Verbreitung von Falschmeldungen


Bedenklich:  unter Gläubigen mit herkömmlich buchstabenhöriger Weltanschauung das Interesse an seriöser Selbstüberprüfung nicht sehr weit entwickelt: Der evangelikale Mainstream glaubt und verbreitet gravierende Falschmeldungen ungeachtet aller Gegenbeweise bis zum heutigen Tag

Hat man es so gelernt? Wer aufrichtig nachprüft, dem droht der Verlust des Glaubens? Ist das nun Glaube oder Unglaube? Warum ist man nicht bereit, Gott zuzutrauen, dass er dem nach Wahrheit Suchenden tatsächlich entgegenkommt, wie er es in Jak 4,4 versprochen hat? Ist es überhaupt vorstellbar, dass Gott, dessen Zuverlässigkeit man lautstark bezeugt, sich buchstäblich in Nichts auflöst, sobald man irgendeine der üblichen Falschbehauptungen durch seriöse Prüfung und Beobachtung ersetzt? Das soll wahr sein? Dabei fordert uns Gottes Buch auf, mit Gottes Gegenwart und Hilfe zu rechnen und gerade in Glaubensdingen keine Lügen zu dulden: „Ihr wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt.“ (1.Joh 2,21). Ja die Bibel wird noch deutlicher: das „Lügen für Gott“ zieht Strafe nach sich: „Wollt ihr Falsches reden für Gott / und Lügen vorbringen für ihn? Wollt ihr für ihn Partei ergreifen, / Gottes Sache vertreten? Wird es gut für euch sein, wenn er euch erforscht? /Lässt er sich von euch täuschen wie ein Mensch? Tadeln, ja tadeln wird er euch, / wenn ihr heimlich Partei ergreift. Erschreckt ihr nicht vor seiner Majestät, / wird die Angst vor ihm euch nicht packen? Eure Sätze sind nur Sprüche aus Staub,  eure Schilde bestehen aus Ton. Seid still, ich will jetzt reden, / mag über mich kommen, was will.“ (Hiob 13,7-13)

Folgende leicht zu widerlegende (!) Falschbehauptungen sind im evangelikalen Mainstream weit verbreitet:

1. Leugnung des biblischen Zeugnisses über die Lückenhaftigkeit der biblischen Überlieferung
2. Leugnung bzw. Ignorieren des ältesten Kanon-Zeugnisses
3. Selektive Wahrnehmung biblischer Geschichte.
4. Leugnung und Verharmlosung kirchengeschichtlicher Fakten
5. Abstreiten der destruktiven Folgen buchstabenhöriger Theologie
6. Etabliertes, aber intellektuell unredliches Verständnis alttestamentlicher Messiasprophetie.
7. Verbreitung von Ansichten, die Jesus selbst kritisiert hat
8. Phantastereien über angeblich wunderbare Ereignisse und Heilungen
9. Etablierte, aber bevormundende Autoritätsstrukturen in der Gemeinde.


 

 

1. Leugnung des biblischen Zeugnisses über die Lückenhaftigkeit der biblischen Überlieferung

Buchstabenhörige Gläubige sind der „festen Überzeugung“, dass das biblische Wort – kaum von Gott gesprochen, von Menschen mit größter Sorgfalt und Genauigkeit überliefert worden ist. Von Anfang an sei das die Aufgabe spezialisierter Schriftgelehrter, der „Masoreten“ gewesen. War das wirklich so? Die Bibel selbst bezeugt Zeiten jahrzehntelanger völliger Vernachlässigung der ältesten biblischer Texte, sodass selbst auf Regierungsebene zur Zeiten des Richterbuches und zu Zeiten der Könige Manasse bis Josia niemand etwas von ihrem Vorhandensein ahnte. Das sagt die Bibel selbst. (siehe Details!) Doch strenggläubigen Evangelikalen ist das auch nach jahrzehntelangem Bibelunterricht gewöhnlich völlig unbekannt, sodass sie eine lückenlos genaue Überlieferung alttestamentlicher Texte unterstellen.

