Andachten (April)

1. April.

Joh. 14,19: »Ich lebe und ihr sollt auch leben

Leiden und Sterben, Kreuz und Grab hat den Heiland nicht halten können: Das Ende war, daß er erstand zu neuem Leben. Seither kommts ihm darauf an, daß auch die Seinigen ein neues Leben führen. Wer den Sohn hat, der hat das Leben. Das muß offenbar werden in Entschlüssen und Entscheidungen, im Tun und Treiben, in der Richtung des Lebens, wie in der Frucht des Lebens. Solchen großen Hoffnungen und Erwartungen Jesu in Betreff seiner Gläubigen steht bei vielen unter uns ein schales, welkes, ödes Sichhinschleppen gegenüber. Leben kann man das nicht nennen, wenn man nur vom Glauben und der Anregung anderer Christen abhängig bleibt, — immer nur wie der Gichtbrüchige auf das Tragen von Andern angewiesen zu sein! Andern, — auch dem Heiland, stets nur eine Last zu bleiben, — das heißt doch nicht Leben! Nun, öffne dich dem neuen starken Anstoß, den dir der lebendige Heiland gibt: Glaube an sein Leben, das für dich da ist! Werde solchem Anstoß gehorsam, daß du dein Leben hingiebst für sein Leben und du wirst im Tun des Willens Gottes bald soviel neue Lebenserfahrungen machen, daß du Jesu Wort ahnend verstehst: Meine Speise ist, daß ich tue den Willen deß, der mich gesandt hat. Jesus lebt; wer sein ist, muß mit ihm, durch ihn, auf ihn zu, aus ihm heraus leben!

O du lebendiger Jesus! Wir glauben, daß du lebst, ja, daß du jetzt lebst für uns, wie du einst starbst für uns. «Nun bitten wir dich, nimm unserm Glauben die Fesseln ab! Lehre uns dir gehorsam werden, damit dein neues Leben über uns komme und zu deiner Ehre an uns offenbart werde im Gehorsam gegen dich! Amen.

2. April.

Jerem. : 42,20: »denn ihr habt um den Preis eurer Seelen geirrt.«  (Wörtlich.)

Wenn man sich bei einer Rechnung, die man bezahlt, zu seinem Schaden geirrt hat, so ist der Preis, den man für diese Irrung zu zahlen hatte, der Betrag, den man zuviel gab. Oder es hat sich einer auf einer Fußwanderung geirrt: ein großer Umweg, den er nun gezwungen ist zu machen, ist die Strafe, der Preis, um den er sich geirrt. Was aber muß das für ein entsetzlicher Irrtum sein, davon unser Text spricht, daß man da den Preis einzahlen muß, den man nie wieder auslösen und gut machen kann: die eigene unsterbliche Seele? Wer sich in Betreff der Seligkeit geirrt hat, wer den einzigen Weg zum ewigen Heil nicht gegangen ist,  sondern ins Verderben ging, der kann nichts mehr ummachen. Was kann der Mensch geben, daß er seine Seele wieder löse? Oder hat er auch eine zweite Seele einzusetzen, wenn er im wahnsinnigen Spiel die erste verlor? Darum bitte ich dich, wenn solche Dinge auf dem Spiele stehen, überlege dirs doch heute, gleich jetzt, ernstlich und ehrlich, wen du um den Preis deiner Seele dir nehmen und kaufen willst. Einer, Jesus, zahlte den Preis seiner Seele, seines Lebens für dich, um dich zu retten und dich zu haben. Jetzt muß auch dein Leben für ihn da sein! Sieh zu, daß es heute schon so werde. Die rechte Umkehr, der neue Anfang kann nie zu frühe eintreten!

Lieber himmlischer Vater! Erleuchte uns mit deinem Geist, daß wir die Jrrwege erkennen, wo man um den Preis seiner Seele hineingerät! Bewahre uns in deinen Wegen und hilf uns, daß wir uns selbst jeden Tag dir besser hingeben, völliger werden in der Treue und zuverlässiger in der Nachfolge. Amen.

 

 

3. April

Psalm 92,13: »Der Gerechte wird wachsen wie eine Ceder auf Libanon«

Der Cederbaum nimmt eine Königsstellung unter den Bäumen der Bibel ein und der Psalmist hatte Recht, des Gerechten Wachstum mit dem Wachsen der Ceder zu vergleichen. Es ist eine Ähnlichkeit da in betreff der Wurzeln; das harzige, zähe Wurzelwerk der Ceder geht bald keilartig in die Tiefe einer Felsenspalte, bald umklammert es einen Felsblock wie mit tausend feinen Händen. Ähnlich macht es der Gläubige mit der heiligen Schrift. Er umklammert bald ein Wort von allen Seiten, um sich dann ganz darauf zu stützen, — davon zu leben! (Wer unter uns kennt das nicht, wie man bisweilen tagelang von einem Worte lebt, das immer wieder die Gedanken richtet und die Gefühle beschwichtigt!) – oder er muß zwischen Worten der Schrift, die er eben nicht versteht, hindurch in die Tiefe nach andern, die ihm Stützpunkt und Halt gewähren. Und was die Höhe angeht, paßt der Vergleich mit der Ceder. Wer wächst höher als die Leute, die in das ferne Land der Verheißungen Gottes hinÜbersehen können, wie z. B. ein Abraham, der den Tag Christi sah und sich freute? Sollten wir nicht gern und freudig wachsen wollen, bis wir die Lebensbedingungen der Erdenhölzer hinter uns haben und uns hineinstrecken können in die freie Gottesluft des Umgangs mit Jesu selbst und den Verheißungen seines Mundes! Ja, wenn man den rechten Nachdruck auf das Wörtchen ,,wird« legt, erwartet der Herr mit voller Gewißheit, das; seine Leute wachsen, zunehmen, reifer werden müssen. Sein Leben in ihnen drängt zur Entfaltung.

Ja, Herr Iesu, nimm uns dir ganz hin, daß wir aus dir, wie aus einem geheimen Strome trinken lernen und dann wachsen können im Geistlichen über alle Bäume des Feldes! Wir möchten gern Himmelsluft um unsere Wipfel spüren und Lebenswasser an unsern Wurzeln! Amen.

 

4. April.

Psalm 92, 15: Der Gerechte wird wachsen wie eine Zeder auf Libanon. «

Es gebe der treue Gott, daß wir so wachsen, wie die Ceder auf Libanon! Daß wir doch so fest würden gegen alle sündlichen, feindlichen Angriffe, wie Cedernholz gegen Nägel und 5äge! Wann: soll’s denn endlich kommen, daß wir fest, unerbittlich hart dastehen gegen unsere eigene Schoßsünde, gegen des Teufels feinste Anläufet Kann man auch aus schwammigem,  wurmstichigem Holz das Haus des Herrn bauen? Lasset uns darum ernstlich, ehrlich, täglich nachjagen der Heiligung,  ohne die kann niemand Gott schauen. Aber Cedernholz. ist nicht nur hart, es duftet auch. Der Baum duftet draußen auf den Abhängen des Libanon, wenn die Sonne im Lenz die Wurzeln und Zweige durchglüht; dann spricht man vom ,,Geruch des Libanon«. Aber auch, wenn das Holz abgehauen ist und die Wände oder Schränke damit getäfelt werden, duftet es weiter. So ist der echten Gotteskinder Art auch: Abraham ist tot, aber sein Glaubensgehorsam duftet heute noch durch alle Lande! Joseph ist tot, aber seine Keuschheit duftet heute noch. David ist tot, aber in seinen Psalmen schwillt der Dust der Bäume Gottes immer noch mächtig an, so daß wir uns an ihm erbauen können. Das ist aber nicht genug, daß wir uns an ihm erbauen ·- wir selbst müssen Duft ausströmen auf andere! Ist anders Jesu Art über uns gekommen und in uns hineingekommen, dann muß es auch Duft der Liebe und der Sanftmut, des Geistes und des Glaubens geben!

