scary-frau-588939_960_720Macht die Bibel den Menschen schlecht? Redet sie ihm Minderwertigkeitskomplexe ein, damit er sich nichtnutzig und schmutzig vorkommt? Raubt sie ihm die Fähigkeit, sich Gutes zuzutrauen?

In der Kirchengeschichte hat man die Bibel oft genug dazu gebraucht, um zu entmutigen und einzuschüchtern. Man kann sie auch heute noch dazu missbrauchen. (Beispiele unter „giftige Theologie„)

Fakt ist: in der Bibel werden Menschen gelobt, die lobenswert gehandelt haben, und belohnt, ohne dass sie Angehörige des Gottesvolkes oder der Gemeinde waren.

Es werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und Er wird die Menschen voneinander scheiden, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und … zu ihnen sagen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, um das Erbe in Empfang zu nehmen, das für euch vorbereitet ist seit der Erschaffung der Welt! Denn …“ (Mt 25,32-40)

Menschen, die Freude daran haben, anderen Freude zu machen, ihnen wohlzutun, ein sinnvolles, für seine Mitmenschen segensreiches Leben zu führen – solche Menschen finden wir in allen Kulturen und Religionen. „sie selbst kennen das geschriebene Gesetz der Liebe vielleicht nicht, aber sie verkünden und bestätigen es unabsichtlich durch ihr Verhalten….. (Rö 2,14-15)

Auch das Negativ-Beispiel abscheulicher Egoisten, die es ebenfalls in jedem Volk und in jeder Religion gibt, lässt manchen Menschen die Erbärmlichkeit und Nichtswürdigkeit der auf sich selbst zurückgekrümmten Lebensweise erkennen und hilft ihm sich für liebevolles Verhalten zu entscheiden.  „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“ (Rö 13,10)

Wie schön wäre es, wenn alle Menschen liebevoll, rücksichtsvoll und einfühlsam miteinander umgehen könnten, wenn wenn es leichtfiele, jeden Menschen zu mögen und mit ihm Freundschaft zu schließen! Es wäre das Paradies!

Was macht es so schwierig, diesem Ziel näher zu kommen, trotz vieler guter Anlagen und Absichten? (Vgl. S.Zimmer, Der Unfriede als fundamentales Problem des Menschen.)

Tatsache: Der Mensch lebt nicht mehr unbeschwert im Paradies. Ihn begleitet in einer unsicheren Welt die Angst vor Verlust, vor Demütigung und Verletzung. Mit der Angst wächst das Misstrauen.

Dem Misstrauischen treten andere Menschen weniger als potentielle Freunde in sein Blickfeld, als vielmehr als Konkurrenten, als potentielle Schädlinge oder Nützlinge. Wer so denkt, muss anderen gegenüber sein Innerstes verschließen, man muss  die Fassade pflegen, man muss taktieren, um seinen Vorteil zu wahren, und übervorteilen, eher der andere seine Chance nutzt.

Je weiter man auf diesem Weg kommt, desto mehr hat man vielleicht „Erfolg“ – desto unerreichbarer und unscheinbarer aber werden Liebe, Wertschätzung und Friede, desto ferner und unwirklicher wird das Paradies.

Wir werden das Böse in uns nicht los, das unseren guten Absichten wie ein Betonklotz am Bein hängt. Das ist deprimierend. Deswegen wird der Mensch immer dazu neigen, sich das Böse in ihm mit Erklärungen, Entschuldigungen, Rechtfertigungen erträglicher zu machen. Zugleich gewöhnt er sich daran, es zu dulden und anderen weiter zuzumuten.

Homo hominis lupus. So mancher Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Selbst der, der zum Tierischen herabsinkt, braucht das Selbstwertgefühl und klammert sich deshalb wenigstens an den Schein der Menschlichkeit. Deshalb folgt auf unrechtes Tun gewöhnlich die erbarmungslose Weißwäscherei, die Rechtfertigung, warum der Unterlegene auf jeden Fall selbst schuld ist an seinem Leid.

Dieser wiederum ist in Versuchung, die ihm zugefügte Demütigung durch neues Unrecht zu kompensieren. Man hat das Böse deshalb nicht selten mit einer „Kette“ verglichen, die immer länger und schwerer wird und die Bewegungsfreiheit immer mehr  einengt. „Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortlaufend Böses muss gebären“ (Goethe)

Das Blick auf das Böse, das in der Vergangenheit getan wurde, auf die Schuld, die angehäuft wurde, ist schwer erträglich. Mit faulen Entschuldigungen kann man es erträglicher machen, doch diese Reaktion erhöht die Neigung zu ähnlichem Verhalten in der Zukunft, das immer weniger als problematisch wahrgenommen wird.

Es ist daher besser, die ehrliche Diagnose zu ertragen. Sie belastet nicht mehr, wenn die Schuld an Jesus abgegeben werden kann, wenn der Mensch darauf vertraut, dass der Tod, den Jesus als Schuldloser erlitt, diese Schuld getilgt und beseitigt hat.

Und wenn eure Schuld gar blutrot sein sollte, so kann sie dennoch weiß wie Wolle werden.“ (Jes 1,18). Der Gläubige kann einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Die erfahrene Reinigung macht natürlich sensibel für neue Verschmutzung, sie macht sorgfältiger – so wie jemand, der ein wertvolles, sauberes Kleidungsstück geschenkt bekommen hat, achtgibt, dass es nicht leichtfertig verschmutzt wird.

Das Böse oder Destruktive taucht unversehens auf – auch im Leben des Gläubigen. Es muss aber nicht wie Unkraut überhandnehmen, sondern kann im Keim erstickt werden.

Hier steht der Mensch immer wieder in einer Entscheidungssituation. Jesus ermutigt den Gläubigen, sich für ein Verhalten zu entscheiden, das der Liebe und dem Frieden dient:

Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Böse, haltet am Guten fest.  Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. … Seid fröhlich, denn ihr dürft hoffen, bleibt geduldig im Leid, bleibt beständig im Gebet. Sorgt für die Bedürfnisse der Heiligen. Herberget gern. Segnet, die euch verfolgen; segnet und fluchet nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Haltet gemeinsam an eurem Ziel fest. Geht den Aufgaben nach, die euch durch niedere Lebensverhältnisse gestellt werden und lasst euch davon nicht durch „Höheres“ abhalten. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Handelt ehrbar gegen jedermann. Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Rö 12,9-18)

Gott hat uns seine Zusagen gegeben, damit wir im Vertrauen darauf zu Menschen des Friedens werden können.