Andachten (Dezember)

1. Dezember

Joel 5,1: Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch.

Das ist nicht nur ein Wort für Pfingsten, sondern auch für Advent. Denn wenn unsere ganze jetzige Zeit Adventscharakter, —- Vorbereitungszeit haben soll für Jesu großes Wiederkommen in Herrlichkeit, dann versteht es sich von selbst, das jetzt nicht eine Gestalt wie der Bußprediger Johannes diese Vorbereitung in der Hand hat, sondern der heilige Geist selbst. Das ist die weltweite, alles umfassende Zurüstung, daß in alle Verhältnisse und alle Völker hinein der scheidende und reinigende Geist dringen soll, damit die Welt es merke: Es gilt aus dem Traum des Diesseits zu erwachen und einen kommenden Herrn und Richter, Arzt und König zu erwarten. Alle Strahlen müssen sich wie in einem Brennpunkt sammeln auf diese eine Wundergestalt, die alle Rätsel der Weltgeschichte wie deines eigenen kleinen bangen Herzens lösen soll: Jesus, der da wiederkommt. Sein Geist muß zuerst Stimmung, Luft, Terrain für ihn schaffen, daß kein Raum mehr sei, da er sich nicht offenbaren könne als den Helfer und Herrn? In diesem Sinn sollen uns Adventsglocken willkommen sein in aller Welt, wer sie auch immer läute!

Herr unser Gott, du willst das Reich deinem Sohne offen vor aller Welt mit Macht und Herrlichkeit geben. Sende dazu deinen Geist über die Menschenherzen und laß ihn kräftig wirken zur Klärung und Scheidung ihrer Geister! Amen.

 

 

2. Dezember.

Matth. 5,1:  Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes.

Jede Zeit, jedes Herz muss in gewissem Sinn wieder seinen Johannes haben, der Jesus Einzug und Wirksamkeit den Weg bereiten muß. Wie soll man auf Gnade achten, Gnade verlangen, wenn einem die Sünden und das eigene Verlorensein noch nicht klar geworden ist. Diesen Johannesdienst kann bisweilen eine Krankheit, eine Demütigung, eine bittere Enttäuschung uns leisten, daß man erst wieder lernt die Augen an die Dunkelheit im eigenen Innern zu gewöhnen, bis man da  die Abgriinde der Verdorbenheit erkennt und die Missgestalt der eigenen Seele, in die man doch so verliebt war. Dann kann ein Wort Gottes wie flammendes Licht den Zusammenhang zwischen diesem Zustand und der Schuld uns zeigen, und die Sehnsucht nach Hilfe erwacht nach satter, toter Selbstzufriedenheit mit ungestümer Gewalt. Dann ist die Vorbereitung des Johannesdienstes erst zu Ende; jetzt kann der austreten, der holdselig tröstet und liebevoll trägt, Und der mit Gnade und Erbarmen neue Lebensregung in der Wüste des jüdischen Landes schaffen kann. Jesus selbst. Und auf ein wirkliches Begegnen unserer Seele mit ihm, auf ein Erleben seiner Nähe und Liebe kommt doch schließlich alles an.

Ja, Herr, wenn wir dich nicht hätten! Wenn du nicht immer wieder den Wunderanfang in uns machtest, wir wären längst verkommen in unserer Selbstgenügsamkeit. Jesu, nimm uns immer wieder aufs neue in deine Hände! Amen.

 

 

3. Dezember

Jerem. 50, 20: Zur selbigen Zeit wird man die Missetat Israel; suchen, spricht der Herr, aber es wird
keine da sein, und die Sünde Judas, aber es wird keine gefunden werden.

Was wird das für eine herrliche Zeit sein! Jetzt braucht man nicht lange zu suchen, um ein jedem Menschen allerlei Sünde zu finden. Und doch ist ein Teil der Weissagung jetzt schon erfüllt. Denn wer wirklich im Glauben durch des Lammes Blut Vergebung seiner Sünden genommen hat, ist jetzt schon vor Gott so rein, daß man an ihm keine unvergebene 5ünde mehr zu finden braucht. Aber die Sünden hängen und kleben mit ihrem unteren Ende noch an uns fest. Vom Himmel her ist der Strick zerrissen und der Vogel frei. Nur hier unten schleppen die abgerissenen Sündenketten uns noch klirrend nach nnd verursachen noch manches Herzeleid und»manchen neuen Kampf. Wie anders wird darum der Zustand der vollen, wirklichen, spürbaren Erlösung von aller Stände sein! Gerade wir, die wir des Geistes Erstlinge haben und den Frieden mit Gott durch Jesum dankbar genommen haben, sehnen uns doppelt nach der vollen Freiheit und der ganzen Reinheit im Licht der Vollendung! Darum mahnt uns die Adventszeit, uns zu rüsten und zu strecken nach dem Kommen des Herrn, da er seine ganz gereinigte Gemeinde wird alle seine Liebe schmecken lassen können!

Ja, Herr Jesu,du bist’s allein, auf den wir unser ganzes Vertrauen und unsere Hoffnung setzen! Du bist unsere vollendete Reinheit und verbürgst uns den vollen Sieg! Ja, komm Herr Jesu! Amen.

 

 

4. Dezember

Luk 14, 54: Das Satz ist ein gutes Ding; wo aber das Salz dumm wird, womit wird man’s würzen?

Gewiß ist das Salz ein gutes Ding, und das Christentum in der Welt ist derselben gerade so unentbehrlich, wie das Salz im Irdischen. Hier aber ist die Rede von der Gefahr, die dem lebendigen Christentum droht, schlaff und welk, kraftlos und wertlos zu werden. Wodurch geschieht das? Wenn man den Zusammenhang nachliest, merkt man an den beiden Gleichnissen vom Turmbauen und vom Krieg erklären, daß der Herrr warnt vor dem falschen Eifer, indem voreiligen Jüngertum, dem jugendlich-unbesonnenen Bekennen, ehe man innerlich gegründet nnd gefestigt ist im Herrn. Hat man sein Pulver vor der Zeit verschossen, steht man beim Ansturm der Feinde wehrlos da. Hat man mehr mit seiner Salzkraft zu durchdringen übernommen, als man durfte, wird das Salz dumm. Mehr geistliche Ausgabe als Einnahme führt zum Bankrott. Wieviel Christen mögen wohl in diesem Sinn über ihre Verhältnisse gelebt haben, daß der Gesamtwohlstand der christlichen Gemeinde so tief herabgegangen ist, daß wir so viel wertloses, totes, dummes Salz haben, das zu nichts nützt! Womit soll man es, nämlich dieses um seine eigentliche Kraft und Art gebrachte Christentum, wieder lebendig machen? Es hat oft schon den Mut verloren, noch einmal anzufangen; es hat das Verständnis und die Teilnahme verloren, es geht zu Grunde!

Das ist Seelengefahr, Herr Jesu! O laß uns nicht uns selbst täuschen, als wären wir zu großen Dingen berufen, die wir, die kleinen, nicht einmal treu und ganz versorgen konnten! Herr, erbarme dich unser und mach uns treu und wahr und schlicht und klein! Amen.

 

 

5. Dezember.

2. 5am. 10, 12: Sei getrost und laß uns stark sein für unser Volk und für die Städte unseres Gottes.

