Destruktive Bibelworte in der Geschichte

Im folgenden werden wir sechs problematische Aussagen in der Bibel untersuchen, deren destruktive Wirkung in der Kirchen- und Theologiegeschichte allgemein bekannt ist. Die Ergebnisse stellen wir in einer Tabelle übersichtlich dar. Wir werden uns bei jeder Aussage fragen, ob es auch gewichtige Zeugnisse für positive und heilsame Wirkungen gibt, denen wir fairerweise größere Bedeutung zumessen müssten. Wir werden uns fragen, inwieweit die Aussage notwendig und nützlich ist, da “Nützlichkeit” ein typisches Kennzeichen des inspirierten Gotteswortes ist. (2.Tim 3,6) Die letzte Spalte der Tabelle zeigt, wie sich Gläubige entscheiden würden, wenn sie das Recht hätten, ohne Bevormundung frei nach ihrem Gewissen und “im Sinne Christi” (1.Kor 2,15 – 16) zu entscheiden. (Rö 2,14-15 / 14,5 / 1.Kor 8,12)

Hinweis: Ohne Beachtung des Folgetextes und der Anmerkungen  [1]  [2]  [3]  [4 bleibt die Tabelle unverständlich!

Destruktive Aussage
(vgl.2.Tim 3,16)
Auffälligste Wirkung in der Geschichte (Rö 6,21) Notwendigkeit der
Aussage ?
(Eph 4,29) [4]
Ist eine
Verbesserung
im Sinne Christi
möglich ?
(Apg 
15,20! [3])
Aussage Nr.1:

Bei “mutwilliger Sünde” gibt es keine Vergebung mehr
(Hebr 10,26 – 27) [1]

1: Durch Jahrhunderte leiden immer wieder Gläubige ihr Leben lang unter der Angst vor dem irreparablen Verlust der Vergebung, weil sie vielleicht “eine Sünde zuviel” getan
haben. [1]
1: Notwendig? Im Gegenteil!  Äußerst destruktiv und völlig überflüssig! Es genügt die Warnung vor notorischer
Feindschaft gegenüber Gott, die Mitmenschen zuverlässig in die Hölle  bringt .
1: Ersatzlos streichen bzw als mangelhaft kennzeichnen! Kein
Qualitätsverlust!
Aussage Nr 2:

wer “ein Wort gegen den Geist Gottes sagt“, dem kann nicht
mehr vergeben werden (Luk 12,10) [2]

2: Durch Jahrhunderte leiden immer wieder Gläubige ihr Leben lang von der Angst vor dem irreparablen Verlust der Vergebung gequält, weil sie irgendwann ein unüberlegtes Wort ausgesprochen haben oder aussprechen könnten. [2] 2: Notwendig? Im Gegenteil! Äußerst destruktiv und völlig überflüssig! Es genügt die Warnung vor notorischer
Feindschaft gegenüber Gott, die Mitmenschen zuverlässig in die Hölle  bringt.
2: Ersatzlos streichen bzw als mangelhaft kennzeichnen! Kein
Qualitätsverlust!
Aussage 3:

Gläubige dürfen sich nicht vor Gericht streiten (“Wie könnt
ihr es wagen?“) sondern sollen den Streit “durch Weise
entscheiden lassen
(1.Kor 6,1 ff) [3]

3: Häufigste Folge: Untätigkeit im Schadensfall, Versäumen
gerichtlicher Fristen. Gläubige
müssen schwerste Schädigung
durch Mitchristen hinnehmen
und bleiben auf ihrem privaten Schaden sitzen. Ein krasser Verstoß gegen das Gebot: “Wenn ein Mitglied leidet, leiden die anderen mit.” (1.Kor
12,26). Dennoch richtet kaum eine Gemeinde ein christliches
Schiedsgericht ein.
3: In vielen Gemeinden gibt es kaum “Weise” (1.Kor 1,26: “nicht viel Weise nach dem Fleisch“). Mit der Selbstüberschätzung
ungeeigneter Gläubiger
ist zu rechnen
3: Viel weiser und den tatsächlichen Bedingungen angemessener wäre es, sich mit einem Appell zu begnügen: Vermeidet den Streit von
Gläubigen vor Gericht um
Kleinigkeiten, denn er bringt den Glauben in Misskredit. Zur
Abwendung erheblichen
Schadens ist die Inanspruchnahme des Gerichts natürlich erlaubt.
Aussage 4:

