Andachten (Juli)

1. Juli

Hebr. 13, 18:  Betet für uns.

O der unerkannten Macht von der Heil’gen Beten! Wie wenig wird noch darauf geachtet, daß die rechte Fürbitte eine Macht darstellt. Man ist geneigt allerlei sichtbaren Werken und hörbaren Worten viel mehr Macht zuzutrauen, als dem stillen, starken Gebet der Kinder Gottes. Das kommt wohl daher, es wird soviel hohle phrase, lügenhafte Schwätzerei mit dem Worte getrieben: Beten Sie für mich! Wirkliche Beter sind schwerfällig mit der Zusage eine wirkliche Fürbitte zu übernehmen, eben weil es eine innere Arbeit, ein inneres Geopfertwerden bedeutet, wenn man Fürbitte tut; Wir müssen mit unserer Person und unserem Glauben, unserer Liebe und unserer Leidenswilligkeit in den Riß treten, gleichsam die Aufmerksamkeit der unsichtbaren Feinde auf uns ziehen, wenn die ersehnte Hilfe wirklich von denen erlebt sein soll, für die wir beten. Mit ein paar Worten in dem laut gesprochenen Gebete ists nicht gethan, sondern mit der innerlichen Hingabe an den Herrn die da spricht: »Nimm mich zum Opfer an, damit jene entlastet werden! Heilandsart, Hohepriesterart, die nichts für sich sucht bei der inneren Anstrengung, sondern ganz selbstlos sich für den Andern preisgibt, -— das ist echte Fürbitte. Sieh zu, ob deine so war.

Herr, lehre uns immer besser beten! Wir möchten die Kräfte deines Reiches erlangen und flüssig machen für die ganze Welt. Da nimm uns und brauche uns! Nimm alle deine Kinder und brauche sie! Amen.

 

 

2. Juli.

Jakobi 1, 2:  Achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet.

Das klingt ja sehr merkwürdig! Sind doch die Anfechtungen stets mit einer Erschütterung und einem Stoß verbunden, der bis tief in’s innerste Herz sich fortpflanzt; und hat uns der Herr nicht selbst gelehrt zu beten: Führe uns nicht in Versuchung  Nun, diese mancherlei Anfechtungen zielen ab auf Erprobung. Wir können gar nicht anders bewährt werden und unseres Glaubens recht gewiß werden, als wenn  wir auch etliche ganz tüchtige Püffe und Stöße erfahren haben. Nun sollen wir über solche Anfechtungen uns
nicht erschrecken, sondern einsehen, daß sie uns innerlich voran bringen, wie sonst nichts in der Welt es tun könnte. Um des Segens willen, den sie am inwendigen Menschen hervorbringen wollen, sollen wir sie mit Freuden begrüßen. Stehen wir aber ehrlich und echt so ihnen gegenüber, so ist der bittere Beigeschmack des Schmerzes, den sie bringen, schon überwunden. Sie nützen und segnen, darum sollen sie uns hochwillkommen sein, und wir wollen uns durch sie nur zu immer festerem, wirklichem Anklammern an Jesum treiben und erinnern lassen. Dann überwinden wir durch ihn und mit ihm alles, was er doch selbst ließ kommen!

Herr Jesu, laß uns in der Anfechtung nicht allein, sondern zeige dann gerade deine Kraft und deinen Geist in uns, deinen  schwachen Kindern, zu deiner Ehre! Amen.

 

 

3. Juli

Zeph. 1, 7: . . . er hat seine Geladenen geheiIigt   (wörtlich).

Das soll unser Trost sein: Er hat uns nicht geladen, berufen zu seinem Reich, nicht nur erlöst durch sein Blut, nein, wir müssen es ebenso im Glauben ergreifen, daß er uns auch gereinigt und geheiligt hat. Wir brauchen nicht erst abzuwarten, bis sich an dem Baum die ersten Früchte der Liebe und der Geduld zeigen, wir können sofort durch den Glauben, der sich die Gerechtigkeit Jesu zu eigen macht, in den neuen Stand seiner Gereinigten eintreten. Im Sinn, in der Richtung, im Anheben einer neuen Ordnung, im Setzen des neuen Lebens, im Umgang mit ihm liegt schon die erste Wirkung des Glaubens. Haltet euch dafür, daß ihr gestorben seid! Glaubet, daß die Reinigung sich sofort eures Sehnens und Trachtens bemächtigt, daß der Glaubensgehorsam seinen wirklichen Anfang gleich vom ersten Tag der Bekehrung rechnen will. Das ist kein Polster für Trägheit, sondern der stärkste Reiz, sich sofort Jesu wirklich hinzugeben und mit ihm das neue Leben zu beginnen. Wachstümlich werdend, ausreifend wird sich’s gestalten, aber anfangen wird das Neue gleich. Die Reinigung wird, wenn sie anfangs auch lückenhaft sein mag, nichts
aufgeschoben. Wenn sie auch mit fortschreitender Erkenntnis und Erfahrung sich entwickelt, sie wird doch sofort ihre Wirkung offenbaren!

Jesu, wir loben dich, daß du unsere Heiligung. ebenso wirklich und wahrhaftig sein willst, wie du unsere Erlösung geworden bist. Nun, so nimm uns dir hin, immer mehr, ja ganz und für immer! Amen.

 

 

4. Juli

Maleachi 4, 2:   Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll ausgehen die Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung unter ihren Flügeln.

Die Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung unter ihren Flügeln! Was ist das für ein schönes, ergreifendes Bild und wie wichtig ist’s, wenn man es erlebt! Denn, wem Jesus als diese Sonne aufgegangen ist, der erfährt auch Heilung des wunden Herzens und Gewissens. Ein so ins Leben eingreifendes Ereignis, wie die wirkliche Erfahrung der Sündenvergebung, läßt sich gut mit dem Sonnenaufgang nach kalter, finsterer Nacht vergleichen. Zuerst wird’s hell: man erkennt , seine ganze Blöße und seinen ganzen Jammer erst im Licht der Gnade deutlich und unentrinnbar. Dann aber kommt mit der Helligkeit auch das Leben: Jesus wird zur Trostquelle. Die Sonne steigt höher; jetzt scheint sie einem auf alle Wege und erwärmt das Herz. Die Schauer und Schrecken
der Nacht sind fort, die Morgennebel verscheucht und wir dürfen als die Genesenden unsere Seele baden im Licht des Herrn; ja wir wollen Kinder dieses Lichtes sein und von Tag zu Tag mehr werden, damit all unser Leben, Denken, Lieben, Sehnen sei in dieses Licht getaucht und nichts mehr an uns die Finsternis suchen muß, weil es das Licht nicht verträgt, bis wir ganz geheilt uns dieser Sonne freuen in ihrer und unsrer Heimat.

Jesu, gehe strahlend über uns auf und nimm uns in den hellen, wahren, reinen Lebenskreis deines Lichtes hinein; In deinem Lichte laß uns sehen das Licht und unsere Seele wird genesen durch dich. Amen.

 

 

5. Juli.

Joh 14,14:   Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun.

