Liberale Theologie

“liber” = “frei”. Die liberale Theologie sieht sich an die wichtigsten christlichen Lehrinhalte (insbesondere an die Heilstatsachen) nur noch teilweise oder gar nicht mehr gebunden. Jesus wird nicht als Gottessohn, Erlöser und Weltenrichter, sondern allenfalls als Lehrer gesehen, der moralische Anregungen vermittelt. Der biblische Text wird als Steinbruch für eine individualistische, sich an humanistischen Idealen orientierende Lebensphilosophie genutzt. Sie geht oft mit Wissenschaftsgläubigkeit einher.

Für Theologen wie Ernst Troeltsch war das “Mittel, das Kritik überhaupt erst möglich macht, die Anwendung der Analogie.” (zit. in Armin Sierszyn, Die Bibel im Griff, Brockhaus 1987, S.23). Die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen wurden in die Bibel “hineinprojiziert”. Sie legten fest, was man überhaupt für möglich halten durfte. Damit wurde der Zweifel an allem Übernatürlichen, an Wundern und an der Erschaffung der Welt zu einer theologischen Mode, die mit wissenschaftlichem “Niveau” aufs engste verbunden schien.

Soll dieser Ansatz gelten, dann kann die heilige Schrift, in der Gott der menschlichen Egozentrik seinen heiligen Willen entgegenstellt, wenig bis keine Autorität haben. Vertrauen in die Verbindlichkeit seiner Zusagen wird auch nicht entstehen. Die Bibel wird stark abgewertet, die Einsicht in ihre Einzigartigkeit und Transzendenz geht verloren.

Gott wird zum Symbol menschlicher Bedürfnisse und Sehnsüchte, die man mit anderen Gläubigen teilt. Die eigene Weltanschauung ist der Bibel übergeordnet und bestimmt, welche Aussagen man gelten lässt.

Eine bibeltreue, d.h. bibelgemäße Interpretation der Heiligen Schrift wird die Bibel als einzigartige, von Gott an den Menschen gerichtete Botschaft wahrnehmen. Diese Botschaft hat das erklärte Ziel, das Vertrauen auf Gott zu ermöglichen und zu festigen. Jesus Christus wird dabei dem Gläubigen als die Mitte der Schrift und als ihr verbindlicher Interpretationsmaßstab bekanntgemacht: „wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9) Die Arbeit an der Bibel hat das Ziel, diese Mitte der Schrift hell erstrahlen zu lassen, und sie nicht durch den trivialen Horizont allzumenschlicher Vorstellungskraft – z.B. durch die müßige Frage, ob es Wunder gibt oder nicht – zu begrenzen.

Eine bibelgemäße Betrachtungsweise wird immer versuchen, die Bibel selbst reden zu lassen, ohne ihr mit eigener Weltanschauung ins Wort zu fallen.

Einflussreiche und weithin bekannte Theologen verbinden mit einer bibeltreuen Einstellung automatisch eine undifferenzierte Fehlerlosigkeitsdoktrin. (Bibeltreue im Sinne der Chicago-Erklärung von 1978.) Diese Position wird in vielen Gemeinden als die für einen gläubigen Menschen einzig mögliche und daher verbindliche Sichtweise präsentiert.

Doch hat es seit 1978 wirklich keine gravierenden Fortschritte in dieser wichtigen Frage gegeben? O, ja! Doch hofft man bei etlichen Theologen, die es eigentlich besser wissen müssten, vergeblich auf eine ehrliche Antwort. Wer redet schon gerne darüber, wenn die Konkurrenz besser ist. So bleiben viele Gläubige schlecht informiert.

Das Konzept der Bibeltreue kann auf der Basis eines prioritätenorientierten Inspirationsmodells erheblich verbessert werden. (Bibeltreue – Update 2.0)

Artikel aktualisiert am 10.10.2018

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