H.G. – Wo ich Bedenken habe (3)

So stellt auch Christian Rahn ein bestimmtes System auf, in dem er denkt und andere auffordert, dies zu tun. Das Problem ist immer, dass man irgendwann nicht mehr frei von dem aufgestellten System denken kann. Ein Freund und ich beobachten das bei der Glaubensgemeinschaft, aus der wir vor langem ausgetreten sind.

Für mich möchte ich frei sein, unabhängig von meinen Prioritäten denken zu können, ich behaupte aber nicht, dass das absolut möglich ist. An dieser Frage haben sich schon wohl viele Philosophen die Zähne abgewetzt, wenn ich das so bildhaft sagen darf.

Ein aktuelles praktisches Beispiel ist das Für und Wider betreffend die Corona-Politik und die Corona-Maßnahmen. Ich versuche beide Seiten zu verstehen, soweit es sachliche Gründe gibt,

jenseits von Ideologien aller Art. Soweit Politiker die Protektion von Pharmaunternehmen und ähnliches betreiben, habe ich kein Verständnis. Gewalt bei Demonstrationen ist aus christlicher Sicht abzulehnen. Doch Christen dürfen auch nicht naiv gegenüber der Natur des Bösen sein, deren Voranschreiten z.B. in Offenbarung 13 deutlich aufgezeichnet wird. Hier ist z.B. Wachsamkeit gegenüber dem Transhumanismus angesagt. Christen müssen verstehen lernen, dass es einen Punkt gibt, wo sie gegenüber der Obrigkeit nicht mehr gehorsam sein können. Ob das schon bei der angekündigten allgemeinen Impfpflicht der Fall ist, lasse ich derzeit offen, da bin ich mir selbst noch nicht schlüssig.

In einer der ersten Mails an mich vom 12.11.2020 schreibt Christian Rahn: „Wir können uns Rechenschaft geben, warum wir so denken, wie wir denken. …….Was sollen wir anderes tun ? Die Fragen sind nicht einfach und Betriebsblindheit nicht selten. Deshalb ist es gut, den Austausch auch gegensätzlicher Ansichten zu pflegen.“

Auf alles, was ich im Schriftwechsel seit etwa März 2020 an Christian schrieb, ist er nicht eingegangen, das kann wohl nur im persönlichen Gespräch geschehen, was ich nach wie vor wünsche und anstrebe. Aktuell ist er offen dafür.

Ich bleibe dabei, was ich in „H.S. – was will eure Internetseite ? – Prüfet alles (1. Thes. 5,21) …wirklich alles ?“ schrieb (auf der Seite veröffentlicht): „Die Gefahr, die ich in Eurer Auslegung glaube zu sehen: Dass Gottes Hass gegen jegliche Art von Sünde verniedlicht wird (ach, dann kann ich mir doch wieder das und das und das erlauben….) Ich sage nur Gefahr, es kommt sicher auf den Herzenszustand und die geistliche Reife an.“

Meine kritische Zuschrift an eine andere christliche Webseite zu diesem Thema vor einigen Wochen wurde bislang nicht beantwortet. Ich bin bemüht, von Balken/Splitter zunehmend frei zu werden, mir meinen noch vorhandenen Stolz vom Geist Gottes zeigen zu lassen, dass ich ihn abgebe, ich bin bemüht, Sünder nicht nach Pharisäer-Art zu verdammen, achte dabei aber weiterhin darauf, gegenüber dem Bösen aller Art nicht naiv zu sein, siehe meine obigen Ausführungen zur Corona-Politik.

In einer Antwort-E-Mail vom 06.07.2021 schreibt Christian u.a.: „Bei Christen kann weltliche Gesinnung – wie aus eigener Erfahrung zu bezeugen ist – leider auch eine fromme Form annehmen, wenn nämlich das fromme Tun der Förderung des eigenen Egos (Rechthaberei, Überlegenheitsgefühle, Streben nach Einfluss) dient (1. Kor. 3,3). Infolge der frommen Tarnung sind solche Fehlentwicklungen sehr langlebig.“

Ich stelle mich unter diesen Satz.

(…)

Eine große Hilfe sind mir die Predigten des Pietisten Ludwig Hofacker. Ich zitiere in Bezug auf matth2323 aus dem ersten Band Seiten 524/525: „Viele, die nicht ohne Eindrücke der evangelischen Wahrheit sind, bleiben immerwährend auf halbem Wege stehen und kommen zu keinem Glauben an das Evangelium, zu keinem Abtreten von der Ungerechtigkeit, zu keinem Durchbruch in das Licht, weil sie durch allerhand überflüssige und lügenhafte Bedenklichkeiten aufgehalten werden. Das eine Mal können Sie sich am Heiland in dies, das andere Mal in jenes nicht schicken; bald finden sie da im Worte Gottes, bald dort ein Ärgernis. Man will dieses Wort meistern und nach seinen vorgefassten Meinungen regeln, man will der Kraft Gottes Schranken setzen, man meint, es habe alles sein Maß und Ziel, man verlangt Beweise, wo Gott Glauben fordert, und zuletzt meint man, man wollte wohl glauben und sich dazu hergeben, wenn man sich nur an dieser oder jener Sache nicht stoßen müsste, aber das sei eine unüberwindliche Bedenklichkeit. Hinter solchen Bedenklichkeiten ist eine tiefe Lust zur Ungerechtigkeit, eine unmäßige Liebe zur Finsternis verborgen. Dadurch hat Satan vollen Zugang ins Herz und verblendet , wie die Schrift sagt, die Sinne, dass man nicht sieht das helle Licht des Evangeliums.“