Getrost sein, das macht schon stark, Mutlosigkeit, Trostlosigkeit ist schon Schwäche. Worauf soll aber der Trost beruhen, der hier Davids Krieger zu kühnem Kampf entflammt? Das Geheimnis liegt nicht in der Begeisterung für »unser« Volk, obschon der weltliche Dichter davon spricht, daß die Wurzeln unsrer Kraft im Vaterlande ruhen, — sondern in dem Wörtlein »Unser« vor Gott! Ja, wer einen Gott so sein eigen nennen kann, wer sich selbst einem Gott so zur eigen gegeben hat, daß er weiß; dieser Zusammenhang ist stark und wird auf keinen Fall reißen, -—- der kann hohen Mut hegen mitten im Leide und kann Kräfte spüren in der äußersten Schwachheit von Leib und Seele. Denn Gott wird nicht erschüttert. Bin ich mit ihm verbunden, dann wirft mich alle Not nur um so entschiedener und völliger auf ihn und der ganze Ansturm von Aussen hat nur die Wirkung, daß mir selbst und andern wieder recht klar zum Bewußtsein kommt, was für einen Halt und Trost ich an meinem Gott habe. Aus solchem Erleben quillt dann auch die praktische Kraft im rauhen Geleise des Alltags auszuharren und in allem Kampf zu siegen. Solcher Sieg aber soll nicht nur mir zu Nutze sein, sondern auch den Städten, — Arbeiten und Anliegen — unseres Gottes!

Herr, stärke uns den Glauben! Verdoppele du die Ankerkette unseres Vertrauen; auf dich. Bist du fest, mach uns auch unerschütterlichl Halte uns, deine schwachen Kinder in deinen starken Händen, die alles Herzleid wenden und endlich den Sieg behalten müssen! Amen.

 

 

6. Dezember.

Josua 24,22: Ihr seid Zeugen gegen euch ihr selbst euch Jehova erwählt habt, ihm zu dienen

Oder ist das etwa bei uns nicht der Fall? Haben wir denn in unserem Leben keine solchen Stunden erlebt, da unsere Seele bebte in Schuld und Schmerz, da wir uns heimlich ihm zu Füßen warfen und flehten um Erbarmen, da wir uns ihm anboten mit Tränen der Reue und wirklich gelobten uns zu bessern? Oder haben wir denn bisher, unser Leben zugebracht, ohne daß der treue Gott sich wunderbar unser annahm? Daß er uns Genesung aus schwerer Krankheit, HiIfe in äußerer Not, Segen und Freundlichkeit die Fülle geschenkt hat? Sind nicht alle jene Stunden Zeugen gegen uns selbst, wenn wir je wieder laß und lau uns von ihm entfernen wollten? Die besten und wertvollsten unter allen Lebensstunden waren jene, die aus irgendwelcher Veranlassung dicht vor ihm zugebracht wurden; diese kommen und klagen uns an, wenn wir undankbar und leichtsinnig, kleinmütig oder übermütig ihm den Rücken kehren wollten. Es braucht keiner fremde Zeugen, – das eigene Erinnern muß mächtig aufgerufen werden, dann wird der Wanderstab, den der verlorene Sohn schon in die Hand nahm um ferne über Land zu ziehen, ihm aus der Hand fallen und er wird demütig wiederkehren und sprechen: Vater vergib! Ich kann dich nicht verlassen und betrüibenl Ich bleibe bei dir! Ich bin dein.

O du barmherziger treuer Gott! Wir danken dir, daß du uns selbst willst brauchen gegen uns, damit wir uns selbst nicht den größten Schaden zufügen und dich durch Sünde und Abfall betrüben. Nimm uns, halte uns und behalte uns bei dir. Amen.

 

 

7.  Dezember

Ephes 2,14: Denn er ist unser Friede.

Jesus ist unser Friede, d. h. in seiner Person ist der Friede zwischen Gott und Welt, zwischen Gesetz und Tun, zwischen Gewissen und Wirklichkeit verbürgt, gegeben, geworden. Auf Grund dieser seiner ewigen Stellung kann er sehr wohl auch Friede zwischen Mensch und Mensch sein. Denn was reißt die Menschheit mehr auseinander, als Sünde und was hilft besser gegen die Sünde, als Jesus? Zwei Menschen, die sich eben wirklich, jeder für sich, in Christo Jesu wissen, im
Vollbesitz der durch ihn gewordenen Versöhnung und Vergebung, dürften darum untereinander nicht um geringfügiger Ursachen willen Streit haben. Und doch, wie die Kinder desselben Vaters gleich nach dem Essen, wo sie still und gesegnet an demselben Tisch gesessen und sich der gleichen Liebesgaben erfreut haben, nachher wieder um ein zerbrochenes Spielzeug sich balgen, so machen es die großen Gotteskinder oft, genug! Blickt doch beide beim entstehenden Zank und Streit betroffen auf den Einen zurück, der »Unser Friede« ist und die schnellen Wortpfeile, die so viel Herzeleid anrichten, werden im Köcher bleiben und die Welt wird ein Schauspiel weniger haben, »Wie sich die sogenannten Christen untereinander am wenigsten vertragen können«. Jesus ist unser Friede! Darin suche du Frieden zu halten, so lang es nur immer geht!

»Ach, du holder Freund, vereine
Deine dir geweihte Schar,
Daß sie es so herzlich meine,
Wie’s dein letzter Wille war.
Und daß, wie du eins mit ihnen
Also sie auch eines sein,
Sich in wahrer Liebe dienen
Und einander gern erfreu’n.«
Amen.

 

 

8. Dezember

Joh 2,24: Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht, denn er kannte sie aIIe.

Ist das nicht erschütternd und vernichtend für diese ganze Gesellschaft! Ja, kann es eigentlich anders sein? Würde es bei uns, wenn er unter uns lebte, viel anders sein? Daß er uns alle kennt, ist richtig und daß in uns nichts Gutes von Natur wohnt, so daß wir alle wirklich nicht zu seinen Vertrauten taugen, ist auch richtig. Aber es wäre ja aus mit dem Christentum auf Erden, wenn es trotz seines Werkes und Geistes wirklich so geblieben— wäre, daß aus keinen Verlaß wäre. Nein, heute geht’s anders; gerade, weil er uns in unserer ganzen Jämmerlichkeit und Unzuverlässigkeit kennt, nimmt er sich unserer Charakterpflege an durch sein Blut und die Wirkungen seines Geistes. Der einst aus dem schwankenden, hitzigen, vorschnellen Simon den Petrus, den Felsenmann gemacht hat, der aus dem Johannes, der Feuer vom Himmel fallen, lassen wollte, das tiefe, stilleHerz gemacht hat, das bis zuletzt Liebe predigte, derselbe  nimmt auch heute noch den weichen Ton -und formt Ziegel daraus, die in der Glut des Leidens und der Erziehung zu jenen christlichen Charakteren werden, die er als lebendige Steine in seines Tempels Gebäu einfügt. Er schämte sich nicht unser Bruder zu werden und uns Brüder zu heißen, seit wir im Gefühl der eigenen Schwäche uns ihn: ganz übergaben auf Gnade und Ungnade. Seit wir ihm ganz vertrauten, kam die Zeit, daß er auch uns vertrauen, sich und seine Sache uns anvertrauen konnte! Gelobt sei sein Name.

Wir staunen, Herr Jesu, über deiner geduldigen Liebe, die so viel Treue an uns gewandt! Ach mach’ uns zu solchen Säulen, die du hineinsetzen kannst; in’s brausende wogende Meer! Es müssen ja allerorten Säulen sein, damit die Welt nicht bricht! Amen.