Einer Frau, die einem Mann bei einer Prügelei an die
Geschlechtsteile fasst, muss man erbarmungslos die Hand abhacken (Deu 25,11-12)

4: Einseitige Herabwürdigung der Frau für Jahrhunderte.
Warum werden Männer, die einer Frau an die Geschlechtsteile fassen, nicht genauso brutal und
erbarmungslos bestraft?
4: Notwendig? Im Gegenteill: schädlich und überflüssig! Die Ächtung der Gewalt gegen Frauen wäre eher angebracht, da sie wesentlich häufiger auftritt. Dies dürfen wir feststellen, da das Alte Testament alle Nichtjuden auffordert, die Unvergleichlichkeit seines Gesetzes zu prüfen: “Wo gibt es so ein großes Volk, das so gerechte Gesetze hat?” (Deu 4,8) 4: Wir stellen fest: Auch im Alten Testament wäre es möglich, deutliche Worte zur Gewalt gegen Frauen als gegen das “schwächere Geschlecht” (1.Pe 3,7) zu sagen und sie als Verstoß gegen Gottes gute Ordnung zu bewerten.
Aussage 5:

Alle Kinder und Frauen eines heidnischen Volkes sind totzuschlagen – die Frauen
ausgenommen, die noch Jungfrauen sind und geheiratet
werden können. (Num 31,17-18)

5: Leitbild für hemmungslose Grausamkeit im Namen Gottes für Jahrhunderte!  Die vollständige Auslöschung von Familien bis zum Säugling gilt fortan als völlig normales, übliches Verhalten in der Kriegsführung.  So löschten die Israeliten zur Sühnung der Schandtat in Gibea fast alle judischen Familien im Stamm Benjamin aus (Ri 20,48). Der gläubige David fasste den Entschluss, “alles was männlich ist“, d.h. neben Kindern auch Bedienstete und Sklaven des Nabal zu ermorden, weil dieser sich geweigert hatte, ihm zu helfen. (1.Sam 25,34) 5: Notwendig? Im Gegenteil: schädlich und überflüssig!   Verhängnisvolle verheerende
Denkweise! Außerdem: ist das klug, jemanden, dessen Familie man ausgerottet hat, ins
eigene Haus, gar ins eigene Bett zu holen? Das Gebot dient sicher nicht der  Vermeidung künftiger Bedrohung, da mit der späteren
Vergeltung durch die
“Jungfrauen” gerechnet werden muss.
5: Ersatzlos streichen bzw als mangelhaft kennzeichnen! Kein
Qualitätsverlust!
Aussage 6:

Die Frau hat weniger Fähigkeiten, der Versuchung des Teufels zu widerstehen, denn das Alte Testament berichtet ja, dass “Eva verführt wurde und nicht Adam“. (1.Tim 2,14)

