Urteilsvermögen ist eine Gabe Gottes

In manchen frommen Kreisen wird dem eingeschüchterten Publikum verkündet, dass der Verstand des Menschen nur sündig und in Glaubensdingen wenig wert sei. Tatsächlich! Das könnte denen, die ihre religiöser Macht genießen und die Gewissen erpressen, so passen!

Die Bibel sagt anderes. Sie teilt uns mit, dass Gott gerne Weisheit und Verstand schenkt (2.Mo 36,1 / Jak 1,5). Gott gefiel es, dass König Salomo ihn um nichts anderes bat, als ihn mit Verstand zu begaben, um gerecht regieren zu können (1.Kö 3,11) Geringschätzung der Gabe des Verstandes ist unbiblisch und gefährlich. Doch Dummheit und Unkenntnis ist bei Leuten, die Macht missbrauchen, immer gerne gesehen (Dummheit).

Voraussetzung besserer Menschenkenntnis ist die gründliche Bemühung um Selbsterkenntnis.

Kinder denken nicht viel nach. Wunschbilder, Tagträume und Phantasien vermischen sich mit der Realität. Paulus warnte: “Liebe Brüder, vermeidet das kindische Denken! Im Bösen, darin sollt ihr unerfahren sein wie Kinder! Denken aber sollt ihr wie reife, erwachsene Menschen!” (1.Kor 14,20) Kindliches Denken schont die Gefühle – erwachsenes, verständiges Denken kann sehr gefühlsstörend und beschwerlich sein. “Durch Weisheit kommt Verdruss. Wer seine Erkenntnis mehrt, mehrt auch seinen Schmerz.” (Pred 1,18

Um Lebensentscheidungen richtig zu treffen, muss man gründlicher nachdenken, als es ein Kind tut. . “Ich bete dafür, dass eure Liebe immer reicher und tiefer wird und dass ihr immer mehr Weisheit und Einsicht bekommt. So könnt ihr in eurem Leben die richtigen Entscheidungen treffen und so vor Christus, eurem Richter, am Tage des Gerichts ohne Tadel und ohne Schuld erscheinen.” (Phil 1,9-10)

Verstand ist nötig, um Gefahren und Risiken rechtzeitig zu erkennen und um das Böse zu demaskieren. Wer böse ist, maskiert sich gerne. Denn er kann ja viel mehr zerstören, wenn es ihm gelingt, sich als gut oder harmlos zu tarnen. Er macht gerne von Gutgläubigkeit Gebrauch und fördert sie bis hin zur Schafsgläubigkeit. Es ist für ihn nur von Vorteil, wenn Gläubige glauben, dass das Urteils- und Unterscheidungsvermögen, die das selbständige Urteilen nach bestem Wissen und Gewissen ermöglicht, eine besonders schwere, der Gotteslästerung nahe Sünde sei!

Leider hat man ohne Urteilsvermögen nur wenig Überzeugungskraft. Ersatzweise kann man seine Mitmenschen dann nur noch mit manipulativen Methoden beeinflussen. Alles schön rechtgläubig, aber ziemlich widerlich und passt mit der Würde des Menschen überhaupt nicht zusammen.

Der biblische Text präsentiert sich in einer Vielfalt spezieller Stile, die dem Gläubigen dazu dienen können, sein Urteilsvermögen zu üben. Er kann sich vor Missverständnissen nur schützen, indem er überlegt, wie Jesus entscheiden würde (Prioritäten)

Wenn der Gläubige urteilt, dann sollte er sich auf gar keinen Fall für unfehlbar halten. (Rö 12,16) Dünkel und Selbstüberschätzung führen unweigerlich zu großen Irrtümern, zu Blindheit und Dummheit. “Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen schenkt er Gnade” (Jak 4,6) “Wenn du jemand siehst, der meint, weise zu sein, dann besteht für einen Dummkopf mehr Hoffnung als für ihn.” (Spr 26,12) Unsaubere Motive führen zu Fehleinschätzungen.(Selbstverstärkung)

Die Freiheit zum selbständigen unbeeinflussten Urteilen (“Mündigkeit”) ist kein Freibrief zu einem  Urteil, dass durch Eigennutz  korrumpiert ist.  Jede Auslegung und Einstufung von Bibelworten sollte sich an den Qualitätsmaßstäben Jesu orientieren und ist nur insoweit durch ihn autorisiert. (Schlüssel) Die Gefahr eigennütziger Verfälschung kann durch geeignete Leitgedanken eingedämmt werden.

Wie oft  ist es geschehen, dass auch große Persönlichkeiten des christlichen Glaubens die Bibel trotz all ihrer Begabungen zum Schaden ihrer Mitgläubigen missverstanden haben. Deshalb ist Vorsicht angebracht, wobei der Rückzug in die Stille und ins Gebet hilfreich sein kann.  (Jak 1,5). 

Was sagte Paulus? “Der geistlich gesinnte Mensch beurteilt ALLES” (1.Kor 2,15). Dies bedeutet doch, dass Gottes Geist  jedem Gläubigen die Fähigkeit zu urteilen schenken kann, auch wenn es außerdem noch besondere Erkenntnis- und Unter­scheidungsgaben gibt. (1.Ko 12,8-10)

Reagieren leitende und lehrende Brüder in deiner Gemeinde positiv, wenn du Urteilsvermögen, Pädagogik und Führungsstil mit Hilfe der Maßstäbe Christi prüfst?

Artikel aktualisiert am 09.01.2022

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