Andachten (Oktober)

1. Oktober.

1. Sam 17,47: Denn der Streit ist des Herrn und wird euch geben in unsre Hände. Das ist die sieghafte Art des wahren Glaubens!

Dort steht das mächtige übermütige» Heer der Philister, an ihrer Spitze der freche Riese Goliath, — hier steht furchtsam Israels Heerlager und der eine Jüngling David hat Glauben Und sagts ihnen voraus: Der Streit ist des Herrn und er wird euch, ihr stolzen Feinde, geben in unsre Hände! Müssen wir’s nicht ähnlich machen, wenn die Feinde unserer Seele den Kampf gegen uns aufnehmen? Einerlei, ob es wirkliche Menschen sind, die uns feindlich sind um Jesu willen und unsre Arbeit aufhalten wollen, oder ob es des Teufels böse Anläufe sind, oder ob es die in uns selbst steckenden Sünden und Versuchungen sind. Wenn wir nicht schon vorher wirklich glauben, daß der Streit des Herrn ist, seine Sache und Ehre auf dem Spiele steht, und daß er unsre Feinde in unsre Hände geben wird, wird das ein mühseliges Kämpfen und» eine aussichtslose Sache sein. Dir geschehe im Kleinen wie im Großen nach deinem Glauben. Also auch in diesen Kämpfen glaube vorher schon an den wirklichen Sieg Jesu und sorge nur für eins, daß der Streit säuberlich des Herrn Sache bleiben könne und nichts von eigener Ehrfucht und Eitelkeit sich einschmuggelt.

Lieber Heiland! Reinige jede solche Angelegenheit von unserem eigenen Wesen! Ists dann aber deine Sache, dann führe sie zum Siege um deines Namens willen! Amen.

 

 

2. Oktober

Gen 32, 31: Und als er von Pniel überkam, ging ihm die Sonne auf.

Das kennen wir alle, wie sich der Mensch nach langen, kalten Regentagen nach der Sonne sehnt! Und wenn sie dann endlich wieder wärmend und belebend am blauen Himmel erstrahlt, ist’s einem so froh  zu Mut, als hätte man ein großes Geschenk erhalten! Geistlich gibt’s ähnliche Erfahrungen. Jakob hatte einen schweren inneren Kampf kämpfen müssen; es waren ihm Abgründe seiner selbstsüchtigen Natur aufgedeckt worden, sein Gott war ihm entgegengetreten als der Wahrhaftige, der an seinen Leuten keine Unlauterkeit dulden kann. Nun ist er hindurch; er hat den Wendepunkt seines Lebens erreicht: von nun an hören wir nichts Nachteiliges mehr über ihn. Ein neuer Name, ·ein neuer Lebensanfang! Mit gebrochener irdischer Kraft geht er aus dem Kampfe hervor und doch gesegnet, daß er, sagen kann: Meine Seele ist genesen! Kein Wunder, daß ihm der Sonnenaufgang nach dieser Nacht unvergeßlich ward! Was ist jetzt Esau mit seinen 400 Mann, seit sein Gott ihm wieder gut ist! Darum kann man hier den Sonnenaufgang leicht geistlich deuten. Wer sich durchgekämpft hat, — den Abend lang währet das Weinen, — und ob es währt bis in die Nacht und wieder bis zum Morgen, — die Sonne siegt doch und die Seele jauchzt dem Lichte entgegen: die den Herrn lieb haben, müssen sein, wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht!

Jesu, unsere Sonne! Geh auf in deiner Pracht und verscheuche mit deiner Strahlen Glanz und Wärme  auch meine Nacht! Amen.

 

 

3. Oktober.

Joh. 6, 53:  Alles, was mir mein Vater gibt, kommt zu mir, und wer zu mir kommt, den werde ich ·nicht hinausstoßen.

Luther sagt: »Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an meinen Herrn Jesum Christum glauben oder zu ihm, kommen kann« und hat damit die in unserem Spruch liegende scheinbare Schwierigkeit schon erklärt. Der Vater muß die Leute schon, ehe sie eigentlich im Glauben zu Jesu kommen, seiner Hand haben, sie ziehen kund zubereiten:können, damit sie für den Augenblick reif werden, wo sein Geben und ihr Kommen zu Jesu eine und dieselbe Sache wird. Wer auf der Vorstufe des Heils auf die Stimme seines Gewissens achtet und sich sehnt aus der Sündhaftigkeit seiner alten Natur herauszukommen, den kann der Vater seinem Sohn geben. Und wenn er das tut, spürt. der Mensch den wunderbaren, inneren Zug zu Jesu,. wie Magnet Eisen anzieht, und dann muß er folgen und als ein Bittender, Suchender zu Jesui kommen. Gesegneter Zwang, gesegnete Freiheit, gesegnetes Wollen der Gnade, — mags auch gewirkt sein von Oben! wenn nur das Kommen Wahrheit wird, dann ist alles gewonnen. Denn, wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!

Nein, Herr Jesu, wir haben’s erfahren! Das war kein Hinausstoßen, sondern ein an’s Herz ziehen, ein Aufheben aus dem Staub, ein Erfrischen und Erquickenl Das danken wir dir und loben deinen Namen ins Ewigkeit! Amen.

 

 

4. Oktober.

Jes. 50, 5:   Der Herr Herr hat mir das Ohr geöffnet und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück.

Nach dem Zusammenhang bezieht sich diese Stelle sicherlich in erster Linie auf Jesu willigen Gehorsam nach des Vaters Willen zu leiden und zu sterben. Und wir danken ihm, daß er nicht ungehorsam war und nicht zurück ging; denn was wäre sonst aus uns geworden! Aber er selbst sagt auch: Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch! Es gibt auch für uns Ohröffnungen durch Wort und Geist, wo es uns plötzlich klar ist, dieser Weg der Verleugnung, diese Demütigung, dieses Leiden ist Jesu Wille und dient nicht nur uns zum Segen, sondern soll auch Andern, ja dem Reiche Christi Nutzen schaffen. Dann dürfen wir nicht ungehorsam zurückgehen! Wir würden, wie Jonas, statt, in unseres Herrn 5chule in den Rachen des Ungeheuers, in die Tiefe des Todes versenkt, wenn wir dem klar erkannten Willen unseres Gottes ausweichen wollten. Selig aber und gesegnet ist, wer es gar nicht versucht ungehorsam zu sein, wer gar nicht zurückwich, bis er mit Peitschen vorwärts getrieben wurde! Wir bringen uns um den Segen und den Wohlgeruch des Gehorsams, wenn man uns erst dazu zwingen muß! Das wären schöne Freiwillige! Und Jesu Gehorsam hat die Bedingungen in der unsichtbaren Welt geschaffen, daß auch wir gehorchen können!

