Alle Stichworte zu den Untermenüs:

Autorität und Zuverlässigkeit der Bibel (A)
Heiligung und Heilsgewissheit (H)
Effiziente Maßnahmen gegen Machtmissbrauch (M)

Wichtig: die hier genannten Methoden zur Eindämmung des Machtmissbrauchs sollten nicht dazu missbraucht werden, Mitchristen anzufeinden, an ihnen herumzunörgeln und sich pharisäisch über sie zu stellen. (vgl. den wichtigen Artikel “Selbsterkenntnis.”). Die genannten Methoden dienen in erster Linie dazu, Möglichkeiten zur Verbesserung der Gemeinde-Verfassung zu zeigen. Sie machen die Tatsache bewusst, wie sehr mittelalterliche Denktabus und Bevormundung den Machtmissbrauch fördern und dass die Selbstkontrolle von Menschen, die Macht haben, nicht sicher funktioniert – auch nicht in der christlichen Gemeinde.

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(A) ! Autorität der Bibel – Unbezweifelbar !
(H) Absolut verlässlich: die Zusagen Gottes
(H) Achtung vor dem Alter
(H) Alternativen mangelhaft
(M) Ansehen der Person verboten
(M) Augensalbe verwenden!
(A) Ausnahmen zu üblichen Interpretationsregeln beachten !
(H, M) Authorisierung und Berufung des Gläubigen
(M) Autorität der Gemeindeversammlung
(H) Barmherzigkeit, echte
(H) Barmherzigkeit, scheinbare
(M) Beichtgeheimnis gilt nur für den Ratsuchenden
(M) Beichtzwang (katholische Sicht)
(H) Beschwerdebrief, Vorsichtsmaßnahmen für den
(M) Die besondere Gefährlichkeit religiösen Missbrauchs
(H) Beständigkeit des Heils – oder: Kann ein Christ verlorengehen ?
(H) Beweis der Liebe nachvollziehbar?
(A) Bibeltreu die Bibel verstehen
(A) Bibeltreue – Update 2.0
(H) Blinder Fleck der Werbungsabteilung
(M) Böses tun ist nicht so schlimm wie böse sein
(H, A) Buchstabenterror
(H, A) Buchstabentreue
(M) Churchly Correctness
(H, M, M) Destruktive Motive
Du – Anrede
Ehre Gottes
(H, A) Einheit der Christen
(M)
Evangelical Correctness

(H, M) Fairness-Regeln im Umgang mit ideologisch denkenden Gläubigen
(H, M) Fixierung auf den eigenen Gemeindeverein
(A) Fokussierungsstil
(M) Folgen der Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht
(H)
Freiheit des Christen
(
M) Fromme Funktionäre
(H, A) Geistliche Disziplin
(M)
Gemeindeordnung im Sinne Jesu gestalten
(H)
Gemeindezucht
(H)
Gerechtigkeit, Fairness
(M)
Gesetz der 50-jährigen
(H, A)
Gesetzliche Illusionen
(H, A)
Gesetzlichkeit
(H)
Gottesbeweis
(H, A)
Gottesbild – vertrauenswürdig oder zweideutig
(H)
Heilsgewissheit, eingeschränkt durch Vertragspflichten?
(H)
Heilsgewissheit ohne Heiligung ?

(H) Heilstatsachen, unverzichtbare
(HG) Hölle
(A)
Inspirationsmodell, schöpfungsgemäßes

(A) Irrtumslosigkeit – ist dieses Schriftverständnis alternativlos ?
(A) Vergleich der Inspirationsmodelle: Verbalinspiration versus Bibeltreue Update 2.0

(M) Katholisches Kontrollsytem
(M) Keine Zeit für Qualitätsprüfung ?
(M)
Kindererziehung und Machtmissbrauch

(M) Korrigieren von Gemeindeleitern – ist das praktisch möglich ?
(A) Korrigierbare Aussagen in der Heiligen Schrift ?
(A) Laien-Bote
(A)
Liberale Theologie
(M)
Luthers finstere Seiten – selten erwähnt und kaum bekannt
(H, M)
Neurotische Sexualmoral
(A)
„No comment“ – Stil
(M)
Organisation – hat Jesus die Kirche als O. gegründet ?
(M)
Päpstliche Lehrentscheidungen – dürfen sie geprüft und ggf. angezweifelt werden ?
(A)
Pauschalstil
(M)
Petrus – war er der erste Papst ?
(A)
Polarität der Bibel
(M)
Predigt-Nachbereitungsdienst (Gemeinde-Feedback)
(H, M)
Propaganda
(M)
Qualitätsförderung
(H, M, A)
Qualitätsmaßstäbe Christi

(A) Rangunterschiede biblischer Aussagen
(H, A)
Religiosität
(M) Satire
“Hiob und seine Freunde – eine wahre Geschichte?”
(M)
Schiedsgerichtlicher Dienst
(H)
Schritte zur Befreiung – ganz kurzgefasst

(H) Schritte zur Befreiung – im Detail („Resultate“)
(M, A) Schutzmaßnahmen gegen giftige Theologie
(H) Selbsterkenntnis
(H, A) Selbstverstärkung
(H)
Sorgfaltsparadox
(M)
Strafbare Handlungen
(A)
Unterscheidung der Verantwortungsbereiche
(H)
Unterscheidung zwischen echter und vermeintlicher Jüngerschaft

(H) Unvollkommenheit, gefährdet sie das Heil ?
(H, A) Urteilsvermögen
(A)
Verbalinspiration
Verlust des Glaubens (Ursachen)
(H)
Vorbild im Glauben – die Ältesten
(H)
Werkgerechtigkeit
(H)
Wert des Glaubens
(H)
Wie finde ich aus der Werkgerechtigkeit wieder heraus?
(A)
Wörtliches Missverstehen in der Kirchengeschichte

ARTIKEL

! Autorität der Bibel – Unbezweifelbar !

Warum hat die Heilige Schrift für mich höchste Autorität ?

weil mir meine Eltern und die meisten Bezugspersonen versichern, das es so ist ?
weil Pfarrer und sogar etliche Wissenschaftler das bestätigen ?
weil alle in meiner Gemeinde dieser Überzeugung sind ?
weil ich gelernt habe mich schuldig zu fühlen, wenn ich anders denke ?
weil ich bei abweichender Ansicht mit Missbilligung und Benachteiligung durch Gläubige in meiner Nachbarschaft rechnen muss ???

??? ??? ???

Unbezweifelbar spielen diese Gründe bei manchen Gläubigen eine wichtige Rolle.
In vielen Religionen sind es sogar die wichtigsten Gründe.

All diese Gründe haben mit der Beobachtung und Untersuchung der Bibel nichts zu tun. Sie sind kein durch Beobachtung gewonnenes Zeugnis. Eine zuverlässige Aussage über die Qualität lässt sich nur durch Beobachtung gewinnen. Zeugnisse, die auf Nachplappern beruhen, sind dagegen Propaganda.

Ich habe mich von der Autorität der Heiligen Schrift überzeugt durch Beobachtung und Feststellung folgender Tatsachen:

1. Ihre Selbstevidenz.

Die Bibel skizziert einen stringenten, selbstevidenten Lösungsweg aus der Heillosigkeit und Gottlosigkeit des Menschen.

Die Aussagen, die diesen Weg skizzieren, sind für das PRAKTISCHE Glaubensleben von so fundamentaler Bedeutung, dass ohne sie Christsein nicht möglich ist. Sie sind unmittelbar überzeugend. Sie haben einen viel höheren Rang als viele andere Bibelstellen. Sie sind übrigens nicht buchstabengebunden: ihr Inhalt lässt sich mit Hilfe des Fünf-Farbenbuchs mündlich auch an Analphabeten vermitteln.

Betrachten wir nun einige dieser Sätze:

Nehmen wir z.B einmal Hebr.11,6: „Ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er da ist und die, die ihn suchen, belohnen wird.“ Kein Gläubiger wird diesem Satz einen untergeordneten Rang zuweisen. Hier ist in aller Kürze die Quintessenz einer lebendigen Beziehung zwischen Gott und Mensch umrissen. Die wenigsten Gläubigen werden durch spektakuläre Visionen oder Auditionen auf Gott aufmerksam gemacht – wie es bei z.B bei Abraham der Fall war, der direkt die Stimme Gottes hörte. Kaum jemand wird mit einem Bein im dritten Himmel gewesen sein und Unaussprechliches gehört haben, wie es Paulus von sich berichtet (2.Kor 12,2). Üblicherweise hat der Gläubige, der die Schöpfung betrachtet, eine Ahnung, dass da ein Schöpfer sein könnte und durch die Bibel erfährt er, dass dieser Schöpfer an ihm interessiert ist und sein Leben gestalten will. Gott wird aktiv ! Er reagiert ! Er will belohnen ! Er will sich finden lassen (Jer 29,13-14) ! Wäre dieser Wille nicht da, wäre dieser Wille nicht entschlossen genug, würde gar kein echter Glaube entstehen – auch durch die entschiedenste Theologie nicht. Es entstünde allenfalls so etwas wie eine Weltanschauung.

Dieser Gestaltungswillen dient der Liebe, schränkt den Egoismus entsprechend ein, bringt also Nachteile mit sich. Die Bibel verheißt aber dem Gläubigen, der sich darauf einlässt, dass er am Ende nicht Verlust, sondern Gewinn haben wird. Deswegen kann diesen Weg nur ein Mensch gehen, der bereit ist, dem Gott, den er nicht sieht, zu vertrauen. (Im Fünf-Farbenbuch entspricht dieser Information die vorletzte, grüne und die letzte, goldene Seite)

Konkret sind die Gebote, die ausnahmslos der Liebe zum Nächsten dienen sollen: „wenn ihr euren Nächsten liebt, so habt ihr damit das ganze Gesetz erfüllt.“ (Mt 22,40 / Rö 13,8). Nebulös ist die Belohnung. Sie wird groß sein. Was es aber genau ist, weiß kein Mensch. Im Gleichnis wird sie mit großen Geldsummen, mit der Herrschaft über Städte verglichen. Die Vergleiche in der Offenbarung sind unanschaulicher und kryptischer: z.B ein weißer Stein, verborgenes Manna, der Morgenstern (Offb 2). Über den Lohn wird nicht konkret gesprochen, denn der Gläubige soll aufrichtig und uneigennützig lieben und nicht um des Gewinnes willen. Soweit er sich darauf einlässt, sich im Glauben bewährt, wird sein Charakter verwandelt.

Was die Pflicht zur Liebe alles beinhaltet, das weiß der Gläubige, ja jeder Mensch intuitiv. Paulus zählt zwar viele Dinge auf, die Liebe kennzeichnen (1.Kor 13), aber im Grunde muss man nur sich selbst kennen, um zu wissen, was die Liebe fordert: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das sollt ihr ihnen auch tun. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten wollen.“ (Mt 7,12) Es genügt, sich ehrlich in die Lage des anderen zu versetzen. Was würde ich mir wünschen, wenn ich in seiner Lage wäre…

Mt 7,12: wieder ein Satz mit unzweifelhaft sehr hohem Rang und unbedingter Zuverlässigkeit !

Aufrichtig lieben, das kann viel Verzicht bedeuten. Es kann sehr schwer sein, ob es nun einen langweilig gewordenen Partner, ungehorsame Kinder, die alten Eltern, überspannte Mitchristen, unfreundliche Arbeitskollegen oder ungenießbare Familienmitglieder betrifft. Wer sich dieser Liebe nicht entzieht, kann viel Glaubenswachstum ernten.

Wie viele wunderbare, im Glauben und in der Liebe gereifte Charaktere gibt es doch unter Christen. Der, dem Liebe, Treue und Redlichkeit etwas bedeuten, erkennt in diesen Persönlichkeiten die handgreiflichsten Zeugnisse der Gegenwart und Wirksamkeit Gottes – um so mehr, wenn eine traurige Vorgeschichte bekannt ist. Wie haben die Gläubigen wohl über den unbekehrten Paulus, der damals noch Saulus hieß, geseufzt: ein verbohrter Fanatiker, ein völlig hoffungsloser Fall !

Nehmen wir nun den Satz „Darin wird die Gerechtigkeit offenbart, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben“ (Rö 1,17). unzweifelhaft ein ganz zentraler Satz mit höchstem Rang. Ein Leben, das Gott gefällt, kann beginnen, sobald nur etwas Glauben an die Verheißung da ist -so „groß wie ein kleines Senfkorn“ (Luk 17,6), wie weitere zentrale Sätze der Bibel feststellen: „Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben.“ (Mk 9,24) Das Leben mit Gott kommt „aus Glauben„. Und es führt „in Glauben“ hinein, in schwierigere Glaubensaufgaben, Glaubensproben, deren Bewährung das Vertrauen tiefer und fester werden lässt. Wie diese Glaubensaufgaben aussehen können, zeigt das 11.Kapitel des Hebräerbriefes. Es sind sehr oft ganz auf die einzelne Person zugeschnittene Aufgaben, die im Leben anderer Gläubiger nicht vorkommen müssen.

Warum kommt „die Gerechtigkeit“ hier ins Spiel ? Je mehr sich ein Mensch um Liebe bemüht, desto klarer wird die Wahrnehmung von Lieblosigkeit in seinem Leben. Mit der Liebe wächst die Selbsterkenntnis und das Urteilsvermögen – ein schmerzhafter Prozess! Der Gläubige erkennt seine Versäumnisse nicht selten als nicht wiedergutzumachende Schuld, sodass die Befürchtung naheliegt, dass Gott eher negativ über ihn denkt und dass er Strafe statt Lohn zu erwarten hat. (Diese Information entspricht der schwarzen Seite im Fünf-Farbenbuch)

„Es ist nicht alles so schlimm wie es aussieht!“ sagt man manchmal. Oft ist dieser Satz richtig. Doch es ist natürlich die subjektive Sicht, meist befangen und deshalb bezweifelbar.

Das Wort Gottes sagt, dass der Mensch in dieser Frage Frieden finden soll! „Er hat die erlöst, die ihr ganzes Leben lang aufgrund der Angst vor dem Tod Knechte sein mussten.“ (Hebr.2,15).

Damit distanziert sich das Wort Gottes von einer halbherzigen, fragwürdigen, aufgrund der Schwachheit des Gläubigen jederzeit widerrufbaren Schein-Erlösung.

Deswegen geht Gott den umgekehrten Weg. Er sagt: „Gehen wir ruhig vom schlimmsten Fall aus! Doch es ändert nichts an Meiner liebevollen Einstellung zu dir.“

Obwohl Gott das ganze Leben des Gläubigen einschließlich seines Versagens vorhersieht, hat Er für alles, was böse und fragwürdig war, einen unbezweifelbar vollständigen, „ein für allemal“ gültigen Ausgleich geleistet. (Hebr 7,27)

Das ist die frohe Botschaft. Jedem Gläubigen, der Gott vertraut, wird die Befreiung von Schuld geschenkt. Allein aufgrund seines Vertrauens wird von Gott die Schuldfrage als erledigt betrachtet. Eigene Kompensationsleistungen sind nicht mehr nötig, denn das Opfer Jesu Christi reicht völlig aus (rote Seite im Fünf-Farbenbuch).

So kann der Gläubige jeden Tag neu mit reinem Herzen ganz unbelastet beginnen (weiße Seite im Fünf-Farbenbuch).. „Er hat die Schuld im Meer versenkt, wo es am tiefsten ist.“ (Micha 7,19) „Aus Gnade seid ihr gerettet, nicht durch euch selbst. … Er ist unser Friede.“ (Eph 2,8 + 14) Eine Aufrechnung von guten Taten gegen böse Taten findet nicht statt. Wenn es anders wäre, wären Christen genau wie die Moslems ständig unsicher, ob ihre guten Taten genügen. Ja, die Bibel verbietet sogar, „Gutes“ zu tun, um sich das Heil zu sichern: „ihr habt Christus verloren, die ihr durch Erfüllung des Gesetzes gerecht werden wollt.“ (Gal 5,4) Wer Gutes tut, um Punkte bei Gott zu sammeln, tut es ja im Grunde gar nicht um der Liebe willen, sondern aus Eigennutz.

Gott aber ist echte Liebe mit dem Motiv der Dankbarkeit und Mitfreude wichtig. Nur das ehrt Gott. „Führt euer Leben würdig der Berufung“ (Eph 4,1) „Wachset in der Gnade!“ (1.Pet 3,18) Diese Aufforderungen entsprechen der grünen Seite im Fünf-Farben-Buch.

Auf diese Weise kann die Selbsterkenntnis weiter zunehmen, ohne zu zerstören. Je mehr sie zunimmt, je mehr der Gläubige seine Unwürdigkeit erkennt, desto dankbarer wird er, zu Gott gehören zu dürfen. Je ehrlicher und tiefer die Selbsterkenntnis wird, desto größer das Gottvertrauen, die Liebe und die Heilserfahrung.). (Dieser geheimnisvolle Zusammenhang erläutert der Aufsatz „Warum es sich lohnt, sich seiner inneren Zerrissenheit zu stellen„)

So lernt der Gläubige hier auf Erden schon ein Stückchen Himmel kennen (die goldene Seite im Fünf-Farben-Buch) , auf den er sich vorbereitet. „Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr 13,14) Diese Aussage schließt wieder an die Grundlegung des Glaubens an in Hebr 11,6, an den Entschluß an einen Gott zu glauben, den man nicht sieht und an die Heimat im Himmel, die man noch nicht kennt.

Auch wenn der Gläubige zum PRAKTISCHEN Glauben aufgerufen wird, lässt die Bibel keinen Zweifel daran, dass der Glaube hauptsächlich Werk Gottes ist. Er entsteht durch die Initiative Gottes und steht unter dem persönlichen Schutz Jesu: „der nicht nur der Anfänger, sondern auch der Vollender des Glaubens ist“ (Hebr 12,2). Jesus ist „der gute Hirte“ (Joh 10,12), der seine Schafe vor Angriffen schützt unter Einsatz seines Lebens, und der ihnen zusagt: „sie werden auf keinen Fall umkommen.“ (V.28) Er ist der, der auch noch dem eigensinnigen, verlorenen Schaf nachgeht, bis er es findet. (Luk 15,4)

Wieder spürt der Gläubige: es sind unzweifelhaft Sätze von höchster Bedeutung.
Automatisch weiß er: das ist vollkommene Weisheit. Man kann es nicht besser sagen. Es
wird nie etwas kommen, was diese Aussagen verbessern wird. NIE !

Bereits das Vertrauen auf diese wenigen Sätze genügt, um in der Nachfolge Jesu zu leben, Erfahrungen mit Gottes Führung und Erziehung zu machen und sicher im Himmel anzukommen.

Ohne große Philosophie ein in wenigen Schritten beschreibbarer überzeugender Lösungsweg, für den Fall, dass ein Gott tatsächlich da ist und tatsächlich die Liebe ist.

Die ihn schon gegangen sind, wissen, es ist tatsächlich so.

2. Grund für die Autorität der Bibel: ihre diagnostische Kompetenz

Ich sehe, wie gründlich das Wort Gottes in mich hineinleuchtet, und mir noch die verborgensten Motive aufdeckt. „Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe, spricht der Herr“ (Jer 23,24) Auch hier habe ich die tiefste Überzeugung: die Bibel ist ein äußerst gründlicher Diagnostiker der Seele.

Da sie den Gläubigen auffordert, mit Hilfe der Qualitätsmaßstäbe Jesu den Rang aller anderen Gebote und Aussagen zu bestimmen, diagnostiziert sie sogar sich selbst.

Nicht nur Gebote vertiefen die Selbsterkenntnis. Viele Berichte appellieren an Beobachtungsgabe und Urteilsvermögen. Der Leser fällt unwillkürlich sein Urteil und nicht selten richtet sich unversehens sein Urteil gegen ihn selbst: Auch „du bist der Mann.“ (2.Sam 12,7)

Mit Hilfe der Bibel erkenne ich die feinsten Regungen, die in mir böse sind. Sie hilft mir sogar das vermeintlich Gute, den frommen Selbstbetrug, die Halbwahrheit, die Überteibung und Schönfärberei zu durchschauen – vorausgesetzt, ich höre ihr solange zu.

Wer gibt mir sonst diese Klarheit ? Wenn ich körperlich krank bin und befürchte, dass es was Schlimmes sein könnte, dann suche ich doch auch am ehesten dort Hilfe, wo man am gründlichsten untersucht wird und gebe mich nicht mit dem Nachlesen in einem Buch „Medizinisches Grundwissen“ zufrieden.

