Motive

 

Es lohnt sich für den Gläubigen, seine Motive zu prüfen.

Taten, die äußerlich beeindruckend erscheinen, können dennoch vor Gott völlig wertlos sein, wenn dahinter falsche Motive stehen. Sie werden dann nicht belohnt (1.Kor 3,14-15) und der ganze Aufwand war vergebens.

Der Gläubige tut gut daran, seine eigenen Motive zu prüfen und nicht die Motive seiner Mitchristen. Die Gefahr von Unterstellungen und Fehleinschätzungen ist zu groß. “ Verurteilt also nichts vor der von Gott bestimmten Zeit, wartet bis der Herr kommt! Er wird das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die geheimen Motive der Menschen offenbaren. Dann wird jeder das Lob von Gott erhalten, das er verdient.” (1.Kor 4,5 / NeÜ)

Gerichtet muss und darf dagegen offensichtlich bösartiges Verhalten: “Schafft also den Bösen aus eurer Mitte weg!” (1.Kor 5,13)

Wenn wir also über üble Motive sprechen, dann sollte dies in erster Linie in der Absicht der Selbstprüfung und Selbsterkenntnis geschehen.

Die Motive von Gläubigen in Lehre und Leitung haben einen starken Einfluss auf das geistliche Leben anderer Christen.

Sind die Motive der Gemeindeleitung nicht rein und lauter, dann ist es wahrscheinlich, dass sie neben vielem Richtigen zugleich geistliche Blindheit vermitteln.

Die Evangelien berichten, dass hinter dem frommen Engagement der Schriftgelehrten als wesentliches Motiv der Eigennutz stand: das Streben nach Ehre, Einfluss und Geld. Diese unreinen Beweggründe machten es ihnen sehr schwer, auf Jesus zu hören:

(a) Ehre:

“Sie sitzen gern auf den Ehrenplätzen bei Tisch und in den Synagogen und haben’s gern, daß sie von den Leuten mit dem Titel “Meister” angeredet werden. Aber ihr sollt euch nicht “Meister” nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.” (Mt 23,6-8)

Bibelgemäßer Kommentar: Theologische Titel werden von Jesus Christus nicht anerkannt und sollten deshalb unter Christen und in der Gemeinde keine Bedeutung haben! Es kann jemand einen theologischen Professorentitel haben und geistlich ganz unreif und uneinsichtig sein (Jo 3,10). Der Priester Amazja wollte die Botschaft, die ihm Gott durch den Landwirt Amos übermittelt hatte, nicht anerkennen. Dafür wurde er von Gott bestraft (Laien-Bote).

Der Wunsch, geehrt zu werden, ist glaubenszerstörend: “Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?” (Joh 5,44).

Obwohl Jesus klar und deutlich gesagt hat, dass der Doktortitel in der Gemeinde Jesu nichts gilt, lassen sich etliche bibeltreue Theologen von Mitchristen ohne Titel auch durch bessere biblische Argumente nicht mehr korrigieren. Sie reagieren mit Hochmut und Wichtigtuerei (“ein großer Mann wie ich ist zu beschäftigt, um wissenschaftlich ungebildeten Leuten zuzuhören”).

Genau das wollte Jesus nicht! Wer so mit Geschwistern umgeht, der zeigt in der Tat, dass er vor dem Wort Jesu keine Ehrfurcht hat.

(b) Einfluss:

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Wunder. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute.” (Joh 11,47-50).

Bibelgemäßer Kommentar: Das Motto etlicher “entschieden bibeltreuer” Gemeindelehrer heißt: Die Wahrheit müsste auf den Tisch (theoretisch jedenfalls). Aber über Wahrheit, mit der ich mich bei meiner frommen Klientel unbeliebt mache, schweige ich lieber.

Die Bibel sagt aber: “Wer Menschen gefallen will, ist Christi Diener nicht!” (Gal 1,10). Als sich Jesus Jünger über seine Worte ärgerten, machte Jesus dennoch keine Abstriche: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. “Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?” (Joh 6,66-67) Wenn man mit der Wahrheit allein bleibt, dann ist das schmerzlich, aber man muss es aushalten: “Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast, auf den jeder wütend ist im ganzen Lande! Ich habe weder Geld mit Wucherzinsen ausgeliehen, noch hat man mir geliehen, und doch flucht mir jedermann”. (Jer 15,10)

(b) Geldgier:

Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig” (Lk 16,14 a)

Bibelgemäßer Kommentar: Diese Geldgier war bei den Pharisäern fromm getarnt. Wie die Evangelien berichten, nahmen sie Opfergaben entgegen, obwohl sie wussten, dass von diesem Geld eigentlich die Eltern versorgt werden mussten (“Korban“: Mk 7,11).

