Andachten (Februar)

1. Februar.

Matth. 20, 28: ». . . und gebe sein Leben zu einer Erlösung für Viele «

Was für ein kostbarer Einsatz! Er hat seine Seele, sein Leben, eingesetzt! Dann muß auch der Gewinn der Größe dieses Einsatzes entsprechen. Ist es nicht auch groß, daß die Folge dieses Opfers Jesu jetzt so stark ist, daß wir dadurch erlöst werden? Erstlich besteht diese Erlösung in der Verkündigung, im Amt, das die Versöhnung predigt. Wer das Wort gläubig annimmt, der erfährt das zweite Stück: Die Rechtfertigung, d. h. Jesu Eingehen in’s Gericht Gottes an unsrer Statt hat uns mit Gott versöhnt. Treten wir nun als die Gerechtgemachten mit unserem Leben» und Lieben mit Jesu auf Gottes Seite, dann wird die dritte Seite der Erlösung offenbar: ein Kind Gottes, das sein Leben mit Christo verborgen in Gott führt, ist erlöst von den Mächten dieser Welt. Es ist los vom Gelde, von der Macht und Herrschsucht dieser Welt und erfährt dieses sein Lossein von der Obrigkeit der Finsternis in jedem, Kampf mit der Sünde; ebenso spätere auch im Tod. Denn Jesu Tod hat« die natürliche Herrschsucht dieser Mächte über uns gebrochen. Das sind alte Wahrheiten, aber ihre Kraft im täglichen Leben, in Entscheidungen und Erfahrungen ist immer wieder neu! -Nur ist noch eine Bedingung zu erfüllen, wenn man die Erlösung im täglichen Leben erfahren will. Leben um Leben! Gab Jesus sein Leben hin, so kann er auch verlangen, daß du dein Leben ihm hingibst. Gib dein Leben, deine Freiheit, deinen Willen, dein Bestes,
ihm hin, dafür gibt er dir sein Bestes: sein Leben ist herrlich und währet ewiglich!

Lieber Heiland, laß uns täglich immer wieder deine Erlösung erleben und erfahren, damit unser Dank dafür wahrer und wärmer aus tiefstem Herzen komme und sich in unserm Leben offenbare! Amen.

 

 

2. Februar.

Heb 2,8: Jetzt aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles untertan sei.

Wohl klingt das sehr nüchtern und ruhig, und doch enthält diese Wahrnehmung wie die kurze Überschrift eines ganzen Buches eine lange Geschichte voll schmerzlicher Erfahrungen der einzelnen Christen. Ja, das war’s, was uns oft so tief niedergebeugt hat, wenn wir in uns selbst immer wieder mancherlei finden mußten, was Jesu noch nicht untertan war. Ebenso gings in unserem Hause, unserem Bekanntenkreise, unserem Volk und unserer Zeit. Gott sei Dank, dass da ein Trostlicht mitten im Texte brennt: jetzt noch nicht! Also nur jetzt noch nicht, einst aber kommts doch! Das ist die Richtung, in die wir schauen müssen, wenn das Diesseits uns zu schwer aus der Brust lastet: noch nicht, aber einst! Wie wird’s sein, wenn kein geheimes Winkelchen unseres Herzens mehr den Sonnenstrahlen Jesu entzogen bleiben wenn alle Welt licht und hell geworden sein wird durch ihn, der da spricht: Siehe, ich mache alles neu! Er arbeitet schon jetzt daran dieses sein Ziel zu erreichen; wollen wir müßig dabei stehen oder gar ihn hindern und aufhalten? Wenn nicht, dann müssen wir wenigstens soweit, als unser Wille und Einfluß reicht, alles Jesu zu Füßen legen. Je treuer wir das in stiller Weise tun, desto weitere Kreise werden uns anvertraut und je mehr wir in kleinen unscheinbaren Dingen die Jesusart durchsetzen, desto mehr Vollmacht gibt es über andere Menschen und Verhältnisse.

Herr Jesu, wir sehnen uns, daß das mangelhafte kümmerliche Jetzt verschlungen werde vom seligen Einst! Darum tragen wir dir immer wieder Herz und Hand an zur Hilfe! Nimm uns, entsündige uns durch dein Blut und dann brauche uns in deinem Dienst. Amen.

 

 

3. Februar.

Apg 7,38: Dieser empfing lebendige Worte uns zu geben.

Tote Worte gibt’s leider so schon genug! Tote ,Predigten, tote Ermahnungen, tote Gebete, hinter denen niemand steht und durch die nichts geschieht, — daran ist kein Mangel. Was aber hier Stephanus von Mose aussagt, paßt in viel höherem Sinn auf Jesum. Der hat lebendige Worte empfangen uns zu geben und wenn wir sie richtig und wirklich genommen haben, dann dürfen wir sie nicht erst tot machen und sie dann den Leuten geben! Nein, wir müssen in Wort und Wandel die lebendigen Worte Jesu ausstrahlen, weiter wirken lassen, so daß, sie auch in dieser zweiten Hand lebendige Worte bleiben, die neues Leben zeugen. Schau dir doch jedes Zeugnis! deiner Lippen von Jesu an, — wenn’s nicht lebendig ist, behalt’s für dich und geh in die Stille und bete ihn an, der da Wahrheit und Leben ist, damit du etwas anderes von ihm und für ihn sagen kannst. Oft müssen wir Christen dazu leiden,  gedemütigt, geschlagen werden, damit unsere Worte von Jesu wieder lebendig werden! Oft müssen wir erst sterben, damit Jesu Worte in uns lebendig werden. So lang unser Leben sein Leben stört, trübt der unreine Kanal das Wasser. Daher die vielen demütigenden Erfahrungen! Daher die schmerzliche Offenbarung, daß unsere alte Art ihm im Wege steht. Was aus unserem Fleisch und Blut stammt, ist ein Todeshauch; was hat der bei Jesu lebendigen Worten zu tun?.

Jesu, hauche uns deinen Geist, dein Leben ein! Mache du die toten trägen Geister lebensvoll, damit deine Worte in unserem Munde lebendig werden und du durch uns kannst Leben schaffen von ewiger Dauer! Amen.

 

4. Februar.

Apg. 8,30: Verstehest du auch, was du liesest?

So mochte man heutzutage bei dem ungeheuren Lesestoff, den ein noch größeres Ungeheuer, die Lesewut, tagtäglich verschlingt, auch gern fragen! Mein seliger Vater war die letzten Jahrzehnte seines Lebens fast blind und da mußte ich ihm als Knabe und Jüngling viel vorlesen. Wie oft legte er plötzlich die Hand aufs Buch und sagte: »Halt, hast du das verstanden?« Und dann erklärte er mir das Gelesene. Wir alle haben so Jemand, wenn wir nur wollen, der uns Gottes Wort auslegt und ins Herz legt: das ist der heilige Geist. Von dem Meinen, sagt Jesus, wird er nehmen und euch verkündigen. Er ist ja nur darauf aus, die für jeden Augenblick passende und heilsame Auslegung uns in Herz und Gewissen lebendig zu machen. Aber man muß ihn auch hören und spüren wollen. Je gedemütigter, hungriger und kleiner du an das Schriftwort herankommst, desto besser kann der Geist dir die rechte Auslegung geben. Den hohen Geistern aber, die nur zur geistlichen Unterhaltung schöne Gedanken suchen, widerstehet der Herr! Wir wurden als Kinder bestraft, wenn wir mit einem Stückchen Brot spielten. Brot ist nicht zum Spielen da und das Brot des Lebens erst recht nicht. Wem daher wirklich drum zu tun ist, das Wort Gottes zu verstehen, der bete vor dem Lesen, damit er in der rechten demütigen Stellung zum Wort an dasselbe herankomme und dann suche er erst das Wortverständnis und dann das Worterlebnis der eigenen Erbauung zu gewinnen.

