Andachten (März)

1. März

Joh. 1, 29: . .. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!

Woher wußte Johannes das? Es kamen soviel Leute zu ihm, die ihm ihre Sünden bekannten, daß er einen Blick für Sünder und Sünde bekam, wie selten jemand. Aber wie dieser reine, kindliche Mensch vor ihm steht, dessen Augen und Wangen nie in
Scham über eigene Schuld gebrannt, und nun anfängt von der entsetzlichen Last der Menschheitsünde zu reden, als wär das seine eigene Schuld, da wird Johannes aufs tiefste erschüttert. So göttlich klar, so recht menschlich weich hatte er selbst noch nie Sünde gespürt und empfunden und da mag er sein seltsames Beichtkind unterbrochen und erregt gefragt haben: ,,Heißt du am Ende Jesus? Und Maria deine Mutter? Da hatte er den wiedergefunden, dessen Geburtsgeschichte einst die seine schon gekreuzt; sein
und der Welt Schicksal stand da vor ihm in diesem Mann! Mag da am andern Tag wohl tiefe Bewegung durch seine Worte hindurchgezittert sein, als er seine Kanzelgemeinde auf diesen Mann “hinwies, daß sich aller Köpfe nach ihm hinwandten: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! Ergreift es dich auch jedes MaI, wenn du an Jesu Eintreten für dich gemahnt wirst? Steht in ihm nicht auch dein Geschick und deine ewige Zukunft vor deiner Seele? Sieh zu, was dir heute diese Erinnerung an Jesum noch nützt! Sieh zu, was von der Plage und Last des heutigen Tages du ihm gläubig überlassen kannst, von dem es jetzt heißt: Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten. Laß ihm die Strafe und nimm dir den Frieden

O, Herr Gott, wir danken dir, daß du aus großem Erbarmen uns deinen Sohn Jesum, dein Opferlamm gesandt hast! Nun bitten wir dich, laß die Wirkung seiner Erlösung uns alle Tage heller und herrlicher offenbar werden! Zeige die Kraft seines Blutes in unserem Leben! Amen.

2. März

Hebr. 2, 18: Denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.

Das ist mal eine kurze und dabei erschütternde Beschreibung unser aller: die versucht werden! Ja, das ist wahr, wir werden fort und fort versucht! Von den nächstliegendsten, sinnlichen Versuchungen aus Fleisch und Blut, aus Welt und Lust bis zu den  erschleierten, geistigen Anläufen der Verzagtheit und des Unglaubens aus der unsichtbaren Welt, was für eine Reihe von Versuchungen.! Als ob wir Spießruten laufen müsstenl Wir haben nicht Stand gehalten: links und rechts bogen wir aus und waren gefallen. Jesus aber hat sich in Gehorsam und Leiden Schritt um Schritt erkämpft, ohne irgendwo den Versuchungen auch nur um ein Haarbreit nachzugehen. Gerade, daß er an der versuchlichen Stelle, wo wir heute vielleicht noch stehen werden, auch
gestanden hat, daß er da gelitten hat, daß er da überwunden hat, das macht ihn geschickt mit uns Mitleid zu haben, wenn wir versucht werden; ja, gerade dadurch gibt seine Gegenwart der ganzen Versuchungsstunde ein anderes Gepräge; Jetzt heißt es mitten in der Gefahr der Versuchung : ,,Schau nur auf mich! Ich war in derselben Versuchung und überwand! Du kannst auch überwinden in meinem Namen und meiner Kraft. Wer zur rechten Zeit n den leidenden und siegenden Heiland denkt, der wirds
erfahren: Jesus errettet mich jetzt! Wie nur Glauben war, was dir Vergebung aller Schuld vermittelte, so ist es wieder tägliches, wirkliches Glauben an seinen Sieg, wodurch Kraft und Hilfe in der Versuchung empfangen wird.

So haben wirs schon oft erfahren, Herr Jesu! Laß es uns doch immer besser in Gedanken und in der Übung haben, daß wir bei jeder Versuchung schnell und ernstlich auf dich blicken. Erinnere uns heute am Tage daran und behüte uns vor uns selbst und vermessener Sicherheit! Amen.

 

3. März

Hebr. 5, 8: Und obwohl er Sohn war, hat er an dem, das er litt, Gehorsam gelernet. Obwohl er Sohn war, das ist ein wichtiger Zug
im Bilde des leidenden Jesus! Gerade das erschwert für ihn den Gehorsam im Leiden. Seine reine köstlich-wahre Sohneshingabe an den Vater, wie kein Mensch sie je gehabt hatte, hätte ihm doch ganz naturgemäß all die Folgen seiner Treue eintragen sollen: Leben und Liebe, Macht und Herrschaft, aber nicht Leiden. Statt dessen Erniedrigung und Schmähung, und er mußte an ihnen die nur für ihn lesbare Aufschrift sehen: auf Befehl des Vatersl Dann ward er verkannt und versucht; sein Leiden wuchs; alle diese Leidensstrahlen liefen zusammen im Kreuz. Und das mußte er geduldig, gehorsam leiden; nicht nur um für uns, an unserer Statt damals zu leiden, sondern um dadurch und darin mehr und mehr das zu werden, was wir an ihm haben sollten: den bewährten,
vollkommen gewordenen Hohenpriester, der nun auch Triebe und Kräfte der Uberwindung in Gehorsam und Leiden der Seinen ihnen austeilen kann. Sein Leiden im Gehorsam war sein Studium und seine Bereitmachung: dadurch ward er unsere Hilfe, wenn schwere Stunden kommen; unser Vorbild nicht allein, sondern unsere starke herrliche Trost- und Kraftquelle für alle Zeiten. Wir wollen nur nicht vergessen, daß auch wir in ähnlicher Schule zubereitet werden müssen. Freilich mit dem Unterschied: er rang
und litt als Erster und allein, während wir ihn zum Lehrer und Helfer, zum Lehrmittel und Siegespreise haben! O du wunderbarer

Gott, der du Jesum um unseretwillen in solche Schule und Zucht genommen, wir danken dir dafür, daß du dadurch ihn für uns
bereitet hast. Öffne uns doch Augen und Herzen für diese seine Art, damit wir durch das rechte Nehmen seiner Kraft ihm ähnlich werden mitten im Leiden! Amen.

4. März

Joh 4,23:  …denn der Vater sucht, die ihn also anbeten.

Da Jesus im Gespräch mit der Samariterin gesagt hat: Die Stunde kommt und ist jetzt, daß die wahrhaften Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten – kann man doch behaupten, daß sich also im alten Testament keine rechten Anbeter in diesem Sinn gefunden haben. Jesus war der Erste, der seinen Geist ganz zu einem Tempel Gottes ausbaute und der in diesem Tempel den Vater so verehrte, wie es diesem entspricht, also in Wahrheit. Seither sucht der Vater solche  Anbeter und das ist nicht ein ohnmächtiges Suchen, wie wenn ein Kind bunte Kiesel am Bache sucht, sondern ein wirksam kräftiges Ziehen in allen Lebensführungen. Dazu diese Demütigung oder jenen Schlag, — dazu alles höhere geistige Interesse, dazu körperliche Schmerzen, — bis wir mit sehnsüchtigem Herzen nur Gott begehren: Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, schreiet meine Seele, Gott, nach dir! Kommt man aber dann zu Gott, dann verlangt er erst unseren Zusammenschluß mit seinem ersten echten Anbeter, damit dieser Jesus uns reinige und versöhne und auf die innere Höhe hebe, daß wir nicht mehr von allerlei Religionsgebräuchen und
Übungen abhängen, sondern mit Tersteegen bekennen können:

Ich suchte vormals Ort und Zeit
Zum Beten und zur Einsamkeit;
Nun bet’ ich stets in meinem Sinn.
Nun bin ich einsam, wo ich bin!