Das Gebet im Namen Jesu hat an dieser und an anderen Stellen so starke, uneingeschränkte Verheißungen, daß man doch vorsichtiger werden müßte von einem Beten im Namen Jesu zu reden. Entweder ist nicht all unser Beten auch im Namen Jesu geschehen, wenn diese drei Worte dabei gesprochen werden oder die Verheißung wird nicht erfüllt. Was heißt denn im Namen Jesu beten? Sein Name heißt Jesus, Heiland, Helfer, Seligmacher; wer nun selbst als; ein versöhntes Gotteskind in diesem Namen eingehüllt, Heilandsarbeit fortsetzt, Priestertum, Fürbitte für Seelenrettung ausübt, tritt in aller Schwachheit gleichsam an Jesu Stelle, kommt daher bei solchem Beten in Jesu Namen vor den Vater. Jetzt wird auch sein Gebet sich im Einklang mit Jesu Willen und Wünschen befinden und dann bekommt es freilich einen starken Ton und festen Grund. Daß Menschen auf Erden sich. soweit von Jesu haben helfen lassen, dass sie selbstlos bloß aus Liebe zu Jesu und zu  en Seelen priesterlich für die letzteren eintreten, das gibt ihnen eine Art Anteil an dem Rechte Jesu auf Wirkung und Hilfe von oben. Damit ist der Bereich dieser Bitten gezeichnet. Reichsgebet der Seinen, die dasselbe wollen, wie Jesus, das nimmt er in seine Hände als eine Waffe und ein Gewicht; das hilft ihm mit zu seinem Wirken, das deckt er auch mit seinem Namen beim Vater.

Wie mußt du, Herr Jesu, uns noch los machen von aller kurzsichtigen selbstsüchtigen Art ins Gebet, bis du unser Gebet in deine Arbeit mit hinein rechnen kannst! O mach uns so, daß du unser Beten brauchen kannst! Amen.

 

 

6. Juli

Joh 20,51 . .. und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Daß man durch den Glauben die Rechtfertigung, Vergebung der Sünden – erlange, ist allgemein anerkannt in der evangelischen Christenheit; spärlicher ist schon die Zustimmung, wenn man behauptet, daß auch das neue Leben mit Christo, die Heiligung, durch den Glauben erlangt werden müsse. Hier, meinen eben Viele, sei doch ein bisschen eigenes ,,Werkeln« ganz unumgänglich nötig. Nein, nur Hingabe des eigenen Lebens und Willens, Wünschens und Treibens, damit Raum werde für das Leben Jesu, das er eben lebst für uns, tut not. Je mehr der Glaube mit sich selbst wirklichen Lebensernst macht und sich zu einer willigen Stromleitung des neuen Lebens von oben hergibt, desto mehr Erfahrungen dieses Lebens in seinem, d. h. in Jesu Namen wird man machen dürfen. Nicht wir müssen uns soviel als möglich ,,ausleben«, sondern Jesus soll zu einer möglichst freien Bewegung und Betätigung in uns kommen. Dann wird das Ziel des Evangelisten Johannes, der Zweck seines Buches, erfüllt, daß wir durch solchen Glauben »das Leben«, das allein diesen Namen verdient, innerhalb der Offenbarungen Jesu, eingeschlossen in seinen Namen, erhalten und führen! Dann werden alle Glocken unseres Erdenlebens, auf denen Jesu Name nicht stehen kann, schweigen.
Mein Jesus ist die Liebe,
die heilgen Brand entfacht,
Dies Herz, das kalt und trübe,
Wie Blumen blühen macht;
Nur daß es Tag und Nacht
In Ihm zu glühn sich übe.
Drum, Herz, vom Weltgetriebe
Fleuch’ auf zur süßen Liebe! –

Das walte, Herr Jesu. Amen.

 

 

7. Juli.

Zeph. 3, 17:   Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland; er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben und wird über dir mit Schalle fröhlich sein.

Daß wir uns über den Herrn, unsern starken Heiland, freuten, ja daß wir mit Schalle über ihn fröhlich sein konnten, — das haben wir alle erlebt, die wir seine Kinder sind. Aber, daß er sich so über uns freuen sollte? Wenn er uns doch noch besser kennt, als wir uns selbst kennen, was kann es jetzt – hienieden — für Grund zu solcher Freude geben? Sollten wir nicht dergleichen bis auf die ewige Vollendung verschieben? Auf der andern Seite möchte man dem so sehr Geliebten doch gern jetzt schon volle echte Freude machen! Nun, wenn schon über einen Sünder, der Buße tut, im Himmel Freude ist, – wo doch derselbe nur den ersten, stümperhaften Versuch gemacht hat, sich Jesu zu nahen, — wie vielmehr Freude soll es wohl bei ihm, geben, wenn wir Ernst machen mit der Übergabe unseres Herzens an ihn! Sollte die Erprobung seiner Kinder in der Treue des Gehorsams, in Trübsal und Anfechtung nicht ihm zur Freude gereichen! Sollte uns solch ein Gedankengang nicht flüssiges Feuer neuer Begeisterung, echter Hingabe, brünstiger Liebe in die Seele gießen, damit wir ihm zur Freude würden! Hat er’s nicht um uns verdient, daß wir willig und völlig uns für ihn aufopfern! Was gilts, der Freudenschein, der sein Antlitz verklärt, findet hellen Wiederschein ins deiner Seele, deinem Leben!

Lieber Heiland, nimm unsere Seelen hin, nimm unser Wollen hin, verkläre dich in uns, damit in uns nichts bleibe, was dir nicht zur Freude und Ehre gereiche! Amen.

 

 

8. Juli

Joh 12,3   Das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe.

Das Haus allein? Jesu Kleider nicht auch? Als er später in den schweren bittern Stunden, die der Gefangennehmung folgten, dann und wann wieder diesen edlen Wohlgeruch spürte, mochte er ihn erinnern an die treue Hingebung der Seinen; in der einen Maria verkörpert sich da gleichsam die ganze spätere Gemeinde der Heiligen, deren Liebe und Treue ein süßer Geruch Christi ward und noch wird. Soll aber nicht auch heute noch dein Haus voll werden vom Geruch der Salbe? Gibts es nicht noch Salbung aus der Höhe, die Menschenherzen so umgestaltet und verklärt, daß von ihnen es heißen kann: ihr Haus ward voll vom Geruch der Salbe? Gott sei Dank, man darf sie doch noch hin und eher kennen lernen die Überwinder, die vom verborgenen Manna gegessen haben und in der Kraft der Salbung auch Andern zum Frohwerden im Geistlichen helfen können. Aber warum sollten wir alle nicht solche Segensmenschen werden wollen, von deren Gegenwart Ströme lebendigen Wassers ausgehen? An der Hingabe des Eigenen liegt es, daß man wachsen kann in der Erkenntnis und dann kann man durch die Erkenntnis (2. Petri 1, 2) wieder wachsen in der Gnade!

Darum wollen wir uns dir, Herr Jesu, du verklärte Hoherpriester ganz und gar hingeben, damit deine Salbung auch über uns komme! Vom Haupt auf die Glieder laß das Salböl fließen. Amen.

