1

Unser Ziel ist bescheiden…

.Der Buchstabe tötet” warnt die Bibel (2.Kor 3,6). Doch wer glaubt es? (Dabei ist diese Tatsache gut bezeugt, siehe die “Notfall-Berichte“) Und es gibt Gläubige, die über die Bibel belehren wollen, aber selbst Kinder “mit dem Buchstaben”, d.h. mit giftiger Theologie malträtieren. Welche Hilfe gibt es dann für Gläubige, die gerne an die Zuverlässigkeit der Bibel glauben, die sich gutwillig um Gehorsam gegenüber ihren Forderungen bemühen, deren Gewissen aber durch verunsichernde Worte der Bibel zu einer ständig schmerzenden Wunde geworden ist?

Wie oft bleiben Betroffene mit ihrer Not allein! Man will es nicht hören! Jubelpropaganda ist gefragt. Woher sollen sie den Mut nehmen, ihr Leid zu thematisieren? Denn die bibeltreue Tradition erlaubt keinen Zweifel. Wer Bibelworte nicht verkraftet, steht in der bibeltreuen Gemeinde oft als Miesmacher des Glaubens, als Versager, als egoistischer Christ am Pranger.

DESHALB sind wir um einen Zugang zur Bibel bemüht, der kindliches Vertrauen in die Bibel fördert, aber alle Möglichkeiten der Entschärfung verunsichernder Aussagen auslotet.

DESHALB verzichten wir auf den üblichen Ausweg, Bibelworte mit Hilfe der Bibelwissenschaft zu relativieren, die infolge fragwürdiger Motive sehr verunsichern kann.

Kindliches Vertrauen heißt, praktisches Vertrauen zu möglichst allen Bibelworten bewahren, aber auch entschiedener Widerstand gegen jede buchstabentreue Interpretation und Theologie, die mit der Würde eines Gotteskindes unvereinbar ist, in enger Anbindung an Jesus, der religiöser Bevormundung mit aller Schärfe entgegengetreten ist.

Das kritische Nachdenken ist keine Medizin, die in beliebiger Menge bekömmlich ist. Es gibt aber manchmal ohne ein Minimum an innerer Distanzierung kein neues Vertrauen. Auch Verdrängung ist eine Methode innerer Distanzierung. Manche Gläubige können destruktive Texte der Bibel gut verdrängen, andere können es nicht und verzweifeln daran. Ein Patentrezept kann hier niemand bieten. Dazu sind die Botschaften, die biblische Texte ausstrahlen, zu inkonsistent. Manchem würde ich raten, etwas weniger auf unserer Seite zu lesen, wenn sein kindlicher Glaube an die Zuverlässigkeit der Zusagen Gottes dadurch ins Wackeln gerät. Gott kann und will aus dem Bösesten etwas Gutes tun. Dieses Vertrauen darf uns bei allem Nachdenken nicht verloren gehen. Die Wiedergewinnung und Bewahrung des kindlichen Vertrauens ist und bleibt das Ziel.

Es gibt immer wieder Gläubige mit dem Wahn, Stellvertreter Gottes zu sein. Sie sehen sich als moralische Elite zum Richter über andere Menschen berufen. Sie stecken die Menschen in Schubladen und fördern unfreundliches Verhalten gegen jeden, der sich nicht in eine Schublade stecken und zur Anpassung zwingen lässt. Wer wissen möchte, auf welchem Niveau manche Leitfiguren der traditionell-bibeltreuen Szene auf gute Argumente reagieren, dem sei der Menüblock mit der Überschrift  “Der Griff ins Klo – fragwürdige Reaktionen der superfrommen Meinungsmacher” empfohlen.

Gläubige, die ihren Glauben ernst nehmen, sollten allmählich erkennen, dass ehrliches und gründliches Nachdenken nicht an eine fromme Oberschicht abgegeben werden darf.

Das fromme Pharisäertum hat über diese Webseite sein “Urteil” gefällt:

mit dem Vorwurf “übertriebener Selbstdarstellung” –
obwohl wir versprochen haben, alle Beiträge, die uns verbessern, zu veröffentlichen.  Jeder  Besucher, jede Besucherin ist eingeladen, seine Meinung und Argumente ausführlich darzustellen und uns zu kritisieren. Es gibt ausreichend Raum, mit besseren Argumenten zu brillieren. Bietet das fromme Pharisäertum seinen Besuchern diesen Freiraum? Natürlich nicht.

mit dem Vorwurf des “Sektierertums“, obwohl doch gerade wir für eine offene Diskussionskultur und Ächtung manipulativer Methoden eintreten. Appelliert etwa das fromme Pharisäertum an die Gläubigen, unfaire Methoden der Einflussnahme zu vermeiden? Natürlich nicht.