Auffällig ist, dass heutzutage auch in “entschieden bibeltreuen” Gemeinden über unerlaubte Spenden so gut wie nicht gepredigt wird. Insbesondere sind die Gemeinden schlecht darüber informiert, dass Spenden nicht angenommen werden dürfen, wenn der Spender einen Mitchristen mutwillig geschädigt hat und Schadensausgleich schuldig geblieben ist (siehe dazu im Detail die Broschüre “Liebe ohne Fairness”).

Auch in der katholischen Kirche fallen die drei genannten destruktiven Motive sehr unangenehm auf. Die auf die Seele giftig wirkende Ablasslehre dürfte ein gut genutztes Hintertürchen sein, um die Gier der Kirche nach immer mehr Geld zu befriedigen. Zwar dürfen keine Ablasszettel mehr verkauft werden, aber was wird ein alter Mensch wohl noch an guten Werken tun können, um seine zwar „zeitlich begrenzte“ aber möglicherweise doch Jahrhunderte dauernde Qual (wie kann man das schon genau wissen ?) im Fegefeuer abzukürzen ? Für Wallfahrten und andere anstrengende Bußübungen vor dem Sterben fehlt die Kraft. Da hat mancher ein offenes Ohr, wenn ihm der Beichtvater im Gegenzug für ein Optimum an Ablass die Möglichkeit anbietet, der Kirche große Teile seines Vermögens testamentarisch zu vermachen. Ein Beichtvater, der viele solche Abmachungen aufzuweisen hat, dürfte sicherlich seinen Vorgesetzten positiv auffallen. Wieviel bedürftige Erben hat es wohl gegeben, die auf diese Weise mit dem Pflichtteil abgefunden wurden ! Offizielle Verlautbarungen, dass es „kein Geschäft mit der Gnade“ geben dürfe, werden von naiven Gemütern gerne geglaubt, die nicht wahrhaben wollen, dass es in der Praxis ganz anders gehandhabt wird.

Destruktive Motive sind in der katholischen Hierarchie geradezu die Stütze des ganzen Systems. Mit der Vergabe von Titeln, vielfältigen Privilegien, Befugnissen und vor allem durch die Garantie einzigartiger materieller Sicherheit (siehe: Details der Klerikerfinanzierung) motiviert man die Kleriker, mit der Kritik an dem, was von oben verordnet wird, äußerst zurückhaltend zu sein. Je weiter Kleriker in der Hierarchie aufsteigen, desto besser haben sie sich angepasst, desto vorsichtiger sind sie mit Kritik. Wenn solche Leute die Worte Jesu den Gläubigen erklären wollen, was können ihre Einschätzungen wert sein ?

Was würde geschehen, wenn man sich bei der Entlohnung der Gemeindemitarbeiter an den Vorstellungen Jesu orientieren würde, der allen Arbeitern in seinem Weinberg denselben Lohn geben wollte (Matth 20,15) ? Wir hätten sehr wahrscheinlich mit einem Schlag ohne große Diskussionen wieder eine erstaunlich ehrliche, menschenfreundliche und barmherzige Theologie!

Ziehen wir den Vergleich zu wirklichen Autoritäten: der Apostel Paulus ermahnte die Gläubigen, „sich an Nahrung und Kleidung genügen zu lassen„. (1.Tim 6,6) Der Apostel Petrus hat sich sicherlich ebenfalls an diese Norm gehalten. Scharf kritisierte er Gläubige, „die sich wie der Prophet Bileam verhielten und Unrecht taten um des Geldes willen. … Ein Esel war es schließlich, der den Propheten daran hinderte, seinen wahnwitzigen Plan auszuführen.“ (2.Petr 2, 17-18) Jesus selbst hatte überhaupt kein Geld (Mt 17,27), nicht einmal eine Wohnung, „wo er sein Haupt hätte hinlegen können.“ (Luk 9,57) Jesus und die Apostel banden überhaupt niemanden an sich, indem sie mit materiellen Vorteilen lockten. Sie setzen nur ihre Überzeugungskraft ein, die auf einer vorbildlichen Lebensweise beruhte. Ja, sie verprellten sogar Interessenten, indem sie deutlich auf materielle Nachteile hinwiesen. (Mt 19,22 / 2.Tim 3,12) Wenn ihnen deshalb die Leute wegliefen, so nahmen sie das hin. (Joh 6,67)

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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