 

 

9. Dezember.

Luk 19,13: Handelt, bis daß ich wiederkomme.

Dass er wiederkommen wird, hat er oft selbst bezeugt. Daran läßt sich nach der Schrift keinen Augenblick zweifeln. Das Andere aber wird oft vergessen, daß unser ganzes jetziges Christentum eigentlich unverständlich, unvollständig, unecht ist, wenn es sich mit dem jeweiligen Zustand beruhigen wollte und gar nicht mehr aus die Vollendung seines Reiches auf Erden
warten würde. Die Anfänge des Baues tragen den Keim der Vollendung in sich. Jeder 5trebepfeiler des Doms predigt von der Krönung des Werks in der Turmspitze. Es weisen so viel angefangene Linien auf die einstige Vollendung hin, daß wir uns an unserm Meister versündigen würden, wenn wir weniger ernst und wichtig, als er die Krönung des Ganzen durch seine Wiederkunft nehmen wollten. Bis dahin sollen wir mit dem anvertrauten Pfunde wuchern, — d. h. sein Wort unter
die· Leute bringen, ihm Wege und Bahn bereiten, bis in aller Welt die Erwartung seines Wiederkommens entstehen kann. Dann erst wird er kommen in Herrlichkeit und die Zeiten der Erquickung von seinem Angesicht, auf daß alle Welt erkenne, wie sehr er und wie nur er zum Heil der Menschen gepaßt hat die ganze Zeit. Denn mit diesem Wiederkommen wird alles erfüllt, was sein Wort verheißt!

Darum sehnen wir uns jetzt aus der bangen Zeit, wo du Herr Jesu, bist von uns genommen, nach deiner herrlichen WiederkUnft. Stärke uns die Hände, festige uns die Herzen an den Brücken zu bauen, über die du einherziehen willst als der König der Ehren! Amen.

 

 

10. Dezember

Sacharja 8,13:: Ich will euch erlösen, daß ihr sollt ein Segen sein

Ehe ein Menschenkind in Gottes Hand ein williges und brauchbares Werkzeug werden kann dadurch der Herr andere segnet, muß es allerlei durchmachen. Es muß zuerst heraus erlöst werden aus allerlei irdischen Banden Wir können nicht in Rücksichten auf irdische Karriere, auf Reichtum oder Ehrenstellung verstrickt sein, auch gesellschaftlich nicht an tausend Kleinlichkeiten mit sklavischer Abhängigkeit kleben, wenn der Höchste uns in seine Hand nehmen soll. Alles von dergleichen, was früher Gewinn schien, muß für Schaden und Fessel geachtet und darnach behandelt worden sein. Weiter muß der Herr seine Leute von ihren Sünden in dem Sinn erlösen, daß keine offenbare wirkliche Sünde immer wieder in ihnen den Sieg erhält. Kein Andrer hat mit solchem sittlichen Ernst wie das gläubige Gotteskind zu beten: Errette mich von aller meiner Sünde und laß mich nicht den Narren ein Spott werden. Endlich müssen sie von ihrer alten, zäh« anklebenden Eigenart erlöst werden, daß nicht persönliche Rechthaberei und Absonderlichkeit störend dazwischen tritt, wo der Herr sie zum Segen an Andern setzen will« Wer darum wirklich sehnsüchtig um solche Stellung im Reich Gottes betet, hat »ein Hartes« erbeten und kann sich nicht wundern, wenn er mehr leiden muß, und strenger geführt wird, als Andre, die bloß so eine Art freundlicher Randverzierung im Reich Gottes sein wollen!

Herr, mag’s sein, — wenn du uns nur würdigst deinen Segen selbst zu genießen und auf Andre überzuleiten! Reinige uns, daß wir mehr Frucht bringen und unser Leben ganz dir gehören kann! Amen.

 

 

11. Dezember

2. Kor. 9, 15: Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe.

Es ist bekannt, daß die dankbare Stimmung ein guter Maler ist. Sie überstreicht mit weichem Pinsel und angenehmem Farbenton allerlei Widersprüche und Verdrießlichkeiten; sie gibt Kraft zum Tragen von allerlei augenblicklichen Schwierigkeiten; sie hilft durch die süße Erinnerung über die stolprigen Wege der Gegenwart hinweg und schlägt Brücken zu einer schöneren Hoffnung. Wer hätte nun soviel Stoff zu solcher Stimmung, als der gläubige Christ? Drückt dicht eben auch noch so viel, ragen drohende Angstgebilde der Sorge in dein Leben hinein, — setz’ dich doch dann ganz stille hin und überleg dir, was der treue Gott dir doch schon für eine unaussprechliche Gabe in seinem lieben Sohn geschenkt hat? Erinnere dich jenes Tages (notabene, wenn du überhaupt, einen solchen durchlebt hast !), da du zum ersten Mal dich so selig fühltest in der Vergebung der Sünden und dir wird Dank; genug zufließen, wie Wasser, daß du damit die brennenden Feuer in deinem Fühlen löschen kannst. Wer wieder danken kann, hat den festen Boden der Gottesnähe unter den Füssen und findet sich am Dank überhaupt am schnellsten wieder zurecht. Darum fing ich bei ungeduldigen Kranken oder verzagten Seelen am liebsten die seelsorgerliche Behandlung damit an, daß ich vorschlug: So wollen wir jetzt zuerst danken für das, was sie Herrliches haben! »

Ja, wir sind dir, du treuer Gott, allewege viel Dank schuldig! Lehre uns recht dankbar werden und stets gedenken, was du schon alles an uns gewandt.  Lieber himmlischer Vater, heile unsere Unzufriedenheit und Sorge durch freudiges Danken! Lass deinen Geist uns täglich zum Danken treiben! Amen.

 

 

12. Dezember

Röm. 14, 18: Wer darinnen Christo dienet, der ist Gott gefällig und den Menschen wert.

Worinnen? Das ist doch wichtig; denn wer wollte nicht Gottes Wohlgefallen erlangen und von Menschen wertgeachtet werden? Das sagt der Vers vorher: Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist. Merkwürdig, -— das sind ja gar keine schweren Anstrengungen und sittlichen Leistungen! Das sind Gaben, glückliche Zustände im Besitz des gesunden, fröhlichen Gotteskindes und darin, daß man die hat, soll ein Dienst, Christo geleistet, liegen und dadurch erlangen wir Gottes Wohlgefallen und werden den Menschen wichtig und wert? Gewiß. Christo ist damit der beste Dienst geleistet, wenn man an seinen Jüngern sieht, wie froh und frei seine Gerechtigkeit die Leute macht; Gott hat Wohlgefallen an solchem Wesen, denn dadurch geschieht sein Wille und wird sein Reich gebaut und die armen, oft verzagten und bedrückten Menschlein schätzn am allermeisten ein fröhliches, heiteres Wesen, weil es ihnen so oft fehlt. Wollen wir nicht noch hinzusetzen, daß wir selbst uns am seligsten fühlen, wenn wir so allen zum Wohlgefallen sind? Ach, was sollte man da doch auf der Hut sein, dass die geistliche Gesundheit, die innere Klarheit und Harmonie nicht gestört würde! Wir wären dann auch ohne viel Reden die stärksten Prediger des Evangeliums!

»Du willst uns so haben, Herr unser Gott, und du hast die Gaben, die dazu nötig sind, schon längst für uns bereit. O hilf uns in jedem Fall erkennen, was dem geistlichen Wohlsein schadet, damit wir nur nehmen und wollen, üben und treiben, was uns nützt und dich ehrt! Amen.

