Vorsicht – Scheinfundament

Ein Hindu war überzeugt, dass ihm sein Glaube verbot, auch nur das kleinste Tier zu töten. Der Missionar ließ ihn durch das Mikroskop schauen und da sah er: das Trinkwasser wimmelte von kleinsten Tierchen. Wütend zerstörte er das Mikroskop. Nun war sein Glaube gerettet.

Tatsächlich?

Leider verhalten sich gläubige Christen einer bestimmten Prägung nicht viel anders. Sie verfallen in eine panische Angst, dass der Glaube hilflos in sich zusammenfallen würde, wenn bestimmte Fakten präsentiert würden. Verdrängung und Leugnung ist daher das eigentliche Fundament ihres Glaubens.

Im Bereich der Religion werden diese Verhaltensweisen nicht nur mit bestem Gewissen betrieben, sondern man erwartet allen Ernstes dafür noch Anerkennung von Gott.

Das ist sehr merkwürdig. Es scheint jedes Mittel recht, wenn es darum geht, “den Glauben” zu verteidigen…

Besonders, wenn man jeden in der frommen Gruppe so handeln sieht. Besonders wenn man es dort schon immer so gemacht hat. Weil in der Gruppe niemand mehr wagt, der vorgeschriebenen Sichtweise mit Fragen auf den Zahn zu fühlen ist Lügen und Verdrängen ein fester Bestandteil des Bekenntnisses geworden. Ein bekannter Effekt: je mehr Menschen etwas behaupten, was nicht stimmt, desto überzeugender scheint es zu sein. In der Gruppe kann sich jeder hinter der Gruppenmeinung verstecken. Wer sich nicht anpasst, wer dazu nicht schweigt, wird ignoriert, gemieden oder ausgegrenzt. Lehrt uns nicht das üble Beispiel zahlreicher Sekten, wie unbarmherzig und unglaubwürdig solche Gruppenzwänge sind?

Und Gott, der sich selbst als “den Wahrhaftigen” bezeichnet (1.Joh 5,20), soll es nun gefallen, wenn man “in seinem Interesse” die Fakten frisiert? Wenn man sich die Ohren zuhält, wenn bessere Argumente kommen? Was soll das für ein “Zeugnis” sein?

In allen anderen Lebensbereichen gelten diese Verhaltensweisen als Zeichen für Charakterschwäche, Rückgratlosigkeit und Korruption. Hat der christliche Glaube wirklich kein besseres Fundament?

Etliche bibeltreue Hochschulen bieten wirklich wenig Besseres.

Doch die Frage steht im Raum: Hat Gott den Glauben wirklich so komisch gemacht, dass man charakterlos handeln muss, um ihn zu verteidigen? Oder liegt hier nicht vielmehr ein Missverständnis des Glaubens vor? Wird hier nicht vielmehr eine Auffassung vom Charakter Gottes kultiviert, die seinem Anspruch von Liebe und Wahrhaftigkeit gar nicht gerecht wird?

Wird der Glaube, der zu seiner Festigung der frommen Lüge bedarf, tatsächlich stabiler? Oder zerstört er sich allmählich selbst, weil er aus Gott eine Person macht, die Lüge und Wahrheit vermischt, die selber eigentlich charakterlos und unglaubwürdig ist?

Typische Verhaltensweisen der Faktenfriseure findest du hier (“Miese Tricks”) oder unter der Menü-Überschrift “Der Griff ins Klo”. Hand aufs Herz: Lohnt es sich wirklich für dich, auch so fragwürdig zu werden?

Kann eine Ausbildung an bibeltreuen Hochschulen lohnen, die mit Arbeit auf “wissenschaftlichem Niveau” werben und grundsätzlich einen großen Teil von Fakten unterschlagen, Fakten, die sehr leicht zu überprüfen sind?

Was am meisten erstaunt, dass so wenig Nähe zu Gott, so wenig Erfahrungen mit Gottes Kraft vorhanden ist, dass sich das Vertrauen darauf nicht gründen lässt, sondern dass das Vertrauen zusätzlich fragwürdiger manipulativer Machenschaften bedarf. Willst du dein Vertrauen stärken, dann nicht auf fleischliche Weise mit billiger Selbstsuggestion und Selbstbetrug, sondern nur auf Gottes Weise!

So steht am Ende die Frage im Raum: wieviel Vertrauen ist tatsächlich da, und wieviel davon ist nur eingebildet oder vorgespielt?

Was aber sagt die Schrift:

Ihr sollt erfahren, mit welcher unermesslich großer Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt.” (Eph 1,19)

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf menschliche Weisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.” (1.Kor 2,5)

Wage es, dich als einzelner dem frommen Mainstream entgegenzustellen. Mache deinen Glauben niemals von dem Erwartungsdruck anderer abhängig! Verteidige dein Recht, alles mit dem Maßstab Jesu zu prüfen (1.Thes 5,21) und angemessene Fragen zu stellen. Verabscheue die Lüge in jeder Gestalt!

Verlogene Argumente, Denkverbote, fragwürdige Manipulationen hat der christliche Glaube nicht nötig. Auch wenn du Pastoren und Gemeindeleiter so handeln siehst, lass es dir als abschreckendes Beispiel dienen: so sieht menschliche Weisheit aus.

Soweit sich bibeltreue Theologie so verhält, ist sie die fleischlich-fromme Antwort auf den fleischlich-atheistischen Angriff der liberalen Theologie.

Wir brauchen darauf aber eine geistliche Antwort.

 

 




Beweiswert der Prophetie

1/3… Die Idee der erfüllten Prophezeiung taucht in den Evangelien sehr oft auf. Immer wieder heißt es: : “auf dass erfüllt würde….” Soll damit aber gesagt werden, dass es sich hier um Beweise juristisch bedeutsamer Qualität handelt, gar um einen “Gottesbeweis” wie es z.B. evangelikale Aushängeschilder wie Prof. Dr. Werner Gitt behaupten, unwiderlegbare Beweise, die geeignet sind, Ungläubige zum Glauben zu zwingen? Oder sind es Hinweise für Gläubige, die den engen Zusammenhang zwischen Alten und Neuem Bund beleuchten sollen?
Eines lässt sich sicher nachweisen: dass eher die zweite Deutung als “Hinweise für die Gemeinde” in Frage kommt, auch wenn einige Vorhersagen tatsächlich einen starken Impuls zum Staunen und Vertrauen geben.

Eine sehr beeindruckende Prophetie ist zweifellos die Danielprophetie, die ankündigt, dass der Gesalbte nach 69 Jahrwochen nach dem Wiederaufbau Jerusalems hingerichtet werden wird. “So wisse nun und merke: von der Zeit an, da ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wieder gebaut werden, bis auf den Gesalbten, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen… Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden” (Dan 9,25-26)
Im 20ten Regierungsjahr des persischen Königs Artaxerxes, d.h. im Jahr 445 v.Chr. erging der Befehl die Stadt Jerusalem wieder aufzubauen. (Neh 2,1-8) Die Hinrichtung des Messias, des “Gesalbten”, sollte 7 + 62 = 69 “Jahrwochen” d.h. 7 x 69 = 483 Jahre später erfolgen, d.h. etwa im Jahr 31 n.Chr.
Die Folge dieser Prophezeiung war eine allgemeine starke Messiaserwartung in Palästina zur Zeit Jesu, wie sie später nie mehr entstehen sollte. In dieser Zeit traten allerdings etliche Persönlichkeiten auf, die als Messias verehrt wurden und umgebracht wurden (wie z.B. Bar Kochba).