Ich empfinde diese Aussage als eine gewisse Warnung auch für matth2323.de

Ich zitiere aus Werner Gitt „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ (26. Auflage 2018 Seite 139): „Es fällt auf, dass sich die Wahrheit der Bibel nur dem gehorsam Handelnden erschließt. Wer nur rein intellektuell und losgelöst von der eigenen Person mit der Bibel umgeht, der findet keinen Zugang (1. Kor. 1,19). So können mathematisch überzeugende Rechnungen…….zwar eine Hilfe sein, aber der Schritt zum Glauben bleibt eine individuelle Entscheidung. Die Zusagen Gottes können nur im Glauben angenommen oder im Unglauben abgewiesen werden.“

Und Seite 156: „Nach all diesen Aussagen stellt sich die Frage nach dem Zugang zur Bibel. Wie findet ein noch `Unbedarfter` den rechten Einstieg ? Nach einem Evangelisationsvortrag kam ein intellektuell geprägter junger Mann in die Aussprache, der aufrichtig nach dem Zugang zur Bibel suchte. Nachdem ich im Gespräch einige Hindernisse beiseite räumen konnte, folgerte er für sich: Jetzt werde er mit den ihm geläufigen Denkweisen weiter an der Bibel arbeiten. Ich warnte davor:

`Das können Sie tun, aber Sie werden am Ende nicht den in Christus geoffenbarten lebendigen Gott finden, sondern den unpersönlichen, pantheistischen Gott der Philosophen. Die Philosophen haben aus der Sicht ihrer Denkkategorien die Bibel gelesen, aber den Gott, der uns nur in Jesus zum Heil wird, fanden sie nicht.“

Diese Aussagen habe ich zum Thema „Systemdenken“ – siehe der Beginn meiner Überlegungen – zitiert. Es ist dabei unnötig, mir Kritik an Werner Gitt zu übermitteln (welchen Menschen kann man eigentlich – außer Jesus Christus – nicht kritisieren ?).

Ich zitiere wiederum aus dem ersten Band von Ludwig Hofacker/Predigten S. 639/640:

Aber wie viele unter uns werden wohl sagen können: `Christus wohnt in mir durch den Glauben ?` Ja, wenn man den Geiz, den Neid, die wollüstigen, die eigenliebigen, die fleischlichen Gedanken, Begierden und Lüste zugleich im Herzen behalten könnte, dann würden wohl viele gern ein Tempel des lebendigen Gottes werden. Aber Christus und Belial taugen nicht zusammen. Wo der Heiland einkehrt, da wirft er alle diese Gäste hinaus und legt sie zum Schemel seiner Füße. Das ist seine Art. Jedoch dürfen wir nicht denken, solch ein Mensch, in dem der Heiland wohne, habe gar keine Anfechtung der Sünde mehr zu erdulden. Nein, Christus muss, solange er in dieser Zeit in einem Menschen wohnt, immer im Kampf liegen gegen seine Feinde; aber wenn ein Mensch die Sünde als ein Kreuz trägt, wenn es ihm leid tut, dass er damit den Heiland betrübt, wenn sie ihm Schmerzen, Leid und bittere Reue verursacht, daran kann man erkennen, ob Christus die Wohnung im Herzen aufgeschlagen und in ihm eine Gestalt gewonnen hat; da führt er sein Regiment in der Seele. Liebe Zuhörer, sollten wir es nicht die höchste Angelegenheit unseres Herzens sein lassen, sollten wir uns nicht Tag und Nacht bemühen, dieser hohen Ehre teilhaftig zu werden, ein Tempel des lebendigen Gottes zu sein ?

Den Geist solcher Worte vermisse ich nicht nur auf matth2323. Wenn nun aber vermutet wird, dass auch Ludwig Hofacker sein Klientel nur in diese Ecke gedrängt hat, der lese seine Predigten insgesamt ! Auf Seite 643 steht z.B.: „Wenn ein Sünder auch noch so tief gefallen, wenn er auch ganz zu Boden geschlagen ist, so ist doch das Liebesmeer der Erbarmungen Gottes größer als seine Schuld, immer noch tief genug, um seine Sünde darin zu versenken. Aus diesem Meer der Liebe Gottes schöpft der Seraph, der vor dem Thron Gottes steht, und der Sünder, der Gnade und Vergebung bedarf, und wird nie leer.