 

2. Leugnung bzw. Ignorieren des ältesten Kanon-Zeugnisses

Viele Gläubige sind der „festen Überzeugung“, dass alle wahrhaft Gläubigen sich über den Umfang des inspirierten Kanons einig waren und einig sind. Ist das wahr? Eigentlich ist allgemein bekannt, dass ihr Aushängeschild Martin Luther die geistliche Qualität von vier neutestamentlichen Schriften entschieden bestritten hat, und sich seinerseits auf Entscheidungen etlicher Kirchenväter beruft. Insbesondere der Hebräerbrief, der ausgerechnet Märtyrern, die bereits um des Glaubens willen „den Raub ihrer Güter mit Freuden erduldet haben“ (Hebr 10,34) viermal den völligen und endgültigen Verlust der Gnade Gottes androht,  falls sie zuviel gesündigt oder zu wenig geglaubt haben sollten, und der dafür das abschreckende Beispiel des Esau bemüht, wurde von Martin Luther unter Berufung auf etliche Kirchenväter wegen seiner destruktiven Wirkung auf die Heilsgewissheit als nur teilweise seriös, d.h. als „apokryph“ eingestuft. Äußerst fragwürdig darin ist auch die Darstellung des Jephtah als Glaubensheld. Das älteste erhaltene Zeugnis des neutestamentlichen Kanons (der Kanon Muratori) enthält ebenfalls keinen Hebräerbrief. Stattdessen zählt es die „Offenbarung des Petrus“ zum Kanon, eine Schrift, die in abstoßend sadistischer Weise die Höllenqualen ausmalt, woraus wir ersehen können, dass schon die frühe Kirche bemüht war, die Gläubigen mit übertriebenen Ängsten einzuschüchtern. Diese Schrift wurde erst später (irgendwann im 2.Jht nach Chr) endgültig aus dem Kanon entfernt.  Eigentlich musste sie nachträglich in jede Bibelausgabe eingefügt werden – mit dem Vermerk: „von der Christenheit allgemein anerkannt bis ca. 145 nach Christus“) Hat es Zweck, buchstabenhörige Gläubige mit dieser Tatsache zu konfrontieren? Dabei ist diese Information für die seelische Stabilität von Gläubigen sehr wichtig. Ich fürchte, sie werden dennoch immer weiter behaupten, dass der Umfang des Kanons „immer völlig klar“ war.

[zurück zum Anfang der Liste]

 

 

3. Selektive Wahrnehmung biblischer Geschichte.

Auch die Wahrnehmung der Persönlichkeit König Davids ist in evangelikalen Kreisen häufig sehr einseitig, da man sich von tradierten Wunschvorstellungen nicht lösen kann. Die Untersuchung der „no-comment-Texte“ in der Königsgeschichtsschreibung zeigen uns, dass David außer dem Ehebruch mit Bathseba und dem Auftragsmord an Uria noch weitere, z.T. weitaus schlimmere Verbrechen beging. Unter Evangelikalen sind diese Berichte kaum jemandem bekannt, da sie schlecht mit der Vorbildfunktion Davids und mit der (von David angeordneten) Hofberichterstattung zusammenpassen, gemäß der David „ein Mann nach dem Herzen Gottes“ war und sich angeblich außer dem einen Fehltritt mit Bathseba und Uria nichts habe zuschulden kommen lassen. (1.Kö 15,5) So sah sich König David – aber würde es Jesus auch so sehen? Diese Frage darf bei Evangelikalen offenbar nicht gestellt werden.  Üblicherweise werden diese Texte ignoriert – und hinterlassen allenfalls im Gedächtnis des eilig weiterblätternden Bibellesers einen deprimierenden und bösartigen Eindruck.

