Andachten (Januar)

1. Januar.

Matth. 1, 21: ,,Des Namen sollst du Jesus heißen

Es ist bekannt, wie Columbus am Gestade des neuen Erdteils zuerst ein Kreuz aufpflanzte und in Jesu Namen Besitz vom unbekannten Lande nahm. Wollen auch wir das neue unbekannte Jahr damit anfangen, daß wir Panier aufwerfen in Jesu
Namen! Wissen wir sonst nichts Sicheres, was das neue Jahr uns bringt, — ob es ein Todesjahr wird für unser Haus, unseren Freundeskreis, unser Volk! — eins ist uns jetzt schon ganz gewiß: Jesus bleibt unser Jesus! Über alle Schatten und Sorgen weg leuchtet sein Name als unser Trost und Licht! Dann aber mach’ du, lieber Leser, auch damit Ernst, daß du seinen Namen Jesus nennst, d. h. du mußt dafür sorgen, daß du selbst das von ihm erlebst, weshalb man ihn Jesus, Seligmacher, nennt! Wer sich immer noch nicht von ihm hat helfen lassen, dem soll’s im Ohre nachklingen wie ein unerfüllter Befehl Gottes: »Du sollst seinen Namen Jesus heißen!« Dann bleibt dieses Wort so lang dein Ankläger und es dröhnt dir das ,,du sollst« wie eherner Glockenton in’s Herz, daß du nicht zur Ruhe und Gleichmut über diesem Worte ,,Jesus« gelangst, bis du endlich als armer Sünder kommst und den Heiland annimmst als deinen Heiland. Dann eröffnet sich dir auch im Kriege eine Friedensbahn, eine stille Straße, über der wie Morgenluft der Ewigkeit Jesu Name glänzt: Er mein Schild und Trost! Mein Name zugedeckt durch seinen! Mein Elend zugedeckt durch seine Herrlichkeit!

Jesus, das neue Jahr wollen wir nur mit dem Ruf deines Namens beginnen! Ob des Krieges Wunden noch schmerzen, gib du dich uns als unser persönlicher Heiland und Helfer zu erkennen und tröste unsere Herzen durch deine ewige Erlösung!

 

 

2. Januar.

Joh 1,4: In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.

Schon vor Jesu Erscheinung in Menschengestalt war in Ihm das Leben, die eigentliche sittliche Kraft zu allem Guten, so daß jenes wunderbare Wort der Schrift (Spr. 8, 30—36) sagen konnte: ,,Wer mich findet, der findet das Leben. . . Wer aber an mir sündigt, der verletzt seine Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.” Wo wirklich Licht, sittliche Klarheit und rechtes Tun in Menschenherzen vorhanden war, da war es gewirkt durch Jesum, dieses den Menschen zugekehrte Antlitz Gottes. Wieviel heller und stärker mußte das werden, seit er als Mensch voll Gnade und Wahrheit unter uns wandelte, seit sein Geist den Menschengeist erfassen. Und erfüllen konntet. Damit vergleiche nun heute dein Kapital an Licht und Leben, an Erkenntnis und Kraft und lerne dich schämen, daß du, dem soviel angeboten wird vom Himmel her, so bettelarm dastehst. Wer doch hungriger, sehnsüchtiger würde nach dem Erleben seiner Gottesart und seines Lebens am eigenen Herzen! Wenn der Herr dir in Jesus Stillung und Stärke darreicht, dann ist das verlangende Nehmen, das Sichstrecken nach Jesus, deine ganze Pflicht, deine oberste Aufgabe, dein erstes Gebot. Keine Leistungen und Anstrengungen eigener Kraft werden verlangt, sondern des Herzens völliges Sichversenken in den Schoß dieser Liebe. Die Wirkung an Licht und Leben wird. dann in deinen Tagen und deinem Tun nicht ausbleiben.

Herr Jesu! Bist Du gekommen, daß wir das Leben und volle Genüge haben sollen, o, dann hilf deinen armen Kindern reich werden an deinen Gütern – und stark werden am inwendigen Menschen. Amen.

 

3. Januar.

Joh. 1, 38: ,,Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: »Was suchet ihr?

Unklar über sich selbst und unklar über Jesum folgen zwei Johannesjünger dem neuen Meister. Ist «es nicht ähnlich noch heute mit Vielen? Sie find unzufrieden mit sich selbst und sehen doch nicht auf den Grund; was ihnen eigentlich fehlt, erkennen und ahnen sie gar nicht. Sie suchen Hilfe, Leben, Frieden und tasten blindlings überall umher, ob sich’s nicht da und dort finden lasse. Es ist möglich, dass sie dadurch auch in eine Art Nachfolge Jesu hinein kommen. Eine heimliche Ahnung lehrt sie, sich zu ihm zu wenden. Wie der Magnet, mit dem man über eine Mischung von Sand und Eisenstaub hinführt, dies feinen Eisenteilchen zwingt, sich empor zu schnellen und an ihm hängen zu bleiben, so wirkt Jesus auf solche suchende Seelen ein. Dann aber muß ein Augenblick kommen, wo er sie anschaut und fragt: Was suchet ihr? Ihr müßt zur Klarheit kommen über euch selbst und über michl Was. wollt ihr bei mir finden? Was suchet ihr an mir? Wollt ihr nach Weltart eine Erhöhung eurer Lust, eine augenblickliche Befreiung vom Druck des Alltags, damit ihr desto ungestörter euer selbstsüchtiges Leben forttreiben und genießen könnt, dann seid ihr vor die unrechte Tür gekommen. Wollt ihr aber wirklich Hilfe gegen den tiefsten Schaden euerer Persönlichkeit, gegen die Sünde, dann kommt und bleibet bei mir; ich will euch ewiges Leben und volle Genüge geben.

Wir suchen an dir, Herr Jesu, Vergebung und Trost, neues Leben von Oben für unsere Seele! Neige dich zu uns und hilf unseren Seelen zurecht! Das ist deine Arbeit. Hier sind wir und geben uns ganz in deine Behandlung, bis du uns heilst. Amen.

 

4. Januar.

Luk. 2, 24a: ,,Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel..«

Dieses Wort des alten Simeon über das Kindlein Jesus ist in dessen irdischer Lebenszeit schon und nachher immer wieder in Erfüllung gegangen. An ihm scheiden sich die Geister bis auf den heutigen.Tag. Wer tief drinnen im Herzen böse ist, dem eigenen Gewissen schon widerstrebend, der kommt ans Licht, sobald er in Berührung mit Jesu Art und Jesu lebendig gepredigtem Wort tritt. Wie ein Wehr im Bergbach dessen Wasser aufstaut und die Kraft der Strömung« offenbart, so bäumt sich die sittlich unreine Art mächtig gegen den heiligenden Einfluß Jesu auf. Umgekehrt finden die aufrichtigen Herzen, die einfältig und ehrlich an ihrer eigenen inneren Besserung arbeiteten, plötzlich an Jesu das, was ihnen fehlte, und jauchzend richten sie sich an ihm auf. Die am Boden kriechende Ranke hat den festen Stamm gefunden, an dem sie sich hinaufranken kann, der sie stützt und trägt und festhält. Aber furchtbar ernst bleibt der Gedanke: entweder Fall oder Auferstehen! Ganz ohne Wirkung bleibt dein Zusammentreffen mit Jesu unter keinen Umständen: Es wird dir durch einen Engel unsichtbar für dich, aber offenbar im Himmel ein Stempel aufgedrückt: »Für Jesum« oder »Gegen Jesum«. Einen dritten Stempel haben sie da nicht. Darum bedenke den Ernst der Scheidung überall, wo der lebendige Jesus dir nahetritt; sei es in Wort oder Sakrament, in besonderen Tagen oder wirklich gläubigen Christen.

