Heilsgewissheit ohne Heiligung?

 

Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen” (Hebr 12,14) Wenn Gläubige sicher sein wollen, in enger Verbindung mit Gott zu bleiben, dann sollten sie sich um (echte!) Heiligung bemühen. Die Bibel warnt Gläubige vor spirituellem Selbstbetrug, vor unechter, werkgerechter Schein-Heiligung, bei der keine echte und dauerhafte Verbindung zu Gott entsteht.

Deswegen ist die Frage sehr wichtig: Was ist echte Heiligung ?

Heiligung ist der Wunsch des Gläubigen, die Freundschaft Jesu mit aufrichtiger Freundschaft zu beantworten, d.h. Jesus mit seinem Lebensstil Freude zu machen.

Was Jesus Freude macht, macht dem Gläubigen auch selbst Freude und wird in Freiheit und freiwillig getan. Echte Heiligung ist heilsam und befreiend. Damit ist ausgeschlossen, dass der Gläubige der Erpressung durch das Gewissen und durch den Buchstaben ausgeliefert ist und Leistung quantitativ nachweisen muss (Werkgerechtigkeit).

Heiligung ist eine Einstellung, um die sich der Mensch, der den Heiligen Geist hat, trotz aller Unzulänglichkeit immer wieder neu bemüht. Der in ihm wohnende Geist „treibt“ (Rö 8,14) oder motiviert ihn dazu.

Ist diese Motivation überhaupt nicht (!) vorhanden, dann existiert der Antrieb durch den innewohnenden Geist nicht. Eine Freundschaft mit Jesus ist überhaupt nicht vorhanden. Der betreffende Mensch „gehört nicht zu ihm„. (Röm 8,9) Er kann bestenfalls religiös sein.

Ist der Antrieb nur teilweise, evt. nur in winzigem, „senfkorngroßem“ Maße vorhanden, so ist der Heilige Geist in irgendeiner Weise „gebremst“ (1. Thes 5,19), was verschiedenste Gründe haben kann. Dafür können Glaubensterror und religiöse Zwänge verantwortlich sein, die verhindern, dass Jesus noch als Freund und Retter wahrgenommen wird. Dennoch bleibt Jesus treuer Freund, er bittet den Vater darum, dass „der Glaube nicht aufhöre“ (Luk 22,32). So kann dank der Treue Gottes, deren Unerschütterlichkeit mit der Festigkeit der Berge verglichen wird (Jes 54,10), aus dem Senfkorn wieder ein großer Baum werden. (Mt 13,31).

Wenn der religiöse Mensch meint, die Annahme als Gottes Kind sei nur ein juristischer Akt, die sein Leben und seine Lebenseinstellung nicht praktisch verändern wird, dann irrt er sich sehr. Eine echte Freundschaft mit Jesus verändert immer den Lebensstil und die Lebensziele.

Werke, die ein Mensch für die Gemeinde tut, haben auf das Heil keinen Einfluss. Sie werden belohnt, wenn sie aus dem Geiste Jesu stammen. Sie werden nicht belohnt, wenn sie aus falschen Motiven stammen. “Das Werk jedes Einzelnen wird im Feuer auf seinen Bestand geprüft. Hält das, was er auf das Fundament gebaut hat, stand, wird er belohnt. Wenn es verbrennt, wird er den Schaden zu tragen haben. Er selbst wird zwar gerettet werden, aber so wie jemand, den man gerade noch aus dem Feuer reißen kann.” (1.Kor 3,12-15)

Fehlt aber der Wunsch nach Heiligung gänzlich, so fehlt das Fundament, d.h. der heilige Geist, der den Gläubigen zur Heiligung motiviert. Diese Leute, die “kein Öl mehr in ihren Lampen haben” (Mt 25, 8), bleiben draußen. Sie finden die Tür verschlossen vor und Jesus sagt ihnen: “Ich kenne euch nicht” (V.12)

Auch wenn der Wunsch nach Heiligung gänzlich fehlt, kann man noch große Taten in der Gemeinde tun und religiösen Erfolg erzielen.