Auch für Bethlehem als tatsächlicher Geburtsort Jesu gibt es gewichtige Argumente: nirgends wird daran im zeitgenössischen rabbinischen Schrifttum gezweifelt. Origines stellt fest, dass die Rabbinen das Thema der Geburt des Messias in Bethlehem mit Stillschweigen übergingen. Wäre ein anderer Geburtsort nachweisbar gewesen, hätte man dieses schlagende Argument sicherlich gegen Jesus verwendet. (Quelle: Origines Cels.1,51.; zitiert bei Ethelbert Stauffer, Jesus – Gestalt und Geschichte, A. Francke Verlag Bern 1957, S.25)

Ein weiteres starkes Argument ist die Tatsache, dass Jesus mit seinen Wundertaten die zeitgenössischen Erwartungen an den Messias erfüllte. Als legitimierende Wunder des Messias wurde von den Rabbinern die Heilung eines Aussätzigen, die Heilung eines Blindgeborenen und die Austreibung eines Dämons aus einem Taubstummen genannt. Obwohl nun das rabbinische Schrifttum Jesus feindich gesonnen war, wurde nie bezweifelt, dass Jesus Wunder tat. “Um 95 spricht Rabbi Elieser ben Hyrkanos in Lydda von den Zauberkünsten Jesu (Sabbath 104b; Tos Sabbath 11,15), Um 110 hören wir von einer palästina-jüdischen Kontroverse um die Frage, ob man sich im Namen Jesu heilen lassen dürfe (Aboda zara 27b; Tos Hullin 2,22f). Wunderheilungen im Namen Jesu setzen voraus, dass Jesus selbst Wunder vollbracht hat. Um die gleiche Zeit (95-110) begegnet uns die Verdammungsformel: ‘Jesus hat gezaubert und verführt und Israel abwendig gemacht’ (Sanh 43a; 107b; vgl. Sota 47a)” (Quelle: Stauffer, ebd., S 19.)

Eine weitere Prophetie, die stark über den Kreis der Jünger hinaus wirkte, war die Ankündigung des stellvertretend leidenden Gottesknechtes. “Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.” (Jes 53,4-6)

Noch heute wird das Lesen dieser Prophetenworte in vielen Synagogen vermieden, da sie die Befürchtung wecken, dass der Prophet den Opfertod Jesu voraussagt.
Auf wen könnten diese Prophetenworte denn zutreffen, wenn nicht auf Jesus? Jesus war die einzige Persönlichkeit mit weltweiter und heute noch andauernder Wirksamkeit, auf die die Datumsangabe des Propheten Daniel zutrifft.

Doch was man dennoch einräumen muss: “Beweise” im zwingenden juristischen Sinn liegen nicht vor. Da wir keinen gerichtsverwertbaren Beweis für die Auferstehung Jesu haben, kann es nicht sicher ausgeschlossen werden, dass die Jünger Jes 53 genutzt haben um das Scheitern ihres Meisters zu glorifizieren. In diesem hätten wir es mit einer “self-fulfilling prophecy” zu tun. Indem sich die Jünger anstrengten, ihre zum Triumph umgedeutete Erfahrung überall zu verbreiten, erlangte Jesus tatsächlich über die Jahrhunderte weltweite Bekanntheit, die als Belohnung seiner Hingabe ausgelegt werden konnte. Es bereitet allerdings Mühe sich vorzustellen, dass sich die Apostel für eine von ihnen selbst erfundene Geschichte hätten totschlagen lassen. Andererseits kann man auch wieder bezweifeln, dass die Berichte der Kirchenväter zutreffen, die uns mitteilen, dass die Apostel tatsächlich den Märtyrertod starben.

Jetzt komme ich zu den Prophezeiungen, die problematischer sind.

Zunächst: es ist unstrittig, dass die als Prophezeiung gewerteten Texte des Alten Testaments tatsächlich viel älter sind als die Zeit der Ereignisse, die sie angekündigt haben sollen. Doch wir müssen an sie schon präzisere Fragen stellen:

Waren die angekündigten Ereignisse durch die Zeitgenossen beeinflussbar?

Die Apostel sahen in Jesus den Messias, den zukünftigen König Israels. Da der Messias laut Prophetie “auf einem Esel” in die Stadt einziehen sollte (Sach 9,9), war es doch sinnvoll, für den Einzug einen Esel zu beschaffen, auf dem Jesus in die Stadt reiten konnte. Wieso wird dann von “Prophetie” gesprochen, die Beweis für ein mathematisch unwahrscheinliches Eingreifen Gottes sein soll?

Zweitens: War der Eintritt der angekündigten Ereignisse überhaupt nachweisbar oder handelt es sich bei den Berichten nicht ebenfalls wieder um Glaubensinhalte?

Es besteht kein Zweifel, dass im Neuen Testament von Matthäus berichtet wird (Mt 1,18ff) , dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, was als Erfüllung von Jes 7,14 anzusehen sei. Doch wer war Matthäus? Ein glühender Anhänger des “Jesus-Fan-Clubs”. Womit ist bewiesen, dass diese Behauptung nicht von den Fans frei erfunden wurde, um ihren Meister zu glorifizieren? Die Behauptung ist nicht nachprüfbar und selbst wieder Glaubensinhalt.

2/3 Dasselbe kann man zur Behauptung sagen, Jesus sei “als Sohn Gottes geboren” worden (Jes 9,5 / Luk 2,6-7) oder sei “zur Rechten Gottes erhöht worden” (Ps 110,7 / Apg 7,56 ). Das soll für uns heute – 2000 Jahre später – ein hieb- und stichfester “Beweis” sein? Die Erfüllung ist Glaubensinhalt, nicht mehr.

Auch die berichtete Auferstehung Jesu ist heute kein Beweis. Selbst wenn von 500 Zeugen dieser Auferstehung berichtet wird (1.Kor 15,6), und wir annehmen dass dieser Bericht stimmt, so hatten jedoch nur für die Zeitgenossen des Paulus die Möglichkeit, die Zeugen zu befragen. In der Tat, wenn man einen Zeugen persönlich als sachlichen, nüchternen und ehrlichen Menschen kennt, dann hat sein Zeugnis ein großes Gewicht und könnte überzeugen. Doch wir kennen niemand der Zeitzeugen persönlich und so zerrinnt auch diese Überzeugungsquelle in nichts. Ergebnis: die Auferstehung Jesu ist selbst wieder Glaubensinhalt und Glaubenshoffnung der Gläubigen. Die Gewissheit, das Jesus heute lebt und unsichtbar bei uns ist, muss auf anderem Wege kommen.

Dritte Frage: Bezieht sich die Prophetie tatsächlich auf den angekündigten Messias?
Jesus wurde am Kreuz ein Schwamm mit Essig gereicht.(Mt 27,34) In Ps 69,22 beklagt sich der Psalmdichter, dass ihm seine Feinde Essig zu trinken gaben. Eine Prophezeiung auf den Messias? Johannes scheint es anzudeuten: “Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig … und hielten ihm den an den Mund.” (Joh 19,28) Wenn man Vers Ps 69,4 liest, mag man es bezweifeln, denn dort spricht der Dichter über seine Sünde: “Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.” Wie soll das dann auf Jesus zutreffen, der ohne Sünde war (Joh 8,46) ? Gut, hier lässt sich einwenden, dass “Jesus für die Menschen zur Sünde gemacht wurde” (2.Kor 5,21.) Durch diesen Vers können wir auch Ps 69,4 tatsächlich als Vorankündigung sehen. Was aber ist mit V. 29: ” Tilge sie aus dem Buch des Lebens, dass sie nicht geschrieben stehen bei den Gerechten…” Wie verträgt sich das mit der Bitte Jesu: “: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!]” (Luk 23,34). Das bezieht sich sehr wahrscheinlich nur auf die jüdischen Führer (Joh 9,41!) und nicht auf die römischen Herrschern. Denen wird bescheinigt, dass sie Jesus nicht als den Messias erkannt hatten:” unsere Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt” (1.Kor 2,8) Auch hier können wir den Widerspruch auflösen.

Ganz anders bei der nächsten Prophezeiung…

Mt 2,14-15: “Mitten in der Nacht brach Josef mit Mutter Kind nach Ägypten auf. Dort lebten sie bis zu Herodes’ Tod und es traf ein, was Gott durch den Propheten vorausgesagt hatte: “Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen”.
Im AT sucht man aber vergeblich nach einer Prophetie, die einen aus Ägypten kommenden Messias ankündigt.
Die einzige ähnlich lautende Stelle, die hier gemeint sein könnte, steht in Hosea 11,1. Dort heißt es: “Da Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten. Aber wenn man sie (die Israeliten) jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern den Baalim und räuchern den Bildern. Ich nahm Ephraim (=Israel) bei seinen Armen und leitete ihn; aber sie merkten es nicht, wie ich ihnen half. Ich ließ sie ein menschliches Joch ziehen und in Seilen der Liebe gehen und half ihnen das Joch an ihrem Hals tragen und gab ihnen Futter. Sie sollen nicht wieder nach Ägyptenland kommen, sondern Assur soll nun ihr König sein; denn sie wollen sich nicht bekehren.”
Unschwer zu sehen: in der zugeordneten Hosea-Stelle geht es gar nicht um Prophetie. Es geht um einen Rückblick auf die Befreiung Israels aus der ägyptischen Sklaverei. Gott hoffte auf Dankbarkeit, aber Israel (bisweilen auch pars pro toto) “Ephraim” genannt, enttäuschte ihn. Die Leute wollten sich nicht ändern. Passt diese Aussage denn wirklich auf den Messias, der von sich sagte: “Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?” (Joh 8,46)
Wer ehrlich ist, stellt fest: es passt vorne und hinten nicht.