Herr, hilf du mir, daß ich mich völliger und rückhaltsloser dir hingebe! Ich will mich an dich hängen! Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Wo du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit! Amen.

 

5. Januar

Matth. 4,3: Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden.

Der Versucher ist auch an Jesus herangekommen; es ist ihm das um unseretwillen nicht erspart worden. Er hatte leiblichen Hunger, darum ist die Form der Versuchung hier auf diesen Zustand berechnet. Wie fein passt sich der Teufel täglich unseren Seelenzuständen an, um uns da zu fassen, wo wir eben zugänglich sind. Das ist nicht immer der schwächste Punkt, den wir als solchen kennen und wo wir in Folge dessen wachsam find, sondern oft gerade der, den wir als unsere Stärke ansehen. Versucht er manche an den schwachen Seiten ihrer Naturanlage, so tut er’s bei Andern gerade an ihren Vorzügen! — Er will Jesum hier aus der Bahn des geduldigen Vertrauens, des gläubigen Gehorsams gegen den Vater locken. Das ist auch heute sein Plan. Es kommt ihm beim gläubigen Christen noch lange nicht immer auf eine Verfiihrung zu einem groben SÜndenfall an, sondern auf Lockerung des gesunden Vertrauens, des schlichten Glaubens, des freudigen Gehorsams gegen Gott. Achte darum darauf, wodurch deines Herzens Stellung zu Gott verschoben wird! Besonders habe Acht auf dich selbst, ob nicht deine alte Eigenart, die du als dein eigenstes Besitztum stets mit dir herumträgst, an die du dich so gewöhnt hast, daß du ihre Gefährlichkeit gar nicht merkst, dir plötzlich den Streich spielt, daß sie dem Teufel eine bequeme Handhabe biete. Wir müssen vor uns selbst mehr auf der Hut sein, als vor allen unsern schlimmsten Feinden!

«Achte du auch auf uns, Herr Jesu! Hüter in der Nacht, habe auf uns acht auch an diesem Tage! Erinnere uns durch deinen Geist, daß wir heute nicht treu und fest bleiben können, wenn wir nicht wachen und beten und dir — gehorchen! Amen.

 

6. Januar.

Luk. 2, 31-32. Welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden.

Das war dem Blick des alttestamentlichen Gläubigen, Simeon, so besonders groß, daß Jesus ein Licht zur Erleuchtung der Heiden sein sollte. Wir stammen von solchen Heiden; wir sind erleuchtet, wenn anders Jesu Art uns bekannt geworden ist, wenn anders wir uns haben von ihm durchstrahlen lassen. Nun aber vergißt die Christenheit den Endzweck solcher Gnadenerfahrung. Man ist damit zufrieden, daß man für seine Nächte, — Sündennacht, Leidensnacht, Todesnachtl -— helles Licht gewonnen hat und denkt« wenig daran, daß dieses Licht« eigentlich auf hohem Leuchtturm stehen soll, damit es hinausleuchte zu den Ungläubigen und Heiden bis an die Enden der Erde. Wie jeder Einzelne von uns, so hat jede Gemeinde, und die ganze Kirche ihren Missionsberufl Oder hat der Herr von dir noch nie gesagt oder nicht sagen können: Dich habe ich bereitet, daß du ein Licht sein sollst, zu erleuchten die Heiden? Sieh heute dein Leben darauf an: wo kannst du Jesu Licht herausleuchten lassen? Vielleicht wird dir das sofort praktisch, wenn du an deine Fehler denkst, die deinen Nächsten auch ganz bekannt sind. Dann ist das so eine Stelle, wo die Finsternis sich stets wieder erfolgreich gegen das Licht behauptet. Liefere diese Stellen zuerst dem Herrn ganz aus. Das aber geschieht nicht nur durch Erkennen und Bereuen der Sünde, sondern dadurch, daß man auch an ihre Vergebung und Fortschaffung glaubt und den Heiland anschaut, der da täglich hilft und reinigt, wenn wir uns ihm dazu hingeben.

Erleuchte uns, Jesu, über unseren Lichtberuf. Reinige uns, daß wir mehr Frucht bringen! Heilige Uns, heile uns, damit wir deine Lichtträger werden mitten in der Dunkelheit der Welt!

 

7. Januar.

Psalm 2, 6: Aber ich habe meinen König eingesetzt, auf meinen heiligen Berg Zion.

Laß die Leute lachen, laß die Toren toben und die Spötter spotten, — der im Himmel sitzt, hat sich nicht an sie gekehrt: er hat doch seinen König, Jesum, eingesetzt auf seinem heiligen Berg Zion! Jesus ist doch da! Er wirkt und lebt weiter und die Seinen
spüren es: trotz der Scheinregierung des Fürsten dieser Welt ist Jesu Regieren offenbar. Noch dauerts eine kleine Weile, dann ist der fremde falsche Gegenkönig mit Schimpf und Schande vom Thron gestoßen und es behalten nur die recht, die sich stets treu zum angestammten Herrscher getan und gehalten. Der Schein trügt nirgends so grell, als im Gebiet geistlicher Mächte. Mag aber Lüge und Finsternis oben drauf sein; es sind nur schwindelhafte Unstrengungen des Teufels seinen Bankrott zu verdecken. Bald bricht seine letzte Stütze und unser König siegt ebenso offenbar und allgemein, als er jetzt heimlich und heilig in der Stille wirkt! Wenn Jesu Streiter aber nicht selbst innerlich gewiß geworden sind, daß ihr König siegt, was soll man dann von ihren Kämpfen erwarten? Einst zählten die Leute eines Königs vor der Schlacht die Feinde und sagten: »Die haben fünfzigtausend Mann und wir
nur dreißigtausend« Da rief der König: »Und wieviel zählt Ihr mich« So ist Jesus, unser König, die Hauptsache und er ist  eingesetzt: er ist da! Wieviel zählst du seine Nähe und seinen Einfluß in deinen Kämpfen und 5orgen des heutigen Tages?

O, Herr Jesu, laß uns in der Stille das starke Wirken deiner Nähe spüren, daß wir dir ganz vertrauen lernen. Dann werden wir getrost vor den Leuten es ertragen, daß deine Hand verborgen ist. Stärke uns im Geheimen für die Kämpfe öffentlich.

 

8. Januar.

Psalm 107, 20:  Er sandte sein Wort und machte sie gesund.

Der Mensch lebt eben nicht von Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes gehet. Daher ist Gottes Wort ein Strahl von Leben und Gesundheit; — wo es hinkommt und wirken kann, ruft es Leben und Gesundheit hervor.
Einst war es so, als das Wort Fleisch geworden war und nun lösend und heilend durchs Land zog. Heute ist’s auch so, — oder wollen wir gegenüber all dem ungestillten: Jammer in der Welt lieber sagen: heute könnte es auch so sein! Daß nicht ganz andere Gaben und Kräfte offenbar werden, daß nicht ganz andere Ströme von Leben und Gesundheit sein Wort begleiten, liegt wohl daran, daß wir Kapernaum gleichen, von dem geschrieben steht: Er tat daselbst nicht viele Zeichen um ihres Unglaubens willen. Wozu Tatsachen seines Eingreifens, wenn wir dem Worte noch nicht gehorsam geworden sind? Erst laßt uns Ernst machen mit dem Nehmen seines Wortes, dann wird das Nehmen der offenbaren Hilfen von selbst kommen. Erst laßt uns selbst in unserem Leben die Hilfen, die seine Verheißung, vielleicht auch unsere eigene frühere Erfahrung uns bekannt gemacht hat, wirklich beanspruchen, an-nehmen, und in unseren Leib und Leben, in unseren Mühen und Kämpfen tatsächlich zur Geltung kommen lassen und dann wollen wir besehen, wo bei Andern die Stelle ist, da auch sie durch Jesus Seelengesundung erleben können. Herr Jesu, dein Wort ist da, —- wo ist nun sein Geist?