Dieser Selbstbetrug kann mit großen Taten, mit religiösen Erfolgen verbunden sein: “Nicht jeder, der dauernd ‚Herr’ zu mir sagt, wird in die unsichtbare Welt Gottes kommen, sondern nur der, der den Willen me ines Vaters im Himmel tut. An jenem Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ‚Herr, haben wir nicht unter Berufung auf dich Prophetien verkündet? Herr, haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen Wunder getan?’ Doch dann werde ich ihnen unmissverständlich erklären: ‚Ich habe euch nie gekannt! Macht, dass ihr weg kommt, ihr Halunken!” (Mt 7,21-23)

Schlimm ist es, wenn man den Selbstbetrug nicht durchschaut. Die Bibel nennt bestimmte Fehlhaltungen, die eines durch Gott geprägten Lebens besonders unwürdig sind. Falls ein Mensch an ihnen unbeirrt festhält und nicht den geringsten Wunsch hat, aus dieser Sackgasse wieder herauszufinden, liegt der Gedanke nahe, dass der Heilige Geist gänzlich fehlt und deshalb auch keinen dem Willen Jesu entsprechenden Wunsch hervorrufen kann. Insofern sind diese Fehlhaltungen ein deutliches Indiz für die Abwesenheit der Heiligen Geistes und damit für die Verlorenheit des Menschen, für die Gefährdung seines Heils.

Wir werden uns hüten, an dieser Tatsache die unter Theologen heiß umstrittene Frage aufzuhängen, ob ein Christ theoretisch verloren gehen könnte.

In erster Linie ist die Sünde der erbarmungslosen Unversöhnlichkeit ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Wenn ihr den Menschen ihre Fehler nicht vergeben wollt, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.” (Mt 6,15)

Der Schuldenerlass wurde widerrufen, weil der Schuldner hartherzig mit einem Kleinschuldner umging: “ So wird auch mein Vater im Himmel jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt. “(Mt 18,35)

Mit diesem Bibelwort wird allerdings viel Missbrauch getrieben und nicht selten wird Übervorteilung und Verweigerung des fairen Ausgleichs damit gerechtfertigt.

Die Bibel sagt auch, dass es dem Gläubigen bei schweren Verbrechen unmöglich sein kann, zu vergeben. So flehen z.B. die Märtyrer Gott an, das ihnen angetane Leid zu rächen. (Offb. 6,9-10) Ein natürlicher Wunsch der Gequälten, den Gott ihnen offenbar überhaupt nicht übelnimmt.

Somit beziehen sich die Worte Jesu eher auf das kleinliche, hartherzige und erbarmungslose Nachtragen im Alltag, besonders dem reuigen Sünder gegenüber, das für den Gläubigen, dem Gott so reichlich vergeben hat, eine Schande ist.

Auch fortgesetztes hartherziges, brutales Verhalten gegenüber einem Mitchristen ist ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Wenn der Sklave aber ein böser Mensch ist und denkt: ‚Mein Herr kommt noch lange nicht’, und anfängt, die anderen Diener zu schlagen, während er sich selbst üppige Mahlzeiten gönnt und sich gemeinsam mit anderen Trunkenbolden betrinkt, dann wird sein Herr an einem Tag zurückkommen, an dem er es nicht erwartet hat, und zu einer Stunde, die er nicht ve rmutet. Er wird den Sklaven in Stücke hauen und ihn dorthin bringen lassen, wohin alle Heuchler kommen und wo das große Weinen und Zähneknirschen anfängt.“ (mt 24,48-51)

Hier wird ohne Zweifel ein gläubiger Christ gewarnt, denn Nichtchristen warten nicht auf den Herrn.