Herr Jesu, siehe unsere Armut; an, und mache uns reich! Laß deine Art verklärend und umgestaltend über uns kommen, daß wir dir ähnlich werden! Du bist unser Meister und Vorbild. Lehre uns so gesinnt werden, wie du bist und in dir leben und mit dir leben, damit der Duft deines Namens sei in unserem Herzen und Hause wie eine ausgeschüttete Salbe. Amen.

 

5. April.

Psalm 40,9: »Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern

So hat Jesus gesprochen und darnach getan. Ja, das ist eigentlich aller Menschen Lebenszweck und die höchste Weisheit und des Herzens wahres Glück: den Willen Gottes gern zu thun! Was man gern tut, fällt einem nicht schwer. Sollte nun die Erwägung, daß dieses unser Lebenszweck, unsere Bestimmung, der Weg zu unserem Glücke ist, -— sollte uns das nicht anspornen, den Willen Gottes in allen Stücken gern zu tun? Ich weiß noch einen Grund, warum wir den Willen Gottes gern tun sollen. Die Enttäuschung auf allen anderen Gebieten, die verlorenen Hoffnungen auf allen anderen Seiten, das müde gewordene Herz, das sich zerarbeitet hat in der Menge seiner Wege und kam dabei immer weiter ab vom Ziel, — diese Lebenserfahrungen treiben schließlich auch mächtig an! Es bleibt nur eine Bahn zum wahren Wohlsein und zum wahren Frieden, – es giebt nichts Wertvolles, Vernünftiges, des Schweißes der Edeln wertes mehr, als den Willen Gottes zu tunl Und sobald man in diese Bahn einbiegt, kommt ein seliges Friedensgefühl über das Herz: es klopft vor freudiger Überzeugung: jetzt bist du auf dem rechten Wege! Ja, es ist köstlich zu wissen, daß man des Herrn Willen erkannt hat und ihn wirklich tut! Wollte Gott, daß niemand unter uns auch nur eine Stunde wartete, ohne den klar erkannten Willen auch zu tun!

Jesu, stärke deinen Kindern das blöde Augenlicht, damit sie erkennen, was heute wohlgefällig ist vor dir, daß sie darnach tun! Und wenn sie es erkannt haben, dann gib allen den freudigen Antrieb, nun auch sofort deinen Willen in Wirklichkeit umzusetzen! Ja, mach uns an diesem Punkt zu Überwindern! Amen

 

 

6. April

Psalm 23, 1: « . .. mir wird nichts mangeln.«

Wie sollte sollte uns etwas mangeln, wenn der Wirklichkeit unser Hirte ist und wir ebenso wirklich uns von ihm behüten und führen lassen! Wenn doch das tiefste Sehnen des Menschenherzens gestillt ist, – das Sehnen nach dem lebendigen Gott, –  was wollen dann all die kleinen Bedürfnisse des Alltags bedeuten, die nur dann für uns in Frage kommen, wenn eine wirkliche Nötigung, sie zu befriedigen, vorliegt. Was sind dann schließlich wirkliche Bedürfnisse, ohne deren Befriedigung du eben dich im MangeI führen würdests ? ,,Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell hinein, daß uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine« Etwas eben nicht haben oder nicht genießen können, braucht kein Mangel zu sein. Was brauche ich den Omnibus, wenn ich an der Eisenbahnstation lebe. Wenn ich höhere Arten der Befriedigung meiner Bedürfnisse in Jesu Art, Liebe und Nähe kennen gelernt habe, – wenn ich in allen irdischen Mängeln den geistigen Kern, die Seelenfrage, gefunden, was mein Gott mir damit sagen und bieten will, dann liefert mein Leben alle Tage neue Tatbeweise dafür, daß mir wirklich nichts mangelt. Selige Ruhe, stilles Erwarten, gewisse Hoffnung, daß mein Hirte schon unterwegs ist, um all mein Grämen zu beschämen,. das muß über uns kommen, wenn Jesus wirklich unser Hirte geworden ist. Wenn er das nicht ist, an wem liegt’s?

Ja, Herr Jesu, wenn ich dich nur habe, wenn du mein nur bist, will ich das weltliche, törichte Haschen nach allerlei  Erdenbefriedigung schnell mir abgewöhnen und nur nach dir mich strecken, dich zu genießen, dich zu nehmen hurtig werden» In dir treff ich alles an, was mein Sehnen stillen kann, darum bleibe ich stets an dir und leide dann keinen mangelt Herr, halte mich so bei dir. Amen.

 

 

 

7. AprIl 

Psalm 105, 3-4: Der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset. »

Sieht man hier die Hauptworte an, – Sünde, Gebrechen, Verderben, – dann treten einem drei Arten unseres Jammers entgegen; doch das ist kein köstliches oder förderndes Bild: das predigt heutzutage schon die Welt in ihren Zeitungen, Theatern und Dichtwerken, und jedes arme Menschenherze gibt die Antwort dazu, das Echo ab mit dem eigenen bangen Zittern und fruchtlosen Klagen. Gott sei Dank, daß hier vom Himmel her auch drei Zeitworte hineingesetzt sind in die Geschichte des  Sündenelends: vergibt, heilet, erlöset! Ja, Jesus ist dazu auf die Erde gekommen, und du bist dazu mit ihm zusammen gekommen, damit sein Tun in deine Zeit hineinfahre, wie eine Gotteshand. Er will Schuld vergeben, daß man ihrer vor Gott nicht mehr gedenke und kein Bann von daher auf dir lasten kann. Er will den Aussatz der Sünde, die Befleckung deines inneren Menschen Dann sorge du für meine Seele, daß an ihr nichts bleibe, wofür sie dir nicht· danken kann! Amen.

 

8. April

Luk 15, 28: Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen.

Ist das nur kindischer Trotz, alberne Laune, daß der ältere Bruder sich nicht mit freut, wie der Freudenreigen über des Verlornen Bruders Heimkehr erschallt? Nein, solch’ unbedachte Ausbrüche sind nur die reifen Früchte einer Entwicklung: der Sturm des ,,bösen« Tages, des unbewachten Augenblicks schüttelt diese Früchte nur ab. Der vor der Welt bisher so anständige, ehrbare,
ältere Bruder hatte nur eine feinere, aber nicht weniger schlimme Sündengeschichte hinter sich als der verlorene Sohn. Hier massive Tatsünden des heißen Blutes, – dort selbstsüchtiger Fleiß, ehrsüchtige Bravheit, eine innere Verknöcherung in Hochmut und eingebildete Vortrefflichkeit, daß man an das Wort Jesu an die Priester und Schriftgelehrten erinnert wird: ,,Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und Huren mögen wohl eher in’s Himmelreich kommen, denn ihr.« Wenn eine tote Fliege in der Salbe des Apothekers die ganze Sache verdirbt, – wie gefährlich sind dann solche Gedankensünden, die allmählich zur Art und Gewohnheit werden, wie Selbstsucht, Mißgunst, Ärger, Lieblosigkeit, Hochmut, Empfindlichkeit und mürrisches Wesen! Kennen wir nicht manch liebliches Menschenangesicht,  das durch den einen Zug mürrischer, launischer, Emfindlichkeit uns höchst zuwider ward? Wie sehen wir selbst aus? Jesu, der du unser geistliches Antlitz alle Tage im Licht deiner Wahrheit siehst, – wir bitten dich, nimm uns auch hinzu, wenn du uns richtestl Laß uns mit zusehen, wie du uns demütig werden über allerlei verkehrtem Wesen! Vergib uns auch unsere Temperament; Sünden, erlöse uns auch von ihnen, damit unser ganzes Leben nicht mehr unser sei, sondern dein! Amen.

