Andachten (September)

1. September.

Luk 8, 5: . . . und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf.

Damit sie keine Entschuldigung haben, als sei ihnen die Pforte nicht aufgetan, wird auch den hartgetretenen Wegherzen noch ein Mal das Wort an die Seele gebracht, daß sie drüber stutzig werden müssen. Noch ein Mal neigt sich der offene Himmel ihnen zu, — aus alter Zeit weht ein schier vergessener Ton herüber und das Herz spürt das Wehen des werbenden Geistes Gottes. Aber die Füße der Laster und Sündengewohnheiten treten wieder hart und schwer auf die zarten Regungen und der Wille ist nicht stark genug den Kampf  aufzunehmen. Dazu kommen dann noch die losen Vögel, die alten Kameraden, die ihr Lebtag unter dem Himmel bleiben und weder selbst hineinkommen, noch andere hineinlassen möchten, und picken mit frechem Spotten und Lachen wieder alles weg, was noch keimkräftig war liegen geblieben. Die Ewigkeit wird es einst offenbar machen, was dieses Weltlachen eine mörderische Waffe in Satans Hand gewesen ist und wieviel Aussichten und Aussaaten des Himmelreichs es zerstört hat. Es muß Ärgernis kommen, hat der Herr gesagt, aber wehe dem, durch den es kommt, der durch sein Höhnen und Spotten den guten Samen des Wortes Gottes verdirbt und zertritt! Was wird sein Los und Lohn sein in der Ewigkeit? Wir aber wollen beten, daß der Herr uns bewahre, damit wir nie und durch nichts einen Keim für`s Himmelreich verderben!

Ja, wir bitten dich, Herr Jesu, nimm uns in solche freundliche, treuliche Leitung und Pflege, daß wir allezeit bereit seien, dein Licht leuchten zu lassen und keiner erwachenden Seele durch unser Wort und Wandel schaden! Herr, erlöse uns von Blutschulden! Amen.

 

 

 

2. September.

Luk 7,40: Jesus sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen.

Wir sprechen viel, auch ohne daß wir etwas Wirkliches, Wertvolles zu sagen haben; wenn aber Jesus sich so zu einem Menschen naht, dann ist’s Ernst. Achtest du beim Hören des Wortes Gottes, beim Bibellesen oder Beten auf diese geheime Anregung des Geistes: »Ich habe dir etwas zu sagen« — dann wird auch etwas dabei herauskommen, dann wirst du auch etwas erleben. Gewöhnlich wird unser Gewissen darauf achten müssen, ja es wird das Ohr sein, die Stätte, wo der Herr etwas klar macht und wohl dem Menschen, der Zugänge in seinem Herzen hat für des Herrn Winke. Da werden wir gestraft oder getröstet, aufmerksam gemacht auf Fehler und Schwächen, die wir viel gleichgültiger mitschleppten, als den Staub der Straße, oder wir werden auf Wünsche unseres erhöhten Herrn hingewiesen, die nicht länger unbeachtet bleiben dürfen, wenn nicht wir selbst oder seine Sache in Andern Schaden leiden sollen. Wer solches heimliche Sagen überhört oder gering achtet, hat sich manches Mal schon schwere Züchtigungen und harte Schläge zugezogen. Wir hätten’s leichter, unseres Gottes Willen geschähe schneller und besser und sein Wohlgefallen würde wie Sonnenschein auf unserem Leben liegen, wenn wir schärfer drauf achten wollten, wenn Jesus zu uns spricht, es sei durch wen es wolle: Simon,  ich habe dir etwas zu sagen!

Rede, Herr, dein Knecht höret! Rede, damit ich weiß, was ich soll reden, damit ich recht beten kann! Rede, damit ich lerne zu reden, was dir gefällt! Herr, sage alles, was du mir zu sagen hast, damit ich hier gezüchtigt und gründlich gereinigt werde!
Amen.

 

 

3. September.

2. Korinther 3, 8: Gott kann machen, daß allerlei Gnade unter euch reichlich sei.

Wie er es macht, daß allerlei Gnade unter uns reichlich sei -— das ist seine Sache, aber er kann’s machen. Ob ein heimliches treueres Beten der Kinder Gottes einen offenbaren  Segen auf eine Gegend herabruft, ob die Verkündigung des Wortes in anderer Form als bisher auch andere Früchte erzielt, -— oder ob er uns durch Trübsal und Demütigung sichtet und såubert, daß wir uns ihm völlizger und williger hingeben: immer ist er der Geber der mancherlei; Gnaden. Darum ist es falsch, wenn die Gläubigen sich an die Person eines Pastors oder sonst geistlichen Führers hängen, als könnten sie nur durch ihn in der Gnade gefördert werden. Dadurch schaden sie sich und ihm. Ebenso falsch ist es zu meinen, dieser oder jener Verkündiger des Wortes sei-zu unbegabt oder unangenehm, als daß Gott durch ihn seine Gnade vermehren könnte. Wenn Gott doch der Gebet ist, dann suchet sein Angesicht mit ganzem Ernst und mit Gehorsam gegen seine Winke; dann wird er euch durch jedes Buch oder Blättlein, durch einen Bibelspruch, den ein Kind aufsagt, oder des Vögleins Lied im Gezweig segnen können; wie viel mehr durch einen Menschen, der selbst auf den Knieen die Gaben des Geistes sucht, damit er euch erbauen möchte! Was für Riegel möchte man noch alle wegschieben, damit die Gnade reichlich unter uns wirken könne!

Von dir, Herr unser Gott, kommt alle gute und vollkommene Gabe; da bitten »wir, dich um die guten Gaben deiner Gnade für uns, unser Haus, unsere Gemeinschaft, ja für dein ganzes Haus auf Erden! Herr, gib uns Leben zum Leben, Gaben zum Geben, Liebe zum Lieben! Amen.

 

 

4. September.

Phil 1,10: Daß ihr prüfen möget, was das Beste sei.

Für den Heiland ist das Beste, was wir wählen, tun und leisten können, gerade gut genug. Es bleibt daran Immer so viel Unvollkommenheit, so viel Erdgeruch und Erdgeschmack, daß er den rechten Duft und den wahren Schimmer unserm wertlosen Getue erst hinzufügen muß, wenn die Sache so viel Wert bekommen soll, dass es im Schaufenster der Ewigkeit als eine Frucht des Christenlebens prangen soll. Wenn wir gleichgültig und nachlässig, bei der Prüfung sind, wenn wir so schnell befriedigt sind von dem geringsten Wert unserer Hingabe und Verleugnung, so wird nur minderwertige Ware auf.den Markt gebracht. Dadurch leidet Jesu Sache hier in der Welt. Dadurch wird Jesus aber auch in der unsichtbaren Welt bloßgestellt, daß seine Leute so jämmerliche Arbeit leisten und Satan kann spotten: Also so sehen die Früchte deiner Geretteten aus! Mehr hat all die Aufwendung deines Blutes und deines Geistes, die Verschwendung deines Segens an diese deine Leute nicht zu Wege bringen können? Aber wir selbst leiden dadurch am meisten. Denn die Zuflüsse des Geistes, die Gaben an himmlischem Betriebskapital, ie Gebetserhörungen und Erlebnisse hören auf und man kann im Himmel nicht mehr mit uns rechnen. Ach, da wolle wir doch anfangen, gIeIch heute damit Ernst zu machen, mit Gebet zu forschen, was in jedem Fall für unseres Königs Sache das Beste, Größte, Schönste sei!