 

 

9. Juli

Tit. 3, 14:  Laß die Unsern lernen, daß sie ins Stande guter Werke sich finden lassen, wo man ihrer bedarf.

Das ist auch eine Schule, deren Bedeutung man nicht vergessen dürfte bei den ,,Unsern!” Man spricht wohl von Leidensschulen, aber diese Arbeitsschule wird selten erwähnt. Sollte das mit der Angst vor der falschen Verdienstlichkeit der guten Werke sich auch erklären lassen, — entschuldigt ist die Trägheit und Unfruchtbarkeit vieler evangelischen Christen damit doch nicht. Der Herr bedarf ihrer! Er bedarf ihres Geldes, ihrer Freundlichkeit, ihrer Geduld, ihrer Treue im irdischen Beruf, damit sein Name nicht immer wieder von Leuten geschändet werde, die nichts taugen in ihren Erdenbeziehungen, dabei aber »das Wort« im Munde führen. Darum auf in die Arbeitsschule Jesu, dass man die Unsern im Stande guter Werke, als ihrem naturgemäßen Standort, wo man sie ganz seIbstverständlich zuerst suchen muss auch allezeit finde. Dann wird dem Einzelnen erst, wo er sich selbst dazu bereithält und anbietet, die ungeheure Nachfrage nach lebendigen Christen klar werden. Die Welt bedarf ihrer, wenn nicht alles zugrunde gehen soll. Die Familien bedürfen eines heimlichen Zusammenhalts, die Traurigen eines starken Trösters, – kurz Überall ist Nachfrage nach Leben, Liebe, Kraft; willst du nicht schnell lernen, was du dazu brauchst, damit man dich in solchem Stande finde, da deine Werke deinen Heiland ehren?

Ja, ich will, Herr Jesu! Bitte, gib mir heute noch durch dein Licht Unterricht, wie ich werden soll, was ich thn soll, wo ich reden soll, wo ich schweigen soll, damit mein Leben dein Leben offenbare! Amen.

 

 

10. Juli

1. Kor 6,20:   Ihr seid teuer erkauft. Darum so preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes. –

Wenn etwas teuer gekauft worden ist, wird es dem Besitzer auch viel wert sein. Was. könnte teurer bezahlt worden sein, als unser Leib und Geist, – unser persönliches Leben! Denn Jesus hat seinen Leib zerbrechen lassen, sein Blut fließen lassen, seinen Geist in
die tiefste Erniedrigung und Demütigung hineinsinken lassen, bloß um uns sich zu eigen zu erwerben. Müssen wir da nicht unsern Leib und Leben, Gemüt und Geist mit einer Art Andacht und Ehrfurcht betrachten? Dürfen wir noch darüber verfügen? Kann es einem Christen noch erlaubt sein, sich selbst zur Selbstsucht, zum sündlichen Genuß zu mißbrauchen? Nein, wir wollen doch ehrlich sein in allen Dingen! Nun, dann gehören wir weder uns noch der Welt, noch unserer Familie, noch unserem Vergnügen,
sondern in erster Linie unserem Heiland. Was liegt nun näher, als daß wir in allen Lebenslagen herauszuhören erstreben, was der Herr eben mit seinen beiden Sklaven, unserm Leibe und unserm Geiste will angefangen haben? Und Hand in Hand mit der betreffenden Klarheit darüber muß die Ausführung, das Tun dieses Willens gehen. Zur Erleichterung solches Thuns gibt er sich uns, damit wir besser können uns ihm übergeben. Eins soll vom Andern abhängen und unterstützend in’s Andere greifen.

Jesus, zeige uns das Geheimnis von Tag zu Tag deutlicher, wie wir dir gehören und gehorchen sollen. Gib uns dazu immer mehr von dem Deinen, bis nichts von dem Unsern mehr ohne dich ist! Amen.

 

 

11. Juli.

Jes. 58, 9:  Wenn du rufen wirst, so wird der Herr antworten, und wenn du schreien wirst, so wird er sagen: ,,5iehe, hier bin ich!

Es muß angesichts der vielen Ermahnungen zum Gebet und der Verheißungen der Erhörung, wie sie die Schrift so oft bringt, doch klar sein, daß der Mangel an Erhörungen an dem inneren Zustand des Bittenden liegen muß. Wenn wir innerlich aufgeschlossen
für die Bezeugungen unseres Gottes uns anschicken zum Gebet, wird das die erste Antwort und Erhörung sein, daß uns der Mangel, die Störung, der sittliche Zustand klar gemacht wird, worin die Ursache liegt, warum wir nicht erhört werden. Richten wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf diesen Punkt, beten wir um Hilfe an dieser bedrohten Stelle und reinigen wir uns so die Hände
für das Nehmen anderer Gaben, dann bekommt nachher das Gebet einen; anderen Schwung. Selbstisches Durchtrotzen
des eigenen ungebrochenen Willens ist kein Gebet, sondern eine neue Versündigung. Erst bete um heiligen Geist dich selbst recht zu erkennen; dann bitte um Hilfe so zu werden, wie du innerlich sein sollst, damit du überhaupt erhörlich beten kannst und dann sieh zu, ob dir deine Bitte von vorher noch so ernst und wichtig ist, um mit ihr den Himmel zu stürmenl

Herr, lehre uns beten! Lehre uns erkennen unsere Verirrung, hilf uns zurecht, reinige du uns und dann heilige unsere Bitten durch deinen Geist! Amen.

 

12. Juli.

Psalm 32, 8:  Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist; wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist.

Wenn die heilige Schrift einem zu etwas gratuliert, sollte das nicht sehr viel wert sein? Wenn der heilige Gott sagt: Jetzt bin ich mit dir zufrieden, sollte das nicht mehr sein als die beste Zensur, die Menschen einem ausstellen? Sollte das nicht ein seligeres Gefühl sein, als wenn der Mutter weiche Hand das Kind streichelt? Lieber Freund, man macht im Himmel kein Aufheben davon, wenn du hunderttausend Taler erbst oder das große Los gewonnen hast. Wenn du aber wirklich Vergebung deiner Sünden gewonnen hast, dann wendet sich die ganze selige Engelwelt jauchzend dir zu, dann geht durch die Himmelsräume ein Klingen und Singen neuer
Lieder, die deine Umkehr zum Inhalt haben! Solltest du das selbst geringer, am Ende zu gering anschlagen, daß man dich vergewissern will der Vergebung der Sünden? Jch fürchte, dann hast du es gar nicht recht erlebt; Denn, wenn uns die Übertretungen der Gebote vergeben sind, – also die Schuld weggetan ist, wenn die Quelle unseres Elends, die Sünde zugedecket ist, wenn die Rechnung unseres Lebens alle Tage ohne unvergebene Missetat abschließt, wenn der Herr uns anschaut, wie er damals den Nathanael auf sich zukommen sah: Siehe da ein Israeliter, in dem kein Falsch ist! – Dann ist’s genug zum Loben und Danken, zum stillen frohen Glück! Und dieses Wohl, dieses Glück kann man haben mitten im Leide! Kannst du es heute nicht haben? Ich möchte wissen, was oder wer dich daran hindern könnte! Nichts als dein Wille!

