Einheit

Einheit der Christen

Die Gemeinde Jesu Christi wird als der „Leib Jesu Christi“ bezeichnet. Die Gläubigen sind die Glieder und Jesus Christus ist das Haupt des Leibes. Diese Gemeinschaft wird begründet durch den Heiligen Geist, den jeder Gläubige geschenkt bekommt.

Es ist der Wunsch Jesu Christi, dass seine Gläubigen sich als Glieder eines Leibes sehen und sich für das Wohl ihrer Mitchristen verantwortlich fühlen. (1.Kor 12)

Zwar ist Liebe gegenüber allen Menschen geboten, aber die Liebe gegenüber den Glaubensgeschwistern soll besonders stark sein. Die Wertschätzung auch des unansehnlichen, nach weltlichem Maßstab geringen Mitchristen (1.Kor 12,22-23) beruht auf der Erkenntnis seiner wunderbaren Berufung.

Die Gemeinschaft der Gläubigen ist der Tempel Gottes und deshalb besonders schutzwürdig. „Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben.“ (1.Kor 3,17) Aus diesem Grund ist auch die Bildung von Cliquen und Parteiungen eine schwere Sünde, die in Gal 5,19-20 zwischen den Sünden Feindschaft und Mord genannt wird.

Solche Parteiungen werden immer wieder sehr leichtfertig auch von theologischer Seite initiiert, die ihr Schriftverständnis und ihre Tradition für so unfehlbar halten wie die Heiligen Schrift selber. Jeder, der ihre Ansichten nicht teilt, wird als Gefahr für den eigenen Glauben gesehen, umso mehr, wenn die Glaubensstärke davon abhängig ist, dass viele im sozialen Umfeld dasselbe glauben. Der „Glaube an den Glauben anderer“ ist jedoch kein Glaube im biblischen Sinn. Er erspart zwar eigenes Denken, aber er wird einem fundamentalen Faktum nicht gerecht: bei stark unterschiedlicher Biografie sind auch die Fragen an den Glauben, die Antworten und Einschätzungen sehr verschieden. Wie bitter, wenn sich an dieser Verschiedenheit Antipathie, Misstrauen, ja am Ende gar Feindschaft entzündet !

Es ist deswegen wichtig, sich auf die für die Zugehörigkeit zur Gemeinde notwendigen Voraussetzungen zu besinnen.

Das Neue Testament nennt als Grundlage ganz klar das Vertrauen auf die sogenannten Heilstatsachen, die sich mit dem Fünf-Farben-Buch veranschaulichen lassen: 1. die Notwendigkeit ehrlicher Selbsterkenntnis und Erlösungsbedürftigkeit jedes Menschen 2. Vergebung aller Schuld für jeden Menschen, der auf die Gültigkeit des blutigen Sühnetodes Jesu Christi vertraut. 3. Beginn eines neuen Leben unter der Leitung Jesu, in dem der Gläubige der Sünde widerstrebt. 4. Wachstum im Glauben durch Hören und Tun des Wortes und durch Erfüllung mit dem Geist Christi. 5. Nach diesem Leben Auferstehung mit einem neuen Leib, Begegnung mit Jesus Christus und Eintritt in die unsichtbare herrliche Wirklichkeit Gottes („Himmel“), in der das Böse endgültig überwunden sein und Treue im Glauben belohnt werden wird.

Wer eine dieser fünf Tatsachen nicht anerkennt, ist nach dem Urteil des Neuen Testamentes kein Christ. Es gibt Leute, die aktiv in der Gemeinde daran arbeiten, dass Gläubige eines dieser fünf Stücke aufgeben. Ihr Vorhaben kann man nur als Versuch der Glaubenszerstörung anzusehen und abwehren.

Ein abweichendes „Schriftverständnis“ hingegen kann schwerlich ein Grund sein, Gläubige als Glaubensfeinde zu diffamieren. Es gibt viele Dinge in der Bibel, die logisch nicht restlos aufzuklären sind und daher sehr verschieden eingeschätzt werden können.

Schon die Frage „Muss man alles in der Bibel glauben ?“ ist nicht eindeutig zu beantworten.

Denn die Bibel enthält vorläufige und letztgültige Aussagen. Deswegen ist die Frage wichtig und muss erlaubt sein. Vorläufige Aussagen („Schatten“) können nicht den Rang letztgültiger Aussagen bekommen. („Notwendiger Zweifel„) Sie sind im Sinne Jesu zu korrigieren. Weiter sind in der Bibel vereinzelt auch Meinungsäußerungen und Texte im „No-Comment-Stil“ nachweisbar, die nicht den Rang einer letztgültigen Aussage haben.