[zurück zum Anfang der Liste]

 

 

4. Selektive Wahrnehmung bzw. Leugnung kirchengeschichtlicher Fakten:

Bis heute wird über Luther wird in evangelikalen Kreisen durchweg positiv berichtet. Eine Distanzierung von den schweren Verbrechen, die in seinem Amt auf sein Betreiben hin jahrelang begangen wurden, geschieht kaum: die Verfolgung und Ermordung von tausenden baptistischen Glaubensbrüdern, gewissenhaften evangelischen Predigern ohne fürstliche Lizenz, Andersdenkenden, Juden, angeblichen Hexen und behinderten Kindern.

Typische Reaktion eines Pfarrers: „Das kann man der Gemeinde nicht zumuten!“

Muss man das Unsägliche „taktvoll“ übergehen, weil man Luther als untadelige Ikone braucht? Wie kurzsichtig ist das! Wird er dadurch etwa untadelig? „Ein geschöntes Geschichtsbild“ mag ja den Zuhörern erhebende Gefühle verschaffen.  Es ist de facto ein Linsengericht, für das der weitaus höhere Schatz der Glaubwürdigkeit eingetauscht wurde. Ist es glaubwürdig und ehrenhaft, den Holocaust zu leugnen? Wo ist der qualitative Unterschied zu einer Bagatellisierung der üblen Taten Luthers?

Dabei ließe sich aus den düsteren Fakten eine Menge über Machtmissbrauch von Theologen lernen.

Wie kann ein gläubiger Mensch, der Tag für Tag die Bibel mit größter Hingabe und mit Gebet studiert, dennoch auf so schreckliche Irrwege kommen? Lag es an nur an der Zeit, in der er lebte? Warum sind dann viele seiner gläubigen Zeitgenossen, die die Bibel viel weniger studiert haben, menschlich und barmherzig mit Andersdenkenden umgegangen?

Auch theologisch ergeben sich wichtige Fragen: wieviel kann ein Mensch, der sich so verhält, von christlicher Freiheit verstanden haben? Luther hat es irgendwann in einer Tischrede auch einmal zugegeben, dass er Mühe hatte, die unangemessene Handhabung des Gesetzes zu erkennen. “Kein Mensch auf Erden ist, der da kann und weiß das Evangelium und Gesetz recht zu unterscheiden. Wir lassen es uns wohl dünken, wenn wir hören predigen, wir verstehen es; aber es fehlet weit, allein der heilige Geist kann diese Kunst. … Ich hätte wohl auch gemeint, ich könnte es, weil ich so lange und so viel davon geschrieben habe; aber wahrlich, wenn es ans Treffen geht, so sehe ich wohl, dass es mir es weit, weit fehlet! Also soll und muss allein Gott der heiligste Meister und Lehrer sein!” (Martin Luther, Tischreden, ausgewählt von Karl Gerhard Steck, München 1959, S.42.)

Dennoch geistert unter Evangelikalen bis zum heutigen Tag die Behauptung herum, dass die Not mit dem Gesetz „ein überwiegend katholisches Problem“ sei, dass dank der evangelischen Theologie nicht mehr existiere.

[zurück zum Anfang der Liste]

 

 

5. Abstreiten der destruktiven Folgen buchstabenhöriger Theologie

Auf diesem Auge sind evangelikale Hardliner bekanntlich blind („Blinder Fleck„). Dabei sind die schädlichen Wirkungen leicht nachzuvollziehen („Giftige Theologie„).