3. Grund: Ich beobachte die charakterverändernde Kraft des Wortes Gottes.

Das Wort Gottes hat die Kraft Menschen weitgehend frei von sich selbst zu machen, dass sie barmherzig, gütig und ehrlich werden. Die Bibel lädt jeden Menschen ein, Selbsterkenntnis zu gewinnen und Gottes Geist an sich arbeiten zu lassen. Auf diese Weise wird die Seele des Gläubigen nach dem Plan Gottes geformt (Charakter). Immer wieder begegne ich solchen Vorbildern, die weiter als ich auf diesem Weg vorangegangen sind und denen ich nacheifern möchte.

Wo finde ich sonst diese Möglichkeit ? Das Vertrauen in die Bibel ist alternativlos! „Herr wohin sollen wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens !“ (Jo 6,68)


Ob in der Bibel Dinge in Texten mit vergleichsweise geringem Rang vorkommen, die mir falsch oder ungereimt erscheinen, ändert nichts diesen drei gewichtigen Gründen für die Vertrauenswürdigkeit der Bibel. Die Überzeugungskraft des stringenten Lösungsweges, der diagnostischen Kompetenz und der Charakterbildung ist viel stärker. Diesen Weg nicht zu gehen, hieße ganz bei mir selbst zu bleiben, mit all meiner Dunkelheit und Selbstsucht – und das ist trostlos.

Wenn das Vertrauen in die Bibel nicht auf diesen drei Gründen ruht, ist es nicht vorhanden, bestenfalls eingebildet. (Zerrbild) Dann nützt auch das Festhalten an einem bestimmten Schriftverständnis oder Inspirationsverständnis wenig.

Gott wacht über Seinem Wort, dass Er es tue“ (Jer 1,12). Gott selbst passt auf, dass alle für den Glauben wichtigen Informationen zum Gläubigen kommen. Nicht ein Wörtlein wird daneben fallen ! (Mt 5,18) Er selber, sein Geist lehrt den Gläubigen das Unterscheiden zwischen wichtigen und nebensächlichen Dingen in der Bibel und bringt geistliches Wachstum hervor.

Was ist die Voraussetzung, die erfüllt sein muss, damit lebendige Frucht entsteht ?

Der Glaube an die Verbalinspiration (Chikago-Erklärung) oder irgendein „Schriftverständnis“ oder irgendein anderes Produkt, das Theologen produziert haben? Steht das irgendwo in der Bibel ?

Gott redet zu Menschen unterschiedlich und sie haben die Wahl, ob sie auf die persönliche Anrede Gottes mit Glauben antworten wollen oder nicht. Deswegen sehen die Glaubenszeugnisse, die Hebr 11 beschreibt, so unterschiedlich aus.

Nicht ein bestimmtes Schriftverständnis, sondern die drei Zeugnisse der Heiligen Schrift (Selbstevidenz, diagnostische Kompetenz, charakterverändernde Kraft) spielen in jedem Glaubensleben eine entscheidende Rolle. Ausnahmslos !

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Absolut verlässlich: die Zusagen Gottes

Die Glaubwürdigkeit der Zusagen Gottes wird erheblich geschwächt, wenn die Gemeinde wichtige Aussagen der Bibel selbst nicht ernst nimmt, insbesondere wenn sie keine Kultur der Fairness pflegt. Je stärker die Propaganda ist, desto unglaubwürdiger das Trösten mit Heilsverheißungen der Bibel, desto schwächer und hilfloser die Seelsorge.

I. Zusagen, die nicht mit dem Verhalten oder Eigenschaften des Gläubigen verknüpft sind
II. Zusagen, die mit dem Verhalten oder Eigenschaften des Gläubigen verknüpft sind
III. Zusagen, die tröstend gemeint sind, aber dennoch etlichen Gläubigen eher verunsichernd erscheinen und sehr hohe Anforderung an die Interpretation stellen

I. Zusagen, die nicht mit dem Verhalten oder Eigenschaften des Gläubigen verknüpft sind:

Auch wenn du mich so viel Not und Leid hast erleben lassen, so wirst du mich doch wieder aus der Tiefe herausholen, um mir das Leben neu zu schenken. Ja, du wirst mich umso höher aufsteigen lassen, damit ich ganz getröstet bin.” (Ps 71,20-21)

Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verachtet ihr Bitten nicht.” (Ps 102,18)

Mein Sohn, lasse dir die Zurechtweisung des Herrn gefallen und nimm ihm die Bestrafung nicht übel. Denn jeden, den der Herr liebhat, den weist er zurecht, wie es auch ein Vater mit seinem Sohn tut, um ihm zu helfen.” (Spr 3,11)

Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde, lobet, ihr Berge, mit Jauchzen; denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Zion aber spricht: Der HERR hat mich verlassen, der HERR hat mein vergessen. Kann auch eine Frau ihres kleinen Kindes vergessen und erbarmungslos mit ihm umgehen? Und selbst wenn sie ihr Kind vergessen könnte, so will ich doch dich nicht vergessen. …Deine Baumeister werden fleißig sein und die, die deine Mauern zerbrechen und zerstören, werden verschwinden.” (Jes 49,13-17).

Hab keine Angst, du wirst nicht wieder enttäuscht; schäme dich nicht, du wirst nicht wieder beschämt! Denn die Schande deiner Jugendzeit wirst du vergessen, wirst nicht mehr an die schmachvolle Witwenschaft denken. Denn dein Schöpfer ist dein Ehemann, es ist Jahwe, der allmächtige Gott, dein Befreier; es ist der heilige Gott Israels, der Gott, dem die ganze Erde gehört. Denn dich, die verstoßene und tiefgekränkte Frau, rief Jahwe zurück. Wie kann man denn seine Jugendliebe verstoßen?“, sagt dein Gott. „Für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, aber mit großem Erbarmen hole ich dich wieder heim. Als mein Zorn aufwallte, habe ich mich für einen Augenblick von dir abgewandt, aber mit ewig währender Gnade erbarme ich mich jetzt über dich, spricht Jahwe, der dich befreit.” (Jes 54,8-10)

So spricht der HERR, der die Sonne dem Tage zum Licht gibt und den Mond und die Sterne der Nacht zum Licht bestellt; der die brausenden Wellen des Meer es bewegt ….. Sollte es möglich sein, diese Ordnungen zu ändern, dann wäre es auch möglich, dass es mit dem Volk Israel ein Ende hat. So spricht der HERR: Wenn man den Himmel ganz oben messen könnte und den Grund der Erde ganz unten erforschen, dann würde ich auch verwerfen das ganze Geschlecht Israels für all das, was sie getan haben. Das sagt der HERR“ (Jer 31,35-37).

Denn der Herr verstößt nicht auf ewig. Selbst wenn er dunkelste Zeiten für einen Menschen bestimmt hat, so erbarmt er sich doch eines Tages wieder über ihn – denn seine Güte ist groß und es macht ihm keine Freude, Menschen in Not und Traurigkeit zu lassen.” (Klgl 3,32-33)

Kommt, lasst uns zum Herrn umkehren. Er hat uns zerrissen, aber er wird uns auch wieder heilen. Er hat uns blutig geschlagen, aber er wird unsere blutigen Wunden verbinden. Schon nach zwei Tagen wird es uns besser gehen, am dritten Tage werden wir aufstehen können. Wir werden wieder in seinem Schutz leben dürfen. Deshalb wollen wir besser verstehen lernen, wer Gott ist und wie er handelt.” (Hos 6,1-3)

Wie könnte ich dich jemals aufgeben, Ephraim! Wie könnte ich dich jemals preisgeben, Israel? Könnte ich mit dir auch so verfahren, wie ich es einst mit Sodom und Gomorrha tat? Mir dreht sich der Magen um. Brennendes Erbarmen erfüllt mich!” (Hos 11,8)

Sollte ich nicht mit Ninive Erbarmen haben, dieser großen Stadt, in der mehr denn hundert und zwanzigtausend Menschen leben, die nicht zwischen rechts und links unterscheiden könne, dazu auch viele Tiere?” (Jona 4,2b)

Wo ist solch ein Gott wie du es bist, der die Sünde vergibt und die Schuld erlässt, die der Rest seines Volkes aufgehäuft hat ? Ein Gott, der nicht für alle Zeit zornig bleibt, weil er so viel Freude an der Gnade hat? Er wird sich wieder unser erbarmen, unsere Schuld zertreten und im tiefsten Meer versenken.” (Micha 7,18-19)

Alle Menschen, die mir mein Vater schenkt, kommen zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht um meinen Willen durchzusetzen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich niemanden von all den Menschen, die er mir gegeben hat, verliere, sondern alle auferwecke am Jüngsten Tage.” (Joh 6,37-39)

Denn wenn der Tod über die ganze Welt geherrscht hat, bloß weil ein Mensch, Adam, Gottes Gebot übertreten hat, so werden noch viel zuverlässiger diejenigen Menschen, die die Fülle der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen haben, im Leben als Könige herrschen durch den Einen, Jesus Christus.” (Rö 5,2)

Die Menschen, die Gott vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; und die Menschen, die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht. Die Menschen nun, die er gerecht gemacht hat, denen hat er auch seine Herrlichkeit geschenkt.” (Rö 8,30)

Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch die Mächte und Gewalten dieser Welt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, auch überhaupt kein Geschöpf dieser Erde uns von der Liebe Gottes trennen kann, die wir durch Christus Jesus empfangen haben, unserm Herrn.” (Rö 8,38-39)

Gott ist’s aber, der uns zusammen mit euch sicher gemacht hat und uns mit dem Heiligen Geist ausgestattet und beglaubigt hat, dem Geist, der auf unser Anrecht auf den Himmel hinweist.” (2.Kor 1,21-22)

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Haltet an dieser Freiheit fest und lasst euch nicht wieder unter ein Sklavenjoch zwingen.” (Gal 5,1-2)

Ich habe die feste Zuversicht, dass der, der in euch das gute Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag, an dem Jesu Christus kommt.” (Phil 1,6)

Der Herr ist treu. Er wird euch Kraft geben und vor dem Bösen beschützen.” (2.Thess 3,3)

Selbst wenn wir untreu sind, so bleibt er doch treu – er wird nicht widerrufen, was er zugesagt hat.” (2.Tim 2,13)

Jesus kann die Menschen, die im Vertrauen auf ihn zu Gott gekommen sind, endgültig retten. Er ist immer für sie da und bittet Gott für sie.” (Hebr 7,25)

Der Gerechte aber wird aus der Kraft des Glaubens leben. Wer aber aufgibt, an dem habe ich kein Gefallen. Wir nun gehören nicht zu denen, die aufgeben und verloren gehen, sondern zu denen, die Gott vertrauen und ihr Leben retten.” (Hebr 10,35)

Der uns in seiner Barmherzigkeit eine neue Geburt und ein neues Leben geschenkt hat, mit einer lebensnotwendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Für uns hat er ein Erbe im Himmel aufbewahrt, an dem nichts fehlen wird und das niemals kleiner oder schlechter werden kann. All das hat er für euch vorgesehen, die ihr durch den Glauben bewahrt werdet. Eure Rettung ist vorbereitet und wird offenbart in der letzten Zeit.” (1.Petr 1,3-5)

Weil wir den größten aller Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der wieder in den Himmel zurückgekehrt ist, so wollen wir uns unbeirrt zu ihm bekennen. Jesus ist ja kein priesterlicher Mittler, der kein Mitgefühl mit unseren Schwachheiten hat. Er ist genauso wie wir in allen Dingen versucht worden – ohne jedoch zu sündigen. In diesem Bewusstsein wollen wir froh zum Gnadenthron kommen, um dort Barmherzigkeit, Gnade und Hilfe zu bekommen, wenn wir sie nötig haben.” (Hebr.4,14-16)

Er aber kann euch vor jedem Fehltritt bewahren und dafür sorgen, dass ihr eines Tages ohne Makel vor Gottes Majestät treten könnt.” (Jud 1,24)

II. Zusagen, die mit dem Verhalten oder Eigenschaften des Gläubigen verknüpft sind: (Deshalb muss die Bibelauslegung eine verlässliche Abgrenzung zur Werkgerechtigkeit herstellen …)

Der Herr ist denen besonders nahe, deren Herz gebrochen und deren Seele verzweifelt ist. Dem Gerechten wird viel Leid zugemutet, aber der Herr hilft ihm aus allem heraus.” (Ps 34, 18)

Opfere Gott Lob und nimm das ernst, was du ihm zugesagt hat. Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst meinen Ruhm vermehren. Aber zum Gottlosen spricht Gott: “Was redest du vom meinem Recht und nimmst meinen Bund in deinen Mund, du, ein Mensch, der Zurechtweisung nicht hören will und meine Worte verächtlich auf den Boden fallen lässt. … Das tust du, und weil ich dazu schweige, meinst du, ich werde sein gleichwie du. Aber ich will dich so strafen, sodass du die Wahrheit erkennen wirst.” (Ps 50,15-17+21)

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen und die Wahrheit lieben. Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen.” (Ps 145, 18-19)

So hat Gott der Herr gesprochen: Der Weise soll sich nicht seiner Weisheit rühmen, der Starke nicht seiner Stärke und der Reiche nicht seines Reichtums. Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er verstanden hat, dass ich, der Herr es bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt, denn an solchen Menschen habe ich Wohlgefallen.” (Jer 9,22-23)

Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.” (Mt 10,33)

Wer mir nachfolgen soll, der verleugne sich selbst und trage sein Kreuz. Erst dann kann er mein Nachfolger sein. Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen und um der Heilsbotschaft willen verliert, der wird es retten. Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt und zugleich sein Leben verliert? Kann der Mensch sein Leben etwa wieder zurückkaufen? Wer sich meiner schämt oder meiner Worte vor diesem treulosen und bösen Volk, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er aus der Herrlichkeit zusammen mit allen heiligen Engeln kommt.” (Mk 8,34-38)

Wenn ihr an meinem Wort festhaltet (=Hörer und Täter meines Wortes bleibt), dann seid ihr tatsächlich meine Jünger. Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch zu freien Menschen machen… Wenn euch der Sohn frei gemacht hat, dann seid ihr tatsächlich frei.” (Jo 8,34)

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie; und sie folgen mir. Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.” (Jo 10,27-28)

Denn wenn ihr lebt wie alle Welt, dann werdet ihr sterben müssen. Nur wenn ihr durch den Geist das selbstsüchtige Dahinleben tötet, werdet ihr am Leben bleiben.” (Rö 8,13)

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus dein HERR ist, und darauf vertraust, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.” (Rö 10,9)

Man soll feststellen, dass ich mich nicht für gerecht halte, weil ich das Gesetz einhalte, sondern weil ich auf Jesus Christus vertraue und damit die Gerechtigkeit erlange, die dem Glaubenden zugerechnet wird, damit ich Jesus erkenne und die Kraft seine Auferstehung kennenlerne, damit ich an seinen Leiden teilhaben kann, und ähnlich wie er mein Leben in den Tod gebe, um bei der Auferstehung der Toten dabei zu sein.” (Phil 3,9-11)

Wir sind Teilhaber des Reiches Christi geworden, vorausgesetzt, dass wir am Glauben, so wie wir ihn begonnen haben, weiter festhalten.” (Hebr 3,14)

Bemüht euch mit größtem Eifer darum, dass ihr mit jedem Menschen in Frieden leben könnt. Bemüht euch um die Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.” (Hebr 12,14)

Wenn wir im Licht leben (= so leben, dass wir nichts vor dem Licht Gottes und den Augen der Geschwister verstecken müssen), dann verbindet uns tiefe Freundschaft und das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde.” (1.Jo 1,7)

III. Zusagen, die tröstend gemeint sind, aber dennoch etlichen Gläubigen eher verunsichernd erscheinen und sehr hohe Anforderung an die Interpretation stellen:

Meine lieben Geschwister, die ihr allezeit Gott gehorsam gewesen seid, ob ich nun anwesend war oder nicht – bewirkt (κατεργαζεσθε) nun mit Furcht und Zittern eure Rettung (σωτηριαν), denn Gott ist es, der in euch beides bewirkt: das Wollen und das Vollbringen.” (Phil 2,12).

Sehr viel klarer dürfte die Neue Evangelistische Übersetzung von Karl-Heinz Vanhaiden diese Verse übersetzt haben: “Jetzt, in meiner Abwesenheit, müsst ihr noch mehr darauf achten, euch mit aller Ehrfurcht und Gewissenhaftigkeit darum zu bemühen, dass eure Rettung sich auswirkt. Denn Gott bewirkt den Wunsch in euch, ihm zu gehorchen, und gibt euch auch die Kraft, zu tun, was ihm gefällt.”

Überzeugend erläutert wird dieser schwierige Text u.a. von C.H.Spurgeon (siehe “Wert des Glaubens.”).

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Achtung vor dem Alter

Durch das Alter werden Menschen schwach. Deswegen ermahnt das Wort Gottes, Menschen, insbesondere Gläubigen, die alt sind, mit besonderem Respekt zu begegnen. Elihu sagte zu den Freunden Hiobs: “Ich bin noch sehr jung und ihr seid alte, erfahrene Männer. Darum wagte ich es nicht, euch zu belehren. Ich dachte: lass erst die alten Männer sprechen, sie haben mehr erlebt und gesehen.” (Hiob 32,6+7)

Der Respekt vor dem älteren Menschen ist in unserer Zeit weitgehend verloren gegangen.

Dabei könnte diese Haltung sehr viel zum Frieden in der christlichen Gemeinde beitragen. Wieviel Konflikte ließen sich leicht vermeiden, wenn gilt: “Was der Ältere sagt, hat grundsätzlich mehr Gewicht als das, was der Jüngere sagt – es sei denn, dass gewichtige biblische oder menschenfreundliche Gründe dagegen sprechen.” Es ist barmherzig, wenn man alte Geschwister nicht zum alten Eisen wirft, sondern ihre Weisheit und ihre Erfahrung respektiert, solange man noch darauf zurückgreifen kann.

Wenn jüngere Leute im Vorstand (Leitungsteam) der Gemeinde sind, so sollten sie immer beachten, was ältere Brüder in der Gemeinde sagen und sich niemals leichtfertig darüber hinwegsetzen. Was ist es anderes als schädlicher Hochmut, wenn der Jüngere denkt: “in meiner Position habe ich Entscheidungsbefugnis und ich gebrauche sie so, wie ich will” ? Es ist unbarmherzig und unfair, mit einem alten Menschen, der guten Rat gibt, so umzugehen.

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Natürlich kann auch ein alter Bruder irren und etwas falsch einschätzen. Wenn man ihm aber widerspricht, dann tut man es notgedrungen, weil – wie gesagt – wichtige biblische und menschenfreundliche Gründe dagegen sprechen. Wenn man widersprechen muss, ist es wichtig, es in einer zurückhaltenden Art und Weise zu tun: “Einen Älteren fahre nicht hart an, wenn du ihn ermahnen musst, sondern rede mit ihm wie mit einem Vater.” (1.Tim5,1)

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Ansehen der Person verboten

Nach dem Neuen Testament ist die Benachteiligung eines Menschen in einer Rechtssache, ja schon seine willkürliche Zurücksetzung gegenüber einem wohlhabenden Gemeindemitglied ein Akt der Unbarmherzigkeit, der unter schwerer Strafe steht: “Es wird aber ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat.” (Jak 2,13)

An Älteste, besonders an die Gemeindeleiter werden hohe Erwartungen gestellt. Sie können nicht jedermanns Geschmack gerecht werden und jeden zufriedenstellen. Insbesondere wird es immer unterschiedliche theologische Auffassungen geben, die sich auf den Grundsatz der Gewissensfreiheit berufen dürfen. Deshalb sind Älteste häufig kleinlicher Kritik ausgesetzt. Hier bedürfen sie besonderen Schutzes. Deswegen rät auch Paulus dem Timotheus, keine Klage gegen einen Ältesten anzunehmen, die nicht auf der Aussage “von zwei oder drei Zeugen” gegründet ist.” (1.Tim 5,19)

Doch auch Älteste können Geschwistern mit Unrecht erheblich schaden. Wird das Unrecht nicht repariert, sondern geduldet, so wird der Aufruf zur Umkehr unglaubwürdig. Obwohl niemanden das Leid des Geschädigten interessiert, wird weiter von “Liebe”, “Gerechtigkeit” und “Wahrhaftigkeit” gepredigt. Durch diese Heuchelei werden weitere Menschen geschädigt, die hier lernen, dass das Heucheln halb so schlimm bzw. tolerierbar ist. Eine Umkehr wird immer schwieriger, je weiter der Zersetzungsprozess fortgeschritten ist, da das Verhalten der Leitung am Ende irgendwann nicht mehr als Übereilung oder Überforderung, sondern nur als charakterliches Defizit, als Verkümmerung des Glaubens gesehen werden kann.

