Geistliche Disziplin

Es erscheint sinnvoll, die Prinzipien geistlicher Disziplin alle an einen Bibelvers zu binden, den alle evangelikalen Theologen als fundamentale Definition biblischer Inspiration betrachten.

Denn alle Schrift, die von Gott eingegeben ist, /  ist nützlich / zur Lehre, zur Warnung, zur Korrektur, / zur Erziehung in der Gerechtigkeit, / damit ein Mann Gottes vollkommen sei und geschickt für jedes gute Werk. (2.Tim 3,16)

Die Beachtung der fünf Prinzipien geistlicher Disziplin dient dem Schutz vor eigenen Interessen, die die Auslegung der Bibel korrumpieren könnten. Es sind folgende:

Prinzip 1: Autorität. “Alle Schrift… ist von Gott eingegeben … … damit…” Der Glaube beginnt nicht beim Gläubigen. Gott selbst ist der Initiator des Glaubens. Jesus ist dessen “Anfänger und Vollender“. (Hebr 12,2) Nicht der Mensch hat Gott erwählt, und seine Gnade mit religiösen Übungen und Werken erworben, sondern Gott erwählt ihn, um ihn zum Segen für andere Menschen zu setzen. (Joh 15,16)

Das Fundament des Glaubens ist der Wille Gottes. Auch wenn Gott ein verborgener Gott ist (Jes 45,15) – Er will sich finden lassen (Jer 29,13-14) ! Wäre dieser Wille nicht da, wäre dieser Wille nicht entschlossen genug, was würde dann entstehen ? Nur eine Weltanschauung, eine religiöse Projektion (Feuerbach), die der Spiegel der religiösen Bedürfnisse des Menschen ist.

Gott sendet sein Wort mit einem bestimmten Zweck, nämlich den Gerufenen zum Segensträger zu machen, zu einem Menschen mit Charakter, der aufrichtige Liebe als höchstes Ziel erkennt und erstrebt.(1.Kor 13)

Diese Absicht weckt und festigt das tiefste Vertrauen in der Seele des Gläubigen.

Zu diesem Zweck hat Gott sein Wort gegeben. Die Auslegung der Heiligen Schrift kann deshalb kein anderes Ziel haben. Nur dann ist JEDES WORT darin lebensfördernd. (Mt 4,4)

Eine Auslegung, die sich nicht die Liebe als höchstes Ziel setzt, ist nicht durch Gott authorisiert – auch wenn sie sich auf den “Buchstaben” (2.Kor 3,17) berufen kann.

Deshalb verwerfen wir jede Auslegung, durch die sich der Mensch der heilsamen Autorität Gottes zu entziehen versucht. Wir bleiben vor Missdeutung geschützt, wenn wir jede Auslegung verwerfen, die gemessen am Maßstab der Liebe unglaubwürdig ist. Wir bekennen, dass jede Auslegung irreführend ist, die Gott als zweideutige Persönlichkeit darstellt und die Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit Gottes untergräbt.

Prinzip 2: Effizienz, Wirksamkeit. “Alle Schrift … ist nützlich”. Wir können die Bibel nur dann im Sinne Jesu verstehen (1.Kor 2,16), wenn wir in erster Linie nach der geistlichen Funktion, dem geistlichen Nutzen eines Bibeltextes fragen. Wir verwerfen jede Auslegung, die diesen Nutzen als zweitrangig betrachtet und die sich von fragwürdigen Motiven leiten lässt wie dem Mangel an Demut vor Gott, dem Wunsch nach intellektueller Überlegenheit, oder die dem Erwerb von Beliebtheit durch Anpassung an den Zeitgeist innerhalb oder außerhalb der Gemeinde dient. Wir verwerfen jede Auslegung, die die Maßstäbe Christi vorrangig auf das private Wohlergehen bezieht und über den Schaden, der der Gemeinde und ihrer Glaubwürdigkeit dadurch entsteht, hinwegsieht.

Prinzip 3: Priorität. “gegeben… zur Warnung, zur Korrektur”. Um die Bibel im Sinne Jesu zu verstehen (1.Kor 2,16), müssen wir die absolute Priorität der Qualitätsstandards Jesu respektieren: Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Ehrlichkeit (Mt 23,23). Wir verwerfen deshalb jede Auslegung, die diese Priorität in Zweifel zieht oder sie teilweise aufzulösen versucht. Wir verwerfen die falsche Lehre, dass diese Maßstäbe zweitrangig sind gegenüber einer angeblichen Pflicht zur blinden Unterwerfung oder zu sklavischen Gehorsam gegenüber dem Buchstaben. Wir bekennen, dass sie unverzichtbare Kennzeichen der Liebe sind, die selbst von Jesus das höchste Gebot genannt wird (Mt 22:36-40). Wir bekennen, das der Gläubige, sofern er geistlich gesinnt ist, befähigt ist, darüber zu urteilen, was barmherzig und gerecht ist (1.Kor 2,15) und dass kein Theologe und kein Vertreter irgendeines Dogmas das Recht hat, ihn zu zwingen, gegen sein Gewissen zu reden oder zu handeln. Wir bekennen, dass der geistlich gesinnte Gläubige authorisiert und qualifiziert ist, falsche Prioritäten in der christlichen Lehre zurückzuweisen.

Prinzip 4: Pädagogik.…zur Erziehung in der Gerechtigkeit” Wir bleiben vor Missdeutung der Bibel geschützt, wenn wir von jeder Auslegung verlangen, dass sie sich dem freien Wettbewerb der Argumente stellt und dort Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft beweist. Wir verwerfen jede Auslegung, die den Gläubigen zu einer selektiven Auswertung des biblischen oder seelsorgerlichen Befundes verpflichten will oder andere unfaire oder unredliche Methoden benutzt. Wir bekennen, dass jede Auslegung gebunden ist an das pädagogische Ziel, dem Gläubigen auf dem Weg zu geistlicher Mündigkeit und Reife weiterzuhelfen und ihr Urteilsvermögen zu stärken. Wir verwerfen jede Auslegung, die dazu dient, das Urteilsvermögen zu schwächen und blinde Gläubigkeit gegenüber Gemeindeleitern oder Theologen zu erzeugen. Wir bekennen, dass verantwortbare Auslegung die Liebe zu Gerechtigkeit und Recht erweckt, nicht nur in der persönlichen Lebensführung, sondern auch im Gemeindeleben. Wir bekennen, dass sie die Gemeinde fähig macht, sich von böswilligen Mitgliedern zu trennen (“Gemeindezucht“) und auch die Weisungsbefugnis entsprechend der geistlichen Autorität entsprechend zu vergeben. Wir verwerfen jede Auslegung, die Autoritätsansprüche unterstützt, die durch den geistlichen Zustand nicht gerechtfertigt sind.

Prinzip 5: Fruchtbarkeit. “damit ein Mann Gottes vollkommen sei und geschickt für jedes gute Werk”. Wer Gläubige im Auftrag Jesu belehrt, wird die Aufmerksamkeit zu ALLEN Aufgaben lenken, die die Heilige Schrift dem Gläubigen stellt. Dazu gehören nicht nur die Förderung des inneren Menschen und der liebevolle Umgang mit dem Nächsten, sondern auch alle Aufgaben, die dem Schutz des Schwachen in der Gemeinde vor Missbrauch und Unrecht dienen. Wir distanzieren uns von jeder Belehrung, die zu einer hartnäckigen Vernachlässigung einer dieser Aufgaben beiträgt. (Jak 4,17)

 

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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