“Erfüllt” bedeutet bei Matthäus offenbar nicht: “Präzise angekündigt, präzise eingetroffen.” Wenn wir einen “Beweis” erwarten, dann kann dieses Beispiel allenfalls als Beweis für einen Irrtum in der Bibel taugen. Es kann für Gläubige Aber ein Hinweis sein für einen Gedanken, den Gott mehrmals in der Geschichte wirksam werden lässt. Ein Hinweis, kein Beweis!

Wir können natürlich annehmen, dass es tatsächlich einmal eine konkrete Prophetie gab, die vorhersagte, dass es niemand anders als der Messias selbst sein wird, der aus Ägypten gerufen werden wird, eine vorzeigbare Prophetie also, die aber leider in einem Text stand, der verlorenging. Dies wiederum würde bedeuten, dass der Kanon unvollständig, d.h. mangelhaft bzw. verbesserungsbedürftig ist.

Doch das ist reine Spekulation. Wir haben nur den Hosea-Satz. Wenn wir davon ausgehen, dass Matthäus sich tatsächlich auf die Hosea-Stelle bezieht, was kann dann “erfüllt” bedeuten? Wir können es eine “Vorschattung” nennen. Ein Zusammenhang ganz eigener Art, der aber zum “Beweis” für Nichtgläubige sowenig taugt wie für “Wahrscheinlichkeitsrechnungen”.

Seltsamerweise blieb die Zeit der christlichen Gemeinde den alttestamentlichen Propheten verborgen. Und doch ist sie der Fokus der Weltgeschichte. Frühere Ereignisse dienen dazu, der Gemeinde wichtige biblische Wahrheiten in symbolisierter, teilverschlüsselter Form einzuprägen.

“Im Gesetz Mose’s steht geschrieben: “Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, der da drischt.” Sorgt Gott für die Ochsen? Oder sagt er’s nicht vielmehr um unsertwillen? Denn es ist ja um unsertwillen geschrieben.” (1.Kor 9,9-10) Sicher ist Gott auch das Wohl der Ochsen wichtig. Gott fühlt Erbarmen auch mit den Tieren (Jona 4,11) Doch die Hauptaussage zielt auf die christliche Gemeinde und ihre Leiter, die angemessen versorgt werden sollen. “Also hat auch der HERR befohlen, daß, die das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelium nähren sollen.” (1.Kor 9,14)
Was immer im Alten Testament geschieht, Gott denkt damit zugleich an den Neuen Bund, der durch Jesus Christus mit Menschen geschlossen wird. Selbst wenn es im AT um die Fütterung der Ochsen geht.

Nach dem Exodus aus Ägypten war es Israel möglich, nach der Sklaverei ein Leben in Freiheit zu beginnen. Auch Jesus kam aus Ägypten zurück und gab allen in Israel, die an ihn glaubten. die Chance auf Freiheit von der Sklaverei der Sünde. In beiden Fällen wurde ein ganz neues Kapitel der Geschichte des Gottesvolkes begonnen.

Einen ähnlichen Zusammenhang finden wir in Matthäus 2,23: “(Jesus) ließ sich in einer Stadt namens Nazaret (Ναζαρετ) nieder. So sollte sich erfüllen, was die Propheten sagten: Er soll Nazōraios (Ναζωραιος) genannt werden.”

Auch dieser dem Propheten zugeschriebene Satz findet sich nirgends im AT. Dem Messias wird aber vom Propheten das Wort “Spross” (hebr. N-e-Z-e-R) zugeordnet. Wörtlich heißt es dort: “es wird ein Spross aufgehen vom Baumstumpf Isais … auf dem der Geist des HERRN ruhen wird, …. Er wird .. mit Gerechtigkeit die Armen richten … und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit seinem Atem den Gottlosen töten.” (Jes 11,1) Hier geht es ohne Zweifel um den Messias, der über die Erde richtet und mit einem bloßen Wort töten kann. (vgl. Offb 1,16: “er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Gesicht leuchtete wie die helle Sonne.”)

Hier sagt Matthäus der gläubigen Gemeinde: In Nazaret wuchs Jesus auf. Viele, die ihm hier vor seinem Wirken begegneten, erlebten, dass hier eine große Persönlichkeit heranwuchs. Sollte er der verheißene NEZER sein? Eine unzerstörbare Hoffnung, die unversehens aus einem abgestorbenen, totgeglaubten Baumstumpf hervorwuchs und einst über alles triumphieren würde? Der Name des Ortes schien diese Ahnung zu bekräftigen: NaZaRet. Gott hatte sich diesen Ort ausgewählt, um den Gläubigen, die den Messias erwarteten, einen Hinweis zu geben.
Gott gibt einen Hinweis, der dem Gläubigen genügen kann, aber keinen “Beweis”, der Nichtglaubende zwingt, der Bibel Unfehlbarkeit zu bescheinigen. Dann hätte der Satz, so wie Matthäus ihn zitiert, auch in der Prophetie stehen müssen.

In Sach 11,12 wird “der Hirte” für seinen Dienst mit der unangemessen geringen Summe von 30 Silberstücken entlohnt. Mt 27,9 sieht hierin eine Prophezeihung der Summe, für die Jesus von Judas verraten wurde. Von einem Verrat des Messias durch eine einzelne Person ist jedoch beim Propheten Sacharja (den Matthäus versehentlich als “Jeremia” zitiert) keine Rede. Auf den ersten Blick geht es dort um die Entlassung und Ablohnung eines Hirten, der die “elenden“, entarteten (weil fleischfressenden) “Schafe” nicht mehr hüten will. Außer den elenden Schafen, denen mit dem Gericht gedroht wird, werden als böse Personen noch “drei Hirten” genannt, die Gott mit dem Tod bestraft. Die Festsetzung der Abfindungssumme erfolgt durch die Schafe. Da Gottes Auftrag an den Hirten erging, ist der Leser geneigt, dass Wort “ich”, mit dem sich der entlassene Hirte bezeichnet, mit dem Propheten Sacharja zu identifizieren. Aber die Geringwertigkeit der Summe bringt Gott mit seiner Person in Verbindung: “Was für eine treffliche Summe, deren ich wert geachtet bin von ihnen!” Somit scheint die zweite Person, die in diesem Dialog auftaucht, auch Gott zu sein. Im Neuen Testament wird Jesus als Gott (1.Joh 5,20) und als der “gute Hirte” (Joh 10,11) bezeichnet. Diese Querverbindungen zwischen Alten und Neuem Testament können nur Gläubige erkennen, weshalb die Prophezeihung ein Hinweis für Gläubige ist. Ein Beweiswert für Nichtchristen hat sie nicht.

Eine ähnlich vorsichtige Beurteilung ist angebracht bei der “Prophezeihung” des Kindermords von Bethlehem (Mt 2, 16-18 / vgl. Jer 31,15-16).

Genauso wenig ist es nachweisbar, dass die Evangelisten über das Verlosen der Kleidung, die letzten Worte Jesu am Kreuz usw. zutreffend und wahrheitsgemäß berichtet haben oder ob sie solche Zusammenhänge nachträglich geschaffen haben, um für ihre Theologie unter Juden missionieren zu können. Wir möchten es gerne glauben, wir verlassen uns gläubig darauf – aber nachprüfbar ist es nicht.

3/3 Die letztgenannten Beispiele von prophetischen Ankündigungen können also durchaus als Belege für fehlerhafte Prophetie dienen, wenn man nicht begreift, dass sie gar keine Beweise sein sollen, sondern nur Hinweise für Gläubige für Zusammenhänge zwischen AT und NT.