Leider ist immer wieder festzustellen, dass die Fähigkeit eines Gemeindemitarbeiters, viele Menschen in die Gemeinde zu ziehen, darüber entscheidet, wie bei offenbarem Unrecht mit ihm verfahren wird. Es sei nur auf den Fall einer erfolgreichen Kindermissionarin verwiesen, gegen deren Entlassung sich drei Pastoren sperrten, obwohl eine Untersuchung ergab, dass diese lesbisch orientierte Frau an Kindern wiederholt sexuelle Manipulationen vorgenommen hatte.

Niemand steht über dem Recht. so sagt es die Bibel. Bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Parteilichkeit ist ein unmissverständliches Kennzeichen der falschen Hirten, von denen es heißt: “Den Schwachen steht ihr nicht bei, und die Kranken heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht und das Verlorene sucht ihr nicht; sondern streng und hart herrschet ihr über sie.” (Hes 34,4) Man lasse sich nicht täuschen, wenn die Leitung “zum Ausgleich” gegen Verfehlungen von Menschen, die noch nicht lange zur Gemeinde gehören, besonders scharf vorgeht, um “moralisches Profil” zu zeigen.

Leidvolle Erfahrung zeigt, dass es für einen Vorstand, der vom Erfolg eines Leiters oder Mitarbeiters mit profitiert, auch bei berechtigten Klagen schwierig ist, eine faire Untersuchung in die Wege zu leiten. Ebenso problematisch dürfte es sein, wenn ein aus Gemeindeleitern zusammengesetztes “Ehrengericht” über Verfehlungen eines Standesgenossen urteilen soll. Auch sollte nicht der Vorstand über Beschwerden gegen eines seiner Mitglieder urteilen müssen.

Besser ist es, wenn der Konvent der Gemeinde die Gemeindeordnung im Sinne Jesu gestaltet und einen Katalog von Fairness-Regeln für Älteste sowie einen Katalog strafbarer Handlungen beschließt. Anhand dieser Regeln kann dann ein Schiedsgericht, in das der Konvent geeignete Gläubige wählt, vernünftig und unparteilich urteilen. Die Schiedsrichter geben für den aktuellen Fall eine “Befangenheitserklärung” ab, damit das Urteil nicht durch Sympathie, Freundschaft oder Verwandschaft um drei Ecken verfälscht wird. Zur Sicherung der Unabhängigkeit des Urteils dürfen sie kein Einkommen oder ähnliche Vorteile aus der Gemeinde erhalten.

Das Laiengericht urteilt nicht über theologische Fragen (theologische Abstinenz), sondern nur über Verfehlungen strafrechtlicher Art sowie über Machtmissbrauch im Amt. Somit können dann auch Gläubige zu ihrem Recht kommen, die ihren Fall aus Gewissensgründen aufgrund von 1.Kor 6,1 ff nicht vor Gericht bringen können oder wollen. So sind endlich auch diese Geschwister geschützt, deren Recht auf Wiederherstellung in vielen Fällen bisher sang- und klanglos untergegangen ist.

Das Schiedsgericht sollte auch die Möglichkeit haben, Schadenersatzzahlungen an die Geschädigten festzulegen – entsprechend dem Umfang des Schadens, der durch die Verfehlung eingetreten oder mitverursacht worden ist.

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Ausnahmen zu üblichen Auslegungsregeln beachten !

Im allgemeinen wird der Sinn eines Textabschnitts am besten erschlossen, wenn sich der Ausleger möglichst eng an den Wortsinn hält und auch den Kontext der Aussagen berücksichtigt.

Die Bibel ist ein einzigartiges Buch – vom heiligem Geist Gottes inspiriert. Bei der Interpretation sind wichtige Besonderheiten zu beachten:

Die innere Einstellung geistlicher Disziplin wird vorausgesetzt – ohne die sich die Bibel dem Leser verschließt (Selbstverstärkung).

Jede Auslegung muss ein lebensfreundliches, dem geistlichen Wohl dienliches Ergebnis haben. (Mt 4,4) Ein destruktives Ergebnis wird korrigiert, indem Einzelaussagen mit Hilfe der übergeordneten Qualitätsmaßstäbe Jesu der richtige Rang zugewiesen wird.

In manchen Fällen muss der Ausleger vom Wortsinn abweichen, um Unsinn zu vermeiden.

Der Sinn eines Satzes steht im allgemeinen zwingend im Einklang mit dem umgebenden Kontext. Meistens ist das so – aber in der Bibel nicht immer.

Das kürzeste Beispiel für die Abweichung von dieser Regel ist die messianische Verheißung „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Mt 2,15). Die zugehörige alttestamentliche Stelle (Hos 11,1) bezieht sich ganz klar auf das sündige Israel. Ein Kandidat der Germanistik, der sich dieser Art des „Schriftbeweises“ in einer Prüfung bedienen würde, würde – wegen mangelnder Einsicht in die Regeln der Hermeneutik – durchfallen.

Anderes Beispiel: In 1.Tim5,17 werden die Gläubigen ermahnt, die Ältesten, die gute Arbeit leisten, “zweifacher Ehre wert zu halten“. Der vorangehende und der folgende Vers spricht über die materielle Versorgung, sodass manche Ausleger hieraus geschlossen haben, dass Älteste nach dem Willen Gottes doppeltes Gehalt zu beanspruchen hätten im Vergleich zu anderen Gemeindemitarbeitern. Andererseits ermahnt Paulus ein Kapitel weiter, dass Timotheus wie auch allgemein Gläubige sich an “Nahrung und Kleidung genügen lassen sollten” (1.Tim.6,8), weil aus der Frömmigkeit “kein Gewerbe” gemacht werden darf. Was stimmt denn nun ? Man kann natürlich vermuten, dass in Ephesus die Prediger bisher sehr kläglich bezahlt wurden und durch eine Verdoppelung dieses Defizit aufholten. Von etlichen Auslegern aber wird die Mahnung des Paulus gerne verallgemeinert: Predigern und Ältesten steht doppeltes Gehalt zu. Tatsächlich ? “Gute Arbeit” mit einem hohen Einkommensvorsprung zu belohnen, steht mit der Tatsache in Widerspruch, dass sich gute Arbeit eben besonders durch Uneigennützigkeit auszeichnet. Paulus weist genau darauf hin, damit die Gemeinde in Korinth die erbärmlichen Motive seiner Konkurenten in Korinth erkennt. Wie sollte man auch “gute Arbeit” definieren ? Soll man Bekehrungen zählen, die möglicherweise durch das Zusammenwirken von mehreren Gläubigen zustandegekommen sind ? (1.Kor 3,6) Ist die harte Arbeit von Streetworkern und Diakonen z.B., die sich verstärkt um Menschen in sozialen Notlagen mühen, oder die von Strapazen geprägte Arbeit von Missionaren in Gebieten fernab der Zivilisation weniger “gute Arbeit” ? Wird der Gemeinde auferlegt, den Zehnten zu geben, so ist die Gewährung doppelten Lohnes sehr unfair. Armen Gläubige wird auferlegt, von dem, was für einfachste Bedürfnisse der Familie kaum ausreicht, 10% abzugeben, damit Gemeindeälteste über diesen Bedarf hinaus Luxuseinkommen anhäufen können. Hat Paulus das in der Tat empfohlen ? Nach dem Wortlaut könnte man das meinen, doch sicherlich hat er das nicht gemeint: es wäre ein klarer Verstoß gegen den Qualitätsstandard der Fairness. Deswegen kann man “doppelte Ehre” nicht guten Gewissens mit “doppeltem Einkommen” übersetzen. Man kann hier deutlich sehen, dass das Wort Gottes dem Übersetzer nahelegt, Erkenntnisse aus dem praktischen Glaubensleben bei der Übersetzung zu berücksichtigen.
Erst im Zusammenwirken von Bibeltext und geistlicher Lebenspraxis erschließt sich ein vernünftiger Sinn („schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell„)

Der biblische Fokussierungsstil liefert weitere Beispiele.

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Authorisierung und Berufung des Gläubigen

Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, bekommen den Heiligen Geist geschenkt. Es ist dieselbe Kraft, die Jesus von den Toten auferweckte und ihn über alles herrschen lässt, “über alle Gewalten, alle Mächten und Autoritäten; über alles, was Rang und Namen in dieser und auch in der zukünftigen Welt hat.” (Eph 1,23 / NeÜ) Diese Kraft ist vorläufig “in Gott verborgen” (Kol 3,3), damit der Gläubige sich in der Glaubensprüfung bewähren kann (1.Pet 1,7). Zu erkennen ist sie an ihren guten “Früchten” (Gal 5,22) in der Seele und im Leben des Gläubigen und an der Bereitschaft, sich selbst korrigieren zu lassen (1.Kor 11,31).

Die Bibel selbst fordert jeden Christen auf: Erkenne, wozu du berufen bist ! (Eph 1,18) Christen haben mit dem Geist Gottes ein Recht auf das herrliche Erbe im Himmel erhalten (Eph 1,14), das das Neue Testament mit der Königswürde vergleicht. Jesus hat sie “geliebt und reingewaschen von den Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht” (Offb 1,5-6) Auch wenn Johannes hier in der Gegenwartsform spricht und das Versprochene als bereits geschenkt betrachtet, wird das Versprechen erst beim Kommen Jesu erfüllt. Christen haben eine Anwartschaft auf das Königtum: man kann sie mit Königskindern, mit Kronprinzen und Kronprinzessinnen vergleichen.

Schon in diesem Leben wird etwas von der Autorität und Vollmacht des Heiligen Geistes sichtbar. Sie kennen eine Freude, von der die Welt nichts weiß (Joh 4,34), wodurch die Versuchungen zum Bösen und die alte Natur viel von ihrer Macht verlieren. (Rö 6,18 / Eph 6,12 ff) Sie können schon jetzt in priesterlicher Fürbitte für andere Menschen eintreten und erfahren, dass Gott ihre Bitte hört. (1.Tim 2,1) Sie können schon jetzt Weisheit und Vollmacht Gottes in Anspruch nehmen (Jak 1,5), um Konflikte in ihrem Lebensbereich zu lösen, die nach menschlichem Ermessen kaum lösbar sind. In ihrem Leben kann soviel von der Kraft Gottes sichtbar werden, dass man schon jetzt von ihnen sagt: “sie herrschen bereits in diesem Leben durch Jesus Christus” (Rö 5,17). Christen sollen wahrhaft freie Leute sein.

Da Christen de facto Königskinder sind, sollen sie “ihrer hohen Berufung entsprechend leben” (1.Thes 3,12), d.h. sich in ehrenhafter Weise verhalten. Insbesondere sollen sie einen Mitchristen, der unansehnlich und unbedeutend erscheint, “höher achten als sich selbst“. (Phil 2,3) Denn Gott erwählt gerade das Unansehnliche und Niedrige, “um das zu beschämen, was stark ist“. (1.Kor 1,28) Je schwächer ein Mensch ist, desto weniger vertraut er auf sich selbst und desto herrlicher kann das sein, was Gott in ihm und durch ihn tut. (2.Kor 1,8-10)

Wer den unbedeutenden Bruder um dessen zukünftiger Königswürde willen nicht achtet, der achtet auch seine eigene Würde gering und verlässt sich ganz auf das, was er hier in diesem kurzen Leben hat.

Deswegen rät der Apostel Jakobus Gläubigen, die in diesem Leben eine hohe Position haben, “sich ihrer Niedrigkeit zu rühmen” (Jak 1,10) und sich nicht auf vergängliche Ehre zu verlassen. Denn “Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.” (Jak 4,6). Das was er hat , soll er “haben, als hätte er es nicht“. (1.Kor 8,29-30) Umgekehrt ruft Jakobus den Gläubigen, der in diesem Leben nur eine unbedeutende Position hat, auf, sich “seiner Höhe zu rühmen.” (Jak 1,9)

Die Versammmlung der Gläubigen ist von Gott mit besonderer Autorität ausgestattet.

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Autorität der Gemeindeversammlung

Gemäß der Bibel sind Gläubige Menschen, die von Gott das Geschenk königlicher Würde empfangen haben. Nicht-Gläubige sind Menschen, die Gott mit königlicher Würde beschenken will. Deswegen soll der Gläubige jeden Menschen – auch nach seiner Einschätzung unbedeutenden Menschen – “höher achten als sich selbst“. (Phil 2,3) Das ist die auf die Zukunft bezogene Sichtweise in der Gemeinde.

Sehr streng urteilt Jakobus über Gläubige, die die weltliche Sicht in die Gemeinde hineinbringen, und wohlhabenden Leuten in der Gemeinde mehr Respekt erweisen als armen, unbedeutenden Mitchristen. Damit stellen sie die ewige Königswürde im Himmel hinter die flüchtigen Würden der Welt zurück. Eine Geringschätzung der Königswürde ist ein sehr bedenkliches Verhalten, das nach Jakobus mit “unbarmherzigem Gericht” bestraft werden wird. (Jak 2,12)

Die weltweite Gemeinschaft der Gläubigen wird als Einheit gesehen: Christus hat sie wie Bausteine auf dem Fundament der Apostel und Propheten zu einem Tempel zusammengefügt (Eph 2,20), in dem Gott wohnt, sie ist wie ein Leib, dessen Haupt Christus ist (1.Kor 12). Christus hat das Trennende zwischen Nahestehenden (Juden) und Fernstehenden (Heiden) beseitigt, um “aus ihnen eine Person zu schaffen” (Eph 2,15).

Die Gemeinschaft der Heiligen verfügt über eine passive und aktive königliche Autorität.

Die passive Autorität wird deutlich in einem Ereignis, das in der noch ganz jungen Urgemeinde stattfand. Diese bestand zum weitaus größten Teil aus Glaubensanfängern (“Säuglingen”), nämlich aus dreitausend Menschen , die durch die Pfingstpredigt des Petrus zum Glauben gekommen waren. In diese Gemeinde brachte Ananias ein Opfer. Wie er behauptete, hatte er alles Geld für einen Acker gespendet. Das stimmte jedoch nicht. Einen Teil des Geldes hatte er zurückbehalten, wollte das aber nicht erwähnen, um bei seinen Glaubensgeschwistern den Eindruck größter Freigebigkeit zu erzielen. Petrus nun teilte ihm mit, dass er “nicht Menschen, sondern den Heiligen Geist belogen” habe. (Apg 5,4) Die Lüge gegenüber der erweckten Gemeinde wog so schwer, dass diese Sünde den Tod nach sich zog. Das ist eine passive Autorität. Sie wird von den Gemeindegliedern nicht beansprucht. Viele waren über die Todesstrafe nur entsetzt. (Apg 5,5) Dennoch war diese Autorität wirksam: die zum Königtum berufene Gemeinde wird nicht ungestraft belogen.

Die Gemeinde in Korinth ließ es sich eine Verletzung ihrer passiven Autorität gerne gefallen, “wenn jemand sie versklavt, ausnützt und an der Nase herumführt, wenn jemand sie von oben herab behandelt und ihr Hiebe versetzt.” (2.Kor 11,20-21) Paulus tat das nicht: “ Zu meiner Schande muss ich gestehen: Dazu waren wir zu schwach!” (V.21 / NeÜ)

Eine aktive Autorität sehen wir in der Ausübung der Gemeindezucht. Als ein Mitglied reuelos an einer groben Sünde festhält, beschließt Paulus zusammen mit der Gemeinde, “den Täters dem Satan “auszuliefern, damit sein Körper zugrunde gerichtet, sein Geist aber am Gerichtstag des Herrn gerettet wird …” (1.Kor 5,5) Dies ist sehr ähnlich der Vollmacht des Bindens und Lösens, die den Aposteln übergeben worden ist. (Mt 18,18) Die Gemeinde prüft, ob die Reue ehrlich ist und reagiert dementsprechend: “Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben.” (Jo 20,23)

Auch in bibeltreuen Gemeinden heute kann der Respekt vor der königlichen Autorität, die die Gemeinschaft der Mitchristen hat, unterentwickelt sein.

Im schlimmsten Fall haben wir Verhältnisse wie bei Ananias und Saphira: der Konvent wird belogen, desinformiert oder ausgetrickst. (strafbare Handlungen) Hier sollten sich Gläubige für eine Reform der Gemeindeordnung einsetzen.

Sehr übel ist auch die Weigerung, eine Streitsache nach Mt 18, 17 vor die Gemeinde zu bringen, bloß weil das Opfer aus einer fremden Ortsgemeinde stammt. (detailliertes Beispiel) Dabei gibt es gar keine “Fremden” in der Gemeinde. Nicht einmal mehr gläubiggwordene Heiden und Judenchristen sind einander fremd, alle sind “Mitbürger der Heiligen und gehören zur Familie Gottes.” (Eph 2,19)

Durch die Weigerung wird die aktive Autorität der Gemeinde ignoriert. Den Gläubigen werden wichtige Informations- und Entscheidungsrechte, die ihnen nach der Bibel zustehen, entzogen. Dadurch wird die Gemeinde gezwungen, Unrecht in ihrer Mitte zu dulden.

Die Autorität, die die Gemeinde von Jesus hat, gilt weit weniger als die “Gebietshoheit”, die die Gemeindeleitung der “Täter” – Gemeinde beansprucht. Eine Gemeindeleitung, die sich als “Gebietsfürst” gebärdet, sammelt um sich einen möglichst großen “Hofstaat”, der ihren Herrschaftsanspruch kritiklos und blind unterstützt. Den übrigen Christen dort bleibt nur die Rolle als bevormundete “Untertanen”.

Für die Heilsgewissheit so manches Ungläubigen wirkt sich das ungünstig aus: die angebliche Königswürde, auf die der Gläubige Anrecht erhält und die teilweise schon jetzt sichtbar sein soll, wird ja von den Leitern der Gemeinde nicht respektiert. Sie wird damit zur süßlichen Märchengeschichte, zur billigen Illusion, mit der Leichtgläubige getröstet werden, die in der Welt zu kurz gekommen sind. (Propaganda) Man erzählt dieses Märchen gerne, man hört es gerne, aber ernstzunehmen ist es nicht.

Warum soll man dann den übrigen Heilsverheißungen vertrauen können? Auch sie erscheinen dann als Illusionen, als Märchengeschichte, die man sich einredet, damit das trostlose Leben etwas erträglicher wird. Infolgedessen bleibt so mancher, der Angst um das Heil hat, sein Leben lang eine armselige Kreatur, die sich mühsam am Selbstbewusstein des Seelsorgers festzuhalten versucht.

Dann gewinnt auch wieder die weltliche Rangordnung in der Gemeinde an Bedeutung – sie ist häufig sogar religiös begründet: wer es materiell zu etwas gebracht hat, steht unter dem sichtbaren Segen Gottes. Der geringe Bruder hat keine Bedeutung – auch wenn man in einer jovialen und gönnerhaften Weise von der Würde redet, die er als Christ hat. Im übrigen soll er darüber nachdenken, was den Segen in seinem Leben verhindert hat.

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Barmherzigkeit, echte

“Barm-HERZ-ig” – Sein heißt:
seinen Mitmenschen “von Herzen” zu lieben, ihn als Freund ansehen und behandeln und seine Nöte und Chancen mit den Augen eines Freundes sehen. (Mt 5,47 / Lk 7,34)

Lasst uns nicht lieben mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.” (1.Joh 3,18)

Glaubensvorbilder sind sehr wichtig, da es auch viel scheinbare Barmherzigkeit und geheuchelte Liebe gibt, die sehr leicht zur Nachahmung verführt.

Barmherzigkeit und Liebe ist z.B. nicht:

– freundliche Phrasen, gute Umgangsformen verbunden mit Desinteresse (Mt 15,8)

– soziale und missionarische Aktionen mit dem Ziel religiöser Selbstbestätigung

– Freundlichkeit als Belohnung für Anpassung an Machtstrukturen und an das eigene religiöse Ego

– Bevormundung anders denkender Christen “zu ihrem Besten”, die mit einem Mangel an Selbstkritik einhergeht

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Beichtgeheimnis gilt nur für den Ratsuchenden

Das Beichtgeheimnis schützt nur den Ratsuchenden, nicht den Beratenden! Der Beratende muss seine Ratschläge mit der Bibel vernünftig begründen können. Entbindet ihn der Ratsuchende von der Schweigepflicht, so muss er ehrlich und vollständig Rede und Antwort für sein Verhalten im Gespräch stehen.