Ohne diese Rangunterscheidung wird das „Gottesbild„, d.h. die Einschätzung der Persönlichkeit Gottes für den sorgfältigen Bibelleser zweideutig bleiben – mit allen Risiken für Glaubensfreude und seelische Gesundheit.

„Muss man alles in der Bibel glauben ?“

Gläubige, die nur eine positive, von allem das Vertrauen störenden Informationen gereinigte Auswahl aus der Bibel lesen („Kinderbibel“, „Bibelleseplan“), werden diese Frage ohne Zögern mit „Ja“ beantworten.

Einige Sätze in der Bibel unterstützen – wie es scheint – diese Sicht.

So tadelte Jesus die Jünger auf dem Weg nach Emmaus „Wie könnt ihr nur so töricht und mit dem Herzen so träge sein, dass ihr nicht ALLEM glaubt, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und er fing an von Mose und ALLEN Propheten zu sprechen und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm handelten.“ (Mt 24,26-27)

Ist das nicht völlig klar ? „Alle“ heißt „alle“ ! Ausnahmslos! Tatsächlich ?

Warum forderte Jesus „ALLES zu glauben“ ? Weil die Jünger den Propheten nur das, was ihnen gefiel, geglaubt haben. Sie glaubten, dass Jesus gekommen war, um das herrliche Reich Gottes aufzurichten. Das war für sie kein Problem. Wenn er aber über die Ankündigung der Propheten sprach, der Messias müsse leiden, sterben und am dritten Tag auferstehen, dann wollten es nicht wahrhaben. Sie ignorierten diese Botschaft, die ihren Wünschen und Hoffnungen so sehr zuwiderlief. Eben diese „Harthörigkeit“ warf ihnen Jesus später vor und forderte sie auf, „ALLES“, d.h. endlich beide Seiten der Medaille, nicht nur das Triumphieren des Messias sondern auch sein Leiden und Auferstehen im Glauben anzunehmen. Das sollte nun nicht mehr schwer fallen, wo sie den Herrn als Auferstandenen wiedergesehen hatten.

Sieht man genauer hin, dann findet man nicht nur einen, sondern viele (!) Nachweise, dass das Wort „ALLE“ in der Heiligen Schrift auch Ausnahmen zulässt. Es ist also in der Heiligen Schrift nicht im mathematischen Sinne gemeint. Desgleichen gibt es solche Nachweise für das Wort „KEINER“. Auch dieses Wort lässt Ausnahmen zu. Es ist keinesfalls identisch mit der mathematischen „leeren Menge“. Das ist das Phänomen des biblischen „Pauschalstils„. Ob es nun Philosophen und Theologen passt oder nicht: Das ist unbezweifelbar der biblische Befund !

Beobachtungen sind nach der Bibel ehrlich anzuerkennen: „was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben vom Wort des Lebens,… das bezeugen wir euch.“ (1.Joh 1,1-2)

Nur so, indem jeder Gläubige berichten darf, was seine Augen gesehen haben, nur im ehrlichen Wettstreit der Argumente können gesunde Einschätzungen zustandekommen.

Eben deshalb können wir aus unserem Schriftverständnis (prioritätenorientiertes oder „schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell„) kein Dogma machen. Wir werden uns hüten! Es behält für uns den Rang eines Denkmodells, damit seine Vor- und Nachteile offen diskutiert werden können.

Wenn Gläubige dazu aufrufen, biblische Befunde zu ignorieren, zu leugnen, wenn sie sich dem ehrlichen Wettstreit der Argumente verweigern, dann können sie ihre Sichtweise anderen nur noch in manipulativer Weise aufzwingen, unter Verwendung der bekannten manipulativen Tricks.

Hier ist größtes Misstrauen angebracht, besonders wenn dieses Verhalten eine Art Geschäftsmodell ist, mit dem bei einer bestimmten Klientel Geld gemacht wird.

Solche Institutionen befleißigen sich gerne einer rigorosen, engen Ethik (vgl. „Giftige Theologie„), mit der sie bei vielen schlecht informierten Gläubigen Eindruck machen können. Es kommt nicht selten vor, dass Gläubige an einer Stelle – besonders bewährt hat sich die Sexualität – übertrieben streng sind, damit sie an anderer Stelle schwerwiegende Sünden ignorieren können.

Oder ist das keine schwere Sünde, einen Christen, der Jesus liebt, der alle Heilstatsachen anerkennt, aber sich außerdem um einen ehrlichen Wettstreit der Argumente bemüht, als „Glaubenszerstörer“, als „Feind des Evangeliums“, als „reißenden Wolf“ in der Herde zu diffamieren, ihm die Gemeinschaft zu verweigern, ihn gar zu hassen ?

 

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.