Ohne Update 2.0 bleibt Biblizismus destruktiv!

Trotz deutlicher Hinweise auf gesundheitliche Risiken der biblizistischen Theologie sind viele Pastoren und Bibellehrer der Evangelischen Allianz bislang nicht  bereit, das Update 2.0 als gleichberechtigte Alternative ihren Gläubigen vorzustellen, das gerade zum Zweck der Vermeidung schädlicher Nebenwirkungen erarbeitet wurde. Eine selbstverantwortliche Wahl der Gläubigen ist offensichtlich nicht erwünscht.

Auch wenn manche Bibellehrer unter vier Augen selbst Zweifel am alten Denkmodell äußern – offiziell hält man eisern daran fest. Zu groß ist die Angst, nicht mehr  als “religiös zuverlässig” angesehen und als “Verwässerer und Zerstörer des Glaubens” angeprangert zu werden.

Vergleichspunkt Biblizismus, herkömmliche “Bibeltreue”
ideologisches Bibelverständnis
Bibeltreues Update 2.0
Grundaussage Ausnahmslos jeder Satz in der Bibel ist irrtumslos, heilig und vollkommen, wenigstens für die Zeit, für die er verfasst wurde. Dies gilt auch für Sätze, die in der Geschichte bis heute  schwere Schäden verursacht haben bzw. verursachen können. (Beispiele) Die Bibel enthält Aussagen unterschiedlicher Qualität und Funktion. Vieles, aber nicht alles ist vollkommener finaler Lehrsatztext. Es gibt (seltener) auch Übungstexte, deren Mängel der Gläubige selbständig erkennen und im “Sinne Christi” (1.Kor 2,16) korrigieren soll. Beispiel: die mosaische Erlaubnis zur Ehescheidung (Deu 21,14 / 24,1 ), deren naive Inanspruchnahme laut Maleachi bestraft wurde (Mal 2,13-16)
Beachtung der Priorität der Qualitätsmaßstäbe Jesu (Mt 23,23) Die Qualitätsmaßstäbe Jesu haben keine Priorität, da auch äußerst destruktive Aussagen als “irrtumslos” und “vollkommen” bewertet werden. Die mangelhafte Rangeinstufung macht eine überfordernde, seelisch schädigende Auslegung der Bibel zum Dauerproblem in biblizistischen Gemeinden. Die Priorität der Qualitätsmaßstäbe Jesu ist konsequent und ausnahmslos zu beachten. Mit ihrer Hilfe wird der Rang aller anderen Aussagen festgestellt. Auf diese Weise kann der Gläubige zuverlässig Abstand von gesetzlicher, “giftiger” Bibelauslegung halten.
Resultierender Eindruck des göttlichen Charakters Widersprüchlicher willkürlicher Eindruck: Gott beteuert seine Liebe, aber hat zugleich grenzenlos grausame Pläne: fast die gesamte Menschheit ist gemäß biblizistischer Sicht für ewige Folterqualen in der Hölle vorherbestimmt, wenige Erwählte ausgenommen, die es mit knapper Not ins Himmelreich schaffen (1.Pe 4,18). Verstörend wirken auch etliche sehr destruktiv erscheinende Problemstellen im AT. Eindeutiger positiver Eindruck: “Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis” (1.Joh 1,5). “Jesus bleibt derselbe, gestern heute und in Ewigkeit” (Hebr 13,8) Die Begriffe “Liebe” und “Wahrheit” in der Bibel bedeuten das, was sie aussagen, und werden nicht hintenherum durch andere Bibelworte, insbesondere durch verbesserungsbedürftige Übungstexte wieder relativiert und aufgeweicht, die angeblich  “gleichrangig” sein sollen. Dem Gläubigen ist die Bedeutung “nicht verborgen, denn durch den Geist Gottes versteht er alles” (1.Kor 2,15-16), “auch die Tiefen Gottes.” (V. 10)
Aufgabe des Bibelverständnisses Das biblizistische Bibelverständnis ist unantastbare “Wahrheit”, die allen Gläubigen aufgezwungen werden muss. Bibelverständnisse sind Denkmodelle und können Glaubenshilfe oder Glaubenshindernis sein, je nachdem ob der Gläubige durch sie überzeugt oder gewaltsam mundtot gemacht wird.