Berater, die sich fragwürdige und schädliche Methoden leisten, berufen sich gerne auf das Beichtgeheimnis, um sich einer Überprüfung zu entziehen! In diesem Fall wird das Beichtgeheimnis zum Nachteil des Ratsuchenden missbraucht! (siehe ausführlicher Kapitel 6.3 “Kein Recht auf Supervision” in der Broschüre “Liebe ohne Fairness“)

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Beständigkeit des Heils – oder: Kann ein Christ verlorengehen ?

Die Bibel verspricht dem Gläubigen, dass sein Heil beständig ist. „Sie werden niemals umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh 10,28) Paulus ist „gewiss, dass weder Tod noch Leben, … weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges … (den Gläubigen) von der Liebe Gottes trennen kann.“ (Röm 8,38-39)

Andererseits gibt es in der Bibel Aussagen, die auch dem bemühten Gläubigen den Charakter Gottes sehr düster und bedrohlich erscheinen lassen. Wenige typische Bibelstellen mit exzessiver Strenge lassen moralische Mängel und Unvollkommenheiten zu einer Quelle von Unsicherheit, ja Angst werden. Ein hier häufig angeführtes Beispiel ist Hebr 10,28: „wenn wir mutwillig sündigen, haben wir kein Opfer mehr für unsere Sünden zur Verfügung, sondern nur noch ein schreckliches Warten auf das Gericht.“

Somit haben wir es mit drei „Mitwirkenden“ zu tun: mit Gott, mit seinen Gläubigen und mit der Tat.

Erstens: Gott.

Gottes Ehre hat überragende Bedeutung in der Bibel: Er hat die ganze Schöpfung geschaffen, die auf seine Schöpfermacht hinweist. (Ps 104) Er hat die Gläubigen geschaffen, damit sie „zu seiner Ehre“ leben. (Eph 2,10) und seine Güte und Gnade rühmen. (Ps 103)

Man trifft sie immer wieder an: Gläubige, die ihren Mitmenschen von dem Reichtum der Gnade Gottes erzählen und zugleich selbst unter mangelhafter Heilszuversicht leiden. Vielleicht in der Hoffnung, dass gerade das Missionieren diesen Mangel mildert: „wenn du mit deinem Munde Jesus als Herrn bekennst, so wirst du gerettet…“ (Rö 10,9) Doch redlich ist das wohl kaum. Wer will in dieser Weise den Glauben bezeugt bekommen ?

In einer Diktatur zahlt es sich mehr aus, dem Diktator zuzujubeln, als wenn man es nicht tut. Soll man Gott zujubeln, weil es sich in Form stärkerer Heilszuversicht auszahlt ? Inwiefern wird Gott durch ein „Zeugnis“ dieser Art geehrt ?

Für die Ehre Gottes kann nur die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit der Errettung zeugen. (Jes 53,11 ff / Eph 1,4 ff) Eine schwache oder halbherzige Errettung würde Gottes Ehre abträglich sein. Er stünde da als jemand, der den Mund zu voll nimmt, „der einen Turm baut„, aber nicht die Mittel hat, das Werk zum Abschluss zu führen. (Luk 14,28) Paulus ist gewiss, dass Gott, der in seinen Mitchristen in Philippi „das gute Werk angefangen hat, es auch zu einem guten Ende bringen wird„. (Phil 1,6) Jesus trägt deshalb den Ehrentitel „Begründer und Vollender des Glaubens.“ (Hebr 12,2) Die Geschichte des Jona zeigt, dass Gott sogar noch vergibt, wo das Gericht bereits beschlossen und der Zeitpunkt dafür längst festgesetzt ist. Gott hat bisweilen soviel Mitgefühl, dass Gläubige daran Anstoß nehmen. (Jona 4) Umgekehrt wird Gott kein Verdammungsurteil fällen, dass seine Gläubigen als unfair und maßlos beurteilen würden. Zu der ertappten Ehebrecherin sagte Jesus: „Hat dich niemand verdammt ? … Dann verdamme ich dich auch nicht !“ (Joh 8, 10-11)

Zweitens: seine Gläubigen.

Jesu Jünger sind seine Freunde, seine Brüder und „zur Freiheit befreit„. (Gal 5,1) Dem Gläubigen ist ausdrücklich zugesichert, dass er keine einzige Tat tun muss, um sich selbst zu retten. „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch Erfüllung des Gesetzes gerecht werden wollt.“ (Gal 5,3) Alle erlaubten Motive sind positiv und werden völlig frei gewählt.

Hebr 10,28 macht etlichen Gläubigen Angst, die hier als negatives Motiv ins Spiel kommt.

Sicher sind diese Widersprüche menschliche Wahrnehmungen, doch das menschliche Zeugnis kann sich nun einmal nur auf solche stützen.

Die menschliche Seele ist auf Eindeutigkeit festgelegt. Es scheint in fundamentalistischen Kreisen selbstverständlich zu sein, beides gleichzeitig zu denken: Gottes Erbarmen und Gottes Erbarmungslosigkeit und darüber hinaus noch zu behaupten, dass sich beides nicht widersprechen würde.

Doch wenn wir Heilsfreude und Vertrauen stärken wollen, dann müssen wir einen Weg finden, zu theologischer Eindeutigkeit zu kommen. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3) Das Herz eines Kindes gewinnt man immer noch durch Eindeutigkeit der Liebe und Zuwendung, und nicht durch schizophrenes „Einerseits“ und „Andererseits.“

So wie Jesus es ablehnte, die vom Gesetz befohlene Steinigung einer Ehebrecherin zu vollziehen (Joh 8) so wird auch der Gläubige der christlichen Urgemeinde manchen Vorschriften – etwa der, einer Frau, die ihren Mann mit unziemlichem Griff verteidigt, „die Hand abzuhacken“ (5.Mo 25,11-12) – ein klares Nein entgegenhalten müssen.

Das ist klar. Selbst wenn diese Vorschrift im Neuen Testament stünde, würde kein Gläubiger auf ihrer Einhaltung bestehen – sie würde genauso missachtet wie die Vorschrift des Apostels, einer Frau, die ihren Kopf beim Beten nicht bedeckt, „das Haar abzuschneiden„. (1.Kor 11,6) Auch ist klar, dass es nicht sinnvoll ist, aus beiden Vorschriften Schlussfolgerungen auf den Charakter Gottes zu ziehen.

So klar das alles auch ist, liegt die Schwierigkeit in der Begründung, in einer Beweisführung, die nicht zu Lasten der Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift gehen darf.

Manche Gläubige werden die Vorschriften als „inhaltlich falsch“ und als „von Anfang an verbesserungsbedürftig“ bezeichnen, andere wiederum werden behaupten, dass sie die betreffenden Aussagen für richtig und vollkommen halten, sie aber nicht verstehen und begründen könnten, warum das so sei. Die Aussage, die ignorierten Aussagen seien „inhaltlich falsch“, sei unzulässig, da ein einziger Fehler die Autorität der gesamten Schrift zunichte mache. Der Mensch stelle sich über die Schrift, wenn er zwischen Gottes und Menschenwort unterscheiden wolle – was anmaßend sei. Wer immer das versuche, sei ein Zerstörer des Glaubens, mit dem man keine Gemeinschaft haben könne.

Wenn Gläubige darauf verzichten, Aussagen über den „Wahrheitswert“ derartiger Aussagen zu machen, entspricht das sicherlich der Absicht des Heiligen Geistes, dem „Spaltungen“ in der Gemeinde zuwider sind. (Gal 5,20) Welchen Sinn soll eine solche Diskussion über den „Wahrheitswert“ machen angesichts der Erkenntnis, dass sich die Bibel unaufrichtigen Lesern ohnehin verschließt („Selbstverstärkung„) – egal ob sie nun weltlich-liberal oder fundamentalistisch-linientreu sind ?

Eine verlässliche Aussage über den geringen Rang der betreffenden Stellen genügt völlig, um sich voll und ganz zur verlässlichen Gnade Gottes bekennen zu können.

Wenn der Gläubige eine bedrohliche Aussage mit geringerem Rang einstuft, so muss diese Einstufung immer mit höchstrangigen Ordnungsprinzipien der Heiligen Schrift begründet werden. Nur dann wird der Fehler vermieden, dass sich der Gläubige mit einer subjektiven und willkürlichen Einstufung „über die Heilige Schrift stellt“. (Dieses Verfahren bezeichnen wir als „schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell„)

Indem die Heilige Schrift Zweideutigkeit vorgibt, zwingt sie uns, mit Hilfe ihrer wichtigsten Gebote in Mt 23,23 Eindeutigkeit herzustellen, d.h. Mt 23,23 als maßgeblichen Schlüssel der Auslegung zu verwenden. Damit bekennen wir uns zu der Tatsache, dass Aussagen über Gnade eindeutig sein müssen und dass der Gläubige berechtigt ist, alle Verwässerungen dieser Eindeutigkeit anzuzweifeln und zu verwerfen. (siehe „http://konsequentegnade.wordpress.com„)

Nur wenn wir so vorgehen, dann werden die Aussagen über Gnade ein vielfach größeres Gewicht als alle Warnungen und Drohungen in der Bibel haben.

Die Alternative ist unakzeptabel: wenn Christen wegen ihrer Mängel und Unvollkommenheiten angstschlotternd und depressiv durchs Leben gehen müssen, so kann die Welt daraus nur den Eindruck gewinnen, dass christliche Ethik und Erlösung unehrliche, unausgegorene, kindische Konzepte sind.

Damit wird das Ziel, Gott und sein Wort zu ehren, verfehlt: beide werden unglaubwürdig. Zeugnisse „zur Ehre Gottes“ sind dann Propaganda, die schlecht informierten Menschen aufgedrängt wird um eigener Vorteile willen oder um Erwartungen der eigenen religiösen Gruppe zu erfüllen.

Drittens: die Tat.

Die Tat des Glaubens ist ein Geschenk (Eph 2,10) und darf deshalb nicht durch werkgerechte Motive verunreinigt werden. (Gal 5,9: „Sauerteig„). Jede Tat, die mit der Absicht getan wird, „sich das Heil zu sichern“ ist böse und gefährdet das Heil direkt: „Ihr habt Christus verloren, die ihr durch Erfüllung der gesetzlichen Normen gerechtfertigt werden wollt.“ (Gal 5,4)

Sklavischer Gehorsam gegenüber einer biblischen Aussage, die den Maßstab der Barmherzigkeit, der Liebe zum Recht oder der Treue verletzt, ist selbst wieder Sünde (siehe „Giftige Theologie„.)

Jesus ist Beziehung wichtig, nicht Leistung. Ihm ist Charakter und Persönlichkeit wichtig „Es ist kostbar, wenn das Herz beständig wird, was nur durch Gnade geschieht.“ (Hebr 13,9). Der Gläubige ist sein Freund und soll sich mit seinem Verhalten auch zu dieser Freundschaft bekennen.

Gerade wenn der Gläubige schwach ist und sich falsch verhält, darf er mit dem Mitgefühl Jesu rechnen. Jesus hat „Mitgefühl mit denen, die schwach sind.“ (Hebr.4,15) Das Bewusstsein der eigenen Unsauberkeit trotz allem ehrlichen Bemühen sollte den Gläubigen nicht deprimieren, denn es ist eine Tugend ! Es ist ein Kennzeichen für Reife und Selbsterkenntnis. „All unsere Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid.“ (Jes 64,5) Es gibt kein moralisches Niveau, das der Gläubige zum Zweck der Errettung erreichen müsste. Es gibt aber unterschiedlichen Lohn entsprechend der Hingabe. (1.Kor 3) Reinheit wird nicht durch ein beeindruckendes Maß an Selbstbeherrschung und Willenskraft erworben, sondern ist ein Geschenk, dass sehr leicht erworben werden kann: durch bloße Aufmerksamkeit für das verkündete Wort: „ihr seid schon rein um des Wortes willen, dass ich zu euch geredet habe.“ (Jo 15,3) Jesus wertet den Wunsch, sich an ihm zu orientieren, bereits als geschehene Tat.

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Beweis der Liebe nachvollziehbar?

Menschen, die von giftiger Theologie gequält werden, muss der seelsorgerliche Hinweis, dass Jesus aus Liebe zu ihnen den Opfertod auf sich genommen hat, nicht helfen. Vom Segen dieses Opfers merken sie ja nichts.

Solange sie theologischer Gewaltwirkung weiter ausgesetzt bleiben, werden sie das Opfer Jesu nur als totalen Einsatz für die privilegierte Gruppe seiner bevorzugten Lieblinge ansehen können, auch wenn die Werbung so lautet, dass sein Opfer jedem Menschen gilt. Immer wieder waren Menschen bereit, ihr Leben für eine große Idee, an die sie glaubten, hinzugeben. So werden sie auch Jesus missverstehen: er starb für eine große Idee, ganz wenigen Auserwählte in seinen Himmel zu bringen, zu denen sie nun einmal nicht gehören.

Können sie besser erkennen, wie sehr sie Gott liebt, wenn man ihnen anschaulich vor Augen führt, wie grausam das Leid war, dass Jesus erlitt ? Wird es sie trösten, wenn man sie ein Holzkreuz oder Nägel anfassen lässt oder ihnen den brutalen Spielfilm “Die Passion Christi” (mit Mel Gibson als Jesus-Darsteller) vorführt ?

Wohl kaum. Das Problem ist nicht, dass die Intensität des Leids Jesu unterschätzt wird, sondern dass unklar bleibt, ob der Verzweifelte an der durch den Opfertod erwirkten Erlösung teilhat oder nicht.

Ist das unklar, dann wirkt der Versuch, die Grausamkeit anschaulich zu machen, sogar negativ: “Denn wenn dies hier dem lebendigen Baum geschieht, wie wird es dann erst dem verdorrten ergehen?“ (Luk 23,30) Wenn Gott schon mit seinem unschuldigen Sohn so grenzenlos grausam verfuhr, wie wird er dann erst mit mir verfahren, der ich nur ein dürres Holz bin und nicht zu den Erwählten gehöre ?

Wenn es einem selbst schlecht geht und anderen Gläubigen gut, die sich weit weniger Mühe geben, dann liegt der Gedanke der Günstlingswirtschaft und willkürlichen Benachteiligung sehr nahe. Wenn Gott bei allem Leid stumm bleibt, dann kann sich das Gefühl verfestigen, dass man nicht zu den Erwählten gehört. Die Gebote der “giftigen Theologie“, an denen sich der Verzweifelte vergeblich abmüht, sind das “Sieb”, das dazu dient, ihn aus der Gruppe der Erwählten auszusortieren. “Unsere Liebe zu Gott zeigt sich im Befolgen seiner Gebote, und das ist nicht schwer. Denn jeder, der aus Gott geboren ist, siegt über die Welt; er besiegt sie durch den Glauben.” (1.Joh 5,3-4)

Das Opfer Jesu wird dann eher als taktische Maßnahme gesehen, die der Kirche die Herrschaft über das Gewissen ermöglicht und den Gläubigen zwingt, sich ständig in selbstquälerischer und deprimierender Weise als Totalversager zu sehen.

Fazit: Der sorgfältige Gläubige kann nur dann am Opfertode Jesu die Liebe seines Gottes erkennen, wenn ein gesundes, überzeugendes, solide begründetes Verständnis von “Heiligung” vorhanden ist, die ihn vor schädlichem Missverstehen der Gebote schützt (“Giftige Theologie“). Umgekehrt: Wenn Gläubige über Heiligung gar nicht nachdenken und dennoch “Heilsgewissheit” haben, dann handelt es sich dabei sehr wahrscheinlich um eine optimistische Illusion.

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Bibeltreue – Update 2.0

Unter „bibeltreuer“ Interpretation der Bibel verstehen viele Gläubige ein Schriftverständnis, das sich an der Chikago-Erklärung aus dem Jahre 1978 orientiert. Neuere Erkenntnisse bibeltreuer Schrifterkundung machen jedoch die Notwendigkeit von Ergänzungen und Differenzierungen deutlich, sofern man nicht die Augen verschließt vor erheblichen Mängeln und Nebenwirkungen dieses Ansatzes, die mittlerweile offensichtlich geworden sind.

Die Intention dieses Ansatzes ist, die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift als Glaubensgrundlage herauszustellen. Das ist auch unser Anliegen. Doch wie kann man das glaubwürdig tun ?

Es bleibt missverständlich, wenn man kurz und bündig die „Heilige Schrift als völlig zuverlässig” bezeichnet ( Credo der Evangelischen Allianz ), weil immer wieder Gläubige, insbesondere Glaubensanfänger und junge Menschen, aus dieser Formulierung den Schluss ziehen werden, dass alle Aussagen des Neuen Testamentes gleichen Rang und gleiche Autorität haben.

Das ist objektiv falsch, wie auch Jesus ganz klar feststellt, der von der überragenden Bedeutung seiner Qualitätsmaßstäbe “Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit” spricht. (Mt 23,23)

Sie sind das Ordnungskriterium, mit dessen Hilfe sich alle anderen Gebote der Bibel angemessen einordnen lassen.

Wenn diese Maßstäbe in einer Gemeinde nicht angemessen respektiert werden, wenn dort insbesondere auf eine “Kultur der Fairness” wenig Wert gelegt wird, dann steht dieses Ordnungskriterium nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung.

Sorgfältige Gläubige können dann Bibelworte sehr leicht in destruktiver Weise missverstehen (“Giftige Theologie“)

Dieser Zerstörungsprozess ist schwer umkehrbar. Die Beteuerungen der Gemeindelehrer, dass perfektionistische Missverständnisse falsch seien, erreichen das geschädigte Gewissen nicht mehr, wenn diese Behauptungen nicht fest auf das Ordnungskriterium Jesu, sondern auf den Glauben an menschliche Autorität gegründet sind. (“Glauben an den Glauben anderer“)

Auffällig ist, dass Vertreter der Verbalinspirationdoktrin (Chikago-Erklärung) Gläubigen in seelischen Katastophen, wie sie in Folge einer buchstabenhörigen Theologie typischerweise auftreten, kaum helfen können. Folglich wird das Elend der Betroffenen so gut wie nie thematisiert. Sie bleiben für ihr ganzes Leben in schlimmer Depression gefangen.

Was ist von Theologen zu halten, die keinen Widerspruch zwischen dem Evangelium und solchen Auswirkungen erkennen können ?

Diese Nebenwirkungen haben uns dazu bewogen, die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift auf andere Weise zu begründen als über eine pauschale Behauptung einer Eigenschaft („Fehlerlosigkeit“), die für den Menschen kaum oder gar nicht faßbar ist.

Es hat sich als viel fruchtbarer erwiesen, den Rang von Bibelworten zu untersuchen unter der Fragestellung, wodurch lebendiger Glaube entsteht und bestehen bleibt. Damit sind wir sehr nahe an der Bibel, denn Rangunterscheidungen macht die Bibel selbst: indem sie von kleinen, großen und von wichtigsten Geboten spricht.

Jeder Gläubige ist in der Lage, den Rang von Bibelworten festzustellen. Jeder Gläubige erhält das Geschenk des Heiligen Geistes, der „in ALLE Wahrheit leitet.“ (Joh 16,14) Im Zusammenwirken vom Wort Gottes und Glaubenspraxis entsteht die nötige Klarheit und Gewissheit (schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell).

Auch wenn Gläubige Bibelworte an den überragenden Qualitätsmaßstäben “Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit” messen, so stellen sie fest, das Bibelworte nicht gleichwertig sind, sondern in ihrer Bedeutung für das Glaubensleben, in ihrem Rang höchst unterschiedlich sein können. Soweit sie eben diese Maßstäbe konsequent anwenden, werden sie zu annähernd ähnlichen Ergebnissen kommen.

Aussagen mit fundamentaler Bedeutung für das PRAKTISCHE Glaubensleben sind äußerst stringent und selbsterklärend. Sie haben höchsten Rang und automatisch unbezweifelbare Autorität. Ihr Inhalt lässt sich übrigens mit Hilfe des Fünf-Farbenbuchs auch an Analphabeten vermitteln.

Bereits das Vertrauen auf diese wenigen Sätze genügt, um in der Nachfolge Jesu zu leben, Erfahrungen mit Gottes Führung und Erziehung zu machen und sicher im Himmel anzukommen.

Nun gibt es aber noch Texte einer ganz anderen Art in der Bibel, die offenbar keinen hohen Rang haben, die aber Gott in den biblischen Kanon hat hineingelangen lassen, weil sie nützlich sind, „um Weisheit und Selbsterkenntnis zu vertiefen, um das Verhalten zu bessern, und um zur Wertschätzung der Gerechtigkeit zu erziehen.“ (2.Tim 3,16)

Nehmen wir einmal einen solchen Text zur Hand. Die Hofberichterstattung rühmt König David als „Mann nach dem Herzen Gottes, der außer der Sache mit Uria keine schwerwiegende Sünde begangen hätte.“ (1.Kö 15,5)

Das hört der Gläubige gern, denn ihm werden durch viele Geschichten Davids sympathische Seiten bekanntgemacht. Außerdem ist ja sein Königtum eine Art Vorläufer des Königtums Christi.