Lieber Heiland, der du dich selbst ohne Fehl als den Besten geopfert hast, reiche auch uns dar die Erkenntnis deines Urteils, daß wir wissen, was du Von Fall zu Fall wählen und tun würdest! Herr, erbarme dich Unser! Amen.

 

 

5. September.

Apostelgesch. 18, 9: . . Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht.

Offenbar hatte Paulus also vor dieser Stärkung seines Glaubens in Korinth sowohl sich gefürchtet, als auch geschwiegen. Mag die Erfahrung kurz vorher in Athen, mag die lange Kette der Kämpfe und Leiden, die sein mutiges Bekenntnis ihm stets gebracht, ihn mürbe und müde gemacht haben, — auf alle Fälle sehen wir hier, daß der größte Christ, den wir kennen, auch mal sich fürchtet und auch mal aus Furcht schweigt. Die Zündschnur, damit er die gewaltigsten Sprengungen in der Geisteswelt zum Ausbruch brachte, glimmt nur noch matt in seiner Hand; soll dieses Rüstzeug schwach und stumpf werden? Wenn schwach werden, wenn eine Zeit tiefen Druckes, starrer Hemmung, echt menschlich ist, dann dürfen wir dergleichen auch an uns nicht beargwöhnen. Aber echt göttlich ist es, gerade nach solchen Zeiten der Dürre, einen neuen gewaltigen Anfang mitten in der menschlichen Ohnmacht zu setzen, wie es hier in Korinth durch dieses Gesicht geschah. Denn kaum gibt Paulus diesem Befehl nach, da bricht in dieser Stadt ein Erntesegen hervor, der kaum seinesgleichen hat. Sollten wir uns nicht an solchem Beispiel aufrichten und trösten lassen, wenn unsere Freudigkeit, den Herrn zu bekennen, noch so arg gelitten hätte! Schweigen können wir auf die Dauer doch nicht von unserem Heiland, — wir können’s nicht lassen! — nun, dann ist genug getrauert! Jetzt nimm dich zusammen und steig’ in Kraft empor!

Jesus, du bist unser neuer Antrieb! Mach einen neuen Anfang in uns allen und führe deine müden  Truppen mit neuer Begeisterung in die Schlacht, damit wir doch endlich  gewinnen und den Sieg behalten! Amen.

 

 

 

6. September

Luk 8,6: Und etliches fiel auf den Fels und da es ausging, verdorrte es, darum, daß es nicht Saft hatte.

Oberflächlich! Welch hartes Urteil über eine irdische Arbeit, einen menschlichen Charakter; — wie schwer aber wiegt das Urteil erst, wenn der Herr es über unser Glaubensleben fällen muß! Schnell gerührt,  schnell verführt! Schnell entschlossen, schnell verdrossen! Hast du nicht Angst, daß du den Fels noch mit dir herumschleppst und daß all dein inneres Erleben schrecklich äußerlich, an der dünnen Kruste deines weichen Gefühls sitzt, während dein eigentliches Sehnen und Trachten, der Kern noch heute der undurchläßliche Fels der alten ungebrochenen Natur ist? Wer Grund hat, das zu fürchten, sollte sich von seinen augenblicklichen Stimmungen und Gefühlen nicht mehr betrügen lassen; nein, der wende sich von seinem Gefühl mit derselben Scheu ab, wie der Trinker, der gerettet werden will, sich vom gefährlichen Getrånk abkehrt. Nur kein Gefühlsrausch mehr, sondern bei allem in die Tiefe! Die Willensrichtung muss Jesu gehören,die Herzensübergabe muß zur zweiten Natur werden. An keinem Punkt darfst du ausbiegen, wenn das Gericht des Wortes dich unbarmherzig! (und doch voll der größten Barmherzigkeit, — der Barmherzigkeit mit der Seele!) bis in’s Mark treffen will und dir aufdeckt die verborgenen Falten deines ungöttlichen Sinnes. Fertig kann der Herr mit dem alten Felsen in deinem Herzen nur werden, wenn du selbst auch ihn los werden willst und gern Raum schaffst für das Neue, was Jesus in dir zu Stande bringen will.

Darum bitten wir dich, du Herzenskündiger, erforsche unser Herz und verheimliche uns« nicht, was du dabei gesunden! Reinige uns von uns selbst und fülle uns die Seele mit deiner Liebe, deiner Art! Amen.

 

 

7. September.

Phil. 2, 5: Ein jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war.

Das erste Echo, das diese Forderung in jedem ehrlichen Christenherzen wach ruft, muß wohl sein: Das ist unmöglich! Nie werde ich so demütig, so selbstlos, so gehorsam, so rein werden wie er! Bei Menschen ist es unmöglich, – bei Gott ist kein Ding unmöglich. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Mach dir erst klar, worauf diese Mahnung abzielt! Auf die Gesinnung, auf die Herzensrichtung. Wäre die Tat gemeint, die vollendete Handlung; dann wäre jede weitere Erörterung überflüssig; denn so wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Aber es ist die Richtung gemeint, die unsere Gedanken, unser Wille immer wieder einschlagen, jene demütige, selbstlose, sich aufopfernde, der Andern Seelen suchende Retterliebe. Sollte die neue Kreatur, die Art des Geistes Christi aus uns Selbstsüchtigen (,,Sie suchen alle das Ihre!”) nicht solche Herzen machen können, deren brennendster Punkt diese Liebe ist? Ich meine die Geschichte des Christentums zeige uns solche Beispiele: Paulus und Johannes, Bernhard von Clairvaux und Franziskus von Assisi, Franke und Zinzendorf und viele, sehr viele weniger berühmte Namen unter Jesu Dienern. Doch es kommt darauf an, ob dein und mein Name sich auch auf dieser Liste befindet, die man im Himmel führt, und wo drüber steht: ,,Helden der Retterliebe«

O Herr, wir demütigen uns in den Staub über unsere Selbstsucht und Lauheit. Schaffe in uns ein neues Herz, das deinem Heilandsherzen ähnlich werde! Wir sehnen uns in dein Bild verklärt zu werden! Amen.

 

 

8. September.

Phil. 2,21: Denn sie suchen alle das Ihre, nicht das Christi Jesu ist.