6: Die viele Jahrhunderte dauernde Benachteiligung und Geringschätzung der Frau beruft sich u.a. gerade auf dieses Bibelwort! Erst 1901 erhalten Frauen im christlich geprägten Deutschland das Recht auf allg. Schulbildung. Erst 1918 erhalten sie das allgemeine Wahlrecht. Erst 1958 wird – gegen den Widerstand der Kirchen – das Recht des Ehemannes, den Job der Frau zu kündigen oder ihr den Erwerb eines Führerscheins zu gestatten, abgeschafft, erst 1996 wird Vergewaltigung in der Ehe strafbar; bis heute wird sehr wenig Rentenanspruch für Kindererziehung bewilligt, erhält die Frau geringere Entlohnung bei gleicher Arbeit.Parallelle Entwicklung im jüdisch beeinflussten Islam. Seit Juni 2018 ist es in Saudi Arabien – ungeachtet des Widerstands der geistlichen Autoritäten – nunmehr auch der Frau erlaubt, einen Führerschein zu machen. 6: Du irrst dich, lieber Paulus! Die größten Volksverführer, die sich von antichristichem Geist
inspirieren ließen (Napoleon, Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot, zahllose weltlich  gesinnte Kirchenfürsten, alle Päpste), ja fast alle Ideologen, Philosophen sowie ihre einflussreichsten
Unterstützer sind Männer!
6: Ersatzlos streichen bzw als mangelhaft kennzeichnen! Kein
Qualitätsverlust!

 

Was macht den Glauben sicherer? Die Behauptung, dass die im folgenden näher untersuchten 6 Aussagen in der Bibel wirklich “Gottes Wort” sind, irrtumslos und von höchster Qualität, weil sonst angeblich Glaube unmöglich sei? Oder die Feststellung, dass Gott seine zuverlässige Wahrheit unvollkommenen Menschen mitgeteilt und damit das übliche Idealisieren und fromme Nachplappern fragwürdig gemacht hat?

Der einzige Mensch, der je vollkommen war, war Jesus Christus. “Wer von euch kann mich einer Sünde überführen” (Joh 8,36) Gott hat seine Worte unvollkommenen Menschen anvertraut, im Wissen, dass ihnen trotz Gutwilligkeit mancher Fehler unterlaufen würde. Es genügte Ihm, dass die Apostel entschlossen waren, keine eigenmächtigen Verfälschungen vorzunehmen, dass sie bemüht waren, alles auch bestem Wissen und Gewissen weiterzugeben. Die wenigen Fehler, die dennoch passieren können, bleiben unschädlich, wenn die Gläubigen gehorsam sind und jede Weissagung und Offenbarung prüfen (1.Kor 14,30), ob sie mit “dem Sinn Christi” (1.Kor 1,26) übereinstimmt. Als zuverlässige Maßstäbe dieser Prüfung dienen die Qualitätsstandards Jesu (Mt 23,23), d.h. die Priorität der “Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit” sowie das Nützlichkeitsgebot (2.Tim 3,16)

Wie die Fehler im einzelnen zu erklären sind, weshalb sie vermutlich entstanden sind, kann man nur vermuten. Gerade die ersten Christen waren extremer Bedrohung ausgesetzt – nicht nur durch jüdische und römische Obrigkeit, sondern auch durch falsche Gläubige und Gemeindelehrer. Dies mag die sinnlose Härte vielleicht erklären, mit der manchmal geschrieben wurde, um die  Glaubensgemeinschaft zusammenzuhalten. Für die Nebenwirkungen in der Geschichte und in der Seele der Menschen hatte man keinen Blick.