Darum kehren wir uns, Vater im Himmel, zu dir und suchen dich auch! Hast du uns so lange gesucht, wie schnell müssen wir da mit dir zusammen kommen und Frieden finden und Leben in dir! Schenk du uns das! Amen.

5.März

Matth. 7, 25: Da nun ein Platzregen fiel und ein Gewitter kam, und weheten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht, denn es war auf einen Felsen gegründet.

Große Probestunden und -zeiten im Leben sollen dartun, ob unser geistlicher Hausbau Bestand hat oder nicht. Warum darf man das nicht auch auf Jesu Leiden anwenden? Das Haus, das er im Glauben und Gehorchen, in Lebensarbeit und Leidenswilligkeit auf den Felsen ,,, Gott ist mein Vater gebaut hatte, ward der schwersten Probe ausgesetzt, die je ein Menschenleben gesehen. Von oben der Platzregen, – das Gericht Gottes über die Sünde, das Jesus als der Vertreter der Menschheit auszuhalten hatte bis in die schwersten Augenblicke hinein, da er rief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Von unten das Gewässer, – die Bäche Belials, uns unmeßbare, dämonische Anfechtungen; wenn die Totfeinde Jesu in der bösen Geisterwelt sahen, daß der Schutz des Vaters von ihm wich, was für ein Toben mögen sie gegen den Wehrlosen veranstaltet haben! Von allen Seiten die Winde, rings die Anfeindung der Menschen; Hohenpriester, Schriftgelehrte, Kriegsknechte, Schächer, in lautem Hohn, und hier und da der verzweifelnde Blick eines früheren Jüngers mit bitterem stummen Vorwurf! – Aber das Haus hat gehalten! Noch am Kreuz ist aller Sturm überwunden und heilige Siegesstille kehrt wieder, ehe er stirbt! Dem Hause kannst du dich anvertrauen; einen solchen Hausbau sollst du mit Jesu Hilfe auch aufrichten! Heute schon etwas davon! Ja, sieh zu, dass du gar keine Steine hineinbaust
in deinen geistlichen Hausbau, als die den Stempel dieses größten Baumeisters tragen. Nur, was in den Umgang mit Jesu taugt, taugt auch in deinen Bau, wenn er Sinn und Bestand haben soll für die Ewigkeit!

Lieber Herr Jesu! Du bist erprobt und bewährt in allem Leiden; dich bitten wir, die wir noch mitten im Kampf stehen, schenke uns deine Art, damit wir uns täglich in allen Stiicken auf Glauben und Gehorsam gründen! Amen.

Matth. 26, 16: Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn verriete.

Liebe sucht Gelegenheit, dem Geliebten eine Freude zu machen und ist darin erfinderisch; Haß spannt nicht minder die Aufmerksamkeit an, Übels zu tun.Und das muß man dem Judas lassen, er hat sich Mühe gegeben, sein Teufelswerk zu tun! Was hatte er erst nicht alles in sich selbst von guten Regungen niederzukämpfen, was für Anstrengungen kostete es ihm Jesu
gegenüber zu heucheln, der ihn so klar durchschaute, — und schließlich, wie schwer war Jesus zu verraten, der doch nichts zu verheimlichen hatte! Doch handelte es sich ja bloß um Mitteilung einer passenden Gelegenheit, wo nicht viel Volks um ihn war, so dass der heimliche Handstreich ohne viel Rumor gelinge. Die Feinde rechneten ganz richtig: wenn Jesus erst gefangen, vom Hohen Rat verurteilt, zu allem Ende noch von Roms Macht zum Tode gebracht würde, dann ständen auch seine Anhänger aus den Pilgerscharen einer fertigen Tatsache gegenüber, und das ist eine alte Weisheit, dass man dann anders urteilt, als wo noch die handgreifliche Entscheidung aussteht. Nun Judas sollte nicht umsonst suchen: Jesus selbst gibt sich zum Tode Preis. Sollten wir nicht ebenso eifrig Gelegenheit suchen, ihn zu lieben? Das Gute sollte doch jede Christusfeindschaft von heute für uns haben, daß sie uns antriebe das Gegenstück von Liebe ihm dafür fertig zu stellen! Am besten wir geben uns ihm völlig hin!

Lehre uns, liebster Heiland, dich immer treuer lieben für alles, was du an uns getan! Dann werden wir dir näher kommen und dich mehr lieben um deiner Schönheit und deines Wertes willen und dann hilf uns noch besser erkennen, was solch ein Opfer wert war! Amen.

 

7. März.

Mark. 34,33: . . .er sing an zu zittern und zu zagen.

Was war das? Wodurch wird das Opferlamm, das willig und gehorsam Schritt für Schritt weiter ins Leiden geht, plötzlich gleichsam stutzig und hält still beim furchtbaren Seelenkampf in Gethsemane? Angst vor dem Tod kanns nicht gewesen sein, wohl aber
eine andere Angst. Jetzt sollte der Augenblick bald kommen, wo der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht werden sollte. Da sollte über seine reine, keusche Seele ausgegossen werden der ganze Schlammstrom menschlicher Sünde und Lästerung; ja den Gipfel erreichte diese geistliche Entstellung am Kreuz, daß der Vater selbst das Antlitz vor ihm verbarg. In den Augen der unsichtbaren Welt, im Gericht des Vaters als entstellt durch aller Welt Scheußlichkeit dastehen zu müssen, – das war ihm das Schwerste seines ganzen Werkes. Wenn ihm diese Spitze erlassen worden wäre, hätte sich sein menschlich reines Herz erleichtert-gefühlt; mußte er diesen Kelch doch trinken, so bedurfte er gerade für dieses Stück eine besondere Stärkung. Solches Leiden und Zittern Jesu wollen wir uns tief ins Erinnern schreiben, die wir so leicht und glatt ins Sündigen willigen. Wie viel fehlt unserer Art zur Ahnlichkeit mit seiner Art,wenn diese erschütternde Scheu vor Sünde uns noch ganz unbekannt ist! Wenn ihm die
Sünde so schwer wog, dürfen wir sie leicht machen? Was Gott unrein und schändlich heißt und darum so schwer an Jesu rächt, das mache du nicht rein und leicht durch Selbstbetrug.

Herr Jesu, nimm dich unser an um deines Leidens willen! Laß uns nicht in Gleichgültigkeit und Leichtsinn mit derselben Sünde spielen, die dir so furchtbar war. Herr, zieh uns in den Lebensumgang mit deiner reinen Seele, daß wir fühlen lernen und denken lernen, wie du es getan! Amen.

 

8. März 

Hiob 22, 29: Wer die Augen niederschlägt, der wird genesen.

In den Menschenaugen kann man oft besser lesen, als in Büchern, was die Zeit bewegt und die Herzen drückt. Aber die Augen sprechen nicht nur von dem, was im Herzen ist, sondern sie sind auch ein wichtiges Eingangstor in das Seelenleben des Menschen.
Wer darum seinem Gott begegnen will, muß seine Augen, das Interesse seiner Seele, niederschlagen für die Welt ringsum. Aber gefährlicher als alle diese Augenblickssachen um ihn her mögen ihm die Menschen mit ihrem Einfluß auf sein Seelenleben sein. Da gibt’s keinen andern Rat: wer wirklich genesen will, innerlich gerettet werden will, der muß die Augen niederschlagen für alle diese Augenblicksmenschen um sich her. Dann aber kommt noch ein Niederschlagen. Er muß einsehen, daß er auch vor Gott nichts kann, als seine Augen niederschlagen, in denen seine Schuld zu lesen. Das macht demütig, zerknirscht, gebückt. Von der Welt und von Menschen nichts zu erwarten und Gott gegenüber in Schuld! Aber gerade dann, wenn man das recht empfindet, kann einem durch
Jesum geholfen werden! Ein Augenblick, — ein gläubiges sehnsüchtiges Hinaufschauen zum Kreuze, wo er für uns starb — und man liest in Jesu Augen Vergebung und Frieden, Hilfe und Heil. Wohl dem, der das erlebt und erfahren hat, daß er an Jesu gesund geworden ist durch den Blick eines wirklichen Glaubens!

