Andachten (November)

1. November

Sprüche 20, 28: Das Warten der Gerechten wird Freude werden, aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein.

Warten auf etwas ganz bestimmt Zugesagtes, — das kann man nur im Glauben, daß solche Zusage wahr und gewiß ist. Solcher Glaube ist schon ein Kennzeichen der Gerechten, der Leute, die all  ihr Vertrauen auf den Herrn setzen, die sich nicht nur Vergebung ihrer Sünden, sondern Lebenskraft und Lebenssegen, alles vom Herrn im Glauben zu nehmen gelernt haben. Das müssen dann auch geduldige Leute werden! Die können warten, weil sie fest glauben, daß ihr Warten nicht vergeblich ist, sondern den Ausgang haben wird, von dem hier steht: wird Freude werden! Mag’s eben auch eine Zeitlang dauern und auch eben keine Freude sein, warten zu müssen, wenn das eigene Herz und der Spott der Feinde einen ungeduldig machen möchte; -— es wird noch mal Freude werden. Hoffen wir bloß in diesem Leben auf Christum, – sagt Paulus -so wären wir die Elendesten unter allen Menschen: unsere Hauptsache steht aus und kommt gewiß. Wie stark macht der gewisse Glaube solche Wartende! Dagegen muß das Los der Gottlosen niederschmetternd sein: alle ihre Hoffnung setzten sie auf diese Welt und ihre Güter; und nun müssen sie schon vor ihrem Sterben es erleben, wie das alles seinen Wert und Glanz verliert und elend zu Grunde geht. Denn die Welt vergeht mit ihrer Lust!

Herr, unser Gott, wir danken dir für die feste Zuversicht, daß du uns gewiß bist! O stärke uns allezeit in solchem Glauben, damit unser stilles, frohes Warten eine Erquickung für Schwache und eine Predigt für die Welt werde, deren Hoffnung verloren ist! Amen.

 

 

2. November.

Hebr 11,7 . . . Durch welchen er verdammte die Welt. . ..

Das ist die einzige Art, wie wir die Welt verdammen dürfen! Nicht im Richtgeist, nicht mit harten, lieblosen Urteilen, sondern durch den Glauben. Entweder hatte Noah recht, wenn er Gott und seinem kommenden Gericht glaubte und die Arche zurüstete, – oder seine leichtsinnigen, lachenden Zeitgenossen hatten recht, deren ungeschriebene Lebensparole heute noch spöttisch wiederholt wird: ,,Nach uns die Sindflut« Mit jedem Hammerschlag predigte Noah; mit jedem neuen Balken, den er mit Hilfe seiner Söhne dem Kasten hinzufügte, predigte er. Der Tatbeweis seines Glaubens war die Arche. Ihm war das Wort seines Gottes so wichtig, er machte solch einen wirklichen, furchtbaren Ernst mit den Vorbereitungen zur Rettung, daß die Welt ihr Verdammungsurteil heraushörte aus seinem Hämmern und Klopfen. Ebenso soll unser Leben den Weltleuten den Ernst unserer Rettung klar machen. Sie müssen einsehen, dass, wenn wir mit unserm Glauben Recht haben, für den unser Leben ein geschlossenes, wirkliches Zeugnis abgibt, — sie verloren sein müssen. Wir dürfen nicht verschleiern, daß es uns ein ganz gewaltiger Ernst mit unserem Gerettetseinwollen ist; dadurch predigen wir besser, als bloß durch Traktat und Bibelausteilen, wenn dahinter keine Persönlichkeit steht oder alles Reden, das mit dem wirklichen Leben nicht stimmt.

Herr Jesu, lehre uns unsere Seligkeit schaffen mit Furcht und Zittern! Wirke in uns den Lebensernst, die völlige Hingabe, damit die Welt keine Entschuldigung finde in unserem halben Wesen! Nimm uns dir ganz dahin! Amen.

 

 

3. November.

1. Petri 1, 8:  Ihr, die ihr ihn nicht gesehen und doch lieb habet und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, werdet euch freuen mit unaussprechlicher Freude.

Es muß den Aposteln, die mit Jesu gelebt hatten, ein wunderbares Gefühl gewesen sein, wenn sie merkten, wie ihre Neubekehrten, ohne Jesum gesehen zu haben, doch fest an ihn glaubten und ihn innig liebten. Das ist auch einer der stärksten Beweisgründe für die Wahrheit des Christentums und das Leben des Auferstandenen, daß durch achtzehn Jahrhunderte hindurch es eine Schar, Millionen und Abermillionen gegeben hat, die, ohne Jesum je gesehen zu haben, fest an ihn glaubten und ihn mit brennender Liebe umfaßt hielten. Vor diesem Wunder haben schon manche gelehrte Ungläubige mit gesträubtem Haar gesessen: am Ende ist’s doch alles wahr? Was wird das aber für uns, die wir ohne Sehen glauben und lieben, für ein wunderbares Erleben geben, wenn der Schönste der Menschenkinder uns erscheinen wird in all seiner Herrlichkeitl- Wird er’s dann nicht glänzend wahr machen, was er selbst verheißen: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben? Diese Seligkeit, diese unaussprechliche Freude wird uns dann überkommen wie flutendes Meer, und wir werden jauchzend erkennen, wie alle Schwierigkeiten unseres Glaubens auf Erden, wie alle Hindernisse unserer Liebe auf Erden nur um so tiefere Gruben in unserem Wesen gerissen haben, damit sie jetzt gefüllt werden können durch die Freude über seine Erscheinung!

Jesus, wir warten auf dichl Erziehe uns beim Warten für die herrliche Erfüllung unserer Sehnsucht. Lehre uns warten und hoffen, glauben und lieben, damit du geehrt werdest dadurch! Amen.

 

 

4. November.

1. Kor 13,5 . . . Die Liebe suchet nicht das Ihre

Wenn man in diesem Kapitel an Stelle des Wort »Liebe« jedesmal den Namen ,,Jesus« hinsetzt, wird das Ganze noch einmal so Iebendig und sinnreich. (Bekanntlich kann man das an den meisten Stellen, wo in den iSprüchen Salomonis das Wort ,,Weisheit« steht, auch mit ähnlichem Erfolge tun) Jesus suchet nicht das Seine! Wahrhaftig nicht, sondern er sucht uns! Unsere Seelen zu retten, setzt er alles ein. Dann müssen naturgemäß unsre Seelen auch ihm gehören, und weiter müssen wir ihm ähnlich werden in der Liebe gegen die Andern. Wir sollen bei Freundschaft und Gemeinschaft in erster Linie nicht unsere Erbauung, unser Annehmlichkeit suchen, sondern die andrer Seelen. Es ist eins der vornehmsten Gebote des WeItkatechismus, bei jedem Vorgang stets zu fragen: Was habe ich davon? Statt dessen müssen wir fragen: Was könnte der Andre davon haben? Wirklich die Seele des Andern suchen! Ist das die Seele deines Urngangs mit den Deinen, mit Fremden, mit Feinden? Wenn ja, — dann wirst du selbst am meisten gesegnet werden dabei; wenn nein, — dann hast du solchen Umgang für die Ewigkeit meistens verloren. Ein wenig echter Liebe, ein bisschen geduldigen Zuhörens ein Hauch Von Seelenverstäindnis, — das öffnet die Seelen der Andern für das Wort, den Wink, das Zeugnis, das du ihnen gern bringen möchtest. Seelenliebe, selbstlose Liebe, das ist die beste Bekehrungspredigt.