Ach, erbarme dich unseres ganzen Volkes, daß dein Gesundmachen nach dem schweren Weltkrieg auch wirklich erlebt werden könne! Du hast das Mittel zur Heilung in der Hand; bitte, mache uns gesund! Amen.

 

9. Januar.

Hebr. 2,13:  Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen

Wenn man Jesu Siege über die Versuchungen, sowie seine offenbaren Gebetserhörungen und Wundertaten auf Rechnung seiner Gottessohnschaft setzt, bringt man sich um großen Segen. Nein, das Geheimnis seiner Kraft war, daß er so gehorsam und treu dem Vater blieb, daß er sein ganzes Vertrauen auf seinen himmlischen Vater gesetzt hatte. Von daher kam ihm eine Hilfe und eine Kraft um die andere. Wenn wir doch etwas von solchem Vertrauen lernen wollten! Jesus wünscht es selbst: ,,Lernet von mirl« Ja, dann würdest du, armes unzufriedenes, unruhiges, verstimmtes Menschenherz, glücklich werden, wenn du dein ganzes Vertrauen, wie einen Anker ausgeworfen hättest auf den unsichtbaren Meeresgrund des ewigen Gottes! Wie viel Sorge und Not, Angst und Unruhe weicht sofort, wenn man sich klar macht: Traue ich’s meinem Gott zu oder nicht, daß er hilft? Und wenn ich ihm nicht traue, womit kann ich dieses Mißtrauen rechtfertigen? Ist er nicht treu? Oder nicht mächtig genug? Oder hat er uns nicht lieb genug? Haben wir aber wirklich kein Mißtrauen gegen ihn, sondern ein einfaches kindliches Vertrauen, warum dann noch das unruhige Zappeln und Herren in eigener Kraft, als müßten wir alles erzwingen und schaffen und als könnte und brauchte er nichts zu tun? Wirkliches Vertrauen ehrt ihn und zwingt ihn, es zu rechtfertigen durch sein Tun!

Nun, dann vergib uns, lieber himmlischer Vater all unser Mißtrauen um Jesu willen und stärke uns den Glauben, daß wir unser ganzes Vertrauen in irdischen und himmlischen Dingen wirklich auf dich setzen! Amen.

 

10. Januar.

Joh. 15, 23: »Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater

Heutzutage begegnen einem immer wieder Leute, die da meinen: ,,Ja mit Gott wollen wir es auch halten, aber von einem Jesus, einem Heiland wollen wir nichts wissen.« Wer auf der Stufe der unteren Klasse, wo das Gewissen Schulmeister ist, schlecht gelernt hat, seine Schuld und Ohnmacht nicht eingesehen hat, also keine Sehnsucht nach sittlicher Besserung hat, der kann nicht in die höhere Klasse versetzt werden, wo man Vergebung und Hülfe durch Jesum bekommt. Um aber  mit Gott gut zu stehen, müßte man gerade ein gutes Gewissen haben! Das bekommt man nur durch Vergebung und also durch Jesum, der da spricht: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. — Wer Jesum hasset, weil an diesem Licht die eigenen Herzensschatten offenbar werden, kann gar nicht anders, als auch Gott den Vater hassen; denn derselbe Abscheu vor der sittlichen Heiligkeit und Reinheit wird sich dort auch regen, sobald Gott wirklich mit diesen Leuten zusammenstößt. Daß sie so sprechen, zeigt, daß sie nichts von Gott erlebt haben, ja, dass sie im tiefsten Grunde auch gegen diesen Gott sind. Sie wurden mit ihm auch gar nichts anzufangen wissen, wenn er sich zu ihnen herabließe und wollte sich ihnen anders als in Jesu offenbaren. Er wäre ihnen ein verzehrendes Feuer, eine unerträgliche Pein, weil sie ja doch die Sünde lieb haben und die Wahrheit hassen.

Wir können dich nicht lassen, Herr Jesu, und noch viel weniger hassen! Da ist kein anderes Mittel geblieben, als dich von ganzer Seele zu lieben! O lehre uns dich immer mehr lieben! Amen.

 

 

11. Januar.

Joh 8, 46: ,,Welcher unter euch kann mich einer Süinde zeihen?«

Wer recht darauf achtet, hört hier ein Selbstzeugnis Jesu für seine Gottheit heraus. Wäre er ein sehr reiner Mensch gewesen, so daß also sein Gewissen sehr zart und aufmerksam gegen die kleinste Triibung sich verhalten hätte, dann hätte er ja es nicht
wagen dürfen mit solch einem Wort seine Feinde herauszufordern. Wenn sie auch nichts anzugeben vermocht hätten, sein Gewissen hätte ihm doch irgend etwas vorzuwerfen, und dann wäre es Heuchelei, sich innerlich schuldig zu fühlen und dabei solche Forderung zu stellen. Nein, nur der ganz ohne Sünde war, der immer in dem Zusammenhang mit dem Vater geblieben, der Gott von Gott und Licht vom Licht war, konnte so etwas sagen, als handelte es sich um die natürlichste Sache von der Welt. Stand er aber innerlich so vollkommen klar und wahr mit seinem Vater, dann war es kein Wunder, daß er auch in allen schwierigen und verwickelten Lebenslagen solch innere Ruhe und Herrlichkeit offenbarte. Die Quellen der Unruhe, aus denen bei uns es so oft heraussprudelt, was heimlich in Leidenschaft drin kochte, waren bei ihm verstopft, versiegt, zu Ende. Spiegele dich und deine Unruhe, dein selbstisches, Unechtes Wesen in diesem reinen stillen Bergsee! Das zieht auf die Kniee nieder, daß man
ein Mal nichts erbittet, sondern anbetet und spricht:

Mein Herr und mein Gott! Du heiliger, herrlicher, ewiger König! Jch will dein sein und dein bleiben in Ewigkeit! Laß mich nur die Türe hüten .in deinem Hause, dass ich dich von Ferne schauen
kann! Amen.

 

12. Januar.

Matth. 7, 29: »Er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten

W as war denn der eigentliche Unterschied zwischen Jesu Predigt und der der Schriftgelehrten? Ich glaube die Person machte den Unterschied. Die Hörer merkten es diesem Manne an, daß er nicht redete, was er gelernt hatte, sondern was er war und
hatte, was sein Leben ausmachte. Weiter spürten sie, daß er mit hoher, geistiger Macht und mit göttlicher Vollmacht die selbstloseste Liebe zum Volk verband; und endlich traf er ihr Gewissen, daß es in den Hörern selbst als ein Zeuge aufstehen mußte und bekennen: der Mann hat Recht. Etwas von seiner Art zu reden spüren wir auch in den wenigen spärlichen Auszügen, die die Evangelien uns von seinen Reden aufbewahrt haben; sobald der Geist uns diese Worte lebendig macht, sprühen da die
Feuerfunken! Jesus lebt in seinem Worte und kann heute noch in Schrift und predigt gewaltig reden und nicht wie die Schriftgelehrten. Wieviel Schriftgelehrsamkeit ist in der Welt gewesen, hat sich eine Weile breit gemacht und ist dann wieder vom Schutt der Zeit begraben worden: man kennt ihre Stätte nicht mehr! Sie ist zum Ausfüllen der Hohlwege benutzt worden und die Menschheit gleitetachtlos drüber hin. Jesu Worte aber haben heute noch eine Kraft, die Leben schafft und Menschen umgestaltet.
Sollte in ihnen nicht auch für dich alles liegen, was deine Seele heute braucht?

