Gift Nr. 25


25. Behauptung: “Jeder Gläubige, der den Anweisungen des Gemeindeleiters nicht gehorcht, macht sich der Rebellion gegen Gott schuldig.”

Hier beruft man sich auf Hebr 13,17: “Gehorcht euren Lehrern und folget ihnen…

Der Vers geht aber folgendermaßen weiter: “…denn sie wachen über eure Seelen im Wissen, dass sie dereinst dafür Rechenschaft geben sollen…” Gemeindeleitern und Ältesten ist das Hirtenamt anvertraut. “Gebt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in die euch der Heilige Geist als Aufseher eingesetzt hat, damit ihr treue Hirten der Gemeinde Gottes seid. … Ich weiß, dass nach meinem Abschied gefährliche Wölfe bei euch eindringen und erbarmungslos unter der Herde wüten werden. Selbst aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten und die Wahrheit verdrehen, um die Jünger des Herrn zu ihren eigenen Nachfolgern zu machen. Seid also wachsam … ” (Apg 20,28-31) Zum Hirtenamt berufen ist, wer die Herde am besten vor den Wölfen schützen kann.

Umgekehrt sagt die Bibel über schlechte Hirten: “Den Schwachen steht ihr nicht bei, und die Kranken heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht; sondern streng und hart herrschet ihr über sie” (Hes 34,4) ? Deshalb haben Gläubige, die Mitchristen vor giftiger Theologie schützen wollen, in dieser Sache Autorität und folgen einem göttlichen Auftrag und nicht etwa Gemeindeleiter, die das nicht wollen.

An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen…” (Mt 7,16) “Prüfet alles…” – ohne Ausnahme!”

Jesus hatte 12 Männer zu Augenzeugen seines Wirkens und zu Aposteln berufen. Er hatte ihnen höchste Autorität gegeben: “Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel ungültig sein.” (Mt 18,18). Man könnte meinen, dass diese hohe Berufung den Aposteln eine Art institutionelle Autorität verliehen hätte, der der Gläubige nicht widersprechen dürfte.

Die katholische Kirche behauptet, dass das Papsttum von Jesus selbst eingesetzt worden sei. Als Christus die Zwölf bestellte, „setzte er [sie] nach Art eines Kollegiums oder eines beständigen Zusammenschlusses ein, an dessen Spitze er den aus ihrer Mitte erwählten Petrus stellte“ (Katechismus der katholischen Kirche [KKK], Nr. 880)  ” … Der Herr hat einzig Simon, dem er den Namen Petrus gab, zum Felsen seiner Kirche gemacht. Er hat Petrus die Schlüssel der Kirche übergeben und ihn zum Hirten der ganzen Herde bestellt.” (Katechismus der Katholischen Kirche [KKK], Nr. 881) Papst und Bischöfe seien die rechtmäßigen Nachfolger des Petrus und der Apostel. (KKK, Nr. 880) Mit dieser Stellung sei die Autorität verbunden, allen Gläubigen vorzuschreiben, was sie zu glauben hätten. Jesus hätte dafür gesorgt, dass die Entscheidungen des Papstes genauso unfehlbar sind wie er selbst. “Um die Kirche in der Reinheit des von den Aposteln überlieferten Glaubens zu erhalten, wollte Christus, der ja die Wahrheit ist, seine Kirche an seiner eigenen Unfehlbarkeit teilhaben lassen” (KKK, Nr. 889) Folglich kann der Papst blinden Gehorsam für seine Lehrsätze verlangen. “Wenn die Kirche durch ihr oberstes Lehramt etwas „als von Gott geoffenbart“ und als Lehre Christi „zu glauben vorlegt“, müssen die Gläubigen „solchen Definitionen mit Glaubensgehorsam anhangen“(KKK, Nr. 891). Sie müssen sich “nicht nur mit ihrem Willen, sondern auch mit ihrem Verstande” unterordnen. (KKK, Nr. 892) Der Zweifel an einer vom Papst verkündeten Lehre ist nicht erlaubt. Klerikern, die sich doch Zweifel erlauben, drohen Disziplinarstrafen. (Codex juris canonici [CIC], Nr.  1371).

Nun, wer das bereits fest glaubt, steckt in einem Zirkelschluss, aus dem es kein Entrinnen gibt. Der Papst argumentiert mit der Bibel, dass er seine Autorität zu Recht besitzt, und missbraucht diese Autorität, um Gegenbeweise zu verbieten. Es ist aber das Recht jedes Gläubigen, “in der Schrift zu forschen, ob es sich also verhält.” (Apg 17,11) Dies galt für den Nachweis, dass Jesus der Messias ist. Wieviel mehr wird das für die viel geringere Würde eines kirchlichen Amtsinhabers gelten !