 

 

9. April.
Matth. 26, 63: ,,Iesus aber schwieg«

Über das Schweigen Jesu in seinem eigentlichen Leiden vor seinen Richtern ist schon manche schöne Betrachtung angestellt worden, – warum eigentlich nicht auch über sein Schweigen vom zwölften bis zum dreißigsten Jahr? Das war doch auch staunenerregend! Da sieht er wie im Namen seines Vaters Priesterbetrug sich breit macht, wie Arme unterdrückt, Kranke ungepflegt gelassen werden, wie die wahrhaft Frommen vor all dem Scheinwesen sich verkriechen, wie die Wahrheit verachtet wird und die Welt voll Heuchelei und Gewalt und Elend steckt. Alles sieht er und er hatte die Macht zum helfen, heilen, umreißen, neubauen, — und er schwieg! Die Hände wie gebunden, der Mund zusammengepreßt, — wie mag sein Herz darunter gelitten haben! Sollten wir nicht etwas lernen von diesem Schweigen, das gläubiger und gehorsamer, heiliger und richtiger war, als alles Mitleid des Fleisches und als alles Vorgreifen einer halben Hilfe, die  nicht nach Gottes Willen war? Wollen wir doch auch mehr glauben als reden; mehr beten als reden, mehr  gehorchen als reden; mehr lieben als reden, — mit einem Wort solch heiliges Schweigen vom heiligen Geiste uns lehren lassen! Dann ist mir nachher ums heilige Reden nicht mehr bange! Das wird dann zu seiner Zeit kommen mit der Macht eines lange aufgestauten Stromes!

Schweige meine Zunge, Herr, daß sie nichts trügerisches, unnützliches rede. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun,- du wirst es  wohl machen! Was all mein Reden doch nicht könnte,  das wirkst du, wenn ich schweige vor Menschen und heimlich in der Stille schreie zu dir! Amen.

 

 

10. April

Apostelg. 22, 14: »Der Gott unserer Väter hat dich verordnet, daß du seinen Willen erkennen solltest«

Wie ist es doch merkwürdig mit manchem Bibelwort gegangen! Als der fromme Ananias dieses Wort zu Paulus sprach, hat er sicher nicht geahnt, daß solch ein Wort aufbewahrt und den alten heiligen Schriften beigeordnet würde. Entsetzt hätte sich  damals mancher, wenn man ihm gesagt hätte: »Du erlebst, sprichst, schreibst eben – biblisches, was später um des in dir oder deiner Geschichte waltenden Gottesgeistes willen, aufbewahrt werden wird im Heiligtum des Wortes Gottes!« Und doch hat Gott auch das verordnet, ebenso wie er Paulum erwählt und bestimmt hatte, seinen Willen zu erkennen und zu tun. Sollte es jetzt, wo der Wille Gottes in der Bibel so klar enthalten ist, sich im Leben und Entscheiden der Gottesmänner so deutlich abspiegelt,
sollte es jetzt noch Christen geben, die wirklich nicht wissen, was Gottes Wille eben über sie ist? Gibt ein aufmerksames Lauschen auf Gottes Wort in Bibel, Gewissen, Gebet und Lebenserfahrung nicht völlig hinreichende Auskunft über Gottes heutigen Willen an mich? Sicherlich, und ich wünschte nur stets, stetig, stracks und schnell alles auch getan zu haben, was ich als Gottes Willen erkannte! Wieviel Leid und Störung hätte ich mir und anderen Menschen damit sparen können! Wollen wir uns zu der heiligen Gewohnheit verordnen lassen, stets schnell den erkannten Willen Gottes auch zu tun. Erkenntnis ist dann die offene Tür; Tun das Hindurchgehen und drinnen ist Friede und Freude im heiligen Geist!

Tu uns auf die schöne Pforte, Herr Jesu, da man hineinsieht, in die immer grünen Auen deines Willens über uns! Denn dein Wille ist unsere Seligkeit! Und dann ziehe uns mit dem heiligen Strom deines Geistes und deines Liebens, daß wir willig ohne auf Zwang und Zügel zu warten, auch hineingehen Schritt für Schritt! Daß du uns Schritt vor Schritt auch die Kraft geben wirst weiter zu gehen, trauen wir dir zu! Gelobt seist du, o Jesu! Amen.

 

11. April

Psalm 23, 5: »Er erquicket meine Seele«

Wenn die Seele solche Erquickung vom Herrn erkennen und mit Heißhunger aufnehmen soll, muß wohl eine Zeit der Dürre vorhergegangen sein. Wieviel Gründe gibts, die Uns um die Nähe des Herrn bringen! Lauheit im Bibellesen und Gebet, Untreue im Kleinen, weltliche Geselligkeit, Ungehorsam gegen einen ganz bestimmten Wink Gottes, -und vieles andre kann uns aus dem erquickenden Genuß der Nähe des  Herrn bringen. Auf die Dauer kann aber ein wirkliches Gotteskind solche Verbannung nicht ertragen und die Sehnsucht nach Lebensumgang mit dem Lebendigen wird immer stärker: mein Auge tränt zu Gott! Wenn der Herr nun kommt, um uns zu erquicken, soll das nicht nur in gesteigerter Seligkeit des Gefühls bestehen, sondern in wirklicher Mitteilung seines Lebens. Das aber kann nicht geschehen, ohne daß wir ihm gehorsam werden. Da tritt immer wieder Jesu Wort in sein Recht: nehmet auf euch mein Joch, so werdet» ihr Ruhe finden für eure Seelen! Das ist die stärkste, bleibendste, gesündeste Erquickung, daß man in neue Lebensarbeit, in neue Bahnen des Gehorsams hineingeführt wird und der Geist uns versichert:
Gehe hin, auf diesem Wege liegt, was du auf Erden an Paradies nehmen und verstehen kannst!

Lieber himmlischer Vater, du möchtest nicht, daß deine Kinder als hungernde, durstende Bettler ohne Erquickung ihre Straße ziehen, — wir möchten es wirklich auch nicht, — wir leiden darunter! Daher ·bitten wir dich, laß des Geistes Zucht so kräftig werden, daß wir bald schon merken, wo du neuen Gehorsam willst, damit du neue Lebenskraft geben kannst den Deinen! So erquicke du unsere Seelen!  Amen!

 

 

12. April.
Röm. 8, 24: »Wir sind selig, doch in der Hoffnung.«

Wie ein Fesselballon mit großartiger Überwindung der Schwerkraft und des Gesetzes der Trägheit unter dem Jauchzen der Zuschauer aufsteigt, so hoch wie seine Fessellung lang ist, so etwa klingt dieser Vers. Ja, wir sind selig: wer an den Sohn glaubt, hat schon hier ewiges Leben, – aber wir wollen nicht so kindisch unnüchtern sein und den fesselnden Nachsatz vergessen: – doch in der Hoffnung. Das macht die Sache nicht unwirklich, das nimmt der Großartigkeit der Erfahrung noch nichts, das st6rt die Freude, in solchem Ballon aufsteigen zu können und die Dunstkreise des Alltagsgewimmels jetzt schon mal vom ,,Himmel« her anzuschauen, gar nicht. Nur muß es zur Steuer der Wahrheit, damit nicht eine krasse Enttäuschung uns aus allen ,,Himmeln« fallen läßt! – doch dabei betont werden, wir fliegen nicht fort, wir bleiben im Rahmen der Hoffnung. Je völliger und lebenskräftiger wir hoffen lernen
(hast du wirklich schon auf dieser Schulbank gesessen?), desto mehr Lebensfreudigkeit wird diese Hoffnung uns ins graue Alltagstreiben gießen. »Daß man hoffet und nicht zweifelt an dem, das man siehet!« Ich fürchte, die meisten Christen lernen hoffen erst in der Zwangserziehung Gottes, wo er ihnen durch schwere Erfahrungen alle anderen Gebiete verzäunt und verdaut. Als ob man nur zwischen hohen Giebeln, in engen Gäßchen nach dem schmalen Himmelsstreifen späht und sich nicht auch im freien Feld des blauen Lichtgewölbes freuen könnte!

Jesus, wir bitten dich, salbe uns die Augen, daß wir lernen auf Hoffnung schauen, auf Hoffnung leben und jetzt schon selig sein in der Hoffnung! Wir danken dir, daß wir da, wo wir auch gar nichts fühlen von deiner Macht, doch hoffen dürfen auf die zukünftige Herrlichkeit deines seligen Reiches! Amen.