Erst recht ist es unseriös und absurd, auf diese Aussagen eine “Wahrscheinlichkeitsrechnung” zu gründen. Leider gibt es immer noch viele Gläubige, die solche unhaltbaren Behauptungen ungeprüft nachplappern, in Büchern und Traktaten drucken sowie auch noch die Internet-Foren damit beglücken müssen.

Menschen, die dem christlichen Glauben fernstehen, werden daraus eigentlich nur den Schluss ziehen, dass Glauben etwas mit Selbstbetrug zu tun hat, mit der Verwechslung von Fakten mit Wunschdenken, sodass erwachsene Menschen durch Religion kindisch und leichtgläubig werden.

Auch der Gemeinde kann manipulative und unehrliche Bibelinterpretation schaden. Der oberflächlich denkende Christ nimmt die Manipulation wahr, verzichtet aber gerne auf die Richtigstellung, “um sich nicht verunsichern zu lassen.” Darin zeigt sich, dass das Vertrauen auf einen Gott, der seine Kinder in alle Wahrheit leitet, doch sehr schwach ausgebildet ist.

Anders der Gläubige, der die Erwartung, Falsches einfach zu ignorieren, als Angriff auf seine Würde und Integrität empfindet. Er wird eine glaubwürdige und nachvollziehbare Antwort haben wollen.
Auf Wesen Seite sollen wir uns stellen? Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Einigkeit im Geiste, wird unter diesen Bedingungen immer weiter schrumpfen. Unehrlichkeit ist nicht verhandelbar. Sie reißt einen tiefen Graben auf zwischen den, die an ihr festhalten und denen, die sie überwinden wollen.

Der Apostel Johannes würde für Klarheit eintreten: “Ich schreibe euch also nicht, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und wisst, dass aus der Wahrheit keine Lüge hervorgehen kann.” (1.Joh 2,21) Das sollten wir doch ernst nehmen!




Liebe auf dem Tiefpunkt – das Hohelied

Was können wir aus dem Hohelied lernen? Was wir dort lernen, taugt nicht einmal als schlechtes Beispiel. Hier offenbart sich ein abgrundtiefer Sumpf. Schlimmer geht es nimmer. So gehört auch das Hohelied zur Sorte  der “no-comment” Texte.

ich habe immer noch einen emotional gestörten Zugang zum Hohenlied. Salomo und Sulamith – sogar im Namen scheinen sie gut zueinander zu passen. Doch mir fällt auf, dass Salomo nur Äußerlichkeiten an seiner Partnerin lobt. Besonders die weibliche Brust hat es ihm sehr angetan. (4,5 / 7,4 / 7,9 / 8,8 / 8,10). Sie können ihm offenbar nicht groß genug sein. (“Türme” (8,8)).

Ganz anders wird im Buch der Sprüche verfahren: im letzten Kapitel werden hauptsächlich charakterliche Vorzüge der Ehefrau gelobt: Fleiß, Tüchtigkeit, Freigebigkeit, Barmherzigkeit, guter Geschmack, Würde und Freundlichkeit. Welche Feststellung: “sie erweist ihm Gutes und nichts Böses ihr Leben lang!” ‘(Spr 31,12) Und ihr Mann antwortet ihr: “Es gibt wohl viele gute und tüchtige Frauen, aber du übertriffst sie alle!” (Spr 31,29) Eine wahrhaft gesegnete Partnerschaft. Doch ist dieser lesenswerte Text nicht von Salomo verfasst, sondern vom unbekannten König Lemuel. Weise Räte haben diesen Text hinten an die Sprichwortsammlung von Salomo angehängt, der zu einer gelingenden Partnerschaft vergleichsweise wenig Schlaues zu sagen wusste.

Aus einem anderen Text, in dem der altgewordene Salomo auf sein Leben zurückblickt, erfahren wir, dass Sulamith für ihn wohl doch nicht so großartig war, wie er es im Hohenlied behauptet, dass sie jedenfalls bald für ihn eher eine Enttäuschung war. So schreibt er: “Ich war ständig auf der Suche – ohne Erfolg: unter tausend habe ich einen einzigen Mann gefunden, (der mir kostbar war) aber eine Frau habe ich unter diesen allen nicht gefunden.” (Pred 7,28) Die “Royal Press” teilt uns mit, dass Salomo tatsächlich im Laufe der Zeit 1000 Frauen ansammelte, 700 Hauptfrauen und 300 Nebenfrauen. (1.Kö 11,3) Wo ist hier Sulamith einzuordnen? “Sechzig Ehefrauen sind schon da, und achtzig Nebenfrauen, auch warten noch Jungfrauen ohne Zahl: aber ich liebe nur die eine, die mein Täubchen ist, meine Vollkommene.” (Hl 6,8-9) Sulamith befindet sich also in der chronologischen Rangfolge auf Platz Nr. 141. Aber sie ist natürlich jetzt die Favoritin des Königs, die “gefühlte Nr 1”, die auf ihn den stärksten Reiz ausübt.

Die Frage, die sich mir stellt, wie sieht denn eine Ehe mit 1000 Frauen praktisch aus? Ist das nicht für die Frauen sehr frustrierend? Wie sieht z.B. das Sexualleben aus? Damit jede Frau einmal im Jahr Freude an Sex haben konnte, müsste der “der königliche Bulle” jeden Tag morgens, mittags und abends mit einer anderen Frau ins Bett gehen. So käme wenigstens jede Frau einmal im Jahr dran – vielleicht zu ihrem Geburtstag. Dann aber ist zu berücksichtigen, dass etliche Frauen die Töchter von Königen waren, die aus politischen Rücksichten geheiratet worden waren. Diese Frauen hätten sich eine derartige Vernachlässigung sicher nicht gefallen lassen. Salomo musste sie deutlich bevorzugen, wenn er ernste politische Krisen vermeiden wollte. So blieb für Frauen, die nicht aus politischen Gründen geheiratet worden waren, noch viel weniger übrig: vielleicht alle zwei oder drei Jahre ein einziges Mal Sex. Ansonsten mussten sie verzichten. Ihr Bedürfnis nach Sexualität konnte auch nicht von Hofbeamten kompensiert werden. Das war viel zu gefährlich, denn wenn auf diese Weise ein Kind entstanden wäre, hätten sich damit Herrschaftsträume und – ansprüche verbinden können. (2.Sam 3,7). So mussten alle Frauen, solange sie vom König nicht in sein Bett gerufen wurden, eingeschlossen und bewacht werden. Dazu hatte der König ja Militär. Man kann sich vorstellen, welche Eifersüchteleien, welche Intrigen, welche Enttäuschungen tagtäglich das Klima im Harem vergifteten. Eine emotionale Hölle, gegen die das schlimmste Dschungelcamp ein wahrer Erholungsurlaub sein dürfte.

Es stellt sich hier die Frage, welche Frau so dumm ist, sich für diese Art Leben herzugeben. Denn eine Frau von so erlesener Schönheit, dass sie das Interesse des verwöhnten Königs geweckt hätte, hätte doch gute Chancen, sich mit einem hochrangigen Beamten oder Großkaufmann verheiraten zu lassen und mit ihm echte Partnerschaft zu genießen. Dies führt zur letzten traurigen Folgerung: natürlich gibt sich keine Frau, wenn sie nur etwas Verstand hat, zu dieser Existenz her. Deswegen gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder es gelingt dem König, einer Frau weiszumachen, dass er alle übrigen Frauen nur aus politischen Gründen geheiratet hat und sie die einzig wahre Liebe für ihn ist (diese Strategie könnte im Fall Sulamith zutreffen), oder er lässt seine Beamten kriegsgefangene Frauen auf Sklavenmärkten en masse zusammenkaufen.

Warum das Hohelied in der Bibel steht? Meines Erachtens ist es eine Geschichte, die Gläubige lehren soll, genau zu beobachten und sich durch eine fromme Fassade nicht blenden zu lassen. Naürlich ist es schön, verliebt zu sein, Schönheit, Ästhetik, Farben, Formen und Düfte zu genießen. Gott hat es geschaffen und gönnt es uns von Herzen. Vielleicht war Sulamith auch eine Zeitlang damit richtig glücklich. Doch damit die Emotionen bleiben, reicht das, was uns Salomo als Ratschlag gibt, nicht aus. In dieser Sache war König Lemuel doch viel klüger als er.