Diejenigen aber, die noch ein bisschen denken dürfen, laden wir ein, sich den biblischen Befund genau anzusehen. Petrus wurde von Jesus “Fels” genannt. Wo ist der Beweis, dass dieser Begriff exklusiv gemeint ist ? “Fels” meint im Gegensatz zum Sand einfach ein solides Fundament. (Vgl. Mt 7,24ff) Als ein Fundament werden aber auch andere Gläubige bezeichnet, wenn von der Gemeinde gesagt wird, dass sie “auferbaut ist auf den Grund der Apostel und Propheten.” (Eph 2,20) Jeder Missionar, der die biblische Botschaft zu einem Volksstamm bringt, der sie noch nie gehört hat, ist ein solcher “Fels”. Letztlich verdankt die ganze Gemeinde, die in diesem Volksstamm entsteht, ihre Existenz seinem Dienst. Petrus hatte eine historische Schlüsselstellung bei der Gründung der judenchristlichen Gemeinde – nicht in Rom, sondern in Jerusalem. Die Jerusalemer Gemeinde, die sich an Petrus orientierte, wurde durch die bald einsetzende Verfolgung dezimiert und verlor an Bedeutung. Die Mission unter den Nichtjuden wurde dem Apostel Paulus anvertraut, der bald eine weit größere Bedeutung als Petrus erlangte.

Dennoch dachte Paulus sehr bescheiden über sich selbst. Er tadelte die Korinther, dass sie einen Apostel über den anderen stellten: “wenn nun einer sagt, ich bin paulinisch, und der andere: ich bin apollisch, seid ihr da nicht fleischlich ? wer ist schon Paulus ? wer ist schon Apollos ? Diener Gottes sind sie, die euch zum Glauben geführt haben. Ich habe gesät, Apollos hat begossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben.” (1.Kor 3,4-6) Die katholische Kirche will nun Gläubigen weismachen, dass es richtig sei, sich als “kephisch” (1.Kor 1,12), d.h als Anhänger des Apostels Petrus, des “Felsen” zu organisieren. Wie nennt Paulus das ? “Fleischlich“!

Überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist der Versuch, die selbsternannten Nachfolger des Petrus für unfehlbar zu erklären und ihnen das Recht zuzugestehen, andere Ansichten mit Disziplinarstrafen zu ahnden. Eine “unfehlbares Apostelkollegium” hat es nie gegeben. Als Jesus den Zwölf die vollmacht, “zu binden und zu lösen”  (Mt 18,18) erteilte, gehörte auch noch Judas Ischariot zu den Zwölf.

Erinnern wir uns, dass Paulus den “unfehlbaren” Petrus von Paulus öffentlich streng tadeln musste, da dieser die Wahrheit des Evangeliums verfälscht hatte. (Gal 2,1 ff) Der Grund war seine Furcht vor der Kritik der “Hardliner” (Gal 2,12) Die Bibel nennt uns weitere üble Motive genannt, die zur Verfälschung der Wahrheit führen: die Gier nach Anerkennung und Einfluss (Gal 1,10), der Wunsch geehrt zu werden oder Geldgier. All diese Motive spielen im katholischen System eine gewichtige Rolle. Entsprechend gering ist die Fähigkeit, das zu verstehen, was Jesus will.

Immer wieder lassen sich in der katholischen Ethik gravierende und völlig reuelos begangene Verstöße gegen die Qualitätsmaßstäbe Jesu nachweisen. Immer wieder erscheint dort das Gesetz weitaus wichtiger als der Mensch, obwohl Jesus doch gesagt hatte, dass “der Sabbat um  des Menschen willen gemacht worden ist” (Mk 2,27)  – und nicht umgekehrt. Wie einst die Pharisäer “schwere Lasten den Menschen auferlegten” (Mt 23,4) so ignoriert die katholische Lehre immer wieder lebensfreundliche Interpretationen, die zudem noch wahrscheinlicher sind, und verpflichtet die Gläubigen zu ihrer lebensfremden, ja lebensfeindlichen Sicht.

Organisationen bieten vielfältige Gelegenheiten, die geistlich kontraproduktiven Bedürfnisse nach hohen Gehältern, Anerkennung und Macht über Menschen zu befriedigen. Organisationen binden Menschen durch Gewährung von materiellen Vorteilen an sich. Sie gehorchen deshalb anderen Gesetzmäßigkeiten als einzelne Menschen. (siehe z.B. das Gesetz der 50-jährigen) Je höher der Anspruch auf Autorität ist, den eine Organisation erhebt, desto größer der Ansehensverlust, wenn lang verteidigte Positionen geräumt werden müssen.

Nehmen wir einmal an, die Wachturmsgesellschaft (Zeugen Jehovas) würde endlich einräumen, dass das aus dem mosaischen Verbot, Blut zu essen, abgeleitete Verbot der Bluttransfusion ein theologischer Irrtum war. Dann wird sich doch sofort die Frage erheben: warum bemerkt ihr das erst jetzt ? Warum habt ihr so viele Gläubige sinnlos sterben lassen, die die dringend benötigte Bluttransfusion als Sünde ablehnen mussten ? Die Lehrautorität wäre mit einem Schlag stark beschädigt. Deswegen wird die Wachtturmgesellschaft, die vielen Lohn und Brot gewährt, weiter eisern an diesem Irrtum festhalten. Sie wird weiter ihr Herz verhärten müssen gegenüber Menschen, die durch ihre enge Lehre in große Not geraten.