Doch nun berichtet die Bibel auch folgendes: David wird auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom von einem Mann namens Simei beschimpft. (2.Sam 16,5 ff) Simei bittet König David nach dessen Sieg über Absalom kleinlaut um Verzeihung. David gewährt sie ihm und schwört bei Gott, ihm kein Leid zuzufügen. (2.Sam 19,18-23) Als David auf dem Sterbebett lag, beauftragt er seinen Sohn Salomo, Simei „mit Weisheit“, auf clevere Weise umzubringen. Als Begründung wird die damalige, angeblich vergebene Beschimpfung genannt. (1.Kö 2,8-9) Salomo tut dies auch, indem er den Leichtsinn Simeis ausnutzt. Er verbietet ihm bei Todesstrafe, die Stadt zu verlassen. Eines Tages laufen Simei einige Tiere weg und er übertritt die Stadtgrenze um sie zurückzuholen. Daraufhin lässt ihn Salomo hinrichten. (VV.36-46)

Können wir diese Geschichte beurteilen ? Besser gefragt: Können wir diese Geschichte aus der Sicht Jesu betrachten ? O ja ! Wie werden wir dann urteilen ?

Die naheliegende Antwort: Hatte David denn ganz vergessen, was ihm vergeben werden musste: Ehebruch und Auftragsmord ? Wenn irgendjemand den Tod verdient hatte, dann er selbst ! Davids Machenschaften sind weitaus schlimmere Sünden als die Beschimpfung Simeis.

Und für diese Beschimpfung hatte er dem Simei Vergebung zugesichert, ja bei Gott zugeschworen ! Dieser Schwur wurde gebrochen, auch wenn die Ausführung der Rache dem Sohnübertragen wurde ! Und dann wird die üble Rache noch auf dem Sterbebett angeordnet. Keine Spur von Bedenken oder Reue ! Welche Rohheit des Gewissens wird hier offenbar !

Nun steht an anderer Stelle (1.Kö 15,5): David war ein Mann nach dem Herzen Gottes, der „nur gegen Uria“ ernsthaft gesündigt hatte ? Nur gegen Uria oder auch gegen Simei ?

Der Gläubige nun ist aufgerufen, sein Urteilsvermögen anhand dieser Texte auf der Grundlage der Sicht Jesu zu üben. „ALLE“ Texte der Bibel sollen ja diesem Ziel dienen: der „Erziehung in der Gerechtigkeit.“ (2.Tim 3,16).

Wir haben nun zwei Möglichkeiten der Rangbestimmung:

1. Nach der Verbalinspirationsdoktrin (Chikago-Erklärung):

Da die Verbalinspirationdoktrin JEDES Bibelwort ausnahmslos für richtig, vollkommen und irrtumslos einstuft, müssen wir dem Satz „David hat außer der Sache mit Uria keine schwerwiegende Sünde begangen und war ansonsten ein Mann nach dem Herzen Gottes“ (1.Kö 15,5) „Fehlerlosigkeit“ attestieren.

Was folgt daraus ? Es folgt daraus, dass das Verhalten Davids gegenüber Simei, die Vernichtung dieses Menschen, die er ja völlig reuelos (!) auf dem Sterbebett (!) anordnete, keine schwerwiegende Sünde war.

Sollen wir dass wirklich glauben ? Ist es diese „Erkenntnis“, die wir aus dem Text „lernen“ sollen für unser Verständnis der „Gerechtigkeit“ ? (2.Tim 3,16) ?

Sollen wir dass wirklich glauben, dass es keine schwerwiegende Sünde ist, wenn jemand einem politischen Gegner Vergebung zusichert und auch noch mit Eid bekräftigt, und ihn dann doch umbringen lässt ?

Wenn wir das tatsächlich „glauben können“, haben wir dann inneren Frieden ? Es erheben sich doch weitaus schlimmere Probleme: Gott stört es offenbar nicht, wenn Gläubige in höherer Position (Könige) ihre Versprechen willkürlich brechen. Warum soll es ihn dann stören, wenn Er seine eigenen Versprechen widerruft ? Liegt diese Befürchtung nicht nahe ? Gott schwört auch. (Hebr 6,13) Doch was ist der Wert eines Eides, wenn der Bruch eines Eides unwichtig ist – „peanuts“ sozusagen?

Die Verbalinspirationdoktrin (Chikago-Erklärung) mag den Simei-Bericht als theoretisch „fehlerlos“ betrachten. Er wird damit zugleich auch bedeutungslos. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man bei diesen Voraussetzungen über den Inhalt dieses Textes predigt, da dann der zweifellos hohe Rang eines neutestamentlichen Textes, nämlich das Gleichnis Jesu vom bösen, undankbaren Knecht (Mt 18,23-35) zweifelhaft würde. Ein Text dieser Art wird also ignoriert. In „Chikago- Gemeinden“ kennt ihn auch kaum jemand. Wenn man nachfragt, reagiert man gewöhnlich überfordert: „Das können wir alles nicht verstehen…“

Sagt die Bibel das auch ? Sie sagt das Gegenteil: „Der geistliche Mensch beurteilt ALLES“ (1.Kor,2,16)

Und wie verträgt sich damit die Behauptung des Paulus: „ALLE Schrift ist nütze zur Erziehung in der Gerechtigkeit…“ (2.Tim 3,6) Was sollen wir denn inhaltlich aus der Simei-Geschichte lernen ?

Wird der Glaube größer, wenn wir hier der Verbalinspirations -Theologie (Chikago-Erklärung) folgen ? Wohl kaum ! Es entstehen Zweifel an der Persönlichkeit Gottes und an der Gültigkeit seiner Maßstäbe. Teile der Bibel werden nicht mehr gelesen und praktisch bedeutungslos. In einem ganz wichtigen Punkt, nämlich dankbar zu vergeben, geistert Widersprüchliches in den Köpfen der Gläubigen herum. Weiter werden die Gewissen vergewaltigt, wenn die Theologie den Gläubigen dazu verleitet, Davids Justizmord als „peanuts“ zu betrachten. Das widerspricht der Tatsache, dass die Bibel sehr großen Wert auf den Schutz des Gewissens legt (Rö 14,20-22).

Und das alles nur, weil die Verbalinspirations -Theologie Gott vorschreibt, dass er keine original tendenziöse Hofberichterstattung in sein Wort aufnehmen dürfe. Das darf er nicht, sonst ist angeblich die Grundlage des Glaubens weg.

Umgekehrt: Falls Gott eine fragwürdige Aussage in sein heiliges Buch aufnehmen wolle, dann „sei er verpflichtet“, die Stelle als fragwürdig zu markieren, so wie Paulus seine Meinung im Brief kenntlich machte. (1.Kor 7, 10-12) Gott „sei verpflichtet“, irgendwelche Markierungen zu setzen ? Ach was ! Was Gläubige alles zu wissen glauben, was Gott darf und was nicht !

Die Bibel wird als eine Art Reiseprospekt gesehen, in dem der Reiseveranstalter, Gott, für die Reise zum Himmel wirbt. Damit die Leute auch glauben können, dass Gott, der Vollkommene, diesen Prospekt verfasst hat, muss der Prospekt selber „fehlerlos und absolut vollkommen“ sein. Ist er es nicht, „können sie es nicht glauben“ und haben das Recht, auf die Reise zu verzichten. Haben sie das ?

Tatsächlich ?

Die genannten grundlegenden Glaubensinformationen (beschreibbar mit dem 5-Farben-Buch) sind selbstevident. Sie haben mehr als genug Überzeugungskraft.

Wer diese Tatsache nicht anerkennt, der WILL nicht glauben, der hat sich für den Unglauben von vornherein entschieden. Der wird auch durch die Verbalinspirationslehre nicht gläubiger.

Umgekehrt: Wer an die fundamentalen Heilstatsachen (beschreibbar mit dem 5-Farben-Buch) glaubt, der ist vollwertiger Christ und kann ein gesegnetes christliches Leben führen – mit oder ohne Verbalinspiration.

Ist der Glaube an einen „vollkommenen Prospekt“ wirklich biblischer Glaube ? Oder ist er nicht vielmehr eine Weltanschauung, die emotionale Sicherheit liefert, ohne dass Glaube praktisch bewährt werden muss ?

Jesus antwortete ihnen: Meine Lehre ist nicht mein, sondern die Lehre Gottes, der mich gesandt hat. Wenn jemand Gottes Willen tun will, dann wird er feststellen, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.“ (Joh 7,16-17)

Ob die Lehre Jesu göttlich ist, kann der einzelne selbst feststellen. Wie ?

Jesus sagte: Durch „Tun„, durch praktische Anwendung – und nicht etwa durch den „Glauben“ an theologische Zusatzartikel wie die Chikago-Erklärung.

Dies beinhaltet auch, dass das Wissen um die Göttlichkeit der Worte Jesu wieder verschwinden kann, wenn der Gläubige aufhört, den Willen Gottes zu tun. Denn dieses spezielle Wissen ist kein geistiger Besitz, wie er durch den Intellekt erworben wird. Die Bibel reagiert lebendig auf geistliches Leben. (schöpungsgemäßes Inspirationsmodell) Sie öffnet und verschließt sich sich ensprechend der geistlichen Situation des Lesenden. (Selbstverstärkung).

Das Tun ist anstrengend. Die emotionale Sicherheit, die dem Gläubige durch die Verbalinspirationsdoktrin (Chikago-Erklärung) angeboten wird, kann dagegen ohne Anstrengung erworben werden. Nicht einmal den Verstand muss man besonders anstrengen und kann das Denken ganz den Theologen überlassen. Ist das nicht viel attraktiver ? Für sehr viele Gläubige schon.

2. Rangbestimmung anhand der Qualitätsmaßstäbe Jesu (Mt 23,23)

Betrachten wir nun einmal eine weitaus überzeugendere Möglichkeit der Rangbestimmung: beurteilen wir die Simei-Geschichte aus der Sicht Jesu !

Jesus verurteilt den undankbaren Knecht, nicht weil er ein bestimmtes Gesetz gebrochen hätte. Das was er falsch gemacht hat, ist selbsterklärend. Es ist eine bodenlose Gemeinheit, unendlich viel Barmherzigkeit zu empfangen und anschließend kleinlich und unbarmherzig mit anderen umzugehen.

Eben das hat David getan. Davon muss sich der Gläubige distanzieren.

Die Behauptung, „David hat außer der Sache mit Uria keine schwerwiegende Sünde begangen und war ansonsten ein Mann nach dem Herzen Gottes“ (1.Kö 15,5) wird folglich als beschönigende Hofberichterstattung identifiziert. Dieser Satz wurde von abhängigen (!) Geschichtsschreibern verfasst, von Geschichtsschreibern, die mit Strafe rechnen mussten, wenn sie anders schrieben als der König wollte. Die Sache mit Bathseba und Uria durfte erwähnt werden, weil sie ohnehin nicht geheimgehalten werden konnte.

Nein, nicht nur gegen Uria, sondern auch gegen Simei hatte David schwer gesündigt! Was war das anderes als ein Justizmord ? Hätte es triftige Gründe für eine Hinrichtung gegeben (etwa Hochverrat), dann hätte Simei auch deshalb angeklagt werden können. Wenn kein Grund außer der Beschimpfung genannt wurde, gab es auch keinen. David hat sich ansonsten ja gerne von willkürlichen Attentaten auf seine Konkurrenten aus dem Hause Saul distanziert (2.Sam 4,9-12), um nicht in den Verdacht des politischen Mordes zu geraten. Selbst wenn sich David in irgendeiner Weise von Simei und dessen Anhängern bedroht gefühlt hätte, ist die bloße Unsicherheit, die durch die Existenz eines Anhängers Sauls entsteht, keine Rechtfertigung für Mord.

Ein weiteres schweres Verbrechen hatte David mit dem Bruch eines Vergebungsversprechens begangen.

Gerade Versprechen im Sinne Jesu und im Namen Gottes sind unbedingt einzuhalten, denn auch Gott hält sein Wort unbedingt und nimmt seine Verheißung auf keinen Fall willkürlich zurück.

Auch wenn wir dem Bericht von Simei nicht zustimmen können, hat er dennoch eine sinnvolle Funktion. Wie ALLE Schrift „dient er der Erziehung zur Gerechtigkeit„. (2.Tim 3,16) Man braucht keine Scheu mehr zu haben, ihn zu lesen und zu besprechen. Er verunsichert den Leser zunächst und lässt u.U. Zweifel an der Liebe und Zuverlässigkeit Gottes entstehen. Richtig d.h mit den Augen Jesu gelesen und beurteilt, entsteht aber wieder Vertrauen. Der Gläubige darf nach seiner Einsicht urteilen – die Freiheit seines Gewissens bleibt geschützt.

Der Simei-Bericht ist kein Einzelfall. Er ist ein typischer Text im No-comment-Stil. Solche Texte sind zum Üben des geistlichen Urteilsvermögens in die Bibel aufgenommen worden.

Viele Gläubige halten solches Üben für überflüssig. Sie wollen allen Ernstes Gott vorschreiben, was er in sein heiliges Wort aufnehmen darf und was nicht. Haben sie wirklich das Recht dazu ?

Die Verbalinspirationsdoktrin behauptet, ein einziger Fehler in biblischen Texten würde ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Man „könne dann nicht mehr wissen, was Menschenwort und was Gotteswort sei.“

Tatsächlich ? „Ihr irrt, weil ihr die Schrift nicht (gut genug) kennt“ (Mt 22,29) Eben mit dieser Behauptung rebelliert ja schon Menschenwort gegen Gotteswort.

Die Bibel sagt nirgends, dass „man dann nicht mehr wissen könne…“ Sie sagt das Gegenteil: Der Gläubige bekommt das Pfand des Heiligen Geistes, der ihn „in ALLE Wahrheit leiten wird“ (Joh 16,13). In „ALLE“ Wahrheit, oder nur in die halbe Wahrheit…?

Wer der Einladung zum Glauben folgt (Hebr 11,1), dem wird Gott selbst zu tieferem Glauben verhelfen. Gott selbst hat größtes Interesse, dass dieser Glaube bestehen bleibt ! Gott selbst wird aktiv ! Sein Geist wird beim Lesen in die geeigneten Schriftworte fließen, sie werden aufleuchten wie Positionslichter, die ein Schiff sicher durch die Fahrrinne leiten. Der „Geist leitet in ALLE Wahrheit“. (Joh 16,14). Ein solches Positionslicht ist z.B die Geschichte Jesu vom undankbaren Knecht.

Andere Bibelworte, wie die Simei-Geschichte sind überhaupt keine Positionslichter – man darf sich an ihnen nicht orientieren. Man kann nicht und darf nicht! Sie dienen aber der wichtigen Übung des Urteilsvermögens.

Apropos Ehrlichkeit … Wo gedeiht und blüht sie denn ? Unter Theologen, die ihre Sicht zum Monopol erheben wollen, gewiss nicht ! Dieses Vorhaben lässt sich nur mit faulen Tricks, mit Manipulation möglichst schon im Kindesalter, mit unfairen Machenschaften durchführen. Lügen „für Gott“ – wird dadurch nicht erst recht die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift untergraben ?

Geistliche Disziplin zu wahren und auf diese Weise eine gesunde Distanz zu glaubenszerstörender Bibelkritik halten, ist vernünftig. Doch man darf nicht auf der anderen Seite vom Pferd herunterfallen. Wenn der Glaube nur auf der Basis fauler Tricks gedeihen kann, dann wird der Glaube selber fragwürdig. Wenn er nur dank allzumenschlicher Maßnahmen existiert, ist er dann nicht ganz und gar Menschenwerk ?

Die Bibel sagt das Gegenteil: Gott gibt Glauben, wem er will. (Rö 9,18) Gott selbst schützt und bewahrt diesen Glauben. (Luk 22, 32) Was können Menschen dagegen tun ? (Ps 56, 11) Einzelne Fehler in No-Comment-Texten schränken Gottes Handlungsfähigkeit und Wirkungsmacht nicht im Geringsten ein.

Bleiben wir doch ehrlich. Wir wollen keine Fehler in der Schrift suchen. Wir trauen ihr ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit zu. Viele Widersprüche, die die moderne Theologie meint gefunden zu haben sind, gar keine. Doch Texte, die uns zum Üben gegeben sind, können wir nicht guten Gewissens zu fehlerlosen Lehrtexten erheben. Auch wenn mancher gerne eine fehlerlose Bibel zum Vorzeigen hätte, auch wenn dadurch vielleicht manches einfacher und übersichtlicher wäre – wir haben die Heilige Schrift so hinzunehmen und zu gebrauchen, wie sie uns Gott gegeben hat.

Ja, offenbar ist die Heilige Schrift ideologieresistent. Sie wahrt ihr Geheimnis. Alle Versuche, ein bestimmtes Schriftverständnis zur allein gültigen Wahrheit zu erheben, sodass es der Heiligen Schrift gleichwertig an die Seite gestellt werden könnte, sind bisher misslungen.

Kein Schriftverständnis hat nur heilsame und hilfreiche Wirkung. Unter ungünstigen Bedingungen ist mit schwerwiegenden Nebenwirkungen, ja Unverträglichkeitsreaktionen zu rechnen. Das Verschweigen und Ignorieren dieser negativen Wirkungen ist leider weitverbreitet. Ist es wirklich damit gerechtfertigt, dass man sich etwas weniger verunsichert fühlt ?

Wir diskutieren auf dieser Seite offen und ehrlich alle negativen Effekte der Verbalinspirations-Doktrin, was im bibeltreuen Rahmen geflissentlich vermieden wird. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Gläubige diese negativen Auswirkungen kennen sollte, um ihnen nicht unversehens ausgeliefert zu sein.

Wir schlagen Ergänzungen und Verbesserungen vor, die diese Effekte mildern oder aufheben. (schöpungsgemäßes Inspirationsmodell) Unsere Leser können diese Vorschläge ablehnen, übernehmen oder verbessern. Ihre Entscheidung sollten sie aber als gut informierte Gläubige treffen.

So halten wir am Wort Gottes fest, an der Treue zur Bibel – mit dem notwendigen Update 2.0.

 

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Bibeltreu die Bibel verstehen

siehe Bibeltreue – Update 2.0

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Blinder Fleck der Werbungsabteilung

Zu Unrecht verlassen sich viele Ärzte darauf, dass Gemeindeleiter als “Fachleute” das Problem der seelischen Gefährdung durch destruktive Theologie am besten bearbeiten. Schön wäre es, wenn das wahr wäre.

Hier gibt es einen prinzipiellen Interessenkonflikt. Gemeindeleiter haben ein starkes Interesse am zahlenmäßigen Wachstum der Gemeinde. Viele Mitglieder heißt: viele Mitarbeiter, viele Spenden, viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen. Deswegen werden sie den Glauben immer auf möglichst attraktive Weise präsentieren. Sieht man die Gemeinde als Unternehmen an, das die religiösen Bedürfnisse seiner Kunden befriedigt, so sind Gemeindeleiter in der Marketing- oder Werbeabteilung tätig.

Es liegt auf der Hand, dass eine Qualitätskontrolle nicht von denselben Personen geleistet werden kann. Die Qualitätskontrolle befasst sich nämlich nicht mit der “Schokoladenseite” des Unternehmens, sondern mit der “Schattenseite”, mit Versäumnissen, Risiken, und Schäden, die bereits eingetreten sind. Diese Arbeit hängt man nicht an die große Glocke, man macht sie möglichst nicht öffentlich. Sie muss aber intern zuverlässig und selbstkritisch getan werden.

In christlichen Gemeinden ist es nun nicht selten so, dass Gemeindeleiter meinen, auch dafür zuständig zu sein. Sie erkennen nicht oder wollen es nicht sehen, dass hier ein fundamentaler Interessenkonflikt besteht, der zu Lasten der Qualitätskontrolle gehen muss.

Zu diesem grundsätzlichen Konflikt kommt, dass für sorgfältige Untersuchungen die Zeit fehlt. In der Regel stehen Gemeindeleiter unter hohem Zeitdruck. Eine Aktivität jagt die nächste. Sie haben alle Hände voll zu tun, Dutzende oder gar Hunderte Menschen zufriedenzustellen, denen es relativ gut geht und die sich in zahlreichen Programmen in der Gemeinde betätigen und entsprechend ihren religiösen Bedürfnissen versorgt werden wollen.

