Wer ist ein Namenschrist?

Lieber Bruder ….,
Dem Satz, dass Namenschristen „draußen bleiben“ und keinen Zugang zum Himmel erhalten werden, kann ich ohne Wenn und Aber zustimmen. Jesus sagt es uns ausdrücklich (Mt 7,21ff / 25,1 ff.), dass seine Antwort auf ihr Jammern sein wird: „Ich kenne euch nicht“. Sie haben Recht, wenn Sie darauf hinweisen.

Die Frage aber ist: wer ist ein Namenschrist, d.h. ein Mensch, der sich zu Unrecht als Christ bezeichnet.

Stellen wir uns einen Menschen vor, der bei sich selbst also betet: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, und wie all die lauen Versager, die nicht den Zehnten geben, sondern dass ich alle deine Gebote in zufriedenstellendem Maße beachte. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. … Ist dieser Christ nun echt oder ein Namenschrist?

Jesus jedenfalls hält offensichtlich auch diese Art von Frömmigkeit für inakzeptabel (Lk 18,9) Mit dem Tun der Gebote ist es eben nicht getan, auch wenn man „überzeugt ist“, es in „zufriedenstellendem Maße“ zu tun. Wenn Paulus sagt: „»Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!« (Gal 3,10) so zieht er daraus keineswegs den Schluss, dass der Gläubige alles tun müsse, um sich zu retten, denn der vorige Satz sagt ja: „Wer dagegen darauf vertraut, von Gott angenommen zu werden, weil er das Gesetz erfüllt (=alles tut), der steht unter einem Fluch“ (ebd.)

Dieser Fluch vergiftet den Glauben ganz unauffällig, so wie auch nur eine kleine Menge Sauerteig unmerklich den ganzen Teig durchsäuert (Gal 5,9)

Deswegen muss man eine klare Grenze zur Werkgerechtigkeit ziehen – so wie es Paulus in aller Deutlichkeit getan hat. Der Autor von „klartext“ tut das leider bis heute nicht Dass die Webseite „klartext“ eine große Menge an gutem Teig (biblische Wahrheit) enthält (nicht zuletzt die vielen Tips für eine bessere Verwendung des Mammons sind zweifellos nützlich), ändert an der Gefährlichkeit einer werkgerechten Verfälschung, d.h. eines äußerlichen Gehorsams mit ungeistlichen Motiven nichts.

Jesus ist nicht der Nachweis einer „zufriedenstellenden“ Erfüllung der Gebote wichtig (Wie sollte man auch zuverlässig feststellen können, „wieviel zum Heil reicht“ ? ), sondern die Vorbereitung des inneren Menschen auf sein Kommen mit Hilfe geistlicher Übungen. Wenn der Gläubige hierin fleißig ist, dann wird ihm der Segen und der Sinn der göttlichen Gebote immer mehr bewusst. (https://www.matth2323.de/was-bedeutet-wach-bleiben/) Er richtet sich dann aus Einsicht und nicht aus Angst von Drohungen getrieben, nach ihnen – aus Liebe zu Gott und den Menschen, und nicht aus frommem Eigennutz („um garantiert in den Himmel zu kommen.“)

Christus hat uns erlöst vom Fluch des Gesetzes” (Gal 3,13) Er hat uns zur Freiheit befreit (Gal 5,1) Christen müssen sich den Himmel nicht sichern, er ist ihnen durch den Glauben an Jesus, der an ihrer Stelle das Gesetz vollkommen erfüllte, geschenkt. Wer sich der Führung Jesu anvertraut, der „weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ruchlosen“ (1.Tim 1,9) also den Menschen, die überhaupt nicht nach Gottes Willen fragen.

Was kann der Gläubige über diese Freiheit, die Paulus ein zentrales Anliegen war, vom Verfasser des „klartext“ lernen? Man sieht dort immer wieder ein fortwährendes Hin – und Herschwanken zwischen der Versicherung der Liebe Gottes und der Androhung ihres endgültigen Entzuges.

Dem klartext-Autor fällt es offenbar schwer, die Widersprüchlichkeit zu erkennen. So schreibt er z.B. „Niemand wird in die Hölle geworfen, nur weil er (oder sie) den Zehnten nicht gibt. Aber… wer sich um das Geben des Zehnten „herummogelt“, wird auch sonst durch sein tägliches Verhalten nicht allzu viel Begeisterung für den Herrn unter Beweis stellen. Deshalb warnt uns Jesus Christus in der Offenbarung mit knallharten Worten: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. (Wenn du Jesu Worte nicht mit Begeisterung in die Tat umsetzt, dann verhältst du dich in seinen Augen lau.) Weil du aber lau bist … werde ich dich ausspeien (ausspucken) aus meinem Munde. (Deshalb will ich dich nicht in meinem Reich.).“ Ende des „klartext“-Zitats. (http://www.jesus-im-klartext.keepfree.de/zehnte-vom-brutto-oder-netto.html; etwa in der Mitte des Textes)

Eigentlich eine einfache, übersichtliche Folge: kein Zehnter – keine Begeisterung – Lauheit – Ausgespuckt werden – Ausschluss aus dem Himmel. Der Ausschluss aus dem Himmel ist doch nichts anderes wie der Eintritt in die Hölle – oder gibt es für „klartext“ noch eine dritte Möglichkeit? Wir erfahren es nicht. Also macht er doch, was er wenige Sätze vorher bestritten hat, er behauptet: wer nicht den Zehnten gibt, kommt in die Hölle.

Wie soll denn durch solche „klartext“-„Erkenntnisse“ verlässliche Klarheit über das Leben mit Gott entstehen?

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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