Herr Jesu, ziehe uns in deinen Gehorsam hinein, daß man deine Willigkeit zu gehorchen und zu leiden an uns wiederfinde! Amen.

 

 

5. Oktober

Joh. 7,57:   Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Gewiß gilt dieses Wortan der Pforte des Himmelreichs und kündet wie ein weithinschallender Heroldsruf, was man hier erleben kann, wenn man aus dem durstigen Lande des Welttreibens, wo nichts die Seelen stillen kann, die da schreiet nach dem lebendigen Gott, wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, — sich hinwendet zu dem, der unser Friede ist. Aber ebenso gewiß gilt es auch innerhalb des Heiligtums. Jesus will die Seinen, »die bei ihm in heißer Arbeit stehen nicht vergeblich dürsten lassen. Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle und Jesus strömt den frischen Seelentrank alle Tage aus, wie eine starke Quelle im Waldgebirge. Warum sollen wir Durst leiden? Denn so oft ich durstig bin, führt er ich zum Brunnquell hin! Kommt, lasset uns mit  Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnenl Wollen wir uns täglich und treulich zu ihm nahen und nehmen aus seiner Fülle, was uns not ist. Eine kurze Viertelstunde stiller Sammlung im Gebet, suchenden Lesens in seinem Wort und der Durst ist gestillt, das Antlitz wieder heiter, alle Mattigkeit verscheucht und du kannst weiter pilgern, weiter dulden, weiter kämpfen in seiner Kraft!

Wir danken dir, Herr Jesu, daß du so gütig bist! Nimm uns immer wieder in deine Umarmung und laß uns erfahren deine erfrischende Liebesnähe. Wir sind arm, mache uns reich! Amen.

 

 

6. Oktober

Luk 7,19:  Bist du, der da kommen soll oder sollen wir eines Andern warten?

Mit dieser Zweifelfrage des Johannis, ob Jesus der rechte Messias sei, stellt er seine eigenen   ergreifenden Erlebnisse bei Jesu Taufe in Frage. Gefängnismauern und Anfechtungen können auch das lebendigste Erfahrungschristentum erschüttern. Jst das nicht eine furchtbare Gefahr, irre zu werden an allem, was man in den seligsten Stunden seines inneren Lebens genommen und genossen! Bist du, der da kommen soll? Oder haben wir uns getäuscht und sollen. wir die Tür noch weiter offen halten für einen Andern? Gesetzt den Fall, daß jemand unter uns in ähnliche Seelennot käme, wie müßte man ihn heilen? Als Johannes seine Erfahrungen am Jordan machte, da stimmten diese zusammen mit dem Worte Gottes und bekamen dadurch erst ihre Bestätigung. Wo er jetzt zweifelt, weist ihn Jesu Antwort wieder auf’s Wort Gottes hin, wie das eben in Jesu Tun erfüllt werde. Und sagt das Herz auch tausend Nein, laß mir dein Wort gewisser sein! Wir müssen am Wort hängen, weil das feststeht, ob der Himmel unserer seligsten Erfahrungen oder die Erde unserer schönsten Gefühle vergeht. Glauben an’s Wort, durch’s Wort, wurzelnd im Wort schafft wieder Weg aus dem Wirrsal und Stille im Sturm. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun!

Herr, gründe uns in dein Wort! Laß den Sturm den Nutzen schaffen, daß die Wurzeln des Glaubens tiefer in dein Wort gehen und fester sich klammern an dein Wort! Amen.

 

 

7. Oktober

Jes. 57, 18:   Da ich ihre Wege ansah, heilete ich sie und leitete sie und gab ihnen wieder Trost.

Daß er unsere Wege nicht als der Richter, sondern als der Arzt und Retter anschaut, ist ein großer Trost. Heute wacht sein Auge über unsern Wegen! Selbst, wenn wir selbstgewählte Wege gehen; und uns damit viel Herzeleid machen, verwirft er uns nicht, sondern baut an diese Irrwege seine himmlischen Krankenstationen, um uns zuerst zu heilen! Wohl dem, der das versteht und sich helfen lassen will. Freilich kommt gleich darauf zur rechten Zeit Hilfe und Heilung, daß er uns nach der erfahrenen Erquickung aus einer andern Tür des Krankenhauses auf einen andern Weg führt. Denn nur, wenn er uns leitet, kann es gut weiter gehen, ohne daß wir sofort wieder auf dem verderblichen Wege unserer Wahl uns die frischgeheilten Füße blutig laufen. Dann aber, wenn wir jetzt auf seinen Wegen gehen, läßt er uns am Rande dieser Wege manch schönes Trostblümlein blühen und seine Fruchtbäume verstreuen Schatten und spenden erquickende Früchte. Also fort aus den eigenen Wegen! Hinein in seine Heilung! Und dann unter seiner Leitung auf seinen Wegen vorwärts, dann soll’s an Trost nicht fehlen!

O, Herr Jesu, was bist du für ein wunderbarer Meister im Helfen! Was für ein Arzt unserer Seelen! Staunend und dankbar erfahren wir deine Hilfe! O zieh uns alle täglich treuer und fester dir nach! Amen.

 

 

8. Oktober

Psalm 62, 6:   Meine Seele harret auf Gott, denn er ist meine Hoffnung.

Es gab einmal eine geistesschwache Witwe, deren Mann vor vielen Jahren bei einem Schiffbruch um’s Leben gekommen war. Doch sie wollte sich’s nicht ausreden lassen, auf ihn zu warten, bis sie alt und grau wurde und zuletzt über ihrer Hoffnung starb. Von solchem Harren mag der Satz gelten: Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Und doch halten wir Beides hoch in Bezug auf unsern Gott: wir harren und hoffen auf ihn! Es liegt wohl schon in diesen Worten, daß man aufs Warten angewiesen ist; sonst brauchte man Beides nicht. Aber durch dieses Warten will er unsern Glauben stärken und uns innerlich immer mehr von allem Äußeren lösen, damit die ganze Kraft unserer Seele sich sammele auf ihn! Wir lernen unter solchem Harren Manches, was wir sonst nie gelernt hätten, und darum kann er seinen Kindern diese Schulklasse meist nicht ersparen. Was wir aber auf Erden an Erhörungen und Hilfen innerlich und äußerlich schon erlebt haben das stärkt uns den Mut, bis an’s Ende zu beharren. Gott ist getreu; er kann sich selbst nicht leugnen; er wird die Seinen erretten zu seiner Zeit und die mit Tränen gesät haben, werden mit Freuden ernten.