Lob, und Dank sei dir, Herr Jesu, daß du unser Trost und unser Friede, die Quelle unserer täglichen Kraft und Seligkeit geworden bist. Laß heute noch uns solchen Frieden anwehen und genießen! Amen.

 

13. Juli.

Psalm 36,8:  Wie teuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen.

Ja, das ist eine köstliche Güte, ein seliges Vorrecht, eine wunderbare tröstliche Eigenart unseres Gottes, daß wir armen Menschenkinder ihm trauen dürfen! Daß wir uns in allen bangen Sorgen, in allem Kummer des Gedankens trösten können, Gott wolle für uns sorgen, ist schon viel. Aber hier scheint in unserem Text noch ein innigeres, lieblicheres Verhältnis, eine andere Möglichkeit angedeutet zu sein. Unter dem Schatten seiner Flügel! Breit aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Unter diesen Flügeln ist man nicht nur geborgen nach außen, – man ist auch nah dem Herzen Gottes. Ein Gefühl von Geborgenheit und Gerettetsein kommt über uns; ein dankbares Genießen solchen Friedens mitten im Sturm und Streit der Welt, ein tägliches Sichwiederbesinnen, wo man Ruhe und Stille und Kraft finden kann, ein häufiges Hineinflüchten unter diese Flügel, das macht das Christenleben auf Erden nicht nur möglich und erträglich, sondern selig, köstlich und reich an unsäglichen Erfahrungen der Nähe und Liebe des treuen Gottes und Heilandes. Freilich, man muß eben auch trauen, glauben, erst stille werden vor seinem Angesicht, damit man dergleichen erfahren darf. Meine Seele ist stille vor Gott, der mir hilft. Das muß erst Wirklichkeit geworden sein!

Lieber Heiland, nahe dich und ziehe meine Seele aus dem verwirrenden Getriebe draußen hinein in den geheimen Umgang mit dir, in’s trauliche Geborgensein unter deinen Flügeln! Jch habe Heimweh nach dir! Zieh mich, nimm mich, und verbirg mich bei dir vor allem, auch vor mir selbst! Amen.

 

 

14. Juli

Joh 21,19 …da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Wie verschieden kann dasselbe Wort klingen! Einst am Anfang des Christenlebens rief Jesus seine Leute mit diesem Wort: Folge mir nach! zum ersten Mal. Da galt es, den eitlen Wandel nach väterlicher Weise verlassen und einlenken in seine Nachfolge.
Nachher, als Petrus schon so viel von seinem Meister gehört und mit ihm erlebt, ja sogar ihn verleugnet hatte, war er wieder zu Gnaden angenommen worden, Jetzt ertönt derselbe Ruf wieder! Jetzt ist ihm eröffnet worden, daß er in Selbsthingabe und Aufopferung seines Willens und Lebens Jesu nachzufolgen haben werde bis zum Tod; und dennoch folgt er jetzt willig. Müssen wir nicht auch immer wieder diese besonderen Erfahrungen machen, diese neuen Anfänge erleben, wo Jesus die Abgefallenen, Laugewordenen wieder sammelt und zurückgebracht auf dieselbe Stelle der rechten Straße stellt, wo sie sich von ihr abgeschlichen haben! Dann gilt’s wieder den ganzen Entschluß, nur, daß er jetzt viel selbstverständlicher, ganz wie von selbst, gefaßt wird. Denn man hat ja zu viel von Jesu erlebt, man ist durch die Bande der Vergebung viel zu fest an ihn gefesselt, als daß man auch nur von fernedaran denken könnte, von ihm loszulassen. Folge mir nach! Laß es dir im Ohre klingen und in’s Herz dringen und dich zur That treiben! Achte darauf, ob es nicht noch heute in irgend einer Sache heißen wird: Folge mir nach!

Jesu, nach allem, was wir bei dir erlebt, können wir nicht anders, wir hängen uns an dich und bleiben bei dir! Zieh uns immer stärker, daß unser Herz und Leben dir gehöre und bei dir bleibe ewiglich! Amen.

 

 

15. Juli

Jak. 1, 12:   Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet.

Das ist doch eine seltsame Gratulation! Da beglückwünscht der Apostel den Menschen, der Anfechtung erduldet. Wer zur Versuchung und Anfechtung bei ihrem Kommen sprach (Jak. 1, 2): ich freue mich, daß du an mir arbeiten willst! – der wird
auch bis zum Ende, bis zur Bewährung aushalten und dann den reifen Segen solcher Erfahrung einheimsen. Segen und Seligkeit wollen die lieben Christen ganz gern und recht viel von beidem jetzt schon auf Erden; wenn man ihnen aber sagt, daß einer der eingetretensten Pfade zu solchen seligen Erfahrungen durch das Trübsalstal der Anfechtung und des Angegriffenwerdens hindurchgeht, — oft ist das der nächste, kürzeste, einzige Weg! — dann ziehen sie lange Gesichter und sagen: Nun, dann will ich
mich lieber mit weniger Segen begnügen! Man muß nicht so unbescheiden sein! Lieber weniger Anfechtung, lieber etwas Ruhe für’s Fleisch, – wenn’s dann auch weniger Genuß der Nähe Jesu und weniger Kraft aus dem oberen Heiligtum gibt. Ist das die rechte, echte Stellung eines Gotteskindes, dem das Herz vor Liebe zu Jesu brennt? Nein, lassen wir uns die Seligkeit nicht rauben, die in und durch Bewährung in Anfechtung für uns reif wird. Vorwärts in Jesu Namen auch an diesem Stück! Der Preis, den wir für solche Bewährung zahlen, ist wahrlich nicht zu hoch!

Lieber Heiland! Du Hoherpriester, der du Mitleid hast mit unserer Schwachheit, und uns nicht willst über Vermögen versuchen lassen, schau auf uns in der Stunde der Anfechtung, daß dein Blick uns Lebenskräfte vermittle aus der Höhe und wir dir folgen zum Sieg! Amen.

 

 

16. Juli

Jerem.. 51, 25:   Ich will die müden Seelen erquicken und die bekümmerten Seelen sättigen.