 

 

13. April

Petri 5, 14: ,,Friede sei mit allen, die in Christo Jesu sind

Selbst eines oberflächliche Kenntnis des neuen Testaments muß jeden von uns darüber gewiß machen, daß in mancherlei Form an sehr vielen Stellen von den neuen Bundesgliedern ,,Friede« ausgesagt wird. Mit geringen Ausnahmen, die bei besonderen Veranlassungen und schweren Anfechtungen in ihr Recht treten mögen, ist eins der sichersten Kennzeichen des neuen Lebens der Friede; Daß man über seine Stellung zu Gott und Christo vollkommen ruhig geworden ist, daß man über seine eigene Vergangenheit, von der aller Bann gewichen ist, ebenso ruhig geworden ist, wie über alle Zukunft, aus der die unglåubige Sorge verscheucht ist, das gibt Frieden und Harmonie von innen. Wenn wir nun noch darauf achten, das; auch unsere äußeren Lebensbeziehungen nach allen Seiten hin im Sinne des neuen Testaments, und nach unserer neuen Stellung zu Gott wirklich geordnet werden, – keine Hast und Überstürzung, keine nervöse Überreizung, keine Unmäßigkeit in der Arbeit und im Genuß! — dann kann auch das deutliche Gefühl des Friedens unser ganzes Leben durchziehen und wir werden zu Menschen des Friedens, die durch ihre bloße Gegenwart auf andere mehr wirken, als durch lange Ansprachen und Aussprachen.

Jesu, du bist unser Friede mit Gott und mit Menschen! Gib dich uns so in’s Erleben und Erfahren hinein, daß von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen und auch unser äußeres Leben den inneren Friedensreichtum abzuspiegeln gewürdigt werden kann. Halte uns in dir, damit wir als die Gehaltenen offenbar werden mitten in der zuchtlosen Welt! Amen.

 

 

14. April.

1.Kor 4,20: »Das Reich Gottes stehet nicht in Worten, sondern in Kraft« .

In der ersten Zeit des Christentums war das eine ganz selbstverständliche Sache, denn man sah, erlebte und erfuhr die Kraft des heiligen Geistes an den Neubekehrten in so unwidersprechlic5her Weise, daß das selbst Ungläubige merken mußten. Heutzutage hat man sich ein solches Kunstwerk von Worten zusammengegübelt, daß man für alles, selbst für das offenbare Fehlen der Kraft Worte genug, – aber meistens  nichts als Worte hat. Wer recht viel Verstand auf die Erlernung und Anwendung dieser Worte verwendet, kann selbst Prediger und Verteidiger dieses Christentums sein, – nur sein Leben weiß nichts davon. Es ist zwischen seinem sogenannten Glauben und seinem Leben eine solche  klaffende Kluft, daß sie nichts mit einander gemein haben
und nichts von da hinüber und herüber fährt. Wollen wir da doch damit vollen Lebensernst machen, daß wir nach der Kraft fragen und uns Aufnahme dieser Kraft melden, ja uns für ein solches Reich Gottes erziehen und zubereiten lassen. Sobald aber wirkliche Kraft von oben her in unser Leben eingreift, dann muß die Regel der vollen Wahrheit eintreten, daß man Worte nurda braucht, wo ihnen Kräfte entsprechen. Wie Papiergeld nur so weit Wert behält, als seiner Ausgabe Goldunnzen, wirkliche Kapitalien, entsprechen, so muß jeder Wertangabe unseres Christentums der wirkliche Wert der geheimen Kraft Christi in uns entsprechen. Dann wird selbst die Welt Respekt vor solchem Glauben bekommen. Vergleiche den Glauben Georg Müllers in Bristol mit seinen handgreiflichen Erfolgen!

Ach ja, Jesu, wir hungern nach der wirklichen Kraft! Gib uns solche Vergebung der Sünden, daß man ihre Kraft in unsern Beziehungen zu anderen Menschen spüre! Tröste dein Volk in aller Welt mit leibhaftigem Leben und wirklicher Kraft aus der Höhe, damit wir eins werden in der Wahrheit. Treibe allen falschen Reichtum aus unserem geistlichen Leben hinaus und laß die Armen im Geist jetzt schon dein Himmelreich erleben und erfahren! Amen.

 

15. April

Psalm 23, 5: . . er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Was für ein anderes Zeitwort möchtest du lieber zwischen ,,er” und ,,mich« setzen? Soll er dich schleppen, treiben, zerren, peitschen? Kein anderes Tier geht so hinter dem Hirten her, als das wehrlose, schwache Schaf. Sieh doch dem Transport eines wilden Ochsen oder eines störrigen Kalbes auf der Straße zu und dann vergleiche damit das stille, dem Hirten nachstrebende
Folgen des Schafes! Wie solltest du dankbar sein für alle Arten der Führung: ob dir ein Bibelspruch plötzlich in neuem Licht aufflammt, ob ein alter Liedervers unvermutet Antwort auf eine brennende Frage des Herzens gibt, – ob ein sogenannter zufälliger Besuch eines Freundes oder eine deutliche innere Stimme dir Bescheid gibt, – wenn du nur nicht ohne Jesu  Führung bleibst. Je treuer wir auf alle seine Winke achten, desto mehr wirkliche Erlebnisse von Oben werden sich wie Edelsteine in schlichter Fassung in unserem Leben finden. Auch werden wir bei rechter Treue gegen ihn keinen Augenblick irre werden darüber, ob wir auch von ihm auf rechter Straße geführt worden sind oder nicht. Sein Name, Heiland, Helfer, Seligmacher, bürgt uns dafür, daß er uns nicht in’s Verderben wird laufen lassen! Nein, wo  Jesus Christus der Führer ist, da geht’s sicher gut und recht,ob’s auch scheinbar oft voll Widersprüche und Schwierigkeiten ist. Das scheint nur so, weil der Weg noch halb ist: wer eine halbe Arbeit tadelt, ist ein Narr. Am Ende werden wir erkennen, das war doch die rechte Straße!

Ja, heute schon, mitten in den Windungen und Strömungen des Alltags im Erdental glauben wir dir, Herr Jesu, daß du uns richtig führst, daß du uns bisher tadellos geleitet hast und ewiglich richtig führst! Darum wollen wir wie kleine Kinder sprechen: So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich! Amen.

 

16. April.  yxc

Joh. 13,5: Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Welch ein niederschmetterndes Urteil über Weltziele, Weltmühen und Welterfolge! Vom Himmel her angesehen wäre das alles nichts, wenn es nichts von Jesu Art an sich trägt. Sollte uns das nicht mahnen eine Prüfung unseres Lebens und seines Hauptgehalts vorzunehmen, damit wir nicht erfunden werden als die, welche lebenslang so viel Scharfsinn und Mühe auf nichts gewandt haben! Aber es soll keine Verachtung aller irdischen Arbeit damit ausgesprochen sein: nein, nur ,,ohne ihn« ist zu betonen. Wer mit Jesu an seine irdische Arbeit geht, der wird auch in dem Erdenberuf Himmelssegen erleben; schon in dem, was diese Arbeit rückwirkend an seiner Seele wirken kann, indem sie reinigt und reift. Noch weiter soll’s bedeuten, das; niemand
Frucht für die Ewigkeit erwarten darf, der nicht im unlöslichen Zusammenhang mit dem Weinstock, mit Jesu bleibt. Nur der Saft des Weinstocks treibt in der Rede zum Ansetzen von Blättern, Knospen, Blüten; der Saft aber ist Jesu Geist und Art. Wer gelähmt sein will am inwendigen Menschen, wer leere Gebete, tote Worte, weggeworfene Arbeitsmühe, nutzlose Plage, vergebliches
ChristenIeben festhalten will, der lebe, bete, ringe, leide ohne Jesum! Schrecklich, alles mögliche durchgemacht zu haben, – nur alles ohne Leben, ohne Geist, ohne Wirklichkeit, ohne Nutzen, ohne Jesum!

Nein, Herr Jesu, wir wollen nichts ohne dich! Mag alles andere sich gegen uns verschworen haben, sich schrecklich gegen uns stellen, – wenn wir nur mit dir in Ordnung sind! Sei du uns nur nicht schrecklich, du unsere Zuflucht und Zuversicht in der Not! Jesu, lehre uns, Jesu, hilf uns, daß wir mit  dir eng verbunden alles tun und alles lassen, alles wagen und alles tragen können! Bleib’ du in uns und halte uns in dir! Amen.