Jesus Christ, du nur bist unsrer Hoffnung Licht! Stell uns vor und laß uns schauen jene immergrünen Auen, die dein Wort verspricht!

 

 

9. Oktober.

1. Joh. 2, 1:    Und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesum Christum der gerecht macht.

Und ob Jemand sündigt, das klingt allerdings nicht nach der Schablone eines gewissen Leichtsinns im Christentum, der da mit großer Schnelligkeit sich über allerlei gewohnheitsmäßiges Sündigen wegtröstet, sondern wie eine Ausnahme. Soll es denn nicht auch wirklich immer seltener und schwächer werden mit dem Sündigen, wenn unser Lebensumgang mit dem Lebensfürsten Wahrheit ist und nicht Einbildung? Für solche Ausnahmen ist eine Troststellung bereit. brauchst nicht zu verzweifeln; wir haben einen Fürsprecher, wie ihn die leichtsinnig weiter sündigende Welt nicht hat, mit dem sie ihr Treiben nicht decken kann: Jesum Christum, der gerecht ist. Der Einzige ganz Gerechte, der immer Gerechte, tritt für den Zerfallenen ein mit der Wucht seiner Fürsprache, die sich wie mächtiger Fittiche Schutz auf ihn legt, und während drunten auf Erden noch die letzten Tränenregen der schmerzlichsten Reue niedergehen, ist oben die Wolke des Gerichts schon weg und gleich wird der Sonnenschein der Gnade hereinbrechen zur Aufrichtung dieses Sünders! Wir werden auf Erden, was man im: Himmel von uns sagt.

Wir danken dir, Herr Jesu, daß du dich für uns hingestellt hast! Einmal, als wir uns dir Zuerst ergaben, mit deinem Sterben, und nachher, wo wir’s wieder nötig hatten mit deiner Fürsprache und deinem Leben! Wir danken’s dir! Amen.

 

 

10. Oktober

Psalm 150,4    Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.

Klingt das nicht merkwürdig? Würde man nicht mehr gemahnt, sich zu fürchten, wenn es hieße: Bei dir ist die strengste Strafe? Nun, erinnere dich deiner eigenen Kindheit. Wenn du schwere Strafe verdient hattest, dich vielleicht heimlich in einer Art Trotz darauf rüstetest, die harte, wohlverdiente Strafe jetzt auch auszuhalten, da wurdest du entwaffnet und überwunden, beschämt und weich, als man dir plötzlich mit überströmenden der Liebe deine Sünde vergab und die Strafe erließ! So gehts auch bei unserem Gott! Nichts demütigt, entwaffnet und beschämt dermaßen, als solche Erfahrung. Darum kann es heißen: »Auf daß du daran gedenkest und dich schämst und vor Schande nicht mehr deinen Mund auftun dürfest, wenn ich dir Alles vergeben werde, was du getan hast, spricht der Herr. Kann man nach solcher Erfahrung wieder schnell abfallen und gleichgiiltig, ruchlos sündigen? Nein, das ist die wahre kindliche Furcht, daß man sich fürchtet, einen solchen liebreichen, barmherzigen Gott zu erzürnen und zu beleidigen. Darum versteht man auch jenes neutestamentliche Wort: Wem viel vergeben ist, der liebt viel! Nach erfahrener Sündenvergebung erwacht die wahre Gottesfurcht und wächst die wahre Liebe zu ihm.

Da bitten wir dich, Herr unser Gott, laß uns die Vergebung unserer Sünden so deutlich und überwaltigend erfahren, daß wir gar nicht mehr anders können, als dir in Liebe nachzufolgen und in der rechten Furcht! Amen.

 

11. Oktober

1.Mose 40,4:   und der Hofmeister setzte Joseph über sie, daß er ihnen dienete.

Joseph hat auch im Gefängnis des Herrn Segen erfahren, denn bald bekam er dort solch eine Stellung, daß alles, was da geschah, durch ihn geschehen mußte. Darum setzte man ihn auch über die zwei Hofbeamten Pharao’s, daß er ihnen dienete. So muß es bei uns auch sein: wenn man Andern wirklich an ihren Seelen dienen will, muß der Herr uns dazu einsetzen und bestimmen. Zeit und Gelegenheit muß er dazu schaffen und uns den Schlüssel zu ihrem Gefängnis in die Hände geben. Zweitens müssen wir geistlich und sittlich auch wirklich über denen stehen, denen wir solch einen wichtigen Dienst leisten wollen. Wenn sie offenbare grobe Verstöße gegen Gottes Wort an uns sehen, werden sie sich von einem Zuchtlosen doch nicht ziehen lassen wollen. Die Sünden- der Kinder Gottes sind der stärkste Riegel, der vor die Bekehrung der Andern geschoben wird. Und endlich müssen wir wirklich ihnen dienen wollen, nicht herrschen! Nicht, daß wir unsere Eigenart ihnen aufdrängen, sondern daß wir ihnen dienen, Gehilfen, Mithelfer werden, wie sie zu Jesu kommen können. Darnach könnte jeder von uns seine Beziehungen zu Andern einer scharfen Durchsicht. unterwerfen!

Lieber Herr, habe Geduld. mit uns und verwirf uns nicht um unserer Untreue willenl Reinige uns, daß wir mehr Frucht bringen. Mach uns demütig, damit du uns mehr segnen kannst als bisher. Amen.

 

 

 

12.Oktober

Hebr. 9, 12: . . . . . Christus hat eine ewige Erlösung erfunden.

Erfunden — das sagt man von Vorgängen und Fertigkeiten, die man fruher nicht kannte und brauchte. So gab’s keine Erlösung, bis Christus seine, eine ewige erfand. Jetzt aber kann auch keine Seele mehr herumsuchen und unklar umhertappen, ob dieses oder jenes Mittel gut sei gegen Sündenelend und des heiligen Gottes gerechtes Gericht. Das eine Hilfsmittel ist zu Stande gekommen! Und wies es mit irdischen Erfindungen geht: vorher zerbrechen sich die gelehrten Leute den Kopf, um etwas ähnliches zu erfinden, und nachher kann das kleinste Kind doch ohne viel nachzugrübeln den Segen der Erfindung genießen. So ist’s auch mit Jesu Erfindung der ewigen Erlösung. Jetzt ist’s dem Kleinsten im Himmelreich so leicht gemacht: wer nur hier die kleine Kurbel dreht, kann das elektrische Licht für den Riesenpalast in tausend Flammen entzünden. Wer nur kindlich an Jesu Hilfe glaubt, der erfährt eine Hülfe sondergleichen, um die uns Jahrtausende vorher und Millionen von ernsten Menschen in ihnen beneiden würden! Ach, daß du dankbarer und hingebender nehmen und genießen wolltest, was Jesus dir erwarb! Zu haben ist’s alle Tage!

Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du unser  Trost geworden bist! Nun segne uns dein Werk an unseren Seelen und ins unserm Leben, damit wir wirklich Erlöste werden! Amen.

 

 

13. Oktober

Phil. 3,7:  Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet.

Was für dieses Leben Vorteil bringt, verstehen die klugen Leute meistens prachtvoll zu berechnen; und auszunutzen: vorteilhafte Zeitlagen, Gunst der Menschen, Gelegenheit und Anlagen, alles muß ihrem Vorteil dienen. Ein geiziger Bauer pflegte zu sagen: Es fliegt kein Vogel über’s Haus, ich rupfe ihm ein paar Federn aus! Mit dem Augenblick, wo jemand seines Bootes Segel umstellt und den Kurs ändert: statt reich und angesehen werden zu wollen, richtet er sein Gesicht zu wandeln nach Jerusalem, — da haben ie alten Werte ihren Sinn verloren. Jetzt wären sie nur Ballast, Hindernis, Schaden. Darum wendet man sich von ihnen ab und dem neuen Gewinn zu: Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn! Was weitet sich  die Seele, was klärt sich der Blick, wie frei werden Hände und Füße, wenn man vor die Menschen hintreten kann, als einer, der sie sucht und nicht mehr das Ihre! Das Verbrennen der Schiffe hinter sich her macht wohl Rauch, der anfangs schmerzlich in die Augen beißt, — aber danach weiß man auch, was für eine Gewißheit, was für einen Vorteil, was für einen Segen es bringt, allein auf den lebendigen Gott sich zu verlassen.

Herr unser Gott, wir bitten dich, laß uns nie mehr zurückverlangen nach den Fleischtöpfen Ägyptenlands! Zieh unser Herz aufwärts in die Verbindung mit dir, daß wir reich zu werden suchen in dir, du unser einziger Schatz und wahres Glück! Amen.

 

 

 

14. Oktober

Joh. 6, 68:  Du hast Worte des ewigen Lebens.

Und das hat die Welt nicht. Sonst mag sie ja mit vielem Prahlen, was sie ihren Lieblingen und Wortführern alles bieten kann, — aber eins hat sie nicht: Worte des ewigen Lebens! Was die   selbstewige Menschenseele als ihr Eigenstes, Innerstes, als ihre Speise und ihren Trost, als ihre Kraft und Seligkeit anerkennt, daraus sie täglich Leben schöpfen kann, das bietet die Welt trotz Kunst und Wissenschaft, die wir an ihrer Stelle gern würdigen wollen, keiner Seele an; denn niemand kann  mehr geben als er hat. Jesus aber hats! Er hat Worte des ewigen Lebens und zwar hat er sie nicht nur für sich, sondern es ist sein heißestes Interesse, uns diese lebendigen Worte zugeben. Unsere ganze Erziehung als Gotteskinder läuft darauf hinaus, daß er uns immer mehr von diesen Worten geben könne, daß sich unsere Seele stets williger und völliger in seine Art gewöhne, damit seine ewigen Lebensworte in unser Leben übergehen und in uns den neuen Menschen stärken und fördern, bis er ganz in’s ewige Leben kommen kann.

Wir danken dir für alles, was du an uns getan, Herr Jesu, und bitten dich, vertiefe unsere Erkenntnis deiner Worte und deines Wesens, damit wir selbst Quellorte werden für Andere! Amen.

 

 

15. Oktober

2. Tim. 4, 7:  Ich habe seinen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.

Wir brauchen dieses schöne Wort wohl an den Särgen und Gräbern treuer Gotteskinder, deren fertiger Erdenlauf vor uns liegt. Aber es war doch etwas Gewaltigeres, wenn Paulus das in aller Ruhe so von sich aus sagen kann, ehe er mit seinem Blut seine Stellung zu Jesu besiegelt hatte. Macht denn schließlich das Sterben allein die ganze Sache so groß? Oder muß nicht die Hauptsache des guten Kampfes vorher gekämpft sein? Liegt nicht das größte Stück des Laufes auch vor dem Sterben hinter uns? Müssen wir nicht, ehe es in’s Tal der Todesschatten hineingeht, schon in tausendfacher Proben Glauben gehalten haben? Daher ist’s geraten nicht zu meinen, wie wir jetzt eben kämpfen, laufen und Glauben halten, sei nebensächlich; — die Hauptsache sei ein selig Sterben. Das Sterben dürfte an Wichtigkeit verlieren, die Schwierigkeiten der letzten Engpässe würden sich vermindern, wenn wir vorher mit ganzem Ernst und voller Treue uns dem Kampf und Lauf hingeben wollten. Der Herr meint es ernst mit uns; — er kann keine halben oder Dreiviertelchristen brauchen. Wenn wir nicht jetzt schon ganz werden, muß er uns auf dem Amboss schwerer Leiden erst fertig schmieden. Wollen wir jetzt schon sterben lernen, auf daß wir einst leichter sterben können!

Zieh uns, Jesu, in dein Sterben! Laß uns jetzt schon mit dir gekreuzigt sein! Stärke uns und trage uns, damit unser Kampf und Lauf jetzt schon recht und rein werde und wir einst nur lose abgelöst zu werden brauchen! Amen.

 

 

16. Oktober

Jacobus 5, 15:  Leidet jemand unter euch, der bete.

Nach dem Zusammenhang möchte man hier am liebsten unter Leiden nicht Krankheit verstehen, sondern anderes Leiden, das vielleicht uns von Andern zugefügt wird. Sticht uns erlittenes Unrecht, dann wäre die Gefahr, daß wir gegen diese Andern unwillig und erregt empfinden. Dadurch würden wir uns selbst um den gottgewollten Segen des Leidens bringen und würden dadurch auch sofort aufhören in der rechten Liebesstellung ihnen ein Segen zu sein. Betet man aber in solcher Tage sein Herz, das schnell gekränkte, zur Ruhe, so kann nicht nur der Trost vom Herrn über uns kommen, sondern wir erhalten von Oben auch eine Art Recht und Vollmacht über die Andern, die uns dieses Leid angetan. Kein schriftliches Erkenntnis eines irdischen Gerichts kann uns so sehr Recht geben und uns geistlich so sehr die höhere, freiere Stellung den Andern gegenüber einräumen, als das Gebet. Der Gang zum himmlischen Rechtsanwalt wird immer mit dem besten Erfolge gekrönt sein. Wir werden dadurch innerlich frei und still und stehen da im Schmuck der Sanftmut und im Vorrecht des duldenden, tragenden Siegers über sich selbst. Dann wird der Erfolg des Leidens an Beiden als Segen offenbar.