Darum bitten wir dich, Herr Jesu, gib uns deinen Geist, daß er uns immer tiefer einführe in das Verständnis deines Wortes! Laß uns dein Wort lebendig werden, damit dein Leben dadurch über uns komme und wir Zeugen dieses deines Lebens werden! Amen.

 

5. Februar.

2. Chron. 6,15: Denn 5alomo hatte eine eherne Kanzel gemacht.

Wenn das heutzutage an manchen Orten am Ende – ebenso heißen müßte! Wenn die nach Lebenswasser schmachtende Gemeinde sich unter einer ehernen Kanzel versammeln muß, von der wohl ein tönend Erz und eine klingende 5chelle mit viel Pathos sich hören läßt, aber weiter auch nichts geschieht! Ist nicht der falsche Predigtton und die Kunstform der wohldurchdachten Rede schon ein Grund, warum nicht zu Herzen dringt, was nie im Herzen war? Oft aber bebt dem Prediger heimlich bei seinem Studium das Herz und er kanns doch nicht so warm wiedergeben, wie ers möchte. Ist nicht auch die Gemeinde oft wie eine eherne Mauer, dran alles abprallt? Am Reden und am Hören muß es doch liegen, daß so unendlich viele Predigten ohne Echo bleiben. Wollen wir für unsern Pastor treulich beten, damit der Herr durch ihn rede und wir Jesu Antlitz in seiner Verkündigung sehen können. Anders wird er seines Predigens nicht froh und wir werden durch all das Hören nicht gebessert. Fürbitte und Liebe aber führt zusammen und segnet beide Teile und statt Salomos eherner Kanzel wird der Fels in der Wüste dastehen, der Wassers die Fülle gibt den Durstigen! Lasset uns ein Feuer um die Kanzel her anlegen durch Gebet und Liebe, daß alles Erz schmelzen muß Und der Herr sein Volk segnen kann durch sein Wort.

Ja, Herr Jesu, wir bitten dich, schenke du deinen Zeugen unter uns ein freudiges Auftun des Mundes, so daß ihr Glaube unsern Glauben wecke und ihre Liebe uns belebe. Wir bitten dich, stelle dich zwischen Kanzel und Gemeinde und segne Prediger und Hörer nach deiner Barmherzigkeit! Amen.

 

6. Februar.

Chron. 29, 9: »denn der Herr suchet alle Herzen und verstehet aller Gedanken Dichten. Wirst du ihn suchen, so wirst du ihn finden, wirst· du ihn aber verlassen, so wird er dich verwerfen ewiglich«

Du wirst gesucht! Je nachdem, wer du bist und wie es in dir steht, wird diese Nachricht verschieden auf dich Wirken: Du wirst gesucht! Der lebendige Gott sucht dich, auch wenn du vor ihm auf der Flucht bist; er wird dich auch einst sicher finden. Aber das dürfte dann gegen deinen Willen ein schreckliches Finden sein. Besser für dich ist’s, du gehst gleich heute aus, ihn zu suchen, damit er dir in Liebe begegne. Wie leicht wird das jetzt auch sein, wenn du nur aufrichtig suchst: er geht dir suchend nach, — kehre um zu ihm, dann müßt ihr euch bald finden. Den Aufrichtigen läßt es der Herr gelingen. Und was wird das für ein seliges Entzücken sein, wenn du ihn gefunden hast! Dann wirst du inne werden, wie ihr zwei, er und du, zusammen passen und zu einander gehören! Du wirst in ihm dich selbst erst recht finden und damit deinem Leben einen neuen Inhalt und ein neues Ziel, einen neuen Sinn und einen ewigen Wert verleihen. Darum komm und sieh selbst, ob das nicht wahr ist! Man sollte es kaum für möglich halten, daß Menschen, die nach eigenem schmerzlichem Suchen den Herrn gefunden haben, ihn je wieder verlassen können! Und doch können nur solche ihn verlassen, die Andern waren ja noch gar nicht bei ihm. Wer aber in Leichtsinn und Untreue Jesum verläßt und trotz aller Bußmahnung nicht umkehrt und sich wieder seinen schweren Abfall vergeben lassen will, der wird verworfen werden. Lies Hebr. 6, 4-6 und bete mit uns:

Herr Jesu, bewahre mich in deiner Hand! Mahne mich durch dein Wort oder Winke deines Geistes in meinem Leben, sobald ich in Gefahr stehe, dich zu verlassen! Lehre mich lieber alles andre verlassen, wenn es sein muß, laß mich von allen Andern verlassen sein, — nur bei dir will ich bleiben! In dir will ich leben und sterben! Amen.

 

7. Februar.

Joh. 17,17: Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

Heiligen heißt aussondern zu Gottes Zweck oder Dienst. So sagt Jesus von sich selbst (Joh. 10, 36) daß der Vater ihn geheiligt habe; das kann doch nur heißen, daß er zu dem besonderen Zweck seiner Lebensarbeit vom Vater bestimmt sei. Wie man im alten Testament Altar und Geräte so aussonderte, so werden im neuen Personen ausgesondert. Jesu ähnlich sollen seine Jünger hier vom Vater die besondere Willensweihe erhalten, daß  sie statt der Welt oder ihrem Behagen, nur dem Gotteswerk der Seelenrettung an sich und Andern dienen. Das kann nur geschehen durch die Wahrheit über Gott und sie selbst, wie Jesu Aussprüche dieselbe enthalten. Sein Wort der Wahrheit ist das Mittel zu solcher Willensfestigung. Wer von uns sich ganz dem Herrn hingibt, erfährt immer wieder neuen Zufluß von Oben, der diese Willenshingabe verstärkt. Jesus betet darum, der Vater wartet darauf, daß ers geben kann, — o schiebe deines Herzens oder Wandels Riegel fort, damit die Erhörung solcher Fürbitte Jesu spürbar, offenbar werde in deinem Leben und sein Werk Fortgang erfahre durch dich! Du hast den ersten Nutzen und Segen davon, denn dadurch wird dein Leben erst wahr, — ein wirkliches Leben, ein Leben, das seinem gottgewollten Ziele entspricht. Dann aber hat auch Jesus eigentlich erst etwas von dir, wenn er durch dein ausgesondertes Wesen Andere ziehen und retten kann; und end-
lich werden diese Andern Segen für die Ewigkeit haben durch dich.

Jesus, bete weiter für uns, daß der Vater uns heilige! Wir brauchen immer neue Zuflüsse von Oben; wir müssen alle Tage daran erinnert werden, daß bei uns Raum geschaffen werden muß, wenn dein Geist uns erfüllen soll; Herr hilf unserer Schwachheit auf, auch unserem schwachen Beten und Wollen. Amen.