Biblische Begründung Die Verheißung “Mein Geist wird euch an alles erinnern und euch alles lehren” (Joh 14,26) gilt nur bis zum Abschluss des Kanons und beglaubigt den rekonstruierbaren Bibeltext als “irrtumslos”. Die nachträgliche Feststellung von “Verunreinigungen” ist daher überflüssig und “anmaßende Bibelkritik.” Die Verheißung gilt bis heute: anhand der Qualitätsmaßstäbe Jesu (Mt 23,23) und des Nützlichkeitskriteriums (2. Tim 3,16) kann der Gläubige heute noch (!) nachträglich seltene Verunreinigungen erkennen, die nachweislich vielen Menschen geschadet haben und heute noch schaden
Inhaltliche Begründung Wenn nicht alles als “Gottes Wort” definiert wird ist, dann kann der Gläubige nicht wissen, was er glauben soll, da es kein formales Kriterium zur Abgrenzung von “Gottes Wort” und “Menschenwort” gibt. Zuverlässige Aussagen über die unsichtbare Welt werden nicht durch formale Kriterien identifiziert. Auch die biblizistische Begründung (links) ist nicht mehr als ein von fehlbaren Menschen erdachtes formales “Kriterium”. Ein “Kriterium”, das keins ist: selbst der älteste bekannte Kanon, der Kanon Muratori (um 170 n.C.) stimmte nicht mit der heutigen Auswahl biblischer Schriften überein. Das trifft auch noch über die von Origines 230 n.C. angefertigte Liste zu. Weshalb soll dann die Entscheidung, die heutige Auswahl als “Gottes Wort” zu deklarieren, zuverlässig sein? Was uns zeigt: der Gläubige kommt um eine selbstverantwortete Prüfung nicht herum. Dazu muss er selbst vom Heiligen Geist ausgerüstet und erfüllt werden. Je mehr das der Fall ist, desto besser kann er erkennen: der biblische Text ohne Geist Gottes ist tot. Erst im Zusammenwirken mit dem geistlichem Leben des Gläubigen wird er richtig gedeutet, lebendig und wahr.
Gründe für die Attraktivität des Bibelverständnisses Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin machen den Gläubigen weis, dass ohne eine Bibel, in der jeder Satz irrtumslos ist, der “völlige Glaubensverlust” droht. Man verhält sich so, als ob der Glaube im wesentlichen ein Produkt menschlicher Bemühungen sei. Das ist erstens unwahr und zweitens Unglaube, denn die Bibel sagt das Gegenteil. Die panische Angst vor diesem angeblichen Verlust macht eine Überprüfung des Dogmas der Irrtumslosigkeit  unmöglich. Fortan hat einer vor dem anderen  Angst. Gemeindelehrer vertreten diese schiefe Sicht, weil sie Angst davor haben, als “Glaubenszerstörer” angeprangert zu werden. Man hat Angst vor der Kritik anderer Christen, Angst vor dem ehrlichen, offenen Wort, aber sieht sich selbstbewusst und selbstverständlich in der Tradition   der   Reformation. Dietrich Bonhoeffer glaubte nicht an eine fehlerlose Bibel und hatte doch einen starken Glauben. Warum ist das möglich? Der Glaube ruht auf dem Vertrauen in die Verheißungen der Bibel und auf der Gewissheit, dass sich die Persönlichkeit Gottes am deutlichsten in Normen wie Mt 23,23 und ähnlichen Sätzen und nicht in Problemstellen widerspiegelt. Die Heilige Schrift ergänzt:  Glaube entsteht in erster Linie durch die Initiative Gottes (Jo 15,16), der  Einsicht schenkt: Einsicht, dass Liebe ohne Wahrhaftigkeit keine Liebe sondern Heuchelei ist, Einsicht, dass wirkliche Überzeugung ohne die Freiheit zu prüfen nicht zustande kommt, Einsicht, dass die Verheißung vollkommener Freude nicht auf dem Wege religiöser Erpressung erfüllt werden kann, Einsicht, dass Gott tatsächlich da ist und dass das Vertrauen in Ihn den Menschen befähigt, ganz allein gegen den Rest der Welt anzutreten.
Beziehung zur Bibel Unterwerfung unter alles, was in der Bibel steht, auch wenn es im Widerspruch zu eigenem Gewissen steht und Schäden verursacht hat oder verursachen wird. Jesus, der das “Wort Gottes” (Offb 19,11-13) genannt wird, ließ sich durch seine Jünger überprüfen: “wer von euch kann mich einer Sünde überführen?”  (Joh 8,36) Deswegen hat der Gläubige das Recht, alle Schriften, die sich auf Gott berufen, zu prüfen, ob vielleicht “Sünde”, d.h. Bösartiges und Destruktives dort hineingeraten ist, das zu den Maßstäben Jesu (Mt 23,23)  in Widerspruch steht
Auffassung von “richtigem Glauben” Der Gläubige hat die Pflicht, allem zuzustimmen, alles für richtig zu halten, was in der Bibel steht, und alles zu tun, was im Neuen Bund angeordnet wird, aber nur soweit der Konsens in der Gemeinde es von ihm verlangt. Hinter diesem ideologischen Glaubensverständnis tritt der Glaube an einen Gott, der heute noch persönlich leitet und mit Liebe und Wahrheit überzeugt, zurück. Wer den “Heilstatsachen” der Bibel vertraut, ist gläubiger Christ. Für jeden Gläubigen hat Gott einen ganz persönlichen Glaubensweg bereit, auf dem er sich bewähren muss. (Hebr 11)  Gott “wacht über seinem Wort” (Jer 1,12) und sorgt dafür, dass der Gläubige alle Informationen erhält, die er auf diesem Weg braucht.
