Autorität der Gemeindeversammlung

Gemäß der Bibel sind Gläubige Menschen, die von Gott das Geschenk königlicher Würde empfangen haben. Nicht-Gläubige sind Menschen, die Gott mit königlicher Würde beschenken will. Deswegen soll der Gläubige jeden Menschen – auch den nach seiner Einschätzung unbedeutenden Menschen – “höher achten als sich selbst“. (Phil 2,3) Das ist die auf die Zukunft bezogene Sichtweise in der Gemeinde.

Sehr streng urteilt Jakobus über Gläubige, die die weltliche Sicht in die Gemeinde hineinbringen, und wohlhabenden Leuten in der Gemeinde mehr Respekt erweisen als armen, unbedeutenden Mitchristen. Damit stellen sie die ewige Königswürde im Himmel hinter die flüchtigen Würden der Welt zurück. Einen Menschen aufgrund seiner Armut oder Krankheit gering zu achten ist ein sehr bedenkliches und unbarmherziges Verhalten, das – wie der Apostel Jakobus sagt – ebenso “unbarmherzig” bestraft werden kann. (Jak 2,12)

Die weltweite Gemeinschaft der Gläubigen wird im Neuen Testament nicht als organisatorische Einheit, sondern als ein lebendiger Organismus gesehen. Christus hat sie wie Bausteine auf dem Fundament der Apostel und Propheten zu einem Tempel zusammengefügt (Eph 2,20), in dem Gott wohnt, sie ist wie ein Leib, dessen Haupt Christus ist (1.Kor 12). Christus hat das Trennende zwischen Nahestehenden (Juden) und Fernstehenden (Heiden) beseitigt, um “aus ihnen eine Person zu schaffen” (Eph 2,15). Den Zusammenhalt der Gläubigen zu stören zugunsten der Interessen einer religiösen Gruppe oder Institution gilt als schwere Verfehlung. In Gal 5, 20 steht das Verursachen von Spaltungen neben Sünden wie Ehebruch, Götzendienst und Mord.

Die Gemeinschaft der Heiligen steht unter dem Schutz Gottes (1.Kor 3,17). Ihre beschlussfassende Versammlung (Konvent) hat besondere Autorität. Leider kann auch in Gemeinden, die sich als “bibeltreu” verstehen, der Respekt vor der Autorität des Konventes unterentwickelt sein, insbesondere dann wenn die Autorität in unangemessenem Maße an eine selbstherrliche Gemeindeleitung abgegeben worden ist.

Im schlimmsten Fall haben wir Verhältnisse wie bei “Ananias und Saphira” (Apg 5,4-5): der Konvent wird belogen, desinformiert oder ausgetrickst. (strafbare Handlungen) Hier sollten sich Gläubige für eine Reform der Gemeindeordnung einsetzen.

Sehr übel ist auch die Weigerung, eine Streitsache nach Mt 18, 17 vor die Gemeinde zu bringen, bloß weil das Opfer aus einer fremden Ortsgemeinde stammt. (detailliertes Beispiel) Dabei gibt es gar keine “Fremden” in der Gemeinde. Nicht einmal mehr gläubig gewordene Heiden und Judenchristen sind einander fremd, alle sind “Mitbürger der Heiligen und gehören zur Familie Gottes.” (Eph 2,19)

Durch die Weigerung wird die aktive Autorität der Gemeinde ignoriert. Den Gläubigen werden wichtige Informations- und Entscheidungsrechte, die ihnen nach der Bibel zustehen, entzogen. Dadurch wird die Gemeinde gezwungen, Unrecht in ihrer Mitte zu dulden.

Wenn eine Gemeindeleitung sich als “Gebietsfürst” gebärdet (Monarchisches Amtsverständnis), dann sammelt sie um sich einen möglichst großen “Hofstaat”, der ihren Herrschaftsanspruch kritiklos und blind unterstützt. Den übrigen Christen dort bleibt nur die Rolle als bevormundete “Untertanen”.

Für die Heilsgewissheit wirkt sich das ungünstig aus: die angebliche Königswürde, auf die der Gläubige Anrecht erhält und die teilweise schon jetzt sichtbar sein soll, wird ja von den Leitern der Gemeinde nicht respektiert. Sie wird damit zur süßlichen Märchengeschichte, zur billigen Illusion, mit der Leichtgläubige getröstet werden, die in der Welt zu kurz gekommen sind. (Propaganda) Man erzählt dieses Märchen gerne, man hört es gerne, aber ernstzunehmen ist es nicht.

Warum soll man dann den übrigen Heilsverheißungen vertrauen können? Auch sie erscheinen dann als Illusionen, als Märchengeschichte, die man sich einredet, damit das trostlose Leben etwas erträglicher wird. Infolgedessen bleibt so mancher, der Angst um das Heil hat, sein Leben lang eine armselige Kreatur, die sich mühsam am Selbstbewusstein des Seelsorgers festzuhalten versucht.

Dann gewinnt auch wieder die weltliche Rangordnung in der Gemeinde an Bedeutung – sie ist häufig sogar religiös begründet: wer es materiell zu etwas gebracht hat, steht unter dem sichtbaren Segen Gottes. Der geringe Bruder hat keine Bedeutung – auch wenn man in einer jovialen und gönnerhaften Weise von der Würde redet, die er als Christ hat. Im übrigen soll er darüber nachdenken, was den Segen in seinem Leben verhindert hat.

Artikel aktualisiert am 25.04.2018

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