 

8. Februar.

Matth. 13,3: Es ging ein Säemann aus zu säen.

So ist er dahingegangen, der treue himmlische Säemann, Jesus, durchs jüdische Land um zu säen. In breitem Wurfe fiel der Wortsamen auf die Herzen, auf die Felsenherzen, auf die Dornenherzen, aber auf gutes Land. Wenn es ihm so ging, daß er nur
etwa den vierten Teil seiner Hörer zum Fruchttragen brachte, -— kann’s uns da Wunder nehmen, daß wir heutzutage so wenig Erfolg der Predigt sehen? Erbaulicher und fördernder für dich ist die genaue, aufrichtige Untersuchung deines inneren Zustandes, damit du dir die Frage beantworten kannst, warum Jesu Wort an dir so wenig ausrichten kann. Was für geheime Dämme und Deiche hat dein Verhalten, deine Sünde, gezogen was für Riegel hat deines Willens Verkehrtheit vorgeschoben in wessen Bann stehst du? Jedes Mal, wo Jesu Wort an dein Ohr schlägt, und noch oft außerdem in allerlei Erfahrungen und Ereignissen —— heißt es: Es ging ein Säemann aus zu säenl Wie oft enthielt das einen Urteilsspruch über dich? Wird es noch oft vorkommen, daß dich sein Säen sucht? Drum öffne dich seinem Einfluß und gib dem geheimen Zuge seiner Liebe endlich – heute — ganz nach! Wenn es dir wirklich aufrichtig drum zu tun ist, daß du aus unfruchtbarem Ödland ein wertvolles Fruchtfeld werdest, dann laß sein Wort siegen über deinen stolzen Willen und deine Selbstverliebtheit. Dann wird der Same endlich auch zur Frucht werden und diese deine Frucht wird neuer Same für anderer Herz; denn Same ist Frucht und Frucht ist Same! Vergib uns, lieber himmlischer Vater, daß wir dein und deines Sohnes Suchen und Säen so oft nicht erkannt oder gering geachtet haben und erinnere uns durch Gewissen und Geisteszeugnis daran, in solchen Augenblicken uns ganz für dich zu öffnen, damit der Same falle in ein gut bereitet Land! Amen.

 

 

9. Februar

Luk 8,18: .So sehet nun darauf, wie ihr zuhöret

Da möchte man das Wörtchen ,,wie« doppelt und dreifach unterstreichenl Uber das Wie der Predigt werden Bibliotheken voll geschrieben, — aber über das Wie des Hörens schweigt man gewöhnlich. Aber haben wir es nicht oft erfahren, daß derselbe Bibelspruch, wenn er in gewisser Verfassung uns traf, uns gleichgültig ließ, während er zu anderer Stunde uns niederschmetterte, wie ein DonnerkeiL Liegt’s nicht am Hören? Dasselbe Signal, derselbe Glockenton kann dem einen ein Anstoß zu heller Freude, dem andern zu bitterem Leide sein. Wie hörst du zu? Wie nimmt dein Herz teil? Was für Ausgrabungen müssen erst stattfinden, wieviel Schutt muß erst weggeräumt werden, bis du silberhelI des Hirten Stimme heraus hörst aus dem verkündigten Wort? Aber man kann nicht zu gleicher Zeit zwei verschiedenen Rednern zuhören, man kann nicht zu gleicher Zeit nach zwei Verschiedenen Seiten hinhorchen. Die Aufmerksamkeit ist immer nur auf eine Seite ganz gerichtet. Dann kommt es darauf an, daß du dich von dem Rasen der Welt, vom Stimmengewirr der Menschen draußen und der Gedanken drinnen abkehrst; um nur Jesum zu hören. Wenn wir nur den Ernst und die Größe des Augenblicks stets erfassten, in dem Jesus eben durch sein Wort mit uns handelt, dann würden wir ihm mehr begegnen und dürften auch in so mancher ,,langweiligen« Predigt spüren, »daß der Herr mich gesegnet hat durch deinen Fuß« Herr, öffne mir die Herzenstür, daß ich mit Herzen von dir höre, bis ich dich selbst im Worte finde. Ohne dich gibt’s keinen Segen des Wortes, — darum neige dich aus Erbarmen im Worte zu mir und tränke meine durstige Seelei Amen.

 

10. Februar.

Matth. 12, 50: »denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, derselbe ist mein Bruder, Schwester und Mutter.« .

Hier ist ein Weg genannt, wie man in die nächste Verwandtschaft des Herrn Jesu hineinkommen kann! Wären sonst Opfer, Preise oder Leistungen verlangt, wodurch man dieses hohe Anrecht gewinnen und verdienen könnte, — wie würden sich die Leute in bunter Menge dazu drängen! Nun ist statt dessen nur eine einzige Kleinigkeit genannt und gerade diese eine Bedingung erscheint dem hochmiitigen, selbstsüchtigen Menschenherzen so schwer: Den Willen Gottes zu tun! Den eigenen Willen drangeben, die eigene Selbständigkeit verlieren, nicht mehr über sich, sein Geld, seine Zeit bestimmen zu können, —- das scheint so bitter und doch liegt gerade darin Seligkeit auf Erden und voller Frieden. Erst, wer gelernt hat im Tun des Willens Gottes sein Glück zu suchen, der wird wahrhaft glücklich und kommt in so nahe Beziehungen zu Jesu, wird sein Blutsverwandter, daß er mit keinem König mehr tauschen möchte. Lerne auf Gottes Willen in deinem Leben, — heute, in jedem Augenblick achten und ihn dann gleich tun! Darauf bekommt man von dem, der heimlich unlustig ist den Willen Gottes zu thun, die Antwort: »Ja, woran erkenne ich Gottes Willen?« Dein Gewissen und Gottes Wort werden dir schon Winke geben und sobald du ihnen gehorchst, lernst du in der Schulklasse des Gehorsams immer deutlicher und reichlicher die Fingerzeige des Herrn erkennen, bis du von ganzem Herzen sprechen kannst: »Deine Befehle erquicken meine Seele.”

Herr unser Gott, dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch bei uns, durch uns auf Erden! Der du den Willen gabst, gib. auch die Kraft uns Unvermögenden, diesem Willen uns hinzugeben in jedem kleinen Augenblick. Amen.

 

 

11. Februar.

Matth. 13,38: »Der Acker ist die Welt

Wie groß steht doch der schlichte, arme Rabbi ausGaliläa da, wenn er solche Worte ausspricht! Sein Reich, seine Lehre, seine Sache ist für alle Welt bestimmt und alle Welt für ihn. Wie schrumpfen da die Erdengrößen, die bei ihren Lebzeiten viel Lärm von sich gemacht oder großen Ruhm geerntet hatten, vor ihm zusammen! Wer von ihnen ist für alle Welt da? Der Acker ist die Welt in ihrer ganzen räumlichen Größe, soweit Menschenherzen schlagen; aber auch in ihrer ganzen zeitlichen Länge: so lange es noch Menschen gibt, die Vergebung und Frieden brauchen, wird weiter gesäet und gearbeitet. Dabei ist das einzelne kleine  Menschenleben mit seinen Erhebungen und Senkungen, seinen reichen stillen Gründen und seinen sturmgefegten öden Halden nicht vergessen: der Acker ist die Welt. Ahnst du etwas von der Verantwortung, die durch solche Ausdehnung von Jesu Werk sich bleischwer auf dein Werke legen will? Darfst du aufhören zu zeugen und zu bekennen, daheim selbst und durch Missionare draußen, solange noch nicht alle Welt besäet ist? Heute kommt ein ganz kleiner Teil dieses Ackers in den Menschen an dich heran, die noch nicht Jesu Eigentum geworden sind. Sieh zu, wie du guten Samen auf ihre Herzen säen kannst durch dein Beispiel, dein Benehmen, dein Bekennen des Namens Jesu.