Der Hebräerbrief, an dem Luther verzweifelte, zeigt sehr klar die ganze Problematik verunsichernder Aussagen in der Bibel zum Heilsbeitrag der Gesetzeserfüllung. Gehen junge Witwen, die trotz Ehelosigkeitsgelöbnis wieder geheiratet haben, mit unvergebener Schuld in die Ewigkeit (1Tim 5,12)? Leben Wiederverheiratete permanent in der Sünde des Ehebruchs und sind deshalb vom Himmel ausgeschlossen (1.Kor 6,9 / Hebr 13,4)? Warum droht dem Gläubigen, der in einer belanglosen Frage gegen sein Gewissen handelt, der geistliche Tod (Rö 14,15)? Werden Gläubige, die nicht zu völliger Selbstverleugnung bereit sind, ihr geistliches Leben verlieren (Luk 18,24 / Luk 9,24)? Ist der, der nicht alles tut, was er Gutes weiß, durch Sünde von Gott getrennt? (Jak 4,17) Wie gefährlich für das Heil ist das Festhalten an kleinen Vergehen, wenn es selbst der Gerechte nur mit knapper Not in den Himmel schafft? (1Pe 4,18) Wie zuverlässig können hier Mutmaßungen über die göttliche Barmherzigkeit helfen, wenn Gott vor Anbeginn der Welt festgelegt hat, dass nur wenige (Mt 7,14) den Weg zum Heil finden und die ganze übrige Menschheit EWIG für ungezählte Jahrmilliarden in der Hölle gefoltert wird? „Und der Rauch von ihrer Qual steigt auf in alle Ewigkeit“ (Offb 14,11) Dieser grenzenlos brutale Satz hat in der Seele so mancher Gläubigen bereits in der Jugendzeit ein Grauen erzeugt, das bis heute andauert.

Tatsächlich „frei vom Gesetz“ ? Frei von Verdammungsangst? Nun kann man sagen: selbst wenn die Gläubigen alles getan haben und tun müssen, ihre Leistung reicht zur Errettung nie. Insofern kann man auch trotz größter Gewissensbelastung immer von dem „Geschenk der Errettung“ sprechen. Auch die gesetzlichsten Gemeinden tun das. An der Gewissensnot, an der Verdammungsangst ändert das nichts, die den sorgfältigen Bibelleser quält. Nur dass er dafür gewöhnlich sich selbst die Schuld gibt, und vielleicht sein Leben lang meint, dass er diese Not aufgrund seiner geistlichen Unvollkommenheit verdient habe.

Luther, der nun wahrlich ein sehr guter Kenner der Heiligen Schrift war, hat seinen Seelenfrieden nur so retten können, indem er den Hebräerbrief als apokryphe Schrift einstufte (womit er übrigens einer in der frühen Christenheit verbreiteten Einschätzung folgte) Apokryphe Schriften haben den Rang einer guten Predigt, in der leider auch manches zu finden sein kann, was Gläubige mit gutem Grund ablehnen müssen. Hätte es ein „Turmerlebnis“, eine Reformation mit einem „irrtumslosen“ Hebräerbrief gegeben? Ich möchte es bezweifeln. Warum kann man dann nicht ehrlich zugeben, dass bei evangelischen Christen durch den Hebräerbrief eben dieselben Nöte wie bei Luther entstehen können?

Das Neue Testament selbst warnt davor: „der Buchstabe tötet“ (2.Kor 3,6). An dem Wahn, der Gläubige sei zu einem Leben völliger Selbstlosigkeit verpflichtet (Luk 9,24 / 14,33 / Jak 4,17 / 1Jo 3,8-9) , wenn er sich nicht den Zorn Gottes zuziehen will, sind schon viele Gewissen zerbrochen. Dabei muss dieser Wahn noch nicht einmal direkt gelehrt werden. Wenn allgemein ein Klima gepflegt wird, das durch Bedrohung und Anklage geprägt ist, so können sich Bibelworte im Denken gutwilliger Gläubiger, die sich trotz allen Bemühens weiter eingeschüchtert sehen, so miteinander verbinden und verheddern, dass eine die Seele vergiftende Wirkung eintritt (Sorgfaltsparadox). Aus solcher „Verriegelung des Denkens“ finden Gläubige kaum heraus, wenn jedes Bibelwort von vornherein als unfehlbar und unantastbar gelten soll, sodass die Prüfung und Bewertung als strafwürdige Rebellion gegen Gott selbst erscheinen muss. Die notwendige innere Distanzierung zu einzelnen überfordernden Bibelworten ist dann kaum möglich.  Wenn der Loslösungsprozess zu lange dauert, drohen schwere psychische Schäden.