Schützt Überbehütung vor Glaubensverlust?

Liebe Geschwister,

Ist Überbehütung der beste Schutz vor Glaubensverlust?

Wer von uns weiß nicht, dass es von Vorteil ist, wenn man Infektionskrankheiten wie Masern, Windpocken, Mumps schon im Kindesalter bekommt. Erkrankt man erst als Erwachsener daran, so hat die Infektion oft einen viel schwereren Verlauf. (https://www.bkk-mobil-oil.de/magazin/04-2018/kinderkrankheiten-bei-erwachsenen.html)

Was geschieht nun gar, wenn man ein Kind unter ein Sauerstoffzelt steckt und es in einem sterilen Raum völlig keimfrei aufwachsen lässt? Zweifellos: es gibt Kinder ohne funktionierendes Immunsystem. Sie müssen ihr Leben lang in möglichst keimfreier Umgebung bleiben.

Bei allen anderen Kindern mit Immunsystem aber ist das Einsperren in keimfreie Umgebung sehr riskant. Sobald man es später in die freie Wildbahn entlässt, ist ein lebensgefährlicher Infektionsschock wahrscheinlich. Deswegen wird kein Mensch, der seine fünf Sinne beieinander hat, sein Kind keimfrei aufwachsen lassen. Auch nicht, wenn es sehr fürsorglich aussieht.

Warum erzähle ich das? Gottfried Meskemper, dem Gründer der Bekenntnisschulbewegung in Deutschland, war aufgefallen, dass die Kinder vieler Christen erst mit Freuden in den Jugendkreis der Gemeinde gingen, später aber, als die Ausbildungszeit, die Lehre oder das Studium begann, sehr bald jegliches Interesse am Glauben verloren. Diese Erfahrung war für viele Eltern traumatisch und er fragte sich deshalb, wie man diese – geradezu typische – Entwicklung – verhindern könnte. In seinem Buch “Falsche Propheten unter Dichtern und Denkern” machte er dafür ein falsches Bildungsideal in der Schule verantwortlich, das junge Menschen lehrte, sich selbst zu verwirklichen und verächtlich auf schlichte biblische Wahrheit herabzublicken. Diese Erklärung hatte so manches für sich, aber sie reichte nicht aus. Denn bei der überwiegenden Zahl der von Glaubensverlust betroffenen jungen Menschen dürfte das Interesse an schöngeistiger Bildung (Goethe, Schiller, Hesse, Brecht usw.) verschwindend gering sein.

Nun gehört aber zur Reifung eines Menschen schon eine gewisse innere Selbständigkeit. Genauso wie man sich vom Elternhaus lösen muss, so wird der junge Mensch auch die Traditionen, die ihn bisher begleitet haben, auf den Prüfstand stellen wollen.

Und eben das wird ihm in der evangelikal-bibeltreuen Tradition verwehrt. Es wird sofort Druck gemacht: sei still. Darüber spricht man nicht, so darfst du nicht denken, das Motiv für dein Fragen kann nur Hochmut sein usw. In ihrem Wunsch nach Überbehütung hat die evangelikale Tradition ihn quasi unter einem keimfreien Sauerstoffzelt aufwachsen lassen.

Nun geht er allein in die Welt und da erwartet ihn der totale Schock. Wo immer er zaghaft für seinen Glauben einzutreten versucht, kommt zutiefst verunsichernde Information zurück. Die gut informierten Studienkollegen sagen ihm: du kennst deine eigene Bibel nicht. Lies mal dies, lies mal das. Sieh doch genau hin, wie unglaubwürdig der Glaube an die Bibel ist. Merkst du nicht, was aus dir geworden ist? Genauso wie Menschen vor brutalen Diktatoren wie Kim Jong Il servil auf den Knien rutschen und ihnen lobhudeln, weil sie sich davon persönliche Vorteile versprechen, so hast du deinen religiösen Führerkult, verbreitest Propaganda und stellst dich taub, wenn man von dem sprechen will, was alles an Perversem so nebenbei geschieht: 4.Mose 31,17-18  Massenmord an Kindern / 5.Mose 21,10-14  Sexsklaverei / 5.Mo 25,11-12 Frauenfeindlichkeit / 1.Sam 21,1 ff  Rechtsbeugung / Hebr 10,26 seelische Erpressung / Offb 14,11 unüberbietbare Grausamkeit! Da soll eine positive Absicht dahinterstecken? Sollen wir alle auch so werden wie du:  ein feiger, käuflicher Jasager und Heuchler? Hör bitte auf uns zu manipulieren und arbeite erst einmal an dir selber.”

Und der junge Mensch hört auf. Was kann er sagen? Soll er sagen, was man ihm beigebracht hat: Wir müssen diesen Brocken grausamer Bibelstellen eben “demütig” schlucken, wir müssen ihn “gut und richtig” finden, sonst können wir nicht in den Himmel kommen…? Müssen wir das? Auch wenn man daran fast erstickt? Viel wahrscheinlicher ist, dass immer mehr von dem, was er über den Glauben gelernt hat,   allmählich aus seinem Denken verschwindet. Eies Tages ist es weg, weil er in seiner Gemeinde nie lernen konnte, das Unverdauliche in der Bibel sinnvoll und überzeugend einzuordnen, sodass es nun alles, was darin  lieb und gut und wahr ist, relativiert. Haben wir wirklich nicht mehr dazu zu sagen als den Satz: “der Führer wird schon wissen, was er tut”?

Das ist der Bärendienst, den die evangelikal-bibeltreue Theologie viele Jahre jungen Menschen erwiesen hat mit einer sterilen Aufzucht unter einem geistigen Sauerstoffzelt. Sie hat uns feierlich versprochen, dass  der Glaube durch Verteilen von Maulkörben stabiler werden würde. Stimmt das tatsächlich?

Deswegen ist es  ja sogar für manche erwachsenen Geschwister, die immer unter diesem Zelt lebten, so ungeheuer schwierig, sich auf das Nachprüfen biblischer Aussagen einzulassen. Sofort entsteht eine blinde, ja panische Angst, dass der Glaube irreparabel beschädigt werden könnte. Ist das wirklich so? Lässt uns Gott wirklich mit diesen grausigen Bibelstellen so schrecklich allein?

Warum fragen wir nicht: was sagt die Bibel selbst dazu?

Jesus fordert uns auf, ihn zu prüfen (Jo 8,46). Das Gesetz selbst fordert uns auf, das Gesetz zu prüfen. (5.Mo 4,8). Das Gebot “Prüfet alles” (1.Thes 5,21) bezieht sich also keineswegs nur auf Aussagen außerhalb der Bibel. Was wird das Ergebnis einer gründlichen Prüfung sein? Meist werden  wir  in der Bibel etwas finden, was unser inneres Leben kräftigt, was Nahrung für uns ist. Diese Texte können wir sofort glauben und anwenden.  Aber ab und zu stoßen wir auch auf andere Texte, die unverdaulich erscheinen und den Glauben schwächen. Diese selten vorkommenden Texte scheinen eine  Art IMPFSTOFF zu sein. Sie lösen eine allergische Reaktion aus: “Das darf doch nicht wahr sein. Jesus hätte das niemals gesagt… ” . Die gesunde Reaktion eines Menschen mit funktionierendem Immunsystem. Eine Reaktion, die von Gott offenbar beabsichtigt ist. (Luk 9,54-55)

Eins ist für mich sicher. Jesus hatte keine unzuverlässige, gespaltene Persönlichkeit wie sie von der zweideutigen Romanfigur Dr. Jekyll und Mr Hyde verkörpert wird. “Das ist die frohe Botschaft: Gott ist Licht und es ist keine Finsternis in ihm!” (1.Joh 1,5) Keine Zweideutigkeit! Auf die Liebe Jesu kann man sich wirklich verlassen. “Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit” (Matth 23,23) sind für ihn die wichtigsten Gebote, denen sich alles andere unterzuordnen hat. Er hat Charakter und wünscht sich dasselbe auch für seine Jünger.