 

 

13. Dezember.

Luk. 21, 51: Also auch ihr, wenn ihr dies Alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist.

Der Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf. Wenn auch der Unverstand oft und viel mit der Auslegung der Zeitverhältnisse als sicheren Zeichen der Endzeit sich geirrt hat, wenn auch bisher alle die Berechnungen von Jahreszahlen für den Eintritt von diesem oder jenem geweissagten Zeichen zu Schanden geworden sind, bleibt es nichtsdestoweniger doch die Pflicht der Gläubiger zu achten auf die Zeichen der Zeit; wenn sie wirklich eintreten, wird der heilige Geist alle diejenigen, die darauf mit Ernst und Flehen gerichtet haben, schon überführen können, dass; das oder jenes von den erwarteten Endzeichen jetzt da sei. An der Ausbreitung des Evangeliums in aller Welt haben wir einen Gradmesser dafür, wie man vom Himmel her mit dein Ende eilt; und dann müssen wir sagen, wir stehen nicht weit davon, dass ,,dieses alles angehet.« Licht und Finsternis, Glaube und Unglaube, -— diese.zwei großen Strömungen der Weltgeschichte, sie entwickeln sich in unsern Tagen gewaltig nnd es reift auf beiden Feldern dem Ende entgegen. Immerhin ist es bedeutsam, daß je treuer es eine Zeit oder eine christliche Gemeinschaft mit ihrer Liebe zum Heiland meinte, desto reichlicher beschäftigte man sich mit den letzten Dingen und desto wärmet rüstete man sich darauf, dem Herrn als seine Brautgemeinde wohlbereitet entgegen zu gehen.

O Herr Jesu, wir sehnen uns nach der Vollendung aller Dinge! Wir warten auf deinen Tag! Fache du die Liebesflamme in unsern Herzen immer heller an, damit du von uns auch recht erwartet werdest und wir in deiner Zukunft nicht als die törichten Jungfrauen erfunden werden! Amen.

 

 

14. Dezember

Joh 20,16 … Maria …. Rabbuni

Wer da weiß, was ungehofftes Wiedersehen mit verloren geglaubten Lieben für überströmendes Glück über die Seele bringt, der kann sich in dieses einzigartige Wiedersehen zwischen Maria und Jesus vielleicht annähernd hineinversetzen. Noch mehr versteht der davon, der selbst diese Stunden durchgemacht, da der eine Schmerzton durch alle Fasern der Seele zitterte: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt! Aber er muss dann nachher auch das Wiedersehen in seiner ganzen Herrlichkeit gefeiert haben, um der Maria es nachfühlen zu können, was sie in den Aufschrei: ,,Rabbuni” hineinlegt. Ist nicht die ganze Kirche Jesu jetzt der Maria gleich, die weinend Jesu Spurten sucht? Man schlägt sie und treibt sie zurück; man versteht ihre Liebe Und Sehnsucht nicht. Man will, sie soll sich hier auf Erden wohnlich einrichten und Teil haben an Weltehre und Weltsmacht, sie soll den Staat als ihren Herzlieben ansehen und des himmlischen  Bräutigams vergessen. Aber das kann sie nicht! Darum spielt sie solch’ eine klägliche Rolle. Darum ist vor Weinen und Fasten ihr Antlitz verfallenl Wie wird’s sein, wenn Zion hört die Wächter singen und’s Herz tut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf, um den großen letzten Advent zu erleben, da es noch einmal durch alle Himmel tönen wird: Maria! und aus allen Landen das Jubelecho schallt; Rabbuni!

Wir stehen und schauen gen Himmel, Herr Jesu, und warten auf dich! O komm, du werte Kron! Der Geist und die Braut sprechen: Kommt und wer es höret, der spreche: Komm, Ja, komm, Herr Jesu!
Amen.

 

 

15. Dezember

Matth. 24, 59: Und sie achteten es nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin; also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

Das ist auch ein Zeichen der letzten Zeit: Daß die Weltmenschen sich so sicher in ihrem Diesseits fühlen und alles Tun Gottes für nichts achten. Nun, das hätten wir schon! Wer gründlich ausgelacht werden will; der braucht heutzutage in weltlicher Gesellschaft sich nur für Einen von der Sorte zu bekennen, die da glaubt an ein persönliches Wiederkommen Jesu zum Gericht. Mir ist’s auf einer großen theologischen Konferenz so gegangen,als ich mich auf« die Wiederkunft Christi berief. Was ist die modern gewordene soziale Fassung der ,,christlichen« Politik anders, als das Bestreben, ohne Jesu Wiederkunft hier alles in christlichem Sinn in Ordnung bringen zu wollen? Da achten sie es nicht, dass die Schrift an mehr als hundert ZeiIen den Finger hebt und auf die Zukunft des Menschensohnes hinweist; da darf diese Erwägung selbst in vielen noch rechtgläubigen Kreisen gar nicht buchstäblich ernst genommen werden. Und doch bleibt es Wahrheit für unser Staatsleben, wie für die äußere Gestaltung der Kirche ebensogut, wie für das Leben des einzelnen Christen: ohne die Zukunft Jesu in Herrlichkeit ist das Christentum nur ein halbes Werk, eine Ruine! Jesus muß wiederkommen, um sein Wort einzulösen, mag der Gedanke zu unserem weltförmigen Christentum passen oder nicht! Sieh zu, ob du mit deinem Christenleben dazu stimmst! Wir bitten dich, Herr Jesu, lass uns nicht verstrickt werden in Weltart und mag sie noch so fromm tun! Errette uns aus der verderbenden Weltzeit heraus und mache uns fertig, vor dir zu stehen, wenn du wiederkommst in Herrlichkeit! Amen.

 

 

16. Dezember.

Apostelg. 16, 15: So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an dem Herrn, so kommt in mein Haus und bleibt allda.

“Und sie zwang uns” steht noch dabei; gleichsam, als wäre es dem Erzähler noch in der Erinnerung staunenswert, daß die frischbekehrte PurpurhändIerin solch eine Macht über den Apostel und seine Begleiter ausüben konnte. Und doch war es nichts weiter, als die ganz natürliche Folge einer rechten Bekehrung, daß hier die Lydia, der das Herz war aufgetan, nun auch ihr Haus, mit Allem, was sie hatte, dem Herrn auftat. Ach, wenn doch diese ganz selbstverständliche Folge auch unter uns sich überall zeigen wollte. Wir haben so viel Glaubens-Christentum, so viel Wort-Christentum und so wenig Christentum, da sich das ganze -Haus, – die ganze Liebe, das ganze Geld, das ganze Tun dem Herrn übergibt! Gott sei Dank, hin und her gibts solche Häuser in der Christenheit, von denen man gewiß sein kann, daß sie »sich einem armen kranken Gotteskinde auftun würden um Jesu willen, daß sie Pflanzstätten des Reiches Gottes in der Liebe sein wollen. Aber, ich fürchte, wenn man sie auf einen Platz zusammen ausstellte, —- es würde keine große Stadt, — vielleicht nur ein kleines Dorf daraus werden. Nun, denke du nicht an Andere, sondern frage dich, ob du bereit bist, dein Hans, deine Bequemlichkeiten, dein Geld und deine Zeit in den Dienst Jesu zu stellen. Es wäre nichts Besonderes, sondern das ganz natürlichste, richtigste Ding von der Welt. Aber dadurch wärest du doch dem Himmel um mehrere Breitengrade näher gerückt! Herr, segne unser Glauben und Beten, daß es uns zum Lieben und Geben treibe und wir Menschen werden, an denen deine neue Art übermächtig an den Tag kommt. Öffne du die Häuser deiner Kinder,
damit dein Haus dadurch gebaut werde in der Wahrheit! Amen.

