Propaganda

Die Propaganda liefert der Öffentlichkeit Denkmuster und Sprachregelungen, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit behindern oder unmöglich machen sollen.

Propaganda bewirkt, dass üble Zustände und Verhaltensweisen toleriert werden und ewig fortbestehen können. Propaganda führt zur Schizophrenie des Denkens. Man soll Dinge als gleichwertig akzeptieren, die sich nicht miteinander vertragen. Dadurch wird die Widerstandskraft gelähmt bzw. jeder Versuch, die Situation zu bessern, im Keim erstickt. Das Motiv der Propaganda sind Machtinteressen, die auf Kosten anderer durchgesetzt werden.

Sehr bekanntes Beipiel: Zu Zeiten der DDR wurde die Mauer als “antifaschistischer Schutzwall” deklariert, der das “Arbeiter und Bauernparadies” vor der “imperialistischen Aggression” schützten sollte.

Auch gute und wahre Worte können zur Propaganda werden, wenn sie dazu dienen, zu verschleiern, dass die Wirklichkeit anders ist.

Wer von Liebe redet, aber lieblos handelt, wer auf seine Autorität pocht, aber sich selber der Autorität Gottes entzieht, betreibt private Propaganda, die ebenfalls eine gestörte Wahrnehmung zur Folge hat. Man weiß zu guter Letzt wirklich nicht mehr, was Liebe oder was Autorität ist.

Die Unart, maßlos zu übertreiben und Kleinigkeiten mit Superlativen aufzublasen, führt zur Abnutzung der Sprache. Wenn wirklich etwas einmal Besonderes geschieht, stehen dafür keine Worte mehr zur Verfügung.

Die Verbreitung frommer Halbwahrheiten ist ein etablierter Brauch in vielen Gemeinden. Allen Ernstes verspricht man sich davon eine „Glaubensstärkung“.

Propaganda soll verdecken, dass die Gemeinde wichtige Aussagen der Bibel selbst nicht ernst nimmt. Sie soll fragwürdige Interessen einzelner verdecken. Je stärker die Propaganda ist, desto unglaubwürdiger das Trösten mit Heilsverheißungen der Bibel, desto schwächer und hilfloser die Seelsorge.

Das Trösten mit Heilsverheißungen der Bibel ist “Heilspropaganda”, wenn zugleich Werkgerechtigkeit oder Buchstabenterror geduldet wird.

Von “Heilspropaganda” wird man auch sprechen dürfen, wenn die Liebe und Vergebung Jesu verkündet, aber über den erneuerten Charakter des Gläubigen kaum gesprochen wird. “Sie belügen mein Volk und verkünden den Frieden, obwohl kein Friede da ist.” (Hes 13,10)

“Heilspropaganda” zeigt sich auch in mangelndem Respekt vor der königlichen Würde des einzelnen Gläubigen. Wenn die Ältesten einer Gemeinde die Befugnisse der Mitgliederversammlung, die sie gemäß der Bibel haben, zugunsten privater Interessen einschränken und Bemühungen um eine faire Gemeindeordnung behindern (siehe “strafbare Handlungen“), dann sind alle Beteuerungen, dass “jeder Gläubige die Würde eines Königskindes habe” und “sich niemand in der Gemeinde sich über den anderen stellen dürfe”, nur Propaganda.

Bußpredigt ist Propaganda, wenn keine Gemeindezucht geübt wird.

Weiteres Beispiel: “Gemeinschaft der Heiligen” ist ein Begriff aus dem Glaubensbekenntnis. Wenn eine Gemeinde Unrecht duldet, sich aber dennoch immer wieder als “Gemeinschaft der Heiligen” bekennt, dann zerstört sie ihre Wahrnehmung. Zu guter Letzt weiß man gar nicht mehr, was “heilig” ist und fragt auch nicht mehr danach. In der Volkskirche scheint das inzwischen weithin erwünscht zu sein.

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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