Die Ursachen für  Fehlleistungen der alttestamentlichen Autoren sind schwieriger nachzuvollziehen. Müssen wir uns darüber Gedanken machen, bevor wir Gott vertrauen wollen? Wohl kaum!  Sicher ist: es hat nicht immer eine peinlich genaue Überlieferung gegeben, wie sie von den jüdischen Masoreten betrieben wurde.  Die heiligen Schriften des Alten Bundes sind zeitweise sogar in völlige Vergessenheit geraten – obwohl die zahlreichen Vorschriften dieses Gesetz genau zu beachten waren (Deu 28,1) was eigentlich regelmäßiges Vorlesen voraussetzt.  Offensichtlich wusste man zu dieser Zeit nicht einmal, dass es sie gab! Als die Schriftrollen bei Reparaturarbeiten im Tempel zufällig (!) wiedergefunden und König Josia (639-609 vor Chr.) erstmalig vorgelesen wurden, erschrak er so sehr über die Versäumnisse, dass er seine Kleider zerriss. (2.Kö 22,11) Auch das Richterbuch berichtet von chaotischen Verhältnissen,  die eine langandauernde allgemeine Unkenntnis des mosaischen Gesetzes nahelegen (R 17 ff) Können wir dann sicher sein, dass der ursprüngliche Text nicht durch unberechtigte Hinzufügungen  verunreinigt worden ist? Wir sollten zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen. Selbst im Neuen Testament sind solche Verunreinigungen – wenn auch selten –  festzustellen. Über die seltsame Geschichte vom Engel, der das Wasser von Bethesda in Bewegung brachte und den ersten, der hineinstieg, heilte (Joh 5,4 / Elberfelder Üb. 1898)  wissen wir heute, dass es sich um eine spätere phantasievolle Hinzufügung handelte, die naive Abschreiber in den erstellten Bibeltext übernahmen. (siehe hierzu die ausführliche Erläuterung von Karl-Heinz VanHaiden) Paulus bat in seinem Brief an die Christen in Thessalonich, auf seine Unterschrift zu achten (2.Thes 3,17), was zeigt, dass es damals auch Texte gab, die Falsches unter seinem Namen verbreiteten.  

Sicher ist: auch die destruktivsten Aussagen wären unschädlich geblieben, wenn man dem Gläubigen das Prüfen erlaubt hätte, wie es die Bibel selbst fordert: “Prüft ALLES” (2.Thes 5,21 / 1.Kor 14,29) Wirkliche Glaubensgewissheit entsteht damals wie heute nur auf dem biblischen Weg: weil Gott tatsächlich da ist und Vertrauen, das sich praktisch bewährt, belohnt. (Joh 7,17 / Hebr 11,4). Deswegen können auch die selten (!) vorkommenden Aussagen, die Irrtum oder Ergebnis eines Missverstehens und mehr schädlich als “nützlich” (2.Tim 3,16) sind, der Autorität der Bibel nicht schaden. Sie sind Übungsaufgaben, die dem gläubigen Leser gestellt sind, der sie mit Hilfe der Qualitätsstandards der “Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit” (Mt 23,23) als mangelhaft erkennen und durch eine Lösung “im Sinne Jesu” (1.Kor 2,16) ersetzen soll. Auf diese Weise können junge und alte Menschen volles Vertrauen zu Gott entwickeln – ohne sich mit Propaganda und Selbstbetrug behelfen zu müssen – wie es Sekten üblicherweise tun.

 


Anmerkungen zur Tabelle:

[1] Was “Mutwilliges Sündigen” ist, wird in der Bibel nicht definiert. “Wider besseres Wissen sündigen” kann ja wohl nicht gemeint sein. Jeder Mensch hat schon gesündigt, obwohl er wusste, dass es falsch war. Was ist dann gemeint? Ist es eine besonders schwere Sünde? Die Bibel sagt anderes. “Kommt her, wir wollen sehen, wer im Recht ist!”,  spricht Jahwe. “Selbst wenn eure Sünden rot sind wie das Blut,  werden sie doch weiß wie Schnee werden; und wenn sie rot wie Purpur sein sollten,  so sollen sie dennoch wie weiße Wolle werden” (Jes 1,18) Die Gnade Gottes ist überaus mächtig, sie überfordert nicht selten den menschlichen Gerechtigkeitssinn, denn sie hat sogar die Kraft, heimtückischen Mord, ja Massenmord zu vergeben. (2.Chr 33,13) “Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden…” (Rö 5,20) Was ist “mutwillige Sünde” dann?  Ist es die Entscheidung, ohne den Glauben zu leben, nicht mehr an Gott zu denken? Auch dieser Gedanke ist sehr problematisch. Die gläubige Frau, die sich von ihrem Mann hat scheiden lassen, soll nach Aussage des Paulus keine andere Ehe eingehen, sondern sich wieder mit ihrem Mann versöhnen. (1.Kor 7,11) Die Ehe ist ein Bild auf die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde. (Eph 5,32) Wieso sollen schwache Menschen verpflichtet sein, eine Scheidung wieder rückgängig zu machen, wenn Gott selbst nicht bereit ist, einem Gläubigen, der ihn verlassen und eine Zeitllang ohne ihn gelebt hat, wieder anzunehmen? Wieso sollen sie etwas leisten, wozu Gott selbst nicht bereit ist? Der Zweifel an dieser Bereitschaft passt mit Gottes Eigenschaft “vollkommener Liebe” (Kol 3,14) nicht zusammen. Die Bibel geht davon aus, dass die Bereitschaft des Gläubigen zu vergeben sich an der viel größeren Vergebungsbereitschaft Gottes orientieren soll. (Eph 4,32) Auch die Propheten des Alten Testamentes verkündigen immer wieder neu die Wiederherstellung des Volkes, selbst dann, wenn die Reue noch in der Zukunft liegt. (Jer 31,20 / Hos 2, 16 ff) Sagt nicht das Gleichnis vom verlorenen Sohn genau das? (Luk 15,11 ff) Da bliebe noch die Interpretation “einer Sünde zuviel” übrig, die aber am wenigsten taugt. Denn wenn der Gläubige sich “vor einer Sünde zuviel” in Acht nehmen müsste, gäbe es überhaupt keine Heilsgewissheit. Da auch “klein” erscheinende Sünden manchmal äußerst streng bestraft werden (2.Sam 6,7 / Apg 5,4-5), wäre der Gläubige gezwungen, ängstlich jede Sünde zu vermeiden, um nicht verdammt zu werden – der Sünde  der Werkgerechtigkeit und Selbsterlösung wäre damit Tür und Tor geöffnet und die Beziehung zu Gott erst recht zerstört. “Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt” (Gal 5,4)   Da wir Jesus gutes psychologisches Verständnis zutrauen, bleibt eigentlich nur der Schluss übrig, dass die Jünger hier etwas missverstanden haben, was wir heute nicht mehr zuverlässig rekonstruieren können, und dass die Sammler der apostolischen Texte in ihrer Ehrfurcht vor der Überlieferung versäumt haben, diese Aussagen aus dem Kanon zu entfernen.