Die evangelikale Szene steht dem religiösen Missbrauch hilflos bis gleichgültig gegenüber und nutzt ebenso wie die Zeugen Jehovas und die katholische Kirche das staatliche Nötigungsprivileg. Zwar ist ein nicht-materialistisches (!), glaubensfreundliches Gegenkonzept   seit ca. einem Jahrzehnt verfügbar, das erfahrungsgemäß schnell und gründlich für Abhilfe sorgt (Bibeltreue 2.0), ein Bibelverständnis, das die speziellen Eigenarten und Funktionen von Texten in der Bibel gründlicher untersucht und eine grobe Unterscheidung zwischen unfehlbaren Lehrtexten und abwertungswürdigen „Übungstexten“ zulässt.  Doch unerbittlich hält der fromme Mainstream an dem Dogma fest, dass ausnahmslos alle Bibelworte unantastbares Gotteswort seien inklusive Massenmord an Kindern und Sexsklaverei und nicht relativiert oder kritisch gesehen werden dürfen. Obwohl die Apostel selber (Apg 15) und auch Jesus (Luk 9,52-55) solche Relativierungen  vorgenommen haben.

In der Türkei wurde doch tatsächlich im letzten Jahr ein grauenhafter Gesetzesvorschlag eingebracht, der Deu 22,29 quasi 1 zu 1 auf heute überträgt. (Quelle: https://www.wz.de/politik/ausland/tuerkei-straffreiheit-fuer-vergewaltiger-wenn-sie-das-opferheiraten_aid-48628739) .Die Vergewaltigung von Minderjährigen soll straffrei bleiben, wenn der Täter das Opfer hinterher heiratet.

Natürlich lehnen buchstabenhörige Gläubige heute diesen Vorschlag heute unisono ab, halten ihn objektiv für falsch, obwohl sie – welche Schizophrenie – zugleich die Unfehlbarkeit von Deu 22,29 vertreten, wo genau das als Gebot formuliert und gefordert wird. Wieso sollte das Gebot nicht mehr gelten? Es ist nie aufgehoben worden. Und es darf eigentlich auch nie aufgehoben werden, da nach Mt 5, 18 nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes hinfällig werden darf „ehe dass Himmel und Erde vergehen.“ Indes ist nicht schwer zu sehen, dass dieses angeblich „unfehlbare“ und „irrtumslose“ Gebot destruktivste Folgen hat. Diese Folgen mit irgendeiner „Versorgungsfunktion“ zu rechtfertigen, ist absurd. Dies Funktion könnte von der Priesterschaft oder jeder anderen Institution sicher sinnvoller ausgeübt werden  als gerade durch den Straftäter, der die Vergewaltigung und Traumatisierung dann zeitlebens in der Ehe fortsetzen würde.

Vertreter der herkömmlich buchstabenhörigen Weltanschauung sind zu einem Qualitätsvergleich mit der alten Sichtweise grundsätzlich nicht bereit. Lieber nimmt man in Kauf, dass immer wieder Gläubige lebenslang an destruktiv wirkenden Bibelstellen verzweifeln. Es ist sogar erwünscht, dass sie es in der Gemeinde nicht mehr aushalten, dann stören sie wenigstens nicht mehr.

So hat sich auch nach jahrelangen Bemühungen jede Hoffnung zerschlagen, dass die Ev. Allianz wenigstens eine einzige  Anlaufstelle für Geschädigte einrichtet, wo Betroffene über den erlittenen Missbrauch berichten können und wo Ursachen und Verantwortlichkeit ermittelt werden. Schon gar nicht darf mit der Einrichtung eines Haftungsfonds für Geschädigte gerechnet werden.