 

 

17. Dezember.

Joh. 20, 20: Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen.

Es gibt solch ein Sehen hinieden ohne leibliche Augen. Ein Pastor, der lange Zeit sehr eifrig Buße gepredigt hatte ohne Gnade, fand einst auf der Kanzel einen kleinen Zettel, auf dem nur die Worte standen: »Wir, möchten Jesum gerne sehenl« Das schlug
bei ihm ein und er suchte selbst Jesu Gnade für seine Seele. Nach einigen Sonntagen ward der Ton seiner Predigten ganz anders: er konnte nicht müde werden, die Herrlichkeit der selbsterfahrenen Gnade des Sünderheilands zu preisen. Wieder vergingen einige Wochen. Da fand er abermals einen Zettel auf der Kanzel, auf dem die Worte standen: .,,Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen!« So kann man Jesum in seinem: Wort und seinen eigenen Lebenserfahrungen nicht nur selbst
sehen, sondern auch andern zeigen. Ja, das ist eben auf Erden die einzige Art, wie die Jesus hungrigen Seelen ihn sehen können: am Leben und Wesen der Gläubigen soll man ihn sehen können. Was aber wird das für eine selige Zeit sein, wenn wir aus der irdischen Adventszeit in die ewige Weihnachtsfreude hineingekommen sein werden, ihn wirklich in der Nähe sehen und genießen zu können, den unsere Seele auf Erden schon so heiß geliebt hatte, ohne ihn zu sehen! Bis dahin, Herr Jesu, stärke uns den Glauben und fache die Glut unserer Liebe zu dir immer wieder auf’s neue zu heller Flamme an. Unsere Liebe zu dir kommt aus deiner Liebe zu uns! Lehre uns das immer besser und reicher erfahren! Amen.

 

 

18. Dezember.

Joh. 1, 11:   Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Einst ist das schrecklich wahr geworden bei jenem ersten Advent in der Niedrigkeit seiner Knechtsgestalt. Der Hausvater kam in sein Haus und man erkannte ihn nicht, man wollte ihn nicht, und seine eigenen Hausgenossen (das alttestamentliche Bundesvolk) nahmen ihn nicht auf. Sieh nur zu, daß du, lieber Mitchrist, dich nicht entrüstest über Israels Sünde und doch heute noch dieselbe Sünde in verstärkter Form verübst. Auch heute kommt er in sein Eigentum, und das bedeutet noch etwas anderes als damals. Heute sind wir sein Eigentum geworden, weil er uns erkauft hat mit seinem Blut, weil er uns durch seinen heiligen Geist zu Erben seines Reichs und zu Gottes Hausgenossen gemacht hat. Wenn er nun mit Wort und Sakrament und in  allerlei Lebensführung und Gnadenerfahrung an dein Herz kommt, und du bist gleichgültig und abgestumpft gegen ihn und machst dir aus seinem Besuche wenig, – wessen Sünde ist dann wohl größer: Israels oder deine? Ehe er wiederkommt als der majestätische Richter, vor dem alle Tore der Welt und der Hölle und des Todes aufspringen müssen, will er leise, heimlich dich besuchen des Nachts als deiner Seele Freund! Lausche darauf und tue ihm eilend auf und lass ihn herrschen in dir und deinem Hause als in seinem Eigentum!

O, lieber Heiland, öffne uns die Ohren, dass wir über all dem Lärm der Welt dein Klopfen nicht überhören, sondern als deine rechten Schafe auch  deine Stimme erkennen, dir auftun und dir folgen williglich! Amen.

 

 

19. Dezember

1.Joh. 4,15: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Menschliche Liebe weckt nicht immer Gegenliebe, weil ihr so oft und soviel Selbstsucht beigemischt ist und der Liebende sich durch solche Liebe sein Glück zu erringen hofft, ohne daß er das wahre Wohl des Andern im Auge hat. Das ist hier anders. Die reinste, selbstloseste Retterliebe neigt sich herab zu dem Unliebenswertesten, zu dem, der in sich auch noch nicht die geringste Neigung verspürt, sich so lieben zu lassen, geschweige denn wiederzulieben. Darum ist’s dem, der diese Liebe Jesu wirklich erfahren hat, so wundersam zu Sinne: er ist aus all seinen alten Wurzeln der Selbstsucht und des Hochmuts herausgerissen, er fühlt sich über sich selbst hinausgehoben und geadelt, er kann nicht mehr so kleinlich und so eng bleiben, wie er war. Die Erfahrung solcher Liebe Jesu hat wie Frühlingssonenmacht die Eiskruste zum Schmelzen und das Herz zum Keimen und Grünen gebracht. »Der Winter ist vergangen und die zarten Blümlein gehn herfürl« Wer kann da noch gleichgültig oder kalt, verschlossen oder schmollend in seinem finstern Winkel bleiben? Wenn man so lieben gelehrt worden ist, dann drängts und treibts auch zum Lieben! Mancher hat sich schon später drüber selbst wundern müssen: Bin ich noch derselbe, der ich früher war? Das macht Jesu Liebe. O, daß wir uns ihr immer völliger öffneten, bis keine Stunde und kein Wort, kein Entschluss und kein Gefühl mehr wäre ohne diese Liebe!

Liebe, hast du es geboten, daß man Liebe üben soll,
O so mache doch die toten, trägen Geister lebensvoll!
Zünde an die Liebesflamme, daß ein jeder sehen kann,
Wir, als die von einem Stamme, stehen auch für einen Mann!
Amen.

 

 

20. Dezember

Jerem 31,3: Ich habe dich je und je geliebet, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.

Wer hatte noch nie gefragt, warum er dieses oder jenes durchmachen müsse im Leben? Wie viel tausendstimmig mag der Ruf »Warum?« von der Erde gen Himmel tönen bei all den Rätseln und Leiden des Lebens! Hier kommt eine einzige Antwort, die uns stille und dankbar macht: ,,Darum habe ich dich zu mir gezogen mit all deinem Erleben und Erleiden, weil ich dich geliebt habe« Alles aus Liebe, alles zu unserem Besten! Das ist manchmal leichter andern zu predigen, als selbst sich damit das unruhige Herz zum Schweigen zu bringen. Das ist manchmal schwer festzuhalten in bittern Schmerzen, zwischen Krankenbett und Sarg, wenn die Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit sich die Hände reichen, wenn unsere Bitten und Tränen in dem Sinne, wie wir es wollten, nicht erhört wurden. Und dennoch ist’s Wahrheit: Gott ist die Liebe! Gott liebt mich doch! Ja, alles muß mir zu meiner Seligkeit dienen! Alles soll mich hinziehen zu dem Punkt, wo ich niedersinken kann vor ihm und ihm seine Liebe endlich lohne mit meiner Liebe. Dann erst ist meine Erschaffung gerechtfertigt, meine Erlösung geschehen und mein Leben fängt an eine Bedeutung für’s Himmelreich zu gewinnen, wenn ich nicht mehr frage: Warum das alles? sondern wenn ich endlich mich hingebe seiner Liebe und danken kann für alles Liebesziehen seiner Hand!

