StartseiteTagebuchDie Angst vor dem „Pullover-Effekt“

Kommentare

Die Angst vor dem „Pullover-Effekt“ — 2 Kommentare

  1. Lieber Bruder Ali
    du hast mir als Kommentar einen Link zu einem Beitrag auf deiner Webseite geschickt, die die Glaubwürdigkeit der Bibel thematisiert. Ich habe mir dort einiges angesehen, u.a. ein Video zum Thema „Ist Gott grausam“ und bin von der grafischen Qualität wirklich beeindruckt. Doch nun zum Inhalt des Beitrages. Ist dein Hinweis so zu verstehen, dass ihr zum Thema ein abschließendes und verbindliches Ergebnis vorstellen wollt?

    Euer Beitrag enthält folgende Aussagen:

    1. Jesus vertraute und gehorchte dem gesamten AT. „Solange Himmel und Erde nicht vergehen, wird auch kein einziger Buchstabe und nicht ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen“ (Matthäus 5,18).

    2. Er forderte die Jünger auf, allem in der Bibel zu glauben. „Da sagte Jesus zu ihnen: »Ihr unverständigen Leute! Wie schwer fällt es euch, all das zu glauben, was die Propheten gesagt haben! [..]« Dann ging er mit ihnen die ganze Schrift durch und erklärte ihnen alles, was sich auf ihn bezog – zuerst bei Mose und dann bei sämtlichen Propheten.“ (Lukas 24,25-27)

    3. Im Alten Testament ist das, was der menschliche Autor schreibt, stets so glaubwürdig, als wenn Gott selbst reden würde.

    4. Gläubige dürfen nicht selbst bestimmen, welchen Teile von Jesu Lehren sie annehmen. Sie müssen der gesamten Bibel als Gottes Wort vertrauen und gehorchen!

    Auch wir sind überzeugt davon, dass Gott durch die Bibel zu uns Menschen spricht.

    Doch zu den einzelnen Aussagen hätte ich ein paar Fragen.

    Zu 1) Ist mit dem „Gesetz“ im Zitat wirklich das schriftliche Gesetz gemeint, oder nicht vielmehr die unsichtbare Ordnung im Vaterherz Gottes, die erst allmählich durch Jesus und die Apostel offenbart wurde?

    Jesus verhielt sich als Israelit so treu gegenüber dem Gesetz, dass er seine Jünger fragten konnte, „wer von euch kann mich einer Sünde zeihen?“ (Joh 8,46) Er konstatierte aber auch, dass das mosaische Gesetz Zugeständnisse an die Hartherzigkeit des Menschen machte und verbesserte es in der Bergpredigt. (In der Frage der Ehescheidung). Da gibt es so einige Gebote auf demselben Niveau wie die Erlaubnis, kriegsgefangene Frauen eine Zeitlang sexuell zu „nutzen“ und dann zu entlassen (Deu 21,14). Hier war das Gesetz zweifellos verbesserungsbedürftig. Jesus zeigte in solchen Fällen keinen Respekt vor dem Buchstaben des Gesetzes, sondern verbesserte es: „Ich aber sage euch“ (Mt 5). Wenn etwas verbessert wird, dann wirft man die alte Version in den Papierkorb bzw. man hebt sie auf, um deutlich zu machen, welche Fortschritte man gemacht hat. Sie ist also sehr wohl vergänglich. Das geschriebene Gesetz wird bisweilen sogar in negativem Gegensatz zu dem, was Jesus lehrte, genannt: „Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit aber ist durch Jesus gekommen.“ (Joh 1,17)

    Zu 2) Bedeutet das Wort „alles“ wirklich 100% oder nicht vielmehr „beides“, d.h. sowohl Texte, die über den Triumph des Messias als auch Texte, die über sein Leiden reden?

    Nach biblischem Sprachgebrauch sind Ausnahmen selbst dann denkbar, wenn Worte wie „alle, jeder, keine, niemand“ und „nichts“ gebraucht werden: biblischer Pauschal-Stil ( http://www.matth2323.de/spezielle-stile-der-bibel/#pauschal )