 

17. April

Ps 23, 4: Und ob ich schon wanderte, im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 

Ob man diesen Vers von TrübsalsdunkeI, durch die der Hirte uns führen muß, oder vom Sterben auffassen mag, die Wahrheit muß doch bestehen: Trost ist nötig; es ist aber Trost da; dieser besteht im Hirtenstabe und die Folge ist, daß der Betreffende kein Unglück fürchtet. Eigentlich bedürfen nur die Worte eine Erklärung: inwiefern wird der Hirtenstab zur Trostquelle? Nun, ist das Schäflein im Morgenland stets gewohnt, sich nach dem Hirten zu richten, also ihn zu sehen, so ist hier das Schrecklichste des finstern Tales, dass man die geliebte Gestalt nicht sehen kann. Dann weiß man gar nicht, ob der Hirte noch da oder nah ist. Jetzt kehrt er sich um  und rührt mit seinem Stabe die vordersten Schafe an, denen die andern ja nachdrängen, und die unentschlossen stehen geblieben waren. Sowie sie des bekannten Stabes leiseste Berührung spüren, wissen sie: wo der Stab ist, ist auch der Hirte! Da werden sie getrost und gehen weiter. Ich möchte auch noch daran erinnern, daß das gekrümmte Ende des Stabes bei den Hirten in den Krimmer Steppen dazu dient, das Schaf am Hinterfuß zu fassen, wenn er es zu sich ziehen will. Dann ist der Stab doch ein Trost! Durch solche ,,Heimsuchung« zieht er uns zu sich. Da kann ein Kind Gottes mitten im Leide, das andere Menschen ,,Unglück« nennen, den Trost Seiner Nähe verspüren, der ja unser Nächster sein will, weil er die größte Barmherzigkeit an uns getan. Du bist bei mir, das klingt bei solchem Verstehen wie der wundersam ergreifende Ton einer tiefen Glocke, auf den wir schon bange lauschend gewartet: Abendglocken nach der Arbeit!

Jesus, komm uns ganz nah, dass wir mitten in Sichtungsstunden spüren, dass du für uns gebeten hast, daß unser Glaube nicht aufhöre! O räume alle Hindernisse zwischen deinem und unserem Herzen aus dem Weg und ziehe durch alles uns zu dir! Wir möchten dich finden, haben und behalten, bis du uns ,haben und führen kannst ohne Stecken und Stab! Amen.

 

18. April
1.Joh. 2, 6: Wer da sagt, daß er in ihm bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. –

Kann man auch Feigen lesen von den Disteln? Umgekehrt: kann man auch schlechtes, unwahres, liebloses Wesen der Christen als Frucht des Weinstocks Jesu anerkennen? Wie kann der gute Baum ,,Jesus« solche schlechte Früchte haben? Er hat sie gar nicht, – sondern die Leute, die so im ungöttIichen Sündendienst drin stecken, haben nur von sich behauptet, sie wären in ihm geblieben! An ihrem Wandel, an ihrem Übermut oder ihrer Verzagtheit, an ihren Urteilen und Entscheidungen, an dem, was reif wird an ihnen, kann man ja handgreiflich sehen, wie wenig Zusammenhang sie mit Jesu haben müssen. Denn wer nicht nur sagt, daß er in Jesu sei, sondern wirklich in Jesu ist, der wird und muß auch in Ähnlichkeit des Lebens und des Geistes Christi
wandeln. Da wird nicht nur keine grobe ausfallende Polizeisünde mehr vorkommen, sondern auch kein liebeleeres, geistfremdes Urteilen über jeden andern Christen, der etwas anders geführt worden ist, als wir, und darum auch anders gewachsen und geworden ist, als wir. Kurz, wenn wir in Christo sind, brauchen wir es weder von uns zu behaupten, noch es Jemand irgendwie beweisen zu wollen, – nein, das zeigt sich entweder ganz von selbst in Art und Wandel und Wesen, oder es ist überhaupt nicht vorhanden. In jedem Fall brauchst du davon, daß Jesus in dir wohnt, kein Wort zu sagen; der Schein dieses Lichts bricht hell durch die Fenster auf die Straße! Andern Reichtum kann man verbergen und verleugnen: den Reichtum an Leben und Geist von Oben kann auf die Dauer keiner verstecken und verleugnen. Die Armut daran allerdings auch nicht!

Jesu, erbarme dich über uns alle, die wir uns nach dir sehnen und füll uns Herz und Sinn mit nichts Geringerem als mit dir selbst! Wir wollen keine Engel und Wundergaben, – wir wollen dich, deinen Geist, deine Person, dein Leben in uns hinein haben! Bist du wirklich da, kannst du bei uns es aushalten, dann wird alles Andre gut! Darum erinnere uns alle Tage, wie du uns haben willst, damit du bei uns bleiben kannst! Amen!

 

 

19. April.

Joh. 12, 26: «Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.«

Nun, wo ist der Heiland auf keinen Fall? In der Lüge, Heuchelei, Trägheit, – kurz in der Sünde. Wenn wir uns doch wenigstens die Mühe geben wollten, stets schnell festzustellen, ob die Art, wie wir eben urteilen, genießen, richten, ein sündenreiner Raum ist, wo sich Jesus aufhalten kann oder nicht. Wo ist Jesus noch? In Kampf und Streit, in Kreuz und Leid, in Schmach und Spott! Da mußt du auch sein! Was soll das bedeuten, wenn jetzt, wo rings noch die Geisterschlachten geschlagen werden müssen, zwischen Licht und Finsternis, man sich in die lauschige Waldecke zurückzieht und sich ,,Hütten« bauen will zum geistlichen Stillleben! Nein, ein schlechter Knecht, der still darf stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn. Wenn dich wirkliche Liebe an Jesu kettet, dann mußt du ihm immer folgen, bei ihm immer bleiben und wirst dann die Forderung unseres heutigen Textes für ganz selbstverständlich halten. Dann wird es aber ganz von selbst geschehen, daß du auch nach dem Krieg mitgenommen wirst zur Herrlichkeit des ewigen Siegesfestes. Es wird dann von Jesu noch einmal betont werden: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein! Leiden wir mit, so sollen wir auch mit herrschen; sterben wir mit, so sollen wir auch einst mit ihm leben ewiglich! Darum bitten wir immer wieder um das Eine, daß nur unser Zusammenschluß mit ihm ganz fest, ganz in Ordnung sei!

Ach ja, Herr Jesu, wir bitten dich, halte deine Kinder fest in deiner starken Hand, daß wir uns durch keinen Leichtsinn von dir entfernen, dich nicht in Leidenssche unf Lässigkeit allein lassen, wodurch es uns um so viel schmerzlicher klar wird, wie allein wir sind ohne dich! Nein, halte uns fest und ziehe uns dir nach, damit dein Einfluß und deine heimlichen Züge unsere Seligkeit seien! Amen.

 

 

20. April.

Psalm 23, 5: »Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein «

Das sind drei Erfahrungen, die die Kirche Jesu ebenso gemacht hat, wie der einzelne Glåubige. Dort die tobende Wut des heidnischen Pöbels hier eine stille, geheiligte und gesegnete Feier des Abendmahls Wenn wir auf das Angesicht unserer Feinde schauten, könnten wir niemals fröhlich essen und den Heiland dabei loben. Er schafft es, daß wir in einer Art heiligen Trutzes jubeln dürfen: ,,Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein« Aber auch das zweite Stück: die Salbung wie zum Festmahl, wollen wir nicht vergessen. (1. Joh. 2, 27.) Die Salbung mit dem Ol des freudigen Geistes der Gemeinschaft mit unserem Herrn bleibt bei uns und duftet durch unsere leichten Stunden als strahlende Glückseligkeit, gemalt auf den Goldgrund der Ewigkeit – oder durch unsere schwersten Stunden als stille Zuversicht: dennoch hat Israel Gott zum Trost! Und seitdem Jesus den bittern Kelch des Leidens für uns getrunken hat, bietet er uns einen Kelch der Freude voll bis zum Uberfließen an. Vergleiche nicht deinen Kelch mit anderen, frag nicht, ob er aus Holz oder Gold, lob nur den Herrn, der ihn dir jetzt voll einschenkt und trage ihn, behutsam, daß nichts von dem Himmelsnaß auf die Erde falle. Du sollst mit deinem Überfluß, -—einerlei ob leiblichem oder geistlichem, ob an Geld oder Gesundheit, oder frohem Mut oder heiligem Geist andere tränken und erquicken, die sonst vor Jammer sterben könnten!