[2] Welchen Sinn macht die “Warnung” vor der unvergebbaren Sünde?” Auch hier gibt es keine klare Definition. Matthäus und Markus nennen als Kontext die Diffamierung der Wunder Jesu als Teufelswerk. (Mt 12,32 / Mark 3,29). Lukas setzt sie in einen ganz anderen Kontext anlässlich der Bezeugung des Glaubens vor Gericht. (Luk 12,10) Im Hebräerbrief wird sie in den Zusammenhang mit der ebenso unklaren “mutwilligen Sünde” gebracht (Hebr 10,26). Ohne klaren Kontext bleibt die furchtbare Drohung seltsam diffus, sodass manchem Gläubigen, dem die Bibel selbst bescheinigt, dass “die Zunge niemand beherrschen kann” (Jak 3,8), die Heilsverheißung als jederzeit widerrufbar erscheint. Immer wieder sieht sich der Christ vor die Frage gestellt, ob etwas “geistlich” oder “fleischlich”, ob es göttlichen oder nur menschlichen Ursprungs ist. Er unterliegt einem Entscheidungs- und Urteilszwang! Wie leicht ist es da möglich, dass er falsch urteilt, dass er etwas schlecht oder falsch nennt, was der Heilige Geist will, und dass ein sündiges Motiv bei diesem Urteil eine Rolle spielt.  Wieviele Gläubige haben sich deshalb mit dieser “Warnung” zeitlebens herumgequält – ständig terrorisiert von der Furcht, dass sie vielleicht einmal “ein Wort” zuviel sagen könnten! Andere Gläubige befürchteten, dass sie vielleicht ein unvergebbares Wort in der Zeit vor ihrer Bekehrung gesagt haben könnten. Wer kann sich überhaupt erinnern an alle bösen Worte, die er in seinem Leben gesagt hatte? Was dürfen Gläubige hoffen, die unter einem destruktiven Gottesbild leiden, das so viel seelischen Druck erzeugt, dass Gläubige sich ganz automatisch mit Beschimpfung Luft machen? (siehe Gift Nr 11) All diesen Menschen geht das Gottvertrauen und Glaubensfreude zeitlebens verloren, sie verbringen den Rest ihres Lebens in tiefer Depression. Wer kann sich damit trösten, dass er “vielleicht nicht” in die Hölle kommt? Was rechtfertigt diese seelische Qual, in der  immer nur Menschen festhängen, denen der Glaube viel bedeutet? Im Gleichnis vom törichten Kornbauern warnt Jesus davor, dass die Pläne des Gottlosen jederzeit fehlschlagen können, dass er noch diese Nacht sterben und in der Hölle wieder aufwachen kann. (Luk 12,20)  Ist dieser Gedanke nicht schrecklich genug? Hat Gott nicht außerdem unendlich viele Möglichkeiten, einen hartgesottenen Sünder zu erschrecken: schwere Krankheit, grauenvolle Verletzungen oder Verstümmelung, der Verlust eines geliebten Menschen, berufliches Scheitern, finanzieller Ruin, Erleiden brutaler Straftaten? Hat Er nicht die ganze Palette alles denkbaren Unglücks, das ein Hiob erlitt, zur Verfügung? Warum muss außerdem noch vor einer unvergebbaren Sünde gewarnt werden, eine Warnung, die allen sensiblen und unsicheren Christen nur die Unsicherheit und Unzuverlässigkeit ihrer Errettung vor Augen führen wird? Warum ist Gott an dieser entscheidenden Stelle – wo Heilsgewissheit und Glaubensfreude auf dem Spiel steht – der Schutz der Schwachen und Verletzbaren  (Jes 40,11 / Hes 34,4 / 34,20 – 22 / Mt 18,10 / Luk 17,2 / 1.Thes 5,14) nicht mehr wichtig? Warum muss dieser Schutz zugunsten von Gottlosen aufgegeben werden, die sich durch andere überaus strenge Warnungen der Schrift nicht erschrecken lassen? Wie viele Zeugnisse hört man denn von gottlosen Menschen,  dass diese Warnung sie von despektierlichen Worten gegen den Heiligen Geist abgehalten hätte?  So gut wie keine! Dem gegenüber stehen Berichte von Hunderten oder mehr Gläubigen in der ganzen Welt, die dank dieser “Warnung” eine elendes von Angst vergiftetes Leben führen. Wer von ihnen wirklich den “point of no return” überschritten hat und unrettbar der ewigen Verdammnis verfallen ist, weiß niemand sicher zu sagen. Was fällt einem zu diesem grotesken Ergebnis noch ein? Der trottelige Inspektor Clouseau (“Der rosarote Panther”) kann den wirklich Schuldigen nicht finden und hat plötzlich eine rettende Idee. Er sprengt das Haus, in das er alle Verdächtigen hat kommen lassen, in die Luft. Für ihn ist der Fall jetzt zufriedenstellend abgeschlossenen,  denn unter den Toten befindet sich wahrscheinlich auch der gesuchte  Täter. In einer Komödie mag uns diese bodenlose Unfähigkeit und Dummheit amüsieren, aber in der Wirklichkeit so zu handeln, einen vielleicht Schuldigen neben vielen Unschuldigen zu ruinieren, relativiert die Wichtigkeit der Aufgabe des Gläubigen, in seinem Leben möglichst viel Früchte der Dankbarkeit und Liebe hervorzubringen. Er degradiert das Geschenk der Errettung zu einem jederzeit widerrufbaren belanglosen Provisorium. Es wäre ein schrecklicher heimtückischer Verstoß gegen die indiskutablen  Qualitätsstandards der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit (Mt 23,3) Handelt unser Heiland, der so zartfühlend mit Menschen umging, die seine Hilfe suchten, wirklich auf diesem Niveau? Wer soll denn diesen Unsinn glauben? Da wir Jesus gutes psychologisches Verständnis zutrauen, bleibt eigentlich nur der Schluss übrig, dass die Jünger hier etwas missverstanden haben, was wir heute nicht mehr zuverlässig rekonstruieren können, und dass die Sammler der apostolischen Texte in ihrer Ehrfurcht vor der Überlieferung versäumt haben, diese Aussagen aus dem Kanon zu entfernen.