Jesu, erziehe uns zu deiner Größe! Mach uns; innerlich ganz und gar zu deinem Werk, so daß wir nicht nur dein Acker, sondern dein Werkzeug und dein Same werden an Andern! Amen.

 

12. Februar.

Matth. 13,27: Woher hat er denn das Unkraut?

Durch die Natur, wie durch alle ,Menschen, -durch alle guten gottgewollten Verhältnisse, durch Staat und Kirche, durch Schule und Haus geht eine geheime große Klage, eine bange, lastende Frage: Woher hat er denn das Unkraut? Das ist des bösen Feindes Werk! Unser heutiger Tag, — eine wertvolle Gottesgabe, an der Stirn den Ewigkeitssegen, und im Herzen Ewigkeitsbestimmung als Zweck tragend -— und doch kommt’s noch heute dazu, daß du von ihm wirst klagend, fragend sagen müssen: Woher hat er denn das Unkraut? Woher das Böse in der Welt? Die Schrift ist sparsam in ihren Mitteilungen über Person und Reich des Bösen, aber sie läßt uns nicht im Dunkeln darüber,daß es solch einen Feind Gottes und der Menschen gibt und niemand wird der Schrift gerecht, der ihn wegdisputieren will. Besser ist’s, der entsetzlichen Wirklichkeit im Glauben des Sohnes Gottes fest ins Auge sehen und ebenso, wie Jesus von sich sagte, daß er gekommen sei, des Teufels Werke zu zerstören, Hand anlegen durch Gebet und Treue, daß diese Werke überwunden werden aufSchritt und Tritt. Weil aber gerade gegenüber teuflischen Einflüssen unsere Ohnmacht am offenbarsten und empfindlichsten ist, treibt uns solche Erwägung zu Jesu. Von ihm müssen wir Kraft und Schutz empfangen, denn wir können nicht anders gegen die listigen Anläufe des Bösewichts bestehen, als in der völligen Abhängigkeit von Jesus.

Lieber Herr Jesul Weil mit unserer Macht nichts getan ist gegen des Bösen Art und List, flehen wir dich um Hülfe an: gib uns die heilige Waffenrüstung deiner Stärke und deiner Nähe, damit auf alle Fälle dein Sieg über den Teufel unser Sieg werde! Amen.

 

13. Februar.

Matth. 13, 44:  Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte. und kaufte den Acker.

Das schier zufällige Finden des Schatzes sticht zuerst in die Augen. Es lag diesem Finder fern, ihn zu suchen; er wurde gleichsam init Gewalt darauf hingestoßen. Gehts nicht im Geistlichen bisweilen ähnlich? Es fiel diesem oder jenem gar nicht ein, sorgfältig und bewußtermaßen alle geistigen Erscheinungen darauf hin zu untersuchen (wie der Perlenhändler V. 45), ob nicht wertvolles Gut dahinter stecke und doch fiel eines Tages, — die Leute sagen zufällig! — sein Blick auf den Schatz im Acker. Da fand er im Christentum Frieden, da fand er in der Bibel Jesum, und nun tritt der zweite Gedanke unseres Gleichnisses in sein Recht: jetzt galt es alles Eigene, alles Alte dranzugeben, aufzuwenden, nur um diesen köstlichen Besitz sich zu sichern. Kann das Finden eine rein göttliche Gnadentat sein, wozu wir nichts dazu zu thun hatten, — so ist das zweite, das Aneignen, eine Arbeit und Anstrengung unseres Herzens und Willens, die wir sehr deutlich spüren. Wer will haben, der muß graben! Für nichts ist nichts. Willst du alles,  Jesus, Leben, Frieden, Kraft haben, so mußt du alles, dich, dein Leben, dein Behagen, deine Kraft einsetzen! Laß dir aber nicht bange machen, als wäre diese Hingabe so schwer! In unserem Text heisst es: vor Freuden! Ähnlich wird die Freude über Jesus dir das Loslassen des alten Treibens erleichtern und verfügen. Versuch’s nur gleich heute!

Herr unser Gott, wir danken dir, daß du uns aus reiner Barmherzigkeit das Geheimnis Jesu offenbart hast! Nun aber bitten wir dich, hilf uns weiter, daß wir uns selbst in den Kauf geben, um nehmen und genießen zu können, was du uns zeigtest! Amen.

 

14. Februar.

Matth. 13,43: Wer Ohren hat, zu hören, der höre.

Das klingt so selbstverständlich, dass man fast sagen möchte, es müsse heißen: wer Ohren hat, zu hören, der wird auch ganz von selbst hören. Und es ist doch nicht so. Heimlich sitzt ein Türhüter an dem Eingangstor des Herzens, der entweder dem durch das Wort heranziehenden Gaste nachgiebt, die Zugbrücke herabläßt oder sie auszieht und den Eingang verwehrt. Das ist der Wille des Menschen, der von Fall zu Fall die Entscheidung über die gehörten Worte zu treffen hat, welchen er will Raum und Wirkung geben, und welchen nicht. Daher die Mahnung Jesu, die sich an den Willen richtet: der höre! Noch ist dein Gewissen rege, noch hast du die Möglichkeit mit deinen Ohren mich zu hören, -— jetzt entscheide dich, jetzt wende dich voll zu mir und las mein Wort ganz ein, damit es dich umgestalte und dnrchleuchte! Wenn nicht, — dann kommt die Zeit, daß deine Ohren mich nicht mehr hören, daß das Gericht geistlichen Stumpfsinns und religiöser Gleichgültigkeit ebenso über dich kommt, wie es schon über Millionen deiner Zeitgenossen gekommen ist, — darum höre! Land, Land, Land, höre des Herrn Wort! Herzen, gebt dem geheimen Ziehen und Werden des Heilands nach, das sich in seinem Worte euch zuneigt; öffnet ihm die Tür und last alles andre liegen, bis ihr ihn erkannt und erlebt habt als euren nahen starken Helfer von Sünde und Elend!

Herr Jesu, stoß den Leuchter deines Wortes nicht von seiner Stelle! Straf uns nicht mit Mangel deines Wortes! Hilf uns heute, so wir deine Stimme hören, uns von ganzem Herzen zu dir zu kehren, damit du mit neuen Geisteszügen uns antworten könnest und
wir innerlich gesund werden! Amen.

 

15. Februar. 

Matth. 15, 33: Das Himmelreich ist einem Sauerteige gleich. 