Du sollst uns, Herr unser Gott, nicht umsonst an das Beten als an die rechte Hülfe im Leiden erinnert haben! Zieh unsere Gedanken von allem Gekränktsein und aller Empsindlichkeit ab, hinauf zu dir! Du sollst unser Trost sein! Du allein! Amen.

 

 

17. Oktober.

Röm 6,11: . . . haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn.

Was ist auch ein Stück Glauben, daß man sich selbst für einen Toten und Begrabenen halten muß, was das Recht der Sünde auf uns anlangt, und daß man auf der andern Seite sich selbst für einen Lebendigen und Auferstandenen in Christo Jesu halten muß was das Recht dieses unseres Herrn auf unsern Leib und Leben anlangt. Der Augenschein spricht gegen beides. Die Sünde zeigt immer wieder, daß ihre Wurzeln in uns Triebkraft genug haben, wieder auszuschlagen; da gilt es glauben, daß das nicht sein darf und daß es Kraft und Sieg Christi dagegen giebt. Nehmen wir ihn wirklich als unsere Heiligung, dann hilft er gegen alle solche Nachzügler des geschlagenen Feindes. Und das Andere, unser neues Leben ist mit Christo verborgen in Gott; da gilt es wieder mehr glauben, als sehen und fühlen, daß das Neue wirklich da ist und« sich leise, allmählich stärker und stärker entfaltet. Je fester wir an das alte Wort und an die stets neue Wirkung unseres erhöhten Herrn glauben, desto mehr kann von ihm in uns geschehen. Zu sehen brauchen wir das unfertige Ding unserer Heiligung auf Erden nicht. Daß es da ist, beweisen die Weltmenschen uns durch ihre Feindschaft!

Jesu, du bist wirklich und mächtiglich. Lebe auch in uns! Hilf uns siegen über uns selbst und hilf uns alle Tage zur völligeren Hingabe an dich! Amen.

 

 

18. Oktober

Phil. 4,11:   Denn ich habe gelernet, bei welchen ich bin, mir genügen zu lassen.

Von Natur ist es uns gar nicht so gleichgültig, ob wir`s im Irdischen reichlich haben oder kärglich. Jeder ißt lieber besser als schlechter und hat lieber mehr als weniger Bequemlichkeit. Daß man dabei in Gefahr steht, ein Sklave dieser Dinge und Gewohnheiten zu werden, versteht sich von selbst. Paulus nun hat gelernt, sich immer gerade an dem, was er bekommt und um sich hat, genügen zu lassen. Wenn es für ihn nicht andere Gründe der Traurigkeit gegeben, so hätte er durch dieses Sichgenügenlassen ein glückliches Leben führen können. In welcher Schule, bei welchem Lehrer lernt sich diese hohe Kunst? In der  Leidensschule Jesul Man hat so anders geartete Leiden und Kämpfe, denen gegenüber diese Erdenfragen nichts bedeuten, — man lernt so ganz anders geartete Freuden und Genüsse kennen, denen gegenüber diese Erdendinge ihren Schein verlieren, daß schließlich eine ganz neue Wertung dieser alten Güter eintritt. Gewiß, noch freut man sich auch der Gabe um des Gebers willen und der Liebe willen, aber man nimmt aus Jesu Hand auch ganz andere Tagen ebenso dankbar und stille an.

Herr, wenn ich nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erde! Der Schwerpunkt ist wo anders hingeschoben, der ruht im Herrn! Lehre uns Alle, Herr Jesu, ruhen in dir! Wir möchten in dir frei sein von all’ den Ketten der Bedürfnisse, Leidenschaften und Unruhen, die diese Welt bietet. Dann sei du auch unser starker Trost und unsere geheime Kraft! Amen.

 

 

19. Oktober

2. Kor 4,16:   Wir werden nicht müde, sondern ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert.

Der natürliche Lauf ist, daß man ermattet und müde wird. Wenn der Leib seine Krafthöhe überschritten hat, gehts mit den Leistungen und der geistigen Frische abwärts. Paulus aber und mit ihm viele a!te echte Christen haben einen geheimen Jungbrunnen benutzt, dessen Gebrauch die Runzeln im Gesicht nicht wegstreicht, der die gebückte Haltung des Oberkörpers nicht straff macht, der die zitternden. Hände und milden Füße nicht jugendlich stark macht. Der äußerliche Mensch verfällt wirklich. Aber der innerliche hat ewige Jugend getrunken! Er wird von Tag zu Tag erneuert. Ein junger, frischer Gebieter im alten täglich mehr verfallenden Schloß! O welch ein trauriges Bild bieten nicht oft ungläubige Greise! Leib und Seele gleicherweise zerfallen und verbraucht. Dagegen dürfen wir immer wieder hin und her solche Christen mit weißem Haar kennen lernen, deren Geist frisch und hell geblieben ist bei allem äußeren Abbruch des Körpers. Es liegt im Umgang mit Jesu, daß man immer wieder sich erneuern kann; Jesus wird nicht alt, nicht schwächer und stumpfer. Wer in ihm lebt, kann trotz der Gebrechen des Alters jugendlich froh sein und frisch im Leben des Sohnes Gottes!

Lieber Herr Jesus! Fang’ dein Werk der inneren Erneuerung jetzt schon in uns allen an, damit wir uns üben Kraft und Frische zu schöpfen aus dir und deiner Nähe! Wir sind dein, sei du unser! Amen.

 

 

20. Oktober.

Luk 9,13:  Gebt ihr ihnen zu essen.

Es ist viel bequemer, fremde Not schnell in seine Fürbitte einzuschließen, als die Verpflichtung anzuerkennen, auch selbst etwas zu ihrer Linderung beizutragen. Wie anders wertvoll und kräftig würde aber solch ein Gebet sein, wenn man zugleich mit seinem Gebet sich selbst unter die fremde Not stellen wollte. Haben wir wirklich getan, was wir konnten, dann bekommt unser Gebet, das sich in derselben Richtung bewegt, einen ganz andern 5inn. Wie man sich das bei jedem Gebet beherzigen sollte: es entbindet uns, nicht von der Arbeit und dem Tun in der gleichen Richtung, nein, das alles macht erst die Unterlage des Gebetes aus, daß wir das Unsere tun, so gilts sicherlich auch im Geistlichen. Wenn ich  meine Hausgenossen im Geistlichen nicht versorge, sondern bloß für sie bete, habe ich den Glauben verleugnet und bin schlimmer als ein Heide. Arbeiten, leben, wandeln, bezeugen, so als ob kein Beten etwas hiilse, und beten, als ob kein Arbeiten etwas hülfe, das schafft voran, das, wirkt Speise, die da bleibt in’s ewige Leben. Darum laßt uns darauf achten, wo unsere Verpflichtung zum geistlichen Geben (es kann oft auch auf’s leibliche Geben und Helfen sehr viel ankommenl) auf der Hand liegt, und unser Tun mit Gebet verklären lassen, dann wird der Herr es an keiner Hilfe fehlen lassen.