Im Alten Testament gibt es eine ganz ähnliche Warnung: “Ich will selbst meine Schafe weiden, und ich will sie ruhen lassen, spricht der Jahwe, der Herr. Ich will die Verlorengegangenen suchen und die Verirrten zurückzurückholen, die Verwundeten verbinden und die Kranken gesund pflegen; aber die Fetten und Starken will ich vernichten und will ihnen das zukommen lassen, was sie verdienen.” Und zu euch, meiner Herde, spricht Jahwe, der Herr: ‚Passt auf! Ich werde zwischen Schaf und Schaf, zwischen Widdern und Böcken richten. Ist es euch nicht genug, eine so gute Weide restlos abzufressen? Müsst ihr auch noch die restliche Weide zertrampeln? Ihr trinkt das klare Wasser und trübt das restliche mit euren Hufen! Meine Schafe sollen dann fressen, was eure Hufe zertrampelt haben, und trinken, was ihr verschmutzt habt?’ ‚Passt auf! Ich bin es, der bald für Recht sorgen wird zwischen den fetten und mageren Tieren.” (Hes 34,15-20)

Einen Mitchristen ständig mit seinem Haß zu verfolgen, ist ebenfalls ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Man kann erkennen, wer ein Kind Gottes und wer ein Kind des Teufels ist: Wer nicht das Rechte tut, stammt nicht von Gott, und wer seinen Bruder und seine Schwester nicht liebt, auch nichtJeder, der seinen Bruder oder seine Schwester hasst, ist ein Mörder. Und ihr wisst, dass das ewige Leben nicht in einem Mörder bleiben wird. ” (1.Joh 3,10)

Auch hier ist sicherlich eine ähnliche Einschränkung wie bei der Vergebung zu machen: Menschen, denen es gut geht und die aus Selbstherrlichkeit und Pharisäismus heraus auf anderen herumtrampeln, sollen sich fürchten und vorsichtshalber mit ihrer Bosheit aufhören. Menschen, dagegen, die auf grausame Misshandlung mit dem Wunsch nach gerechter Vergeltung reagieren (Offb. 6,9-10), haben das Mitgefühl Jesu.

Gleichwohl wünscht Jesus sich, dass auch diese Gläubige ihren Hass überwinden können, denn Hass ist destruktiv und zerstört oft den, der hasst, schneller als den, der gehasst wird.

Wer Mitmenschen immer wieder missbraucht, schädigt und verletzt, sollte sich ebenfalls Sorge um sein Heil machen:

Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz in Gottes unsichtbarer Welt haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die in Sexgier auf Kosten anderer leben, Ehrfurcht vor falschen Göttern haben oder ihren Partner betrügen, Lustknaben und Knabenschänder, Diebe oder Habsüchtige, Trinker, Lästerer oder Räuber werden keinen Platz im Reich Gottes haben.” (1.Kor 6,9-10)

Der Gläubige investiert in den Glauben, der ihm kostbar ist. Ein Glaube, in den überhaupt nichts (!) investiert wird, ist nicht echt und auch nicht kostbar:

Denn es gibt viele, vor denen ich euch schon oft gewarnt habe und es jetzt unter Tränen wiederholen muss. Durch ihr Verhalten zeigen sie, dass sie Feinde der Kreuzesbotschaft von Christus sind. Sie werden im Verderben enden, denn ihr Bauch ist ihr Gott, und sie sind stolz auf das, was sie Schändliches tun. Sie denken nur an die irdischen Dinge. Doch wir haben unser Bürgerrecht im Himmel. ” (Phil 3,20)

Denn wenn ihr euer Leben von eurer alten sündigen Natur bestimmen lasst, werdet ihr zugrundegehen. Wenn ihr aber durch den Geist die Interessen und Vorlieben dieser alten Natur tötet, werdet ihr leben. Nur diejenigen, die sich der Führung durch den Geist Gottes unterstellt haben, sind Kinder Gottes. Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, dass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir „Abba !“, Vater, zu Gott sagen. So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn wir aber Kinder sind, dann sind wir auch Erben, Erben Gottes und Miterben mit Christus, die jetzt mit ihm leiden, um dann auch an seiner Herrlichkeit teilzuhaben.” (Rö 8,13-17)

Ich möchte lernen, was es heißt, mit ihm zu leiden und in ihm zu sterben, um dann auch unter denen zu sein, die aus den Toten heraus auferstehen werden.” (Phil 3,10)

Heiligung ist eine Einstellung, um die sich der Mensch, der den Heiligen Geist hat, trotz aller Unzulänglichkeit immer wieder neu bemüht. Der in ihm wohnende Geist „treibt“ (Rö 8,14) oder motiviert ihn dazu.