Der Sauerteig aber kann nur wirken, wenn er hinuntergestoßen, hineingeknetet wird unter das Mehl. Nicht seine große geschlossene Masse soll imponieren, — es ist nichts zum Zählen und Prahlen da! —-sondern geteilt und zerdrückt muß er werden, daß immer auf ein kleines Teilchen Sauerteig rings drei, vier Mal soviel Mehl kommt, das er dann durchsäuert. Und da wundern sich die lieben wahren Christen noch, wenn ,,ihr Leben verborgen ist mit Christo in Gott« Es muß ja gerade die Wirkung ihres neuen Wesens dadurch zustande kommen, daß sie rings umgeben sind von ,,Welt«, hineingestoßen werden in weltförmige Verhältnisse. Dann wird die Wirkung eine erst innerliche, unsichtbare sein, es soll eine neue Christusluft geschaffen werden, in der die Pflanzen, die ,,mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat«,sich nicht mehr mit Behagen entfalten können, sondern zu Grunde gehen müssen. Wir müssen in gewissem Sinn in die Welt ausgehen, damit sie anders werde; wir dürfen dazu leiden und zertreten werden, aber haben eben keinen sichtbaren Glanz und Sieg zu beanspruchen! Das ist nichts für fleischliche Begeisterung und die Sucht nach äußerem, sichtbaren Erfolgen, sondern schlägt all dergleichen Stürmen und Drängen zu Boden. Der Erfolg des Heilands wird um so größer sein, je mehr wir es uns schenken ließen, zerteilt, zerdrückt und verborgen zu sein!

Herr unser Gott, laß es dir gefallen, auch unser schwaches Leben als ein Opfer anzunehmen, eine Selbstaufgabe, damit du uns hineinmengen kannst in die Welt! Wirke durch uns die Erkenntnis deines lieben Sohnes auch in denen, die noch fern sind! Wir
wollen, was du willst.Hilf unserm schwachen Willen. Amen.

 

16. Februar

Luk 8,40. . . .denn sie warteten alle auf ihn

Das läßt sich verstehen! Wer nach all dem wesenlosen, blassen Geschwåtz der Schriftgelehrten Jesu Predigt gehört hatte, Jesu Taten erlebt hatte, — der mußte sein Weggehen schmerzlich empfinden und sehnsüchtig auf ihn warten. Haben wir auch so viel von
Jesu Gegenwart und Nähe verspürt, daß uns alles schal wird, wo er nicht drin ist? Sind wir wirklich so weit in seiner Erkenntnis gekommen, daß wir nur auf ihn warten? Ich sah einst eine einsame kleine Eisenbahnstation in der Steppe, wo nur zwei Mal am Tag ein Zug anhält. Alle Angestellten dieser Station, alle Einichtungen daselbst, alle Fremden sind nur für den kurzen Augenblick da, wenn er kommt, der Leben und Interesse in ihre schweigende, stumpfe Stille bringt, — der Zug! Ist deinem Leben Jesus so alles geworden, daß du wartest auf ihn? Jetzt in den Stürmen und Nöten, oder in Gottesdiensten und Andachten, — wartest du auf ihn? Warten und Warten ist noch ein Unterschied. Es gibt ein starkes, gewisses, mutiges Warten, das sich an die Hoffnung fest angeklammert hält und darum auch über dem Warten keine Arbeitszeit verträumt. Dann aber gibt es ein verzagtes, müdes Warten, eine in die Länge geflossene Ungeduld, wo eben nichts geschieht und nichts von Kraft und Hoffnung einen belebt. Sieh zu, wie dein Warten beschaffen ist. Aber das Wörtchen ,,alle« hat mir noch einen Sinn. Wenn sie erst alle auf ihn warten, alle für ihn da sind, — wenn die ganze Brautgemeinde klar darüber geworden, daß sie nur auf ihn zu warten hat, dann wird er wiederkommen, wie wir ihn brauchen«. Der Geist und die Braut sprechen: Komm! und wer es höret, der spreche:

Komm! Ja, komm Herr Jesu! Amen.

 

 

17.  Februar.

Luk. 8,16: Niemand zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäße, oder setzt es unter eine Bank; sondern setzt es auf einen Leuchter, aus daß, wer hineingehet, das Licht sehe.

Niemand zündet ein Licht an, dazu, daß es zugedeckt werde. Dann tut Gott das auch nicht. Und er zündet kein Licht dazu an, daß es verborgen zu Grunde gehe. Sei gewiß, wenn er in dir ein Licht angezündet hat, dann geschah es dazu, daß es auch leuchte. Sein Licht muß und wird leuchten, — anders zündet er kein’s an. In diesem Zusammenhang könnte man sagen: es gibt keine heimlichen Christen und man habe nicht viel von einem Christenleben zu halten, da es heißt: mir ist meine Religion zu heilig, als daß ich darüber mit andern sprechen könnte. Licht muß leuchten, – das ist sein Recht und seine Pflicht; darin, daß es leuchtet, liefert es ununterbrochen den einzigen durchschlagenden Beweis für sein Dasein. Erzählen und rühmen von dem, das man erfahren, — das ist noch nicht leuchten; — es ist viel Gerede vom Licht und wenig Heiligkeit und Wärme in unseren Tagen. Das Licht müssen die anderen merken; es muß sich ihnen mit der Wucht einer inneren Überzeugung aufdrängen, daß hier ein Herz und Leben ihnen gegenübersteht, das nicht alles aus sich, auf natürlichem Wege bekommen hat, — sondern indem Gott ein Licht angezündet hat: sittliche Kraft und Heiligkeit, dadurch sich der Unreine gestraft und gerichtet fühlt! Aber es liegt noch ein anderer heilsamer Gedanke für viele unruhige Leute drin, die da meinen, sie stünden nicht am rechten Platz und würden nicht nach ihren Gaben gebraucht und geschätzt. Wer hat das Licht in dir angezündet? Gott. Nun, dann sei versichert, er weiß ganz genau, wann er dich brauchen kann und wo, und er ist Mann’s genug das durchzuführen, wie er will. Iesu, ströme deine Lichtart aus auf uns, daß wir in diesem Stück dir ähnlich würden: es muß an uns offenbar werden, was Licht ist und Wahrheit vor dir!

Herr, erleuchte uns ganz, damit wir auch anderen leuchten können! Amen.

 

18. Februar.

Luk 8,17: Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, das nicht kund werde und an den Tag komme.

Man bringt sich um die ganze Wirkung eines solchen Wortes, wenn man da gleich an die Gerichtsoffenbarung des jüngsten Tages denken will. Als ob es nicht vorher schon, ein solches Offenbarwerden gebe! Aus heimlichen Geschichten, die einer am liebsten mit ewigem Vergessen begrübe, wird jetzt schon oft sein Gesichtsausdruck und sein Wesen, wie es andere studieren können: wie mancher Zug am leiblichen oder geistlichen Gesichtsbilde stammt von dieser oder jener Lieblingssünde. Ja, die Wirkungen kommen an den Tag. War die Sünde noch so heimlich geschehen, die Wirkung sitzt auf dem Dach,und schreit deine Schande in alle Welt. Es hilft nichts, unter allerlei Heimlichthuerei sich verstecken wollen; Sündengcheimnisse sind schlechte Kinder, die wachsen und schreien, daß man sie nicht verstecken kann. Kommt nun das Lichts des Wortes Gottes an ein Sündenleben, wie unerträglich hell ist da die Offenbarung des Geheimnisses. Daher hassen viele Leute das lebendige Wort Gottes und können die Kirchenluft nicht vertragen. So lang aber heimliche Sünden und Unlauterkeit im Herzen oder in einer Gemeinschaft steckt, ohne daß man sie bekannt und dadurch ans Licht gebracht hat, so lange kann kein offenbarer Gottessegen auf solchem Heucheln und Hehlen liegen. Ausgerissenes Unkraut ist gefahrlos, weil seine Wurzeln am hellen Tage vertrocknen!