O, dann gib uns, Heiland, solche Heilandsliebe. Schärfe uns den geistlichen Sinn, daß wir gegen uns selbst wahrhaftig werden und uns darin nichts vor machen. Was für Eitelkeit oder Sichselbstsuchen hinter unserem Eifer steckt! Lehre uns die andern suchen, wie du uns gesucht hast! Amen.

 

 

5. November.

1. Kor 1,8  Unser Herr Jesus Christus wird euch fest behalten bis ans Ende; dass ihr unsträflig seid bis an seinen Tag.

Jesus Christus will’s tun; er streckt die Hände danach aus; er richtet in unserm Leben alles danach ein und spendet vom Himmel her Segen und Hilfe zu diesem Zwecke. Niemand soll uns aus seiner Hand reißen. Wozu denn die wiederholte scharfe Mahnung, bis an’s Ende treu zu sein, auszuharren, zu überwinden, wachsam zu sein? Er gibt und hilft und hält von oben; wenn eine fremde Macht hinter unserm Rücken uns schaden will, wird er uns schon vor ihr schützen, um uns unsträflich und fest zu behalten. Oft erfahren wir von solchen Angriffen jetzt nicht einmal etwas. Bisweilen müssen wir’s erfahren, weil wir durch Kämpfe und Anstrengungen von unserer Seite etwas lernen und uns entwickeln, wie es durch nichts andres so gut geschehen kann. Aber dabei können wir in guter Zuversicht bleiben, daß er sein Werk auch in uns vollenden will. Nun, wenn wir uns von unserm Lebenszufluß von Jesu durch unsern Willen scheiden lassen, wenn wir ihn überdrüssig geworden sind und die Welt wieder lieb gewinnen, also Jesum selbst den Rücken kehren, — dann kann ein Zeitpunkt eintreten, wo die Liebe verdorrt und abgeschnitten werden muß. Das ist dann nicht seine, sondern ganz allein unsere Schuld! Selig können wir nicht werden durch uns selbst, aber verloren gehen können, wir nur durch unsere eigene Schuld!

Das wollen wir nicht, Herr Jesu! Wir bitten dich, zeige uns jede Gefahr und arbeite mit uns, damit wir in dir erfunden werden! Zieh uns, wir wollen dir gehören mit ganzem Herzen! Amen.

 

 

6. November

2. Tim. 2, 9: Gottes Wort ist nicht gebunden.

Ob die Gottesboten vielfach gebunden und gehindert sind, — und das sind siind sie — Gottes Wort ist nicht gebunden! Gott sei Dank dafür, daß die Kettenfabrikanten und Kerkermeister der Wahrheit und des Geistes nur bis an die menschlichen, fehlerhaften Träger der Verkündigung gelangen! »Das Wort sie müssen lassen stahn!« Das Wort geht seine Wege weiter. Beschimpft, verachtet, bindet oder begrabt Jesu Jünger! Jesu Wort könnt ihr nicht fassen und halten. Frei wie der Sturmwind in hoher Luft über die Schlagbäume hinfegt, — frei wie der Sonnenstrahl, der lächelnd niederschaut auf das Plakat der Menschlein: »Hier ist verboten Jesu Namen zu verkündigen!« — fährt das freie Evangelium durch alle Hindernisse hindurch! Erst die Ewigkeit wirds offenbar machen, was für Wundergeschichten auf Erden geschehen sind durch die Wirkungen des Worts! Hier wacht ein schier vergessener Bibelspruch plötzlich auf, dort spricht ein abgerissener Fetzen von einem christlichen Blatt ein erlösendes Wort zur rechten Zeit, oder ein Glockenklang oder ein Kreuzesbild kann mit einem Schlage zum elektrischen Stromleiter werden, darauf das freie Wort einschlägt, wie ein Blitz. Ihr Kinder Gottes lobt und preist den Herrn, dessen Wort nicht gebunden ist!

Das wollen wir tun, Herr unser Gott! Wir sehen staunend auf die Wunderwege, die du auch in unsern Tagen mit deinem Worte gehst! Wir, danken dir, daß du durch dein freies Wort die Gebundenen los machst und Hilfe schaffst aus dem oberen Heiligtum! Hallelujah! Amen.

 

 

7. November.

Luk 15,23  Herr, meinest du, daß Wenige selig werden?

Man nennt, auch im Geistlichen, mit Recht manche .Fragen, die einem oft gestellt werden ,,müßige« Fragen. Soll das nicht andeuten, daß der Fragesteller nur im Müßiggang auf solche Fragen verfällt und auch auf alle Fäille müßigbleiben will, mag die Antwort ausfallen, wie sie will? Solch eine müßige Frage. hat auch hier jemand Jesu gestellt, als dieser nach dem vorhergehenden Vers alle Hände voll mit seinen Predigtreisen zu tun hatte. Drum hat ihm Jesus auch gar nicht eigentlich geantwortet, sondern allen seinen Hörern es ernst in’s Gewissen geschoben: Ringet ihr darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet. Jeder soll sich zuerst in allem Ernst drum kümmern, daß er selig werde. Dann fällt die müßige Frage schon sofort weg und verwandelt in die andere tätige, brennende Frage: Herr, was kann und darf ich thun, daß andere noch gerettet werden? Da hat man keine Zeit zum Müßiggang, der auch im Geistlichen aller Laster Anfang ist, — sondern, man muß wirken, solang es Tag ist. Gerade die selige Gewißheit. der eigenen Rettung treibt und drängt uns fort zum Retten Andrer. Und dann ist Arbeit genug. Dann aber, überläßt man es getrost dem Heiland, was mit Andern in der Ewigkeit wird; weiß man doch, daß er’s recht machen wird so oder so!

Ja, wir trauen dir alles zu, Herr Jesu! Seit du uns wie einen Brand aus dem Feuer gerissen hast, glauben wir so an deine Liebe und Macht,daß uns kein Grübeln darin erschüttern kann, daß du der Sieger bist und überall bleibst! Amen.