Herr Jesu, der du damals Rat schafftest und Hilfe, du stehst noch heute mitten in den Verwicklungen und Schwierigkeiten; wo wir helfen sollen und treibst uns an! Lehre uns geben und beten als deine rechten Jünger! Amen.

 

 

21. Oktober

2. Cor. 3,3:  Ihr seid ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes.

Ein Brief Christi! Welch merkwürdiger Vergleich! Also nicht mehr verkündigte Worte, sondern ein Niederschlag, der bleibt, auch wenn das Wort verhallt ist. Ein Brief Christi — ein Stück Bibel! Wer diese Gemeinde kennen lernte, konnte sich davon überzeugen, daß das die Handschrift Christi war: das war Gottes Finger! Was da durch den Geist des. lebendigen Gottes offenbar geworden war, was da durch die Häuser und Familien zog, was da im praktischen Leben der ersten Christen tatsächlich und greifbar zu Tage trat, das war eine Wirkung, die sich nicht wegleugnen ließ! — Auch wir sollten ein Stück Bibel, ein Stück Offenbarung des unsichtbaren Heilands in unserm Leben darstellen: wenn für niemand anders, so für die Welt,, die doch die geschriebene Bibel nicht liest, wohl aber offene Augen für das Leben der Kinder Gottes hat. Mit Tinte oder Druckerschwärze, mit Regeln und Ordnungen, Einrichtungen und Behörden ist da nichts bewiesen; — der Geist muß sich in seinen Wirkungen an Menschenherzen offenbaren. An diesem Brief schreibt der Herr heute auch bei dir: denke daran!

Ach, wir schämen uns oft darüber, wie wenig wir dir, Herr Jesu, zur Ehre leben, und wie dein Name um unseretwillen bei den Ungläubigen geschmäht wird. Herr, bessere den Schaden deiner Gemeinde zu deiner Ehre! Amen.

 

 

22. Oktober

Luk. 9, 24.   Denn, wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es erhalten.

Wie setzen die Leute dieser Welt doch so alles daran, um sich ihr Leben zu erhalten! Für das, was der Einzelne sein Leben, sein Glück nennt, — Geld, Ehre, Gesundheit, Genuß, — bringt er alle möglichen Opfer, und doch müssen dieselben Leute die schmerzliche Erfahrung machen,daß ihnen das, was ihres Lebens Glück und Glanz war, meist auf Erden schon schal und wertlos wird. Jedenfalls wird es ihnen im Tode entrissen. Nun kommt Jesus und schlägt den Mensch ein vor: ,,Verzichtet auf alle diese Dinge, verlieret euren Vorteil, eure Erdenhoffnungen, euere Lust der Sinnen um meinetwillen. Hängt euch mit der ganzen Kraft eures Herzens an mich. Erwartet Frieden und Glück und Wohlergehen des inneren Menschen von mir! Es scheint nur ein großes Opfer zu sein, in Wkirklichkeit ist das euer größter Gewinn. Denn dadurch bekommt euer Leben einen Gehalt, einen Reichtum, der nie mehr verblaßt. Selbst im Tode kann euch dieses euer neues Leben nicht entrissen werden. Denn es ist schon das Leben der Ewigkeit, das in euch anfing! Wer sein Leben Jesu hingibt, hat es herausgerettet für Zeit und Ewigkeit. Wollen wir nicht den praktischen Versuch machen, ob’s so ist? Es soll keinen gereuen, denn Jesus hält sein Wort.

O, daß es alle  wüßten,
Wie süß der Tausch doch sei!
Sie würden auch sich rüsten,
Und eilten schnell herbei!
Nah keinen hats gereuet,
Der durch des Lammes Blut
Entsündigt und emeuet,
In Jesu Armen ruht.

 

 

23. Oktober

1.Timoth 4, 8:    Die Gottseligkeit ist zu allen  Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens.

In Gott seine Seligkeit, seinen wahren Lebensgenuß und seine Lust haben, das macht die Menschen erst zu allem irdischen Beruf geschickt. Denn dadurch werden sie selbstlos, demütig, aufrichtig und innerlich von den Menschen und Sachen frei. Darum ist es ganz selbstverständlich, wenn ein selbst ungläubiger Gutsbesitzer nur einen bibelgläubigen Kutscher anstellen wollte; wie er sagte, seien nur- diese Leute ehrlich mit dem Hafer und gut gegen die Pferde. Es müßte überall noch viel mehr an den Tag kommen, daß die echten Christen auch im bürgerlichen Leben die brauchbarsten und zuverlässigsten Angestellten seien.  Denn, wer nicht im Geringsten treu ist, wie kann dem Größeres anvertraut werden? Ists aber in Ordnung, dann hat solche Gottselig»keit nicht nur die Verheißung des zukünftigen Lebens, sondern sie wird hier auf Erden schon Herzen und Verhältnisse, Schwierigkeiten und Schmerzen ändern und lindern. Denn, wo Jesus Christus ist der Herr, wirds alle Tage herrlicher. Laßt uns alle an unserm Teil unsere Pflicht im Ausblick zu Jesu thun, damit sein Segen unserm Tun nicht fehle und unser Wandel lauter und klarer als unser Wort bekenne, wessen Eigentum wir geworden sind.

Herr unser Gott, gieb uns Treue im Kleinen! Wir möchten gern in allen Stücken als dein Eigentum erfunden werden. Erinnere uns alle Tage in dir zu bleiben und vor dir zu wandeln! Amen.

 

 

24. Oktober

Psalm 119, 57:  Wende meine Augen ab, daß sie nicht sehen nach unnützer Lehre, sondern erquicke mich auf deinem Wege.