Lieber Heiland, wir bitten dich um das einzige Mittel, das wirklich gegen unsere bösen Sündengeheimnisse hilft: vergib uns alle Sünde und reinige uns von allem, bösen Wesen, so daß wir nichts mehr zu verbergen brauchen, weil wir ganz im Lichte sind?
Amen.

 

19. Februar.

Luk 9,53: Und sie nahmen ihn nicht an, darum, daß er sein Angesicht gewendet hatte zu wandeln gen Jerusalem.

Wie Tag und Nacht nimmt sich das Samaritervölkchen aus: das erste Mal (Joh. 4) ist große Begeisterung über den Herrn Jesus vorhanden und jetzt wenden sie sich von ihm ab, weil er nicht bloß Samariterheiland sein will, sondern nach Jerusalem zieht. Parteiinteresse ging ihnen über alles, und darum bringen sie sich um den Segen eines Besuches Jesu. Wie oft gleichen wir ihnen noch heute! Man kanns noch immer nicht vertragen, daß der Heiland außerhalb unserer Kirche oder Gemeinschaft auch wirklich noch ernste Anhänger habe oder wirklich etwas Ernstes wirken wolle. Wie ungerecht macht das gegen den Herrn und gegen die Brüder! Wie viel reicher wären wir und wie viel gesegneter ständen wir da, wenn wir uns freuen könnten über Jesu Siege und Jesu Wirken, einerlei, ob’s bei unserer Kompagnie geschehen oder bei andern. Ist doch sein, die Sache und die Ehre und es gibt keine Verheißung, daß er sein Wirken an eine Tandeskirche oder die Kirche der reinen Lehre oder irgend eine gläubige Gemeinschaft gebunden sein lassen wolle! Wenn Jesus seine Gnadenzeit bald hier bald dort verklärt, dann freu’ dich der Barmherzigkeit, die andern widerfährt! Ja, es kann gar nicht anders sein, wenn wir selbst wirklich zur seligen Freude am Herrn hindurchgedrungen sind, als daß wir uns freuen müssen, daß andere jetzt gesegnet werden. Darum bitten wir dich, du König der Deinen, siege, segne, wo und durch wen du willst! Nicht auf unsere Ehrenstellung soll es ja ankommen, sondern auf deine! Reinige uns von den häßlichen Flecken des geistlichen Neides und der Empfindlichkeit der Welt! Amen.

 

20. Februar.

Luc. 10,32: Desselbigengleichen auch ein Levit.

Es wird wohl mit Recht angenommen, daß sich der Levit nach seinem Herrn Vorgesetzten, dem Priester, gerichtet habe und daher eben so unbarmherzig an dem unter die Mörder Gefallenen vorüber gegangen sei. Aber warum fragt man sich nicht, woher das schlechte Beispiel im Christentum oder der Heiligung oder der Liebesübung so viel schneller und stärker zu wirken pflegt, als das gute? Das ist eben eine beschämende Beobachtung für uns. Wir merken daran, daß wir gleichsam froh sind, die Entschuldigung des schlechten Beispiels zu haben: innerlich fällt uns das Unbarmherzigsein, das Nachlässigsein, das Trägesein, das Nichtstun viel leichter. Wer aber denkt weiter daran, daß auch unser Tun eine Entschuldigung für andere ist, ja in der Kette ihrer Erwägungen oder ihrer inneren Kämpfe den verhängnisvollen Ausschlag zum Bösen geben kann! In diesem Zusammenhang ist nichts unwichtig oder bedeutungslos und wir müßten eigentlich stets auf der Höhe des neuen Wesens sein, damit nicht unbeachtete Worte oder Werke andern den gewünschten Vorwand böten: »Wenn der das thun kann, den ich doch für viel frömmer halte, kann ich’s zehn Mal thun! Ich bin ja nur ein Levit!« Wer mag alles so hinter dir her gehen und heute auf dein Tun achten, ums ebenso zu machen? Achte auf deine Unterlassungssünden! Sie scheinen dir ganz gering zu sein; aber durch sie wird der Fußsteig für die Andern  glatt, daß sie hinfallen und sich im Geistlichen weh tun!

O, Herr Jesu, lehre uns die kleinen Gelegenheiten achten und nützen, damit wir für die Höhepunkte, da du uns auf weithin sichtbarer Stelle brauchen willst, auch wirklich reif werden! Amen.

 

21. Februar.

Luk 12,, 20: Du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.

Wie kann doch eine Unternehmung oder Entscheidung eine ganz andere Beurteilung erfahren, als man dachte, dadurch, daß es die letzte Sache vor dem Ende wird! Was für’s Erdenleben Klugheit schien, wird, wenn wir heute sterben müssen, Narrheit, was Wert hatte, wird dann hinfällig, was uns eben noch Nutzen zu bringen versprach, schlägt in Schaden um. Da nun niemand weiß, ob dieserTag nicht mit ,,dieser Nacht« unseres Textes schließt, da die Seele von ihm gefordert wird, sollte eigentlich jedermann sein Leben vom Standpunkt des Sterbens aus einrichten. Was nicht für die Ewigkeit Wert hat, was deine unsterbliche Seele nicht als ihren Besitz, ihre Ausgestaltung und Bereicherung mitnehmen kann, das müßte alles in die zweite Linie der Wichtigkeit zurückgestellt werden. Was ihr aber für die Ewigkeit gar Schaden brächte, darf dann nicht mehr geduldet werden. Wie anders würde unser Benehmen und Erleben sich dadurch gestalten! Wie schrumpften dann die aufregendsten Geschichten zu Eintagsfliegen zusammen, wie wenig bedeuteten dann manche Sorgen und Schmerzen, manche Freuden und Fragen! ,,Ewigkeit in die Zeit leuchte hell hin, daß uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine!« Und ist das nicht die einzig richtige Beleuchtung? Bleibt.sie doch in Ewigkeit.

Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, aus daß wir klug werden! Zeige uns im Licht der Ewigkeit den wahren Wert unserer Tage und die eigentliche Bedeutung ihrer Plagen, die sie mit sich führen. Amen.

 

22. Februar.

Luk. 12, 29: Und fahret nicht hoch her.