 

 

8. November

Psalm 51,14 Tröste mich wieder mit deiner Hilfe

Das Wörtchen ,,wieder” erinnert uns daran, dass wir in einem steten Wechsel von Stimmungen  drin stecken, daß es ein Auf und Nieder in uns gibt, dass wir erlahmen und erliegen müßten, wenn wir nur ein einziges Mal in unserem Leben die Hilfe des Herrn erfahren würden. Wir brauchen ihn immer wieder. Das ist nicht betrübend, sondern beglückend, daß wir ins solche Abhängigkeit von Jesu kommen, wie jene Gattin ihrem Manne sagte: ,,JIch kann nichts mehr tun ohne dichl Bist du nicht da, fehlt mir alles! « Dazu kam der Schmerz, die Ermattung, die Not, dass die Sehnsucht nach der Hilfe des Herrn wieder klar in den Vordergrund trete; kaum ist so die photographische Platte unseres Herzens wirklich bereit zur Aufnahme eines Bildes, da tritt auch der Trost ein und Jesus erscheint dem Herzen. Andere übersetzen unsern Vers: »Laß mir wiederkehren die Freude deines Heils.« Daß man sich an dem Heil in Christo wieder wirklich freuen kann, ist schon ein Trost seiner Hilfe. Denn die Freude am Herrn ist unsere Stärke und in Augenblicken, wo die Freude an unserm Gnadenstande uns mächtig erfüllt, brauchen wir keine andere Hilfe, bedürfen wir keines Trostes. Wenn wir Trost brauchen, fehlt eben diese Freude. Suche wieder Jesum und du wirst Trost und Hilfe, Freude und Frieden wiederfinden.

Das ist uns, lieber Heiland, schon oft gesagt und wir wollen es uns immer wieder sagen lassen. Unser wankelmütiges Herz hats immer wieder nötig; Drum kehren wir uns eben zu dir und bitten dich: tröste uns wieder mit deiner Hilfe! Amen.

 

 

9. November.

Hiob 13,14:   Es ist ein unbesonnener Mann, der seinen Rat meint zu verbergen.

Gott hat den Menschen aufrichtig erschaffen, so dass es das Natürlichste ist, stets gerade herauszusagen, was man denkt; aber sie suchen viele Künste, unter andern auch, wie sie mit ihren Worten ihre Gedanken verbergen können Daher gilt es für unklug, das Herz auf der Zunge zu haben. Und doch sagt hier Gottes Wort, es sei ein unbesonnener Mann, einer, der nicht genug nachgedacht. hat, der noch meinet seinen Rat verbergen zu können. Vor Gott sind wir doch alle offenbar: siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, daß du, Herr, nicht alles wissest. Schon dieses Sinnen und sich Besinnen wäre heilsam: es ist einer, der auch die geheimsten Tiefen deines Herzens genau kennt, besser als du selbst. Aber, wer weiter nachdenkt, kommt zu der Erkenntnis, daß auch im letzten Grunde vor Menschen nichts verborgen bleibt. Der vollendetste Heuchler muß sich selbst verraten und entlarven. Aus deinen Worten und Werken wirst du erkannt. Es. ist das Gericht der Wahrheit, das durch die Welt geht, daß aus den Geschichten, aus dem, was innerlich geschehen ist, Gesichter  werden. Es prägt sich im Gesicht aus, womit dein Geist am liebsten sich beschäftigt. Darum muß es Besonnenheit sein, so zu leben, daß es an uns gar nichts zu verraten gibt. Je weniger Geheimnisse wir ängstlich zu hüten haben, desto klarer und wahrer, desto natürlicher und originaler lebt sich unser Inneres nach Außen, unser Herz im Leben aus.
An Jesus war nichts zu verraten!

Heiliger, wahrhaftiger Gott, wir sind vor dir entdeckt! Lehre uns so handeln und wandeln, sinnen und suchen, daß nichts in uns das Licht zu scheuen braucht. Lehre uns leben im Licht, in der ungetrübten Gemeinschaft mit deinem Licht! Amen.

 

 

10. November

Hebr 13,14   Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hätten wir hier eine bleibende, immerdauernde Wohnung, ein ewiges Leben in dieser Welt ohne immerwährende Jugend, wirkliches Lieben volle Befriedigung in der Arbeit, wäre das bald eine Hölle auf Erden!), dann hätten die Leute recht sich so abzumühen, um Geld und Gut aufzuspeichern oder um eine moglichst hohe Stellung einzunehmen. Da das aber nicht der Fall ist, so muß man ihr Suchen und Trachten als sinnloses Kinderspiel verurteilen. Wer wird sich auf einer flüchtigen Reisestation einen Garten anlegen wollen und junge Bäume anpflanzen? Dann hat nur das einen Sinn, daß wir die ewig bleibende Stadt, die zukünftig ist, suchen. Zukünftig heißt doch nicht ungewiß; denn der Tod ist uns allen, obschon er zukünftig ist, ganz gewiss. Wollen wir unseres Herzens Sehnen und Suchen aus der Rennbahn der Welt, wo man um Gold und Ehren läuft, beizeiten, das heißt heute noch, verlegen in die Fahrschule des Himmelreichs! Wir müssen Dinge erwerben die man dort braucht, Fertigkeiten uns aneignen, die dort wertvoll sind, Sprachen lernen, die man dort spricht! Es ist die höchste Zeit, weil wir nicht wissen, wie bald man uns abruft, daß wir uns im Werden und Wachsen, im Sehnen und Strecken richten nach der ewigen Heimat. “Mein Herz an dich gewöhne, Jerusalem, du Schöne!”

Darum bitten wir dich, du Bauherr und König jener oberen Vaterstadt, Herr unser Gott, erziehe aus uns Bürger und Eingesessene derselben! Löse täglich die Bande des Erdengewichtes! Laß unser Heimweh nach der ewigen Heimat sich zum stärksten Triebe auswachsen und bring uns heim! Amen.

 

 

11.November

Psalm 51, 12: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist.

Als der leichtfertige Spötter Voltaire den 51. Psalm in lästerlicher Weise umdichten wollte, kam er nur bis zu diesem Vers. Da erschrak er, daß ihm die Feder aus der Hand fiel und am ganzen Leibe zitternd gab er den gottlosen Versuch auf. Ja, das ist auch ein furchtbarer Ernst mit dem reinen Herzen! Gott begehrt es, denn ohne ein reines Herz wird niemand ihn schauen und wir alle haben es nicht. Gott soll es schaffen, beten wir und dabei wollen wir Hohn treiben mit dem Heiligsten und unsere geheimen Sündenflecken lieb behalten? Unser Gebet kann nur erhört werden, wenn wir selbst uns von ganzem Herzen sehnen nach einer wirklichen Umschaffung, wenn wir uns selbst ganz ausliefern an unsern Gott. Dazu bedarf es eines neuen Mittelpunktes in unserer verdorbenen Persönlichkeit, eines neuen Geistes. Dieser Geist darf nicht unklar, ungewiß, schwankend, mit sich selbst im Widerspruch sein, sondern er muß harmonisch, seiner Richtung gewiß, in seiner Art hell und unvermischt sein. Solch ein Geist wird das gereinigte Herz auch rein bewahren. Gott will das reine Herz schaffen; Gott will den neuen, gewissen Geist geben, — o sag, wie kannst du es aushalten mit deinem unreinen Herzen, deinem alten, unruhigen Geist neben solch einer dir angebotenen Umwandlung ?

Wir konnten es auch nicht aushalten! Des bist du unser Zeuge, Herr unser Gott, wie unser Herz dir zujauchzte, da du den Himmel zerrissen und dein Geist im Brausen uns erfiillte! O mach’ uns treu und lehre uns achten auf jeden Wink deines Geistes, damit wir deiner großen Gabe würdig wandeln! Amen.