Wie können wir da meinen, dass es ihm gefallen könnte, wenn wir vor der Bibel auf dem Bauch kriechen wie vor einem Diktator, ihr gegen unsere Überzeugung nach dem Mund reden, einfach weil Gott uns mit schrecklichen Strafen bedrohen kann und auch das beste Zuckerbrot hat? “Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!” (Jes 5,20) Hand aufs Herz: hätten alle Bibellehrer an diesem Satz festgehalten von Anfang an, und das Bösartige in der Bibel nicht als Nahrung, sondern als IMPFSTOFF verwendet, so hätte es die blutige Kriminalgeschichte des Christentums nie gegeben.

Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.” (Hebr 13,8) Jesus ist mit Sanftmut und Demut zu uns gekommen. (Mt 11,29) Obwohl er es nicht nötig hätte. Deshalb will er überzeugen und nicht zur Anpassung erpressen. Weil er uns liebt, nimmt er uns ernst – auch mit unseren Einschränkungen, Zweifeln und Begrenzungen. Wir dürfen eine eigene Überzeugung nach bestem Wissen und Gewissen haben und sie auch in der Gemeinde vertreten, ohne dass wir einander mundtot machen müssen.

Es kann nicht stimmen, dass aufrichtiges Nachdenken und Prüfen den Glauben gefährdet. Diese Ansicht stammt aus dem falschen Eifer von Theologen, denen ihr Einfluss wichtiger ist als alles andere. Gerade weil ich Jesus vertraue, weiß ich: Wir sind zur Herrlichkeit berufene Kinder Gottes und kein gegängeltes, gedankenloses Stimmvieh.




Wunderbares – 12 Bernd

August 2005 wütete der Hurrikan Katrina im Südosten der USA und meine Frau und ich hatten schreckliche Angst um unsere Tochter, die sich zu dieser Zeit im Katastrophengebiet aufhielt. Wir dachten schon, wir würden sie vielleicht nie wiedersehen. Drei Tage betete ich unablässig um Bewahrung für sie. Ganz früh am dritten Tag, um fünf Uhr morgens schenkte mir Gott die Gewissheit, dass unserer Tochter nichts passiert war und dass wir sie wohlbehalten wiedersehen würden. Das erzählte ich meiner Frau und auch sie wurde wieder ruhig und getrost. Genau so geschah es: sie kam wohlbehalten zu uns zurück.




Tagebuch – Der Wendepunkt

Jetzt muss ich euch erzählen, wie es zu der entscheidenden Wende in meinem Leben kam. Jahrzehntelang hatte ich panische Angst vor Gott. Ich war der festen Überzeugung, ich hätte die unvergebbare Sünde begangen und würde nach Ablauf dieses Lebens unfehlbar in die ewige Qual der Hölle kommen. Weder Theologen noch Seelsorger noch Ärzte konnten mir helfen. Meine Mitchristen auch nicht. Das theologische System, das man mir in der Jugend eingetrichtert hatte, hatte mich in einen Kerker einbetoniert, der keine Tür hatte. Ich versuchte in der Bibel eine Antwort zu finden, ich durchforschte sie von vorn nach hinten, und wieder zurück, doch das was ich dort erfuhr, machte den Beton nur noch dicker. Zu jeder tröstlichen Zusage Gottes fand ich andere deprimierende Aussagen in der Bibel, die genau das Gegenteil sagten. Es gab keine Gewissheit, sondern nur unbeweisbare Wunschvorstellungen.

Und doch kam eines Tages die Wende. Sehr sehr spät allerdings, sodass die nervliche Gesundheit inzwischen ziemlich im Eimer war. Wäre ich schlauer gewesen, hätte ich es schon früher gesehen und begriffen. Aber so ist es nun einmal: shit happens. Die Rettung brachte mir der letzte Prophet im Alten Testament, der Prophet Maleachi. Ich zitiere den Text hier mal kurz… vielleicht erkennt ihr ja selbst das Dramatische in diesem Text.

“13 Ihr bedeckt den Altar des HERRN mit Tränen und Weinen und Seufzen, weil er das Opfer nicht mehr ansehen noch es mit Wohlgefallen von euren Händen empfangen mag. 14 Ihr aber sprecht: »Warum das?« Weil der HERR Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend, der du untreu geworden bist, obwohl sie doch deine Gefährtin und die Frau ist, mit der du einen Bund geschlossen hast. 15 Nicht einer, in dem noch ein Rest von Geist war, hätte das getan! … Darum  seht euch vor in eurem Geist, und werde keiner treulos der Frau seiner Jugend. 16 Wer ihr aber gram ist und sie verstößt, spricht der HERR, der Gott Israels, der bedeckt mit Frevel sein Kleid, spricht der HERR Zebaoth. Darum seht euch vor in eurem Geist und brecht nicht die Treue!” (Mal 2,13-16)

Ja, die Leute waren ahnungslos. Sie hatten gemerkt, dass in ihrem Leben der Segen fehlt und sie fragten den Propheten nach dem Grund dafür. Er teilte ihnen nun mit, dass Gott ihnen die Entlassung ihrer Frauen gewaltig übelgenommen hatte und sie dafür bestrafen müsse.

Jetzt kommt der Knüller. Diese Leute werden hier angeklagt und bestraft, obwohl sie sich eindeutig gesetzestreu verhalten hatten. Das mosaische Gesetz hatte ausdrücklich die Ehescheidung erlaubt. Wenn die Frau gar auf einem Kriegszug erworben wurde, so genügte als Grund für die Entlassung schon, dass man ihrer überdrüssig geworden war. Originaltext Mose:

10 Wenn du in einen Krieg ziehst gegen deine Feinde und der HERR, dein Gott, gibt sie dir in deine Hände, dass du Gefangene von ihnen wegführst, 11 und siehst unter den Gefangenen eine schöne Frau und gewinnst sie lieb, dass du sie zur Frau nimmst, 12 so führe sie in dein Haus und lass sie ihr Haar abscheren und ihre Nägel beschneiden 13 und die Kleider ablegen, in denen sie gefangen genommen wurde, und lass sie in deinem Hause sein und einen Monat lang ihren Vater und ihre Mutter beweinen. Danach geh zu ihr und nimm sie zur Ehe und lass sie deine Frau sein. 14 Wenn du aber kein Gefallen mehr an ihr hast, so sollst du sie gehen lassen, wohin sie will; du sollst sie aber nicht um Geld verkaufen oder als Sklavin behandeln, weil du zu ihr eingegangen bist.” (5.Mose 21,10-14)

Das mosaische Gesetz sichert dem Gläubigen, der alles so machte, wie es das Gesetz sagte, den reichen Segen Gottes zu:

1 Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen. 2 Und es werden über dich kommen alle diese Segnungen, und sie werden dich treffen, weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist. 3 Gesegnet wirst du sein in der Stadt, gesegnet wirst du sein auf dem Acker. 4 Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes, der Ertrag deines Ackers und die Jungtiere deines Viehs, deiner Rinder und deiner Schafe. 5 Gesegnet wird sein dein Korb und dein Backtrog. 6 Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang.” (5.Mose 28,1-6)

Mose hatte gesagt, mach alles so wie es im Gesetz steht und ihr werdet gesegnete Leute sein. Maleachi sagte das Gegenteil: wenn ihr das so macht wie es das Gesetz regelt und eure Frauen entlasst, dann werden ihr nicht gesegnet, und wenn ihr noch soviel betet und jammert.

Hieran erkannt ich plötzlich, dass das, was mir evangelikale Theologen seit frühester Jugend eingetrichtert hatten, grundfalsch war. Man hatte mir gesagt, alle Bibelworte wären vollkommen und fehlerlos. Alle Autoren der Bibel würden so denken. Und wer daran zweifelte, wäre ein Feind Gottes, ein Bundesgenosse des Satans, der alten Schlange, die im Paradies den Adam zum Zweifel an Gottes Wort verführt hatte mit den Worten: “Sollte Gott gesagt haben...”. (1.Mose 3,1) Er wäre der Bibel untreu, wäre Gott untreu. Er käme erst recht unter den Zorn Gottes und hätte mit strengster Bestrafung zu rechnen.