Tu uns die Tür des Glaubens auf, Herr Jesu, daß wir hineingehen können in den Umgang und Zusammenhang mit dir. Dann laß dein Wort wie Frühlingswehen uns lebendig und selig machen! Amen.

 

 

13. Januar.

Luk. 2, 49: »Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?«

Allerdings, das ist selbstverständlich! Wie der Fisch im Wasser, wie der Vogel in der Luft, so muß Jesus sein in dem, das seines Vaters ist! Er, der stets im Schoße seines Vaters ist, auch während sein Fuß die staubigen Landstraßen Judäas betritt, kann nicht
anders als leben und weben im Umgang mit dem Vater. Das war einst vor seiner Menschwerdung sein Glück gewesen den Vater zu haben und zu genießen, — das blieb sein Lebensodem auch hinieden. -— Und du, lieber Mitchrist, meinst, es wäre schon genug, wenn dein Christentum am Rand deiner Tage nur so zur Verzierung bestimmter Stunden diente? Oder soll es nur in Not und Nacht zum Trost dir dienen? Entweder ist es dein Leben und deine Kraft, dein Glück und deine neue Natur geworden -— dann versteht sich von selbst, daß man darin bleiben muß! — oder aber du kennst solch ein Christentum gar nicht! Im letzteren Falle wäre es Zeit, du suchtest es! Das aber bedeutet ein Umkehren, wie das des verlornen Sohnes: Jch will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen! Erst mußt du wirklich durch Buße und Bekehrung deinen Fuß über die Schwelle des ewigen Vaterhauses gesetzt haben, dann versteht es sich von selbst, daß man nach solchen Erfahrungen gar nicht mehr weggehen kann, noch mag! Dann giebt es eine neue innere Fesselung an das, was des Vaters ist: Die Erfahrung seiner unendlichen Liebe.

Jesus, der du einst so treu geblieben, suche nun deine Ungetreuen. Sammle uns um dich und hauche uns an mit dem Geist deines Mundes und entfache die Liebesflamme in unsern Herzen, die nicht mehr vergeht, so daß wir ganz von selbst dir folgen müssen! Amen.

 

14. Januar

Joh. 16, 33: ,,In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden«

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwundenl« spricht der Herr zu seinen Jüngern und zu uns. Angst und Trost stehen da ganz nahe» zusammen, in einem Spruch, — und noch näher stehen sie beisammen, in unserem Herzen, oft in demselben Augenblick. Angst macht die Welt uns genug und eigene und fremde Schuld machen uns so schwach, daß wir über der Gefahr beben, und wenn es in solchen finstern Augenblicken auch nur kleine, vom Winde bewegte Sträucher sind, — sie scheinen uns wie drohende Gespenster! Da spricht der Herr: »Seid getrost, ich habe die Welt überwunden, ich habe sie innerlich aus ihren Angeln gehoben, ich habe ihrer gefährlichsten Art die schärfste Spitze genommen; ich zeige es euch jetzt, wie ihr es machen sollt, sie zu überwinden. Schließt euch nur fest mit mir zusammen! Dann ist der Sieg, den ich erfochten habe, euer Sieg.« Ein starker Schleppdampfer arbeitete sich mit der ganzen Kraft seiner großen Maschine rheinaufwärts. Da hängte sich ein kleiner Nachen mit ein paar Kindern hinten an den Dampfer an. Die Kinder saßen vergnügt im Boot, die Ruder neben sich, denn sie hatten sich nicht anzustrengen, der Dampfer arbeitete für sie. Nur auf das eine mußten sie achten, daß der Strick nicht riß, mit dem sie am Schiff befestigt waren. Das sei auch unsere einzige Sorge, daß der Zusammenschluß mit Jesu durch Glauben und Liebe, in Treue und Gebet ganz fest sei! Dann können wir getrost sein.

Drum bitten wir dich, Herr, halte uns fest! Knüpfe du die Seile, mit denen wir an dich gebunden sein sollen! Wir wollen es dann glauben, daß sie niemand wieder lösen kann! Amen.

 

15. Januar.

Luk.5, 4: ,,Fahre auf die Höhe, und werfet eure Netze aus, daß ihr einen Zug tut.«

Jesu Wort im irdischen Beruf! Sollte der damals für diesen Tag dem Petrus den besten Rat für seinen Beruf gegeben, nicht heute noch auch uns den besten Rat geben können? Gewiß und ich bin überzeugt, wenn wir mit aufmerksamen: Herzen auf sein Winken achten, daß wir seinen Willen deutlich erkennen und freudig darnach thun, dann wirds am offenbaren Segen auch
im irdischen nicht fehlen. Das soll nicht heißen, daß du gerade reich wirst oder daß dir alle deine irdischen Wünsche erfüllt werden. Nein, aber, wer auf Jesu Wort hin sich gehorsam hingiebt zu thun, was Jesus will, der wirft sein Netz leer aus, um es voll Segen wieder zu sich zu ziehen. Unnennbares, heimliches Wohlsein, wundersame Förderung, starke Hülfe von oben erlebt, wer sich gehorsam dem Befehle Jesu fügt; mag die Ausführung dem Fleische noch so sauer fallen! Unser Ungehorsam war das Schleusentor, das die Wassermasse seiner Hülfe aufhielt. Erst, wo wir nachgeben, uns wirklich ihm ganz gehorsam zuneigten und anfingen in der Richtung zu arbeiten oder zu gehen, die er uns wies, da weicht der Druck. Die innere Spannung hört auf und wir werden innerIich solche Leute, daß seine Hülfe auch wirklich kommen kann, ohne uns zu schaden.

Meister, wir haben wohl lange gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort wollen wir es wagen, noch einmal anzufangen. Fahr du mit unsauf die Höhe und lehre uns, wie wirs machen müssen, damit wir ein Netz voll Segen bekommen! Amen.

 

16. Januar.

1. Mose 41, 55: Aber Pharao sprach zu allen Ägyptern: Gehet hin zu Joseph; was euch der sagt, das tut.

Seit Joseph zu Pharaos Rechten erhöhet war, gingen alle Regierungsgeschäfte durch Josephs Hand. Sein Wille, seine Absicht, sein Plan mußte ausgeführt werden. Ebenso ist’s mit Jesu geworden, seit er erhöht ist zur Rechten des Vaters. Jetzt kann man sagen,
erhört Gott kein Gebet, das nicht durch Jesu Vermittelung gegangen ist. Jetzt gilts in allen Dingen: ,,Gehet hin zu Iesu, was euch der sagt, das thutl« Darin liegt das Leben und die Hülfe, daß man Jesu gehorsam wird, Jesu nachgiebt, ihm die rechte Stellung einräumt, auf alle Fälle mit ihm eins wird. Neben ihm, an ihm vorbei, ohne ihn, oder gar im Gegensatz zu ihm gibts keine Gebetserhörung, keine leibliche oder·geistliche Hilfe, keine Gnade. Das ganze Menschheitsgebiet ist gleichsam diesem himmlischen Reichskanzler überwiesen: mag Gott noch in anderen Gebieten selbst eingreifen; was das Heil der Menschheit anlangt, geht alles an Jesu Adresse und durch Jesu Hand. Dann versteht es sich von selbst, daß der Einzelne auch nur in Jesu den Anschluß an das Heil finden kann. Dann wird alles darauf ankommen, in wieweit ich wirklich mit Jesu zu verkehren im Stande bin, inwieweit ich ihn auf meiner Seite habe und sein Freund und Bruder geworden bin. Er aber ist nur zu finden für den, der Vergebung und Hilfe für seine Seele im Glauben Von ihm begehrt. .