 

 

12. November.

1.Mose 18, 22: Abraham blieb stehen vor dem Herrn.

Gewiß gibts Stunden,- wo ein Marschbefehl uns vorwärts treibt in die ersten Linien; gewiß gibts Zeiten, über denen sich das Wort erfüllt: ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen. Aber es gibt auch Augenblicke, wo der Herr sich stellt, als wollte er weitergehen und man vor ihm stehen bleiben muß, um mit heimlich-heißer Gebetsarbeit ihn festzuhalten. Man wird für solches Stehen vor dem Herrn am besten gewandelt zu wenig zugerüstet, wenn man auch sonst, vor dem Herrn gewandelt ist, wie Abraham (1. Mose 17,1). Es wird auf den Zusammenhang zwischen Leben und Beten geachtet, wie er vor einem ernsten großen Gebetskampf bestehen muß und zu wenig aufs denselben, wie er nach dem Gebetssieg sein muß. Es paßt sich doch nicht,  ja es ist undenkbar, daß ein Mensch monate-, ja jahrelang in den dumpfen Niederungen des selbstsüchtigen Treibens dahingegangen ist und dann plötzlich eine gewaltige Gebetskraft an den Tag legen soll, um gleich nachher wieder in den alten christlichen 5chlendrian zu versinken. Wir sind’s dem König der Geister schuldig, uns zu rüsten durch Stillewerden auf die heilige wichtige Audienz und nachher den Glanz zu bewahren, der auf unserem Antlitz liegen blieb, weil wir mit ihm geredet haben.

O Herr, verwirf unser Flehen nicht! Reinige und heilige uns zum besseren Gebet und laß dann deinen Segen auf uns bleiben, damit wir für Andere priesterlich eintreten können im Geist und in der Wahrheit! Herr, erbarme dich über unser Beten! Amen.

 

 

13. November.

Ephes. 4,15: Lasset uns rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus.

Man kann Rechtschaffenheit und Wahrheit festhalten und dabei doch ein rechthaberischer, unleidlicher Geselle sein. Wer hätte nicht schon solche Biedermänner kennen gelernt, die in pharisäischer Engherzigkeit und hochmütigem Richtgeist ihrer ganzen Umgebung znm Ärgernis geworden sind. Darum setzt Paulus hier die rechte Mischung des Rezeptes hin: rechtschaffen in der Liebe. Wahrheit über Alles, – aber nur nicht ohne die Liebe! Liebe über Alles, — aber nur nicht unwahr und unzuverlässigl Für diese beiden Stücke, — ja für alle Stücke kommt’s eben auf das gesunde, gleichmäßige Wachsen an; würde ein Glied allein wachsen, gäbe es ja Mißgestalten und abstoßende Verzerrungen. Ist nur das Haupt etwas so Vollkommenes, etwas so Harmonisches, wie Christus, dann muß der ganze Leib in allen Stücken diesem Haupt entsprechend, ihm ähnlich, seiner würdig werden. Können wir unser leibliches Wachsen nicht regeln, — das geistliche Wachsen ist täglich in unsere Hand gelegt. Alle Tage bietet der Herr uns den Reichtum seines Herzens, die Wundergaben seines Geistes an und ob wir sie wirklich nehmen und wie wir sie brauchen, das ist unsere Sache; freilich auch unsere ungeheure Verantwortung, denn wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt werden.

Ach, lieber Herr, wir klagen es dir, daß wir im Geistlichen solche krumme, schiefe, verbogene Bäume sind. Erbarme dich über die Deinen und mache durch deines Geistes Zucht deine Kinder schön, daß es eine Lust werde, dem Wachstum deiner Zedern auf Libanon zuzusehen! Amen.

 

 

14. November.

Hiob 38,11: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, hier sollen sich legen deine stolzen Wellen.

Schon oft stand ich am Meeresstrand und schaute staunend den Wellen zu! Da kamen sie schäumend und donnernd wie rasende Ungetüme einher und mit einem Mal, — was ist das, -— zerfließen sie ohnmächtig und legen den silbernen Schaumgürtel gehorsam wie Hündlein zu unseren Füßen nieder. Und es ist doch nur flacher, weicher, wehrloser Sand, an denen sie ihre Wucht brechen. Da ist unseres Gottes Machtwort in der Natur. Geht es nicht mit der Flut der Menschenmoden und -Meinungen ebenso? Der Herr ist größer in der Höhe! Sollte es mit der Wut seiner Feinde, da die Flut der Gotteshasser ins Ungemessene zu wachsen scheint, nicht schließlich ebenso ergehen? ! Er hat all diesem Trotzen und Schäumen sein Ziel gesetzt und wenn sie im Anprall an seine Grenze auch am lautesten tosen: Der Herr ist größer in der Höhe! Dieser Gott, des Fuß in großen Wassern geht, ist unser Vertrauter, unser nächster, bester Freund, unser Heiland, unser Trost! Willst du da noch bange klagen? Willst du, schwaches Herz, noch zagend nach den herankommenden Wellenbergen blicken? O blickt lieber auf, blick in die Höhe! Flüchte zu ihm und laß dich heilen von der unwürdigen Angst. Denn Furcht ist nicht in der Liebe. Der Herr ist mein Schild; vor wem sollte mir grauen?

Lob und Preis sei dir, Herr unser Gott, daß du so groß und herrlich bist und doch so nah und lieb all’ deinen Kindern. Wir danken dir für Alles, was du schon an uns getan und trauen dir alles Weitere für alle Zeit und Ewigkeit zu! Du bist unser! Wir find dein! Dein Name sei gelobet! Amen.

 

 

15. November.

Apostelg, 4,20: Wir können’s ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehöret haben.

Angesichts solcher und ähnlicher Stellen wird man sehr nachdenklich. Jst damit ein Gesetz im Reich Gottes ausgesprochen, daß, wo wirklich eine Erfahrung des Auferstandenen erlebt worden ist, auch ganz von selbst dieser natürliche Zeugengeist erwacht, — wieviel von unserem Christentum ist dann noch gar nicht vorhanden! Gehört das Bekennen des Namens Jesu ganz unbedingt zum Leben aus Gott, —- wie viele Gemeindeglieder unserer Kirche sind dann wirklich tot? Ja, auch auf unser eigenes Christenleben wirft diese einschneidende Beobachtung ein grelles Licht. Es gibt doch Zeiten und Gelegenheiten genug in unserem Christenstande, wo wir es nicht nur ganz leicht lassen können, Jesum zu bekennen, sondern wo es uns sogar lieber und leichter ist, den liebenswürdigen Weltmenschen zu spielen, um der »Liebe« willen  zu schweigen, als daß wir Uns auf die Seite der eben verlachten ,,Mucker« stellen. Leben Jesu in uns ist dann wohl wenig da! Wenn wir uns erst extra anstrengen müssen, einen Anlauf nehmen müssen, um das natürlichste Ding von der Welt zu sagen, das; wir Kinder uns unseres Vaters nicht schämen, dann ist das eine künstliche Unstrengung, keine Auswirkung vorhandenen Lebens. Und dann denke diesem Spruche weiter nach!

