StartseiteAutorität der BibelLuthers Bibelverständnis

Kommentare

Luthers Bibelverständnis — 2 Kommentare

  1. Lieber Bruder Uri,

    Der Tiefgang im Verstehen des Alten Testamentes lässt bei vielen Gläubigen den Wunsch entstehen, dieses Buch dem herausragendsten Apostel, eben Paulus zuzuordnen. Doch welche Argumente dafür gibt es?

    In der von Fritz Laubach verfassten Erläuterung des Hebräerbriefes (Wuppertaler Studienbibel) werden die Argumente für und gegen eine Verfasserschaft des Paulus zusammengetragen. Eine eindeutige Antwort mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ wird hier nicht gegeben.

    Der Hebräerbrief spricht vom Evangelium, das „zuerst gepredigt ist durch den HERRN und dann auf uns gekommen ist durch die, die es (von den Aposteln) gehört haben, und dass es danach von Gott beglaubigt worden ist mit Zeichen, Wundern und mancherlei Kräften und mit Austeilung des heiligen Geistes nach seinem Willen“. (Hebr 2,3)

    Würde ein Paulus tatsächlich so vom Evangelium reden, der größten Wert darauf legte, dass er seine Botschaft eben nicht von den Aposteln empfangen hatte, sondern direkt durch eine Offenbarung Jesu Christi? Deshalb war er wie die anderen zwölf Apostel unmittelbarer Augen- und Ohrenzeuge – insbesondere Zeuge der Auferstehung. „Ich tue euch aber kund, liebe Brüder, dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht menschlichen Ursprungs ist. Denn ich habe es von keinem Menschen empfangen noch gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi.“ (Gal 1,12-12)

    Alle Evangelisten berichten über das letzte Passahmahl, das Jesus vor seinem Leidensweg mit seinen Jüngern aß. Paulus, der damals gar nicht anwesend war, berichtete ebenfalls darüber, betonte aber auch hier, dass er die Informationen über dieses wichtige Ereignis nicht aus zweiter Hand, nicht von den Evangelisten, sondern persönlich von Jesus empfangen hatte. (1.Kor 11,23a)

    Für Luther ist das ein deutlicher Hinweis, dass der Verfasser nicht Paulus war. Mir jedenfalls leuchtet das ein.

    Auffällig ist auch: Paulus beansprucht in vielen seiner Briefen gleich im ersten Satz eine zu den Zwölfen gleichwertige Stellung des Apostels, besonders wenn seine Stellung stark umstritten oder angegriffen war. Warum fehlt dieser Anspruch dann im Hebräerbrief, der sich ganz allgemein an Gläubige mit einer jüdischen Prägung richtet?

    Andererseits finden wir im Hebräerbrief in der Art der Schriftauslegung eine Parallele zur allegorischen Deutung des AT durch Paulus. Wie Paulus schrieb, empfing Abraham den Segen und mit ihm alle Völker durch den Glauben, bevor das Gesetz gegeben wurde (Gal 3,6 ff) Der Verfasser des Hebräerbriefes argumentiert ähnlich: Melchisedek war Priester eines Priestertums, das höher stand als das levitische Priestertum, da er den Abraham segnete und mit ihm Levi, der später aus Abraham hervorging. (Hebr.7,10)

    Ein hieb- und stichfester Gegenbeweis ist das aber nicht, denn auch ein anderer Verfasser kann sich der von Paulus verwendeten Methode bedienen.

    Mag die Verfasserschaft des Paulus für die Gültigkeit des Briefes unwichtig sein, so bleibt es dennoch wichtig, auch in solchen nebensächlichen Fragen nachvollziehbar zu argumentieren.

    Viele religiöse Gruppen bilden leider ihre Ansichten wesentlich auf der Grundlage ihrer emotionalen Bedürfnisse und haben zu wenig Interesse, Fakten, die Bedürfnissen entgegenstehen, näher zu untersuchen. Ist damit für die Glaubwürdigkeit des Evangeliums irgendetwas gewonnen?

    Wer wirklich die Wahrheit liebt, hat den Wunsch, zwischen Tatsache und Wunschdenken zu unterscheiden. Ist es nicht so?