Bei L. Hofacker fällt die Ausgewogenheit im Vortrag zu Sünde und Gnadenangebot deutlich auf. Die Niederträchtigkeit der gefallenen menschlichen Natur wird in keiner Weise beschönigt, doch das Angebot Gottes zur Errettung unter der Bedingung wahrer Umkehr wird gleichwertig dargestellt. In seinen persönlichen Briefen haben Seelsorge und Diakonie ihren Platz.

matth2323 spricht zu Recht die Defizite in den christlichen Gemeinden betreffend Diakonie und Seelsorge an, tendiert aber bei diesem sicher wichtigen Themenbereich zur Einseitigkeit. Der Schöpfer dieser Seite spricht seine diesbezügliche Prägung in einer Mail deutlich an, dies aufgrund schlechter, belastender Erfahrungen vornehmlich in der Jugendzeit bis hin zum jungen Erwachsenen.

Die Menschheit und darin das Christentum muss jedoch mit vielen anderen Problemen kämpfen.

Vielfach wird das Wirken und die Methoden des Bösen unterschätzt. Den Menschen wird suggeriert, dass es nur im Dritten Reich, unter Diktaturen wie heute in Nordkorea Böses gab und gibt. Darin erblicke ich einen gefährlichen Irrtum. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass in der Christenheit eine große Naivität über das Böse in Gemeinden, Politik, Medien, Gesellschaft usw. vorherrschend ist. Sie weiß nicht, welcher Art der Feind ist, der ihr gegenüber steht. Man lese den Klartext in der Rede des Stephanus Apg. 7, besonders gegen Ende seiner Rede. Die Warnungen in der Offenbarung werden nicht ernst genug genommen, wenn überhaupt. Ich halte es hier nicht für gut, die Maßstäbe aus matth2323 uneingeschränkt anzusetzen.

Kürzlich las ich ein kleines Heft zu „Fakten über das Leben nach dem Tod.“ Darin geht es um sog. Sterbeerlebnisse, in welchen die Heerscharen des Bösen Menschen täuschen. Die Absicht darin ist meistens, die Bedeutung von Sünde klein zu reden und einen Jesus darzustellen, wie er z.B. in der „Hütte“ vorkommt oder von den Mormonen gelehrt wird. Ich habe mir da die Frage gestellt, wozu Jesus dann Gethsemane und Golgatha durchgemacht hat – das wäre dann doch gar nicht nötig gewesen ?!

Ich bin nicht abhold gegenüber Diakonie und Seelsorge, halte nicht viel von Kritik an einem „sozialen Evangelium“: In dem Buch „90 Minuten im Himmel – Erfahrungen zwischen Leben und Tod“ von Don Piper hat mich seine Begegnung mit einem Menschen beeindruckt, der die gleichen körperlichen Schmerzen wie er über einen langen Zeitraum erdulden musste (Ursachen bei Don Piper waren das die Folgen eines schweren Verkehrsunfalles). Sein Besucher war glücklich darüber, dass er „endlich einmal jemanden gefunden hatte, der nachempfinden konnte, was er durchmachte“ (Seite 172 des Buches). Und weiter: „Du kennst jetzt jemanden, der versteht, was du durchmachst“ bekräftigte ich noch einmal…..Dieser Junge brauchte jemanden, der ihn versteht. Ich weiß nicht, ob ich ihm all zu viel anzubieten hatte, aber ich konnte mit ihm über den Schmerz reden, den ich selbst erlebt hatte. Hätte ich diese Erfahrung nicht selbst gemacht, dann hätte ich ihm nur auf die Schulter klopfen und sagen können: Das wird schon wieder. Ich hoffe, es geht dir bald wieder besser ! Einfach nur wohlmeinende Worte, wie die meisten Leute sie von sich geben“ (Seite 173).

In diesem Bereich füllt eine Seite wie matth2323 eine klar vorhandene Lücke aus und das begrüße ich. Wir Menschen haben häufig das Problem, dass wir uns in den anderen nicht hineindenken können oder wegen der für uns damit zusammenhängenden Belastung auch nicht wollen. Kann ich mich in die Verkäufer hineindenken, die wegen der ganzen Corona-Regeln belastet sind, kann ich mich in eine psychisch schwer kranke Angehörige hineindenken, gar hineinfühlen ? ich fürchte nein. Vieles muss man selbst durchgemacht haben, ich kenne für mich auch Inseln, auf denen ich mehr oder weniger allein da stehe, ausgenommen den HERRN, da bin ich nicht allein, dieser fühlt und versteht alles.

Aber wie schon gesagt: Wir brauchen Ausgewogenheit. Bei den aktuellen politischen Entscheidungen fehlt mir diese. Das kann seine Ursachen auch darin haben, die ich oben ansprach.

Das Streben nach Macht, nach Einfluss, ungezügelte Habgier, die politische Protektion bestimmter Wirtschaftszweige usw. Auch darauf müssen wir sehen, im Gebet und womöglich auch in unserem Verhalten als Bürger.

Vorläufiger Abschluß: 06.12.2021

Artikel aktualisiert am 13.01.2022

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