Mit diesem harten Urteil hat Paulus zwischen den Wenigen ganz getreuen hingebungsvollen Arbeitern im Reich Gottes und der Mehrzahl der Andern eine tiefe Kluft gerissen. Also damals schon? Daß es heute so ist, daß weitaus die Meisten ihre Ehre, ihr Ansehen, ihren Vorteil oder das Durchdrücken ihrer  Persönlichkeit suchen, das wußten wir lange; denn wie oft ertappten wir uns selbst, daß, wir angesteckt waren von der Luft der 5elbstsucht um uns her, und wie schwer war es uns, den untersten Weg zu gehen und auf Anerkennung und Karriere zu verzichten! Sollte das nicht in den meisten Fällen der Hauptgrund unseres Mißerfolges sein, wenn wir klagen: So wenig Frucht! Aber was für ein Interesse könnte der Herr daran haben, uns zur Mästung unserer Eigenliebe Segen und Geist von Oben zu schenken? Das wäre ja gerade Gift für unsere Seelen. Wie neidisch waren wir oft, wenn ein deutlicher Segen von einem Andern ausging, – wie lau war unsere Fiirbitte für den Bruder: Herr, setze ihn zum Segen! Wirke durch ihn! wenn wir sie vergleichen mit der Wärme, damit wir um Segen für unsere Arbeit baten! Jedenfalls bleibt dieser Spruch für jeden gläubigen Christen, der gern an Andern arbeiten will,. ein Buß- und Beichttext erster Ordnung und es wäre gut, wenn wir uns häufig in diesem Spiegel betrachteten. Heiland und Hoherpriester, du bist der Versöhner aller deiner Diener! Entsündige uns! Nimm uns das selbstsüchtige, ehrsüchtige Herz und mach uns liebend los von unserer Eigenliebe! Amen.

 

 

9. September.

Phil. 2,27:. . . auf daß ich nicht eine Traurigkeit über die andre hätte.

Das klingt auf den ersten Blick bei einem Manne .der Arbeit und des Segens, des Gebets und der Kraft, wie Paulus doch einer war, schier verblüffend. Jst das nicht beinahe verzweifelt? Also fast nur ein Wechsel von Traurigkeiten. Ja, aber nur fast! Gerade, weil das so aussieht, hat er Tröstungen. Der Kranz ist aus Stachelzweigen gewunden, die sind immergrün Und dauern aus! Aber hin und her im Kranz folgt doch wieder als Abwechselung und Erfrischung eine Rose von Saron, oder ein Vergißmeinnicht der treuen Gotteshilfe, oder eine Lilie aus dem oberen Heiligtum! Dafür sorgt schon der Herr, daß seine Leute. nicht eine Traurigkeit über die andere haben! Er weiß, wie sehr sie Traurigkeit zu ihrem inneren Wachstum bedürfen und wie sehr sie in Folge der Traurigkeit schmachten nach hellen Lichtpunkten seiner beseligenden Nähe. Wann und wie die Sonne aus Wolken brechend ihr traurig Herz erfreuen soll, das hat er seiner Weisheit vorbehalten; bisweilen sind die dunkelgrünen Zwischenräume länger, bisweilen kürzer, – immer hat er Recht! Als die Traurigen, auf denen aller  Welt Weh lastet, und doch allezeit fröhlich, weil der Trost so nahe ist, daß man im Glauben ihn nehmen kann, sobald man ihn wirklich braucht, — so wandeln wir dahin, jetzt mit Tränen säend, um einst mit vollendeter Freude ernten zu können im ewigen Licht!

Preis sei dir, du Vater des Trostes, daß du dich unser annimmst und stets zu rechter Zeit dafür sorgst, daß uns kein wirklicher Trost mangelt, wenn wir es bedürfen! Mach uns stark, Traurigkeit zu tragen um deinetwillen! Amen.

 

 

10. September

Phil. 2, 12-13: Schaffet, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch wirket, beides das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Die erste Mahnung wäre ohne die darauffolgende Verheißung ein schweres, hartes Wort; — darum tuts mir auch weh, daß es so oft von dem Nachsatz losgerissen und dann damit um sich geworfen wird. Was würde unsere Anstrengung, wörtlich: unser Bewirken unserer Seligkeit für einen Sinn haben, wenn nicht der Herr mit einer Gnade und Kraft die eigentliche Sache machen würde ? Jetzt ist’s so: in uns muss es ein Anliegen mit Furcht und Zittern sein, daß wir unsern Gott nicht beleidigen, unsere Seligkeit nicht aufs Spiel setzen, unserem Gott nicht weglaufen, ihn nicht hindern in seinem Werke, denn auf dieses sein Werk, das er in Wollen und Vollbringen in uns treibt, kommt alles an. Er tuts, — wir müssen’s nur inbrünstig haben wollen; — er reicht dar, was Not tut, wir müssen’s wichtig nehmen; es so zu brauchen wie er`s ausgibt. Er strömt uns seinen Geist zu, wir müssen uns ihm hingeben, daß nichts in uns mehr ihm. widerstrebe. Das rechte Wollen kam von ihm; — wer es erkannt hat und sich nun betend und treulich darnach streckt, das Gewollte zu tun, der erlebt dann auch die Hilfe Gottes beim Vollbringen. Ohne ihn sind wir nichts und würden trotz aller unserer Furcht und trotz alles unseres Zitterns nur unsere ewige Verdammnis bewirken· Geben wir uns ihm hin ganz und gar! Dann erleben wir sein Tun in uns!

Das wollen wir, lieber Vater im Himmel! Stärke uns den Willen, heilige uns durch und durch, damit deine Art, etwas auch ganz zu vollbringen, an uns offenbar werden könne zu deiner Ehre! Amen.

 

 

11. September.

Joh 3,6: Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch und was vom Geist geboten wird, das ist Geist.

Es ist gar nichts zu machen, alles eigene Zappeln und Großwerden wollen hat gar keinen Erfolg, — man kann sich nicht verstellen! Durch eigene  Anstrengung wird kein Fisch zum Vogel und kein Sperling zur Lerche! Was rein natürlich vom Fleisch herstammt, modelt sich nicht durch Bravheit und Biederkeit allmählich zum Geistesmenschen um und wer an , einen solchen Geistessieg glaubt, der im Lauf seines Erdenlebens durch eigene Leistungen und Anstrengungen allmählich die Fleisches-Art überstrahlt, der kann stolz sein auf seinen Glauben; denn solchen Unsinn glauben kann nicht jeder. Nein, es muß ein Erlebnis des heiligen Geistes vom Himmel her kommen, daß das alte Wesen gerichtet wird, der Wille umgewandelt wird und eine neue Art und Lebensrichtung anfängt im Geist und durch den Geist. Wenn das auch eine freie Gottesgabe ist, so kann der Mensch sich dagegen doch hindernd und störend verrhalten; – nur selbst schaffen kann er sich das nicht. Wie unangenehm scheidet das zwischen den Hörern des Wortes Gottes, zwischen Gliedern einer Familie! Die Einen sind nur vom Fleisch geboren, und die Andern vom Geist. Wie werden die zweiten die Ersten zu tragen wissen mit Liebe und Geduld! Wie werden sie ihre himmlisch-hohe Geburt erweisen durch Werk und Wort und Wesen, damit die Andern womöglich auch sehnsüchtig ausschauen Iernen nach dem Geist, der sie erneut in Jesu Bild! Den Aufrichtigen läßt es der Herr gelingen.

Wir danken dir, Herr Gott, himmlisches: Vater, daß du uns versetzt hast in das Reich deines lieben Sohnes und bitten dich, lehre uns im Geiste auch wandel und die Werke des Geistes vollbringen zu deiner Ehre! Amen.