Um den Interessenkonflikt einmal anschaulich zu machen, haben wir einen sehr aufschlussreichen Briefwechsel mit einem Gemeindeleiter abgedruckt.(„Hilflose Helfer„)

Wir haben dutzendweise dünne Broschüren verschickt, die sich eingehend mit dem größten anzunehmenden Unfall des Glaubens befassten – mit der unvergebbaren Sünde nach Mt 12,36 – und Mängel bei den üblichen Antworten diskutierten. Die Resonanz war – bis auf ganz wenige Ausnahmen – praktisch gleich Null. Es reichte meistens nicht einmal zu einer Empfangsbestätigung – von einer Korrektur unserer Argumente ganz zu schweigen.

Natürlich war das keine umfassende Erhebung, sondern eine Stichprobe. Doch ein gewisser Trend ist zu erkennen.

Was mögen weitere Gründe dafür sein?

In Gemeinden, die durch enge theologische Tradition geprägt sind und an der (leicht zu widerlegenden) Behauptung festhalten, dass das wortwörtliche Verständnis den Sinn immer am besten wiedergibt, tut man sich sehr schwer, eine überzeugende Rangfolge biblischer Aussagen zu erarbeiten. Sehr schnell entsteht die Angst, dass in diesem Argumentationsprozess die Autorität der Bibel Schaden nehmen könnte. Lieber nimmt man dann in Kauf, dass sich das Problem nicht auflösen lässt mit allen Nachteilen für die seelische Gesundheit. Man tröstet sich damit, dass ja nur einzelne in schlimmer Weise betroffen sind. Statt mit Beweisen behilft man sich mit Provisorien, zitiert dem Bauch heraus ein paar ermutigende Bibelstellen, auch wenn sich Bibelstellen widersprechen und sich insoweit gegenseitig entkräften. Deshalb ist es oft gerade dort, wo die Not am größten ist, so schwer zu helfen.

In Gemeinden, deren Tradition weniger eng ist, wird die Notwendigkeit nicht gesehen, vor destruktiven theologischen Lehrsätzen zu warnen, weil sie in der Gemeinde offiziell nicht gelehrt werden. Dem ist entgegenzuhalten, dass Gläubige immer wieder mit destruktiven Impulsen konfrontiert werden, die von ganz anderer Seite und unkontrollierbar kommen können.

Auch ist die Abstoßungsreaktion zu bedenken. Ist eine Gemeinde nach Einschätzung mancher Gläubiger zu liberal, zu wenig am Wort und dadurch unglaubwürdig geworden, so suchen sie nach neuer Glaubwürdigkeit in nunmehr engen Traditionen, die ihre Mitglieder einem stärkeren Druck aussetzen, weniger Argumentation und Prüfung erlauben und insoweit weniger Widerstandskraft gegenüber “werkgerechten“Lehrmeinungen haben. Auch für diese Gläubigen sollte sich eine Gemeindeleitung verantwortlich sehen und sie über die betreffenden Gefahren informieren können.

Dazu kommt, dass es allzu leicht ist, sich das Problem vom Leibe zu halten. Ein Seelsorger macht sich wenig Gewissen über ungenügende Aufklärung oder mangelhafte Seelsorge, wenn er optimistisch davon ausgeht, dass der Ratsuchende im eigenen Interesse viele Leute fragen und dann schon irgendwann auf eine befriedigende Antwort stoßen wird.

Und wenn er niemand finden sollte, dann ist nach Ansicht etlicher nicht die Theologie verantwortlich zu machen, sondern eine irrationale Depressionsneigung des Betroffenen, dem ohnehin nicht zu helfen gewesen wäre.

Tatsächlich?

Wenn die Bedürfnisse der vielen, denen es relativ gut geht, Vorrang vor der größten Not eines einzelnen Gläubigen haben, dann darf man mit einiger Berechtigung von theologischer Oberflächlichkeit oder – um ein anschauliches Bild zu verwenden – vom “blinden Fleck” sprechen.

Da die Qualitätskontrolle durch Gemeindeleiter erfahrungsgemäß problematisch ist, sollte diese Aufgabe in erster Linie an andere Gläubige delegiert werden.

Doch vor dieser Delegation scheut so mancher zurück, da der Eindruck mangelnder Kompetenz entstehen könnte. Etliche sehen sich als unumschränkten Chef der Gemeinde, über dem es – von einem Gott, der zu allem vorläufig schweigt, abgesehen – nichts mehr gibt. Etliche haben gewissermaßen ein “monarchisches Selbstverständnis”. Von den Fähigkeiten der übrigen Gläubigen, die kein theologisches Examen vorweisen können, denken sie vergleichsweise gering: sie betrachten sie allenfalls als bemühte Dilettanten, selbst wenn sie im Glauben gereift sind und fleißig die Bibel studieren. Einen objektiven Vergleich, wer nun gründlicher arbeitet, können sie nicht erlauben.

Jesus hat eine derartige Selbstüberhöhung strikt zurückgewiesen:ihr sollt niemanden Vater, Meister oder Lehrer nennen. Einer ist eurer Vater und Lehrer, ihr aber seid alle Brüder.“ (Mt 23,8-10)

Wenn sie damit recht hätten, hätte dann Jesus seine Apostel berufen können, die alle – mit Ausnahme des Paulus – keine Theologen waren ?

Die Bibel sagt anderes. Gottes Geist kann den Gläubigen befähigen, “alles zu verstehen“. (1.Kor 2,15) Der Gläubige darf ihn “um Weisheit bitten“ – und Bitten dieser Art erhört Gott gern (Jak 1,5). Die Bibel sagt ausdrücklich, dass Gott das Recht hat, „Laienboten“ zu schicken, um das theologische Establishment zurechtzuweisen.

Ein theologisches Abschlusszeugnis macht dieses Recht nicht überflüssig oder unwirksam. Wenn man theologische Seminare besucht, so ist das möglicherweise hilfreich, aber nicht unerlässlich. Manche Seminare taugen wenig, manche auch gar nichts, sind zu oberflächlich oder zu wenig selbstkritisch.

Gläubige mit intensiver religiöser Angsterfahrung können die Bibel sehr gründlich auf mögliche Hilfe untersuchen. Sie kennen die Schwächen der üblichen Antworten in der Regel sehr genau. Wenn sie in jahrelanger Arbeit Teilergebnisse oder gar tragfähige Antworten finden, so sollte man ihnen zuhören.

Leider haben wir eine neue, erschreckende Erfahrung gemacht, nämlich dass es Gemeindeleitungen gibt, die untersagen, vor destruktiver Theologie zu warnen. Gründe werden regelmäßig nicht genannt (Ausnahme: der übliche fadenscheinige Scheingrund, dass “man der Gemeinde Unruhe ersparen will”.)

Ist das je ein Grund für Jesus und die Apostel gewesen, den Mund zu halten ?

Ob der Grund für das Verbot nicht vielmehr darin liegt, dass die Methode, Prioritäten bibelgemäß zu setzen, einem Gläubigen tiefere Einsicht in den religiösen Betrieb schenkt und ihn mündiger und widerstandsfähiger gegen Manipulationsversuche macht?

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Böses tun ist nicht so schlimm wie böse sein !

Manchmal fordern Machtmenschen in der Gemeinde die Gläubigen dort auf, einzelnen Gläubigen, die Schreckliches durch religiösen Missbrauch erlitten haben und nun vor Gefahren warnen wollen, nicht zuzuhören und nicht zu glauben, “weil sie keine überzeugende Austrahlung hätten.”

Nun, es mag wahr sein, dass ein Mensch in der Gemeinde, der dort seine Macht missbraucht, eine attraktive freundliche Ausstrahlung hat – weitaus attraktiver als der Eindruck eines gequälten Menschen, der darum ringt, trotz aller Verletzungen fair und liebevoll zu bleiben und oft genug versagt, weil sich die grauenhafte Vergangenheit immer wieder in den Vordergrund drängt.

Bonheoffer schrieb im ersten Kapitel seines Werkes “Ethik”, dass das Böse-Sein schlimmer sei als die böse Tat, dass es schlimmer sei, wenn ein Lügner die Wahrheit sagt, als wenn ein Liebhaber der Wahrheit lügt.

Dann liegt doch die folgende Frage auf der Hand:

Da gibt es einen Gläubigen in der Gemeinde, der sehr beliebt ist und eine positive Ausstrahlung hat, aber zugleich immer wieder Macht missbraucht in der Gemeinde und immer wieder einzelne Menschen damit verletzt und schädigt, ohne etwas zu bereuen oder zu reparieren. Ist sein Verhalten nicht viel schlimmer und bösartiger, als wenn jemand, der vor diesen Machenschaften in einer fairen und brüderlichen Weise warnen möchte, angesichts seiner Ohnmacht und der Verzweiflung darüber einmal unfreundlich oder gar wütend wird ?

Das Neue Testament berichtet, dass die Märtyrer Gott anflehen: “Wie lange dauert es noch, bis du unser Blut an den Bewohnern der Erde rächst und sie richtest?“ (Offb 6,10) Man könnte sich vorstellen, dass jetzt manch bibelfester Theologe entrüstet Einspruch erhebt: “Was seid ihr doch für schlechte Christen! Steht nicht geschrieben, dass wir unsere Feinde lieben sollen. Und nun habe ihr den Wunsch nach Rache, ihr undankbaren Schalksknechte , denen doch selbst so viel vergeben worden ist! Wie seid ihr doch aggressiv und voll Hass !” Dieser Tadel erscheint zweifellos auf Bibelstellen festgegründet. Ein hochmoralischer Einwand! Doch lautet so auch die Antwort Gottes? Sie wird uns berichtet: „Habt noch eine kurze Zeit Geduld! Erst muss noch eine bestimmte Zahl ihrer Glaubensgeschwister so wie ihr getötet werden.” Das Maß der Bosheit muss voll werden. (1.Mo 15,16)

Wir sind davon überzeugt, dass Gott den Wunsch nach Gerechtigkeit, nach Bestrafung unverbesserlicher Bosheit versteht, wenn das Leid so schwer ist und die Gemeinheit so groß. Wir glauben, dass auch das Leid der Gläubigen, deren Seele und Leben durch giftige Theologie zerstört wurde, schwer wiegt vor Gott ! Es ist eben die Frage, wie mitfühlend Gott ist, ob er den, der nach Gerechtigkeit schreit, ein zweites Mal mit Bibelstellen verwundet, oder ob er diesen Wunsch versteht.

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Buchstabentreue

1. Die Form ist eine Hilfe, sich an den wichtigeren Inhalt zu erinnern!
2. Vergessene neutestamentliche Gebote
3. Der gemeinschaftsstiftende Charakter von Formvorschriften
4. Gemeinschaft stärken durch liebevolles Entgegenkommen
5. Buchstabenterror
6. Hundertprozentige Buchstabentreue ist eine Illusion

 

1. Die Form ist eine Hilfe, sich an den wichtigeren (!) Inhalt zu erinnern!

Gott gibt in seinem Wort Gebote und Empfehlungen, die wichtige Glaubenswahrheiten symbolisieren. Die bekanntesten Beispiele sind die Taufe und das Abendmahl. Die Symbolik erinnert daran, dass die Welt Gottes zwar unsichtbar, aber nicht weniger wirklich ist. Die Taufe macht deutlich: so wie der Körper jetzt ins Wasser getaucht und wieder aufgerichtet wird, so hat Christus dein altes Leben in den Tod und dir dafür ein neues gegeben. Das Abendmahl erinnert: der Leib Christi wurde für dich zerstört, so wie du jetzt das Brot brichst. Sein Blut wurde für dich vergossen. So wie du jetzt das Brot brichst und den Wein trinkst, so nimmst du das Opfer Jesu für dich in Anspruch, das dich rettet und zu einem Zweig am Gottes Weinstock macht.

Symbolische Gebote verdeutlichen außerdem, dass Christen der “Leib Christi” sind (1.Kor 12) , d.h. von Christus durch die Bekehrung vom alten Leben und durch die Sündenvergebung zu einer neuen unauflöslichen Gemeinschaft zusammengefügt worden sind.

Symbolische Gebote haben also eine private und eine öffentliche Bedeutung.

Die Voraussetzung des Gehorsams gegenüber einem symbolischen Gebot ist stets die Tatsache, dass die symbolisierten Inhalte tatsächlich vorhanden sind. Sinn macht die Beachtung eines symbolischen Gebotes nur, wenn diese göttliche Regel treu beachtet wird: “Der Inhalt ist wichtiger als die Form!” “Denn nicht der ist ein Jude und gehört zum Gottesvolk, der die äußerlichen Merkmale eines Juden zeigt, auch ist nicht die Beschneidung, die man äußerlich am Körper vornimmt, das wirkliche Bundeszeichen. Nur der ist ein Jude oder gehört zum Gottesvolk, der es inwendig verborgen ist, und das tatsächliche Bundeszeichen ist der im Gläubigen wohnende Heilige Geist und nicht ein Ritual, das buchstabengenau nach Vorschrift durchgeführt wurde. Es kommt darauf an, was Gott richtig und gut findet, während die Anerkennung durch Menschen nichts bedeutet.” (Rö 2,28-29)

Zur Zeit Jesu wurde großer Wert auf die Beachtung mosaischer Speise- und Reinigungsvorschriften gelegt, da man damit seine Zugehörigkeit zum erwählten Volk und die unüberwindbare Kluft zu den römischen Besatzern betonte.

Der Wunsch nach Reinheit war jedoch überwiegend äußerlich. Innerlich strebte man nicht danach. Dort sollte alles beim alten bleiben. “Dies Volk ehrt mich nur mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir…” (Mt 15,8)

Das zeigt, dass die Beachtung äußerliche Formvorschriften auch gefährlich sein kann, wenn sie nämlich dazu dient, sich über den inneren Zustand hinwegzutäuschen.

Da das Volk Israel den Messias nicht erkannte, obwohl doch das mosaische Gesetz auf ihn vorbereiten sollte, wurden im Verlauf der weiteren Gemeindegeschichte so gut wie alle mosaischen Formvorschriften über Bord geworfen. Man beschränkte sich auf vier Gebote, um den jüdisch geprägten Christen keinen Anstoß zu bieten (Apg 15). Auch strengste Gebote, wie das Sabbatgebot und die Beschneidung wurden schließlich für entbehrlich gehalten. “Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er dann das ganze Gesetz erfüllen muss. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch Erfüllung der göttlichen Normen gerecht werden wollt, und habt auf die Gnade verzichtet.” (Gal 5,2-4).

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2. Vergessene neutestamentliche Gebote

Bei dem Gebot, die Brüder mit dem “heiligen Kuss” zu grüßen (1.Kor 16,20) wird ein Auseinanderfallen von Form und Inhalt als besonders unangenehm empfunden. Wer es nicht von Herzen gut meint mit seinem Bruder und ihn dennoch küsst, wird an den Kuss des Judas denken. So erinnert dieser Brauch daran, dass der Gläubige seinen Bruder von Herzen lieben soll, so sehr, das er sogar bereit ist, das “Leben für ihn einzusetzen” (1.Jo 3,16).

Man kann nicht sagen, dass diese Funktion unwichtig ist. Auffällig ist, dass dieses Gebot in Gemeinden, die ihren Mitgliedern viele Formvorschriften aufladen, die gar nicht in der Bibel stehen (einzig zulässige Liturgie, einzig zulässiges Liederbuch usw.), sehr oft für entbehrlich gehalten wird.

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3. Der gemeinschaftsstiftende Charakter von Formvorschriften

Geistliche Symbole wie das Abendmahl sind sehr wichtig, um an wesentliche Glaubensinhalte zu erinnern, an die eigene Sündhaftigkeit, an die Sündenvergebung und Liebe Gottes, an die Notwendigkeit der Heiligung, und die Einheit des Leibes Christi. Die Gemeinde ist eine Neuschöpfung der unsichtbaren Welt und viel mehr als ein unverbindliches Zusammentreffen religiös Interessierter, womit sie oft verwechselt wird.

Um sich das bewusst zu machen, ist es auch sehr wichtig, “das Brot in den Häusern” zu brechen (Apg 2,42), sooft wie möglich. Alle paar Wochen das Abendmahl zu halten, wie es in der Volkskirche üblich ist, ist sicherlich zu wenig.

Darüber hinaus wird das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gemeinschaft auch noch durch weitere Merkmale geprägt, die sich nicht zwingend aus der Bibel ergeben, sondern aus der Tradition stammen.

Sein persönlichen Stil zu wählen, ist nicht falsch. Doch ist hier immer zu beachten, dass man die Christen, die sich in anderen Gemeinschaften mit anderen Stilen zusammenfinden, mit gleicher Liebe als vollwertige Glaubensgeschwister ansieht.

Ist diese Liebe nicht da und verdeckt der Formalismus diesen Mangel, dann ist es besser, dem Vorbild der Urgemeinde zu folgen und sich von irreführenden oder missbrauchten Formen zu verabschieden.

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4. Gemeinschaft stärken durch liebevolles Entgegenkommen

Manche Gemeinden erwarten, dass der Gläubige für den Gottesdienst festlich anzieht (Ps 29,2), oder dass Frauen Röcke (5.Mo 22,5) oder Kopftücher (1.Kor 11,13) tragen. Solche Regeln stehen in einer gewissen Nähe zu biblischen Geboten, wobei angesichts des neutestamentlichen Umgangs mit strengen mosaischen Formvorschriften nicht sicher nachzuweisen ist, ob diese Regeln zeitbedingt sind oder nicht.

Das Vorbild des Paulus weist uns hier den richtigen Weg, der sich bemühte “dem Juden ein Juden zu sein und dem Griechen ein Grieche, um alle zu gewinnen.” (1.Kor 9,20)

Was kostet es, wenn man sich gut anzieht, als Frau auf Kopfbedeckung achtet, um zu zeigen, dass man den Stil einer Gemeinschaft respektiert? Unnötigen Anstoß gilt es zu vermeiden. Nur wenn der Stil dazu dient, Korruption und Verlogenheit zuzudecken, dann kann es sinnvoll sein, zu zeigen, dass die Formen mangels Inhalt nicht respektiert werden müssen – ähnlich wie es Jesus und die Apostel getan haben.

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5. Buchstabenterror

Die Schriftgelehrten belauerten Jesus, ob er am Sabbat heilen (Mk 3,2) und sich damit den Vorwurf der Sabbatschändung aussetzen würde. Obwohl sie es behaupteten, ging es ihnen gar nicht um die Ehrfurcht vor Gott. Der wahre Grund war: sie wollten mit ihrem religiösen Ego über die Gläubigen herrschen, die Nummer Eins sein, und deswegen konnten sie die konkurrierende Autorität Jesu nicht dulden. Durch zahlreiche überflüssige Vorschriften, die sie sich selbst ausgedacht hatten (Mt 23,4), prüften sie die Bereitschaft der Gläubigen, sich ihrer Leitung zu unterwerfen.

Die fehlende geistliche Motivation ist zu erkennen an ihrer Inkonsequenz. Jesus erinnerte sie daran, dass sie sehr wohl ein eigenes Tier, das am Sabbat in die Grube gefallen war, unverzüglich wieder herausholen würden (Mt 12,11). Ein hilfreicher Hinweis zur Selbsteinschätzung, doch den Pharisäern ging es nicht um Wahrheit oder Selbsterkennnis. Da ihnen die Argumente ausgingen, planten sie die Ermordung Jesu (V.14).

Gesetzlicher Formalismus ist ein Problem der christlichen Gemeinde geblieben: “Wenn ihr nun mit Christus gestorben und damit den Mächten der Welt nicht mehr unterworfen seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als ob ihr der Welt weiter unterworfen wäret: “Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren? Müsst ihr euch wirklich noch nach menschlichen Meinungen richten? Möglich, dass manche die danach leben, den Anschein von Weisheit erwecken, zumal sie sehr Gott hingegeben und demütig wirken und bei asketischen Übungen ihren Körper nicht schonen. Doch mit Ehrfurcht vor Gott hat das nichts zu tun. Es dient auschließlich menschlichem Ehrgeiz und menschlicher Eitelkeit.” (Kol 2,20-23). Immer wieder tauchen Gläubige auf, die mit Sondervorschriften eine exklusive Gemeinschaft inerhalb der Gemeinde Jesu bilden wollen, und dort zusätzliche Gebote aufrichten, wo die Bibel Freiheit lässt.

Nicht selten wird allein aus dem möglichen Missbrauch einer Sache das grundsätzliche Verbot abgeleitet (Fernsehen, Internet, nicht-kirchliche Musik usw.). Was den Gottesdienst betrifft, so reagiert man auf jede Abweichung von den Formvorschriften der Tradition mit Angst oder Aggression.