Herr, mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit mir und vergilt mir nicht nach meiner Missetat! Du weißt, wie ich mich gern von allem wegwende und allein dir zukehre, um alle Hilfe von dir zu erwarten. Nun, so hilf mir denn auch um Jesu willen, daß meine Seele genese und ich in stillem Frieden dir gehören und willig dir gehorchen kann! Amen.

 

8. März

Hiob 5, 6: Unglück wächset nicht aus dem Acker

Woher kommt es dann? Ist der Mensch selbst seines Gluckes oder Unglücks Schmied? In dem Sinne ja, daß es auf des Menschen innere Stellung allein ankommt, ob ihm ein Unglück zum Glück oder ein Glück zum Unglück ausschlagen soll. An und für sich steckt in jedem sogenannten irdischen Glücks schon ein Wurm drin, den Gott hineingeschaffen hat: das geheime Unbefriedigtsein, das Nagen des Gewissens, so daß man wohl behaupten könnte, alles Erdenglück ist krank! Darum sollten wir gar nicht erst mit Anspannung aller Kraft nach dem Erdenglück streben, sondern gleich nur nach dem Einen, der uns Glück oder Unglück werden kann: Jesus! Im alten Testament kommt sehr oft das Wort Glück oder Unglück vor; im neuen nie; einfach daher, weil Jesus das
Schicksal des Einzelnen ist. Kehrt sich der Mensch feindlich von diesem Jesus ab, dann wird ihm Jesus zum Fluch und Gericht und wird ihm zeitlich und ewig entgegentreten als seines Lebens Schuld und als seiner Ewigkeit Richter. Hast du dich aber diesem Jesus erschlossen und ergeben und ihn wirklich im Glauben genommen und in der Liebe erlebt, dann wächst dir Glück aus jedem Acker,
aus Amt und Arbeit, aus Haus und Fremde, aus deiner Ehe oder deinem Alleinsein, kurz aus dem Erleben aller Art; denn denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Besten!

Herr, ich hör von gnädigen Regen,
Die du ausgießt mildiglich,
Regen, die das Land bewegen,
Sende Tropfen auch auf mich,
Auch auf mich, auch aus mich,
Sende Tropfen auch auf mich! Amen.

 

9. März

Jes. 30, 19: »Du wirst nie mehr weinen« (Nach dem Grundtext)

Hier auf Erden ist oft genug immer wieder Grund zum Weinen und wenn der Schmerz da ist, sind Tränen eine Erleichterung. Wenn also der Grund zum Weinen nicht beseitigt ist, muß auch die Träne bleiben. Einst aber, wenn wir dieser Erde Art und Last sind endgültig los geworden, weil der Herr die Gefangenen Zions erlöset hat, dann wird’s mit den Tränen zu Ende sein. Er selbst, der Herr, wird alle Tränen abwischen von unsern Augen und aller Schmerz wird fort sein müssen, so dass es nie mehr zum Weinen
kommen wird. Willst du dich mit solcher Aussicht auf ewige Seligkeit und vollkommene Freude jetzt schon erfolgreich trösten, dann sieh zu, daß du den großen Tröster der Ewigkeit heute, in der Zeit schon wirklich nimmst und hast, daß du dir von Jesu jetzt schon deine Sünden vergeben lässest und damit der Quell deiner meisten Schmerzen und Trånen verstopft sei. Es werden dann doch noch um fremdes oder eigenes Leid dir Tränen kommen; aber das sind nur Nachzügler, wie die vorübergezogene Wolke noch einige Tropfen herabsprüht. Der Grundzug wird doch der Richtung deiner Entwicklung entsprechen müssen: die den Herrn lieb haben müssen sein, wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht. Und der Herr ist dazu gekommen, daß wir Leben und volles Genüge haben, ja, daß unsere Freude vollkommen werde!

Herr Jesu, trockne unsere Tränen! Du bist unser Trost allein, bei dir suchen wir Hilfe und viel Vergebung; nimm du dich unser gnädig an! Laß uns jetzt im Schmerz deine Tröstung erfahren, der du verheißen hast, uns trösten zu wollen, wie einen seine Mutter tröstet! Amen.

11. März.

Jona 2, 9: Die da halten über dem Nichtigen, verlassen ihre Gnade.

Über etwas halten, soll hier bedeuten, sich darauf verlassen, sich daran anklammern, darauf bauen. Wer wollte auf Seifenblasen und Luftschlösser sein Vertrauen setzen? Hat es einen Sinn, dass du dich auf das Nichtige, Vergängliche verlassen willst, das doch
selbst nicht Bestand hat? Die armen Götzen dieser Welt sind ja in sich haltlose, morsche Gebilde, Schatten und Nebel; wer sich auf sie verlässt, ist betrogen. Wenn’s weiter nichts wäre, könnte man ja den Leuten ihre merkwürdige Sucht und Lust am Buhlen um Geld und Ehre und Genuß gönnen, wie man Kindern den Hang zum Spiel nachsieht. Hier aber steht etwas anderes in Gefahr:
dadurch verlassen sie, was eigentlich ihre Güte und Hilfe, ihr Reichtum und ihr Erretter ist, — Gott. Gerade die Stelle ihres Herzens, wo sie diese Dinge hereinlassen, gerade die Wärme ihrer Neigung, die sie diesen Dingen weihen, gerade das beansprucht Gott für sich. Sollen wir nun das Nichtige verlassen um Gottes willen oder Gott verlassen um des Nichtigen willen? Die alte Wahl, die oft betonte Gefahr, – die selbstverständliche Sache, – und doch, hast du die Mahnung nicht wieder nötig: Verlasse alles und folge mir nach? Oder willst du wieder, wie schon Unzählige vor dir den unmöglichen Versuch wiederholen, dich mit der einen Hand auf Gott stützen und mit der andern auf all das Nichtige? Was ist denn dabei herausgekommen? Dass man an keinem von beiden:
seine Stütze und sein Glück fand! Darum, komm und übergib dich ganz deinem Gott und wenn’s noch geht, dann ist das Gnade.

Ja, du Herr Jesu, bist unsere Gnade! Wir bitten dich, bewahre uns, daß wir nicht dich verlassen, dass wir nicht um nichtiger Erdendinge willen uns von dir entfernen. Herr Jesu, wir sind bange vor uns selbst und für uns selbst, daß wir uns immer wieder in den Bann schlagen lassen. Erwecke du uns und mache deine schwachen Kinder stark durch deine Nähe! Amen.