Die müden Seelen wollen doch gewiß Erquickung und die bekümmerten Seelen Sättigung; – wie muß es sie dann mächtig trösten, wenn auf ihr Seufzen eine starke Stimme des großen Gottes und Heilandes vom Himmel her antwortet: Ich will es tun! Ich will erquicken und sättigen! Wenn jetzt die Seelen nur wirklich sich helfen lassen wollen und die dargebotene Hülfe auch annehmen, kann die Erquickung heute eintreten. Das einzige Hindernis, warum die Himmelstat nicht heute schon spürbar bei ihnen eintritt, muß an ihnen liegen. Denn unserm Heiland, der uns wie seinen Augapfel behütet, ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. An ihm liegts nicht; er ist in der unsichtbaren Welt nur durch das gehemmt, was man von unsern Seelen und ihrem Unglauben dort weiß. Sind wir noch nicht klein genug, nicht rein genug, nicht los genug von der alten Selbstsucht, so kann er den Strome seiner Geisteshilfe nicht unter der Tempelschwelle herausfließen lassen. Aber im selben Augenblick, wo wir in die Verfassung kommen, daß wir ihn nicht mehr am Trösten und Helfen und unserer Seele als Freund begegnen hindern, wirds kommen! Ob’s bei dir kommt wie das Brausen eines gewaltigen Windes oder wie ein stilles, sanftes Sausen, ob’s kommt im Irdischen oder im Geistlichen, ich weiß es nicht, aber daß es unterwegs ist, gleichsam schon in der Luft liegt, das weiß ich!

Du weißt es auch, mein reicher Gott, du Gott alles Trostes,’ wie nah deine Hülfe deinen müden, matten Kindern ist. O zerreiße die Nebel, damit wir alle erkennen, was die Erfahrung deines starken Segens eben noch aufhält! Amen.

 

 

17. Juli

Psalm 36, 9:  Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses und du tränkest sie mit Freude als mit einem Strom.

Spärlichen Trost, karge, kleine Gaben will. der Herr den Seinen nicht austeilen, sondern ihr Kelch soll überfließen! Ich bin  gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen! Auf daß eure Freude vollkommen werde! Die Apostel brauchen in ihren Briefen starke Worte von dem seligen Stand der Kinder Gottes. Sollten das nur Übertreibungen sein? Oder darf unsere Psalmstelle nur auf die Seligkeit des Lebens der Vollendung in der Ewigkeit angewandt werden? Haben wir denn nicht auch bisweilen hier schon solche überwältigende Erfahrungen seiner Nähe und seiner Liebe gemacht,  dass uns zu Sinne war, mit Petrus sprechen zu müssen: Herr, gehe hinaus von mir! Ich bin nur ein sündiger Mensch und kanns nicht ertragen, wie reich und liebevoll du bist! Gewiß haben wir solche Segnungen erlebt und wir wollen sie als Angeld und Vorboten dessen, was wir einst ewig genießen sollen, nicht unterschätzen. Aber auf der andern Seite dürfen wir nicht vergessen, daß als Gegengewicht gegen diese hohen Offenbarungen Paulus des Satans Engel fühlen muß, der ihn wie mit Fäusten schlägt. D. h. wir müssen hinieden neben der seligsten Entzückung auch gewärtig sein mancher schweren Demütigung und manches Leidens. Auf daß ich mich nicht überhebe! Aber darin liegt doch schon, daß die Erfahrungen der Liebe vorher so mächtig waren, das; die Gefahr der Überhebung nahe lag!

Lieber Herr Jesus, du kennst unsern inneren Zustand besser als wir selbst. Gieb uns, wenn wir es brauchen und vertragen, Friede und Freude im heiligen Geiste in reichem Maße zu schmecken! Amen.

 

 

18. Juli 

Joh. 2, 27:   Die Salbung . . . . bleibet bei euch…”.

Der Gesalbte kann keine Glieder und Jünger bei sich haben, als die auch gesalbt sind mit seiner Salbung d. h. mit seinem heiligen Geist. Dieses Siegel Christi soll nicht wieder abbröckeln und untüchtig werden; seine Leute, so sie anders wirklich und echt sich
ihm ergeben haben, sollen immer unter dem Einfluß dieser Weihe von Oben bleiben. Nicht menschliche Führer, nicht in menschliche Formen gepreßte Unterweisung, nicht Schablonen und Gesetze, sondern eine heilige innere Führung durch den heiligen Geist selbst ist damit gemeint. Durch Gehorsam gegen den Herrn und tägliche, unablässige Achtsamkeit auf seine Winke entsteht eine Art Gelehrigkeit, immer besser und völliger diese Leitung zu verstehen und ihr stets nachzugehen. Hier reden wir weder von päpstlicher Unfehlbarkeit, noch von Sündlosigkeit, sondern von dem inneren Gehaltenwerden, von der spürbaren Zucht
des lebendigen Herrn und seines Geistes. Es ist ein Takt, ein Geisteskompaß, eine Richtung, ein neues Leben, ohne daß wir etwas dazu zu thun hätten, als sein Eigentum zu bleiben und ihm zu gehorchen. Ohne viel Reden vom Christentum bezeugt sich die Salbung unwidersprechlich an jedem Gewissen, das aus der Wahrheit ist.

Jesu, mache deine Kinder in neuem Sinne zu einfachen, natürlichen, kindlichen Menschen, die der Geist der Kindschaft wahrhaft erfüllt und treibt und verklärt! Amen.

 

 

19. Juli

5. Mose 32, 4:  Treu ist Gott und kein Böses an ihm; gerecht und fromm ist er.

Bedarf es noch dieser Versicherung? Wenn man will, ist die ganze Welt- und Menschengeschichte eine große verwickelte Rechenaufgabe, deren Resultat  einst sein wird, daß sie alle bekennen müssen: Treu ist Gott und kein Böses an ihm! Er ist gerecht gewesen in allem seinem Tunl Da hatten die Juden nicht so unrecht, daß sie diesen Spruch noch heute in ihrem Begräbnisgebet
haben und sich gleichsam bei jedem Toten in ihrer Mitte bereit finden dem Herrn dieses Zeugnis auszustellen. Darum haben sie auch diesen Spruch oft als Inschrift auf ihren Grabsteinen. Oder ist’s der einzige Trost, den sie, die sonst so trostlos beim Sterben und an der Totenbahre sich benehmen, noch haben, daß ihres Gottes Treue sie nicht lassen werde? Wie müßten wir rühmen und preisen unseres Gottes Treue, die wir den lebendigen Beweis, daß er Zusagen hält und Verheißungen erfüllt, in Christo erlebt haben! Hat Jesus dir nicht auch seine Treue gehalten bis in den Tod hinein, ja über seinen Tod hinaus bis in deine schwersten und schwächsten Stunden hinein? Und nun vergleiche mit dieser heiligen ewigen Gottes- und Heilandstreue nur deine Untreue eines einzigen Tages! Kann das nicht anders werden? Ja, es kann!

Herr Jesu, erbarme dich über deine lauen, untreuen Jiinger und Nachfolger! Zerbrich den Bann der Schuld und hilf uns heute gehorchen! Mach uns kindlich treu, einfach ergeben und ganz folgsam! Amen.

 

 

20. Juli.

Psalm 32, 5:   Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen.

