ich glaube …

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein unpersönliches Schicksal [1] ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

Deine äußere oder innere Lage mag verzweifelt sein will, wie sie will …  Wenn jemand in dieser Art und Weise betet, so wird augenblicklich der Kontakt zur unsichtbaren Welt hergestellt.

Warum ist Gott diese Art Vertrauen so kostbar? Weil er auf diese Weise als Person geehrt wird, deren Liebe so so umfassend, so zuverlässig und stark ist, dass sie uneingeschränktes Vertrauen verdient. Gott sehnt sich geradezu nach solch kindlichem Vertrauen, er freut sich darüber (Mt 18 1-5) Wenn die Antwort des gläubigen Menschen auf diese Liebe der Entschluss ist, sich durch die leisesten Impulse von Liebe und Wahrhaftigkeit leiten zu lassen, so entsteht in ihm die Gewissheit, dass er auf dem Fundament des existenziell Unbezweifelbaren angekommen ist: “Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Gottes Kinder” (Rö 8,14) Das ist lebendige Glaubensgewissheit, die Erkenntnis der Gotteskindschaft (1.Joh 3,1), die Grundlage der Glaubensfreude.

Sie befindet sich im Konflikt mit dem Bösen in uns und in der Welt (Joh 17,14). Dem Bösen ist zu widerstehen. Doch das Gute ist nicht immer ohne weiteres erkennbar, auch wenn unsere Absichten gut sein mögen. Vermeintlich Gutes kann sehr böse sein. (2.Kor 11,4) Deswegen sind Liebe und Wahrhaftigkeit unauflöslich miteinander verbunden. Es gibt schwerlich echte Glaubensgewissheit ohne die Sensibilität für die Bedeutung absoluter Wahrhaftigkeit. “Wer Wahrhaftigkeit liebt, der hört meine Stimme” (Joh 18,37)

Um wahrhaftig zu sein, müssen gläubige Menschen nach bestem Wissen und Gewissen urteilen können. Für dieses Urteil sind sie Gott ganz allein verantwortlich. Deshalb steht ihr Gewissen unter besonderem Schutz. (Rö 14) Deshalb hat niemand das Recht, sie zu Worten oder Taten zu zwingen, die ihr Gewissen verletzen.

Wer das Gewissen korrigieren will, muss mit besseren Argumenten überzeugen. In etlichen Glaubensgemeinschaften ist es üblich, mit sozialem Druck, mit Unfreundlichkeit oder Strafen auf das Gewissen einzuwirken.

Das ist religiöser Missbrauch, der die Würde des Menschen verletzt. Es ist zudem eine grobe Verletzung der göttlichen Ordnung. Wenn Gläubige der Ansicht sind, dazu berechtigt oder gar verpflichtet zu sein, so haben wir es mit Glaubenswahn zu tun.

Gotteserkenntnis und Glaubensgewissheit sind aufs engste mit einem einzigartigen geschichtlichen Ereignis verbunden, der Menschwerdung Gottes auf Erden in der Gestalt Jesu Christi: “Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist uns durch Jesus Christus vermittelt worden.” (Joh 1,17)

Der Glaube braucht Zuverlässigkeit und er schöpft sie aus der Tatsache, dass Jesus als Gottes Sohn der einzig vollkommene Mensch war. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Zuverlässigkeit dessen, was er sagte, nicht durch menschliche Schwäche oder Begrenztheit getrübt war.

Die Information wird optimal übermittelt, wenn der gläubige Empfänger zum Jünger oder Schüler Jesu wird, d.h. insbesondere wenn er der Liebe ebenso den höchsten Rang in seinem Leben einräumt  wie es bei Jesus der Fall war.

Es ist nachvollziehbar, dass Gläubige häufig weit hinter diesem Ziel zurückbleibt. Hingabe ist freiwillig und soll ja aus dem Motiv der Liebe geschehen. Doch sollten sie dann realistisch mit entsprechenden Missverständnissen und Verzerrungen der göttlichen Information rechnen und keinen Führungsanspruch anmelden.

Zur Stärkung von Glaubensfreude und Glaubensgewissheit ist es hilfreich, jeden Tag im Sinne Bonhoeffers zu beten, um Gottvertrauen, Glaubensfreude und Erkenntnis der Kostbarkeit des Glaubens zu bilden und zu vertiefen. Für jeden Tag des Jahres möchten wir zusätzlich ein Gebet in diesem Geist zusammen mit einer kleinen hinführenden Schriftbetrachtung zur Verfügung stellen. Beides stammt aus dem Andachtsbuch “Lebendige Worte” von Pastor Samuel Keller (1856 – 1924) Die innige Verbundenheit mit Gott in der Andacht wird durch geistliche Übung weiter vertieft und gefestigt.

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[1] Im Original heißt es “zeitloses Fatum”.