 

 

12. September

1. Mose 22, 7: Abrahatn antwortete: Hier bin ich.

Wenn man aufmerksam die rührende Geschichte durchliest, findet man dreimal Abrahams Antwort: ,,Hier bin ich« — an hervorragender Stelle. Zuerst ruft ihn Gott, um ihm den entsetzlich schweren Auftrag. zu geben und Abraham weiß noch nicht, um was es sich handelt, als er das erste Mal seine Bereitwilligkeit mit diesem Satz andeutet. Sind wir auf alle Fälle für Gott da? — Einerlei,was später kommen mag, willst du doch sagen: Hier bin ich? Dann, als ers mit innerem Jammer wortlos nebeni dem geliebten Sohne hergeht, und der Knabe ahnend, bange fragen will, wer da geopfert werden soll, muß er antworten: Hier bin ich. Ich kann nicht mehr entfliehen, — ich muß in der Pein der Seele aushalten, — das Werk, fortsetzen! Er hätte sich jetzt am liebsten weit weg gewünscht, aber er muß da sein und das Furchtbare weiter sich vollziehen lassen mit vollem Bewußtsein. Wer diese beiden Proben bestanden hat, dem wird das dritte Mal aus dem Himmel noch der Ruf gegönnt: Abraham, Abraham! und er darf jetzt, wo die Hilfe dicht vor der Tür ist, aufatmend sagen: Hier bin ich. Können wir nicht in dieses dreimalige Angerufenwerden und Antworten die Geschichte so mancher schweren geistlichen Anfechtung hineinlegen? Wohl uns wenn der Herr uns stets so bereit findet, zu sprechen: Hier bin ich! Dann wird der Ertrag auch immer Segen sein!

Herr, du versuchst uns nicht über unser Vermögen! Wenn du uns, aber rufst, dann hilf uns, dir ganz zu vertrauen, uns ganz zu übergeben und auf alle Fälle bei dir zu bleiben und auszuhalten, bis du kommst und hilfst! Amen.

 

 

13. September.

Joh. 5, 14: Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschensohn erhöhtet werden.

Der kleine Hügel Golgatha wirft den längsten Schatten! Voraus warf er ihn bis in die Weissagungen auf Christi Leiden und Tod im alten Testament, wie in’s Leben Jesu vor seinem eigentlichen Leiden. Ob nicht der Jüngling in Nazareth diesen Schatten des Kreuzes bei seiner· Arbeit sah, wenn er zwei Hölzer  zusammenfügte! Ob er nicht, wenn er die müden Hände ausstreckte, die Schattenform des Gekreuzigten an der Wand sah, wie es ein sinniger Maler darstellt. Jedenfalls wandelte er sein lebenlang im Schatten dieses heiligen und doch so schweren ,,Muß««. Aber der Schatten von Golgatha fällt noch nachher durch die Weltgeschichte! Ist er uns fühlend und erquickend, wenn uns unsere Sünden kränken, — so ist er doch auch niederdrückend, wenn wir an unserem eigenen Leben, wie an dem der Kirche Jesu immer wieder diese Kreuzform sehen und erleben müssen; Die Welt, die verloren geht, lacht und tobt im Sonnenschein augenblicklicher Lust, während dort im Kreuzesschatten die kleine Schar der Gläubigen in Schmach und Spott und Schande dem Meister ihr Kreuz nachträgt. Trotz alles Friedens, aller Freude sollen und wollen wir hienieden nicht aus diesem Kreuzesschatten heraustreten. Das bleibt unser Weg, unser Los, unser Leben, unsre Lust!

Wenn wir darin nur bei dir bleiben, Herr Jesu, wollen wir uns schon so einrichten, daß wir ohne Gunst der Welt, verkannt und verachtet deine Straße ziehen! Tröste uns mit deiner Nähe und deinem Sieg, damit wir willig unser Kreuze tragen als deine Leute!
Amen.

 

 

14. September.

1.Kor. 9, 27: Daß ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde.

Andern als Herold verkündigen, das kann geschehen, ohne daß man innerlich mit seinem eigenen Herzen beteiligt ist, ja ohne daß man selbst sich unter die verkiindigte Wahrheit beugt. Wie mancher Christ übt darum so geringe Wirkung auf seine Umgebung aus, weil sein Leben und seine Lehre so wenig zusammenstimmt. Bekenntnis Jesu auf den Lippen und Neid oder Klatschsucht, Geiz oder Ehrfucht im Herzen! Schrecklich muß das sein, wenn man sich in. den Traum eingewiegt hat, man habe doch den Herrn vor den Leuten bekannt und dabei ist man doch innerlich verwerflich geworden! Man ging als Herold im glänzenden Waffenkleid stolz und sicher innerhalb der Schranken dahin, wußte Bescheid zu geben über alle Regeln des Wettlaufs, — nur hat man sich selbst nie am Kampf und Lauf um die Krone beteiligt. Man dachte nicht daran, selbst zu laufen, selbst sich zu verleugnen, sich selbst wehe zu tun, — man begnügte sich damit, andern zu verkündigen, worauf es hier ankommt. Da prüfe sich jeder, der Jesum bekennt, ob er ein Recht zu seinen hohen Worten habe, ob er auch nur in Bezug auf sein Leibesleben, wie Paulus im Vorhergehenden andeutet, sich wirklich in Zucht nimmt, wirklich sich selbst zu verleugnen im Stande ist. Keine Täuschung ist verhängnisvoller als Selbsttäuschung im Christentum! Man irrt um den Preis seiner Seele.

Herr, mein Gott, laß mich nicht in die Irre gehen und andre irreleitenl Erforsche mich und erfahre mich, wie ich’s meine! Zerstör’ den Wahn und Heuchelschein und mach mich ehrlich gegen dich und mich selbst! Amen.

 

 

15. September.

2.Kö. 4,6:   Er sprach zu ihr: Es ist kein Gefäß mehr hier. Da stand das Öl.

Bei jenem Wunder der Ölvermehrung kam es auf den Glauben der Witwe an, wieviel Gefäße sie zusammenborgen würde. Hätte sie noch viel mehr gehabt, hätte es noch viel, viel weiter gelangt. Weil sie aber wahrscheinlich nicht auf so große Menge gerechnet hatte, hörten erst die Gefäße auf und dann auch das wunderbare Fließen des Öles. Liegt darin nicht ein Wink für uns? Je mehr wir dem Herrn zutrauen, desto mehr gibt er; je mehr wir vorher Raum schaffen für seinen Geist und seinen Segen, desto reichlicher offenbart er seine Hilfe. Immer wieder kommt er unter mancherlei Bildern und Gestalten, in Sprüchen und Gleichnissen uns zu ermuntern, mehr Gefäße fertig zu stellen für ihn, daß, wenn die Flut kommt, er sie alle fülle. Wann werden wir endlich merken auf sein wunderbares Drängen: Glaube mir mehr! Glaube mir ganz! Verlaß dich in allen Stücken auf mich! — Dann würde für manche unter uns die bitterschwere Schulstunde der Demütigung und Trübsal vielleicht mit einem Schlage aufhören und die Stunde jenes Gastmahls hätte geschlagen, da es heißt: Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde! Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein! Dem Heiland zur Ehre, uns zum großen Segen und Andern zur Glaubensstärkung, — lange mehr Gefäße her, das Öl fließt noch!

