Gottesbeweis

Wenn jemand die Existenz Gottes bezweifelt, dann kann dieser Zweifel mit Hilfe gewisser Indizien erschüttert werden. Diese Indizien spielen aber nur eine vorbereitende Rolle.
Gewissheit, wie sie der praktische Glaubensweg vermittelt, können sie nicht vermitteln.

 

So haben Berechnungen von Astrophysikern ergeben, dass bereits die Entstehung des Universums ein außerordentlich unwahrscheinliches Ereignis ist. Ebenso unwahrscheinlich sind die vielen Bedingungen, die zusammen eintreten müssen, damit ein Planet wie die Erde von Pflanzen Tiere und Menschen bewohnt werden kann. Ebenfalls ist die zufällige Entstehung dieser Lebewesen so extrem unwahrscheinlich, dass es vielen leichter fällt, an einen intelligenten “Designer” (Schöpfer) zu glauben.  [1]

Allerdings lässt sich aus diesen Beobachtungen nicht schließen, wie Gott ist, ob er sich für seine Geschöpfe noch interessiert, ob er über – aus menschlichen Sicht – über einen guten oder einen wankelmütigen oder gar bösartigen Charakter verfügt. Die Schöpfung zeigt jedenfalls viel genial konstruierte Tötungstechnik und ein unablässiges Quälen und Sterben, das offenbar auch notwendig ist, da Raum und Nahrung begrenzt sind.

Die Frage, WIE Gott ist, ist genauso wichtig, ja sicherlich noch viel wichtiger als die Frage, ob es ihn überhaupt gibt.

Wenn es keinen Gott gibt, wenn es nur Materie gibt und alles Zufall ist, dann mag das sehr frustierend sein, aber die Frustration ist ja spätestens mit dem Tode überstanden, wenn ich als Person aufhöre zu existieren und in Atome zerfallen bin.

Wenn es aber einen Gott gibt und dieser mir nicht freundlich gesinnt ist, sondern mit mir herumspielt und mich ggf. opfert, wie eine Schachfigur, dann droht sehr wahrscheinlich Frust und Not ohne Ende. Ich bin ihm wehrlos ausgeliefert. Was soll mich dann die Antwort trösten, dass es Gott gibt? Dann wäre es besser, es gäbe keinen.

Deswegen ist es der entscheidende und wichtigste Beweis, dass der Geist Gottes Wohnung in der Seele des Gläubigen nimmt. 

Es gibt nur einen wirklichen Beweis, der wirklich zu Gewissheit und Glaubensfreude führt: und das ist die tagtägliche Vertiefung der Freundschaft mit Gott. Dann erfährt der Gläubige: “Ich lebe, aber nicht nicht ich, sondern Jesus Christus lebt in mir” (Gal 2,20). Diese Erfahrung ist der tiefste Grund der christlichen Gewissheit: das Zeugnis des heiligen Geistes (Rö 8,16). Der Geist Gottes bringt uns in Verbindung mit Jesus (Jo 16,13-14), und wenn wir Jesus wahrnehmen, dann erkennen wir auch, wie der Vater im Himmel ist (Jo 14,7). Mit dem Erkennen des göttlichen Charakters ist auch die Frage nach seiner Existenz automatisch beantwortet. Die Bibel nennt diese Erfahrung “Heiligung“.

Ohne sie werden die Bemühungen um Geborgenheit vielleicht zu einer stabilen religiösen Weltanschauung, aber nicht zur inneren Schau führen, die die Bibel mit Glaubensgewissheit bezeichnet.

[1] Literaturempfehlungen:

Anselm Grün, Michael Grün, Zwei Seiten einer Medaille – Gott und die Quantenphysik, Vier Türme Verlag, Münsterschwarzach, 4.Aufl. 2016.

Die Unwahrscheinlichkeit der Entstehung des Universums wird anschaulich beschrieben in:
Bill Bryson, Ein kurze Geschichte von fast allem, Goldmann Verlag München, 8.Auflage 2005, S.28 -29.

 

 

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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