    Sollte man dann nicht auch den inhaltlichen Einwand Luthers gegenüber dem Hebräerbrief, „dass er im 6. und 10. Kapitel die Buße den Sündern nach der Taufe stracks verneinet und versagt und Kap. 12,17 sagt, Esau habe Buße gesucht und doch nicht gefunden, was wider alle Evangelien und Briefe des Paulus ist“ ernstnehmen?

    Alle drei Stellen sagen nämlich, dass Menschen in die Hölle kommen können, obwohl sie ihre Taten bereuen und gerne ungeschehen machen würden. Menschen wollen umkehren, aber dürfen es nicht mehr.

    Diese Aussage ist für Gläubige sehr schwer verdaulich, die Angst haben, irgendwann einmal (möglicherweise in der Zeit vor ihrer Bekehrung) etwas gegen den Heiligen Geist gesagt zu haben, was ihnen niemals vergeben werden könne. (Luk 12,10)

    Viele Evangelikale versuchen mit dem Argument zu helfen, wer befürchte, den Heiligen Geist gelästert zu haben, der zeige ja mit seiner Furcht, dass er für Gott noch empfänglich sei, und dürfe deshalb gewiss sein, dass er diese furchtbare Sünde nicht begangen hätte. Das ist die übliche, weit verbreitete Argumentation.

    Der Hebräerbrief löst – wie es scheint – dieses Argument wieder auf, indem er zeigt, dass Reue, Furcht usw. die Verdammnis nicht ausschließt.

    Wie können Gläubige in dieser Lage wieder zu einem frohen Glauben zurückfinden? Muss ein Engel vom Himmel erscheinen, um ihren Glauben zu stärken? Das wird wohl kaum geschehen. Oder sollte der Gemeinde, die „als Leib leidet, wenn eins ihrer Glieder leidet“ (1.Kor 12,26), diese Frage egal sein?

    Adolf Schlatter vertrat in seinem haarsträubenden Aufsatz „Die Sünde gegen den Heiligen Geist“ die Auffassung, dass niemand solchen Menschen helfen könne. Sie müssten es abwarten und würden es dann nach ihrem Tod erfahren.

    Diese Ansicht, sehr buchstabentreu und „irgendwie“ konsequent, ist, bei Licht besehen, pervers. Was bleibt denn da von der Verheißung übrig, dass Christus seine Jünger zur Freiheit befreit hat, wenn einige Gläubige ihr ganzes Leben lang grauenhafte Angst haben müssen, bloß weil sie sich an das, was sie früher gesagt haben, nicht mehr genau erinnern können? ( Details zu Schlatters Aufsatz siehe unter: http://www.matth2323.de/unvergebbare-suende/#dogma )

    Auch der Begriff einer „mutwilligen Sünde“ im Hebräerbrief (Hebr 10,26) bleibt unklar und lässt bei vielen Gläubigen die Furcht entstehen, das Heil durch „eine Sünde zuviel“ wieder zu verlieren. Um sich zu schützen, geraten manche in schlimmste Werkgerechtigkeit und Erbsenzählerei hinein. ( http://www.matth2323.de/gift-nr-7/ )

    Ein konkreter Anlass für diese Furcht kann beispielsweise eine Heirat trotz Ehelosigkeitsgelübdes sein oder eine Wiederheirat nach unverschuldeter Scheidung oder die Unfähigkeit zum materiellen Totalopfer oder die Verweigerung riskanter Missionstätigkeit ( Details zu den Beispielen siehe unter: http://www.matth2323.de/kompetenz-test/ ) oder auch nur die Unfähigkeit, mit Masturbation aufzuhören ( http://www.matth2323.de/gift-nr-1/ )

    Wieder leben Gläubige in ständiger Angst und werden sie nicht mehr los. Wie kann man ihnen helfen und sie überzeugen? Oder sollte der Gemeinde, die „als Leib leidet, wenn eins ihrer Glieder leidet“ (1.Kor 12,26), auch diese Frage egal sein?

    Wer sorgfältig und verantwortlich denkt, wird den Einwand Luthers nicht so leicht vom Tisch wischen können. All diese Gläubigen leben sehr wohl in einem Widerspruch, in den sie Worte der Heiligen Schrift gebracht haben: einerseits die ständige Drohung und sklavische Furcht vor dem tötenden Buchstaben (2.Kor 3,17), andererseits die Verheißung der Liebe und Vergebung Jesu, die unversehens kraftlos im Raum steht.