Und du, Herr Jesu, segne solches Nachdenken mit deinem Geist! Du hast es verheißen, daß er uns in alle Wahrheit leiten soll; nun dann auch in die Wahrheit über uns selbst! Bewahre uns vor frommem Schein, aber auch davor den wahren Schein zu verstecken! Amen.

 

 

16. November.

Joh. 7, 58: Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.

Ströme? Wie klagen die lieben Christen denn über ihre Dürre? Sie selbst sollen ja dem Felsen ähnlich sein, welcher mitfolgte in der wasserlosen Wüste, und nicht nur spärliche Rinnsale, sondern Ströme frischen Wassers spendete. Ja, das war Christus selbst. Aber ein Paulus, Luther, Zinzendorf, Spurgeon und tausend Andere, die für ihren Kreis Ströme von Leben fließen ließen? Ja, das waren bevorzugte Ausnahmen! Wir sind nur gewöhnliche, schwache, elende Leute! -— Wo steht denn hier eine andere Bedingung als glauben? Wer nur wirklich erst an Jesum glaubt, mit diesem Hochbassin von Leben und Geist in geheimer Verbindung steht, der
wird zur Wasserquelle! Hat dein Haus, dein Bekanntenkreis, deine Gemeinde, deine Stadt nicht solch einen Quellort nötig? Warum sollst du es nicht werden? Leg’ die Hand auf diese Stelle und schau betend und liebend und glaubend auf zu Jesu, -— was gilts, er kann aus dir noch solch einen Felsen machen, von dem Wasserströme ausgehen rings in’s Land hinein. Ich habe ziemlich ungebildete Bauern, Schuhmacher, Feldwebel, Nähterinnen und Waschfrauen kennen gelernt, die für ihren Kreis solche Quellorte waren. Warum nicht du? Es liegt nur an der gläubigen Hingabe, an der Echtheit und Wahrheit deiner Stellung zu Jesu und alles andere schafft er!

Nun, dann nimm uns alle, Herr Jesu, und schaffe uns um! Felsen können an sich kein Wasser geben, — schaffe du uns Lebenswasser aus der Höhe! Ach, wir dürften heimlich nach Segen, -— tränke uns so, daß wir für Andere zum Trinken taugen! Amen.

 

 

17.November

Hebr 12,3: Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat.

Und wir werden so leicht durch jedes Widersprechen gereizt! Besonders demütigend ist es nachher,  wenn wir einsehen, daß wir das Widersprechen überhaupt noch gar nicht vertragen zu können scheinen und durch diese Schwäche dem Reich Christi Schaden tun. Da waren es Ungläubige, deren Widersprechen wie ein Kampf mit dem bösen Feinde nur hätte in der Macht des Herrn, in Liebe und Geduld, bei aller Festigkeit, stille ertragen werden müssen. Sie hätten es an uns sehen müssen, daß unser Glaube uns besser und liebevoller macht, was ihr Glaube nicht kann. Hier waren es Gotteskinder, die in manchen Fragen ein bißchen anders urteilen als wir; vielleicht sind sie anders geführt als wir. Warum konnten wir den Widerspruch so schlecht ertragen? Weil wir nicht gedachten an den, der ein ganz anders geartetes Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat! Ach, warum gedenken wir erst nachher an ihn, wenn unsere bereits begangenen Sünden uns kränken, und nicht schon lieber vorher, damit die Sünden gar nicht zur Tat würden! Das würde einen Umschwung unseres Christenlebens und all des christlichen Verkehrs zutage bringen, über den die Welt staunen müßte. Wollen wir heute mit dem Umschwung bei uns im Hause anfangen? Dann erinnern wir uns täglich mehr als einmal daran, wie wichtig uns seine Nähe und seine Kraft ist. Die Freude an Jesus hadert nicht und fährt nicht gereizt empor.

Herr Jesu, erbarme dich deiner schwachen Jünger! Erinnere uns, ziehe und erziehe uns, damit deine Geduld und deine Gehaltenheit über uns komme wie Sonnenschein! Mache uns froh, sanft, still und klein! Amen.

 

 

18. November.

Psalm 141,5: Der Gerechte schlage mich freundlich und strafe mich; das wird mir so wohltun, als ein Balsam aus mein Haupt.

Zum Schlagen andrer sind ,,Gerechte” wie Ungerechte schnell bereit; denn der Richtgeist hat vielmehr Unhänger, als der heilige Geist. Aber ob das dann auch freundliches Schlagen sein wird? Das kann man ja an der Wirkung merken. Statt, daß solch ein Strafen In der Liebe dem Geschlagenen so wohlthut, wie ein duftender Balsam aus sein Haupt, — hat blos der Schlagende seine f!eischliche Freude an solchem »die Wahrheit sagen«, -— der Geschlagene aber ist empfindlich, gekränkt und kann dem Andern das nie mehr verzeihen, wofür er ihm Ja eigentlich den wärmstem Dank schuldet. Ach, was sind wir, -— Schlagende und Geschlagene, für jämmerliche Leute! In uns selbst verliebt, voll Wohlgefallen an uns selbst in der schlimmsten Verblendung über uns selbst, in geistlicher Eitelkeit und Hohlheit gehen wir daher und können mit einem einzigen Wort des treffenden Tadels aus allen Himmeln unserer andächtigen Stimmung gerissen werden. Wenn man in diesem Stück an die zwiefachen Erfahrungen zurückdenkt, die man an sich und an Andern in christlichen Kreisen mit diesem Schlagen gemacht hat, möchte man , sein Haupt hin legen und weinen über den Schaden Josephs! Ist’s bei dir besser, dann strafe mich, -— aber bitte freundlich!

Du aber, du Herzenskündiger, du weißt, wie es steht. Jesu, erbarme dich unser und heile uns von allem Wohlgefallen an uns selbst! Gib uns von deiner Liebe, die sich nicht erbittern läßt und segne unser Schlagen und Geschlagenwerden am inwendigen  Menschen! Amen.

 

 

19 November

Joh. 14,17: Denn er bleibet bei euch und wird in euch sein.

Zwei Zusagen Jesu über den Geist: sein Bleiben bei uns und sein Wohnen in uns. Leise, heimlich ohne gewaltige Bezeugungen seiner Gegenwart kam er und so bleibt er bei uns. Auch, wenn wir gar nicht an ihn denken, uns mit ihm nicht beschäftigen, kann er dicht bei uns sein. Denn seine liebste Beschäftigung ist ja, wenn er unsere Seele an Jesum erinnern und mit Jesu Gegenwart stillen kann. Wie ein treuer, starker Geleitemann geht er neben uns her, — hebt hier ein Steinchen aus dem Wege, schiebt dort einen Riegel vor, gibt hier einen Wink und stellt dort eine Warnungstafel uns vor die Augen. Wir ahnen es gewöhnlich gar nicht einmal, was er jetzt schon alles bedeutet! Besonders das zweite, das in uns Wohnen, macht sich nur in den Wirkungen offenbar. Darum ward dir bei jener Unterhaltung so schwül zu Mut! Darum blieb dir dort das voreilige Wort im Munde stecken! Darum mußtest du plötzlich beten, eh’ du jene wichtige Entscheidung fälltest. Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Das ist die rechte, neue, heilige, Seelenkunde, daß wir achten lernen aus des Geistes Wehen in unserem Innern. Das ist Jesu Ehre und Sieg, daß arme, fehlerhafte Menschen sich so ganz leiten lassen von seinem Geist!