Lieber himmlischer Vater, ich danke dir für deine treue Liebe, damit du mich gesucht und gezogen hast, längst, ehe ich auf dich geachtet. Seit ich’s weiß, wie es darin um dich und mich steht, bitte ich dich nur,  laß mich auch im Leide heraushören deine Liebe und lehre mich danken und loben für Alles! Amen.

 

 

21. Dezember

Psalm 58, 12: Es ist ja noch Gott Richter auf Erden.

Es geschieht viel Greuel und Gottlosigkeit auf Erden und — man wird davon leicht angefochten, auch wenn man selbst in seiner Person nicht vom Schlimmsten betroffen worden. Aber man fragt doch: Warum wird’s zugelassen? Sei nur stille, meine Seele, und laß dich durch nichts aus deiner Burg herauslocken, die da heißt: Mein Gott hat nichts versehen in seinem Regiment. Es kommt nachher oft noch hier auf Erden in derselben Gottlosen Leben an den Tag, daß Gott noch Richter auf Erden ist. Wenn man längere Zeit gehabt hat, vieler frecher Sünder Treiben zu beobachten, wird einem das erschütternd klar: womit einer sündigt, wird
er gestraft. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein. Darum wirf du dich nicht in Rache und Zorn zum Richter auf; — aber hüte dich auch durch deine gekränkte Ungeduld Gott anklagen zu wollen, als ob er säumig sei zum Gericht. Nein, wenn Gott seines Richteramtes wartet, dann vergiß du nicht, weß Geistes Kind du sein sollst: bete für die Schuldigen, liebe sie, suche sie
herumzuholen von ihrem Verderben und nutze die Gnadenfrist, die Gott ihnen noch gab, aus zur Rettung ihrer unsterblichen Seele. Wir sind auf Erden nicht Richter der Andern, sondern ihre Krankenpfleger und guten Engel, die noch alles anwenden, um sie dem furchtbaren Gericht, das einst kommen muß, durch Jesu Blut zu entziehen!

Herr, unser Gott, schau auf deine Kinder herab und nimm dich ihrer an! Gib ihnen allen  heilige Geduld und Langmut, brennende Liebe und Rettersinn, damit sie sich dargeben zu Helfern deines lieben Sohnes Jesu Christi Du willst ja auch nicht, daß jemand verloren gehe! Herr, hilf uns lieben und dulden und retten! Amen.

 

 

22. Dezember.

Psalm 40,18: Ich bin arm und elend; aber der Herr sorget für mich.

Arm an guten Werken, darauf wir uns verlassen könnten, elend oft genug nach Leib und Seele, — das können und müssen wir von uns bekennen. Gott sei Lob und Dank, daß das nicht alles ist, was wir zu sagen haben! Es gibt noch ein seliges ,,Aber«, einen Gegensatz und Gegengewicht gegen all’ unsere Erbärmlichkeit. Das ist der eine Umstand, daß wir froh und getrost sprechen können: Aber der Herr sorget für mich! Was will dann alle Armut und alles Elend bedeuten, wenn solch’ ein mächtiger, reicher Herr für uns sorgt! Was brauchen wir dann weiter zu sorgen und uns zu grämen? Er hat die Fürsorge für Leib und Seele übernommen und kommt seinem Versprechen glänzend nach. Wo Jesus Christus ist der Herr, wird’s alle Tage herrlicher und wir haben nur dazu noch allerlei dunkle und schwere Stunden, damit immer wieder eine neue Seite seiner hohen Herrlichkeit und reichen Güte an uns offenbar werde. Wollen wir nicht endlich dem ungläubigen Sorgengeist ,,Gute Nacht« sagen und uns still und freudig in die Fürsorge unseres treuen Herrn hineinlegen! Es ist Zeit, daß all’ seine Erweisungen der Gnade das Echo in unserm Herzen wecken, daß wir ihm nie und in nichts mehr mißtrauen. Dann werden wir erst stille und stark in ihm und er kann anfangen sich auf uns ganz zu verlassen, weil wir ihm ganz getraut haben und mit ihm verbunden bleiben für die Ewigkeit!

Da nimm die Hand, Herr mein Heiland, und halte sie fest in deiner durchgrabenen Hand! Da nimm das arme, schwache Herz und laß es ruhen an deinem Herzen! Ich will in deinem treuen Geleite und deiner starken Fürsorge bleiben heute und allezeit! Amen.

 

 

23. Dezember.

Luk. 1, 68: Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöset sein Volk.

Vierhundert Jahre hatte Israel ohne Propheten und Offenbarungen dahingehen müssen. Darüber war gerade dasjenige verkümmert und verwelkt, was früher des Volkes Wundervorrecht vor anderen Völkern gewesen war: einen lebendigen Gott mit seinen Wirkungen und Bezeugungen in seiner Mitte zu haben. Jetzt, als römische Hornsignale auf den 5traßen der ,,heiligen Stadt« wie zum Hohn ertönten, tat sich der Himmel wieder auf und in der Geburt des Johannes und der Verkündigung Jesu rauschte die alte heilige Zeit urplötzlich in die Gegenwart hinein. Kein Wunder, daß man da im prophetischen Liederton den Herrn pries. Wie unaufmerksam gegen das wirkliche Tun Gottes in unserer Zeit müßten wir  sein, wenn wir keinen Grund zu ähnlichem Lobe fänden. Hat der Herr, unser Gott, nicht in unseren Tagen auch sein Volk besucht und erlöset? Evangelisation wird aller Orten begehrt, Gemeinschaften entstehen überall, innere und äußere Mission schwellen an, wie leere Flußbette Waldgebirge, wenn hoch droben mächtige Wetter niedergegangen sind, und durch die Kinder Gottes aller Lande geht ein Rauschen und Raunen von großen Dingen: Der Herr ist nahe! Reib dir die Augen, du Tochter Zion, wache und steh eilend auf! Der Bräut’gam kommt und die Braut muß sich schnell rüsten, ihn würdig und festlich zu empfangen! Wahrlich, wir haben Grund genug zum Loben und Danken, wenn uns die Schläfrigkeit der letzten Zeit nicht übermannt hat!

Ja, wir wollen dir Lob sagen, du lebendiger, treuer Bundesgott, daß du dein Nahen spürbar machst! Lehre uns achten auf alle Zeichen und Zeiten, damit wir dich bald erkennen können und jauchzend dich empfangen, vor dem die Welt zittert und zagt!

 

 

24. Dezember.

Luk 2,7 . . . denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Mögen die klugen Herren das auslegen wie sie wollen, der Eindruck bleibt, den wir aus
unserer Kinderzeit mitgenommen haben: Kein Raum für Jesus! Noch ist er nicht erschienen aus Erden, wo sonst Raum für alles Mögliche ist und schon handelt sichs darum, daß stät« ihn kein Raum sei! Ist das nicht eine schmerzliche Weisssagung, wie es ihm nachher oft genug in der Welt der Herzen gehen würde? Für allerlei Arbeit und Erholung, für Gesellschaft und Zeitung, für dich und für mich, — Raum für Alle hat die Erde, – nur für Jesus ist nichts übrig! Wo aber kein Raum
für ihn gerüstet und bereitet ist, da kann er nicht kommen. Die Vorbedingung für dass seligste Erlebnis, dass Jesus in dir Gestalt gewinne, daß du dein Herz ihm einräumest, die Vorbedingung ist dein Wille. Da hast du den Griff der Herzentür in der Hand. Wird es dieses Jahr endlich  einmal bei dir wirklich Weihnachten geben? Willst du ihm auftun und ihm Raum zum Leben und Lieben, zum Wirken und Segnen gewähren? Was soll man noch alles aufbieten, nur um dich endlich für ihn zu stimmen! Komm, leg dich zu seinen Füßen! Schließ die Augen für den Lichterglanz des  Weihnachtsbaumes und suche mit dem Sehnen deiner Seele ihn selbst, das einzige wahre Licht.
Solche Sehnsucht schafft Raum und wo ein Raum ist für ihn, da kommt er gern.