    Wir haben leider feststellen müssen, dass evangelikale Seelsorge in diesem Konflikt gewöhnlich sehr schwach ist. Jedenfalls wurde uns bisher noch keine überzeugende Lösung auf der Basis eines buchstabenorientierten Bibelverständnisses (Chicago-Erklärung) präsentiert. Das heißt konkret, dass die betroffenen Gläubigen in der Gemeinde keine Hilfe bekommen, sondern ihre Seelenqual nur durch den Einsatz gesundheitsschädlicher Psychopharmaka lindern können.

    Wenn Sie, lieber Bruder, eine überzeugende Lösung wissen, lassen wir uns gerne eines Besseren belehren.

    Es ist einfacher, auf der Basis eines prioritätenorientierten Bibelverständnisses und der Annahme biblischer Aussage-Stile ( http://www.matth2323.de/resultate/ ) eine zweideutige Gottesvorstellung zu überwinden, neues Vertrauen und ein starkes Gegengewicht gegen die Angst zu bilden. ( http://www.matth2323.de/gift-nr-10/ ) Mit Hilfe der Aussage-Stile lässt sich auch ein destruktives Verständnis des Hebräerbriefes entschärfen. ( http://www.matth2323.de/spezielle-stile-der-bibel/ )

    Dieses positive Ergebnis sollte Gläubige eigentlich ermutigen, das bibeltreue „Update“ ( http://www.matth2323.de/update/ ) kritisch zu diskutieren und zu prüfen. ( http://www.matth2323.de/modelle/ )

  2. Luther`s Verdienst, die Rechtfertigung allein aus Glauben aus dem Römerbrief, wiederentdeckt und gegen alle Anfeindung verteidigt zu haben, kann niemand schmälern.

    Dass Luther`s Bibelverständnis und Glaubenspraxis darüber hinaus aber durch die damalige Sichtweise des Katholizismus und Mönchtums geprägt war, ist hinlänglich bekannt und prägt noch heute den verfassten luth.-ref. Protestantismus. Eine Amtskirche vom biblisch-fundamentalen Evangelium leider weit entfernt. (Offb. 3,1-6 Sardes)

    Schade, wenn heute Gläubige Luther´s Sichtweise auf die Bibel kolportieren und dazu anregen, diese zu übernehmen. So etwas was muss man leider Lutherismus bzw. Protestantismus oder Reformkatholizismus nennen.

    Das Abkanzeln der zuvor zitierten Briefe, Hebräer, Jakobus, Judas und dazu die Offenbarung, zeigt nur, dass Luther nicht nur den historischen Katholizismus reformieren wollte, sondern auch seine eigene Meinung zur Bibel kundtat.

    – Der Hebräerbrief wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von Paulus geschrieben. Was aber eher unwichtig ist.

    – Der Jakobusbrief wurde von dem Bruder des Herrn, der kein Apostel war, geschrieben und lehrt, dass aufgrund der Annahme der Rechtfertigung allein aus Glauben (Stellung vor Gott) der daraus folgende Glaubensgehorsam sich in Glaubenswerken zeigt (Verantwortung des Bekenntnisses).

    – Der Judasbrief wurde von dem Bruder des Jakobus, des Bruders des Herrn, der kein Apostel war, geschrieben und ist weder eine Zitatensammlung noch eine Abschrift des 2. Petrusbriefes.

    – Die Offenbarung ist die Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab und die er dem Apostel Johannes mittels eines Engels zeigte und die dieser niederschrieb, um den Knechten des Herrn zu zeigen, was bald geschehen muss. Ein Mahn- und Trostbuch für die Kirche. Dieses Bibelbuch wird in protestantischen Kreisen einem Scharlatan zugeschrieben, der sich für den Apostel Johannes ausgab.

    Diese vier Schriftstücke stehen in keinem Widerspruch zu den übrigen Schriften des AT und des NT und sind genauso vom Heiligen Geist inspiriert niedergeschrieben und deshalb kanonisch autorisiertes Wort Gottes.

    Eher ist zu beklagen, dass Luthers Bibelübersetzung einige, ebenfalls aus damaliger Sicht, irrige Übertragungen enthält, angeblich den Leuten aufs Maul geschaut, aber gegen besseres Wissen bis heute beibehalten. Zum Beispiel das Wort „Hölle“. Offb. 20,14: Die Hölle wird in die Hölle (feuriger Pfuhl) geworfen? Es gibt genauere Übersetzungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.