Das danken wir dir, Herr Jesu, dass du so für uns sorgst und uns durch deinen Geist so führen willst, daß wir schließlich keine andern Lehrer und Ratgeber mehr bedürfen, als dein Wort und deinen Geist! Mache uns nur immer aufmerksamer und getreuer! Amen.

 

 

20 . November

Hiob 57,7: Alle Menschen hat er in der Hand, wie verschlossen, dass die Leute lernen, was er tun kann.

Dass die Gläubigen in Jesu Hand sind, ist ihr großer Trost. Warum wird nicht auch mehr an die and’re Wahrheit gedacht, daß Gott alle Menschen in seiner Hand hat? Statt aller Beweise für das Dasein Gottes möchte man den Leuten nur immer wieder klar zu machen suchen, daß sie mit all ihrem Rennen und Laufen, Streiten und Zweifeln, mit Leib und Seele in der Hand desselben Gottes sind, gegen den sie sündigen und den sie leugnen. – Das ist eine Schule allerersten Ranges »daß die Leute lernen, was er tun kann«. Da herrscht auch Schulzwang in diese Schule müssen sie mit all ihrem Ergehen hinein, ob sie wollen oder nicht, ob sie es einsehen oder nicht. Oder soll alles Zufall sein? Was soll man sich bei diesem Verlegenheitswort denken? Gar nichts, denn das kann es ebenso wenig geben, als daß sich bei dem Wählen des Menschen alles Erleben aus irdischen, erkennbaren Ursachen erklären ließe. Sie wollen es eben nicht wahrhaben, daß er, der heilige Gott, sich in ihrem Leben offenbart und sprechen lieber, wenn seine Rute sie trifft: »Das war Holz« -— als daß sie ihn fühlen und finden möchten (Apostelg. 17, 27). Wer aber sein Gewissen auch zum Schweigen bringt und dadurch in Gottes Lebensschule nichts lernt, der wird in Ewigkeit für seine Verstockung leiden müssen.

O, Herr, wir bitten dich, lehre uns hier merken aus deine leisesten Winke, damit du keine schwereren Wege mit uns zu gehen brauchst. Halte uns in deiner Hand als dein Eigentum, bereite dir zum Ruhm, deine Kinder! Amen.

 

 

21. November

5. Mose 5, 32: Tut wie euch der Herr, euer Gott, geboten hat, und weichet nicht, weder zur Rechten noch zur Linken.

Will man, »Um des lieben Friedens willen”, es Denen zur Rechten und Denen zur Linken zu Gefallen tun, so wird man hin- und hergerissen, geschunden und gedrückt, — wie zwischen den Puffern zweier Waggons! Darum haben sich Viele ganz und gar an eine der beiden Parteien angeschlossen und meinen, Wunder wie gut es um sie stände, weil sie begeisterte und drum gelobte Anhänger einer menschlichen Partei sind, Sollte diese Partei auch aus frommen Leuten bestehen, mit denen ich gern die Schmach Christi trage, — ihr Parteigänger darf ich doch nie werden! Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte, und wenn es Paulus oder Kephas wären! Der Herr hat mich berufen, erlöst und geführt bisher; -—ihm muß ich gehören und gehorchen und im Tun seines Willens meine Lebensaufgabe sehen. Gehöre ich so in der Tat zur unsichtbaren Jesus-Partei, die sich nie in allen Stücken mit den sichtbaren Menschenparteien deckt, dann kann ich die Anderen als Brüder lieben und viel Segen in ihrer Gemeinschaft haben und stiften. Aber mit Leib und Seele kann ich nur an ihm hängen, gehorchen kann ich nur einem, dem, den meine Seele auf Golgatha gefunden hat und dem sie seither folgt mitten durch Samaria und Galiläa hindurch!

Jesus, gib mir die rechte wahre Gebundenheit an dich, damit ich unselbständig vor dir, selbständig und frei werde vor den Leuten! Laß das meines Lebens Kraft und Glück sein, keinen Herrn zu haben als dichl Amen.

 

 

22. November

Psalm 145, 5: Ich gedenke an die vorigen Zeiten.

Wie der Frühling die Zeit freudiger Hoffnung, so ist der Herbst gestimmt für wehmütiges Erinnern. Der Christ wird sich so allgemeinen Stimmungen nicht gewaltsam zu entziehen brauchen, sondern es versteht  sich für ihn von selbst, daß sie verklärt werden durch das Licht, das sein geworden ist. Gedenken wir an all das Gute, das der Herr an uns getan, dann ist der Wehmut  ihre schmerzliche Seite genommen, denn wir können nicht anders, als danken. Gedenken wir unserer Lieben, die uns vorangegangen sind, dann können wir nicht lang traurig sein, denn wir wissen sie beim Herrn und freuen uns aufs Wiedersehen im ewigen Licht. Gedenken wir unserer alten Schulden, der Schatten, die wir selbst auf unseren Weg warfen, der Schmerzen, die wir uns selbst schufen, dann können wir nicht lang schmerzlicher Stimmung nachhängen, denn »die Schulden, die vergang’nen hast du getilget ganz und führtest die Gefang’nen zu deines Lichtes Glanz«  Auch, wenn Folgen unserer Sünden uns anhängen, wie nachschleppende klirrende Reste der längst gesprengten Kette, dann sagen wir uns: auch das, was uns ein Fluch sein könnte, wird in des Herrn Hand zum Segen! Er benutzt auch all’ das dazu, um unsere Seelen zu erinnern an unsere Schuld und seine Gnade.

Herr, unser Gott, wir sind nicht wert aller Treue und Barmherzigkeit, die du an deinen Knechten getan! Lehre uns aus dem Gedenken an die vorigen Zeiten, wie wir dir in der Gegenwart recht danken  sollen und das wir uns mit all’ unserer Zukunft in ideine Hände legen müssen! Amen.

 

 

23.November

Hiob 29, 2-4: O daß ich wäre wie in den Tagen, da mich Gott behütete; da seine Leuchte über meinem Haupte schien, und ich bei seinem Lichte in der Finsternis ging; wie ich war zu der Zeit meiner Jugend, da Gottes Geheimnis über meiner Hütte war.