Jesu, der Du bist alleine
Haupt und König der Gemeine,
Segne mich, Dein armes Glied:
Wollst mir neuen Einfluß geben
deines Geistes, Dir zu leben;
Stärke mich durch Deine Güt’.

 

17. Januar.

Sprüche 8, 51: »Meine Lust ist bei den Menschenkindern

Wer sich die wundersamen Sprüche der Weisheit recht lebendig und praktisch machen will, braucht nur überall da, wo diese Weisheit als eine Person redend auftritt, an ihrer Stelle den Namen Jesus zu schreiben. Das gibt an den meisten Stellen etwas
Besonderes zum Nachdenken! So auch in unserem, Wort. Vor der Weltschöpfung hatte gleichsam Jesus schon seine Lust an den Menschenkindern; er wollte sie geschaffen haben, damit sie das Glück der Liebe Gottes auch genössen, das seine Seligkeit bildete. Wenn es dann hieß: Aber wir sehen voraus, daß diese Menschen fallen werden! Dann mußte Jesus auch ihre Erlösung im Voraus übernehmen und gewissermaßen alles, was diese Menschen anging, auf seine Rechnung setzen lassen. Wenn Luther singt:
,,Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herre Zebaoth,« so deutet er doch schon damit an, daß auch im alten Testament der sich sichtbar offenbarende Gott Jesus war. Was offenbar wird im Zusammenhang mit unserm Heil ist immer Jesus. Gott den Vater hat niemand gesehen. Was Abraham, Moses oder die Propheten sahen, war stets Jesus. Wie anders erscheint einem dann das ganze alte Testament! Und wie Israels Sünde gegen Jesus-Jehovah! Dann aber ist Jesus auch der Anfang der Urheber deines Lebens! Aus seinen Händen laufen die ersten Fäden deines Lebens und er wollte seine Freude an dir haben! War wirklich an dir seine Lust? Oder hast du ihm nur Last und Not gemacht mit deinem selbstwilligen Treiben? Erst, wer seine Lust an dem Herrn hat, wird dadurch so, daß er auch für den Heiland eine Lust wird. Dann erst ist der Lebenszweck des Menschen erfüllt!

Herr Jesu, der du uns von Ewigkeit geliebt hast, erbarme dich über uns und vergieb uns alle unseres Schuld, damit wir Dir als deine Erlösten mit Freuden folgen können und deine Lust sei an uns! Amen.

 

18. Januar 

Joh. 5, 6 Da Jesus denselben sah liegen und vernahm, daß er so lange gelegen war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?

Diese Frage legt sich einem unwillkürlich auf die Lippen, wenn man einen kranken Menschen dicht neben der Heilquelle 38 Jahr krank bleiben sieht Willst du überhaupt gesund werden? Hast du dich nicht am Ende an deine Krankheit gewöhnt und alles ehrliche Wollen und Bemühen in einen andern Zustand zu kommen, längst aufgegeben? Muß man nicht ähnliche Fragen stellen, wenn man einen sogenannten Christen lebenslang neben dem lebendigen Heil in Jesu dahingehen sieht, ohne daß er sich Hilfe und Heilung genommen hätte? Er seufzt Jahr aus Jahr ein bei ernsten Predigten, er betet auch in feiner Art, aber es geschieht nichts, es wird nicht besser mit ihm, sein Herz bleibt so krank, wie es seit Jahren oder Jahrzehnten war. Allenfalls wirds noch schlimmer mit ihm. Da thut es gut, wenn der”Herr solch einen, der da meint, es müsse so weiter gehen, anstößt und fragt: Willst du wirklich gesund werden? Damit wacht die Sehnsucht nach Hülfe auf und die Hülfe selbst, Jesus steht ja vor der Thür! Am Ausfluß des Amazonenstroms befand sich ein Schiff mitten im Süßwasser, ohne daß die Leute auf demselben es wußten. Ihr Wasservorrat war ihnen ausgegangen und so riefen sie ein anderes Schiff an, und baten um Wasser; sie müßten sonst verdursten. ,,Aber ihr seid ja im Süßwasser! Schöpft nur!« erklang die Antwort. Ergeht so die Mahnung an die Christen: Nehmet nur Jesum! Er ist da und nah eurem Munde und Herzen! —— dann muß es doch an den Tag kommen, ob sie wirklich wollen oder nicht! Ja, Herr Jesu, du weißt alle Dinge! Du weißt, daß es mein rechter Ernst ist: ich will gesund werden! Heile Du mich, daß die 5ündenkrankheit weicht und und ich leben kann für dich! Amen.

 

19. Januar.

Jes. 46,4 »Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten«

Napoleon I. soll einst mit einer Dame gehend einem Lastträger mit den Worten ausgewichen sein; «,Respekt vor der Last!« Ein ganz hübsches Wort! aber ich weiß einen Andern, der ist der Last nicht ausgewichen, sondern hat sie sich selbst aufgeladen, um sie
dem Lastträger ein für alle Mal abzunehmen! Wieviel Lastträger gehen seufzend einher: den Einen ist Leid oder Sorge die Last, Andern ist’s Sünde und Schuld, und wieder Andern ist das Leben an sich eine Last. Fragte mich doch einst eine reiche Dame: ,,Woher nehmen Sie täglich die Kraft, um überhaupt zu leben?« Jesus hat es aber angefangen, uns zu tragen und zu erretten; – er kann nicht zurück; er muß weiter tragen! Solang noch ein Herz auf Erden in gläubigem Verlangen darauf rechnet, von ihm getragen zu werden, ist er da und streckt die starken Arme aus und spricht: Ich that es einst, ich tue es wieder, — ich will dich tragen! Sollten Leute so verkehrt sein, daß sie sich von ihm nicht heute, gleich, immer helfen lassen? Leider fehlt’s am Glauben, am» Zutrauen,
daß er wirklich was an ihnen thun will. Wer aber die Kraft des einst geschehenen Tuns, – des vollbrachten Opfers, der geleisteten Sühne, — wirklich an sich erfahren hat, der ist voll Zutrauen, daß auch die andern drei herrlichen Zusagen unseres Textes sich an ihm erfüllen werden: heben, tragen, erretten! Lang braucht er dann auch nicht bei diesem bloßen Zutrauen zu bleiben: die täglichen Erfahrungen werden es ihm beweisen, daß errecht geglaubt hatte. Aber erst glauben, dann erfahren!

Stark ist meines Jesu Hand
Und er wird mich ewig fassen,
Hat zu viel an mich gewandt,
Um mich wieder los zu lassen.
Mein Erbarmer läßt mich nicht;
Das ist meine Zuversicht.

 

 

20. Januar.

1. Kor. 13,8 »Die Liebe hört nimmer auf«

Wie würden Weltgüter und ihr Wert so ganz anders beurteilt, wenn man stets daran dächte,was von ihnen aufhört! Selbst wertvolle geistige Vorzüge, hohe irdische Verdienste, Heldentaten und Künste, hören auf. Die Liebe hört nimmer auf! Gilt das so ohne Weiteres von jeder Liebe? Auch wenn der Gegenstand der Liebe aufhört? Wenn es kein Vaterland mehr gibt, kann dann Vaterlandsliebe dauern? Nein, der Gegenstand der Liebe, der sie bestimmt, muß selbst so sein, daß man getrost von ihm sagen kann: der hört auch nie auf. Diese ewige Sonne ist Gott. Jesus liebt den Vater, — daher die Ewigkeit seiner Liebe; er liebt außerdem uns arme Sünder, —— daher die Möglichkeit, daß auch wir einer Liebe fähig werden, die nie mehr verglimmt. Seit wir uns von Jesu geliebt wissen und ihn wiederlieben, ist das unser Trost, daß Jesu Liebe zu uns nicht mehr aufhört, daß unsere Liebe zu ihm nicht mehr aufhört, aber auch, daß unsere Liebe zu den Brüdern ewig sein muß, weit Jesus , sie mit solche: Liebe liebt. Wie schrecklich wäre es, wenn die falsche Liebe zu irdischen Dingen und Genüssen auch ewig wäre! Ist das nicht Höllenqual, etwas zu lieben, was gar nicht mehr da ist? Umgekehrt muß die Liebe zu Jesu und durch ihn zu den Brüdern eine Seligkeit in sich tragen, wenn sie nimmer aufhört. Hier ist sie die Blüte des Lebens, die schönste Erquickung des Herzens, — dort wird sie das Leben selbst
ausmachen und bilden, weil sie das Wesen Gottes ist und wir Gemeinschaft haben sollen mit ihm!