12. März 

Jes. 53, 2: »Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte

Geht das nicht heute noch manchen so? Sie sehen Jesum, sie kommen mit ihres Herzens Erleben ganz nahe an ihn heran und siehe, da ist keine imponierende Gestalt, die fleischliche Begeisterungsmacht wecken und damit bezaubernd wirken wollte! Nein, dem natürlichen Menschen ist nichts Sympathisches, Anziehendes, Berückendes an Jesu Art und Auftreten. »Es riecht zu sehr nach armen Leuten bei Ihrem Jesus!« sagte einst eine vornehme Dame. So echt natürlich-menschliche Begeisterung entzündet sich nicht an ihm! Nein, der Mensch, dem das Herz brennt für Jesus, der sich nicht an ihm ärgert, muß schon ein in Buße und Reue zerbrochenes Herz haben, muß schon an seinem eigenen Menschtum irre geworden sein und Sehnsucht nach wirklicher Gotteshilfe
haben. Dann hat Jesus für einen solchen armen Sünder gerade die schönste, die beste, liebreizendste Art: gerade, daß er dort am Kreuz in Blut und Spott und Schmerz verging, das macht ihn uns dann wert; denn dadurch ist er unser Trost und unser einziger Anker geworden! Seither glauben wir blind zu sein für allerlei Schönheit der Welt: schöner als unser König Jesus ist uns niemand.
Freilich ein Preis muß noch gezahlt werden: wir müssen unsere Selbstverliebtheit, unser Gefallen an uns selbst aufgeben!
Dann hängt sich das andere von selbst daran, daß die Welt über unsere Wahl spottet. Laß uns, hohes heiliges Marterbild, dann und
wann etwas von deiner Schöne sehen, die wir verstehen und genießen können! Das sei unserer Seele Glanz und Schimmer, daß wir dich haben und lieben dürfen! Jesu, nimm uns dir und gib dich uns! Amen.

13. März

Psalm 28, 1: » . . . schweige mir nicht, auf daß nicht, wo du schweigest, ich gleich werde denen, die in die Hölle fahren«

Furchtbares Schweigen Gottes! Alles Rufen, Sehnen, Suchen des bangen Menschenherzens vergeblich! Der Einzige, der mit einem Wort allen Jammer wenden könnte, schweigt! Wie ein Kind, das nie jemand hat sterben gesehen, sich entsetzt, wenn die geliebte Mutter kalt und tot neben ihm im Bette liegt und nicht antwortet, so bebt das Menschenherz, wenn Gott ihm nicht antwortet. Dieses Schweigen wird einst in der Hölle sein! Dieses Schweigen hat Jesus in dem Augenblick durchgekostet, als er rief: Mein Gott, mein
Gott, warum hast du mich verlassen? Da schwieg ihm der Vater! Seither braucht er uns nicht mehr zu schweigen! All unsere Schuld, die dem allmächtigen Gott könnte den Mund, schließen gegen uns, hat Jesus auf sich genommen und aus dem Mittel getan. Jetzt will er uns nicht verlassen, noch versäumen, von dem Jesus uns versichert hat: ,,Er selbst der Vater hat euch lieb.« Wenn wir nur
nicht so schweigsam wären mit unserem Gebet! Wenn wir nur nicht soviel mit anderen, mit der Welt, mit uns selbst zu reden hätten, daß keine Zeit, noch Kraft übrig bleibt, um mit unserem Gott zu reden! Was für Antworten würden wir erhalten, die wir jetzt durch unsere Untreue Gott zur Schweigsamkeit zwingen! Darum sind die Augenblicke oder Zeiten so heilsam und einträglich für die Ewigkeit, wo wir einsam in der Stille schweigen und lauschen auf Gottes Ieisestes Winken. Wer die schweigende Einsamkeit nie verträgt, ist auf der Flucht vor seinem Gott.

Lieber Vater, ich glaube, daß du, der lebendige Gott, mich sehr lieb hast und an mich denkst! Laß mich dir dafür danken, dadurch, dass ich dir mein ganzes Herz erschließe! Du sollst in allen Dingen mein bester Freund sein, dem ich mich anvertraue und von dem ich alles Gute erwarte! Amen.

14. März.

2. Chron. 16, 9. Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, daß er stärke die, so von ganzem Herzen an ihm sind.

Was für eine hohe Worte, was für ein hochgestelIter Wächter, der alle Lande überschauen kann! Und was hat für dieses höchsten Königs Blicke das größte Interesse in allen seinen Landen? Nichts, was die Eintagsfliegen, die Zeitungen, rühmen und was die Men-
schen als das Neueste und Größte anstaunen, sondern verborgene, unscheinbare Menschenherzen. Was muß für eine besondere Art an ihnen sein, daß sie Gottes Augen so anziehen? Ein einziger, ihm in die Augen springender Punkt ruft dieses Interesse wach: daß das Leute sind, die von ganzem Herzen sich ihrem Gott ergeben haben, wirklich ihr Vertrauen auf ihn setzen und ihm auch treu bleiben in allen Stücken. 5olche Leute will er nicht bloss vom Himmel her ansehen; nein, er schaut zu dem Zwecke hin, um sie heute gerade mit dem, was ihnen besonders not tut, zu stärken. Denn, wer so ganz sich auf den lebendigen Gott verläßt, der wird nicht zu Schandenl Gottes Augen sind auf dich gerichtet, um dich zu stärken! Glaube heute an diese wundersamen, dir geltenden Blicke und tröste dich ihrer in jedem deiner schwachen oder schweren Augenblicke von heute! Kommen heute an dich besondere Aufgaben heran, – dann sei getrost, deines Gottes Augen strahlen Stärkung in deine 5chwachheit!

Wir danken dir, Herr unser Gott, daß du uns anschaustl Dann siehst du, wie schwach und klein wir sind! O stärke uns das Vertrauen auf dich, steigere unsere Liebe zu dir, vollende unsere Hingabe an dich und versiegele in unsern Herzen den Bund mit dir! Amen.

15. März.

Matth. 6, 22: Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein.

Warum sollte ich mich heute nicht ganz, ungeteilt, offen und ohne Rückhalt meinem Herrn übergeben? Habe ich es nicht schon oft erlebt, daß die Halbheit und Untreue mich wieder aus dem hohen, reinen, seligen Umgang mit ihm herausgezerrt haben? War es nicht der tiefste Schade, der mir das bitterste Herzeleid eintrug? Daß ich links und rechts schielte nach diesen oder jenen goldenen Götzen Ägyptenlands, und dem Herrn nicht einfältig in die Augen sah, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte! Sollte ich daraus noch nicht genug gelernt haben? Einfältig, mit einer einzigen Sehnsucht (Sucht, etwas zu sehen!), mit einem einzigen Verlangen
nach ihm, – so muß das Auge als Aufschrift des Herzens sein, — dann wird von Jesu Augen solch ein Licht über mich strömen, daß Leib und Seele jauchzen können über den lebendigen Gott. Anders komme ich nicht zum Frieden, anders bleibe ich in der Finsternis, anders gehe ich zu Grunde; darum soll mein Herz stärke, klare, feste Blicke wagen auf Jesum ohn Unterlaß!

O, Herr Jesu, mir ist’s leid und bin betrübt, daß ich so spät geliebt! Darum laß mich nicht mehr in Halbheit und Leichtsinn zurückfallen! Unter keinen Umständen und unter keinen Vorwänden ! Laß mich etwas anderes vorziehen, etwas anderes neben dir
auf den Altar stellen, daß du mußtest mein Herz mit etwas anderem teilen! Ich bin bange vor mir selbst, daß ich schnell wieder aus dem warmen Umgang mit dir falle, darum bitte ich dich, nimm du mich und halte mich ganz fest in deiner Hand und an deinem Herzen! Amen.

 

16. März.

Jes. 53, 11: Darum, daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen.

Was für eine Seelenarbeit dort in Gethsemane und auf Golgatha! Keines Menschen Tagewerk kann sich damit messen, denn nicht die Länge der Zeit macht die Größe der Arbeit aus, sondern die Bedeutung derselben. Ein Held kann im Kampf einer halben Stunde
dem Vaterland mehr nützen, als ein Anderer in lebenslanger Arbeit vor sichs bringt. Welch eine Aufwendung von Kraft, welch eine Teilnahme von Himmel und Hölle bei dieser Arbeit, welch ein Erfolg! Hat Jesus mit seiner Seele gearbeitet, sie zum Schuldopfer in den Tod gegeben, soll er auch Leben der Seelen zum Lohn haben. Er kann jetzt an nichts seine Lust sehen, als was den Stempel des Lohnes seiner Arbeit trägt. Dein und mein Leben, deine und meine Seele soll jetzt so sehr ihm zu eigen gehören, daß er seine Lust daran haben kann und noch einst im Besitz solches Lohnes sagen kann: Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche! Seine Lust! Schämst du dich etwas darüber? Du sollst seine Lust, sein Glück, sein Lohn sein und dabei versteckst du dich alle Tage wieder
in der Welt und möchtest lieber andrer Leute Last sein, als Jesu Lust! Wenn wirs wären, was wären wir denn andern Menschen! Muß nicht eines edlen hohen Mannes reine Liebe ein schlichtes armes Mädchen adeln und erheben? Muß nicht Jesu Liebe an uns auch solchen Adel zustande bringen? Antworte mit keinem Worte, sondern mit dem heutigen Tage darauf!