Diese Mahnung des Herrn steht mitten zwischen den Verheißungen uns im Irdischen helfen zu wollen. Wohl will er alle Sorge um unser irdisches Auskommen uns abnehmen, wohl will er helfen und segnen über Bitten und Verstehen, — aber wir dürfen dabei unsere Grenzen nicht überschreiten. Wir spüren es wohl, wenn anders unser Gewissen überhaupt in der Zucht des Geistes steht: Hier oder da ist die Grenze, die unser Stand oder unsere Stellung uns zieht; drüber hinausgehen mit unseren Ausgaben und Anschaffungen dürfen wir nicht. Es könnte sonst das Vertrauen auf die Hülfe des Herrn jedem Verschwender und Schlemmer zur willkommnen Bestärkung in seinem Treiben dienen. Je schlichter rund kindlicher wir es lernen, im natürlich wahren Umgang mit dem lebendigen Gott zu leben, desto deutlicher werden wir nicht nur seine Hülfstaten erfahren, sondern auch desto klarer wird jene Erziehung des inneren Taktes sich auswirken, was uns erlaubt ist und was nicht. Wir werden es an jener heimlichen Unruhe merken, die bei jeder Überschreitung dessen, was uns freisteht, sich einstellt; die stört das Gebet und verstimmt die Seele. Achten wir
aber auf solche Winke und geben dem Ziehen des Geistes nach, dann wird der Herr seine Verheißungen an uns wahr machen.

O, Herr Jesu, ziehe uns in die heimliche, innere, starke Gemeinschaft mit dir, damit wir dir ganz vertrauen. Aber wir bitten dich auch: erziehe uns in der Freiheit der Liebe zum Gehorsam des Geistes in allen Dingen! Amen.

 

23. Februar.

Luc. 13, 8: Herr, laß ihn noch dies Jahr!

Wer wäre noch nie erschüttert worden durch den Ernst dieses Gleichnisses vom unfruchtbaren Feigenbaum! Ja, der bloße Gedanke, daß in der unsichtbaren Welt heute eine Entscheidung darübergefällt werden könnte, ob ich noch leben soll oder nicht, ist schon dazu angetan, uns plötzlich nachdenklich zu machen. Kommt uns dann die fürbittende Liebe und gnädige Geduld unseres Hohenpriesters, Jesus, in die Empfindung, daß wir es nur ihm verdanken, wenn längst verdiente Gerichte noch aufgehalten werden, — nicht wahr, dann wird aus dem Nachdenken ein Danken, eine Bewegung dankbarer Liebe auf Jesum hin. Das aber kann der Anfang der vom Himmel her gehofften Besserung werden, —- das ist eine Fruchtknospe, die sich ausbilden kann zur gewünschten Frucht, der Tat. Ach, wenn es uns doch so wichtig würde, gerade dieses Jahr, das wir eben leben; —– daß wir es doch an seinen einzelnen Tagen ansehen lernten als die letzte Gnadenzeit, die uns nur noch gegeben ist auf Jesu Fürbitte hin: Laß ihn noch dieses Jahr! Wenn nicht, wenn die Gnadenzeit ungenutzt verstreicht, dann wird sie als neue Belastung auf unsere Rechnung gesetzt werden. O was steht dann dort schon alles! Womit willst du dich entschuldigen, wenn du vor den ewigen Richter kommst? Wie furchtbar wird die Reue sein, diese letzte Gnadenzeit nicht ausgenutzt zu haben!

Ich bin nicht wert, Herr,all deiner Barmherzigikeit und Geduld. O, hilf mir heute noch damit vollen Lebensernst machen, daß ich mich dir hingebe, damit deine Kraft in mir Früchte hervorbringen könne, zum ewigen Leben! Amen.

 

24. Februar.

Luk 14,18. . . ich bitte dich, entschuldige mich!

Auch hinter dieser leichtsinnig oder frech angebrachten Bitte liegt das Schuldbewußtsein in unruhigem Schlummer. Es ist ihnen in dem Augenblick, wo der Ruf Gottes ihr Herz traf, klar geworden: es wäre Unrecht, Schuld, dem Rufe nicht zu folgen. Nachher begann erst der innere Kampf zwischen der Nötigung des Gewissens, dem Rufe zu folgen, und der Liebe zur Sünde, die Riegel um Riegel erfand, die Tür gegen eine wirkliche Entscheidung zu verschließen. Wie schließlich der Wille, der Lust zuneigend, sich innerlich abwandte von Gott, drang’s wie ein Stachel in’s Gewissen: Du hast eben erst Todsünde auf dich geladen! Alle früheren Sünden sind nichts gegen die eine, Gottes Ruf verspürt — und abgelehnt zu haben! Aber geschehen ist’s, — soll man da nicht wenigstens versuchen das Unrecht in etwas zu leichtern, daß man mit der Bitte um Entschuldigung die Quittung darüber ausstellt, daß man sich schuldig fühle? Darin liegt aber auch schon der Keim der Selbstanklage, die einst als Strafe der Ablehnung der Gnade, furchtbar sich entwickeln wird. Wer soll ,,entschüldigen«, einen von der Schuld befreien, wenn man den einzigen Schuldentilger, Jesum, abgewiesen hat? Gerade die Ablehnung ist die Schuld, die durch keine Entschuldigung abgetragen werden kann. Es gibt nur eine wirkliche Entschuldigung, die gut tut, daß man nämlich selbst kommt und um Verzeihung bittet, daß man nicht schon längst gekommen ist!

Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, daß du uns deine Gnade in Christo an die Seele gebracht hast, und bitten dich, behüte uns davor, daß wir deine Barmherzigkeit gering schätzen! Wenn du kommst, um uns segnend zu begegnen, dann laß uns darauf achten mit brennendem Herzen! Amen.

 

25. Februar.

Luk 15,6: . . . Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Mit einem Andern leiden, kommt schon selten von Herzen; aber sich mit einem Andern selbstlos freuen, ist noch viel seltener. Eltern freuen sich bei einem Glück ihrer Kinder, weil sie sich darin selbst beglückt fühlen. Was ist das für eine geheimnisvolle Freude bei den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut? Selbst im Glück des Anschauens Gottes, in der Seligkeit seiner Liebe sich befinden, — das lehrt sie sich auch darnach sehnen, was das Hauptinteresse im Himmel, das Tagesgespräch im Paradiese ist: nimmt die arme Menschenwelt die Gottesgnade an oder nicht? Wem diese Frage auch groß und bedeutend über alle Erdenfragen geworden -ist, wer sich in Gebet, Arbeit und Leiden an der Lösung derselben beteiligt, der lernt etwas ahnen von dem seligen Glück über anderer Bekehrung. Bei uns Menschen kommt noch hinzu, daß wir selbst verloren waren, und wir das Gefundenwerden selbst durchgemacht haben müssen, ehe wir uns darüber echt und ganz freuen können, wenn Jesus wieder Einen gewonnen hat! Hast du dich nie wirklich darüber gefreut, dann, fürchte ich, hat man sich im Himmel über dich auch noch nie in diesem Sinne freuen können und dann hast du allen Grund, endlich einmal dich finden zu lassen, du armes verlorenes Kind! Hat er dich aber gefunden, dann schlägt er den Ton der Freude über solchen Fund an, und das kannst du vor Glück und Beschämung nie wieder vergessen: Er
freute sich über mich!

Nun, dann bitten wir dich, Herr Jesu, laß den Ton deiner Freude auf Erden widerklingen, daß wir uns mit dir freuen lernen und alles aufbieten, um dir solche Freude wieder zu verschaffen! Amen.