Wieviel unnütze Lehre, die für das Wachstum des Inneren Menschen gar nichts wert ist, die den Frieden der Seele weder bringt noch fördert, die vom Himmel her angesehen, ganz ohne Sinn und Segen ist und bleibt, mag es nicht noch unter uns geben! Die Einen haben politische, die Andern hochkirchliche, die Dritten sektiererische Nebenabsichten bei der einen guten Lehre und schädigen sie dadurch und wieviel andere unnütze Lehren gibt es nicht heutzutage noch: Spiritismus, Vegetarier und wer weiß was für Ersatzmittel für das wirkliche Christentum. Wollen wir uns mit Gebet immer wieder zum Herrn kehren, daß er uns vor all den kräftigen Irrtümern der Endzeit bewahre und unsere Seele wahrhaft erquicke an seinem Wort und auf seinen Wegen. Er hat auch seine Wege, die er mit seinem Wort gegangen haben wie auch seine Worte über seine Wege, die er uns führen will und je gehorsamer wir darauf achten, was er will, desto lebendiger wird diese Erquickung niedertauen auf unsere Herzen! Ja, desto mehr werden wir ihm selbst begegnen auf diesen Wegen!

Herr, gib uns blöde Augen
für Sachen, die nichts taugen,
und Augen voller Klarheit
in alle deine
Wahrheit. Amen.

 

 

25.Oktober

Luk. 9, 33:  Da sprach Petrus: Meister, hier ist gut sein; laßt uns drei Hütten machen.

Naturlich, das gefällt dem Petrus,wenn sein Meister in Herrlichkeit verklärt und der Himmel offen ist! Wo so etwas passiert, da will er bleiben und gleich solche Stunden für immer festhalten; denn er will ja drei Hütten machen: dem Herrn eine, da fände er wohl noch mit Platz! und für Moses eine und für Elias eine, da könnten die andern beidenJünger mit hinein! Wie töricht Petrus denkt! Was soll aus der Erlösung der Welt, was aus dem Reich Gottes werden, wenn Jesus diese selige Verklärungsstunde hätte festhalten wollen. Ähnlich geht es bis auf den heutigen Tag. Wenn wir unsere seligen Andachtsstunden festhalten wollen, — Hütten bauen! — statt daß wir wieder von der Höhe der Verklärung hinab in’s Tal steigen, um dort im Alltagsleben des Herrn Werk zu treiben, dann denken wir ähnlich falsch. Seligkeit und ungestörten Genuß der vollendeten Gemeinschaft mit dem Herrn, können wir erst in der Ewigkeit haben; jetzt! — gilts arbeiten und sich anstrengen, daß des Herrn Werk nicht lässig getrieben werde. Hier die Arbeit, dort der Lohn. Hier nur ab und zu ein wenig Vorgeschmack der Seligkeit, gerade genug, um die Sehnsucht und das Heimweh nach der oberen Heimat wach zu erhalten, — dort die Ruhe des Volkes Gottes im seligen Licht.

Jesu, lieber Meister, öffne uns die Augen, daß wir sehen wie es überall da für uns gut ist, wo du uns hinstellst, wo du dabei bist, wo du uns hinhaben willst. Hilf uns aushalten und überwinden, bis wir die Krone des Lebens erlangen bei dir! Amen.

 

 

 

26. Oktober.

Gen 28, 15:  Ich will dich nicht lassen, bis daß ich alles tue was ich dir geredet habe.

So hatte der Herr mit Verheißungen seiner Treue und Hilfe den Bund mit Jakob angefangen und trotz aller menschlicher Verirrungen im Lande seines hat er festgehalten an diesem hellen Schein. Kein Wunder, dass es schließlich aus Jakobs Seele in jener Nacht des Kampfes mit wunderbarer Macht hervorquoll: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Gott hat den Grund zu solchem Vertrauen gelegt; kann er sich wundern, wenn die Herzen, die ihm sich wirklich ergeben, ihn nun ähnlich festhalten an seinem Wort. Er verspricht: Ich will dich nicht lassen, — und wir antworten in derselben Tonart: Ich lasse dich nicht, — nun, dann muß ja seines und unseres Herzens tiefstes Verlangen befriedigt werden, nämlich, daß ich sein eigen sei! Die volle Gemeinschaft des seligen Gottes mit dem rmen Menschenkinde ist das Ziel, zu dem er hinstrebt und für das wir geschaffen worden sind. Wollen wir uns durch nichts und niemand darin irre machen lassen, demselben Ziele zuzustreben, damit die zwei Linien, Gottes Tun an uns und unser Tun seines Wortes, zusammentreffen im seligen Licht.

Lieber himmlischer Vater, wir danken dir dass du uns nicht lassen willst! Wir können und wollen dich auch nicht lassen, bis du uns gethan hast, was du versprachst: daß wir selig werden! Und dann lassen wir dich erst recht nie mehr! Amen.

 

 

27. Oktober.

Eph 5,20    Saget Dank allezeit für alles Golt und dem Vater in dem Namen unseres Herrn Jesu Christ

Allezeit und für alles! Das klingt dem Menschenherzen das alle Künste und Schliiche leichter lernt als das Danken, wie eine starke Ubertreibung. Auch für Krankheit und Schmerz, erlittenes Unrecht und öffentliche Demiitigung? Ja für alles, weil mir, sowahr ich ein Kind Gottes bin, alles zum Besten dient. Damit seine Leser nun sich nicht an dem ,,Allezeit und für alles« · stoßen sollten, hat Paulus gleich noch etwas angehängt, wofür man nicht nur immer danken kann, sondern wodurch einem auch das Dankfensterchen
leichter aufgeht. Dem Vater, daß wir Gott als unsern Vater ansehen dürfen in Jesu Christo, -— daß wir diesen Herrn Jesum Christum haben und lieben dürfen, das freilich ist allezeit des Dankes wert. Wenn also jemand sich für den Unglücklichsten unter allen Menschen erklärt, – … dann wollen wir mit solchem Menschen niederknieen und mal von Herzensgrund danken für alles, was der Heiland an diesem Herzen schon getan hat, – was gilt’s, wenn wir ausstehen, wird die Seele sagen: Sie haben recht, ich war viel undankbarer als unglücklich! Jetzt ist mir schon viel leichter!

Lieber himmlischer Vater, vergib daß wir so oft auf der Seite des Flehens herumstreichen, daß sie glänzt und lassen die Seite des Dankens verrostenl Wende unsere Blicke auf das, wofür wir dir immer Dank sagen müssen! Lob sei deinem Namen allezeit und für alles. Amen.

 

 

28. Oktober.

Gen 45,4:   Ich bin Joseph, euer Bruder.