Herr, unser Gott, du reicher Vater über alle, die dich im Ernst anrufen! Stärke uns den Glauben und fülle die Hungrigen mit den Gütern deines reichen Hauses! Wir trauen auf dich! Hallelujah! Amen.

 

 

16. September

1. Mose 22, 14: . . . . auf dem Berge, da der Herr siehet.

Fast möchte man fragen, gibts auch einen Berg oder ein Tal, einen Palast oder eine Hütte, da der Herr nicht siehet? Wenn man aber die wunderschöne Geschichte von Jsaaks Opferung liest, ovon dieser Spruch der Schluß ist, erkennt man, daß es sich um die Erinnerung an das Eintreten des Herrn handelt, als Abraham schon die Hand ausgestreckt hat, um seinen Sohn zu opfern. Gibt es in deinem Leben auch solche Gedächtnisberge? Einerlei, ob’s Orte oder Zeiten, Menschen oder Sachen sind, — es muß sich doch das Gedenken der Erfahrungen seiner Nähe und Treue an etwas ketten. Und ich mag es nicht von dir glauben, daß du noch gar nichts derartiges erlebt hast, wo der Herr es nicht ließ zum Äußersten kommen, sondern griff plötzlich ein, daß du staunend und anbetend über seinem Tun niedersankst aufs Knie! Krankheiten, die uns an den Rand des Grabes brachten, — aber nur bist an den Rand! Anfechtungen, da die Wasse» der Not uns bis an die Seele gingen, — aber nur bis an die Seele! Zeiten der Verlassenheit, da wir bis auf’s Äußerste meinten gekommen zu sein, — aber bei diesem Äußersten war der Herr und ersah die Stunde zur Hilfe. Gott sei Dank, daß er siehet! Dann können wir die Augen schließen und glauben blind!  Er sieht für uns, an unserer Stelle und zwar nicht nur die Last des Augenblicks, sondern auch die nahe Hilfe!

Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen! Ja, wir loben dich und preisen deine Güte, Herr Jesu! Amen.

 

 

17. September.

Ps. 103,15:     Des Menschen Tage sind wie Gras.

Deine auch? Wird dein heutiger Tag wieder so sein? Flüchtig, nichtig, ohne Gewißheit und Gewähr des Gehalts, ohne Hauch aus der Höhe, ohne Erleben der Ewigkeit, — ohne den lebendigen Gott? Gras trägt keine Frucht, wenigstens hat der Grassame für den Menschen nicht die Bedeutung anderer Früchte. Trägt dein Leben Frucht? Was hat dein gestriger Tag für eine Frucht gebracht und was wird dein heutiger Tag bringen? Alle Frucht ist Same. Was streust du für Samen aus durch dein Leben? Ist jeder Tag ein Säemann, was hast du gestern und was wirst du heute, ihn aussäen lassen aus anderer Herz und Leben? Gras wird zuletzt abgehauen, verdorret und man kennet seine Stätte nicht mehr. Wer nicht für die Ewigkeit gelebt, wer seine Tage nicht helle gemacht hat im Blute des Lammes, was wird wohl sein Teil sein, wenn des Todes Sense kommt und mäht ihn ab? Jesus hat andere Tage gelebt als Grastage. Das waren Lichttage, Segenstage, Lebenstage für andere und ihr Segen blieb für immer.Wer etwas von solchen Jesustagen an sich erlebt hat, der soll von dann an seine Zeit Jesu hergeben, damit alle seine Erdentage Jesu Leben wiederstrahlen.

Komm, Herzensheiland und berühre uns mit deinem Lebensodem, daß wir alle Tage wieder in neuem Leben atmen und leben für dich. Segne uns diesen Tag für dich! Amen.

 

 

18. September

Klagelieder 5, 28:   Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen.

In Ungeduld sein, ist schon traurig; dabei aber noch keine Hoffnung haben, daß sich dieser Zustand je ändere, — das ist schon Hölle auf Erden. Geduldig sein ist schon ein tröstlicher Zustand, — aber er könnte doch schließlich ganz leise sich verändern, wenn man nur Geduld haben müßte und weiter gar nichts vor sich sähe. Denn Geduld kommt doch vom Dulden her und mahnt daran, daß man es eben wenigstens so schwer hat, daß Geduld einem spürbar ward, als die Fähigkeit, zu ertragen, was auf einem lastet. Wenn aber außer der Geduld oder in der Geduld noch der lebendige Nerv der Hoffnung auf die Hilfe des Herrn steckt, dann wird sie ein so großes Gut, eine so deutliche Kraft, daß die heilige Schrift, die sonst so wählerisch in ihren Ausdrücken ist, einem dazu gratulieren kann und es ein köstlich Ding nennt. Die Welt nennt einen Diamanten eine Kostbarkeit, — aber dieses köstliche Ding ist stumm und tot; nur die Augen der Menschen geben ihm Wert. Die Kostbarkeit unseres köstlichen Dinges hier wirkt sich aus, schafft Herzen um, gibt Stille und Kraft, Leben und Frieden. Wer darum solch eine Kostbarkeit hat, der preise den Herrn, der uns so reich macht an himmlischen Gütern und geistlichem Segen. Und wer sie nicht hat, strecke seine Gebetshände darnach aus sie zu empfangen.

Lieber Heiland, schmücke mein armes Leben mit diesen deinen Kronjuwelen! Laß die Geduld, die auf deine Hilfe hofft, in mir stark werden zu meinem und anderer Segen! Amen.

 

 

19. September.

Prediger 1, 18: . . . wer viel lehren muß, der muß viel leiden.

Das erinnert an Paulus Berufung zum Apostelamt:Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willenl Das ist die geheime Quelle der Kraft und Weisheit, daß man selbst in eigener Not Erfahrungen von der Hilfe des Herrn machen muß, wenn man Andre lehren will. Wann aber ist die Hilfe des Herrn am nächsten, als wenn die Not am größten? Welche Erfahrung ist einschneidender, als die am eigenen Leib und Leben? Darum muß der Herr die Armenärzte am Geist auf der hohen Schule des Leidens erst läutern und approbieren, damit sie wissen, wie weh Schmerzen tun und wie selig Jesu Hilfe ihnen selbst getan hat! Wollen wir uns da wundern, warum der Weg für uns, die wir Jesu Zeugen an die Welt sein wollen, so schwer und oft im Geheimen so tränenreich ist? Ein Gelehrter und Lehrer dieser Welt muß viel lernen und schwere Examina machen; wer Gottes Kinder zusammenbringen will, der muß zuerst dem Weizenkorn (Jesus) gleich im dunklen Schoß der Erde dem eigenen Selbst absterben: früher kann er nicht viele Früchte bringen. Diese Art des stellvertretenden Leidens Christi lassen wir uns an ihm gern gefallen; warum stutzen wir, wenn er uns sich nachzieht, unsere Hand festhält und spricht: Wo ich bin, soll mein Diener auch sein? Leide, um lehren zu können!