 

26. Februar. ·

Luk 15,14: …. er fing an zu darben.

Leiblich tuts schon weh, wenn man früher es besser gehabt und nun auf ein Mal geht’s, ob mit oder ohne eigene Schuld, rasend abwärts. Wie furchtbar aber ist die Erkenntnis: es geht deiner Seele immer schlechter! Du bist auf abschüssigem Pfade. Immer weniger Gottesgemeinschaft, immer weniger Friede, immer weniger sittliche Kraft gegen mancherlei Versuchung —- das ist ein erschütterndes Darben der Seele. Wer so etwas an sich merkt, braucht auf keinen Bußprediger mehr zu warten. Für den wäre es heute schonhohe Zeit, daß er sicht aufmachte um sich zu ändern. Leider spüren aber viele ihr geistliches Verarmen lange nicht so deutlich, als einen Mangel im Leiblichen. Wenn sie es aber gar nicht merken und durch keine Veranstaltung des treuen Gottes mehr sich darauf hinweisen lassen, dann gibt’s auch keine Hilfe mehr. Dann werden sie einst im Sterbestündlein entsetzt vor ihrem Bankrott stehen. Darum achte mit feinem Gefühl darauf, ob du am inwendigen Menschen zunimmst oder abnimmst, ob du da darben mußt und weshalb! Bisweilen muß auch für Gotteskinder der geistliche Brotkorb höher gehängt werden, damit sie merken, daß dieses tägliche Brot nicht ohne unser Gebet allen bösen Menschen gegeben werde!

Herr Jesu, du hast unseren Leichtsinn auf dich genommen und gebüßt mit dem Leiden deiner Seele. Nun bitten wir dich, laß deine Hilfe uns offenbar werden, daß wir erkennen unsere Armut und deinen Reichtum und uns von dir segnen lassen mit himmlischen Gütern und geistlichem Segen. Amen.
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27. Februar

Luk 15,17: Da schlug er in sich.

Ein kurzer Weg! Und wieviel Menschen reisen lieber Tausende von Meilen auf der Flucht vor ihrem Gott, als daß sie diesen einen kleinen Schritt in sich hinein zu machen wagten! Das kommt daher, weil sie sich fürchten, da drin ihrem Gewissen Stand halten zu müssen, sich selbst anzuklagen, vielleicht auch das ganze bisherige Leben und Treiben ändern zu müssen. Man kann ohne Ubertreibung sagen, dass das wirkliche Erleben Gottes, die sämtlichen geistlichen Gaben des Christentums, der Friede der Seele und Freude im heiligen Geist, — alles das nicht ohne diese Eintrittskarte zu haben sei, daß man erst in sich gegangen. Bevor wir uns selbst nicht in dieser Weise richten, wird unser Geistesauge gar nicht in den Stand gesetzt, göttliche Dinge richtig zu sehen. Gib mir lauter Menschen, die wirklich ehrlich und von ganzem Herzen in sich gegangen sind, dann will ich sie alle bekehren und zur Annahme des Heils in Christo bringen! Aber erst wirkliches Insichgehen! Dann ist bald geholfen, denn der Vater des verlorenen Sohnes und aller verlorenen Menschenkinder wartet schon lange mit brennenden Herzen und sehnsüchtig ausgebreiteten Armen auf seine Kinder!

Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, zieh uns immer, wenn wir wieder nachlässig geworden sind, durch das Gericht der Buße zu deinem Sohne, damit er uns reinige und heilige und uns als die Versöhnten vor deine Augen stellen könne! Amen.

 

28. Februar.

Luk 19,10: Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.

Wenn wir schon sehr lange Kenntnis von einem Vorgang oder einer Wahrheithaben, so ist damit noch nicht gesagt, daß wir sie verstehen oder daß wir auch im Verständnis derselben gewachsen sind. Bei der Wahrheit obenstehenden Textes gilt das aber besonders und so lange von allen, bis sie nicht als die Verlorenen am Boden lagen und erlebten, wie des Menschen Sohn heute noch sich über ein jammerndes Menzschenherz beugt und es zurecht bringt! Daß jemand sich vor allen. Dingen mit solcher Arbeit als seinem Lebenszweck beschäftigt, würde uns unverständlich oder sinnlos bleiben, wenn, wir nicht selbst den herrlichen Segen solcher Arbeit an uns erfahren hätten. Wie nun, wenn er nach solcher Erfahrung sich zu dir umwendet und spricht: ,,Gleichwie mich der Vater gesandt, also sende ich dich jetzt auch! Zweck· und Krone, Inhalt und Frucht deines Lebens soll von jetzt an auch sein, daß Verlorene durch dich gerettet werden. Weißt du etwas Demütigenderes, als solch eine Aufgabe, wenn du sie vergleichst mit deinen geheimen Gedanken, Sorgen, Träumen, Hoffnungen? Wie selbstsüchtig ist das Meiste dieses Denkens! Auch, wenn wir selbst wirklich gerettet find und gern etwas thun möchten zu Anderer Rettung begegnet uns immer wieder allerlei selbstsüchtiges Vorgehen. Wollen wir Retter werden, müssen wirs zuerst innerlich geworden sein

Ach, Herr Jesu, ich bin dir nicht dankbar genug gewesen nach der Rettung, die ich erlebt! Und ich bin heute« noch nicht treu genug und warm genug .dazu, daß du mich brauchen könntest zum Retter Andrer! Rette mich nochmals, aber dieses Mal vor mir selbst, daß ich dir nicht länger mit·meiner Trägheit im Wege stehe! Amen.

 

29. Februar.

Joh. 4,42: Wir glauben nun hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selbst gehört und erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland.

Das sind verschiedene Stufen: auf der Kinder- und Anfängerstufe muß man solche Vermittlung haben, Menschen, auf deren Autorität hin man glaubt; später muß das anders kommen. Es muß eine eigene UberzeugUng. von Christo und seinem Heil in mir entstehen; ja eine ganze Kette von Erlebnissen und Erkenntnissen bildet sich, so daß nicht nur selbst unabhängig von andrer Glauben glaube, sondern, daß ich für andere ein Grund zum Glauben, ein Haltepunkt und Stütze im Glauben werde, bis sie auch selbstständige Gläubige werden können. Will man aber von Anfang an schon denen, die uns Jesum anpriesen, nicht glauben, wie wills es dann zum keimartigen Glauben kommen, der sich später so kräftig entwickeln soll! Darum sind wir» dankbar, denen
gläubige Eltern, tüchtige Pastoren oder Lehrer das Wort so gesagt haben, daß sie damals auf deren Zeugnis hin, jetzt auf eigene Erfahrung hin glauben konnten! Aber das eigene persönliche Erlebnis wird keinem erlassen; das kann kein andrer für ihn durchmachen. Selbst hören und erkennen müssen wir, was wir an diesem Jesus haben, was er gerade unserer Seele sein will und sein kann. Gott segne dir dieses Erlebnis!

Ich bins nicht wert, lieber Vater im Himmel, daß du mich so frühe schon auf mancherlei Weise zu dir gezogen hast! Gib mir nun deinen Geist, damit ich dir recht diene und Andern helfen kann, zum Glauben an dich zu gelangen! Amen.