Tagebuch – Gurken ergreifen das Wort

Die nächste Einsicht drängte sich geradezu auf. Das stupide wahrheitswidrige Festhalten der bibeltreuen Mehrheit an Lehrsätzen, die sich längst als falsch oder halbwahr erwiesen haben,  nährte in mir die Befürchtung, dass sich die Mehrheit der Gläubigen sich nie über dieses Niveau erhoben hat. Ehrfurcht vor der Wahrheit? Woher nehmen wir die Gewissheit, dass das Niveau früher einmal höher war heute? Umso höher, je weiter man in der Zeit zurückgeht? Höher im Mittelalter, noch höher in der Kaiserzeit, noch höher bei den ersten Christen?

Petrus hatte dreimal eine Vision geschenkt bekommen, die ihn von der Beachtung jüdischer Speisegebote befreite, er hatte erlebt, wie der heilige Geist Nichtjuden geschenkt wurde, die diese Gebote permanent missachteten (Apg 10), es gab einen offiziellen Beschluss in der Jerusalemer Gemeinde, die diesen Kurswechsel als göttliche Offenbarung anerkannte (Apg 15) –  es nützte alles nichts. Eines Tages kamen Gläubige zu Besuch, die die Einhaltung der Speisegebote einforderten, und Petrus passte sich ihnen wider besseres Wissen an – aus Angst anzuecken. (Gal 2)

Das Gesetz der Hammelherde – auch bei den ersten Christen. Ehrfurcht vor der Wahrheit – der ewige Wackelkontakt.

Und das ist bis heute so geblieben. Die Wahrheit – ertränkt in tausend frommen Worten. Phrasen über Phrasen.

Verteidiger der Wahrheit, die sich nicht mehr stören an Unglaubwürdigkeit. Gottes Gurkentruppe. Ist es wirklich realistisch, immer mit 100% Qualität in der Überlieferung zu rechnen, wenn selbst der Apostel Petrus, der Fels, auf den Christus seine Gemeinde bauen wollte (Mt 16,18), in einem absolut entscheidenden Punkt durch die Erwartungen anderer beeinflussbar war?

 

 

Artikel aktualisiert am 10.10.2021

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