Es gibt Stimmungen und Zeiten, für die unser Textwort der passendste Ausdruck ist. Natürlich und berechtigt scheint dieser wehmütige Ausruf zu sein, und dennoch steht er dem leidenden Hiob besser zu Gesicht, als den echten neutestamentlichen Christen. Liegt wirklich das Bessere hinter uns zurück? Gab es eine Zeit, da wir treuer, seliger waren als jetzt? Geht’s abwärts mit den Wirkungen »der Gnade? Es kann wohl in flüchtiger Stimmung uns so vorkommen, aber wenn es in der Tat so wäre und so bliebe, müßten wir das als ein Zeichen schwerer Erkrankung unseres Christenlebens ansehen. Die den Herrn lieb haben, müssen sein, wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht. Das Gefühl kann zu Zeiten kalter sein; die Begeisterung der Jugend mag nüchterner Erwägung Platz machen, — aber die Kraft und Innigkeit der Liebe zum Herrn und seiner Liebe zu uns nimmt nicht ab, sondern zu. Unsere Heiligung ist doch ein Wachstum. Mag der Baum schöner aussehen im Blütenschmuck, mehr wert ist er im Herbst; denn zwischen den häßlicher gewordenen gelben Blättern prangt die Hauptsache: der Erntesegen an reifen Früchten! Kann der Heiland heute nicht mehr von dir erwarten als früher? Giebt’s nicht im Leiden und der Entsagung, im Reifwerden und der wirklichen inneren Reinigung einen gewaltigen Fortschritt gegen damals zu verzeichnen?

Wir wollen, Herr Jesu, uns nicht beirren lassen durch allerlei Stimmung. Wir schauen auf dich und wir trauen dir! Du wirst unsere Sache zum Siege fuhren. Ob unser außerer Mensch verfällt, erneuere du täglIch den innern in dein Bild! Amen.

 

 

24. November.

1. Mose 52, 24: Und blieb allein.

Wie fürchten die rechten Weltleute das Alleinsein! Wahrscheinlich, weil da das Gewissen lauter spricht, als in Gesellschaft, »weil da Gottes Nähe spürbarer«ist, weil sie sich fürchten vor sich selbst. Und doch werden sie im Sterben es durchmachen müssen, das Alleingelassenwerden. Da kann ihnen keiner zur Seite stehen, weil sie Jesum nicht wollten! Aber wie steht’s bei uns? Verstehen wir etwas vom Segen der Einsamkeit? Kennst du sie nicht, die heiligen, seligen Stunden, wo Jesus dich besonders. nahm von dem Volk, um mit dir zu verhandeln, was Niemand angeht, als dich allein? Ob’s in schweren Seelenkämpfen wie dort bei Jakob an des Baches Furt sich handelte, um eine innere Zurechtrenkung, bis drüber der Leib zerbrach (V. 31), – oder ob·’s sich handelte um die seligste Erquickung, daß du das Nahesein des großen Arztes auch leiblich spürtest, wenn er dir nach allen Zurücksetzungen von Menschen und allen Enttäuschungen sagte: »Ich bin dein Teil und dein Erbgut«. — Immer wollen wir dieses Alleinsein mit dem Herrn segnen! Allein mit ihm, –«so oft er will und wie er will, -— allein ohne ihn nie und nirgends! Hänge an keines Menschen Nähe als an deinem Trost, aber lerne dich zu erbauen an deinem Herrn!

Jesu, du unser Trost und Teil, du Heiland und Herzenslicht in aller Dunkelheit, sei du uns nur nicht schrecklich! Sprich du mit uns, sage, was du gegen uns hast und erbaue uns mit deiner werten Liebe ganzen Süßigkeit! Segne unser Alleinsein mit dir! Amen.

 

 

25. November

Hebr 15,15: So lasset uns nun zu ihm hinausgehen außer dem Lager und seine Schmach tragen.

Aber, bitte, achte zuerst darauf, was seine Schmach sei! Was wir uns durch Unvorsichtigkeit, Fehler und Schuld an Schmach aufhalsen, ist wahrhaftig nicht seine Schmach. Auch, was sich andere Brüder durch Engherzigkeit und Beschränktheit für Spott einheimsen, ist nicht Jesu Schmach. Also wirklich nur zu Jesu hinaus! Meinethalb auch aus christlich angestrichenem Lager, wo bestimmte christliche Moden herrschen, hinaus zu ihm! Er hat ja vorausgesagt, dass es -immer nur wenige sein
werden, die den rechten Weg ihm nachwandeln; dann laß  dich das Gerede der Andern nicht anfechten und dringe
auf völlige Wahrheit und ganze Wirklichkeit deines Umganges mit ihm. Dann wird die Schmach, die Christus hatte und trug, daß er die Welt, auch die fromme Welt verließ um ganz seinem Vater zu gehorchen, auch an dir offenbar werden. Daß wir heutzutage noch wirklich an Jesus, als den Lebendigen glauben und ihm allein wahre Hilfen zutrauen, ja uns ganz an ihn anklammern und allerlei Weltmittelchen verschmähen, das trägt Schmach genug, waschechte Schmach genug ein. Je klarer die Welt davon überzeugt ist, daß du nicht in ihre Schablone passest, daß du nicht vor ihren Götzen knieest, desto entschiedener wird sie im Schmähen und Verachten werden. Wohl dir, wenn’s klar und deutlich damit wird! .

Herr Jesu, wir hängen an dir. Alle Tage wird’s uns immer wieder deutlich, wie wir ohne dich nichts sind und können. Darum hilf uns stets da sein, wo du bist, auch wenn’s Anfechtung, Schmach und Spott sein sollte. Herr ziehe uns aus dem Lager dir nach! Amen.

 

 

26. November

Hebr 5,9: Da er ist vollendet, ist er worden allen, die ihm gehorsam sind, eine Ursach zur ewigen Seligkeit.

Die eine Bedingung Ist erfüllt: Jesus Ist vollendet. Jetzt ist vom Himmel her alles soweit in Ordnung, dass er uns eine Ursache zur ewigen Seligkeit werden kann. Er ist mit seinem Leben und seinem Recht die Ursache, und die Wirkung ist unsere ewige Vollendung. Aber da fehlt noch die Erfiillung der zweiten Bedingung: »Die ihm gehorsam sind.« Nur, wenn von unserer Seite auch dieses eine kleine Zwischenstück eingeschoben wird, kommt die gewaltige Bewegung der Heilkräfte uns zu gut. Ungeheure Bohrungen im Felsgestein sind vollendet, die Minen sind gestellt, elektrische Dräihte sind gespannt; jetzt bedarf es nur noch der Verbindung dieser Drähte und die Sprengung erfolgt. Man braucht nur mit einem schwachen Finger auf einen kleinen Knopf zu drücken, dann schlägts los. Diese eine kleine Leistung von unserer Seite ist der Gehorsam gegen Jesus. Soweit wir ihm wirklich gehorsam sind, soweit reicht die Kraft seiner Erlösung. Sind wir ihm ganz gehorsam, auch mit all unserm natiirlichen Leibesleben, so ist sein ganzes Werk, seine ganze Hilfe für uns da. Ach, das wir endlich ganz gehorsam würden, um den ganzen Segen. zu empfangen, den er wirken kann und längst schon gern bei uns erweisen möchte!

Öffne uns die Geistesaugen, Herr Jesu, das wir von Fall zu Fall, von Tag zu Tage erkennen, wo wir dir gehorsam sein müssenl Und was wir erkannt, das hilf uns tun, damit du in uns wirken könnest, was du so gern willst! Amen.

 

 

27. November.

Offenb. 22, 12: Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen wie seine Werke sein werden.