Anstatt sich seine Sünden vergeben zu lassen, versuchte der Psalmist sie zu verschweigen. Dabei geriet er in äußerste Gefahr Leibes und der Seele. Wie heiß kann ein heimliches Feuer der Leidenschaft brennen und wieviel Leiden schaffen! Wie weh kann ein verheimlichtes gefährliches Kranksein tun; wie richtet es den Körper zu! So vergleicht der Psalmist, seinen traurigen inneren Zustand mit dem Heulen eines angeketteten Tieres, das man vergessen hat loszubinden.  Erst heult es und schmachtet nach Hilfe und Erlösung; endlich schmachtet es sich zu Grunde: es verschmachtet! Wieviel Menschenherzen gleichen diesem Bild! Statt sich
die Sünde vergeben zu lassen, statt sich helfen zu lassen, schmachtet man lieber, geht man lieber zu Grunde! Verschweigen
der Sünde heißt Verschmachten der Seele; – und dann ist’s kein Wunder, wenn auch Fleisch und Blut unter. diesem traurigen Seelenzustand bitter leiden müssen. Oft bringt man dadurch wirklich nicht nur seine Gesundheit, sondern sein Leben in Gefahr. Ach, was sollte man doch immer tun, um die Leute zu freiem Bekenntnis ihrer Sünde zu bringen! Wie bald könnte ihnen geholfen
werden! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel? Ist doch in Jesu die Hilfeda und ganz nah, von der wir bekennen, daß auch der Leib dadurch dankbar und fröhlich wird!

Lieber Heiland, du Sündentilger, nimm unser Bekenntnis mild und barmherzig auf: wir waren untreu, wir waren lau, wir sind dir ausgewichenl Vergib uns alle Sünde und bringe uns endlich in Ordnung durch deine Hilfe! Amen.

 

 

21. Juli.

Psalm 52, 4:   Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.

Das ist’s, was einem plötzlich klar wird und einen heilsamen Schreck durch’s Herz jagt, daß es nicht fremde Lieblosigkeit und der Feinde Bosheit, aber auch kein Zufall ist, wenn solche Gewichte auf unserem Leben und Empfinden lasten, daß wir kaum atmen
können, sondern daß es »Deine Hand«, Jesu Hand ist. Wie dort dem Erzvater Jakob am Jabok aus dem Nebel, der die Furt verhüllte, die Gestalt des Herrn entgegentrat und ihm bei diesem Kampfe klar ward, der Herr habe etwas gegen ihn, – so müssen wir in den schwersten Zeiten unserer Heimsuchung oft erst erkennen, daß es geheime, unvergebene, sogar absichtlich von uns verborgene Sünden seien, um derentwillen des Herrn Hand so schwer aus uns lastet. Des Herrn Hand, – darum ging’s uns wie einer Pflanze, deren Saft unter steigender Sonnenglut im heißen Sommer verdorrt; – kein Himmelstau, keine heimlichen Zuflüsse aus dem Heiligtum! Ach, was wartest du! Eile und bekenne deine Sünden! Laß dir dieselbe Hand, die dich eben noch so schwer drückte, zum Trost gereichen; schau sie nur recht an, da ist ein blutiges Mal drin: In meine Hände habe ich dich gezeichnet, da
sie durchbohrt wurden für dich am Kreuz! Drum nimm Vergebung und Hilfe durch mein Blut, daß du rein und heil werdest. Dann werden Gottes Brünnlein dir wieder rauschen auf wundersame Art!

Deine liebe Hand, mein Heiland, soll mein Trost und meine Hilfe sein! O du rechter Seelenarzt, leg deine Hand auf mein Herz, und nimm mir meine alte verborgene Sünde weg, damit ich dich loben kann! Amen.

 

 

22. Juli

Luk 13, 24:      Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, darnach trachten, wie sie hineinkommen und werden es nicht tun können.

Wie gewichtig klingt es mitten in diesem ernsten Spruch: das sage ich euch! Jesus muß das wissen. Er bezeugt eine wichtige Tatsache des Reiches Gottes auf Erden damit. Viele trachten durch die enge Pforte hineinzukoinmen, d. h. ihr Sehnen und
Verlangen ist lange Zeit ganz ernstlich darauf gerichtet und es ist doch umsonst. Sie gehen deshalb zur Kirche; sie spitzen die Ohren, wenn sie etwas Besonderes über Bekehrung und Wiedergeburt hören können; sie seufzen wohl auch: Ach ja, das hätte ich gern! Trachten ist aber nur eine Bewegung der Empfindung, — Trachten ist kein Ringen, keine Tat, kein Hinübergreifen der  edanken in die Wirklichkeit! Ringen wie mit einem Feinde; ringen mit Anstrengung Überwindung Selbstverleugnung Wagemut, und wäre es der Verzweiflung nahe, Verwandte außerste Aufwendung des ganzen Seelenvermögens! Nur die sich Gewalt antun, reißen das Himmelreich mit Gewalt an sich. Der erste wirkliche Schritt in’s neue Leben hinein kostet das ganze alte Leben. Nicht jeder hat den
Mut, alles dranzusetzen, nur um dies Eine zu gewinnen. Nachher kann’s Stille und selige Gefühle geben – aber am Eingang ist’s eng und der Kampf der Entscheidung ist heiß und geht bis aus’s Blut. Darum ringet!

Laß uns, Herr Jesu, in solchen wichtigen Anfangszeiten nicht allein. Du hast versprochen zu ziehen! Ziehe uns in solcher Stunde, so daß dein heiliger Wille über unsern halben Willen komme und ihn stärke zum Siegel Herr, hilf uns! Wir sind dein! Amen!

 

 

25. Juli.

Judas 24: . . . . der euch behüten kann ohne Fehl . . .

Man spricht heute viel für und gegen die Lehre von der vollkommenen Sündlosigkeit der Kinder Gottes auf Erden. Statt des vielen Streitens sollten beide Parteien ganz ehrlich und treu versuchen und probieren, wie weit sie in der Wirklichkeit kommen. Denn,
wer überhaupt ein echtes Kind Gottes ist, kann nicht stehen bleiben wollen in seinem Wachstum, wenn es noch weiter möglich wäre. Von Gott aus angesehen muß es eine Vollkommenheit geben, denn er kann uns behüten ohne Fehl. Von seiner Seite liegt kein Mangel an irgend einer Kraft, irgend einem Guten vor, – der Mangel, die Unvollkommenheit liegt auf unserer Seite. Wir sind im sterblichen Leibe, in den Schranken des Irdischen, unser Fleisch trägt die Spur der Sünde im Angesicht, wir müssen schlafen
und träumen, wir fehlen und irren mannigfaltig. Daher können wir von unserer Seite nie auf Erden sagen, jetzt seien wir ohne Fehl. Wir wollen solches Urteil dem Herrn überlassen. Was aber wichtiger ist, wir wollen uns selbst wirklich seiner treuen Hütung hingeben: er kann uns behüten ohne Fehl. So wir in ihm bleiben, so sündigen wir nicht; so richten wir keine Sündenwirkungen mehr an, sondern leben für ihn.

Jesu, du weißt es, wie schwach und schief unser bestes Streben immer wieder wird. Nimm uns daher immer wieder in deine Hand! Gib neue Anfänge und starke die miiden Kniee! Amen.

 

 

24. Juli

Psalm 52,5:   Darum bekenne ich dir meine Sünde und verhehle meine Missetat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst du mir die Missethat meiner Sünde.