Wir sagen dir Dank, Herr und Heiland, daß du so unerschöpflich reich bist über alle, die dich anrufen, auch über uns! Was sind wir, daß du so an uns gedenkst und so über Bitten und Verstehen tust an den Deinen! Lehre uns immer mehr verstehen, was du uns tun willst, damit dein Reichtum offene und leere Gefäße fülle mit köstlich duftendem und starkem Wein reiner Geistesfreude. Amen.

 

 

21. April.

Eph. 6, 10:» »Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke

Die Mahnung zum Starksein und Zeigen einer Stärke hat für den natürlichen Menschen, solang er an seine Stärke in irgend einem Punkt glaubt, etwas ungemein Verlockendes. Nichts ist so sehr Fleischesfreude, als mit dem zu prahlen, worin man seine Stärke hat. Wie ganz anders war das beim Herrn Jesu! Die Macht seiner Stärke bestand in seiner freiwilligen Abhängigkeit!
Der Sohn kann nichts tun, außer was er sieht den Vater tun, sagt er selbst. Meine Speise ist, daß ich tue den Willen deß, der mich gesandt hat und vollende sein Werk. Also das war Jesu Stärke, daß er ganz gehorsam war dem Willen des Vaters; seine freiwillige Abhängigkeit vom Vater war sein Panzer und seine Burg, aus welcher die Versuchungen des Teufels vergeblich ihn herauslocken wollten auf das Feld, wo Willkür und Eigenwille herrschten! In dieser Stärke Jesu soll auch unsere Stärke liegen, wie er es selbst an andrer Stelle sagt: nehmet auf euch mein Joch (diese willige Abhängigkeit von Gott!) so, und nur so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Seid stark in dem Herrn Jesu und in dem, was das Eigentliche, Ausschlaggebende seiner
Stärke war, bedeutet also: gebt euren Willen ganz hin in Gottes Willen! Liefert euer Herz in völliger Hingabe an den Herrn aus; das wird euch stark machen! Ist unser Herz und Leben geborgen beim Herrn, dann sind wir unverwundbar und können kämpfen wie die Löwen!

Jesu, unser Meister und König, wir bangen, schwachen Sünder bitten dich, erbarme dich heute über uns! Ziehe uns durch den Einfluß deiner Nähe und deines Geistes in den Zusammenhang mit dir hinein, so daß wir wirklich dir ganz gehorsam werden und damit voller Friede über uns kommt. Wir möchten ganz dein eigen werden« und auch bleiben, damit du uns habest zum willigen Dienst! Amen.

 

22. April.

2. Mose 35,18: Er aber sprach: So laß mich deine Herrlichkeit sehen.

Wundern wir uns nicht, daß Moses solche Bitte aussprachl Wenn man einer Welt voll Unglauben und Leichtsinn gegenübersteht, die sich mit der Greifbarkeit und Sichtbarkeit ihrer Reichtümer brüstet, wenn man, wie Mose, eine große Menge widerspenstiger, halbgläubiger Leute hinter sich her zu ziehen hat, die alle schließlich auf den Glauben Mosis schauen, als ihre einzige Verbindung mit der unsichtbaren Welt, — dann kann man’s ihm nachfühlen, wie gern er selbst seines Gottes Herrlichkeit sehen wollte. Damals gab es einen Raum, eine Felsenspalte, wo er stehen durfte und wenigstens dem Vorübergegangenen nachschauen. Die Apostel hatten mehr: ,,wir sahen seine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. Haben wir nicht noch mehr, in denen sein Geist wirkt und weht, daß wir die Erfüllung seiner Zusage oft verspüren: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende? Und doch, — wir können’s nicht  leugnen, — es schläft in unseres Herzens Tiefen doch auch die geheime brennende Sehnsucht: Ach, daß wir einen Tag des Menschensohnes erlebten. Wir wollen ja gern glauben, ohne zu sehen; – wir wollen uns nicht ärgern an der Knechtsgestalt des Reiches auf Erden, – aber beten dürfen wir doch:

Herr, gib uns Augen, um deine Fußspuren im verwehenden Sande der Welt, unseres Lebens und unserer Erfahrungen zu erkennen! Wir schmachten darnach, daß ab und zu dein Licht hereinbricht wie Hochzeitskerzenschein in unsere Dämmerung! Laß uns dein Leben erleben, erfahren, verspüren, damit unser Antlitz die Klarheit deines Wesens, den Wiederschein deiner Nähe abspiegeln kann! Jesu, wir glauben, stärke uns den Glauben! Jesu, wir lieben dich, durchglühe unsere Liebe! Amen.

 

23. April

Joh.7,15: Wie kann dieser die Schrift, so er sie doch nicht gelernt hat?

Aus diesem hingeworfenen Wort können wir schließen, daß der Herr Jesus kein Examen gemacht hat, keinen damals gültigen Bildungsgrad erworben, nicht nach der Meinung der Zunft der Schriftgelehrten die Schrift gelernt, wie sich’s bei ihnen zum Lehrer gehörte! Und doch kann er die Schrift, ja er ist ihr Meister und braucht sie, wie vor ihm keiner und das Volk stand unter dem Eindruck: Er predigt gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten. Die guten Leutchen wußten nicht, daß es noch eine andere Methode gibt, wie man in die Geheimnisse der Schrift eindringen kann! Durch Gehorsam! Wer den Willen Gottes in einem klar erkannten Punkte getan hat, bekommt dadurch über mehrere andere Punkte Klarheit und so geht’s fort. Das heißt die Worte Jesu tun! So wird nicht nur unser Erkennen beeinflußt, sondern ein Stück der Bibel wird aus dem Gebiet der Gedanken wieder zurückverwandelt in das, was es einst war: in Wirklichkeit, in Geschehen, in Geschichte; Die Bibel ist gewissermaßen gefrorene Geschichte: nimm deinen Anteil und wärme ihn mit deinem Herzblut, dann wird’s schmelzen und leben, dann wird’s dich lebendig
machen durch das Geschehen« von oben. So kann man die Schrift lernen!

Wir bitten dich, du treuer, liebreicher Vater im Himmel, gib uns deinen heiligen Geist, wie du gerade diese Bitte besonders verheißen hast zu erhören! Und dann laß deinen Geist uns in alle Wahrheit leiten! Lehre uns durch ihn das Stück deines Wortes erkennen, das heute lebendig werden soll für uns durch unseren Gehorsam! Erbarme dich Und hilf uns durch die Macht deines Geistes, daß wir heute noch dir gehorsam werden! Amen.

 

24. April.

Psalm 23, 6: »Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar«

Wie Fürsten nicht ohne Geleit ausgehen, Kindlein nicht ohne ihrer Engel Schutz sein mögen, so haben wir beides: zwei Engel, die uns geleiten und die heißen ,,Gutes« und ,,Barmherzigkeit«. Andere mögen dem Guten nachtrachten ihr Leben lang und es wird doch nichts Rechtes; andere beklagen sich, dass man so unbarmherzig mit ihnen umgeht; -— wir Christen haben es anders. Uns folgen die zwei wie schützende Engel auf dem Fuße nach. Oft, ehe wir daran gedacht und eh’ wir’s uns versehen, läßt der Herr uns durch diese beiden Geleitsmänner viel Freude zu teil werden. Hast du das nicht so erfahren? An wem das dann wohl liegen mag? Wer sich seinem Heiland wirklich, ergeben hat und ihm getreulich nachfolgt, der erlebt auch jene Labung aus der Höhe, jenes Gute und jene Barmherzigkeit! Der Schluß des schönen Psalms ist aber des ganzen köstlichen Inhalts wert. Denn er sagt uns, daß diese Heilung und Pflege, die Freundlichkeit und Hilfe des Herrn nicht für heute und morgen sei, sondern für immerdar! Wir bleiben in Jesu und seinem Hause als sein Eigentum und niemand soll uns scheiden. Auch der Tod nicht, denn auch der ist überwunden und um seine häßlichsten Stachel gebracht durch Jesu Tod. Also heute und immerdar bleiben wir unseres treuen Hirten getreue und darum selige Schäflein! Halte diesen großen Blick ,,immerdar« auch fest wenn die kleinen Blicke, die Augenblicke, jetzt eben schmerzlich sein mögen und schwer; der große Blick siegt doch bald wieder als das Bleibende,
Wahre, Ewige.