Von der Wiederkunft des Herrn wird durchschnittlich in unseren Kirchen zu wenig, gesprochen und das ist mit ein Grund, warum das Christentum der Gemeinden nicht in die Höhe geht. Denn es ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob man am Christenglauben nur hin und her ein wenig Trost für den Augenblick haben will, höchstens noch für’s Sterben, oder ob man mit ihm sein ganzes Wesen und Treiben so durchtränkt, daß man eine Weltumwälzung durch Jesum wirklich erwartet. Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken. Wachsen wir der Zukunft Jesu entgegen? Jst unser Leben darauf angelegt, dass; es eine Predigt, eine Weissagung des kommenden Jesus werden kann? Ein einziges Wort unseres Textes wäre recht betrachtet im Stande uns gewaltig aufzurütteln: werden, wie unsere Werke dann bei seiner Wiederkunft sein werden. Unsere Werke sind nicht zu Ende, wenn wir sie getan; sie haben eine Geschichte, die erst abschließt bei der Wiederkunft Jesu. Was ist bis dahin aus einem» leichtsinnigen, unkeuschen Wort für eine Ernte gewachsenl Was für eine Sündenlawine aus einem Spott uber’s Gebet! Wieviel Andere hat der
Aussatz eines Unreinen angesteckt! Was werden deine Werke dort sein, Fluch oder Segen? Auf alle Fälle sendet ihnen dein Gebet nach, damit der Herr noch gut mache, was du verdorben!

Herr Jesu, wir glauben an dein Kommen und richten uns darnach ein, daß du alles in  Ordnung bringen wirst. Darum aber bitten wir dich, gib uns den rechten Ernst als die Leute zu leben, die sich für deinen großen Tag rüsten. Herr, hilf uns, wir sind dein! Amen.

 

 

28. November

Röm. 14,7: Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber.

Die selbstsüchtigen Weltmenschen lebten für sich; all ihr Trachten und« Treiben drehte sich um das liebe Ich. Das war ihres Lebens Halt und Stütze, Sinn und Licht. Wenn sie nun sterben müssen, bricht dieser Halt zusammen, erlischt dieses Licht: wie sie sich gelebt, müssen sie nun auch sich sterben. Daher ihre furchtbare Angst vor dem Tode. Von den Unseren, die wir Jesu Eigentum geworden sind, müßte es schon im Leben gelten: Jesus ist Halt und Stütze, Sinn und Licht unseres Erdenlebens. Denn, was ich jetzt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes. Wenn wir nun sterben, bleibt unser Halt stehen, unser Licht brennen. Jesus bricht nicht zusammen, wenn die irdischen Bestandteile meines Körpers wieder zur Erde zurückkehren. Jesus löscht nicht aus, wenn mein Auge für diese Welt sich schließt. Mein Sterben war in diesem Sinn auch nicht für mich, wie mein Leben nicht für mich war. Ich bin und bleibe, ob hier auf Erden oder in der unsichtbaren Welt Jesu Eigentum, Jesu Diener, Jesu Glied. Daher braucht auch unser keiner sich mit Todesfurcht zu plagen. Wir gehen nur in eine noch nähere Stellung, in noch besseren Umgang mit dem Herrn ein» Die alte Uniform tragen sie mit Tränen zu Grabe, derweil wir die neue, glänzende, reine droben anziehen!

Jesus, der du Herr geworden bist über Tote und Lebendige, erfülle unsere Seele mit Glaubenskraft und Zuversicht. Führe uns, trage uns hinüber in dein Reich, ins ewige Licht! Amen.

 

 

29. November.

Psalm 90, 12: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Klugheit richtet alles zweckentsprechend ein. Unser Leben hat seinen Zweck über sich in der Ewigkeit. Klug wäre also dasjenige Leben eingerichtet, das mit der Ewigkeit gerechnet hat, sich für die Ewigkeit als Vorbereitung ausnutzen ließ. Diese Klugheit müßte eigentlich schon längst und leicht gelernt sein; denn nicht nur ist diese Wahrheit, nämlich daß wir sterben müssen, so alt wie die Sünde, sondern es zweifelt daran auch kein Mensch. Woran liegts denn? Zweifeln sie wirklich an dem Leben nach dem Tod? O nein, unter tausend Menschen giebts kaum einen, der ernstlich daran zweifelte. Aber es ist so unbequem, jetzt eben so hart gegen sich selbst und seine Fleischespflege, wenn man sein Leben für die Ewigkeit einrichten wollte, und darum bemüht man sich diese Gedanken zu vergessen. Die gegenwärtige Menschheit gibt für nichts so viel Geld aus, als für Zerstreuung d. h. doch nur für eine Hilfe gegen die Gedanken an Tod, Gott und Ewigkeit. Sind das Narren! Stirbt einer darum weniger? Wird auch nur einem dadurch sein Leben verlängert? Nein, aber es ist im Augenblick bequemer! Wollen wir uns da nicht von ganzem Herzen von solchem törichten Selbstbetrug, der einem die ganze Ewigkeit kosten kann, abwenden und in allem Ernste beten:

Herr, lehre du uns unser Ende bedenken! Stell uns vor, wie bald all dieses Erdentreiben ein Ende nimmt, damit uns die Sachen und die Ereignisse in’s rechte Licht gestellt werden. Schenke uns die Klugheit, .nichts für groß und wichtig zu nehmen, was doch irdisch und nichtig ist, und statt dessen offenbare uns  die Größe der ewigen Dinge! Amen.

 

30. November.

Psalm 122, 5: Jerusalem ist gebauet, daß es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll.

Das obere Jerusalem auch! Die hochgebaute Stadt, die Heimat der Kinder Gottes im Licht ist dazu da, daß wir da zusammenkommen sollen. Was gab’s nicht hier unten auf Erden für Scheiden und Trennen! Sünde trennte, Eigenart stieß zuriick, Blindheit machte einsam, Tod riß auseinander. Seit aber Jesus, unser Friede, gekommen war, ging trotz alles Scheidens auch um des Evangeliums willen, die Sammlung der Kinder Gottes ihren leisen, unscheinbaren Gang weiter, damit sie einst alle zusammenkommen können in der Ruhe des Volkes Gottes! Tröstet euch nun unter einander mit solchen Worten! In all der Unruhe und Unrast des Weltgetriebes lerne deine Genossen kennen und lieben, die mit dir ihr Angesicht gewandt haben, zu wandeln stracks nach Jerusalem! Wenn andre dir drüber gram werden, halt dich nicht auf. Wir müssen heim! Der Pilger aus der Ferne zieht seiner Heimat zu, dort leuchten seine Sterne, dort winkt ihm seine Ruh! Jst dieses himmlisch Gesinntsein echt und stark bei dir, dann wirst du noch manchem ein Wegweiser und Zugmittel, sich auch aufzumachen nach der Stadt mit den goldnen Gassen und wär es auch nur, daß er dadurch wieder einmal die Frage hörte: Wo willst du deine Ewigkeit zubringen?

Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt,
und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt
und hätte gern mein müdes Leben,
Schöpfer der Geister, dir hingegeben!
Bring uns heim, Herr, bring uns heim.
Amen.