[3]Wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wisset ihr nicht dass wir über Engel richten werden?” (1.Kor 6,3) Lieber Paulus, woher hätten wir das wissen sollen? Offensichtlich wissen wir sehr Wichtiges und Bedeutsames nicht! Seinen zwölf Aposteln hatte Jesus einmal etwas Ähnliches gesagt, dass sie über die zwölf Stämme Israels richten würden. (Mt 19,28) Mehr aber auch nicht! Deine Frage lässt uns also als fassungslos Überraschte zurück. Gläubige sollen sogar über Engel richten, die ihnen auf Erden als weit Überlegene und Mächtige erscheinen (Ri 6,22-23 / 13,6). Was wir aus der Bibel wenigstens erfahren ist, dass Gläubige – nicht weniger erstaunlich und überraschend – über die Heilige Schrift urteilen: “Es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen” (Apg 15,20). Sie erkennen, dass bestimmte bisher gültige Gebote Gottes dem Heilsplan Gottes entsprechend für irrelevant erklärt werden müssen. Kann es dann richtig sein, dass man Gläubigen das Recht verweigert, die hier genannten 6 destruktiven Aussagen für irrelevant zu erklären, weil sie die Glaubwürdigkeit der Heilsbotschaft in Frage stellen? Wenn sie nicht einmal das Recht haben, diese Aussagen mit Hilfe der Maßstäbe Christi in Mt 23,23 zu beurteilen und ihr Gewissen zu fragen, ein Recht, das sogar jeder Nichtchrist in Anspruch nehmen darf (Rö 2,14-15), welche Rechte haben sie dann überhaupt?

