Drei wichtige Aspekte des Verfahrens

Das Entgiftungsverfahren nach Mt 23,23, dass Betroffenen hilft, ihre buchstabenhörige Prägung zu überwinden, lässt sich vereinfachend durch folgende drei Aspekte beschreiben:

 

1. perfektionistische, “giftige” Theologie demaskieren und glaubwürdig widerlegen

Ziel: Durch Anwenden des höchstrangigen Ordnungskriteriums der Bibel, den Qualitätsmaßstäben Jesu, kann der depressiv gefährdete Gläubige den Freiraum zurückgewinnen, den er benötigt, um sich aus destruktiven Prägungen durch Tradition, Erziehung und Gewissen zu lösen. Glaubwürdig widerlegen heißt, sich allen möglichen Gegenargumenten von vornherein zu stellen. Dies ist besonders notwendig, wenn Gläubige unter der grausamen Angst leiden, eine unvergebbare Sünde begangen zu haben: siehe den Lösungsweg. Leider ist in etlichen Gemeinden gar nicht bekannt, dass die Qualitätsmaßstäbe Jesu der unverzichtbare Schlüssel für die Interpretation aller biblischen Aussagen ist.

2. den positiven und mutmachenden Charakter einer Freundschaft mit Gott (“Heiligung“) verdeutlichen

Ziel: auf die Überwindung negativer Missverständnisse muss das konstruktive Verstehen folgen, das eine durch Liebe und Vertrauen geprägte Beziehung des Gläubigen zu Gott ermöglicht und vertieft. Dabei nimmt der Gläubige das durch die Bibel verbriefte Recht in Anspruch, die Frage nach der Qualität der Ergebnisse (“Früchte”) zu stellen (Mt 7,16 / Joh 8,46). Durch eine überzeugende, lebensfördernde und praxistaugliche Interpretation der Bibel wird Autorität erworben, die missbräuchlicher Autorität entgegengesetzt werden kann. Ohne konstruktives Verstehen entsteht ein Vakuum, das bald wieder von Destruktivität – erneute Vergiftung durch Theologie oder gar Verkümmerung des Glaubens – ausgefüllt werden wird.

3. zur kritischen Wahrnehmung von Autorität und Macht in der Gemeinde anleiten

Ziel: der depressiv gefährdete Gläubige braucht zusätzlich den Schutz vor unfairen Methoden der Manipulation und seelischen Erpressung, die möglicherweise weiter von außen auf ihn einwirken werden. Das Recht jedes Gläubigen, die Qualität der Ergebnisse zu prüfen, steht zu einem selbstherrlichen Interpretationsmonopol der Leitung in Widerspruch. Auch trägt die Erkenntnis, dass Gott eine Gemeinde weiter segnet trotz Unvollkommenheiten, Schwächen und langfristigem Versagen in der Leitung, viel zur Entkrampfung und Loslösung von perfektionistischer Prägung bei. Leider besteht in etlichen sich als “bibeltreu” verstehenden Gemeinden an der Identifikation und Bekämpfung von Machtmissbrauch kein Interesse, was eine dauerhafte Verunreinigung der Lehre und Ethik zur Folge hat.

Wenn es erst einmal gelungen ist, auf diese oder ähnliche Weise die seelische Denkblockade aufzuheben, ist der Weg frei für seelsorgerlich-therapeutische Förderungsverfahren zur Wiederherstellung der seelischen Stabilität.

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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