Risiko persönlicher Fehlprägung Die Versklavung des Denkens durch den “Buchstaben” (2.Kor 3,6) bietet die Möglichkeit gegenseitiger Erpressung sowie der Selbsterpressung durch das Gewissen.   Gläubige sehen sich verpflichtet, einander zu serviler Unterwerfung zu zwingen. Der Gläubige bekommt vordefiniert, was “Liebe” und “Wahrheit” ist, und muss pervers erscheinende Elemente in diesen Definitionen akzeptieren und rechtfertigen. Bis heute ist das Thema des religiösen Missbrauchs ein Tabu und die Bildung verbotener Autorität mit Titeln, Hierarchien und Bevormundung (Mt 23) die Norm. Der Gläubige ist wirklich frei (Joh 8,36), zur Freiheit des Gewissens befreit (Gal 5,1), sodass er denken und tun darf, was nach bestem Wissen und Gewissen barmherziger Liebe und kompromissloser Wahrhaftigkeit entspricht. Gott erfreut Gehorsam aus Einsicht. Servile Unterwerfung ist dagegen wertlos und gefährlich für die Beziehung zu Gott (Gal 5,4) und widerspricht der Würde des Gläubigen.
Psychologie der Vergewisserung Die Irrtumslosigkeitsdoktrin gewinnt ihre Kraft dadurch, dass entgegenstehende Beobachtungen und Argumente für alle Gläubige  tabu sind und vergessen werden können. Sie kann deshalb Andersdenkende, auch wenn es nur wenige sind, nur schwer ertragen. Bibellehrer achten darauf, dass den Gläubigen nur die biblizistische Sichtweise präsentiert werden darf. Versuche, weniger schädliche Alternativen bekanntzumachen, werden behindert und ausgebremst. Die Schädigung einzelner Christen durch ein fragwürdiges Gottesbild nimmt die biblizistische Gemeinschaft zugunsten ihrer eigenen Sicherheitsbedürfnisse in Kauf. Der Glaube beruht nicht darauf und darf nicht darauf beruhen, dass sich der Gläubige taub und blind bei berechtigten Anfragen stellt. Die Bibel betont den Wert ehrlicher Augenzeugenschaft. (1.Jo 1,1) Sie ist das Fundament des christlichen Glaubens. Manipulierte einseitige Wahrnehmung kann deshalb nie eine erstrebenswerte Tugend sein, auch wenn unehrliche Gläubige sie unbeirrbar unter dem Etikett “Glaubensstärke” propagieren. Die Erfahrung tiefster Wertschätzung von Liebe und Wahrhaftigkeit und die Erkenntnis ihres unauflöslichen, engsten Zusammenhangs (1.Kor 13,6)  ermutigt den Gläubigen, Aussagen der Bibel durch praktischen Gehorsam zu vertrauen und ermutigende Erfahrungen mit Gott zu machen.
Gebrauch des Verstandes Der Verstand hat sich allen Aussagen, der Bibel “unterzuordnen”, auch Aussagen, die schädlich und destruktiv sind. Dies relativiert die Gültigkeit der Maßstäbe Jesu und erzeugt ein Nebeneinander von Glaubensinhalten, die sich widersprechen (Glaubensschizophrenie) Der Gläubige ist  aufgefordert, “nicht kindisch, sondern erwachsen zu denken.”(1.Kor 14,23). Der durch den Heiligen Geist geleitete Verstand  – “Christi Sinn” (1.Kor 2,15-16) ordnet konsequent alle biblischen Aussagen entsprechend ihrem Rang und schafft damit Raum für konsequentes, widerspruchsfreies Denken und glaubwürdige Argumentation.