    3. Zeigt nicht Jesu Formulierung „Mose hat euch geboten… ich aber sage euch!“ das genaue Gegenteil: es wird ein deutlicher Unterschied zwischen menschlichem Autor und Gott selbst gemacht? Sagt nicht auch der Vers „Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit aber ist durch Jesus gekommen.“ (Joh 1,17) ähnliches? Der Kontrast ist denkbar groß. In 4.Mo 31,14-18 wird berichtet, dass Mose den Israeliten befahl, alle verheirateten Frauen und alle Kinder des Midianitervolkes auszurotten, die Jungfrauen aber am Leben zu lassen. Eine abscheuliche Maßnahme, deren Grauenhaftigkeit uns erst durch die nationalsozialistischen Verbrechen an jüdischen Frauen und Kindern bewusst wird! An der Rampe in Auschwitz wurden Frauen, die durch Schönheit auffielen, aussortiert, um im Lagerbordell als Huren zu dienen. War es wirklich ein anderer Grund, weshalb die midianitischen Jungfrauen am Leben bleiben durften? Wenn die Schuld eines Volkes nur durch Vernichtung zu sühnen ist, dann müsste es eigentlich komplett vernichtet werden. Wenn das Argument für die totale Ausrottung der Wunsch ist, sich vor der Rache der nächsten Generation zu schützen, gilt dasselbe. Wenn dagegen einzelne Menschen am Leben bleiben dürfen (z.B. Jungfrauen für die zeitweise sexuelle Benutzung, die in Deu 21,14 erlaubt ist), warum dürfen dann nicht die Kinder am Leben bleiben? Wie um alles in der Welt kann man die Ausrottung der Kinder dann rechtfertigen? Eins ist für den, der Jesus kennt, gewiss: die Person Jesu, der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit im Umgang mit dem Nächsten fordert und vorlebt, ist von diesen unsäglichen Geschehnissen „Lichtjahre entfernt“. Wir erkennen hier: nicht alle Texte in der Bibel sind „finaler Lehrsatzstil“. Nicht alle Texte können als „Nahrung“ dienen. Texte dieser Art sind selten. Sie rufen bei jedermann automatisch eine ablehnende, „allergische“ Reaktion hervor. In Deu 4,8 werden die Heiden aufgefordert ihr Urteil über das Volk Israel und sein Gesetz abzugeben: „Wo ist solch ein herrliches Volk, das so gerechte Sitten und Gebote hat wie all dies Gesetz, das ich euch heute vorlege…?“ Wenn wir aufgefordert sind, nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen, wie sollen wir dann destruktive Befehle dieser Art beurteilen?. Sie schaden anstatt zu nützen, sie sind ein verführerischer Blankoscheck für alle Psychopathen und Massenmörder in der Geschichte und haben solchen Charakteren auch immer wieder als Rechtfertigung gedient. Wir dürfen uns darauf nicht einlassen, es ist uns unmöglich, ihnen denselben Respekt erweisen wie er gegenüber den guten Geboten Jesu selbstverständlich ist. Es ist unmöglich, solche „Gebote“ als „Leitbild“, Richtschnur oder „Nahrung“ zu betrachten. Die allergische Reaktion ist das einzig Überzeugende. Wir müssen sie deshalb als „Impfstoffe“ betrachten. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

    4. Wie viele Gemeinden kennst du, die alle Gebote des neuen Testamentes gleich wichtig nehmen und konsequent befolgen? Ist es nicht vielmehr so, dass die Tradition vorgibt, welche Gebote häufig vernachlässigt werden, sodass es Gläubigen gar nicht mehr bewusst wird? ( http://www.matth2323.de/rangunterschiede-biblischer-aussagen/ ) In einigen Fällen ist das gar nicht gut, in anderen Fällen sehr vernünftig. Die Anweisungen zur Sklaverei z.B. werden Gott sei Dank heute nicht mehr respektiert, sondern bekämpft, obwohl es immer noch Sklaverei in Afrika und Asien gibt.

    Solche Fragen und andere werden auf unserer Webseite gründlich untersucht. Jeder kann offen schreiben, was er denkt, und kann von einem fairen und ehrlichen Austausch profitieren. Wir laden dich ein, unsere Argumente kennenzulernen und kritisch zu kommentieren. Wir veröffentlichen alle kritischen Zuschriften (Beachtung der Nettiquette vorausgesetzt) – auf Wunsch auch anonym. Der Respekt vor der Autorität der Heiligen Schrift hat größte Überzeugungskraft, wenn man nicht befürchten muss, dass diese Autorität durch ehrliche und sorgfältige Untersuchung Schaden nimmt. Wer sich obigen Fragen ehrlich stellt, wird deshalb die Autorität der Bibel anders begründen müssen als es in vielen bibeltreuen Gemeinden im Sinne der Chicago-Erklärung von 1978 üblich ist. ( http://www.matth2323.de/weshalb-hat-die-bibel-autoritaet/ )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.