Mach das an uns wahr, Herr Jesus! Laß uns, die wir ganz auf deine Hilfe trauen in keinem Stück zu Schanden werden, auch an keinem ,,bösen« Tage, wo der Feind viel Macht und List entfaltet, uns von dir los zu reißen. O lieber Heiland,-nimm und versiegele unseres Herzens Stellung zu dir, daß wir wohnen und bleiben in dir ewiglich! Amen.

 

 


25. April.

Ps. 119, 93: Ich·will deine Befehle nimmermehr vergessen; denn du erquickest mich damit.

Auf dem Schiff, das sich im Sturm auf hoher See befindet, können verkehrte Befehle nicht nur das größte Unheil anrichten, sondern auch die Mannschaft verdrossen und unwillig machen. Wozu die Anstrengung bei der Ausführung eines Befehls, wenn derselbe falsch war und wenige Minuten nach der Ausführung wieder rückgängig gemacht wird! In solcher oder ähnlicher
Verwirrung wirken richtige, klare, wirklich geistvolle Befehle wie eine Erlösung! Man spürt, jetzt ist Sinn und Ordnung drin; jetzt ists eine Lust, zu gehorchen! Da haben wir die Erklärung für den sonst auf den ersten Blick verwunderlichen Ausdruck: Du erquickest mich mit deinen Befehlen. Nach dem Durcheinander menschlicher Meinungen (man denke nur an politische oder konfessionelle Streitigkeiten!) und Beeinflussungen wird uns zu Mut, als ob eine erlösende Erquickung uns geschenkt sei, wenn statt all dieses Wustes Jesus allein in unserer Seele zu Wort kommt und uns seine Befehle gibt! Ja, und dabei dürfen wir nicht vergessen, daß die Haupterquickung erst kommt, wenn man anfängt, diese Befehle zu tun. Wir merken da bald, es sind nicht sittliche Leistungen und Anstrengungen, sondern Erquickungen, Arzeneien für die Seele, daß uns eine neue Bahn gebrochen ward, wo wir gehorsam den Befehlen Jesu vorwärts gehen sollen, vorwärts in unser Glück hinein!

Herr Jesu, du bist unser rechter Führer; deine Winke und Befehle sind richtig und wir haben es schon oft geglaubt und erkannt, daß wir in der Erfüllung deiner Befehle Glück und Frieden kosten durften. Aber wir werden so oft wieder laß und schwach und bringen uns selbst um die erquickende Frucht des Gehorsams. Da komm du und erinnere uns, da ruf uns immer wieder herzu und stell uns an die Arbeit, deine Befehle zu thun; dann können wir sie nicht vergessen! Amen.

 

 

26. April.

Hes. 23, 20: Ich werde euch richten, einen jeden nach seinen Wegen.

Man braucht sich den Ernst und die Wahrheit dieses Wortes gar nicht bis zur Erwägung des jüngsten Gerichts zu verschieben: nein, es geht jetzt schon ein solches Gericht über uns, das sich ganz genau nach unsern Wegen richtet. Womit man sündigt, damit wird man gestraft. Wir werden mit der Sünde selbst schon gestraft. Der Unkeusche bekommt als Gericht wieder unkeusche Gedanken, der Zornige immer neue Zornreizungen und das ist nicht nur ein Gerichts-, sondern auch ein Todesweg. Auf diesem Wege begegnest du dem Tod, dem seelischen, geistlichen, – oft auch dem leiblichen Verderben. Hilfe kann da nicht angeweht und aufgegossen werden, sondern sie muß auch auf diesen Wegen offenbar werden. Jesu Hülfe muß die Sündenstelle am Herzen so heilen, daß bei der nächsten Versuchung, wieder in die alten Geleise hineinzufahren, Jesu Art hindert und aufhält. Jesus errettet mich jetzt, – das ist der Prellstein, – da biegt man ab in den Anfang einer neuen Richtung. Wenn nicht im Gebiet der Sünden selbst die wirklich ergriffene Gnade, an die man glauben muß, die Änderung zustande bringt, helfen alle christlichen Gefühle– ja selbst Gebete nichts. Die Kraft der Hilfe muß offenbar werden oder das Gericht wird offenbar!

Ach, Herr Jesu, wir müssen oft weinen, seufzen, jammern über die geheimnisvolle Macht der Sünde im eigenen oder fremden Leben. Da reiche uns deine für uns durchbohrte Hand, daß wir uns an dir aufrichten. Es kann doch noch nicht Alles verloren sein in einer Welt, für die du dich zu Tode geblutet hast! Offenbare du deine Liebeskräfte in unserem Leben und in allen Denen, die noch sehnsüchtig dir ihre gefesselten Hände hinstrecken, damit du sie frei machst! Und du machst recht frei! Hallelujah! Amen.

 

27. April

Hes. 20, 25: ,,Darum übergab ich sie in die Lehre, so nicht gut ist und in Rechte, darinnen sie kein Leben haben konnten.«

Ein Gericht Gottes fällt nicht willkürlich wie ein Blitz vom heitern Himmel; es steht immer in tiefbegründetem innern Zusammenhang mit der Vorgeschichte des Sünders. Weil ein anderer Weg für ihn nicht gangbar, weil auf eine andere Weise an ihn nicht heranzukommen, und weil in ihm gerade für diese Form des Gerichts innere Vorbedingungen sich erfüllt hatten, trat es jetzt und gerade so ein. Wenn man die Versteifung der Pharisäer aufs Gesetz zu Jesu Zeit ansieht, erkennt man die Erfüllung des obigen Prophetenwortes. Sie wollten nicht Leben aus Gott sehen, nicht ihr Herz für Gott öffnen, sondern ,,Lehren und Gesetze«; gut, da gab man sie in dieselben zum Gericht, sodaß sie sich mit allem Gesetzeseifer tiefer hineinbohrten in ihr eigenes Grab. Gibts nicht heutzutage auch ,,Christen«, an denen wir diesen Gerichtszug sehen? Sie sind Positive, Orthodoxe, sie halten fest an allem, das geschrieben steht; nur ihr Leben weiß nichts davon und jeder unmittelbare Naturmensch oder jedes kleine Kind flieht vor der Luft und Art, die sie ausstrahlen. Leben haben sie in all ihren Rechten und Regeln, Lehren und Satzungen doch nicht und das Gericht ist, daß sie das nicht selbst spüren und merken. Wenn sie die Erkenntnis ihres geistlichen Hochmuts überkäme, das Gefühl für ihr ,,heiliges« Strafbänkchen, auf dem sie sitzen, – so wären sie tief erschüttert und – vielleicht schon auf dem Wege zur Rettung!

Lieber Heiland, bewahre uns vor jeder Lüge! Aber vor allem bewahre uns vor der Lüge, damit wir unsere Seele als gefälschte Ware in den Handel bringen! O, lieber Herr, laß uns nicht in diesen furchtbaren Gerichtszustand hinabgleiten, sondern öffne äuns die Augen, damit wir dich erkennen und uns erkennen, und deine Wahrheit uns frei mache von jeder Form der Lüge! Amen.