Für dich sei ewig Herz und Leben,
O Heiland, du mein einzig Gut!
Du hast für mich dich hingegeben
Zum Heil durch dein Erlösungsblut!
Du Heil des schweren, tiefen Falles,
Für dich sei ewig Herz und Alles! – Amen.

 

17. März 

Joh. 21,21: »Was soll aber dieser?«

Wenn es nicht in Gottes untrüglichem Worte stände, – kein Fälscher hätte gewagt, so etwas zu erfinden. Eben ist der gefallene Petrus im Sonnenschein der Gnade am See Tiberias wieder angenommen worden durch das dreimalige: Simon Johanna, hast du mich lieb? und gleich darauf, als der Herr ihn vertraulich unterrichtet über seine Zukunft, sieht er auf Johannes herab und fragt in seiner vorlauten Art: »Was soll aber dieser?« Das ist ein Fehler der eigentlichen Christen, daß sie meinen, der andere hätte nichts zu suchen, wo sie eben ein Heilandserlebnis durchgemacht haben. Ist es Neid, Eifersucht, Lieblosigkeit, kleinliches Richtenwollen,
Sich überheben, – alles in religiöser Färbung, oder ist es der falsche Schluß: weil der mir eben unfreundlich entgegenkam, ist er wohl gar nicht bekehrt! – jedenfalls müssen wir uns alle schämen, daß unsere Stellung zum Herrn es noch zuläßt, daß unsere Stellung zu seinen Jüngern nicht besser ist! Alle, die in christlichen Anstalten oder Gemeinschaften Erfahrungen gesammelt haben, werden
zugeben, daß das eine der häufigsten Schädigungen des inneren Lebens mit sich bringt, daß man meint, mit dem Herrn richtig stehen zu können, während man gegen die Andern unIauter, selbstsüchtig unfreundlich sich benimmt. Ehe wir nicht dergleichen Bann von uns gethan, kann der Herr kein Wasser aus dem Heiligtum auf uns fließen lassen und wir werden kraftlos, stets seufzend über geistliche Dürre, traurige Vertreter des reichsten und gnädigsten Herrn sein!

O, Herr Jesu, reinige uns, daß wir uns nicht nur zu dir bekehren, sondern auch deine Jünger lieben lernen! Herr, hilf uns, deiner Liebe Ehre machen durch das neue Wesen, das du uns so gern geben willst. Amen.

18  März.

Joh 21,21: ,, . . . wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das himmlische sage?

Das Irdische waren die Anfangsgründe der Predigt Jesu, wo das Gewissen der Hörer zustimmen mußte, wenn sie anders ehrlich waren. Gab es hier schon Leute, die Ihn nicht verstanden, weil ihr Herz ihm nicht nachgab, – wie weit würden sie von ihm abkommen, wenn er wirklich dem natürlichen Menschen unverständliche und unmögliche Dinge sagen würde! Vom Essen seines Fleisches und Trinken seines Blutes, vom heiligen Geist und dem inneren Umgang der Herzen mit ihm, vom Gebet in seinem Namen und ähnlichen himmlischen Dingen wollte er später reden. Wer aber auf der untersten Stufe des Heils nicht nachgab und sich mit seinem Gewissen gewinnen ließ, der kann auf den höheren Stufen erst recht nicht folgen! Wie groß bleiben darum die untersten Klassen in der Schule des Himmelreichs, – wie wenig Schüler kommen bis in die höchsten Klassen! Willst du da
vorwärts kommen, dann lerne gewissenhaft d. h. gib dem Gewissen nach; das lernt mit dir, aber es ist stets eine halbe Seite voraus und nötigt dich nachzufolgen! Es steht alles Spätere aus dem Spiel, wenn du unlauter, halb bleiben willst! Gib dich ganz hinein in des Herrn Schule, mit dem ganzen Willen und Lieben und Leben. Es lohnt sich! Denn was wird es doch um die Erkenntnis und den
seligen Genuß der himmlischen Dinge sein, die Jesus uns später geben kann!

Ach lieber Herr Jesu, verlier nicht die Geduld mit uns, wenn wir bisher so träge Schüler waren! Nein, vergib uns unsere alte Schuld und hilf uns jeden Tag genau das tun, was du willst damit du, uns mehr anvertrauen kannst von deinen himmlischen Dingen! Amen.

19. März

Joh 14,28: ich gehe zum Vater.

Wir alle haben eine Entwicklung durchzumachen, ob wir wollen oder nicht, ob wir darauf achten und dazu etwas tun oder nicht, es geht mit uns ununterbrochen in einer gewissen Richtung vorwärts, bald eine zeitlang aufwärts, dann der Welt zu, dann entlang der Welt, dann wieder etwas mehr aufwärts, – kurz, es geht weiter. Unsere Entwicklung aber endigt in Tod, in Nacht und Graus, wenn wir uns selbst überlassen bleiben. Uns kann daraus nur geholfen werden durch einen Felsen, der ganz fest steht, der mitten in der
Menschheitsentwickelnng war und doch nicht sich hat fortreißen lassen in’s allgemeine Sündenverderben: Jesus. Der Herr Jesus hat seine Lebensentwicklung ganz fest auf das Ziel gerichtet: ,,Jch gehe zum Vater«, und ist diesem Ziel treu geblieben lebenslang. Durch Aufopferung seines Willens an den Vater erhielt er stetigen Zufluß aus der einzigen ewigen Kraftquelle. Das bietet er nun uns auch an: Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, wie man mitten durch Samaria und Galiläa, mitten durch Versuchungen und Verwickelungen schnurstracks zum Vater geht. Wer der aufgehenden Sonne entgegen geht, dem liegt Morgenglanz auf dem Angesicht. Wer zum Vater geht, dem scheint das Licht auf den Weg mitten in einer finstern Welt! Da wollen wir uns keinen Tag mehr
treiben lassen von dunklen 5trömungen, von ungewissen Trieben, — es soll nicht mehr heißen: es geht, sondern bewußtermaßen: ich gehe zum Vater!

Lieber himmlischer Vater, nimm du dich unsrer an und ziehe unser Herz alle Tage wieder zu dir empor! Werden uns die Ranken und Fäden der Welt zu stark, die uns umschlingen und uns hinabziehen wollen, dann schneide sie durch. Reiße uns heraus und sei’s mit tausend Schmerzen! Amen.