„Immer wieder neu“ – das ist das Entscheidende. Eine quantitative Hürde, eine Notwendigkeit, eine bestimmte „Mindestmenge“ an Gebotserfüllung nachzuweisen, gibt es nicht. Es heißt ausdrücklich: „wenn Gott uns mit sich versöhnt hat durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wieviel mehr werden wir gerettet durch das Leben seines Sohnes, nachdem wir nun versöhnt worden sind.“ (Rö 5,10) Die Erlösung ist ganz und gar auf Christus gegründet, nicht nur auf seinen stellvertretenden Opfertod, sondern auch auf sein Leben und Wirken als Freund und Fürsprecher.

Das Wiederholen von Sünde kann das Heil nicht zerstören. Selbst wenn der Gläubige siebenmal dieselbe Sünde begeht, soll sein Mitchrist ihm vergeben. Ja, Jesus erwartet sogar, dass er „siebenmal siebzig mal“ vergibt. (Mt 18,22) Wieviel mehr wird Gott das tun!

Es ist ein naheliegender Fehlschluss, dass ein Gläubiger, der die im folgenden genannten Sünden über lange Zeit getan hat, sich damit vom Heil ausgeschlossen hätte. Sobald er die Sünde bereut und Umkehr wünscht, „ist Freude im Himmel über ihn mehr als über hundert Gerechte.“ (Luk 15,7). Diese Freude wird umso größer sein, je länger er in die Irre ging. Manche befürchten, dass langes Sündigen nur halbherzige Vergebung zu Folge hat. Das Gegenteil ist wahr: „wo die Sünde mächtig geworden ist, ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ (Rö 5,20) Das ist gewisslich wahr. Wer bereut, darf sich immer darauf verlassen: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Jo 6,37)

Wer überhaupt keinen Wunsch nach Heiligung verspürt, ist noch nicht zu Jesus gekommen, auch wenn er sich vielleicht religiös engagiert. Von solchen Leuten sagt der Prophet: „Dies Volk naht sich mir immer nur mit dem Mund und ehrt mich immer nur mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.“ (Jes 29,13) An solche Menschen richten sich die folgenden Warnungen:

Die Tür ist eng. Setzt alles dran, hineinzukommen! Denn ich sage euch: Viele werden es (zu spät) versuchen, aber es wird ihnen dann nicht mehr gelingen. Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Haustür abgeschlossen hat, werdet ihr draußen stehen, klopfen und bitten: ‚Herr, mach uns auf!’ Doch er wird euch antworten: ‚Ich kenne euch nicht und weiß auch nicht , wo ihr her seid.” (Luk 13,24-25)

Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer sich im Kampf bewährt, dem werde ich im Paradies Gottes vom Baum des Lebens zu essen geben.“ (Offb 2,7)

Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer sich im Kampf bewährt, dem wird der zweite Tod nichts anhaben können.“ (Offb 2,11)

Wer sich im Kampf bewährt, wird mit einem weißen Festgewand bekleidet werden. Ich werde seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens streichen, sondern mich vor meinem Vater und seinen Engeln zu ihm bekennen.” (Offb 3,5)

Wer sich im Kampf bewährt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen und er wird diesen Platz für immer behalten. Ich werde ihn mit dem Namen meines Gottes kennzeichnen und mit dem Namen der Stadt meines Gottes…” (Offb 3,12)

Und wer sich nicht im Kampf bewähren will, ja noch nicht einmal kämpft…

… wird der auch im Paradies vom Baum des Lebens essen, vor dem zweiten Tod bewahrt bleiben, mit einem Festgewand bekleidet werden, im Buch des Lebens stehen und seinen Platz im Himmel für immer behalten ?

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Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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