 

28. April.
Psalm 23,2: »Er weidet mich auf einer grünen Aue und fiihret mich zum frischen Wasser.»

Da muß man Ja die Probe machen können, ob es einem unter dieses Hirten Hut und Leitung wirklich an nichts mangelt! Verstehen wir unter dem grünen, saftigen Gras nicht nur die äußeren Dinge, die uns unser guter Hirte auch reichlich spendet zur rechten Zeit, sondern das Wort Gottes, gedeihliche, geistliche Nahrung, so müssen wir auf seine Frage beschämt eingestehen:
wir haben nie Mangel gehabt! Höchstens waren wir bisweilen unlustig rund; appetitlos, ließen die Predigtgelegenheit links liegen und das Bibellesen rechts! Dann hat er uns nicht mit Schlägen auf die Weide getrieben, nicht mit Strafen zum Essen gezwungen, sondern durch Hunger! Wieviel Stunden des Tages weidet das Schaf, und in wenig Minuten trinkt es hinreichend um seinen Durst zu löschen. Dann möchte man unter solchem frischen Trunk besondere Stunden und Gelegenheiten verstehen, da die Seele etwas extra erleben soll von Jesu Nähe. Manches Mal war es beim einsamen Sinnen und Beten über seinem Wort, daß sich dieses wie eine verschlossene Muschel auftut und ließ uns die kostbaren Perlen darin sehen, oder ein anderer Mensch mußte uns auf das Verständnis eines Spruches hinweisen oder er selbst mutete uns an, wie ein Trunk aus frischem Brunnen. Es hat an nichts gefehlt, was der Herr uns in seinem Worte verheißen! Wären wir immer aufmerksam genug und still genug für ihn gewesen, was hätten wir nicht alles erleben und erfahren können!

Wir danken dir, Herr Jesu, du unser großer, guter, treuer Hirte, daß du dich unser so liebreich und so treulich angenommen und hast uns in Wort und Sakrament, in Gebet und Gemeinschaft dein Antlitz leuchten lassen, daß darob unsere Seele Kräfte der Genesung spürte! O laß uns unverwandt auf dich blicken ohn Unterlaß, damit deine Kraft unsere Kraft werde und deine Art unsere Art! Amen.

 

29. April.

Matth. 16,16: »Was hülfe es dem Menschen, sei er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden: an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?« .

Wenn die Seele, ihre Entwicklung und Ausbildung, ihr Leben und ihr Wachstum der Zweck unseres Lebens ist, dann hat dieser Spruch ohne weiteres Recht. Dann kann es keinen Gewinn aus der Welt und ihren Sachen geben, bei dem die Gewinnerin selbst zu Grunde geht. Aber auch wenn man die Seele als das Werkzeug oder den Mund des Genießens faßt, — und die Seele muß
sich des Genusses der Weltreize bewußt werden, sonst war es kein Genuß, – behält der Spruch seine Bedeutung. Denn wenn der Genuß die Genießerin schädigt, verdirbt,.in die Sklaverei verkauft, wie kann sie dann später zu; etwa neuem Genuß gelöst werden? Sie ist ja schon verloren! Schade, daß sie aber das Verlangen nach Genuß eingebüßt hat, – das bleibt, nur die Befriedigung. wird unmöglich. Das ist ewige Verzweiflung. Schauerlicher Gedanke, daß die meisten Menschen mit fieberhafter Unruhe, mit Drangabe ihres Herzensfriedens um  den Preis ihrer Seele irren, sich selbst das Verderben der Seele erjagen! Sie nennen’s Glück, bis sie merken, daß es Höllenleid war, was sie sich eingetauscht, und dann ists zu spät! Ach, daß sie Jesum wahrhaft kennen lernten, ehe es zu spät ist. Er hat seine Seele eingesetzt, um unsere Seelen zu lösen, um unserer Seele das Leben wieder zu geben!

Ach, mein Heiland, laß mich nie vergessen, daß du mich so teuer erlöst hast, daß meine Seele nun dir gehört und nicht mir selber! O segne dein Wort in aller Welt, damit noch viele Seelen durch dich persönliches Leben kennen lernen und sich dir völlig ergeben, der du unserer Seele wahres Lebensbrot und Lebensluft und Lebenslicht gibst! Amen.

 

 

 

30. April

2.Chr 36,21: « . . . bis das Land an seinen Sabbathen genug hätte . . .«

Gott hatte Jsrael geboten, dem Ackerland alle sieben Jahr ein Jahr Ruhe zu gönnen, und so widersinnig es dem irdischen Menschen erscheint, verheißen, sie würden keine Not dabei leiden. (Wirklich gab es in meiner Zeit Grundbesitzer in der Krim, die das wörtlich so machten und dabei keinen Schaden hatten!) Es war eine Glaubenstat damit verlangt und eine Schonung von Arbeitsvieh und eine Heiligungszeit für den Menschen darin geplant. Ein großartiger Gedanke: für ein ganzes Volk ein Jahr lang Sonntag! Und das alle sieben Jahre! Was unsere Nationalökonomen und Börsenspekulanten von heute wohl für Gesichter zu diesem großartigen Gottesgedanken machen würden! Israel aber ward ungläubig und tat das nicht; brachte sich um den darin liegenden Segen und Gott um sein Volk! Darum ward, als das Volk in die babylonische Gefangenschaft weggeführt worden, unser Textwort als Zeitmaß erwähnt. Das Land muß seinen Sabbath haben: ihr gebt ihm nicht, was ihm zukommt, dann schafft Gott euch weg, sein Gesetz kann nicht gebrochen werden! Menschen, ohne Sonntage für Leib und Seele, ohne Ruhetage, wo ihr für Gott da sein könnt und er für euch, — ihr bringt euch selbst um den Segen! Wollt ihr warten, bis man euch ins Grab legt und das Land, die Zeit, das Geschäft, die Arbeit, euch los geworden ist und genug an ihrer Ruhe haben!

Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, damit wir auskaufen unsere Zeit; aber nicht wie die Welt es meint, mit rasendem Erwerben und rasendem Genießen,- nein, lehre uns ruhen in dir! Du Herr Jesus sollst unser Sabbath sein, in dem wir stille werden und froh, klein und rein, sodaß dein Sabbath auch am Werktag, auch in der Unruhe draußen sänftigend durch unser Wesen wehe! Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.Chr 36,21: « . . . bis das Land an seinen Sabbathen genug hätte . . .«
Gott hatte Jsrael geboten, dem Ackerland alle sieben
Jahr ein Jahr Ruhe zu gönnen, und so widersinnig
es dem irdischen Menschen erscheint, verheißen,
sie würden keine Not dabei leiden. (Wirklich gab«
es in meiner Zeit Grundbesitzer in der Krim, die dass
wörtlich so machten und dabei keinen Schaden hatten!) Es
war eine Glaubenstat damit verlangt und eine Schonung
von Arbeitsvieh und eine Heiligungszeit für den Menschen
darin geplant. Ein großartiger Gedanke: für ein ganzess
Volk ein Jahr lang Sonntag! Und das alle sieben Jahre!
Was unsere Nationalökonomen und Börsenspekulanten von
heute wohl für Gesichter zu diesem großartigen Gottesgedanken
machen würden! Israel aber ward ungläubig
und tat das nicht; brachte sich um den darin liegenden
Segen und Gott um sein Volk! Darum ward, als das
Volk in die babylonische Gefangenschaft weggeführt worden,
unser Textwort als Zeitmaß erwähnt. Das Land muß
seinen Sabbath haben: ihr gebt ihm nicht, was ihm zukommt,
dann schafft Gott euch weg, sein Gesetz kann nich?
gebrochen werden! Meeschen, ohne Sonntage für Leib und
Seele, ohne Ruhetage, wo ihr für Gott da sein könnt und-
er für euch, — ihr bringt euch selbst um den Segen!
Wollt ihr warten, bis man euch ins Grab legt und das
Land, die Zeit, das Geschäft, die Arbeit, euch los geworden
ist und genug an ihrer Ruhe haben!
Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen,
damit wir auskaufen unsere Zeit; aber nicht wie die
Welt es meint, mit rasendem Erwerben und rasendem
Genießen,- nein, lehre uns ruhen in dir! Du Herr
Jesus sollst unser Sabbath sein, in dem wir stille
werden und froh, klein und rein, sodaß dein Sabbath
auch am Werktag, auch in der Unruhe draußen
sänftigend durch unser Wesen wehe! Amen.
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