20. März.

Röm. 6, 23: »Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrin«

Sonst galt dieser Satz: »Der Tod ist der Sünde Sold«, vor dem Ereignis auf Golgatha; heute gilt dieser Satz noch überall da, wo  Golgatha nicht hinlangt! Aber weder Jesu Tod noch unser eigner Tod, wenn wir anders sein Eigentum geworden sind, ist der Sünde Sold! Jesus erhielt den Tod nicht aus der Gesetzmäßigkeit heraus, wie die Sünder vor ihm, sondern er nahm den Tod freiwillig, um Herr auch über den Tod zu werden. Wir aber haben durch die Gabe Gottes in Christo Jesu ewiges Leben mit der wirklichen, völligen
Vergebung unserer Sünden geschenkt erhalten und für solche Gaben zahlt man doch nicht! Und wenn wir uns selbst ganz hingeben wollten, bis ins Sterben auf flammendem Scheiterhaufen, — kann man das Zahlung nennen? Daß wir noch sterben ist eine Folge dessen, daß wir noch nicht Geisteswirkung Christi genug dem Naturzusammenhang gegenüber haben. Wird einst im tausendjährigen Reiche Jesus herrschen in unserer Mitte, dann wird so viel Leben von seinem Regimente ausgehen, dass niemand
von den Seinen mehr zu sterben braucht. Der letzte Feind, der Tod, wird aufgehoben sein. Wollen wir immer mehr von der Lebensgabe wirklich in unser Leben nehmen und uns aneignen, damit aller Art Sünde und Tod in unsern Häusern und Herzen gesteuert werde und auch die Feinde innewerden, dass unser Gott kein Gott der Toten, sondern der Lebendigen sei.

O, Herr Jesu, dann ströme dein Leben in uns hinein, das wir stark werden allem Todestreiben gegenüber. Mach uns zu solchen nah mit dir verbundenen Seelen, daß des Todes Gewalt gebrochen werde und er immer weniger Anteil mehr in uns findet. Hilf uns dazu! Amen.

21. März 

Spr. 8, 56: Wer an mir sündigt, verletzet seine Seele; alle, die mich hassen, lieben den Tod

Es gibt ganz natürliche Steigerungen, denen man sich nicht entziehen kann. Wer zuerst unterschlägt, wird auch stehlen und kann schließlich auch rauben. So geht’s den Feinden Jesu. Zuerst haben sie ihn nur abgelehnt; er war ihnen nicht genehm. Nun vergeht eine Zeit, und da zeigt sich’s bei einer andern Gelegenheit, daß sie, um ihn abzuweisen, heftiger, böser reden müssen. Jetzt sündigten sie schon an ihm und verletzten ihre Seele; sie haben sich damit selbst Wunden geschlagen, die kein Mensch heilen kann, denn was kann der Mensch geben, daß er seine Seele wieder löse! Dann gab es nach einiger Zeit wieder und wieder dringende Veranlassung, sich für ihn zu entscheiden. Der innere Kampf mit diesem aufgenötigten eelenfreund endigt entweder mit völliger Unterwerfung der Seele oder mit dem ausgesprochenen Haß des Menschen gegen Jesus. Daß im letzteren Fall es richtig ist, wenn hier vom Lieben des eigenen Todes, von geistlichem Selbstmord die Rede ist, versteht sich. Ist das einzige Heilmittel Gottes umgeschlagen zum Fluch, dann muß das seelenmörderisch wirken und es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! – Wie gut klingt aber die Umkehrung den Kindern Gottes im Ohr: Wer an mir nicht sündigt, bewahrt seine Seele; alle, die  mich lieben, lieben das Leben und hassen die Sünde und den Tod.

Lieber Vater im Himmel! Wir bitten dich, ziehe uns also zu Jesu, daß seine Herrlichkeit uns mit hellem Jubel erfülle und wir ihn lieben ewiglich! Lehr uns, an seiner Tür warten Tag für Tag, bis er sich uns zeigt und unsere Seele sättigt mit Segen! Amen.

22. März.

Jes. 59, 2: »Eure Untugenden scheiden euch und euren Gott von einander« .

Ja, das haben wir einst in der Zeit unserer Bekehrung deutlich gespürt: es war eine Mauer zwischen uns und unserem Gott! Das war aber auch der Grund der seligsten Freude, wie damals die Vergebung der Sünden durch des Lammes Blut, wie eine Mine diese Mauer in die Luft sprengte. Das war eine gewaltige Erschütterung und die ganze Seele hallte davon wieder. Das erfüllte die Luft mit Staub und rings lag alles voll Trümmer! Aber die Mauer war weg und wir hatten Umgang mit Gott, Zugang zu ihm. – Wie kommts nun, daß so manche Christen später keine Freude und keinen Frieden mehr haben, wie anfangs? Wenn der tägliche Umgang mit Jesu nicht gepflegt wird, wenn der Fußweg deiner Seele zu Jesu Tür vergrast, dann fügen sich jene Mauertrümmer ganz leise wieder zusammen. Du möchtest noch einmal zu Jesu kommen, aber es ist so merkwürdig schwer: keine Lust zum Gebet und zum Bibellesen, keine Kraft der Überwindung, kein Friede im Herzen! Das sind die alten bösen Mauertrümmer, die auf dem Grunde des Herzens liegen, die wieder zusammenwachsen! Wenn du nicht Buße tust und tust die ersten Werke, dann können diese Mauertrümmer durch des Satans Hand gebaut wieder die alte Mauer bilden, nur kannst du dann nicht mehr so leicht wie das erste Mal Hilfe dagegen finden! Darum sei täglich treu!

Jesu, wir bitten dich! Mache uns im täglichen Umgang mit dir ganz treu! Nimm dich alle Tage unserer an und fördere dein Werk in uns, damit wir erinnert werden an den Ernst, mit dem wir erlöst wurden und in dem wir wandeln müssen als deine Erlösten! Amen.

23. März.

Spr. 22, 19: »Daß deine Hoffnung sei auf den Herrn, erinnere ich dich an solches heute dir zu gut«

Was sind wir doch für vergeßliche Leute, daß man uns immer und immer wieder an die selbstverständlichsten Dinge erinnern muß. Haben wir nicht schon oft erfahren, daß unsere Hoffnung auf den Herrn nicht vergeblich war, daß er uns wunderbar geholfen? Muß man uns daran noch erinnern? Leider wuchert die Zuversicht auf Geld, Menschen oder die eigne Kraft immer wieder mächtig empor, so daß man es zum eigenen Schaden vergißt, wie viel die Hoffnung auf den Herrn wert war und was sie uns eingebracht. Da ist es
wirklich, wie unser Text sagt, uns zu gut, wenn wir heute wieder daran erinnert werden, auf wen unsere Hoffnung gestellt ist. Wie anders werden wir beunruhigende Nachrichten, eigene oder. fremde Sorgen, die wie Einbrecher ungebeten heute in unser Erleben hineinkommen werden, empfangen, behandeln und überwinden, wenn wir die gläubige, klare Seelenruhe haben, die all ihre Hoffnung auf den Herrn gestellt weiß! Eine wunderbare Kraft, ein Gefühl von Geborgenfein kommt über uns, wenn wir auf den Herrn schauen und von ihm alles erwarten, was wir bedürfen. Drum laß dich dir zu gut an jedem ,,Heute« alle Tage aufs neue mahnen, daran zu gedenken, daß der Herr deine Hoffnung sei! Sei aber auch ängstIich ehrlich darin, daß du deine Hoffnung nicht neben den
Herrn auch noch auf dies oder das andere setzest!

Lieber Herr Jesus! Wir danken dir, daß dein Wort uns erinnert an dichl Erinnere du uns an solche Worte. Wir möchten gern im vollen Vertrauen auf dich und deine Hilfe den heutigen Tag zu bringen, als die Menschen, deren Hoffnung auf dich gesetzt ist, — gib uns dazu deines Geistes Hilfe und Handreichung. Amen.

24. März.

Jerem. 15,17: Wenn ihr aber nicht höret, so wird meine Seele im Verborgenen weinen wegen eures Hochmuts.