Ist es bei der katholischen Kirche anders ? Weil sie die Empfängnisverhütung mit Kondomen verbietet, werden  in armen Ländern viele Kinder geboren, die gar nicht ernährt werden können. Hätte ein einzelner Mensch dieses Verbot ausgesprochen, so könnte er seinen Irrtum richtigstellen, seine Anmaßung bereuen und Vergebung empfangen. Die katholische Kirche kann diesen Irrtum nicht eingestehen ! (“Semmelweis-Reflex“) Denn dann würde sie ja mit der Frage konfrontiert werden: warum erkennt ihr das erst jetzt, was jedermann schon längst erkannt hat ? Und wenn ihr es gewusst habt, warum habt ihr nichts gesagt ? Warum habt ihr lieber so viele Kinder sinnlos verhungern lassen ? Deshalb ist die katholische Lehre weder bereit noch in der Lage, diese zwei Güter gegeneinander abzuwägen: auf der einen Seite  der Gefühlgewinn durch das Bewusstsein, sich durch besondere sexuelle “Reinheit” auszuzeichnen, auf der anderen Seite der qualvolle Hungertod vieler Kinder.

Unter giftige Theologie nennen wir eine Reihe weiterer Beispiele ethischen Versagens. Wie kann man angesichts dieser Lebensfeindlichkeit sich als Überbringer der “frohen Botschaft” präsentieren ? Paulus war bereit, den Gläubigen in Korinth mit der Bibel Rechenschaft zu geben:  „in allen Dingen beweisen wir uns als Diener Gottes, …durch ungetrübte Liebe, mit Hilfe des Wortes der Wahrheit, durch die Kraft Gottes,durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken...“ (2.Kor 6,7). „In allen Dingen beweisen wir uns als Diener Gottes – mit Hilfe des Wortes der Wahrheit“ sagte der Apostel.

Rechenschaft geben heißt, den Hörern das Recht zur Prüfung einzuräumen. Es ist das Gegenteil von dem, was die katholische Kirche macht, kritiklosen und blinden Gehorsam zu fordern. Wenn Paulus Rechenschaft gab, dann hat es auch Petrus getan. Eine religiöse Organisation, die ihre Macht um jeden Preis erhalten will, kann das nicht.

Das ist der Grund, warum Jesus keine kirchliche Organisation gegründet hat. Die Apostel waren Augenzeugen. (1.Kor 15,5-8 / 1.Joh 1,1-3) Das war ihre wesentliche Funktion. Sie waren keine Theologen -bis auf Paulus. Auch Petrus war im wesentlichen Augenzeuge. Er war Fischer von Beruf, ein schlichter Mensch, kein großer Lehrer, kein Theologe. Er wäre nie auf die Idee gekommen, dass sich die gesamte Christenheit gedankenlos und blind seinen unfehlbaren Lehrsätzen zu unterwerfen hätte.

Zweifellos hatten er und die Autorität. Warum ? Weil die Apostel Augenzeugen und Begleiter Jesu waren, kannten sie den Herrn am besten. Da Jesus selbst nichts aufschrieb, waren sie es, die sich am ehesten an die Worte des Herrn erinnern konnten. Sie waren insbesondere Zeugen der Auferstehung. Deshalb hatte ihre Botschaft überragendes Gewicht.

Alle Gläubigen, die keine Augenzeugen Jesu sind, sind in der  Gemeindeversammlung gleichberechtigt. Die Gemeindeversammlung wählt aus ihrer Mitte besonders bewährte Gläubige, die gewissen ethischen Kriterien genügen sollen (1.Tim 3,1ff), für die Aufgabe der Leitung, und wählt sie wieder ab, wenn sie für diese Aufgabe schlecht geeignet sind.

Wer gut informiert ist, der kann nicht mehr mit gutem Gewissen sagen: “Ich glaube an die heilige katholische Kirche“. Die katholische Kirche ist nicht heilig und wird es niemals sein, da sie das Bösartige in ihrer Theologie weder bereuen noch abschaffen kann.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen” – diesen Satz kann man guten Gewissens sagen, sofern mit “Gemeinschaft” nicht die eigene religiöse Gemeinschaft oder Kirche gemeint ist, sondern die unsichtbare Einheit aller Gläubigen in allen Kirchen und Gemeinden, die Gott ehrlich Rechenschaft geben, die dem Licht Gottes erlauben, in ihr Leben hineinzuleuchten und Falsches aufzudecken: “wenn wir im Licht leben, so wie Er im Licht ist, dann haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde.” (1.Joh 1,7)

[zurück zum Anfang der Seite]

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.