Heilsgewissheit Ist möglich auf der Basis oberflächlicher Bibelkenntnis (Kinderbibel) und des Glaubens, dass die Absolution des Seelsorgers vollmächtiges gültiges Gotteswort ist. Bei profunder Bibelkenntnis ist blindes Vertrauen in den Seelsorger nicht mehr möglich. Ebenso wenig möglich ist verlässliches Argumentieren, wenn widersprüchliche Inhalte gleichzeitig gelten sollen. Eine gewisse Beruhigung der Seele lässt sich dann nur mit theologischer Akrobatik, Verdrängung und rigoroser Abwehr kritischer Fragen herstellen. Durch konsequente Beachtung der Maßstäbe Jesu lassen sich theologische Widersprüche auflösen, sodass Aussagen über die Persönlichkeit Gottes, über seinen Gestaltungswillen (Ethik) und über seine Heilszusage  wieder eindeutig und glaubwürdig werden. Somit ist die seelische Stabilität nicht mehr vom irrationalen Charisma eines Seelsorgers abhängig, was auch der Würde des Gläubigen widersprechen würde.
Verhältnis zur Wahrhaftigkeit Die Verwendung scheinbarer Beweise, die nicht geprüft werden dürfen, sowie die ständige Verdrängung von Fakten, die nicht zur biblizistischen Ideologie passen, begünstigt eine Kultur des Selbstbetrugs. Jeder Gläubige hat das Recht, an den Maßstäben Jesu  “ALLES zu prüfen” (1.Thes 5,21), sodass alles, was destruktiv sein könnte, “aufgedeckt und ans Licht gebracht wird.” (Eph 5,9-11)
Schutz des Gewissens Das Recht des Gläubigen auf Schutz seines Gewissens ist stark eingeschränkt: er ist verpflichtet, auch wider besseres Wissen Destruktivem zuzustimmen. Dies verstößt gegen seine Menschenwürde. Jeder Gläubige hat das Recht, Aussagen zu kritisieren, die mit den Maßstäben Jesu (Mt 23,23) in Widerspruch stehen. Älteste haben sogar die Pflicht darauf hinzuweisen, da sie für den Schutz aller Mitglieder Verantwortung tragen.
Argumentationsniveau Ständige Vermischung von Behauptung und Beweis, da nur ideologiekonforme Ergebnisse erlaubt sind. Da kein Erwartungsdruck besteht, zu einem ideologiekonformen Ergebnis zu kommen, ist eine präzise Bewertung von Argumenten möglich.
Dialogfähigkeit Auf Argumente, die Schwächen biblizistischer Ideologie aufzeigen, wird nicht eingegangen, der Ton wird sehr schnell aggressiv, der Dialog droht gewöhnlich schnell abzubrechen. Veröffentlichung des Austausches ist in der  Regel nicht erwünscht. Offene und ehrliche Diskussionskultur: alle Beiträge werden veröffentlich, auch wenn sie bessere Argumente bringen sollten.
Verhältnis zur Bibelkritik Lautstarke Propaganda der Distanz begleitet von mangelhafter  geistlicher Disziplin, da Urteilsvermögen und geistliche Mündigkeit nicht gefördert werden. Distanz durch geistliche Disziplin
Wahrnehmung historischer und aktueller Fakten Unkritische Wertschätzung der Glaubensväter und Reformatoren,  starke Neigung zur Bagatellisierung von Verbrechen in der Bibel und in der Geschichte, Neigung zu geschönten Biografien und Zeugnissen, Negativzeugnisse und ehrliche Berichterstattung über entstandene Schäden sind in der Regel nicht erwünscht, Unparteiische Untersuchung und ehrliche Bewertung der Verbrechen König Davids, der Gewalttätigkeit Luthers usw., sowie von aktuellem religiösen Missbrauch.
Bewährung heute bei materieller Schädigung Gleichgültigkeit gegenüber Schäden, die durch mangelhafte Aussagen der Bibel hervorgerufen werden wie 1.Kor 6,1 (Verbot der Anrufung des weltlichen Gerichts trotz nicht existenter Gemeinde-Schiedsgerichte) Jeder Gläubige hat das Recht, auf Risiken hinzuweisen, sodass Mitchristen vor möglichen Schaden bewahrt bleiben.(1.Kor 14,29; vgl. Ex 21,33-34)
Bewährung heute bei seelischer Schädigung Leugnung seelischer Schäden durch die Warnung vor der unvergebbaren Sünde und durch “giftige Theologie” Hinweise des Geschädigten, dass die biblizistischen Therapievorschläge  nicht helfen, werden nicht ernstgenommen. Für ihn – der zuletzt für den Glauben als “zu dumm” erscheint -, bleibt nur die Dämpfung seiner Ängste mit gesundheitsschädlichen Psychopharmaka übrig. Gründliche  Untersuchung und ehrliche Bewertung der seelischen Prozesse.

Artikel aktualisiert am 12.02.2019

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