Verborgene Thränen, die nur der Herr sieht, die nur der Herr zählt und wägt; wieviel wiegen sie wohl? O, sie können entsetzlich schwer sein  und dem frechen Sünder, um den sie geweint werden, wie Blei aufs Herz fallen! Wieviel haben Muttertränen
mit Gebet geweint nicht schon gewogen bei der Buße des verlorenen Sohnes! Welche Tränen aber können schwerer wiegen, als die Jeremias weinen muß um Jerusalem, weil die Hochmütige nicht hören will? Oder als die, die vielleicht am selben Bergeshang ein halbes Jahrtausend später Jesus hat weinen müssen über dasselbe Jerusalem, weil sie nicht gewollt hat, was zu ihrem Frieden dient!  Gibt’s auch heute noch im Himmel oder auf Erden Augen, die um dich weinen müssen, weil du dich nicht bekehren willst, weil du im natürlichen Hochmut der Sünde dahinstürmst in dein ewiges Verderben und alles Bitten und Andringen der suchenden Liebe zi1riickweist? Wenn diese Tränen dich nicht herumholen können, weil du nicht nachgibst, dann werden sie ein Gericht für dich. Los
wirst du sie doch nicht! Auf Erden wird es solche Augenblicke geben, wo jene Tränen plötzlich dir aufs Herz fallen, daß du mitten im lärmenden Genuß betroffen verstummst, eil du an sie gedacht, — und auf dem Sterbebett werden sie dich überfallen und ängsten, und dann ins der unsichtbaren Welt deine anklagenden Begleiter werden bis vor des Richters Thron!

Trockne, Jesu, deine heil’gen Tränen!
Sollst nicht weinen eine einz’ge über mich!
Denn ich geb’ mich hin dem heißen Sehnen
Daß mein Herz an deinem ruhe ewiglich!
Amen.

 

25. März 

Jerem. 1, 17:. . . Erschrick nicht vor ihnen, auf daß ich dich nicht erschrecke vor ihnen.

Wir sind es unserem Gott schuldig, wenn anders wir ihn als den Lebendigen erfahren haben, daß wir ihm ganz und in jeder Lage vertrauen. Aus dieser inneren Herzensrichtung darf uns kein Ansturm von außen herauswerfen. Mögen es menschliche Feinde oder
dämonische Mächte sein, ob es durch eigene oder fremde Schuld heraufgeführte Verwicklungen sind, Schmerzen, Nöte aller Art, — auf keinen Fall darf unser Herz  davor erschrecken, die Verbindung des Vertrauens auf den Herrn auflösen und davonlaufen! Also gerade aus der einzigen festen Burg fortlaufen? Das ist frevler Leichtsinn, Betrug der Sünde, Verblendung der Angst und ein Betragen, das eines Gotteskindes unwürdig ist. Darauf droht der Herr das Herz damit zu strafen, daß er ihm allen Trost raubt, daß er selbst ihm den Schrecken noch vermehrt, daß er diese bloßen Gespenster, vor denen einem graute, zu wirklichen gefährlichen Feinden machen will. Da ist es ratsamer, wir flüchten uns fein stille in unseres Gottes Schoß! Mag draußen alle Gefahr, Angst und Not sein — laßt uns getrost bei unserem Herrn bleiben; denn er ist eine Mauer um sein Volk her und an der inwendigen Seite dieser Mauer steht geschrieben: Sei getrost! denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Besten! Sieh nur zu, daß du auch an der inneren Seite stehst!

O, du reicher Gott, du unser rechter Vater! Wir danken dir, daß du unseres Herzens Schirm und Schild bist. Laß du uns das aus eigener Erfahrung immer besser merken und verstehen, was das für unser schwaches Herz bedeutet, und hilf uns täglich, mit der Hingabe unseres Herzens an dich Ernst zu machen! Amen.

26. März. 

Jes. 59, 16: . . . Und erstaunte, daß kein Vermittler vorhanden  (Wörtlich.)

Die Schrift spricht oft von Gott, als wäre er ein Mensch; so, wenn sie von seinem Hören, Sehen, seiner Reue oder wie in diesem Wort von seinem Erstaunen spricht. Die menschliche Form ist dann natürlich oft merkwürdig für die Knechte des Buchstabens: im
Sinn liegt aber gerade etwas Richtiges von einer besonders menschlichen Seite aufgefaßt. So auch hier. Ist das nicht des Staunens in der unsichtbaren Welt wert, daß sich kein Mensch in der langen Kette der Millionen und aber Millionen Menschen zum Vermittler eignete? Abraham nicht und Moses nicht und keiner der Propheten! Als ob der Baum der Menschheit keine einzige Frucht gebracht,
trotz seiner Millionen Blüten! Sie mußten es alle anstehen lassen, die Brüder zu erlösen; es war zu schwer für sie! Da mußte der Herr selbst eingreifen; da mußte Gott den Mittler von seiner Seite aus stellen und hat es in Jesu getan. Jetzt ist das Staunen auf unserer Seite, daß wir einen solchen Mittler, Hohenpriester und Versöhner  haben, an dem wir täglich neu zu studieren haben unseres Gottes große Liebe und Treue! Nur wer ihn schon gut kennt durch eigenes Erleben, der betet im Staube an vor einem Gott, der solch einen Mittler in solch ein Leiden und Sterben hineingab, damit solche Leute erlöst wurden, wie wir sind!

Ja, wir staunen, daß es nicht bei deinem Staunen, Herr unser Gott, geblieben ist, sondern, daß du uns deinen lieben Sohn in unser Leben und Sterben hineingeschenkt hast! Hilf uns nun durch deine Gabe solche Leute werden, die aus ihrem Staunen zum Dank mit der Tat und der Wahrheit kommen! Amen.
27. März.

Micha 2, 15: »Es wird ein Durchbrecher vor ihnen herausfahren und sie werden durchbrechen.«

Diese Weissagung ist In Jesu Christo erfüllt. »Der Durchbrecher aller Bande« hat sich durch nichts aufhalten lassen. Er ist durch alle Stricke und Schlingen der Versuchungen ebenso hindurchgebrochen, wie durch die Ketten des Todes! Er ist durch alles  heraufgefahren seinem Siege zu! Seither gilt für uns, die wir an ihn glauben und an ihn uns halten, nur die Losung: ,,und sie werden durchbrechen!« Wir brauchen nicht uns fangen zu lassen, wir brauchen nicht verstrickt zu werden in Sünde und Not, wir brauchen nicht zu jammern über Mauern, durch die wir nicht hindurch können; denn sobald wir wirklich in derselben Richtung, an derselben Stelle, wie Jesus, durchbrechen wollen, muß und wird es gehen in seiner Kraft. Nur nicht eigensinnig und rechthaberisch  wo anders durchbrechen wollen, als wo er die Bresche brach. Darum kommts vor jedem ordentlichen Christenkampf darauf an, daß man sich darüber klar werde, ob man auf Jesu Spur, in Jesu Sinn, einig mit ihm, in den Kampf zieht. Das aber kann nur im Gehorsam gegen
seinen Willen, auch in Kleinigkeiten des täglichen Lebens genau erkannt werden, wo er uns heißt: Brich durch! Ich  bin mit dir und niemand soll sich unterstehen dir zu schaden! Ist aber der Durchbrecher wirklich mit uns und wir mit ihm, dann werden wir auch durchbrechen.

O Durchbrecher aller Bande,
Der du immer bei uns bist,
Bei dem Schaden, Spott und Schande
Lauter Lust und Himmel ist,
Übe ferner dein Gerichte
Wider unsern Adamssinn,
Bis uns dein so treu Gesichte
Führet aus dem Kerker hin.
Amen.