Herr Jesu, du bist unserer Liebe Licht und Leben!
Dich möchten wir immer völliger, ungehemmter lieben!
Lehre uns alle Störungen darin als Stärkungsmittel
ansehen, weil wir uns in der Liebe üben, indem wir
sie überwinden um deinetwillen! Amen.

 

21. Januar.

Hebr. 1,3: . . . welcher trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort.

Dass Jesus ein freundlicher Heiland für arme Sünder sei, will mancher schon glauben, daßaber derselbe Jesus alles Geschehene im Weltlauf beeinflußt, oder wie es hier heißt: alle Dinge trägt mit »dem Spruch seiner Macht, — das erscheint den guten Leuten
rätselhaft. Sie haben sich zu sehr daran gewöhnt Jesum nur sich vorzustellen, als die Person, die in Bethlehem geboren ward. Darüber vergessen sie, daß er selbst gesagt hat: »Ehe denn Abraham ward,-bin ich!« Er ist die Seite des unsichtbaren Gottes, die dem Weltgeschehen zugewandt ist und in den Weltlauf eingreift und die man von Gott überhaupt nur gesehen hat. Mit einem Wort:
Jesus ist der alttestamentliche Jehovah, durch Jesus ist die Welt erschaffen (Joh. 1, 3). Jesus trägt eben das Weltgeschehen in seinen Händen! Was für ein Ansehen müßte er bei uns haben! Wenn er Worte des Lebens und der Liebe zu uns spricht, dann jauchzt uns die Seele, – wenn er uns schilt, dann vergehen wir! Dein Tag ist soviel wert für die Ewigkeit, wieviel er dir von Jesu gebracht hat oder wieviel er dich Jesu näher gebracht hat. Was für Trostquellen thun sich da dem Gläubigen jetzt schon auf! Also mein Jesus, mit dem ich so vertraut umgehen kann, der mir durch seines Gnade und meinen Glauben so nah gekommen ist, ist so mächtig, daß er alles in der Welt in seinen Händen hat, auch meine Feinde, auch die  Dinge, die mir eben fehlen, auch die Verhältnisse, die mir schwierig und schmerzhaft sind! Machen wir uns das immer recht klar, dann wirds an Stille und Ergebung
Ebensowenig fehlen, wie an freudigem Hoffen auf seine Hilfel

Herr Jesu! Sprich nur ein Wort, eins deiner starken, seligen, lebendigen Worte zu uns, damit unsere Seele Leben habe und volles Genüge! Wir bitten dich für heute um ein Wort deines Mundes, dass wir deine Nähe und deine Liebe da heraushören können! Amen.

 

22. Januar.

Richter 5, 31: »Die den Herrn lieb haben, müssen sein wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht

Was ist die Majestät eines irdischen Fürsten gegenüber der Majestät der Sonne, die glänzend aufgehet und weiter und weiter siegreich vordringend ihre Strahlen aussendetl Das soll ein Bild sein von denen, die den Herrn lieb haben? Wir schauen unsere Schwachheit und Unzuverlässigkeit an und scheuen uns solche Bilder auf uns anzuwenden. Aber da steht: ,,müssen«. Das soll heißen, sie sind verpflichtet, sich dem Licht des Herrn aufzuschließen, daß sie von einer Klarheit zur anderen geführt werden können. Als wir uns bekehrten, da blitzte ein heller schmaler Strahl auf und vertrieb die alte Nacht der Blindheit über uns selbst. Seither ists immer heller geworden: immer mehr haben wir in seinem Licht das Licht gesehen, d. h. erkannt und erfahren, wie hell und wahr, wie gut und treu der Herr ist. Ach, daß wir solchem hohen Vorzug entsprechend uns auch treuer, kleiner und reiner im Leben bewährten, dann würde Jesus immer mehr von seinem Licht. über uns ausgießen können und könnte dann in Wahrheit von uns verlangen: Lasset euer Licht leuchten! denn unser Licht wird es dadurch, daß wir es zuerst uns selbst erleuchten ließen. Mag es anfangs weh gethan haben, so ganz aufgedeckt und durchschaut worden zu sein, -— das war gerade die Stelle, wo das Licht in uns Fuß faßte. Von dieser Stelle aus erhellte sich das Leben und das Tun. Es ward Licht. Immer weiter geht’s. Der Erkenntnis folgt das Erleben und macht Platz für weitere Erkenntnis und dann wieder helleres Erfahren. Je mehr wir dem Lichte nachgeben, desto mehr Licht bekommen wir.

Herr Jesu, wir schämen uns der Untreue gegen dich und bitten dich, vergilt uns nicht nach unserer Missetat dadurch, daß du uns dein Licht entziehst. Nein, gib uns mehr Licht, mehr Wärme von Oben! Amen.

 

23. Januar.

Hebr. 1, 2: «. . . welchen (den Sohn) er gesetzet hat zum Erben über alles.

Der Weltweise Feuerbach hat behauptet: ,,Der Tod sei der große Erbe aller Dinge« und hat damit eigentlich der ganzen Weltentwicklung Ziel und Zweck abgesprochen. Denn, was hätte alles Leben und Lieben, Werden und Wachsen für einen Sinn, wenn der Tod das Ende wäre! Gottes Wort ist weiser und tiefer (weil es wahr ist), wenn es sagt: Jesus sei der Erbe über alles. Alles ist auf ihn angelegt, er ist die Spitze, der alles zustrebt, ob die tote Natur im Sonnenschein den Schöpfer lobt oder ob bekehrte Menschenherzen jauchzend Jesum als ihren Retter preisen. Von dem breiten, die ganze Welt umfassenden Fundament bis zum schönsten Turmdach, wo die Seinigen ihm ganz nahe gekommen sind, – alles strebt zu ihm! Wie unnatürlich, wie töricht ist dann das Widerstreben der Feinde Jesu! Jesus, unser Heiland und Freund, erbt einst doch alles: Die Einen beglückt an seinem Herzen, die Andern zertreten zum Schemel seiner Füße! Welcher Platz ist dir lieber? Nun, dann richte heute dein Leben darnach ein, fälle deine Entscheidungen heute darnach, sieh heute Welt und Christentum darauf hin an, das; Jesus der Erbe sei und daß du einst  auf alle Fälle ganz in seiner Hand sein wirst. Ach, wollen wir’s lieber heute schon mit unserem Herzen und Willen, mit unserem Gehorchen und Lieben so sein, wie wir es einst ewig haben wollen: Freiwillig ihm ergeben! freudig ihm gehorchend, selig in seiner Liebe!

In deiner Liebe, Herr Jesu, ruht sich’s gut! Darum bitten wir: Verbirg uns nicht das Gnadenlicht von deinem heiligen Angesicht! Zieh uns alle Tage in den nahen Zusammenhang mit dir hinein, damit wir leerer von uns selbst werden und voll von dir! Amen.

