Gift Nr. 05

5. Behauptung: “Wer ohne schwerwiegenden Grund vom Gottesdienst fernbleibt, begeht eine schwere Sünde und wird dafür angemessen von Gott bestraft.”

Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z. B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind. Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.” (Katechiskus der katholischen Kirche [KKK], Nr. 2181)

Wer eine schwere Sünde wissentlich und willentlich begeht, begeht nach offizieller katholischer Definition eine Todsünde. (Katechismus der katholischen Kirche [=KKK], Nr. 1857)

Indem die katholische Kirche dem Gläubigen mit der Hölle droht, wenn er ohne wichtigen Grund vom Gottesdienstbesuch fernbleibt, schafft sie eine starke Bindung, die auf schlechtem Gewissen und Einschüchterung beruht. Sie kann auf diese Weise eine große Menschenmenge an sich ziehen, die zu weiterem Zulauf animiert (“Masse zieht Masse” / “Hier ist was los!”).

Die Bibel droht überhaupt nicht, wenngleich sie die Gläubigen ermahnt, “die Versammlungen von Gläubigen nicht zu verlassen“. (Hebr 10,25) Den Gläubigen steht indes zu, selbst zu entscheiden, welche Versammlung sie besuchen wollen. Eine Versammlung, in der werkgerechte Seelenzerfleischung gelehrt wird, sollte der Gläubige möglichst nicht besuchen. Wenn er es doch tut, dann nur, um Gläubige über die ihnen drohende Gefahr aufzuklären.

Die Bibel erlaubt dem Gläubigen auch, eine Hausgemeinde zu gründen: “wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich mitten unter ihnen.” (Mt 18,20). In dieser Hausgemeinschaft darf das Herrenmahl mit Brot und Wein gefeiert werden. “Und sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel und brachen das Brot hin und her in den Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade beim ganzen Volk.” (Apg 2,46-47).

Die katholische Lehre sieht das nicht gerne. “Nur gültig geweihte Priester können der Eucharistiefeier vorstehen und Brot und Wein konsekrieren, damit diese Leib und Blut des Herrn werden.” (KKK, 1411) Die Lehre behauptet, dass diese wundersame Verwandlung nicht stattfindet, wenn „Laien“ das Herrenmahl feiern. Sie behauptet, dass Laien nur einen Ritus nachäffen könnten, der zwar an Jesu Opfer erinnert, aber den Gläubigen keinen besonderen Segen vermittelt, der vielmehr kraftlos ist und nur die Nichtzugehörigkeit zur katholischen Kirche bezeugt. “Wer sagt, das Meßopfer sei nur Lob- und Danksagung oder das bloße Gedächtnis des Kreuzopfers, nicht aber ein Sühneopfer, oder es bringe nur dem Nutzen, der kommuniziere, und man dürfe es nicht für Lebende und Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte aufopfern, der sei ausgeschlossen.” (Konzil zu Trient, 1562, 3. Lehrsatz über das Meßopfer)

So hat „die Lehre“ alles trickreich von einander abhängig gemacht: kein richtiger Segen ohne Verwandlungswunder, kein Wunder ohne kirchliche Lizenz („Weihe“).

Die Bibel sagt anderes. Gott schenkt besonders gerne „Segen und Leben für alle Zeiten“ dort, wo Menschen in aufrichtiger Liebe miteinander umgehen (Ps 133, 3). Liebe ist das wirkliche Leben. Es gedeiht in dieser Umgebung am besten. Diese Liebe kann durch Laien genauso weitergegeben werden wie durch besoldete Mitarbeiter einer Gemeinde.

Die offizielle katholische Lehre versteht hier unter Segen offenbar etwas anderes, irgendetwas Diffuses, was unklar bleibt. Ist es ein materieller Vorteil oder vielleicht etwas weniger Fegefeuer ? Etwas weniger Missfallen des leicht gereizten Gottes ?

Dieser „Segen“ kann angeblich nur durch Beamte vermittelt werden, die eine Lizenz des Konzerns „Kirche“ ergattert haben. Auf den geistlichen Zustand des „gültig geweihten” Segensvermittlers kommt es erstaunlicherweise gar nicht an: es spielt keine Rolle, ob er nebenbei Chorknaben sexuell missbraucht, ob er Spenden veruntreut, ob er junge Menschen  zu abhängigen und urteilsschwachen Menschen erzieht oder ob er Gläubige mit werkgerechter Theologie unglücklich macht. Ist er “gültig geweiht“, so soll der Segen (angeblich) wirksam sein, mag er auch von jemand mit tiefschwarzer Seele verabreicht worden sein.

Indem nur “gültig geweihte” Priester das Herrenmahl leiten dürfen – in der von der Kirche vorgeschriebenen Form – macht die Kirche wieder einmal deutlich, wie sehr sie immer noch das mittelalterliche Religionsmonopol beansprucht. Nur durch Unterwerfung unter ihre Herrschaft (2.Kor 1,24) könne angeblich der volle “Segen” erlangt werden – wie auch immer dieser aussehen mag.

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Artikel aktualisiert am 03.03.2018

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