An dem Text Maleachis aber konnte man erkennen: ein Autor der Bibel erklärte die Segensverheißung, die das mosaische Gesetz verkündete, für irrelevant. Und das für fromme Hardliner Schockierendste: diese eindeutige Irrelevanz entsteht nicht durch eine neue Offenbarung, die einen neuen heilsgeschichtlichen Abschnitt mit neuen Regeln einleitet. Im Gegenteil: die Irrelevanz bestand schon immer. Selbst die Gläubigen zur Zeit des Mose wären verpflichtet gewesen, das zu erkennen. Nicht einer hätte die Frau entlassen dürfen, und jeder, “in dem auch nur ein Rest heiliger Geist lebendig war“, hätte das erkannt. Auch wenn es nicht im Gesetzbuch steht. Auch wenn es sogar Widerspruch zum Wortlaut des Gesetzes steht.

Sollen wir daraus schließen, das Gottes  Buch die Bibel unzuverlässig ist? Keineswegs. Wir erkennen hier nur, wie biblische Pädagogik arbeitet, auf welche Weise Gott seine Gläubigen zu tieferem Verstehen führt.

Der Segnungstext des Moses wird dadurch nicht etwa zu Abfall, sodass wir das Recht hätten, ihn aus der Bibel herauszureißen. Nein, Gott hat ihn mit einer bestimmten Absicht gegeben, um uns wichtige Erkenntnisse zu vermitteln. Er zeigt uns dadurch, wie sein Buch angewendet werden soll.

Was erkennen wir? Erst einmal: wir müssen viel sorgfältiger danach fragen, wie die Bibel sich selber sieht. Tun wir das, so erkennen wir: Gott verwendet in seinem Buch Texte unterschiedlicher Qualität. Texte geringerer Qualität müssen im Lichte höherwertiger Texte beurteilt werden. Der Maßstab für die Wertigkeit ist die Liebe. Eben weil es liebevoller ist, was wir von Maleachi lernen, hat er die maßgebliche Autorität und nicht die Scheidungserlaubnis des Mose. Gott gibt dem Gläubigen, der liebt, tatsächlich die Autorität, die Wertigkeit, die Rangfolge von Bibelworten zu bestimmen. Die bibeltreuen Theologen hatten mich gelehrt, das wäre eine schwere Sünde, denn wer das tue, stelle sich und seinen Verstand über die Schrift. Maleachi indes fordert uns auf, genau das zu tun. Allerdings nicht aus intellektueller Eitelkeit, sondern aus Liebe. Um geistliches Urteilsvermögen zu üben. Verstehen wir die Segensverheißung des Mose als korrekturbedürftigen Übungstext, so wird er unversehens zum inspirierten Text.

Denn jede Schrift, die von Gott eingegeben ist, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit...” (2.Tim 3,16) Dient es der Besserung und der Erziehung in der Gerechtigkeit, wenn der Gläubige seine Frau im Stich lässt und dennoch auf göttlichen Segen hofft? Natürlich nicht! Nur indem wir den mosaischen Text mit Hilfe der Liebe korrigieren, wird er nützlich. Wir erkennen etwas Wichtiges über Glaubwürdigkeit, über die Liebe und über den Buchstaben des Gesetzes. Wir haben ein besseres Verständnis dessen gewonnen, was gut, wahr und lieb ist.

Über das Recht des Gläubigen, Bibelworte zu beurteilen, zu sprechen, ist in der traditionell-“bibeltreuen” Theologie tabu. So weiß kaum jemand in den Gemeinden kaum jemand, was Paulus über dieses Recht des Gläubigen schreibt:

9 Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes. 11 Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes. 12 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. 13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. 14 Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. 15 Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und sein Urteil wird der Kritik anderer standhalten. 16 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen«? (Jesaja 40,13) Wir aber haben Christi Sinn.” (1.Kor 2,9-16)

Eine gute Hilfe zum Urteilen gibt uns Jesus, indem er uns mitteilt, was für ihn die “wichtigsten Gebote” sind:

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr … lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und die Verlässlichkeit!” (Matth23,23)

Hier werden sie angesprochen, die Schriftgelehrten, die Theologen, die auf ihre Rechtgläubigkeit pochen, aber die wirklich wichtigen Gebote eben nicht als absolut verbindlichen Maßstab beachten, der auch für alle anderen Bibelworte gültig ist, sondern den Gläubigen mit sich widersprechenden Aussagen in der Bibel und mit dem “tötenden” Buchstaben (2.Kor 3,6) allein lassen.

Mit eben diesem entscheidenden Orientierungspunkt, den Matth. 23,23 nennt, befasst sich diese Webseite, weshalb sie auch die Webadresse “matth2323.de” erhalten hat.

Durch Maleachi und Jesus lernen wir Entscheidendes:

Glaubensfreude und Gottvertrauen brauchen eine bessere Art des Verstehens als sie aus dem bloßen Buchstaben biblischer Texte hervorgeht. Hat man nur den Buchstaben, so geht man kaputt.

Auch wenn es systemwütigen Theologen nicht schmeckt, so hat Gott sich doch die Freiheit vorbehalten, nach seinem Ermessen auch minderwertige, irreführende und verunsichernde Texte in sein heiliges Wort aufzunehmen und seinen Kindern dadurch die Chance zu geben, daran geistliches Urteilsvermögen zu trainieren.

Der Gläubige ist gut beraten, wenn er sich Gewissheit nicht durch Denkverbote,  gedankenloses Nachplappern und feige Anpassung an die Erwartungen anderer beschafft, sondern wenn er die Bibel in Demut so annimmt, wie Gott sie gemacht hat, als ein Werkzeug, das der Befreiung von Knechtschaft dient, erst recht der Befreiung von religiösen Zwängen und der Vergewaltigung des Gewissens.

Auf diese Weise lernte ich immer besser meine religiösen Zwänge abbauen. Meine Gedanken wurden zusehens gesund und frei von seelischer Erpressung. Die tröstlichen Worte der BIbel hatten wieder die Autorität, die ihnen zukommt, und wurden nicht länger durch andere Bibelworte relativiert. Im Rückblick kommt mir immer wieder der Gedanke: die schöne Lebenszeit. Wie konnte ich mich nur so betrügen und manipulieren lassen!

Natürlich wollte ich auch nun auch gerne evangelikale Theologen und Pastoren an dieser Befreiung teilhaben lassen. Warum sollten sich andere Christen ähnlich wie ich so viele Jahre noch sinnlos herumquälen? Diese Entdeckung musste doch bekannt werden.

Doch leider hatte meine Bemühung negativste Reaktionen zur Folge. Dass Maleachi das mosaische Gesetz kritisiert hatte, wollte kaum jemand hören. Denn eines ist auch wahr: wenn der Prophet Maleachi Gott treu war und das mosaische Gesetz richtig deutete, dann ist die traditionell-bibeltreue Theologie selbst Bibelkritik, indem sie klar beweisbare Eigenschaften der Heiligen Schrift bestreitet.

Wie sieht die heilige Schrift sich selbst? Mit dieser Frage befasst sich unsere Webseite gründlich. Es ist keine einfache Frage. Viele Eigenarten der Bibel, ja selbst etliche Bibeltexte sind schlicht unbekannt, weil sie nicht in das traditionelle Schema passen. Weil wir wissen, wie leicht man sich in seinen Ansichten festfahren kann, haben wir uns verpflichtet, jede Korrektur zu veröffentlichen, die uns zugesandt wird. Denn in der christlichen Gemeinde ist niemand unfehlbar, sondern wir alle brauchen Korrektur. Allerdings auf der Grundlage sorgfältiger Schriftbeobachtung.

An der Reaktion “bibeltreuer” Theologen hat sich allerdings nicht viel geändert. Man ist völlig darauf fixiert, weltliche Bibelkritik mit fleischlichen Mitteln abzuwehren.  Um ja nur keinen Einfluss zu verlieren, verführt man die Gläubigen zu einer fleischlichen Version von Glaubensgewissheit, die durch Abschottung, Einschüchterung und Denkverbote gestützt werden muss.

Auf meine Briefe und Anfrage reagierte man in der Regel wütend oder gar nicht. Immer wieder erkannte ich: man hatte schlicht und einfach keine Gegenargumente. Einige dieser traurigen Reaktionen habe ich – ohne Namensnennung – unter dem Menüblock “Der Griff ins Klo – fragwürdige Reaktionen der frommen Meinungsmacher” veröffentlicht. Die frommen Meinungsmacher haben ihre Gemeinden und Blogs so im Griff, dass man immer wieder den gewaltigen Druck spürt, mit dem Gläubige zur Anpassung gezwungen werden. Kaum jemand wagt, aus der Reihe zu tanzen.