Obwohl Jesus sich prüfen ließ (Joh 8,46), obwohl sich Paulus prüfen ließ (Apg 17,11) und aufforderte, alles (1.Thes 5,21) und insbesondere Leute zu prüfen, die im Auftrag Gottes zu reden behaupteten (1.Kor 14,22) ist eine Prüfung des von Theologen erdachten und beschlossenen buchstabenhörigen Bibelverständnisses in herkömmlich buchstabenhörigen Gemeinden nicht erlaubt. Deswegen gibt es auch so gut wie keine „bibeltreue“ Webseite, die alle Kommentare unzensiert abdruckt. Trotzdem versteht man sich mit bestem Gewissen als legitime Vertreter der „Wahrheit“.

Weit weist man den Gedanken von sich, dass eine dilettantische und unehrliche Theologie für die seelische Not der Betroffenen verantwortlich sein könnte. Sie wird nach wie vor nur als privates und grundsätzlich selbstverschuldetes Problem gesehen, das niemanden etwas angeht.

Gewöhnlich halten es Betroffene in den betreffenden Gemeinden auch nicht lange aus – der Widerspruch zu dem, was Paulus wollte, ist für sie unerträglich : Wenn ein Glied des Leibes leidet, so leiden alle Glieder mit“ (1.Kor 12,26)  Für die Gemeinden selbst ist das ganz praktisch: das Problem hat sich auf diese Weise für sie von selbst gelöst und sie können sich wieder einreden, dass sie glaubwürdige Verkünder der „Liebe“ und der „Wahrheit“ sind. Gewöhnlich machen Gläubige, die erheblich geschädigt worden sind, in Zukunft einen großen Bogen um evangelikale Gemeinden, um neue Verletzung zu vermeiden.

So weiß bis heute niemand, wie viele Menschen in evangelikalen Gemeinden durch Missbrauch der Bibel geschädigt worden sind. Niemand zählt die Tausende, die alle Hoffnung auf eine glaubwürdige Antwort aufgegeben und den Glauben ganz aufgegeben haben. Viele Gläubige ahnen nicht einmal, dass ihre Theologie riskant sein könnte, da sich evangelikale Institutionen bis heute weigern, alternative Inspirationsmodelle („Update„) zu Prüfungszwecken bekanntzumachen. 

[zurück zum Anfang der Liste]

 

 

6. Etabliertes, aber intellektuell unredliches Verständnis alttestamentlicher Messiasprophetie.

Die Idee der erfüllten Prophezeiung taucht in den Evangelien sehr oft auf. Immer wieder heißt es: : „auf dass erfüllt würde….“ Soll damit aber gesagt werden, dass es sich hier um Beweise juristisch bedeutsamer Qualität handelt,  gar um einen „Gottesbeweis“ wie es z.B. evangelikale Aushängeschilder wie Prof. Dr. Werner Gitt behaupten, unwiderlegbare Beweise, die geeignet sind, Ungläubige zum Glauben zu zwingen? Oder sind es Hinweise für Gläubige, die den engen Zusammenhang zwischen Alten und Neuem Bund beleuchten sollen?

Eines lässt sich sicher nachweisen: dass eher die zweite Deutung als „Hinweise für die Gemeinde“ in Frage kommt, auch wenn einige Vorhersagen tatsächlich einen starken Impuls zum Staunen und Vertrauen geben.