Nein, wir wollen nicht leidensscheu sein, Herr Jesu, sondern bitten dich, segne du uns alles Leiden zum Lernen deiner Wege, und dann nachher zum Lehren deiner Wege! Amen.

 

 

20. September.

1. Mose 52,26: . . Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Das war ein wunderbarer Kampf, da Jakob bis an die Morgenröte mit seinem Gott in Menschengestalt rang und das Beispiel schuf, wie man Gott überwindet. Denn Gott war ihm entgegengetreten, wie um ihm handgreiflich zu zeigen: ,,Ich habe etwas wider dich. Nicht Esau mit seinen 400 Mann ist deine Gefahr, sondern ich, dein Gott, habe mit dir noch abzurechnen. Deine ganze alte Art taugt nichts und mit all deiner Hinterlist kannst du nicht vor mir bestehen. Ähnlich tritt der Herr in besonderer Lebenslage wohl auch noch uns entgegen und deckt alte, unverbundene Geschwüre, unvergebene Sünden auf; er ist rein und duldet auch bei seinen Kindern keinen geheimen Aussatz! Ach, daß wir es davon Jakob lernten, uns ganz anzuklammern an unsern Gott und ihm alles herzugeben, aber dann auch zu sprechen: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Die schwere Kampfesstunde soll einen Sieg, einen Segen bringen: Völliges Zerbrochenwerden, wie hier bei Jakob. Da er nicht mehr stehen konnte, hing er sich mit seinen Armen an seinen Gegner. Werfen wir uns so völlig auf ihn! Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt, — ich kann nichts als mich an dich anklammern. Ich vertraue aber auf deine Barmherzigkeit, die größer ist als das Gericht, und flüchte mich an dein Herz! — Dann gibt’s Hilfe und Segen.

Ja, Herr unser Gott, wir lassen dich nicht! Was sollte aus uns werden, wenn wir uns nicht mit allem auf dich werfen, an dich hängen könnten! Laß die ernste Erfahrung dieses Ringens den Segen bringen, daß wir dich um so näher haben und genießen! Amen.

 

 

21. September.

1. Mose 41, 52:    Gott hat mich lassen wachsen im Lande meines Elends.

Mag Joseph das zunächst ganz äußerlich gemeint haben von dem wachsenden Reichtum seines Hauses oder von seinen Kindern, die ihm in Ägypten geboren wurden, — sicherlich ist er auch selbst durch seine wunderbaren Erfahrungen der Durchhilfe seines Gottes innerlich gewachsen. Und dieses Letztere geht uns hier am meisten an; denn es ist eine bekannte Tatsache bei den Kindern Gottes, daß man im ,,Lande seines Elendes« innerlich ganz anders vorankommt, als wenn uns leichte, linde Zeiten beschert werden. Während ich dieses schreibe, schweift mein Blick bisweilen hinaus in die regennasse Frühlingslandschaft, drüber kalter Wind weht. Und doch wächst eben draußen das Gras und das Laub der frisch entfalteten Blättchen der Bäume mit Macht. Ging’s uns nicht oft so? Das waren die eigentlichen Kräfte des Wachstums, als die Tränen das Land meines Elends betauten, als der kalte Wind wehtee und man in Anfechtung und Not gezwungen war sich mit tausend seiner Hoffnungswurzeln festzuklammern an den Verheißungen seines Gottes! Nachher, wenn die Sonne durch die Wolken bricht, hat sie nur festzustellen in neuer Gnadenbeleuchtung, was in den nassen kalten Tagen sich heimlich entwickelt hatte. Darum wollen wir dankbar sein für das Land und die Tage unseres Elendes, denn sie schafften uns innerlich wahrhaft voran, daß wir vor Angst behütet, nachher, errettet ganz fröhlich rühmen
konnten:

Ja, Herr, du hast alles wohl gemacht! Du gabst das Elend und im Elend Hilfe! Deine Erziehung.schuf die Zeiten der Demütigung um uns in ihnen und durch sie groß zu machen. Dein Name sei gepriesen! Amen.

 

 

22.September

Ephes. 5, 9:   wandelt wie die Kinder des Lichts.

Natürlich muß man zuerst ein Kind des Lichtes sein, d. h., es muß das heilige Tun unseres Gottes an uns, daß er uns durch seinen Geist zu seinen Kindern machte, zuerst geschehen sein, damit unser neues Tun, unser Wandel im Licht daraus folge und daraus erwachse. Aber die oft wiederholte Mahnung in den Briefen der Apostel an die Neubekehrten, nun auch ihrer neuen inneren Stellung gemäß nach Außen zu wandeln, muß doch ihre tiefe Berechtigung haben. Und so sehen wir’s auch bis auf den heutigen Tag, daß immer noch nicht mit Ernst genug auf den Wandel geachtet wird. Was aber wiegt vor der argwöhnisch, ungläubig aufpassenden Welt schwerer, als ein wirklich heller Wandel! Das schlägt besser durch als hundert Predigten, wenn sie eine Person kennen lernt, wo es gar keinen Zweifel mehr gibt, daß dieselbe wirklich im Licht lebt, im Licht steht, im Licht wandelt. Solche Mithelfer, — Laien, die mit ihrem Lichtwandel vor uns hergehen und Breschen schlagen, haben wir an allen Orten, wo wir das Wort verkündigen, blutnötig. Wir sind vielleicht zu kurze.Zeit da, uns lernt man nicht so genau kennen, aber die Christen, die an einem Ort, in einem Hause mit der Welt leben, können sicher sein, daß man auf ihren Wandel mit Argusaugen achtet. Darum wandelt wie die Kinder des Lichts! Freilich wird es uns ebenso gelten, daß unser Wandel im Licht sein muß; aber das versteht sich mehr von selbst!

Herr, unser Gott, erleuchte uns ganz und gar daß unser Wandel, unsere Worte und Werke nicht das Licht scheuen müssen, sondern das Licht sind und Licht bringen in die Dunkelheit! Amen.

 

 

23. September.

1. Thess. 4,3:  Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung.

Die unvernünftige Kreatur muß den Willen Gottes in den Naturgesetzen erfüllen und weicht nicht aus dem Wege dieses Instinkts. Wir Christen haben den Willen Gottes als unsere Lebensrichtschnur erkannt und gemerkt, daß wir keinen Frieden, keinen Trost, keine Gebetserhörung haben können, ohne dem klar erkannten Willen Gottes auch gehorsam zu sein. Wenn Gott nun will, daß wir unsere Heiligung, — etwas, über dessen Wachstum und Entwicklung wir selbst die seligste Freude haben, wodurch wir selber reicher und froher werden, — mit ihm zusammen wollen, so ist das Gnade! Denn, was er will, dazu reicht er auch die Gaben und Kräfte her, daß es geschehen könne. Und zu unserer Heiligung reicht er uns etwas Fertiges und Ganzes, seinen lieben Sohn Jesum Christum dar, denn der ist uns gemacht zur Heiligung. Das ist der zweite Glaube, den wir haben müssen und dessen selige Frucht wir genießen sollen; ebenso, wie.wir, allein durch Glauben Jesum einst nahmen zu unserer Rechtfertigung, so sollen wir ihn zum   zweiten Mal täglich nehmen im Glauben als unsere Heiligung. In ihm sind wir geheiligt, ausgesondert, bestimmt mit Leib und Seele zum Dienste Gottes. Kommt laßt uns glauben! Heute wollen wir’s noch dankend annehmen, daß Jesus unsere Heiligung ist. Wer ihn hat und liebt, mit ihm lebt und in ihm ist, der ist ein Heiliger und Geliebter Gottes!