mit dem Vorwurf der “Spalterei“, obwohl doch erst das Ringen um nachvollziehbare Argumente eine gemeinsame Verständigungsbasis schafft, was wir tun. Niemand spaltet so sehr wie fromme Gruppen, die recht behalten wollen, ohne sich darum zu bemühen. Bemüht sich etwa das fromme Pharisäertum um eine saubere Unterscheidung zwischen Wunschvorstellung und Beweis? Natürlich nicht.

mit dem Vorwurf angeblicher “Glaubensstörung und Glaubensfeindschaft“, obwohl unser Ziel gerade die Förderung derjenigen Gläubigen ist, die gerne glauben wollen, aber durch ihre Ängste daran gehindert werden. Hat das fromme Pharisäertum für solche Menschen etwas Besseres anzubieten als die hartherzige Botschaft “Wer die Schreckensstellen nicht verdrängen kann, ist selber schuld” ?  Natürlich nicht.

mit dem Vorwurf der Verächtlichmachung des christlichen Glaubens, obwohl doch gerade die destruktiven Stellen der Bibel vielen Nichtchristen so gut bekannt sind, dass sie den christlichen Glauben von vornherein als gefährlichen Unsinn einschätzen. Versucht das fromme Pharisäertum, solche Menschen zu gewinnen? Natürlich nicht.

***

Bitte seid nicht enttäuscht, dass unser Ansatz sehr bescheiden ist. Wir können  kein verbindliches “Schriftverständnis” anbieten, auch keinen “Schriftbeweis”, der den Zusammenhang von Gnade und Gesetz  widerspruchsfrei und verbindlich klärt,  selbst wenn die Vertreter der evangelikalen  Propaganda vollmundig behaupten, dass sie es könnten.

Unser Glaubensweg ist wie der Weg Luthers vom Ringen um Gottvertrauen und Heilsgewissheit gekennzeichnet. Manchen Gläubigen fällt es leicht, Heilsgewissheit zu bilden, und destruktiv wirkende Bibelstellen wie Genozid, ewige Höllenqual, Forderung völliger Selbstverleugnung usw auszublenden. Die Seele anderer ebenso bemühter Gläubiger wird durch das Lesen der Bibel ständig neu verletzt und in Unruhe gebracht. Diesen Menschen wollen wir beistehen, indem wir die Quellen der Unruhe möglichst genau und ehrlich untersuchen. Bei diesem Bemühen werden wir leider immer wieder mit Betrug und Verstocktheit in der evangelikalen Theologie konfrontiert. (Beispiele siehe unter der Rubrik “Der Griff ins Klo”)

Die evangelikale Theologie hat z.B. sorgsam zu verschweigen gewusst, dass Martin Luther trotz eifrigstem Bemühen niemals Heilsgewissheit bekommen hätte, wenn er nicht die Inspiration des Hebräerbriefes in Frage gestellt hätte. Nur indem er sie als apokryphes Buch einordnete, konnte er die Angst, mit der Sünde den “point of no return” überschritten zu haben, überwinden. (siehe unseren Beitrag “Ein altes Problem“) .

Wer sich gut in der Bibel auskennt, der weiß, die biblische Information über die Heilsgewissheit ist inkonsistent und widersprüchlich. Sie wird nur dann eindeutig, wenn bestimmte destruktive Bibelstellen ausgeblendet, verdrängt, als irrelevant deklariert werden. Ob der Gläubige diese Bibelstellen ausblenden darf, darüber gibt es unter Christen bis heute keine Einigkeit, weshalb es ja auch die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen von serviler Gottesangst bis hin zum Hyper-Gnadenwahn gibt. Wie kann man zu mehr Verlässlichkeit beitragen? Der vielversprechendste Weg war für uns, Bibelworte entsprechend dem wichtigsten Geboten “Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit” (Mt 23,23) zu bewerten und zu gewichten. Diese Bewertung impliziert, dass Bibelworte unterschiedlichen Rang haben können und dass der gläubige Christ befugt ist, den Rang eines Bibelwortes gemäß Mt 23,23 festzustellen. Über diesem Weg kommen wir auch zur Feststellung, dass es offensichtlich Texte mit dem “Rang 0” gibt, wie die Genozidbefehle z.B. Wir können also Lehrtexte und Übungstexte unterscheiden. Diese Ansatz ermöglicht dem Gläubigen die für den Seelenfrieden so dringend benötigte innere Distanzierung, die Paulus mit seiner Rede vom “tötenden Buchstaben“(2.Kor 3,6) auch gefordert hat und die viele Gläubige ohne große Bibelkenntnis ganz selbstverständlich vornehmen.