seine Heilung öffentlich bezeugt, um Gott sein völliges Vertrauen zu beweisen, und damit Gott zu bewegen, ihn tatsächlich zu heilen. Bleibt die Heilung aus, so wird die Gemeinde natürlich nicht informiert. Das Ausbleiben der Heilung könnte ja ein Hinweis darauf sein, dass der Kranke infolge heimlicher Sünde nicht von Gott erhört wurde. Diese Blamage will man ihm ersparen und der Gemeinde die viel größere Blamage natürlich auch. Außerdem würden viel weniger Leute Mut zu einem Heilungszeugnis haben, wenn im Fall ausbleibender Heilung über eine verborgene Sünde des Hilfesuchenden spekuliert wird. Also sagt man besser nichts. Und so erhält man ein völlig falsches Bild. (Vgl. Philipp Yancey, Von Gott enttäuscht, Metzingen/Württ., 2001, S.32 ff.)   Solange man das Problem nicht offen in der Gemeinde anspricht, wird der Glaubwürdigkeit des Evangeliums mit diesem Selbstbetrug ein schlechter Dienst erwiesen.

Die Bibel: Es gibt keine geistliche Autorität ohne ehrliche Rechenschaft. Paulus schrieb: „In allen Dingen beweisen wir uns als Diener Gottes … mit Hilfe des Wortes der Wahrheit“ (2.Kor 6,4) Ein gläubiger Christ soll in seinem Reden und Tun jederzeit „wahrhaftig, ehrbar und gerecht“ (Phil 4,8) sein.

Ein überzeugender Schriftbeweis berücksichtigt die biblischen Prioritäten, insbesondere die absolute Priorität der Maßstäbe „Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit“ (Mt 23,23). Wer diese Maßstäbe als zweitrangig betrachtet, hat überhaupt keine geistliche Autorität. „Aber fragen wir noch einmal: wie kann Gott mich als Sünder ansehen und bestrafen, wenn doch erst durch meine Falschheit seine Wahrheit umso heller aufstrahlt. Wäre es dann nicht viel besser, nach dem Motto zu leben: lasst uns das Böse tun, denn es kommt ja letztlich das Gute dabei heraus!? … Solche Leute trifft das strengste Urteil mit vollem Recht!“ (Rö 3,7-8)

Ananias und Sapphira erzählten der Gemeinde nur die halbe Wahrheit. Sie sagten, dass sie das Geld für den Erlös des ganzen Ackers spendeten, während sie doch einen Teil zurückbehielten. Obwohl die Gemeinde größtenteils aus Glaubensanfängern bestand, wog diese Lüge so schwer, dass beide deshalb sterben mussten. (Apg 5,10) Christen sind keine „religiöse Kundschaft“ der Gemeinde. Sie sind durch den Heiligen Geist zur Königswürde berufen. Die ihnen von Gott verliehene Würde wird nicht ungestraft missachtet.

Sich-tot-Stellen: Auf warnende Hinweise wird nicht reagiert. Man stellt sich tot und hofft, dass die Machtverhältnisse stabil bleiben und dass dem, der unerwünschte Informationen liefert, allmählich die Kraft ausgeht. Wenn dessen Gegenargumente auf die Bibel gegründet und besser sind, gibt man es keinesfalls zu. Stattdessen wiederholt man mehrfach die Propagandaphrasen, die für diesen Fall vorgesehen sind, um seinen unerschütterlichen Glauben an die eigene Sicht zu bezeugen.

Die Bibel: Die Propheten haben das biblische Recht in Treue verkündet, auch wenn sie es nicht durchsetzen konnten und für ihren Dienst von jedermann gehasst wurden. (Jer 15,10 ff) Dem Propheten Hesekiel wurde schon am Anfang seines Predigtdienstes mitgeteilt, dass das Volk nicht auf ihn hören würde. (Hes 3,7 ff) Die Pharisäer und Schriftgelehrten reagierten auf die sachgemäße Frage Jesu mit verstocktem Schweigen. (Mk 3,4) Jesus lobte die Witwe, die der ungerechte Richter lange Zeit im Stich lässt, und die dennoch unermüdlich um ihr Recht bittet. Durch ihre Beharrlichkeit erreicht sie am Ende doch, dass der Richter seine Pflicht tut, weil er Angst bekommt. Er muss nämlich fürchten, dass sein Verhalten allmählich überall bekannt wird. Jesus gibt am Ende der Geschichte seinen Hörern eine „Erfolgsgarantie“: „Achtet darauf, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott nicht auch seinen Auserwählten zu ihrem Recht verhelfen, wenn sie ihm mit ihren Bitten Tag und Nacht keine Ruhe lassen ?  Sollte er sie lange warten lassen ? Ich sage euch: er wird ihnen sehr bald helfen !“ (Lk 18, 6-8)

Was wahr ist, bleibt immer und ewig wahr. Wenn etwas gelogen ist, dann kommt es eines Tages heraus.“ (Spr.12,19). Wer auf der Seite Jesu Christi steht, kann sich Wahrhaftigkeit leisten. Er hat es nicht nötig, unredliche und manipulative Methoden zu verwenden und wird diejenigen in der Gemeinde warnen, die immer noch meinen, nicht auf sie verzichten zu können.