 

 

24. Januar.

2. Kön. 5, 8: Laß ihn zu mir kommen, daß er inne werde, daß ein Prophet in Israel ist.

Damals waren hin und her einzelne solche Kraft gestalten in Israel zu sehen, auf denen der Geist des Herrn ruhte, und es könnte manche neidisch machen, daß wir es jetzt nicht also haben. Das ist aber falsch. Erstlich ist Jesus mehr als alle Propheten und
er hat gesagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! und sein Wort wird doch wohl wahr sein! Zweitens ist Jesu Geist ausgegossen auf die Seinen und wer wirklich ernst macht mit dem Umgang mit Jesu und mit der Nachfolge Jesu wird eine Kraftquelle für andere. Oder was liefert mehr den Beweis dafür, »daß ein Prophet in Israel ist« -— wenn jemand von einem
körperlichen Leiden befreit wird oder wenn er seine alte Stindenart ablegt und als ein neuer Mensch wandelt? Wollen wir doch nicht wie die Kinder an sichtbaren, körperlichen Wundern hängen, während wir größeres, die geistlichen Gaben und Kräfte, gering achten. Laßt uns nur wirklich zu Jesu kommen, dann werden wir es und durch uns bald auch andere erfahren, daß ein Prophet in Israel ist, ja der mehr ist als alle Propheten! Es fehlt wohl zumeist am rechten Innewerden zuerst bei uns, und nachher, wenn es bei uns in Ordnung ist, auch bei den andern. Denn, wem das Auge fehlt, wie kann der das Licht sehen? Und wo kein lebendiger Glaube wirklich zu Jesu gekommen ist, gibt’s auch kein rechtes Jnnewerden seiner Kraft.

Jesu, der »du allein unser ein und alles bist, zieh »uns zu dir, damit alle andern Züge und Reize hinter uns Versinken und wir dir recht gehören, ebenso ganz, wie du uns! Dann offenbare deine Herrlichkeit mitten in unserer Schwachheit. Amen.

 

25. Januar.

2. Kön. 4,45 »denn »so spricht der Herr: Man wird essen, und wird überbleiben

Es war nach Menschenmeinung zu wenig, was dort Elisa den vielen Hungernden auftragen ließ, und nach unserem Wort sollte es doch reichen. So schien es auch viel zu wenig zu sein, wenn dort in Galiläa ein unbekannter Rabbi von sich selber » sagte: er sei das Brot des Lebens! Wie wollte er sich zur Stillung alles Seelenhungers aller Nationen, aller Zeiten anbieten? Konnten an seiner Art wirklich alle die verschiedenen Leute satt und zufrieden werden? Wer es nicht geworden, hat nicht an ihn geglaubt und nichts
von ihm genommen. Wir aber, die wir geschmeckt und gesehen haben, wie freundlich der Herr war, daß er sich selbst uns gab, wir alle beten staunend drüber an, daß man immer wieder von ihm nehmen kann und seine Fülle nimmt nicht ab. Wie eine mächtige Quelle im Wald- gebirge täglich tausende tränken kann und ist jeden Morgen wieder voll bis zum Rand und frisch wie nur je, —-
so kann man alle Tage von ihm nehmen Gnade um Gnade und sein Reichtum ebbt nicht ab, wird nicht weniger! Ja, man wird essen, und es wird überbleiben! denn des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit!

Jesu, wir kommen heute wieder und halten dir unsers leeres Herz, unsere müden Sinne hin und bitten dich, fülle du uns mit den reichen Gütern deines Hauses! Ohne dich müssen wir verschmachten! Mit dir wollen wir jauchzen und jubeln! Bleibe du heute unsere Kraft und wirke deine Werke durch uns!

 

 

26. Januar.

2. Kön. 10, 15: »Ist dein Herz richtig, wie mein Herz mit deinem Herzen?«

In wild bewegter Zeit, wo Königsthrone und Königsgeschlechter umgestürzt und vertilgt wurden, traute kaum jemand dem andern. Da fragte der mächtige Jehu mit unserem Textwort einen frommen Mann, ob er sich aufrichtig und ganz auf seine Seite stelle. Unsere Zeit hat auch in geistlicher Hinsicht eine wild bewegte Art: Strömungen und Modemeinungen gehen mit hohen Wellen
einher und der Zerspaltung wird noch nicht gewehret. Da gilt es oft jemand gleichsam auf den Grund der Seele sehen und fragen: Ist dein Herz aufrichtig, voll und ganz mit Jesu? Jesu Herz war ganz und gar mit uns; starb er doch für uns, — und niemand hat größere Liebe, als das; er sein Leben lasse für seine Brüder! Eine Herzensund Gewissensfrage ersten Ranges: Siehst du auf alle Fälle innerlich wahr und von ganzem Herzen zur Jesuspartei im Lande? Laß dich nicht durch persönliche Vorteile, nicht durch politische oder kirchliche Vorurteile aber auch nicht Menschenfurcht und Menschengunst beirren, sondern entscheide dich von Herzen für Jesul Wes; das Herz ist, des; ist auch der ganze Mensch und das ganze Leben und Lieben! Sieh zu, daß es so stimmt bei dir!

Ich will dich lieben, meine Stärke
Ich will dich lieben, meine Zier,
Ich will dich lieben mit dem Werke
Und immerwährender Begier;
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herze bricht. Amen.

 

 

27 Januar.

Hebr. 13, 8:  Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit

Wer von uns ist auch nur von Morgen bis Mittag, von Mittag « bis Abend ganz derselbe? Und hier wird uns versichert, daß Jesus in seiner Heilandsart sich nicht verändern soll in Ewigkeit! Derselbe, wie er war, als du dich bekehrtest, derselbe durch alle deine Schwankungen hindurch, derselbe in deinem Sterbestündlein, derselbe in Ewigkeit! Es ist als wären hier drei Kronen unseres Königs genannt: eine Krone für Gestern. Wie ist dein Gestern? Sein Gestern ist seine glänzende Vergangenheit, sein Leiden und Sterben am Kreuz für dich. Das soll deine Vergangenheit bedecken, daß er solch ein Gestern hat! Er ist mit dieser Krone gekrönt für dich. Dein Heute heißt Schwachheit, sein Heute ist herrliches Gottesleben beim Vater. Diese Krone glänzt für dich: Jesus ist auferstanden und lebt für dich, daß sein Leben dein Leben durchdringe und verkläre. Und dann hat er für alle deine Zukunft, alle deine Sorgen um die Deinen, wie um das Reich Gottes in aller Welt, seine dritte Krone auf, die die Christen am wenigsten achten:
er ist schon gekrönt für Morgen! Er kommt wiederum in Herrlichkeit seine Herrschaft aller Welt zu offenbaren. Je nachdem, welche Seite dir gerade nähiger oder wichtiger scheint, halte dich an seine Königskrone, die er trägt für dich und gib dein Gestern oder Heute oder Morgen willig hin für das Seinige. «

Ja, Jesus, du bist’s! Auf dich müssen deine Brüder hoffen, nach dir schauen wir! Deine Krone soll unser Trost sein! E«rrette uns von unsern alten und neuen Sünden und fülle uns mit freudiger Hoffnung auf deine Wiederkunft! Amen.

 

 

28. Januar

Jer. 22, 29: O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!