Eine detaillierte Untersuchung hierzu enthält der Beitrag „Beweiswert der Prophetie.“

[zurück zum Anfang der Liste]

 

7. Verbreitung von Ansichten, die Jesus selbst kritisiert hat:

In gewissen frommen Gruppen wird unbeirrt Krankheit als Beweis für hartnäckige Sünde und mangelnden Glauben angesehen. Wäre man nicht so blind und selbstgerecht, könnte man sehen, dass dies eine pharisäische Denkweise ist, die längst von Jesus kritisiert worden ist. (Bericht von der Heilung des Blindgeborenen: Joh 9,2-3). Man könnte dann erkennen, dass man mit solchen Lehren kranken Menschen Geringschätzung entgegenbringt und zusätzliches Leid aufbürdet. (s.a. der Vortrag von Siegfried Zimmer „Gott und das Leid“. Sehr empfehlenswert!)

Wem fällt es noch auf, dass die Regeln der christlichen Gemeinde von einer Tradition bestimmt sind, die in wichtigen Punkten erheblich von dem abweicht, was Jesus und die Apostel für richtig hielten?

[zurück zum Anfang der Liste]

 

8. Phantastereien über angeblich wunderbare Ereignisse und Heilungen.

Es kommt auf ganz natürliche Weise immer wieder zu falschen Heilungsberichten:

Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann könnt ihr zu diesem Berge sagen „Versetze dich an einen anderen Ort!“ so wird sich der Berg versetzen; und euch wird nichts unmöglich sein“ (Mt 17,20) In vielen Gemeinden ist die Anschauung verbreitet, man könne am besten unerschütterlichen Glauben beweisen, indem man die Erfüllung des Gebetes öffentlich als bereits geschehen verkündet. So kommen Leute in krankem Zustand im Gottesdienst nach vorne und bezeugen öffentlich eine Heilung, die nicht stattgefunden hat, aber sehnlich erwartet wird. Wenn die Heilung trotz des Bekenntnisses nicht stattfindet, dann wäre eigentlich eine öffentliche Richtigstellung am Platz. Doch dazu fehlt der Mut, umso mehr, als dann die Gläubigen dem Bekennenden unterstellen, dass das Festhalten an Sünde an irgendeiner geheimen Schlechtigkeit für das Ausbleiben der Erhörung verantwortlich sein könnte. Der Kranke muss also zusätzlich zu seinem Leid noch die Missbilligung von Glaubensgeschwistern ertragen. So bleibt sein „Zeugnis“ unkorrigiert. (Dazu eine Buchempfehlung: Yancey, Philipp, Von Gott enttäuscht, SCM-Brockhaus Verlag)

Wenn Gemeindelehrer falsche Berichte unkorrigiert stehen lassen, obwohl sie gut darüber informiert ist, dass sie nicht stimmen. (Unter der Menügruppe „Griff ins Klo“/ Seelsorge ohne Gewissen zeigt sich diese Einstellung in einem Interview mit einer bekannten evangelikalen Leitfigur: „Das gehört dazu“), dann fördern sie damit eine Kultur des Selbstbetruges und der Manipulation auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Wahrheitsliebe.

(Die übliche Reaktion auf den Versuch der Korrektur waren bisher nicht etwa bessere Argumente, sondern soziale Distanzierung, Vermeidung des Kontaktes, „um sich nicht zu verunreinigen“, und Anschluss  an eine Leitfigur, die wenn schon nicht in Argumenten, so doch in ihrem gebieterischen Auftreten das Gefühl der Überlegenheit vermittelt.  Wie wirkt das wohl auf Außenstehende?)

Wenn du Argumente dieses Beitrags widerlegen kannst, nutze die Kommentarfunktion oder schreibe uns über das Kontaktformular. Bei uns werden keine Informationen unterdrückt. Hier geht es ehrlich zu! Alle zugesandten Beiträge werden veröffentlicht! 


 

9. Etablierte, aber bevormundende Autoritätsstrukturen in der Gemeinde.

Details siehe hier.