Nun, dann wollen wir dich, Herr Jesu, nehmen, haben, halten und auf dich blicken ohn’ Unterlaß! Du bist unser Sieg! Es kann nicht sein, daß wir angesichts des Sieges, den Sieger im Auge und Herzen, unterliegen! Siege in uns! Amen.

 

 

24. September.

Luk 5,11:    Und sie führten die Schiffe an’s Land, und verließen alles und folgten ihm nach.

Mit den letzten Ruderschlägen sind die Schiffe, die bis zum Sinken mit dem überreichen Fischfang. gefüllt waren, an den Strand gebracht. Soll nun Jesus fortgehen, damit die glücklichen Fischer Zeit haben mit all den beutefrohen Verwandten die Unmenge Fische auszuladen, zu sortieren und zum Versand in die nächsten Städte zu verpacken? Nein, das Wunder, das jetzt an der selbstsüchtigen Menschenschennatur geschieht, ist kaum geringer, als das, was eben mit den scheuen Fischen der Tiefe geschehen war. Jesu Netz ist über sie gekommen und sie können nicht mehr zurück. Sie sind gefangen und lassen alles, Schiffe, Fische, Verwandte und Vorteile, — alles dort am sonnenbeglänzten Ufer des Sees Genezareth zurück und folgen in stummer Ergriffenheit dem Meister, der den steilen Bergpfad ins Gebirge einschlägt. Hast du nichts ähnliches erfahren? Jst Jesu Netz niemals über dich gekommen mit ziehender, zwingender Gewalt, daß es hieß: Wir können nichts anders, wir müssen dir nachfolgen, wo du hingehst? Wer «so etwas erlebt hat, der ist verdorben für die alten Weltwerte, für’s Reichwerdenwollen, für’s Berühmtwerdenwollen, für’s Gunstwerben und Genußleben, — er zieht lieber arm, verkannt und allein diesem Jesus nach den steilen Pfad, als daß er sich hinsetzte an den Strand, um mit Fischverkauf im Großen Geschäfte zu machen!

Dein sind wir, Jesus von Nazareth! An dir hängen wir und von dir können wir ja nicht lassenl Nun laß uns auch bei dir bleiben und mach uns zu Menschenfischern in deinem Auftrag und auf deine Rechnung! Amen.

 

 

25. September

Kolosser 4,5:  wandelt weislich gegen die, die draußen sind.

Wer das Leben der Gläubigen heutzutage studiert und dann die mancherlei Mahnungen der Apostel an die Neubekehrten liest, dem wird’s bald klar, daß auch heute noch keine derselben unnütz oder veraltet ist. Dieselben Lebenserscheinungen wie damals und dieselben Kinderkrankheiten und Gefahren wie damals; kein Wunder, daß dann auch die Mahnungen und Medizinen dieselben sind, wie damals! Gegen die, die noch als die Unbekehrten draußen sind; wandelt man nicht weise, wenn man Jeden gleich auf seine Bekehrung anredet, wenn man Jedem gleich die Pistole auf die Brust setzt: Bekehre dich! Aber es ist auch unweise, sofort mit geistlichen Gesprächen und Bekennen des Namens Jesu und Erzählen der erfahrenen Gnade anzufangen. Laß die Andern dich erst als echten Menschen und wahren Christen kennen und — schätzen lernen; dann schlägt das einfachste Bekenntnis nachher am schärfsten ein. Bete erst darü»ber, ob du und wie du mit Fremden reden sollst, aber fall’ nicht sogleich beim Eintreten in’s Eisenbahncoupe die Leute mit Bibelsprüchen und Traktaten an. Gibt der Herr dir Gelegenheit, dann steig’ in Kraft empor; doch schweigt er in der Seele still, dann nimm auch du nichts vor! Wandel und Wesen müssen das Wort vorbereiten! Gib kein Ärgernis, wo du gewinnen willst. Aber fürchte dich ebenso vor der matten Feigheit, die sich aus Menschenfurcht gern hinter -»der Weisheit« verstecken möchte!

Ach Herr, wir sind ungeschickt und untüchtig, dich zu bekennen! Wir machen tausend Fehler nach rechts und links. Segne dein Werk auch trotz der Fehler deiner Kinder! Amen.

 

 

26. September

1. Timoth. 6,8:   Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen.

Wie wenig gehört eigentlich zu den wirklichen Bedürfnissen des Lebens! Wie schrecklich viel Bedürfnisse können sich die Leute anerziehen und angewöhnen! Wenn man Essen und Trinken als den wichtigsten Teil des irdischen Genußlebens ansieht und darin seine Hauptfreuden sucht, dann freilich kann das Herbeischaffen solcher Nahrung viel Aufwand von Geist und Kraft und Zeit beanspruchen. Wer aber höhere Genüsse kennt und dem Leib nur gewähren will, was er braucht, kommt sehr billig und leicht weg. Dabei bleibtdoch noch Raum und Freiheit, den Wohlgeschmack, den Gott der Herr in die natürlichen Gaben gelegt hat, mit  Dank zu genießen. Wer sich wirklich mit der Kleidung einfach, meinethalb seinem Stand angemessen, und so natürlich als möglich versehen will, der braucht dafür auch weder viel Geld, noch viel Aufwand, von Zeit und Kraft. Wer aber sich nach der wechselnden Mode richten muß und mit seiner Bekleidung Sport und Luxus treibt, ist Sklave seiner Kleider und kann sich nie genug thun. Glücklich aber ist nur der, der zufrieden ist mit dem, was er hat oder sich so leicht als möglich verschaffen kann; warum stehen denn immer noch auch Christen unter dem Bann der Gastmähler und der Kleidermoden der Welt? Welche der Sohn frei macht, die macht er recht frei und wer Andere führen will, der muß freie Füße haben!

Herr, werde so ganz meines Herzens Lust, daß auch mein Leib und meine Seele sich freuen im  lebendigen Gott. Lehre mich zufrieden sein im Äußern und hungern und dürsten nach dir. Amen.

 

 

27. September.

Offenb. 20, 15: Und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.