Ja, hier soll der Raum sein, Herr Jesu! Was ich als Kind nur dunkel geahnt, laß es heute hier
selige Gewißheit und strahlende Wirklichkeit werden: Du bist eingekehrt um bei mir zu bleiben! Ich halte dich und klammere mich fest an dich, du meine Weihnachtsgabe  und all mein Glück! Jesu, liebe mich und segne mich! Amen.

 

 

25. Dezember.

Jes. 9, 6: Ein Kind ist uns geboren. . . .

Lieber Herr Jesus! Du hast gesagt, wir sollten werden wie die Kinder! Wann ist passendere Zeit dazu, als heute, wo wir deiner gedenken als eines Kindes! Da wollen wir, die wir sonst im Arbeitskleid des Erwachsenen, im Waffenrock des Kriegers standen, allunsere Geräte und Waffen niederlegen zu deinen Füßen und ein Mal wieder uns fühlen als Kinder! Mit dir Kinder sein, bei dir Kinder sein! Was wir je zu Weihnachten als Kinder gehabt von seligem Glück, wir wollen’s noch ein Mal genießen, – aber anders und echter, als früher. Wir wollen uns an dich anschmiegen und unseres Lebens Lasten und Sorgen im Strahl deiner Augen vergessen, wir wollen es heute glauben und haben, daß in dir uns aller Himmel Herrlichkeit erschlossen ist. Nimm uns all das Unkindliche, all den Unglauben, all die Sünden unseres Lebens ab, und sammle uns, deine Kinder,  hinein in das Glück, das du hattest und heute noch hast, dich in des Vaters Schoß zu wissen als der Sohn, an dem er sein Wohlgefallen hat. Gieb uns von diesem Wohlgefallen! Laß auf uns ruhen den hellen Glanz des liebenden, segnenden Gefallens, das der Vater an dir hatte!  Mach’s uns dir ähnlich! Jesu, du seliges Kind, mach’ uns zu solchen Kindern und Unmündigen, die ganz und gar aufs dich geworfen sind und nichts können noch wollen,  ohne dich! Dein Reichtum sei unser Reichtum, dein Vater sei unser Vater, deine Liebe sei unsere Liebe und wo du bist, da wollen wir auch sein und bleiben, hier zeitlich und einst ewiglich! Amen.

 

 

26. Dezember. 

Luk 2, 19: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen

Wir haben auch wunderbare Erfahrungen des Lebens und der Nähe unseres Heilandes gemacht; woran lag es, daß diese Höhepunkte des geistlichen Lebens oft so entsetzlich schnell wieder verlassen und gleichsam unbenutzt zurückgestellt wurden? Ich glaube zum großen Teil daran, daß wir nicht taten, was Maria that! Warum behielt und bewegte sie so treulich alles in ihrem Herzen, was sich an bedeutsamen Worten und Ereignissen um dieses ihr Kind drehte? Weil sie noch etwas Wirkliches erhoffte. All’ das, was sie eben erlebt, war ihr nur ein Angeld auf die Zukunft. Wir aber meinen, unseres Gottes Tun selbstsüchtig für uns genießen zu können und nachher wär es abgemacht, wie eine Gabe, die man dankend einsteckt. Nein, jedes Tun seiner Liebe an uns ist auch ein Fingerzeig: hier kann ich und will ich noch mehr tun! Würden wir in diesem Sinn auf das achten, was wir schon erlebt, dann würden wir in heiliger Erwartung auch besser alles behalten und bewegen können in unserem Herzen. Dadurch aber kämen wir in die innere Zurüstung und Verfassung hinein, mehr zu bekommen. Wie wir mit den erfahrenen Höhepunkten und Feststunden des Lebens umgehen, das bedingt ihre Steigerung, ihre Wiederholung, ihre Häufigkeit. Wollen wir da von Maria hoffen und das Wort bewahren lernen, dann werden wir immer reicher beglücktwerden.

Lieber himmlischer Vater, vergib uns unsere Stumpfheit und unsern Leichtsinn, damit wir deine Gnaden gering geschätzt. Lehre uns deine Edelsteine in Gold fassen, – in einem treuen und warmen Herzen bewahren und bewegen, damit du uns mehr
anvertrauen könntest! Amen.

 

 

27. Dezember

Psalm 50, 2: Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.

Soll der schöne Glanz Gottes, die Freundlichkeit und der Frieden, das Licht und·das Leben, der Segen und die Liebe Gottes einst über alle Welt kommen, so muss er vorher eine Stelle in der Welt haben, wo er im Voraus schon anbrechen, dämmern kann. Man muss gleichsam einen Vorschmack, eine Art Abbild davon haben, was später über alle Welt und alle Verhältnisse kommen soll. Diese helle Stelle, die zuerst vom Morgenlicht des kommenden Tages bestrahlt wird, soll Zion sein, — das Haus und Volk Gottes aus Erden. Was für ein Vorrecht, was für eine Aufgabe! In deinen Häusern, Zion, soll es hell sein, wenn rings Ägyptenlands alte Finsternis noch herrscht! Zum Spiegel, drin der schöne Glanz der zukünftigen Herrlichkeit sich bricht, sind deine Ehren und
Familien, deine Arbeiten und dein Vergnügen, dein Benehmen und dein ganzes Leben bestimmt. Bekommen die andern Lust auch so zu werden, wie du bist, Zion? Lockt sie dein Licht und dein Leben? Weihnachten ist ein solches Beispiel: Dieses schöne christliche Familienfest hat den Weltleuten so gefallen, daß sie es nachgemacht haben; nur fehlt ihnen dabei die Hauptsache, die uns lachen machet: Jesus selbst und die Freude an ihm! Wollen wir dafür sorgen, daß mit des Herrn Hilfe bei uns in allen Stücken der schöne Glanz Gottes anbrechen kann zur Rettung andrer und zu Gottes Ehre!

Wir beugen uns in Demut darüber, Herr unser Gott, daß wir dir nicht treuer und völliger ergeben waren, daß wir dein Lob nicht besser verkiindigten, daß du uns nicht mehr brauchen konntest deinen Glanz abzuspiegeln! Reinige uns und mach uns treue und dann gib mehr von deinem schönen Glanz! Amen.

 

 

28. Dezember.

1.Ioh. 4, 9: daran ist erschienen die Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gab.