Weil der Psalmist eingesehen hat, daß er seine Sünde durch Verschweigen nur schlimmer macht, bekennt er jetzt dem Herrn und verhehlt nichts. Ja, der Bann vom Gebetsleben muss weichen, da man dem Herrn nicht eingestehen will, was man in diesem
oder jenem Punkt beharrlich falsch gewählt hatte. Wenn man diese Stelle von der ersten Umkehr zu Jesu versteht, ist der verlorene Sohn das Muster des Vorgangs. Denkt man aber an Gotteskinder, die einer täglichen Reinigung bedürfen, so versteht sich für solche eigentlich von selbst, daß sie ihrem Herrn nichts verschweigen können oder wollen. Und doch kam’s vor und störte den ganzen Umgang mit dem Herrn. Es wird aber bei diesem inneren Bekennenwollen vor dem Herrn manches Mal einem erst klar werden, was für andere Schuld gegen Menschen auf einem liegt, so daß man an das Gebahren des Schalksknechts
erinnert wird, der in großem Jammer um Erlaß seiner Schuld bitten kann, aber in großer Hartherzigkeit seinen Mitknecht würgte. Leider ist diese Art nicht ausgestorben, die Züge des Schalksknechts sah ich schon in mancher christlichen Gemeinschaft, in mancher christlichen Anstalt, an manchem sonst ganz lieben Bruder und zuweilen sogar im Spiegel!

Herr, vergieb du uns unsere Missetat und reinige uns von all dem anklebenden Unrat. Unsere Seele sehnt sich nach Reinheit und Treue! Gib uns, was uns fehlt! Wir sind dein! Amen.

 

 

25. Juli.

Römer 4,17:   Er ruft dem, das nichtist, dass es sei.

Dies Wort steht im Zusammenhang mit dem Lebendigmachen der Toten und kann füglich im Geistlichen auf Gottes Tun angewandt werden, wie es sich bei dem Gläubigwerden der Einzelnen wiederholt. Bis zu dem Augenblick der geistlichen Wiedergeburt kann
es schon allerlei Vorbereitung in der Seele gegeben haben: Der Altar und das Opfer ist bereitet, aber das Feuer vom Himmel ist noch nicht herabgefallen. Darum ist auch alles noch so gut, wie gar nicht da; ein Leben, ein Dasein hat diese Seele für die Ewigkeit noch gar nicht gewonnen. Erst, wenn der Gott, der da lebendig macht, die Tür des Glaubens auftut, bekommt das vorbereitende
Tun des Wortes, wie die aufrichtige, sehnsüchtige Anstrengung der Seele selbst, den einen Feuerfunken von oben. Wie ein Blitz plötzlich die sinstere Nacht taghell erleuchtet, so leuchtet ein Strahl des wirklichen Neuen von oben in die Dunkelheit der Seele. Gott schafft den Menschen dann zum zweiten Mal: jetzt zu seinem Kinde durch den Geist des neuen Testamentes. Vergessen wir bei aller Betonung des Willens des Menschen (,,Tut Buße«), nur nicht dieses Wunder des lebendigen Gottes, das er heute noch tun muss!

Wir beten dich an im Staube, Herr unser Gott, daß du uns in’s Dasein des neuen Lebens gerufen! Nun bitten wir dich, schaffe und rufe weiter unter denen, die wir lieben und für die wir beten und an denen wir arbeiten! Amen.

 

 

26. Juli

Ps. 32,7:  Du bist mein Schirm; du woIlest mich vor Angst behiiten, daß ich errettet, ganz fröhlich rühmen könne.

Ein Schirm vor wem? Vielleicht, wenn ich mir denke, daß wir das »Du« zu Jesus sagen, ein Schirm vor dem zürnenden Richter: Gott. Steht Jesus zwischen uns und Gott, so hält er durch sein Verdienst und Leiden Alles auf, was uns treffen könnte. Er hält die Hände über uns und die Felsenlasten der Strafe treffen ihn und nicht uns. Höchstens zwischen den Fingern rieselt ihm feiner Kies und Sand durch, damit wir doch dadurch daran erinnert werden, was wir eigentlich verdient hätten. Ein Schirm vor wem? Vielleicht vor der Sünde. Wie soll ich elender Mensch mich selbst behüten vor der Sünde? Oft erkenne ich sie erst, wenn ich sie getan.
Der Herr behüte dich vor allem Übel; der Herr behüte deine Seele. Ein Schirm vor wem? Vielleicht vor mir selbst, daß zwischen meinem neuen Menschen, mein besseres Selbst und die alte gefährliche Art der Schirm mitten hineingeschoben ward, daß ich behütet werde vor meinem eigenen Fleisch und Blut. Auf alle Fälle gibt der Text ein Recht, zu sagen: ein Schirm vor Angst! Angst ist
schlimmer als die Not selbst. Angst macht blind, krank, verzagt; Angst macht Gotteskinder ungläubig und stammt aus dem Unglauben. Nun, dann soll diese persönliche Gegenwart unseres Jesus uns Alles sein, uns getrost, selig, stille machen, daß keine Furcht sei in der Liebe!

Wir danken dir, daß du, Herr Jesu, unser Schirm sein willst und sein kannst! Behüte uns vor der Angst und mache uns mitten im Sturm der Gefahr still, damit wir nachher dir danken können ohne Beschämung über den Kleinglaubenl Amen.

 

27. Juli

2. Petri 1, 2:  Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes -und Jesu Christi, unseres Herrn.

Dass edle, gute und vollkommene Gaben, wie Gnade und Frieden von Gott her kommen, dem Vater des Lichts, leuchtet uns ohne Weiteres ein; aber daß dergleichen auf dem Wege der Erkenntnis Gottes und Jesu geschehen soll, wird wenig beachtet. Ich leugne auch nicht, daß es für ähnliche Gottesgaben auch andere Wege gibt, wie völligere Hingabe von unserer Seite und treueres Umgehen mit dem von oben her Empfangenen; – aber wenn wir ins der Erkenntnis Gottes und Jesu zurückbleiben, bringen wir uns um besondere. Segensströme. Größere Erkenntnis, tieferes Verstehen der Schrift und der Person Gottes, gleicht dem breiteren,
tieferen Kanal, worin mehr Wasser zu uns kommen kann, als im Himmelstau. Je mehr wir Gott lieben, desto mehr erkennen wir ihn; je mehr wir ihn erkannt haben, desto mehr lernen wir ihn lieben und daher strömt auf den helleren Strahlen besserer Erkenntnis immer mehr von ihm uns zu. Unerkannte, nicht erlebte, ungespürte Gnade und Liebe sind für uns doch noch gar nicht da. Sie werden uns erst durch die Erkenntnis Gottes wie mit hellem Licht übergossen und dadurch so nahgebracht, dass wir sie erleben und empfangen können. Also lasset uns wachsen an Erkenntnis!

Dazu gib uns, Herr Jesu, deines heiligen Geistes Erinnerung mitten hinein in des Alltags ermutigendes, erschlaffendes Treiben. Laß immer wieder den Ruf an unser Ohr klingen: mache dich auf und erkenne deinen Herrn! Amen.