Kaum ein einziger anderer Gedanke hat solche Wucht und Kraft als der: Wo werde ich meine Ewigkeit zubringen? Ohne ewiges Los nach dem Tode gäb’s kein Christentum und keine Bekehrung mehr. Das weht uns an, wie Luft aus der Ewigkeit, wenn der Gedanke vor uns aufsteigt: werden unsere Namen, alle derer, die hier eben versammelt sind, einst erfunden werden, geschrieben im Buche des Lebens? Wenn nicht, wie.wird das Los sein in der Ewigkeit? Das treibt zum Ernstmachen, zum wirklichen Durchdringen, zum Gewißwerden, ob wir Gottes Kinder sind oder nicht. Der Geist will uns darüber Zeugnis geben, wir sollen und müssen unseres Heils gewiß werden. Es gibt eine feste, frohe, selige Uberzeugung auch ohne viel Gefühl und Andacht, eine auf die Schrift gegründete, Glaubensgewißheit: ich bin sein und er ist mein, niemand kann uns scheiden! Und es ist eines Jeden wichtigste Pflicht, darüber zur Klarheit zu kommen, ehe es zu spät ist. Der Mensch hat so blutwenig zu seiner eigenen Rettung und Seligkeit zu tun: bloß, daß er sich ganz und gar hingibt dem heiligen starken Zuge, damit uns Jesus geliebet hat und noch liebt! Kommt alle und liefert euch willenlos heute schon dieser Strömung der Gottesliebe aus, damit ihr gewiß werdet und euch freuen könnt, daß eure Namen im
Himmel geschrieben stehen!

Ja, Herr unser Gott, wir wollen selig werden. und nehmen darum deine große Gnade in Christo dankbar, gläubig an. Schreib unsere Namen in dein Buch zum ewigen Leben, daß wir dir ewig danken können für Alles, was du an uns getan! Amen.

 

 

28. September.

Jacobus 5, 9:  Seufzet nicht wider einander, liebe Brüder, auf daß ihr nicht verdammet werdet.

Wenn auch im Grundtext steht, »daß ihr nicht gerichtet werdet« —, so ist die Sache doch ernst genug. Zumal da sie so sehr im Schwange geht, daß sich jeder an die Berechtigung dieses Seufzens scheint gewöhnt zu haben. Wer nicht in sehr liebloser ;Weise seine Zunge gegen die Brüder braucht, der behauptet wenigstens schwer an ihnen zu tragen und seufzt oft genug vor Gott und Menschen wider dieselben. Nun für sie beten, vor Gott in den Riß treten für sie, GebetsIasten für sie auf sich nehmen, das ist sicherlich unverboten; im Gegenteil, das würde gerade das Gegenteil verursachen, als das hier gemeinte Seufzen. Das würde einem Kraft geben, sie zu tragen und Vollmacht vom Himmel  schaffen, versöhnend und liebevoll mit ihnen umzugehn. Aber das Seufzen, Urteilen, Bekritteln, Nichttragen können der Brüder vor Menschen, das liefert uns, die wir doch so gerne Andern zum Segen werden möchten, in das Gericht des Herrn. Es macht sich dann wehmütig und niederdrückend zugleich, wenn jemand fünf Minuten nach dem lieblosesten Seufzen über den Bruder (also, wo er schon als zu Richtender vor seinem Gott steht!) großartig in feinem lauten Gebet vor Andern für diesen Bruder betet! Räumen wir doch diese Krebsschäden hinweg aus unserer Mitte, damit wir ganz wahr werden in echter Liebe und ganz wahr in echtem Gebet!

Herr Iesu, was mußt du erleben und erdulden von» deinen Jüngern! Vergib uns und ströme deine Liebe, dies nicht das Ihre sucht, aus über die Deinen, damit wir wahrhaft eins seien in der Liebel Amen.

 

 

29. September.

Prediger 9, 8:   Laß deine Kleider immer weiß sein.

Mag dieses Wort an der betreffenden Stelle auch nur von den damals üblichen weißen Gewändern gemeint sein und bedeuten, statt Prunk und Pracht sei Reinlichkeit der beste Schmuck, so wird es uns doch niemand verargen, wenn wir es geistlich deuten. Denn in der Offenbarung wird auch von weißen Kleidern geredet und von helle gemachten, im Blute des Lammes gewaschenen Kleidern und dort kann es nur. geistlich gemeint sein. Hast du das neue Kleid der Gerechtigkeit Jesu Christi angezogen, dann hüte dich, daß du es nicht gleich wieder befleckst durch Leichtsinn, Untreue und Sünde. Und ob jemand sündigte, haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Dann soll der Ewig-Gerechte uns, die wir so schnell wieder von einem Fehl übereilet werden in täglicher Sündenvergebung reinigen: Ja, er will es schon, aber wir müssen auch nach 1. Joh.3,3 desselben Willens sein, uns zu reinigen. Mit welcher Aufmerksamkeit achtet man auf die Reinigung und Instandhaltung kostbarer Maschinen und künstlicher Apparate. Was wäre dann wohl für Aufmerksamkeit auf die tägliche Reinigung und Jnstandhaltung des kostbarsten und kunstvollsten Apparates, unserer Seele zu verwenden! Laß keine Flecken auf deiner Seele Kleidern trocken werden; sie fressen sich ein und verderben den Glanz und Schimmer deiner Seele. Nein, schnell und gründlich, sofort und ehrIich, bekenne deine Sünden und mache deine Kleider helle im Blute des Lammes!

.Lieber Heiland, nahe dich mir und neige dich zu mir, daß ich täglich im lebendigen Umgang mit dir  Reinigung und Hilfe erlange. Du weißt, daß ich Sehnsucht nach steter, völliger Reinigung verspüre! Hilf du dazu! Amen.

 

 

30. September

Jacobus 5, 16:   Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Daß uns dergleichen Verheißung über das Gebet immer wieder gesagt werden muß! Oder soll man sich mehr darüber wundern, daß so wenig wirklich erhörlich gebetet wird? Gebetet wird ja von allerlei Christen schrecklich viel; — aber was geschieht dadurch wirklich? Nun, das liegt wohl an den zwei Bedingungen unseres Textes: Wer ist gerecht? und wann ist es ernstlich? . Ein leises Erfahrungsgefühl dafür gibt es schon bei uns, wann das Gebet wirklich ,,ernstlich« wäre. Manche Gebete waren wir nach einigen Tagen in anderer Stimmung bei angestrengter Aufmerksamkeit gar nicht mehr imstande zu wiederholen: Augenblicksbilder ohne den Willen des Herrn. Oder der Herr zeigt uns selbst aus seinem Wort oder- durch seine Führung, wie dieses oder jenes Gebet unmöglich erhört werden durfte. Auch das mit  dem  ,,Gerechten« ist demütigend für uns. Der innere eheime Lebenszusammenhang mit dem Herrn war gar nicht recht, gar nicht in Ordnung, wie kann da etwas besonderes von Gebetserhörung eintreten. Drum bete du dich erst in Ordnung und zur Klarheit darüber, ob es dem Herrn in deiner Lage» und deiner Stellung zu ihm überhaupt genehm ist, daß du dich jetzt daran machen sollst, Gebetsarbeit anzufangen. Je klarer du über des Herrn Willen und seine noch unausgeführten Absichten wirst, desto gewisser, ernstlicher und durchgreifender wird dein Gebet; Wenn Kinder Berge versetzen wollen, würde der Herr sie erst fragen, warum und wohin?

Herr, läutere unsern Sinn, der auch im Beten nur zu oft zum Prahlen vor der Welt abzielt, als wirklich auf deine Absichten und dein Reich! Zeige uns, wo du uns als Beter hinstellen willst und dann lehre uns beten! Amen.