Nicht Geld oder Weisheit oder Kräfte oder Erdenglück, – sondern Liebe ist erschienen, damit wir durch sie leben sollten! Liebe zum Leben! Das ist die Seele und die Kraft und der Inhalt unseres Lebens, dass Gott uns liebt. Was kann uns schaden, solang Gott uns liebt? Wie dürfen wir verzagen, solang Gott uns liebt? Wer darf über Mangel klagen, solang Gott ihn liebt? Und der Beweis, das er uns so liebt? Nun, den Beweis kannst du nicht wieder umstoßen, nicht ausIöschen aus der Weltgeschichte, nicht ungeschehen machen oder ableugnen! Der Beweis ist erbracht und er ist vollkräftig und wirksam, wie eine gewaltiges Triebfeder hineingesetzt in’s Toben. Er hängt nicht ab von deinen Gefühlen, von deiner Begeisterung oder deiner 5chwachheit. Er ist da wirksam wie die Luft, die du atmest, warm wie die Sonne, die dich belebt; der Beweis heißt: Jesus! Versuch’s zu leugnen, daß Jesus in die Welt gekommen ist, dich zu lieben, dich zu überzeugen von der großen Liebe Gottes zu dir! Wie arm und leer wär das Leben ohne Jesus! Wie blind dein Auge, wie elend dein Herz, wie falsch deine Triebe, wie finster dein Sterben ohne Jesus! Gott sei Dank, wir brauchen diesen Gedanken nicht bis zu Ende zu denken, denn Jesus ist erschienen und wirkt heute noch unter uns seine Werke, läßt heute noch seine Liebe –Gottes Liebe – ausströmen, daß wir durch ihn leben sollen! Hallelujah!

Wir danken dir, lieber himmlischer Vaters für solche Gnade und bitten dich, nimm uns zu Zeugen dafür, daß Mkenschenkinder deiner Liebe in Jesu trauen. Nimm unser ganzes Leben zum klaren Zeugnis, daß deine Liebe solches Menschenleben tadeln
und verklären kann zu deiner Ehre!

 

 

29. Dezember.

Luk. 24, 29: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.

Das ist am Abend des sich neigenden Jahres eine so naheliegende Bitte. Im alten Jahr war das der Trost gewesen und der Halt: Du bist bei mir! Du bist mein Schirm! Wie sollte es beim Blick in den Nebel der Zukunft, all’ des kommenden Ungemachs, alI’ der künftigen Sorgen und Schmerzen anders sein, als daß der Christ betet: Bleib du bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist! Wo er bleibt nach dem Wort seiner Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, – da hats keine Not. Nun ist er doch immer so bei uns, – s hat dann das Gebet um solches Bleibens für einen besonderen Sinn? Ist es nicht wieder so, daß wir bitten Herr, laß uns spüren deine Gegenwart! Herr, erinnere uns hin und her durch die Zeichen deines Wirkens an deine Nähe? Oder sollen wir dabei an das alles gedenken, was uns des Heilands Gnadennähe vergessen und übersehen macht und bitten: Schärfe uns den Blick für dichl Treibe aus, was dir zuwider, was uns deinen Frieden raubt! Auf alle Fälle muß es uns etwas Wirkliches um seine Nähe werden, etwas Wirkliches nach der Seite der Mahnung, daß wir leben sollen wie unter seinen Augen, als wäre er Zeuge jedes Gespräches, alles Tuns, — aber auch etwas Wirkliches nach der Seite des Trostes, wo uns sonst die Angst, davon die Augen sprechen, die Not, davon die Herzen brechen, den Glauben lähmt und die Kraft raubt. Wir bei ihm und er bei uns, – das muß eins ins Andere wirken!

Wir möchten gern bleiben, Herr Jesu, in deiner Nähe und in deiner Liebe und dazu lehre uns bleiben in deinem Wort. Ach, Herr, nimm dich deiner Herde selbst an und weide uns auf grüner Aue und zum frischen Wasser. Ziehe uns täglich in die wirkliche
Gemeinschaft mit dir! Amen.

 

 

30. Dezember.

Psalm 10, 28: Du aber bleibst, wie du bist und deine Jahre nehmen kein Ende.

Unsere Jahre schwinden immer schneller dahin, je älter wir werden und lassen uns müde zurück: Narben und Schwächen an Leib oder Seele haben sie uns geschaffen. Darum würde uns ewiges Leben auf Erden ohne ewige Jugend und Gesundheit nichts nützen; es wäre eine Qual ohne Ende. Unser Trost ist drum im Wechsel und der Flucht der Zeiten, wie im Müde-und Schwachwerden unseres Leibes, daß unser Gott darüber erhaben ist. Es ist derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit. Er ist nicht nur über alle Zeit erhaben, sondern bei ihm gibt es keine Schwäche und keinen Druck des Alters oder der Krankheit. Und nun ladet er uns ja ein zur vollen, seligen Gemeinschaft mit sich in seine ewige Herrlichkeit hinein! Sollten wir uns nicht freudiger an diesen Trost klammern und uns eifriger hineindenken in das ungetrübte Leben mit diesem Gott, damit das Erdentreiben uns weder durch seinen Zauber, noch durch sein Leid verführen könne, — und wäre es nur auf Stunden! -— hier unten den Himmel zu suchen! Je näher wir der Todesgrenze kommen, — und jedes verflossene Jahr hat uns doch derselben um ein großes Stück näher gebracht, – desto stärker muß die Sehnsucht nach der wirklichen Lebensgemeinschaft mit dem ewigen lebendigen Gott werden, desto mehr Gedanken und Vorstellungen der Ewigkeit müssen uns erfüllen und bewegen.

Ewigkeit,in die Zeit leuchte hell herein,
daß uns werde klein das Kleine und
das Große groß erscheine!

Ja, das walt, du ewiger Gott, in dem wir einst ewig ruhen wollen von allem Streit und Herzeleid hinieden, daß wir jetzt schon mit dir fest vereinigt werden und mit dir wirklich umgehen! Dann ist uns um die ganze Ewigkeit nicht bange. Du bist und bleibst unser Licht Und unsre Sonne! Dein Name sei gelobt! Amen.

 

 

31. Dezember 

1.Petri 1, 25: Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit.

Ob das Jahr und die Zeit vergeht, ob unser Leib und Erdenleben vergeht, — und ,,ob im Sand die Spur verweht, geliebter Menschen traute Nähe« — etwas, das uns hier auf Erden lieb und teuer gewesen, — das bleibt doch in Ewigkeit: Des Herrn Wort! Dann bleibt auch das Wort, das er zu uns gesprochen, in den Zeiten unserer Bekehrung: Sei getrost, dir sind deine Sünden vergeben! Dann bleibt auch das Wort: Wir werden beim Herrn sein allezeit! Dann bleiben aus dem schwimmenden Strom des Vergehens aufragend wie Felssäulen seine Verheißungen stehen, und dann ist uns nicht bange. Wo sein Wort ist, da ist auch der Herr selbst, und wo er ist, da will ich auch bleiben in Ewigkeit! Darum wollen wir nicht wehmütig klagen über die entschwindende Lebenszeit, sondern dem Herrn Dank sagen, daß er uns sein ewiges Wort jetzt schon in’s Erdenleben hineingereicht hat, daß wir uns daran anklammern konnten. Ja, dann müssen wir ihm Dank sagen für alles, was er auch in diesem Jahr an uns Großes und Liebes getan und wo er uns sein Wort gesegnet hat, daß es Nahrung unserer Seele sein konnte und ein Licht unserer Augen.

Wir loben dich und preisen dich, Herr unser Gott, du Vater Jesu Christi, daß du uns dein Wort gegeben und deinen Geist, um es zu erkennen und zu genießen. Wir danken dir, daß du im schwindenden Erdenleben ein ewiges Werk in uns begonnen hast und uns nicht willst als Stückwerk dahinten lassen. Du führst alles, auch uns hinaus zur herrlichen Vollendung, wie geschrieben steht: Siehe, ich mache alles neu! Du wirst dein Wort halten! Amen.