[zurück zum Anfang der Liste]

 

 

 

 

 

Artikel aktualisiert am 16.02.2022

2 thoughts on “Verbreitung von Falschmeldungen”

  1. Liebe Schwester M,
    Danke für Ihr Vertrauen, dass Sie uns geschrieben haben. Wenn sich ein Schreiben nur schwer einem unserer Beitrag zuordnen lässt, dann kann man es über unter Kontaktformular (https://www.matth2323.de/kontakt/) abschicken. Es erscheint dann dieser Webseite entweder als eigener Beitrag unter dem Menüpunkt „Blog“ oder unter den Notfall-Berichten (https://www.matth2323.de/notfall-berichte/).

    Ihr Beitrag hat jetzt die Adresse
    https://www.matth2323.de/droht-mir-doch-die-hoelle/ Dort ist auch unsere Antwort zu finden.

    Lieben Gruß Benignus

  2. Leider habe ich jetzt nicht alles durchlesen können. Wenn Ihre Seite nur hoffentlich Recht hat. Gerade vorhin habe ich mir wieder zwei Bibel-Videos angesehen von (hab den Namen nicht behalten), es ist ein sehr sympathischer Engländer, der jetzt alle Ungläubigen evangelisieren will. Ist ja sehr nötig; hier in Österreich sind drei Viertel meiner Landsleute Esoteriker geworden, d.i. ein lächerlicher Mischmasch aus sämtlichen Glaubensrichtungen plus Okkultismus u. Hexerei … wahrlich eine ungute Sache! Und in anderen Ländern dürfte es ähnlich lausig aussehen mit dem Christentum. – Aber ich selbst bin alles andere als biblisch einwandfrei. – Der sympathische Engländer hat wieder einmal bestätigt, was ich in der Bibel gelesen habe: „Alle Sünden sind gleich schwer“, „wer nur ein Gebot bricht, hat alle 10 Gebote gebrochen“. – Wie soll man unter solch strengen Auflagen Gott lieben an erster Stelle, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit dem ganzen Gemüt? – Des weiteren sagt er, ca. 8% der sogenannten Christen werden in den Himmel kommen, die 92 anderen Prozent kommen in den „Feuersee, wo die Flammen nicht erlöschen und der Wurm nicht stirbt“. Also, man hat es uns oft und oft so erklärt: Die Hölle ist wirklich ein Feuersee (das hat Jesus selbst oft und oft gesagt!). Ich stelle mir vor, dass man an diesem stinkenden Ort wieder und wieder verbrannt wird, dann wieder einen neuen irdischen Leib bekommt und es geht von vorne los. Ja, auch Würmer bohren sich in den Leib, Schlagen ringeln sich um die Extremitäten. Es ist ein „Gewurl“ von nackten, schwitzenden Leibern in verschiedenen Stadien der Verbrennung und des Wurmbefalls und -fraßes. — Oh, ich wünschte, meine Eltern hätten in der Stunde meiner Zeugung Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Natürlich ist es auch eine Sünde, SOWAS zu sagen. … ALLE diese Bibel-Videos sagen dies. – Nur diese Seite sagt etwas anderes … aber habt Ihr Recht? – Angeblich verabscheut Gott tatsächlich sexuelle Sünden mehr als z.B. einen Mord. KANN DAS WAHR SEIN? – Ausgerechnet Salomon, der König mit den 140 Frauen außer Sarah und Hagar, sagt in den Sprüchen: „Selig die Unverheiratete, die ihr Lager nicht beschmutzt!“ DER hat’s nötig, sowas zu sagen! – Ich werde, falls Ihre Seite doch nicht Recht hat, sicher in der Hölle landen. Leider. Jetzt bin ich krank und kann nicht mehr viel anstellen. Manche Sünden konnte ich schon wegen körperlicher Mängel nicht begehen aber jene, die ich begangen habe, wenn es wirklich welche waren … z.B. rhythmische Musik zu hören … das kann ich nicht bereuen. Ohne diese wäre mein Leben noch trauriger gewesen.

Schreibe einen Kommentar zu M Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.