Wer recht bedenkt, was für Segen über ein Land kommt, wenn es dem Wort Gottes gehorsam wird und was für Fluch es sich bereitet, wenn es die Zeit solcher Heimsuchung nicht erkennt, der kann es verstehen, warum der Prophet hier so ernst das Land
zum Hören des Wortes aufruft.” Wenn man zum ersten Mal ruft, will man nur die Aufmerksamkeit dessen erregen, den man ruft. Das zweite Mal klingt nicht nur wie eine Verstärkung, es ist gleichsam eine Drohung. Wird aber zum dritten Mal der Name gerufen,so ist
darin nicht nur die Wichtigkeit der Sache angedeutet, sondern es mischt sich ein Ton andringender Liebe hinein, weil man doch fürchtet, daß der zweimalige Ruf könnte vergerblich gewesen sein. O, wenn doch alles Land so gerufen wird, Ernst mit der Annahme des Evangeliums zu machen, — warum hört es den Ruf nicht? Warum verstockt sich so manches Herz und Haus, so manche Gemeinde und Stadt gegen Jesum? Der Herr selbst sagt es klagend über Jerusalem: »Aber ihr habt nicht gewollt!« Willst du hören und gehorchen, liebe Seele? Willst du endlich stehen bleiben im sinnlosen Fortstürmen und dich zu dem umkehren, der dich liebt und ruft? O laß: dich nur ein Mal wirklich mit ihm ein, ihm recht zuzuhören; — was gilts, da sind Kräfte und Wirkungen in seinem
Worte stark genug und selig genug, dich für immer bei Jesu festzuhalten!

Ja, Jesu, wir haben dich gehört und wollen dich wieder hören, immer wieder, denn in deinem Wort strömt dein Lieben und scheint dein Licht! Strafe uns nicht mit Mangel deines Worts, sondern segne uns jedes Hören desselben. Amen.

 

29. Januar.

Mark. 6,54: Und Jesus ging hinaus und sah das große Volk; und es jammerte ihn desselben, denn sie waren wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

Das ist die eine Thatsache, groß und ernst: ohne Jesum sind wir in elendem Zustande, wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Die beste Weide, das klarste Wasser, das schönste Wetter — alles ist umsonst, wenn sie keinen Hirten haben. Menschheitsentwicklung ohne Leitung und Führung der höheren Hand ist ein Hineinwachsen in die Hölle; stehts doch geschrieben, daß die Holle ein Land ist, wo keine Ordnung herrscht. Und die andre Tatsache ist ebenso groß und ernst: Jesus jammerte unser Zustand! Jesus ging heraus aus der Unsichtbarkeit des Himmels und hat unser Elend angesehen! Er hat sich seiner Herde selbst angenommen als der getreue und gute Hirt der großen Menschenherde. 5either gibts eine Moglichkeit, zum frischen Wasser, zum Frieden, zur Erquickung, zum Segen zu kommen, sobald man in seinem Herzen sich durch Jesu Erbarmen rühren läßt. Er wartet gleichsam nur darauf, daß die Liebesbewegung, die sein Herz» ergriffen hat, nun auch unser Herz ergreift, dann kann all sein Liebeswirken im Kleinen wie im Großen auch uns zu Teil werden und unser Elend in Jauchzen und Jubel wandeln! Wenn wir nur den zehnten Teil des Mitleids und des Erbarmens mit uns selbst hätten, das Jesus gegen uns bewiesen hat, dann kämen wir heute noch so weit, uns ihm hinzugeben, um seine Hingebung für uns zu erfahren und zu genießen.

Um all der Barmherzigkeit willen, Herr Jesu, die du schon gespürt und bewährt hast gegen uns, bitten wir dich, sei uns heute gnädig, daß wir den Tag nicht umsonst verleben, sondern ihn dir ganz übergeben, damit du etwas draus machen kannst zu deiner Ehre! Amen.

 

30. Januar.

Mark. 9, 22: ,,Kannst du aber was, so erbarme dich unser, und hilf uns.

Die Jünger hatten den besessenen Knaben nicht heilen  können, daher war der Vater desselben in der Verzweiflung zu der fast lästerlichen Bitte gekommen: ,,Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns!« Ob er was kann! Unser ganzes Leben
seit unserer Bekehrung ist eine wundersame Kette von lauter Beweisen Iesu, daß er was kann! Die Ungläubigen streiten sich, ob er lebe, ob er Gottes Sohn sei, ob er Gebete erhöre, wir aber haben’s erlebt und erfahren, daß er was kann! In wieviel Schwachheit unsrerseits hat er seine Kraft offenbart! In wieviel Sündenwirren hat er seine klärende, reinigende Hilfe gebracht! In wieviel Not brach sein Sieg plötzlich hervor mit Herrlichkeit! Ia, er kann etwas! Ohne ihn können wir nichts! Mit ihm können selbst wir armseligen Leute etwas Wirkliches für ihn oder für andere thun. Un mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd, was Jesus mir gegeben, das ist der Liebe wert! Darum wollen wir allezeit des Zeugen sein und bleiben, daß er, Jesus was kann! Wollen wir aber dabei nur nicht unsere eigene Erfahrung vergessen, da jedes Mal, wo wir uns stark vorkamen, wo wir uns auf unsere Gaben oder Erfahrungen oder Erkenntnis verließen, wir nichts oder blutwenig von seinem Können und Wirken verspürten. Dagegen brach seine Kraft am mächtigsten hervor, wenn wir demütig und hilflos, wie gebunden an Händen und Füßen, — wie das Opferlamm auf dem Altar —· vor ihm lagen und uns nur auf ihn verließen. Muß man uns immer wieder daran erinnern?

Ja, Herr Jesu, wir kennen dich und spüren deine Nähe! Komm und erfülle du die Herzen deiner schwachen Kinder mit hellem Licht, damit auch die Welt an uns erkenne, daßes sich lohnt, auf dich zu trauen und daß du wirklich etwas kannst! Amen.

 

31. Januar.

Mark. 12, 37: ,,Und viel Volks hörte ihn gern.

Woher kam das, daß viel Volks ihn gerne hörte? Er schmeichelte ihnen doch wahrhaftig nicht, er redete nicht, wie ihnen die Ohren juckten, —- er hat wie kein andrer hineingegriffen in ihr Herz und Gewissen. Warum hörten sie ihn dennoch gerne? Das Volk
hat wie die kleinen Kinder ein feines Gefühl dafür, ob jemand selbstlos und aufrichtig nur. die Wahrheit sucht und spricht, ob jemand es wirklich wohl mit ihm meint. Hier haben sie einen Prediger gefunden, der mit um sie ringendem Herzen vor ihnen stand, der sie retten wollte. Dieser Liebeston findet einen Widerhall. Aber freilich das bloße gerne Hören macht’s nicht aus. Damals nicht und bis auf den heutigen Tag nicht. Das Wort will Frucht oder es bringt Fluch. Vom gerne Hören muß man zum gern Gehorchen fortschreiten, -— dann erst fängt das Wort. Darum verlangt Jesus so oft, daß seine Hörer tun sollen, was er sagte. Wie oft mag er das noch denen vorhalten müssen, die ihn sonst ganz gerne hören. Hat er doch heute noch überall da, wo der Liebeston seiner Art lebendig durch die Verkündigung flutet, viel Volks zu Hörern. Nur, wenn er nach dem Hören kommt und fragt im praktischen Leben nach den Früchten, bleiben überall nur einige wenige übrig, die auch etwas erleben wollen von ihm und etwas tun wollen für ihn. Die unfruchtbaren Hörer bringen sich aber durch ihren Leichtsinn und ihre Vergeßlichkeit nicht nur um den Segen, der im Worte angeboten ward, sondern verderben sich allmählich auch durch Abstumpfen ihr geistliches Gehör. Jesum hören ist und bleibt eine ernste Sache und drängt zur Entscheidung.

Wir hören dich auch gerne, Herr Jesu, denn wir hören deine Stimme heraus und deine Liebe und das Herz brennt uns, wenn du uns die Schrift auslegst. Nun bitten wir dich, gib doch zum Hören auch das Wollen und das Vollbringen. Amen.

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