[4] Wenn Gläubige unterstellen, dass die angeblich “heilsame” oder “nützliche” Funktion der hier aufgeführten Aussagen die Aufgabe ist, den Gläubigen an die Demut vor Gott zu gewöhnen und dem Wort Gottes mehr Ehrfurcht und Vertrauen entgegenzubringen als dem eigenen Verstand, so ist diese Sicht leicht zu widerlegen (a) durch das ausdrückliche Verbot, Böses gut zu nennen (Jes 5,20), (b) durch das ausdrückliche Verbot, Böses zu tun, damit Gutes daraus entstehen möge (Rö 3,8), (c) durch die Tatsache, dass es viele andere Aussagen in der Bibel gibt, die im Widerspruch zu eigener Erfahrung und zu eigener Erkenntnis stehen und an denen man kindliches Vertrauen vortrefflich üben kann, ohne dass damit eine Verzerrung des Gottesbildes ins Dämonische und Heimtückische hinein verbunden wäre, eine schreckliche Verzerrung, die vielen gutwilligen Menschen den Zugang zum Vertrauen gründlich verbaut. Warum genügt es nicht, kindliches Vertrauen unbeschwert und unbelastet zu üben an vielen Informationen  wie diesen?  Gott schuf die ganze Welt in 6 Tagen (Gen 1,1 ff). Die Sonne und die Sterne wurden erst am vierten Tag erschaffen – die Erde hingegen existierte schon vor der Schöpfung. (Gen 1,16 und V.1) Es gab Menschen, die ein Alter von fast 1000 Jahren erreichten und mit 500 Jahren noch zeugungsfähig waren. (Gen 5) Die Engel schlugen das Gesindel von Sodom mit Blindheit, sodass sie die Eingangstür von Lots Haus nicht mehr finden konnten (Gen 19,11). Lots Frau mißachtete das Verbot, sich umzudrehen, sie blickte zurück nach Sodom und wurde zu einer Salzsäule (Gen 19,26), Jakob steuerte die Fellfarbe der ihm anvertrauten Tiere, indem er wunderwirkende “Stecken” ins Trinkwasser legte (Gen 29,37 ff). Mose führte die Israeliten durch das Schilfmeer, das das nachfolgende ägyptischen Heer wieder unter sich begrub (Ex 2,14) Die Eselin des Bileam konnte sprechen und beschwerte sich bei ihm (Num 22,48) Die Mauern Jerichos fielen von selbst zusammen, nachdem das Volk Israel siebenmal um die Stadt herumgezogen war. (Jos 6,15-20) Sonne und Mond blieben einen ganzen Tag an derselben Stelle stehen (Jos 10,12-13) Simson erschlug 1000 Mann mit dem Kinnbacken eines Esels (Ri 15,16). Simson hob das Stadttor aus seinen Angeln und trug es auf einen Berg (Ri 16,3) Simson brachte mit bloßer Körperkraft den Tempel der Philister zum Einsturz, sodass 3000 Menschen starben (Ri 16,30). Die Nahrungsmittel, die die Witwe für sich und Elia verwendete, verbrauchten sich nicht (1.Kön 17,16)  Elia starb nicht, sondern fuhr mit einem Pferdegespann aus Feuer in den Himmel (2.Kö 2,11)  Um Hiskia ein Zeichen zu geben ließ Gott die Sonnenuhr 10 Stunden rückwärts gehen (2.Kö 20,10-11) Jesus wurde von einer Jungfrau geboren. (Mt 1,23) Der Stern von Bethlehem blieb oben über dem Stall stehen. (Mt 2,9), Zahllose Heilungswunder Jesu und der Apostel werden berichtet (Mt 11,5) Es wird berichtet von Totenauferweckungen Jesu (Luk 7,11 / Joh 11,14) und der Apostel (Apg 20,9-12), von der Auferstehung Jesu und anschließend von Gestorbenen in Jerusalem (Mt 27,53). Paulus wurde von einer Giftschlange gebissen ohne Schaden zu erleiden und deshalb von der Bevölkerung als Gott verehrt (Apg 28,3)  In der Nacht öffneten sich durch ein Erdbeben alle Türen des Gefängnisses und alle Fesseln fielen ab (Apg 16,26). Kranke wurden gesund, als man das Taschentuch von Paulus auf sie legte (Apg 19,12) Diese Liste ließe sich noch weit fortsetzen. Höchste Ansprüche an die Fähigkeit, auch das Unwahrscheinlichste für Tatsache zu halten, stellt der Bericht von Noah, der “von jeder Art ein Paar nehmen ”  sollte (Gen 7,2), um sie in seiner Arche vor der Sintflut zu retten. Da “alles Gewürm” (V.14) auch mit an Bord sollte, waren laut UCN Rote Liste 2012 auch 47.000 Krebstiere, 85.000 Weichtiere, 102.248 Spinnentiere, 71.000 sonstige niedere Tiere und über 1.000.000 Insekten-Arten unterzubringen. Eine unlösbar erscheinende Aufgabe. Wie hat Noah bloß die Eintagsfliege untergebracht? Oder hat er in solchen Fällen die Eier der betreffenden Art mitgenommen?

Artikel aktualisiert am 16.10.2018

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