Was für eine Erziehung bis zu diesem Höhepunkt seines Lebens hatte Joseph durchmachen müssen! Wie tief hinunter vorher! Aber auch seine Brüder mußten erst zu dem rechten Schuldgefühl erzogen werden, damit dieser Tag ihnen heilsam und groß werden konnte. Je höher die Stelle ist, für die man erzogen wird, je grösser das Erbe ist, das man antreten soll, desto ernster die Erziehung. Ähnlich geht es -auch im Geistlichen. Was fürs schwere Wege ist Jesus gegangen, .— was mußten wir erleben, bis endlich die Stunde schlug, wo er uns begegnen konnte, wie hier Joseph seinen Brüdern und in überströmender Liebe in die Worte ausbrach: Ich bin Joseph, euer Bruder! Erlebt man’s aber, dann bleibts nicht nur bei der jauchzenden Freude, daß man ihn fand, dann folgt noch zweierlei: die Vergebung der alten Schuld, wie einst bei Josephs Brüdern und das andere, daß man bei ihm im Lande Gosen wohnen soll. Die Gemeinschaft mit ihm, daß er uns auch vor Gott als seine Brüder ausgiebt, daß wir auch vor der Welt als Jesu Bruder dastehen, die muß schon hier auf Erden reiche Früchte bringen: Friede und Freude im heiligen Geist! Dann müssen aber auch wir uns zu den Andern kehren lernen in der neuen Liebe, die da sprechen kann. Ich bin Joseph, euer Bruder!

O Herr Jesu, du Ehrenkönig! Du sendest von des Himmels Thron einen Strahl deiner Herrlichkeit, um unser betrübtes Herz zu laben. Laß uns wandeln im Licht vor deinem Angesicht! Amen.

 

 

29. Oktober

Gen 40,14    Aber gedenke meiner, wenn dir’s wohlgehet.

Der liebe Joseph! Wie jung war er wohl damals, als er so bat, daß er noch nicht die Art dieser Welt kennt. Wenn’s dem Menschen wohl geht, gedenkt er am wenigsten derer, denen er Dank schuldig ist. Sonst würde es nicht soviel Undankbarkeit in der Welt geben; denn Danken und Denken hängt inniger als nur dem Wortlaut nach zusammen. Später, wie eine Verlegenheit, eine Art Not am Hofe Pharaos ausbrach, als alle diese sklavischen Bedientenseelen vor der Verstimmung des Tyrannen zitterten, da bricht die Kruste Undankbaren Vergessens und der Mundschenk erinnert sich der Liebe und Tröstung, die er in den Tagen seines dunkelsten Leides von dem gefangenen Jüngling genossen. Daß er aber zwei Jahre hatte drüber vergehen lassen, kam ihm erst wie ein ungeheures Unrecht vor, als dieser Joseph, über ihn erhöht, der Mächtigste Mann nächst dem König wurde. Wie werden wir wohl einst unsern Undank gegen unsern Jesus empfinden, wenn die Weltdinge ihren Glanz verloren haben und die Sonne der Ewigkeit aufgegangen sein wird! Ach, wollen wir lieber heute noch gedenken an das was wir alles zu danken haben! Das ist oft das beste Mittel, um sofort zum Jauchzen zu kommen, wenn’s uns eben auch nicht glänzend geht!

Wir sind deine Leute, Herr Jesus! Mache uns dankbar für alles, was du an uns getan! Lehre uns deiner gedenken, einerlei, wie es uns gehen mag und lege uns alle Tage ein neues Loblied auf die Lippen! Amen.

 

 

30. Oktober

Jes. 52, 6:    Mein Volk soll meinen Namen kennen zu derselbigen Zeit. Denn siehe, ich will selbst reden.

Unter Kennen seines Namens versteht der Herr mehr, als das bloße Wissen von ihm. Das sieht man aus andern Stellen, wie Ps. 91,134. Er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Nicht nur Erkenntnis und Wissen, sondern herzliches Vertrauen und Verständnis, damit man den Namen so braucht, wie er gebraucht werden soll, zum Danken, Beten und Anrufen wird damit gemeint. Ist der Name die Offenbarung des Wesens, dann ist Jesus der Name Gottes, und Jesum kennen, Jesum lieb haben und durch ihn Zugang zum Vater haben, wäre die neutestamentliche Erftillung unseres Textes. Soweit kann es aber nirgends kommen, wenn nicht die Verkündigung des Evangeliums geschieht in solcher Art und mit solcher Beweisung des Geistes und der Kraft, daß sich der zweite Teil des Textes auch erfüllt: denn siehe, ich will selbst reden. Wir haben wohl schon alle Gelegenheiten gehabt, da ein Wort Gottes plötzlich. mit solcher Wucht an uns herankam, daß wir uns sagen mußten, das kam vom Herrn selbst. Ach, daß wir alle besser aufmerkten, wir würden mehr aus seinen Worten heraushörenl

Herr unser Gott! Wir wollen schweigen, rede du zu uns! Wir wollen uns richten nach deinem Wort, rede du zu uns! Wir kennen deinen Namen, nimm du dich unser an und rede du zu uns! Amen.

 

 

31. Oktober.

Kol 1,25:  Bleibet im Glauben gegründet und fest und unbeweglich von der Hoffnung des Evangeliums, von der ihr gehört habt.

Wie würde die Zahl der Festbesucher noch zusammenschrumpfen, wenn nur diejenigen wirklich etwas damit zu tun hätten, die die Reformation am eigenen Herzen erlebt haben. Luther ward erst Reformator, als er in wirklichem Glauben Gewißheit seiner Sündenvergebung erlangt hatte.Früher bist du gar nicht eigentlich evangelisch, als bis du solchen Glauben gewonnen Dann erst kann es heißen: bleibet in solchem Glauben gegründet! Lasset euch nicht locker und lose machen durch allerlei Wind der Lehre.
Wachsende Bäume, deren Wurzeln wirklich Nahrung aus dem Boden suchen, pflegen durch den Wind nur immer fester sich anzuklammern; dürre Bäume werden leicht entwurzelt. Wer aber wächst und fest zu seinem Heiland steht, der wird sich auch nicht von der Hoffnung aus die ewige Herrlichkeit, die das Evangelium bringt, wegtreiben und ablösen lassen durch alle Weltköder augenblicklicher Lust. Mit einem Wort: die rechte innere Erfahrung macht euch stark und treu im Leben und der Gerechte wird wachsen, wie die Zeder auf Libanon.

Ach, Herr unser Gott, sieh du darein und laß dich des erbarmenl Wir haben viel Verkündigung der reinen Lehre und sehen wenig Leben und Segen daraus entstehen ringsum. Sende deinen Geist, wie vor Alters, daß Leben wehe, Segen triefe und viele arme Sünder gläubige, selige Gotteskinder werden. Amen.