 

 

28. Juli

Ps. 32, 8:   Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du wandeln sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.

Da liegen so verschiedene Wege vor dir, die du gehen könntest! Auf welchem liegt deines Lebens wahres Glück, der innere stillenFrieden, die rechte Entwicklung deines Herzens, der volle Segen, den du gern auch andern bringen möchtest? Wenn du den falschen einschlägst, wirst du es mit viel Herzeleid büßen müssen, denn wer seinem Herrn aus der Schule läuft, wird auf den Amboß gelegt und unter viel schwereren Erfahrungen zurecht geschmiedet. Nicht du sollst ihn unterweisen, was ers dir tun und geben soll, sondern er will der einzige richtige Lehrer für dein Leben sein. – Der Herr will dir zur Klarheit helfen; er will dich unterweisen, er will dir den Weg zeigen, er will dir einen Wink geben. Durch seine! Augen soll deinen Augen der rechte Weg gewiesen werden. Dann müssen deine Augen freilich unverwandt auf seine Augen schauen, denn sonst könnte gerade in dem
Augenblick, wo der wichtige Wink erfolgt, etwas anderes dein Sehfeld erfiillen und die Hilfe war umsonst! Ach, wollen wir nicht täglich, stündlich, bei allem Entscheiden und Wählen, bei aller Anwendung des Verstandes und aller ruhigen Erwägung der Tatsachen auf ihn schauen! Betend, sehnend, glaubend, liebend auf ihn blicken ohne Unterlaß, das ist Lebensweisheit; das bewahrt vor der Gefahr fleischlichen und falschen Wählens.

Herr Jesu, öffne uns die Augen, daß wir dich erkennen. D. h. gib uns immer mehr Liebe, denn nur dann verstehen wir deine geheimen Wünsche und Winke, wenn wir unverwandt an dir hängen mit der Sehnsucht unseres Herzens! Amen.

 

29. Juli

Phil. 4, 7:  Der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu.

Unser Herz und unsere Sinne! Ja, wieviel Streiche spielen sie uns nicht, wenn sie unbewahrt und unbewacht sind. Des Herzens Tür steht jedem schlechten Gesellen offen, der stehlend oder brandstiftend oder verunreinigend seinen Besuch macht und die Sinne
sind den offenen Fenstern gleich, durch die man allerlei sehen, hören oder hineingeworfen bekommen, kann, was den Aufruhr im Innern entfacht. Gibt’ s da außer unserer eigenen Wachsamkeit (,,wer die Augen niederschlägt, wird genesen! «) noch eine Hilfe aus der unsichtbaren Welt? Ja, der Friede Gottes, der von Gott kommt und durch Jesum uns geschenkt wird, will uns bewahren. Er ist ein ,,bewaffneter Friede«; er will sich und uns schützen gegen die Unruhe aller Art. Jst er höher als alle Vernunft, dann muß er gegen die Zweifel der Gedanken ebenso mächtig schützen können, wie gegen die Erregung durch die Sinne. Diesen Frieden müssen wir als unsern edelsten Gast auch schützen, wenn ich so sagen darf! Soll er uns schützen, so dürfen wir ihn nicht hinterlistig durch Lüge und Untreue verraten und verscheuchen. Immer wieder die alte Erfahrung: Wo unser Gott aus Gnaden
was Großes für uns und an uns tut, da wird die herrliche Gabe zur wichtigen Aufgabe, seine Tun will unser Tun wecken.

Das hilf, Herr Jesu, daß wir deinen Frieden nicht nur schmecken und fühlen, sondern auch hegen und halten, damit er bei uns bleibe ewiglich! Amen.

 

30. Juli.

Psalm 32, 9:   Seid nicht wie Rasse und Maultiere, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und ,Gebiß muß in das Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen.

Hier steht der Sprecher zwischen zwei Parteien und redet beide an, wie ern Mittler zwischen Gott und den Menschen. Zuerst wendet er sein Ungesicht den unverständigen Leuten zu, die auf keine andere Zucht hören wollen, als auf die harte der Not und der
Schmerzen, und dann wendet er sich dem zu, bei dem er ist, — ,,zu Dir”, Gott. So stand und steht Jesus zwischen Himmel und, Erde und wie er ist, sind auch wir in der Welt; so haben wir den Schlüssel zu den Lebenserfahrungen der Andern in der Hand um ihnen zu zeigen, wie viel Herzeleid sie sich selber machen durch ihren Ungehorsam gegen den Herrn. Daher so manche schwere Erfahrung, darum die soziale Not, darum das Heer von Krankheiten, damit die Leute merken, dass, der treue Gott ihnen die Wege zur Hölle verzäunt und zumauert und sie sich schließlich ihm ergeben müssen! Später, wenn, man, längst mit stillgewordenem Herzen den gesegneten Weg zum Leben gepilgert, sieht man beschämt zurück auf die Zeit, da man eingeritten und geschlagen und gespornt wurde, weil man nicht nachgeben wolltel Welch ein heißer Dank steigt aber dann auf, daß Er treu war und nicht locker ließ!

Ja, wir fallen dankend und lobend vor dir nieder, EHerr, unser treuer Gott! Du hast uns nicht im Gewirr unserer Irrgänge gelassen, sondern zu dir gezogen aus lauter Güte! Lob und Anbetung sei dir gesagt in Ewigkeit! Amen.

 

 

31. Juli.

Psalm 32, 10:  Der Gottlose hat viele Plage, wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfangen.

Schmerz und Schwierigkeiten bringt das Leben beiden, dem Gottlosen wie dem Gläubigen; nur ist der Unterschied gewaltig, wie dieselbe Erfahrung wirkt. Beim Gottlosen ist es Plage und erhöht die Unzufriedenheit, reizt die schon vorhandene Verstimmung zur Verzweiflung. Dabei hat für ihn all dieser Schmerz keinen Sinn: er bessert sich ja nicht dadurch; er tobt dagegen, Und wenn ihm klar wird, daß diese Plage auf ihm bleibt, dann nimmt er sich wohl das Leben. Beim Gläubigen ist’s anders, weil er in jeder Plage die Hand seines Herrn sieht, auf den er hofft, und weil er sich dadurch heimgesucht, nach Hause gezogen fühlt. Darin liegt schon sein
Trost. Das ist schon Güte des Herrn, daß er sich noch um uns kümmert, daß er uns nicht will mit der Welt verloren gehen lassen. Also haben die größten Gottesmänner mitten im Leiden ihren Herrn loben können und sind oft erst durch ihre Leiden das geworden, was wir an ihnen bewundern. Darum laßt uns getrost sein: des Herrn Güte ist alle Morgen neu und er wird uns so umfangen mit seiner Güte auch mitten in der Plage, daß wir am Ende derselben ihm werden ehrlich und herzlich dafür danken können.

Nein, wir wollen schon im Voraus danken, Herr Jesu, für alles, was du an uns tust und zu Stande bringst. Wir danken dir auch für das Schwere, das uns oft hat treffen sollen in deinem Auftrag, und  bitten dich, segne es uns nach Leib und Seele! Amen.