Manchen Gläubigen mit dieser Einstellung kann man die Gemeinschaft durch liebevolle Anpassung erleichtern. “Dem Juden bin ich ein Juden geworden um ihn zu gewinnen.” (1.Kor 9,20) Manchen aber genügt selbst das nicht, da sie es nicht ertragen, dass sich andersdenkende Gläubige, wenn sie unter sich sind, einer größeren Freiheit erfreuen. Sie begegnen diesen Geschwistern von vornherein mit grundsätzlicher Abneigung. Dass sie das wichtigste Gebot, die Liebe, dabei missachten und den Leib Christi mit ständiger Spalterei zerreißen (Phil 3,2), stört sie nicht.

Paulus stellt Parteiungen (Διχοστασαι) oder das Abspalten von Mitgliedern der Gemeinde (αίρέσεις) in eine Reihe mit schweren Sünden wie wie “Hurerei und Götzendienst“, von denen er sagt, “dass die, die solches praktizieren, keine Erben des Königreiches Gottes sein werden.” (Gal 5,21)

Parteiung und Abspalterei ist lebensgefährlich ! Es ist eine Missachtung der Würde Jesu Christi, eine Geringschätzung seines Opfers, das Er auch dem andersdenkenden Bruder zuliebe auf sich genommen hat.

Um so schlimmer ist es, immer wieder erleben zu müssen, wie leichtfertig Gläubige Gräben zwischen Christen aufreißen um völlig nebensächlicher Punkte willen, über die man sich nicht einigen kann. Für manchen genügt ja schon die Verwendung einer anderen Bibelübersetzung, anderer Urtexthandschriften oder die Verwendung eines Liedes, das nicht zum bisherigen Stil der Gemeinde passt. Man tut so, als ob hier gar keine Gefahr bestünde, sich mit unangemessener Enge schwer zu versündigen. Gemeindelehrer sollten über diese Gefahr angemessen informieren.

Durch Buchstabenterror braucht sich der Gläubige nicht einschüchtern zu lassen. Wenn jemand Gläubige mit Aggression oder Kälte behandelt, weil sie seinen engen Vorstellungen von wortwörtlichem Gehorsam nicht entsprechen, dann ist es nicht schwer, ihm zahlreiche Bibelworte entgegenzuhalten, die er selbst notorisch missachtet, z.B.: Gal 5,15: “Wenn ihr euch aber untereinander beißt und freßt, so seht zu, daß ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.” Oder 1.Kor 10,29b: “Denn warum sollte ich das Gewissen eines andern über meine Freiheit urteilen lassen?” Oder 1.Joh 4,20: “Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?” Auch für den, der andere mit dem Buchstaben terrorisiert, gilt: “wer nur eines der Gebote nicht einhält, hat damit das ganze Gesetz gebrochen” (Jak 2,10).

Schon ganz einfache Gebote wie der heilige Kuss (1.Kor 16,20) dürften Christen, die ihre Umwelt mit ihrem frommen Ego terrorisieren, gewaltig schwerfallen. Gewöhnlich sehen solche Leute auch über Ungehorsam der eigenen Leitung hinweg.

Wie kann man hier helfen ? Am besten verhält man sich so, wie Jesus es getan hat: man macht ihnen ihre Inkonsequenz bewusst. Denn hundertprozentig buchstabentreu lebt so gut wie kein Christ, wenn es auch sehr, sehr selten als Ausnahme vorkommen mag. Absolute Buchstabentreue ist eine Illusion.

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6. Hundertprozentige Buchstabentreue ist eine Illusion.

Es ist sicher angemessen, ihn darauf hinzuweisen, was Jesus unter “Vollkommenheit” verstand: “Wenn du vollkommen sein willst…” (Mt 19,21).

Wer dieses Gebot in vollkommener Weise erfüllen will, der wird – wie Paulus und andere Apostel – praktisch auf Sozialhilfeniveau leben, um möglichst viel Geld für das Reich Gottes einsetzen zu können oder um vom Hungertod oder anderen humanitäten Katastrophen Betroffene zu retten und niemandem Hilfe schuldig zu bleiben; Er würde – wie Paulus und andere Apostel – nur soviel arbeiten, dass die Grundbedürfnisse – Essen und Obdach – abgedeckt sind und die übrige Zeit der Mission widmen, um möglichst viele Menschen vor der Hölle zu retten.

Er wäre entsprechend diesem Gebot verpflichtet, das Evangelium dorthin zu bringen, wo die Menschen am wenigsten davon hören, d.h in ein Land, in dem dieser Versuch mit Todesstrafe bedroht ist.

Wer sich hier beklagt, dass wäre zu hart oder übertrieben, dem ist das Wort Jesu entgegenzuhalten: “Wer sein Leben gewinnen will, der wird es verlieren, aber wer es verliert um meines und um des Evangeliums willen, der wird es gewinnen” (Mk 8,35).

Die ersten Afrikamissionare haben manchmal ihren Sarg gleich mit auf die Reise genommen, da sie damit rechnen konnten, binnen weniger Jahre an einer unerforschten Tropenkrankheit zu sterben.

Wenn es klar und deutlich verlangt wird, “sein Leben zu verlieren“, dann muss man hier keine Einwände erheben, zumal Jesus und seine Apostel und später etliche Missionare dazu bereit waren.

Heute müssen viele Missionare auf einem sehr niedrigen materiellen Niveau leben, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Sie sind gezwungen in primitiven Hüten zu schlafen, in gefährlichen Gegenden zu leben, manchmal weit entfernt von ärztlicher Versorgung, oder von unsauberem Geschirr zu essen, falls sie eingeladen werden. Sie habn gelernt, “sich an Nahrung und Kleidung genügen zu lassen” wie es der Apostel Paulus forderte. (1.Tim 6:8) Mit ihrem Verzicht kommen sie dem Ideal der vollkommenen Liebe sehr nah: “niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben opfert für seine Freunde.” (Jo 15,13)

Nun sieht man aber bei nicht wenigen Gläubigen, die andere mit der Bibel terrorisieren, dass ihr Lebensstil weit über diesem Nivau liegt und auch ganz selbstverständlich beansprucht wird.

Warum kommt ihnen dann nie der Gedanke, wie barmherzig Jesus mit ihnen trotz ihrer unvollständigen Erfüllung des göttlichen Willens umgeht? Warum können sie sich daran nicht ein Beispiel nehmen und ihrerseits barmherzig mit Christen umgehen, die sich nicht so eng an Traditionen und Formen gebunden fühlen?

Wenn Gläubige keine klare Vorstellung von der Freiheit des Christen haben, dann können sie unter diesen Forderungen zerbrechen bzw. in selbstzerstörerische Werkgerechtigkeit hineingeraten.

Grundsätzlich gilt: ein Totalopfer muss völlig freiwillig sein, denn wesentliches Merkmal der Vollkommenheit ist die Freiwilligkeit. Wer vom schlechten Gewissen getrieben statt von der Liebe zu den Mitmenschen bewegt alles opfert, hat nur den äußerlichen Anschein der Vollkommenheit, innerlich aber ist alles beim alten geblieben. Sein Egoismus hat sich nur vom materiellen auf den religiösen Bereich verlagert.

Dann ist zu bedenken, dass der Gläubige durch zu starke Betonung eines Bibelwortes in Konflikt mit anderen Bibelworten geraten kann.

Ein einfaches Beispiel: in manchen Gemeinden wird großer Wert darauf gelegt, dass man gutgekleidet zum Gottesdienst erscheint, so wie man auch seine beste Kleidung anlegen würde, wenn man die Einladung eines Königs folgen würde. Dieser Stil kann sich auf 1.Chr 16,29 berufen: “Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt vor ihn und betet den HERRN an in heiligem Schmuck!“.

In anderen Gemeinden wird überhaupt kein Anstoß daran genommen, wenn jemand in Alltagskleidung zum Gottesdienst kommt. Hier liegt die Betonung auf dem Gedanken: “Ich darf zu Jesus kommen, so wie ich bin. Jesus hat niemanden abgewiesen, bloss, weil er unansehnlich oder arm war.” Bei diesem Stil fällt es Menschen aus den untersten Gesellschaftsschichten viel leichter, zum Gottesdienst zu kommen. Dieser Stil darf sich auf Röm 12,16 berufen: “Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen.” Oder auf 1.Tim.2,9-10: “Die Frauen sollen unauffällig und schlicht gekleidet zum Gottesdienst kommen. Sie sollen sich weder durch besondere Frisuren noch durch Goldschmuck, Perlen oder auffällige Kleider hervortun. Der wahre Schmuck der Frauen ist, Gutes zu tun. Damit zeigen sie, dass sie Gott lieben und ehren.”

Was ist nun richtig, sich schön und festlich zu kleiden oder so schlicht, dass sich arme Menschen aus den unteren sozialen Schichten zu Hause fühlen?

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Churchly Correctness

In Parallele zur “Political Correctness” lässt sich auch in etlichen bibelgläubigen und papstgläubigen Gemeinden eine starke Tendenz zur Unterdrückung unerwünschter Informationen feststellen.

„Der Denker-Club”: Zeitgenössische anonyme Karikatur auf die Karlsbader Beschlüsse, Lithografie um 1820. Auf dem linken Schild steht: „Wichtige Frage welcher in heutiger Sitzung bedacht wird: Wie lange mochte uns das Denken wohl noch erlaubt bleiben?“ Auf dem rechten Schild: „… II. Schweigen ist das erste Gesetz dieser gelehrten Gesellschaft./ III. Auf das kein Mitglied in Versuchung geraten möge, seiner Zunge freyen Lauf zulassen . . . so werden beim Eintritt Maulkörbe ausgeteilt./…

Es sind nur positive Zeugnisse und Berichte erwünscht. Ehrliche negative Berichte und Zeugnisse über Mängel in der Theologie oder in der Leitung werden automatisch als Ergebnis des persönlichen Versagens des Berichtenden gewertet.

Einem Gläubigen, der negative Tatsachen berichtet, wird durch Unfreundlichkeit signalisiert, dass er besser den Mund halten bzw. erst einmal bei sich selbst aufräumen solle. Hält er dann den Mund, so wird er mit Freundlichkeit belohnt. (Wie das auf Außenstehende wirkt, illustriert die Satire “Hiob und seine Freunde“).

Die Gemeindemitglieder werden daran gewöhnt, die Bewahrung der Harmonie als größte Tugend zu betrachten – weitaus wichtiger als die Qualitätsmaßstäbe Jesu ChristiBarmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit” (Mt 23,23)

Deswegen ist auch eine faire Konfliktschlichtung nach Mt 18, 16 ff in etlichen bibeltreuen Gemeinden nicht möglich, zumal wenn das Unrecht an einem Gläubigen begangen wurde, der nicht zur „Gemeinde“ gehört. (Beispiel) In der Verfassung etlicher bibeltreuer Freikirchen ist die unparteiische Bearbeitung einer Beschwerde gegen einen Gemeindeleiter, der böswillig und reuelos handelt, gar nicht vorgesehen. Kritik an einem erfolgreichen Gemeindeleiter, der Menschen in die Gemeinde bringt, ist vollends tabu.

Ansehen der Person“ zu üben ist sowohl nach dem Alten wie nach dem Neuen Testament ein schwerwiegendes Vergehen (5.Mo 1,16-17 / 2.Chr 19,7 / Jak 2,9 / Jud 1,16), aber leider immer wieder in etlichen bibelgläubigen Gemeinden völlig selbstverständlich. Man behauptet, der Bibel zu glauben, die von der hohen Stellung der Gläubigen spricht, die doch Gott selbst „zu Königen und Priestern“ (Offb 1,6) berufen hat. Aber im tatsächlichen Verhalten gegenüber den Mitgliedern der Gemeinde, in der Verkürzung ihrer bibelgemäßen Rechte kommt permanente Geringschätzung zum Ausdruck.

So „bekennt“ man den Glauben. Diese Art „Bekenntnis“ kann nicht durch Übereinstimmung von Wort und Tat überzeugen, aber es kann sich verbreiten, dank gedankenloser Zustimmung der Anhänger, die „dazugehören möchten“. Es ist derselbe Mechanismus wie bei einer Ideologie. Je mehr Menschen dasselbe sagen, desto eher wird es geglaubt in einer Gemeinschaft, in der das Wort des einzelnen Mitgliedes fast nichts gilt.

Der Schwund an Überzeugungskraft betrifft bald auch die übrigen Heilsverheißungen. Kann man sie unter diesen Bedingungen wirklich noch ernstnehmen oder sind sie nur noch „heiße Luft“, nur noch „Heilspropaganda„?

Bisher ist es in etlichen Gemeinden üblich, dass der Vorstand bestimmt, ob Konventsmitglieder überhaupt auf Missstände aufmerksam gemacht werden dürfen oder nicht – ein Skandal !

Wenn Gläubige solche Zustände abstellen wollen, dann müssen sie sich auf ihre, von Gott gegebene Autorität besinnen und die Verfassung entsprechend ändern.

„Laodicäa“ – Gemeinden (Offb 3,17) können zahlenmäßig sehr erfolgreich sein. Doch sie sind in wichtigen Bereichen unfähig zur Selbstkritik und Selbsterkenntnis. Sie brauchen „Augen­salbe“ (Offb 3,18), d.h. eine Prüfung mit Hilfe der Qualitätsmaßstäbe Jesu: „Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit“ (Mt 23,23)

Authentischer Glaube hat keine Angst vor ehrlichen Fragen – sowenig wie Jesus Angst vor ehrlichen Fragen hatte. Umgekehrt ist die Entschlossenheit, den Informationsfluss mangels guter Argumente mit manipulativen Methoden, mit gruppendynamischen Tricks zu steuern, ein typisches Merkmal, dass alle SEKTEN gemeinsam haben. Es ist auch das zuverlässigste Merkmal überhaupt, da es sich auf die unehrliche Methodik bezieht und nicht an einen weltanschaulichen Standpunkt gebunden ist.

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Destruktive Motive

Es lohnt sich für den Gläubigen, seine Motive zu prüfen.

Taten, die äußerlich beeindruckend erscheinen, können dennoch vor Gott völlig wertlos sein, wenn dahinter falsche Motive stehen. Sie werden dann nicht belohnt (1.Kor 3,14-15) und der ganze Aufwand war vergebens.

Der Gläubige tut gut daran, seine eigenen Motive zu prüfen und nicht die Motive seiner Mitchristen. Die Gefahr von Unterstellungen und Fehleinschätzungen ist zu groß. “ Verurteilt also nichts vor der von Gott bestimmten Zeit, wartet bis der Herr kommt! Er wird das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die geheimen Motive der Menschen offenbaren. Dann wird jeder das Lob von Gott erhalten, das er verdient.” (1.Kor 4,5 / NeÜ)

Gerichtet muss und darf dagegen offensichtlich bösartiges Verhalten: “Schafft also den Bösen aus eurer Mitte weg!” (1.Kor 5,13)

Wenn wir also über üble Motive sprechen, dann sollte dies in erster Linie in der Absicht der Selbstprüfung und Selbsterkenntnis geschehen.

Die Motive von Gläubigen in Lehre und Leitung haben einen starken Einfluss auf das geistliche Leben anderer Christen.

Sind die Motive der Gemeindeleitung nicht rein und lauter, dann ist es wahrscheinlich, dass sie neben vielem Richtigen zugleich geistliche Blindheit vermitteln.

Die Evangelien berichten, dass hinter dem frommen Engagement der Schriftgelehrten als wesentliches Motiv der Eigennutz stand: das Streben nach Ehre, Einfluss und Geld. Diese unreinen Beweggründe machten es ihnen sehr schwer, auf Jesus zu hören:

(a) Ehre:

“Sie sitzen gern auf den Ehrenplätzen bei Tisch und in den Synagogen und haben’s gern, daß sie von den Leuten mit dem Titel “Meister” angeredet werden. Aber ihr sollt euch nicht “Meister” nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.” (Mt 23,6-8)

Bibelgemäßer Kommentar: Theologische Titel werden von Jesus Christus nicht anerkannt und sollten deshalb unter Christen und in der Gemeinde keine Bedeutung haben! Es kann jemand einen theologischen Professorentitel haben und geistlich ganz unreif und uneinsichtig sein (Jo 3,10). Der Priester Amazja wollte die Botschaft, die ihm Gott durch den Landwirt Amos übermittelt hatte, nicht anerkennen. Dafür wurde er von Gott bestraft (Laien-Bote).

Der Wunsch, geehrt zu werden, ist glaubenszerstörend: “Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?” (Joh 5,44).

Obwohl Jesus klar und deutlich gesagt hat, dass der Doktortitel in der Gemeinde Jesu nichts gilt, lassen sich etliche bibeltreue Theologen von Mitchristen ohne Titel auch durch bessere biblische Argumente nicht mehr korrigieren. Sie reagieren mit Hochmut und Wichtigtuerei (“ein großer Mann wie ich ist zu beschäftigt, um wissenschaftlich ungebildeten Leuten zuzuhören”).

Genau das wollte Jesus nicht! Wer so mit Geschwistern umgeht, der zeigt in der Tat, dass er vor dem Wort Jesu keine Ehrfurcht hat.

(b) Einfluss:

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Wunder. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute.” (Joh 11,47-50).

Bibelgemäßer Kommentar: Das Motto etlicher “entschieden bibeltreuer” Gemeindelehrer heißt: Die Wahrheit muss auf den Tisch. Aber über Wahrheit, mit der ich mich bei meiner frommen Klientel unbeliebt mache, schweige ich lieber.

Die Bibel sagt aber: “Wer Menschen gefallen will, ist Christi Diener nicht!” (Gal 1,10). Als sich Jesus Jünger über seine Worte ärgerten, machte Jesus dennoch keine Abstriche: Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. “Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?” (Joh 6,66-67) Wenn man mit der Wahrheit allein bleibt, dann ist das schmerzlich, aber man muss es aushalten: “Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast, auf den jeder wütend ist im ganzen Lande! Ich habe weder Geld mit Wucherzinsen ausgeliehen, noch hat man mir geliehen, und doch flucht mir jedermann”. (Jer 15,10)

(b) Geldgier:

Das alles hörten die Pharisäer. Die waren geldgierig” (Lk 16,14 a)

Bibelgemäßer Kommentar: Diese Geldgier war bei den Pharisäern fromm getarnt. Wie die Evangelien berichten, nahmen sie Opfergaben entgegen, obwohl sie wussten, dass von diesem Geld eigentlich die Eltern versorgt werden mussten (“Korban“: Mk 7,11).

Auffällig ist, dass heutzutage auch in “entschieden bibeltreuen” Gemeinden über unerlaubte Spenden so gut wie nicht gepredigt wird. Insbesondere sind die Gemeinden schlecht darüber informiert, dass Spenden nicht angenommen werden dürfen, wenn der Spender einen Mitchristen mutwillig geschädigt hat und Schadensausgleich schuldig geblieben ist (siehe dazu im Detail die Broschüre Liebe ohne Fairness).

In der katholischen Kirche fallen die drei genannten destruktiven Motive sehr unangenehm auf. Die auf die Seele giftig wirkende Ablasslehre dürfte ein gut genutztes Hintertürchen sein, um die Gier der Kirche nach immer mehr Geld zu befriedigen. Zwar dürfen keine Ablasszettel mehr verkauft werden, aber was wird ein alter Mensch wohl noch an guten Werken tun können, um seine zwar „zeitlich begrenzte“ aber möglicherweise doch Jahrhunderte dauernde Qual (wie kann man das schon genau wissen ?) im Fegefeuer abzukürzen ? Für Wallfahrten und andere anstrengende Bußübungen vor dem Sterben fehlt die Kraft. Da hat mancher ein offenes Ohr, wenn ihm der Beichtvater im Gegenzug für ein Optimum an Ablass die Möglichkeit anbietet, der Kirche große Teile seines Vermögens testamentarisch zu vermachen. Ein Beichtvater, der viele solche Abmachungen aufzuweisen hat, dürfte sicherlich seinen Vorgesetzten positiv auffallen. Wieviel bedürftige Erben hat es wohl gegeben, die auf diese Weise mit dem Pflichtteil abgefunden wurden ! Offizielle Verlautbarungen, dass es „kein Geschäft mit der Gnade“ geben dürfe, schließen nicht aus, dass es in der Praxis anders gehandhabt wird – zumal die Abmachungen unter vier Augen getroffen werden.