28. März

Joh. 7, 17: »So jemand will des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede

Die Wahrheit des Evangeliums – und dieselben als zu glauben! – nun hier ist beides. Ein Beweis für das Evangelium, den sie selbst, die noch nicht daran Glaubenden, durch ihr Tun beibringen sollen. Jesu Lehre war eine Anweisung zur Heiligung; nun brauchte
nur jemand aufrichtig und ehrlich sich in dieser Richtung zu bemühen, um eine doppelte Erfahrung zu machen. Einesteils erfüllte das kleine StÜckchen wirklichen Tuns des Willens Gottes ihn mit hoher, seliger Befriedigung, so daß er sich sagen mußte: auf diesem Wege liegt der Frieden mit Gott und darum alles Glück! Andererseits erkannte er gerade durch das wirkliche Tun sehr bald, wenn er an seiner Schoßsünde angekommen, daß er zu schwach sei, um durch wirkliche Überwindung weiter zu kommen, daß er die Hilfe dessen brauche, der solche Sehnsucht in ihm angeregt: Jesum selbst. Dem Aufrichtigen läßt es der Herr heute noch gelingen. Wer wirklich dieses Tun des Willens Gottes sich zur Lebensaufgabe macht, der wird heute noch solche Erfahrungen machen. Man
könnte sich nur über eins wundern, daß von den sogenannten ,,ehrlichen Zweiflern« nicht mehr diesen kleinen praktischen Versuch machen.

Da bitten wir dich, Herr Jesu, lehre uns immer treuer werden im Tun des Willens, damit unser Friede sei wie ein Wasserstrom und unsere Gerechtigkeit, wie die Meereswellen. Segne aber auch die aufrichtigen Seelen unter den Ungläubigen, daß sie diese Schritte der Erfahrung machen: den Willen tun, damit sie dich selbst finden! Amen.

29. März.

1. Tim. 1, 19: »Daß du habest den Glauben und gutes Gewissen, welches etliche von sich gestoßen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben

Das Wörtchen »und« ist oft wie ein Zauberstab, der gleichsam ferne Gebiete zusammenschmiedet. Hier wird Glauben und gutes Gewissen so fest zusammengebunden. Das ist wohl zu beachten: Wenn der Glaube verloren ist, kann man auch kein gutes Gewissen haben; denn ohne eigene Versündigung gegen das Gewissen verliert man den Glauben nicht, und wie kann
Gottes Stimme im Gewissen uns loben, wenn wir den Glauben an denselben Gott weggeworfen haben? Somit hätten wir eine Art Berechtigung einem Ungläubigen den Vorwurf der Gewissenlosigkeit zu machen. Nur ist’s für den Gläubigen auch wichtig, daß bei ihm Glaube und gutes Gewissen zusammenhängt. Wollen wir darauf achten, daß unser Glaube unserem Gewissen helfen muß, immer schärfer, reiner, heller werden und doch gut, — d. h. so sein, daß es uns nicht zu verklagen braucht. Die Beiden sind auf
einander angewiesen; sie stehen und fallen mit einander. Achte darum, daß dein christliches Gewissen dich innerlich recht leiten kann, dann wird dein Glaube fröhlicher und stärker werden. Umgekehrt achte auch auf deinen Glauben, daß nicht durch Krankheit desselben der ganze Friedensstand des begnadigten Gotteskindes in Frage gestellt werde, oder gar der Schiffbruch des Glaubens eintrete, weil derselbe dem Steuerdruck des Gewissens nicht gefolgt war. Hast du aber Schiffbruch erlitten, dann rufe den.um Hilfe an, der allein Heiland und Retter sein kann und Gaben empfing auch für die Abtrünnigen.

Herr, unser Gott, wir bitten dich, reinige unser Gewissen von den toten Werken und lehre uns deine Werke, die wir aus dem Glauben tun sollen. Schärfe uns das Gewissen, daß wir jeden Abweg, der unserem Glauben zur Klippe werden könnte, erkennen und meiden! Amen.

30. März.

Hebr. 11, 2: »denn in diesem (dem Glauben) haben die Alten Zeugnis empfangen

Das ist eine Widerlegung des alltäglichen Einwands, den man gegen das Christentum und gegen den Glauben hört: ,,Erst Beweise, dann Glauben!« Nein, du mußt zuerst die Hinneigung deines Herzens zu Jesu vollziehen, – du mußt zuerst die Gewißheit der Wirklichkeit des Heils spüren, – du mußt zuerst glauben, – dann wird es Beweise regnen! Vorher wären sie ein Zwang, und das Unding käme zu Tage, daß Jemand, der sich mit ganzem Herzen von Gott und Christo wegsehnt, durch äußere Beweise sich gezwungen sieht, doch alles zu glauben. Dieser Höllenzustand tritt erst am jüngsten Tage ein, daß man an die Wirklichkeit, Macht
und Herrlichkeit Gottes, den man haßt und vor dem man vergeblich fliehen möchte, glauben muß, weil die Beweise: die Ketten und die Qual der Ewigkeit nicht wegzuleugnen sind. Heute aber heißt es noch zuerst glauben, dann erIangt man für sich manch wunderbares Zeugnis von der Wirklichkeit des Heils, aber auch von der nahen, freundlichen Fürsorge und persönlichen Liebe seines Heilands glauben,lieben, sich hingeben, gehorchen, dann gibts Erweise und Äußerungen seiner Liebe, daß wir uns schämen
müssen! Darum wundere dich aber auch nicht, wenn die Ungläubigen deine Erfahrungen nicht als Beweise für deinen Glauben ansehen, sondern nur die sittliche Kraft deines Lebens.

Jesu, wir glauben an dich, hilf unserem Unglauben, daß wir echt und wahr und wirklich in allen Dingen an dich und deine Nähe glauben! Ja, damit wir mehr von Oben empfangen können und mehr ertragen können von deinem Tun in unserem Leben,
— stärker, mehre, klare, festige uns den Glauben! Amen.

31. März.

1.Mose 8,1: Und Gott gedachte an Noah.

Über der Flut, die alles Leben verschlungen hatte, trieb der Kasten dahin und im Kasten der Anbruch einer neuen Menschheit. Wie bang mag wohl Noah das Herz gekl0opft haben beim Gedanken: wo sollen diese Riesenwasser alle hin? Unser Futter für all’
die Tiere geht zur Neige, unsere eigene Speise nimmt ab, – und das Wasser steht immer noch! Da gedachte Gott an Noah und sein Gedenken scheuchte die Wasser, die er gerufen, und sein Gedenken trocknete den Erdboden und schuf neuen Lebens frischen Reiz auf der vom Frevel gereinigten Erde. Weißt du nicht noch von einem Gedenken Gottes? Da er an aller Welt Elend gedachte, wurden seine Gedanken Fleisch und Blut und lagen in der Krippe zu Bethlehem, und wandelten durch das Land und mußten
leiden, und wurden ans Kreuz geschlagen! Gott gedachte an uns! Hast du von dieser Wunderkraft seines liebreichen Gedenkens an dich wirklich noch nichts gespürt? Dann tust du mir aber sehr leid! Wie muß das sein, wenn man nicht glaubt, daß Gott liebreich unser gedenkt? Ich kann mirs jetzt gar nicht vorstellen! »Ich denke hin und denke her und denke bei dem Denken, ob das, was mir
so denkenswert, wohl auch an mich mag denken!« Ja, er denkt an dich und sorgt für dich und ist nah deinem Herzen, so daß du sein Gedenken heute noch an diesem Tage spüren sollst! Aber sein Gedenken findet in deinem Leben, wie jene erste Taube Noahs keine 5telle fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, keinen Platz zum Wirken und 5egnen, wenn du nicht auch an deinen Gott denkst und
für ihn zu Hause bist!

O heiliger Geist, tue uns die Augen der Seele auf, daß wir doch erkennen, was Gott, unser Vater, für uns fertig gestellt hat! Öffne uns die Ohren, daß wir hören seine wunderbaren Zusagen und froh werden mit ewiger Freude darüber! Wirke solches in allem Volk unseres Gottes, ja bereite dir zum Ruhm deine Kinder! Amen.
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