So ist das selbstbewusste rechtgläubige Schriftgelehrtentum leider der Feind der frohen Botschaft geblieben, ohne es so recht zu merken. Auch wenn es viele gute Werke aufzuweisen hat. Auch wenn es immerfort von Jesus, von Freude im Glauben und von Freiheit redet. Seelisch Geschädigte verlassen leise und unbemerkt die Gemeinde. Wen interessiert das, solange nur genug neue Mitglieder angeworben werden können!

 

 




Laetitia – ich habe wieder Mut zum Glauben gefunden

Guten Tag,

vielleicht schaffe ich es demnächst, mich ausführlicher zu äußern, aber ich möchte jetzt schon einen Dank aussprechen.

Ich habe Ihre Seite gestern entdeckt und seitdem sehr viel gelesen und das erste mal seit Ewigkeiten beginnen sich meine Ängste zu lindern.

Ich hatte mich weit von Gott entfernt, weil der Gedanke an eine “Pauschal-Folter Hölle” für “alle anderen” mich immer weiter fertig gemacht hat.

Dann bekam ich traumatisch panische Zustände, weil ich durch das Entfernen von Gott und Jesus (bis hin zur Unfähigkeit des Glaubens) selber die Überzeugung bekam, in die Hölle zu kommen – wohl ähnlich wie bei Luther.

ich habe nun das erste mal wieder Mut, Gott ohne Angst näher zu kommen.

vielen Dank für Ihren Internetauftritt.

liebe Grüße,

Laetitia

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Schwester M.: Warum hab ich soviel Schuldgefühle?

Ich muss sehr an mir arbeiten, weil all zu viel Zeit werde ich wohl nicht mehr haben. Das weiß man zum Glück nicht aber man spürt so Sachen, die einen ermahnen, achtsam zu sein.

 Ja, bitte, ich möchte gern anonym bleiben. Was ich unter den Bibel-Kanälen von streng Gläubigen, und hier hauptsächlich von den Adventisten, zu hören bekam auf gelegentliche Fragen, war schlimmer als die schlimmsten Sachen aus dem Alten Testament.
Obwohl unser Herr Jesus sich oft auf das AT beruft … wenn ich Gott so lieben “muss” (danke, dass Sie auch dieses “Muss” angesprochen haben … es ist nicht unproblematisch), wie Er es fordert (“Ich bin ein eifernder Gott und beanspruche ungeteilte Liebe”), dann sollte ich mich mehr an das NT halten.

Obwohl auch Jesu Worte in der Bergpredigt beunruhigend klingen. Z.B. dass man sich das Auge ausreißen soll, wenn es einen zur Sünde verleitet oder die Hand abhacken aus demselben Grund. So oft, wie Versuchungen den Lebensweg des Menschen kreuzen, kann man sich unmöglich einen Körperteil abhacken oder sonstwie entfernen, weil dann ist bald nichts mehr übrig. Hoffentlich ist dieser Satz keine Gotteslästerung. Es liegt mir fern, Gott lästern zu wollen.

Ich war als Schülerin einer kathol. Klosterschule ein im Glauben eifriges Kind, von Gott und vor allem  von Jesus hoch begeistert und voll Bewunderung … mit dem Erwachsenwerden hat sich das leider geändert, weil ich als Jugendliche arge Gesundheitsprobleme bekam, und das in den 70ern, als nur von der “Erfolgsgeneration” gesprochen wurde. Ca. Mitte der 60er setzte die große Abkehr von Gott ein, also ganz allgemein. 

 
Nochmals zurück zur Versuchung: Man muss ihr ja nicht nachgeben. Wie oft wird man von etwas versucht, selbst ich als 69jährige spüre noch Versuchungen. Keine großen Missetaten aber z.B. Kauf von irgendeinem Blödsinn, dessen Preis ich lieber jemandem hätte spenden sollen, der schlechter dran ist als ich. Ich habe allerdings selbst nicht viel und verbringe fast die ganze Zeit zuhause, so kaufe ich mir halt viele Bücher und allerhand  netten Kram zum Aufstellen in der Wohnung
… auch das verursacht mir Gewissensbisse.
Jetzt brauche ich schon mehr Medikamente als sonst was und mir ist bewusst, dass ich nichts mitnehmen kann.
Aber eine sehr wichtige Frage habe ich an Sie; nämlich, warum ich bei Ihnen bis jetzt noch keine Erwähnung unseres größten Feindes, also von Gottes Widersacher gefunden habe. ABER ich habe ja erst einige Themen in Ihrem
Forum gelesen.
Bitte entschuldigen Sie mein Endlos-Geschwätz … ich bin sehr allein, jetzt während der Pandemie erst recht.
Weiterhin viel Erfolg bei Ihrer sehr notwendigen Aufklärung und herzliche Grüße



An Schwester M: die Trennung war sinnvoll

Liebe Frau M.,
es freut mich, dass Sie erkennen können, dass im Katholizismus doch eine ganze Menge Irrtümer stecken. Doch wo steht in der Bibel, dass man Adventist werden muss, um gerettet zu werden? Wo steht in der Bibel, dass man das Gesetz einhalten muss, um gerecht zu werden? Der Galaterbrief sagt das Gegenteil: “Ihr habt Christus verloren, die ihr durch die Erfüllung des Gesetzes gerecht werden wollt.” (Gal 5,4). Die Worte der Bibel sind dazu da, uns Impulse zur Liebe zu geben. Dafür müssen wir offen sein, dann kann Gott uns zeigen, was uns und anderen zum Segen ist. Seelische Erpressung ist immer vom Übel und schadet nur. Deshalb haben Sie vernünftig entschieden, wenn sie sich von Menschen trennen, die zuviel Druck ausüben und der Seele nicht guttun.
Alles Liebe weiterhin
Bruder Benignus



M. : meine Freundin droht mir mit der Hölle

In einer schlaflosen Nacht lese ich Ihre drei Briefe an jemanden, der Ihnen zu wohl sehr wichtigen Themen ständig widerspricht. Aber das ist nicht das Thema, das mich jetzt beunruhigt sondern: In einer Ihrer Antworten steht der Satz: “Luthers fromme Zeitgenossen hatten auch jede Menge Sicherheitsgefühle und Selbstbewusstsein – auf katholisch-wurmstichigem Schrottfundament.” – Als Katholikin erfuhr ich am späten Lebensabend, dass der Katholizismus eine Irrelehre ist … und beim Lesen der Bibel (leider nicht im Kontext u. lange nicht die ganze B.) musste ich erkennen, dass die katholischen Lehren wirklich haarsträubend Bibel-widrig sind. – Außerdem habe ich seit ca. 2 Jahren eine Freundin (?), die Adventistin ist u. sich mit mir nur angefreundet hat, um mich vor der Hölle zu retten. Ist ja gut gemeint. Ich müsste meinen Glauben unbedingt ablegen, mich nochmals wie die ersten Christen taufen lassen (geht kaum; ich habe ein Leiden, das mir Untertauchen im Wasser sehr erschwert) u. jede Menge anderer Vorschriften. Sie hält sich streng an die den 10 Geboten untergeordneten jüdischen (?) Regeln, es sind über 600 … hält sich selbst nicht an das Gebot der “keuschen Kleidung”. (Sie ist jung und sehr hübsch.) – Und ich bin verloren, weil ich Katholikin bin? – Gut, ich habe auch trotz Alter und Krankheit noch immer viele Sünden und muss kämpfen, um sie los zu werden. Aber muss ich deshalb Adventistin werden? – Falls SIE Adventist sind, dann BITTE fassen Sie meine Frage nicht als Beleidigung auf. Ich bin sehr unglücklich. Die junge Frau und ich sprechen gar nicht mehr miteinander; ich habe ihre Ermahnungen satt, obwohl sie ja Recht haben könnte trotz ihres Super-Minirocks. Sie hat mich bereits als “zwei Göttern dienend und der Finsternis verfallen” bezeichnet, worauf ich die Freundschaft im Guten beendet habe, weil sie mir Depressionen verursacht hat. – Freundliche Grüße von Schwester M.