Destruktive Motive sind in der katholischen Kirche geradezu die Stütze des ganzen Systems. Mit der Vergabe von Titeln, vielfältigen Privilegien, Befugnissen und vor allem durch die Garantie einzigartiger materieller Sicherheit (siehe: Details der Klerikerfinanzierung) motiviert man die Kleriker, mit der Kritik an dem, was von oben verordnet wird, äußerst zurückhaltend zu sein. Je weiter Kleriker in der Hierarchie aufsteigen, desto besser haben sie sich angepasst, desto vorsichtiger sind sie. Wenn diese Leute die Worte Jesu den Gläubigen erklären wollen, was können ihre Einschätzungen wert sein ?

Ziehen wir den Vergleich zu wirklichen Autoritäten: der Apostel Paulus ermahnte die Gläubigen, „sich an Nahrung und Kleidung genügen zu lassen„. (1.Tim 6,6) Der Apostel Petrus hat sich sicherlich ebenfalls an diese Norm gehalten. Scharf kritisierte er Gläubige, „die sich wie der Prophet Bileam verhielten und Unrecht taten um des Geldes willen. … Ein Esel war es schließlich, der den Propheten daran hinderte, seinen wahnwitzigen Plan auszuführen.“ (2.Petr 2, 17-18) Jesus selbst hatte überhaupt kein Geld (Mt 17,27), nicht einmal eine Wohnung, „wo er sein Haupt hätte hinlegen können.“ (Luk 9,57) Jesus und die Apostel banden überhaupt niemanden an sich, indem sie mit materiellen Vorteilen lockten. Sie setzen nur ihre Überzeugungskraft ein, die auf einer vorbildlichen Lebensweise beruhte. Ja, sie verprellten sogar Interessenten, indem sie deutlich auf materielle Nachteile hinwiesen. (Mt 19,22 / 2.Tim 3,12) Wenn ihnen deshalb die Leute wegliefen, so nahmen sie das hin. (Joh 6,67)

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Du – Anrede

Die Bibel redet den Leser mit “Du” an. Unsere Texte richten sich danach und bitten den Leser ggf. für sich stattdessen das “Sie” einzusetzen.

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Ehre Gottes

Gott wird geehrt, indem Menschen seinen Zusagen vertrauen (Hebr 11,7), indem sie seine Jünger werden und viel Frucht bringen (Joh 15,8), d.i. die Frucht des Geistes (Gal 5,22).

Gott wird geehrt, indem die Herrlichkeit und Kraft seiner Gnade sichtbar wird (Eph 1,6) im Leben seiner Jünger (V.12).

Gott wird nicht geehrt, wenn die grundlegende Bedeutung seiner Gnade verdunkelt wird:

– durch perfektionistischen Leistungsstress unter Androhung der Ungnade Gottes (“giftige Theologie“)

– durch religiöse Überheblichkeit, als ob der Gläubige, das was er hat, sich und seiner frommen Leistung zu verdanken hätte (Lk 18,11)

– durch Anfeindung und Geringschätzung von Gläubigen, die – nach eigener Einschätzung – weniger leisten

– durch Duldung von Unrecht in der “Gemeinschaft der Heiligen”

– durch Wahrung des frommen Scheins mittels frommer Propaganda und Denktabus

– durch Ehrgeiz und Ehrsucht einer Gemeindeleitung, die sich weigert, ihre Mitchristen “höher zu achten als sich selbst” (Mt 18,4 / Rö 12,10)

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Einheit der Christen

Die Gemeinde Jesu Christi wird als der „Leib Jesu Christi“ bezeichnet. Die Gläubigen sind die Glieder und Jesus Christus ist das Haupt des Leibes. Diese Gemeinschaft wird begründet durch den Heiligen Geist, den jeder Gläubige geschenkt bekommt.

Es ist der Wunsch Jesu Christi, dass seine Gläubigen sich als Glieder eines Leibes sehen und sich für das Wohl ihrer Mitchristen verantwortlich fühlen. (1.Kor 12)

Zwar ist Liebe gegenüber allen Menschen geboten, aber die Liebe gegenüber den Glaubensgeschwistern soll besonders stark sein. Die Wertschätzung auch des unansehnlichen, nach weltlichem Maßstab geringen Mitchristen (1.Kor 12,22-23) beruht auf der Erkenntnis seiner wunderbaren Berufung.

Die Gemeinschaft der Gläubigen ist der Tempel Gottes und deshalb besonders schutzwürdig. „Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben.“ (1.Kor 3,17) Aus diesem Grund ist auch die Bildung von Cliquen und Parteiungen eine schwere Sünde, die in Gal 5,19-20 zwischen den Sünden Feindschaft und Mord genannt wird.

Solche Parteiungen werden immer wieder sehr leichtfertig auch von theologischer Seite initiiert, die ihr Schriftverständnis und ihre Tradition für so unfehlbar halten wie die Heiligen Schrift selber. Jeder, der ihre Ansichten nicht teilt, wird als Gefahr für den eigenen Glauben gesehen, umso mehr, wenn die Glaubensstärke davon abhängig ist, dass viele im sozialen Umfeld dasselbe glauben. Der „Glaube an den Glauben anderer“ ist jedoch kein Glaube im biblischen Sinn. Er erspart zwar eigenes Denken, aber er wird einem fundamentalen Faktum nicht gerecht: bei stark unterschiedlicher Biografie sind auch die Fragen an den Glauben, die Antworten und Einschätzungen sehr verschieden. Wie bitter, wenn sich an dieser Verschiedenheit Antipathie, Misstrauen, ja am Ende gar Feindschaft entzündet !

Es ist deswegen wichtig, sich auf die für die Zugehörigkeit zur Gemeinde notwendigen Voraussetzungen zu besinnen.

Das Neue Testament nennt als Grundlage ganz klar das Vertrauen auf die sogenannten Heilstatsachen, die sich mit dem Fünf-Farben-Buch veranschaulichen lassen: 1. die Notwendigkeit ehrlicher Selbsterkenntnis und Erlösungsbedürftigkeit jedes Menschen 2. Vergebung aller Schuld für jeden Menschen, der auf die Gültigkeit des blutigen Sühnetodes Jesu Christi vertraut. 3. Beginn eines neuen Leben unter der Leitung Jesu, in dem der Gläubige der Sünde widerstrebt. 4. Wachstum im Glauben durch Hören und Tun des Wortes und durch Erfüllung mit dem Geist Christi. 5. Nach diesem Leben Auferstehung mit einem neuen Leib, Begegnung mit Jesus Christus und Eintritt in die unsichtbare herrliche Wirklichkeit Gottes („Himmel“), in der das Böse endgültig überwunden sein und Treue im Glauben belohnt werden wird.

Wer eines dieser fünf Tatsachen nicht anerkennt, ist nach dem Urteil des Neuen Testamentes kein Christ. Es gibt Leute, die aktiv in der Gemeinde daran arbeiten, dass Gläubige eines dieser fünf Stücke aufgeben. Ihr Vorhaben kann man nur als Versuch der Glaubenszerstörung anzusehen und abwehren.

Ein abweichendes „Schriftverständnis“ hingegen kann schwerlich ein Grund sein, Gläubige als Glaubensfeinde zu diffamieren. Es gibt viele Dinge in der Bibel, die logisch nicht restlos aufzuklären sind und daher sehr verschieden eingeschätzt werden können.

Schon die Frage „Muss man alles in der Bibel glauben ?“ ist nicht eindeutig zu beantworten.

Denn die Bibel enthält vorläufige und letztgültige Aussagen. Deswegen ist die Frage wichtig und muss erlaubt sein. Vorläufige Aussagen („Schatten“) können nicht den Rang letztgültiger Aussagen bekommen. („Notwendiger Zweifel„) Sie sind im Sinne Jesu zu korrigieren. Weiter sind in der Bibel vereinzelt auch Meinungsäußerungen und Texte im „No-Comment-Stil“ nachweisbar, die nicht den Rang einer letztgültigen Aussage haben.

Ohne diese Rangunterscheidung wird das „Gottesbild„, d.h. die Einschätzung der Persönlichkeit Gottes für den sorgfältigen Bibelleser zweideutig bleiben – mit allen Risiken für Glaubensfreude und seelische Gesundheit.

„Muss man alles in der Bibel glauben ?“

Gläubige, die nur eine positive, von allem das Vertrauen störenden Informationen gereinigte Auswahl aus der Bibel lesen („Kinderbibel“, „Bibelleseplan“), werden diese Frage ohne Zögern mit „Ja“ beantworten.

Einige Sätze in der Bibel unterstützen diese Sicht.

So tadelte Jesus die Jünger auf dem Weg nach Emmaus „Wie könnt ihr nur so töricht und mit dem Herzen so träge sein, dass ihr nicht ALLEM glaubt, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und er fing an von Mose und ALLEN Propheten zu sprechen und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm handelten.“ (Mt 24,26-27)

Ist das nicht völlig klar ? „Alle“ heißt „alle“ ! Ausnahmslos! Tatsächlich ?

Warum forderte Jesus „ALLES zu glauben“ ? Weil die Jünger den Propheten nicht alles geglaubt haben. Sie glaubten, dass Jesus gekommen war, um das herrliche Reich Gottes aufzurichten. Das war für sie kein Problem. Wenn er aber über die Ankündigung der Propheten sprach, der Messias müsse leiden, sterben und am dritten Tag auferstehen, dann wollten es nicht wahrhaben. Sie ignorierten diese Botschaft, die ihren Wünschen und Hoffnungen so sehr zuwiderlief. Eben diese „Harthörigkeit“ warf ihnen Jesus später vor und forderte sie auf, „ALLES“, d.h. endlich beide Seiten der Medaille, nicht nur das Triumphieren des Messias sondern auch sein Leiden und Auferstehen im Glauben anzunehmen. Das sollte nun nicht mehr schwer fallen, wo sie den Herrn als Auferstandenen wiedergesehen hatten.

Sieht man genauer hin, dann findet man nicht nur einen, sondern viele (!) Nachweise, dass das Wort „ALLE“ in der Heiligen Schrift auch Ausnahmen zulässt. Es ist also in der Heiligen Schrift nicht im mathematischen Sinne gemeint. Desgleichen gibt es solche Nachweise für das Wort „KEINER“. Auch dieses Wort lässt Ausnahmen zu. Es ist keinesfalls identisch mit der mathematischen „leeren Menge“. Das ist das Phänomen des biblischen „Pauschalstils„. Ob es nun Philosophen und Theologen passt oder nicht: Das ist unbezweifelbar der biblische Befund !

Beobachtungen sind nach der Bibel ehrlich anzuerkennen: „was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben vom Wort des Lebens,… das bezeugen wir euch.“ (1.Joh 1,1-2)

Nur so, indem jeder Gläubige berichten darf, was seine Augen gesehen haben, nur im ehrlichen Wettstreit der Argumente können gesunde Einschätzungen zustandekommen.

Eben deshalb können wir aus unserem Schriftverständnis („schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell„) kein Dogma machen. Wir werden uns hüten! Es behält für uns den Rang eines Denkmodells, damit seine Vor- und Nachteile offen diskutiert werden können.

Wenn Gläubige dazu aufrufen, biblische Befunde zu ignorieren, zu leugnen, wenn sie sich dem ehrlichen Wettstreit der Argumente verweigern, dann können sie ihre Sichtweise anderen nur noch in manipulativer Weise aufzwingen, unter Verwendung der bekannten manipulativen Tricks.

Hier ist größtes Misstrauen angebracht, besonders wenn dieses Verhalten eine Art Geschäftsmodell ist, mit dem bei einer bestimmten Klientel Geld gemacht wird.

Solche Institutionen befleißigen sich gerne einer rigorosen, engen Ethik (vgl. „Giftige Theologie„), mit der sie bei vielen schlecht informierten Gläubigen Eindruck machen können. Es kommt nicht selten vor, dass Gläubige an einer Stelle – besonders bewährt hat sich die Sexualität – übertrieben streng sind, damit sie an anderer Stelle schwerwiegende Sünden ignorieren können.

Oder ist das keine schwere Sünde, einen Christen, der Jesus liebt, der alle Heilstatsachen anerkennt, aber sich außerdem um einen ehrlichen Wettstreit der Argumente bemüht, als „Glaubenszerstörer“, als „Feind des Evangeliums“, als „reißenden Wolf“ in der Herde zu diffamieren, ihm die Gemeinschaft zu verweigern, ihn gar zu hassen ?

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Fixierung auf den eigenen Gemeindeverein

Auch die Fixierung auf den eigenen Gemeindeverein begünstigt Machtmissbrauch und schadet der geistlichen Gesundheit einer Gemeinde erheblich. Zum einen kann man sich mit dieer Einstellung nicht an die Tatsache gewöhnen, dass Gott das Recht hat, Laienboten mit einem Auftrag von außen in die Gemeinde zu schicken. Zum anderen fehlen dann für manche sehr wichtige Aufgaben, die nur gemeinsam bewältigt werden können, ständig Mitarbeiter.

Solche Aufgaben sind z.B. eine bibeltreue Telefonseelsorge, die rund um die Uhr besetzt ist, evangelistische Freizeiten für körperlich und geistig behinderte Menschen sowie die Einrichtung eines effizient arbeitenden schiedsgerichtlichen Dienstes.

Eine bibeltreue Telefonseelsorge ist äußerst wichtig, da dort etliche Menschen in größter Not anrufen, die von ihrer Erziehung her niemals eine Kirche oder Evangelisationsveranstaltung betreten oder von ihr etwas Positives erwarten würden. Evangelistische Freizeiten für behinderte Menschen sind ebenfalls eine gemeinsame Angelegenheit, da jede Mutter ein behindertes Kind bekommen kann und nicht nur die Mütter in einer bestimmten Gemeinde. Ein gewähltes Schiedsgericht, das aus ehrenamtlichen Mitgliedern besteht, sowie die Abstimmung der Gemeinden in schiedsgerichtlichen Fragen sind nötig, damit die Gemeinde im Falle einer Straftat nicht gleichgültig bleibt und sich am geschädigten Mitchristen versündigt.

Strukturelle Verbesserungen kannst du am besten unterstützen, wenn du Mitglied im Entscheidungsgremium (Konvent) der Gemeinde bist.

Zusammen mit gleichgesinnten Freunden kannst du dich dort dafür einsetzen, dass die Notwendigkeit gemeinsamer Gemeindedienste – besonders in Notfällen – erkannt wird.

Die Zusammenarbeit von Gemeinden beschränkt sich leider oft nur auf die “Evangelisation” – mit der ein einleuchtendes Motiv innig verbunden ist: die Anwerbung neuer Mitglieder und der damit verbundene Zuwachs an Spenden und Einfluss.

Durch Zusammenarbeit der lokalen Gemeinden in Aufgaben, die nicht dem Mitgliedererwerb dienen, wird die Bereitschaft gefördert, “Laienboten“, die Gott zur Gemeinde schickt, anzuhören – wodurch die Gefahr des Machtmissbrauchs verringert wird.

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Fokussierungsstil

Es ist bekannt, dass biblische Textstellen mehrere Aufgaben zugleich erfüllen können. Je nach Aufgabe können dabei einzelne Textteile „abgeschaltet“, d.h. funktionslos werden (schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell) Der Sinn ergibt sich dann nicht mehr zwingend aus dem Zusammenhang. Beispiel: Die Jünger erkennen Ps 69,9 („Denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen…„) als Prophetie auf Jesus. (Joh 2,17). Der ganze Psalm ist ein Hinweis auf den bitteren Leidensweg Jesu, der bald auf seinen triumphalen Einzug in Jerusalem folgen wird. Auch dass man ihn am Kreuz mit Essig tränken wird (Mt 27,34), ist hier prophezeit (Ps 69,21). Vers 4 passt nicht so gut: „Gott, du weißt meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.“ Jesus hat in seinem ganzen Leben nicht töricht gehandelt. Allerdings „wurde er für uns zur Sünde gemacht“ (2.Kor 5,21) und hat auch damit die ganze Torheit des Menschen mit ans Kreuz genommen und dort gesühnt. Ab Vers 22 aber wird dieser Zusammenhang mit Jesus wieder aufgelöst: der Psalmist fängt an, seine Feinde zu verfluchen und ihnen zu wünschen, dass ihnen nicht vergeben wird (Verse 27 + 28). Jesus aber hat am Kreuz ausdrücklich um Vergebung für seine Feinde gebeten (Lk 23,34), so wie er es auch von seinen Jüngern erwartete: „Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.“ (Mt 5,44) Ab Vers 22 spricht König David wieder ganz für sich selbst.

Eine Variante des Fokussierungsstils ist der biblische Pauschalstil.

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Folgen der Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht

Die Folgen sind grotesk und skandalös: Vom Täter erwartet die Gemeinde sehr oft nicht mehr, als dass er eine “Entschuldigung” sein Verhalten ausspricht. Das Opfer ist verpflichtet, diese Entschuldigung anzunehmen, auch wenn der Täter nichts zur Schadensminderung beiträgt. Dieser Missbrauch von Entschuldigungsfloskeln, mit denen man sich der tätigen Reue entzieht, hat sich wie eine Seuche weit verbreitet.

Dabei geht es gar nicht um “Schuld vor Gott”. Schuld vor Gott ist in dem Augenblick vergeben und nicht mehr existent, in dem sie vor Gott bekannt und eingestanden wird. „Wenn wir aber unsere Sünden bereuen und sie bekennen, dann dürfen wir darauf vertrauen, daß Gott seine Zusage treu und gerecht erfüllt: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen.“ (1.Jo 1,9).

Es geht hier um Verantwortlichkeit. Wer ein Kind zeugt, ist für dieses Kind verantwortlich. Wer Leute wirbt, in sein Geschäft zu investieren, ist für seriöse Geschäftsführung verantwortlich. Wer ein Haustier hat, ist verantwortlich für den Schaden, den es anrichtet. Wer Leid fahrlässig oder mutwillig verursacht, soll sich dafür verantwortlich sehen und zur Linderung dieses Leids nach Kräften beitragen.

Die Gemeinde wacht darüber, dass die Notwendigkeit der tätigen Reue gesehen und nicht vernachlässigt wird. Das ist gemeint mit „Weinet mit den Weinenden“ (Rö 12,14) und „mitleiden“ (1.Kor 12,26). Sentimentale Floskeln des Bedauerns und eine schauspielerisch gelungene Trauermiene werden weder erwartet noch genügen sie.

Wenn der Geschädigte jetzt keine Ruhe gibt, dann wird vom ihm erwartet, dass er in eine andere Gemeinde ausweicht, wo er dem Täter nicht immer wieder begegnen muss. Damit hält man allen Ernstes das Problem für gelöst! Ob der erlittene Schaden wiedergutgemacht wird, interessiert kaum jemanden. Dass nun ein unheilbarer, ständig schmerzender Riss zwischen den Gliedern des Leibes Christi bestehen blebt, stört auch nicht.

Wieviel hat man dann wohl von der Einheit des Leibes Christi verstanden: “Wenn ein Teil des Leibes leidet, dann leiden alle anderen Körperteile mit” (1.Kor 12,26) ?

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Freiheit des Christen

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht fest in dieser Freiheit und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Knechtschaft zwingen.” (Gal 5,1+2).

Wer zu Jesus Christus gehört, soll ein freier Mensch sein, frei von Schuldgefühlen (Hebr 9,14 / 10.22) und frei von der Angst vor Strafe (Jes 53,5). Er ist deshalb auch “frei vom Gesetz”, “tot für das Gesetz” (Gal 2,19), d.h. er muss sich Gottes Gnade nicht durch “ausreichende Erfüllung” des Gesetzes verdienen (Gal 5,4). Er erhält Gottes Gnade ganz und gar geschenkt. (Eph 2,8) Die Freude darüber weckt in ihm den Wunsch, sein Leben durch diese Liebe gestalten zu lassen. Er möchte, dass die Freundschaft mit Gott in seinem Lebensstil sichtbar wird. (“Heiligung“) Der Gläubige soll frei von der Angst sein, die eigenen Mängel und Fehler zu sehen, (1.Joh 1,7-9) im Wissen, dass Gott in ihm einen neuen Menschen geschaffen hat. (2.Kor 4,16 / Gal 2,20) Der Heilige Geist lässt ihn mit den Augen Jesu sehen und alles nach seinen Qualitätsmaßstäben beurteilen. Indem er erkennt, was wirklich wertvoll ist, wächst in ihm der Wunsch, frei von allen Dingen zu sein, die sein Leben und seine Zeit vergeuden, von allem, was seine Liebe und Dankbarkeit bremst. (Mt 6,33) Wer zu Jesus Christus gehört, muss sich durch Ehrgeiz, Eitelkeit, Habgier und andere destruktive Motive nicht einfangen lassen. (1.Tim 6,10) Stattdessen hat er den Wunsch, mit seinen Mitmenschen barmherzig zu sein (Eph 4,32) und aufrichtig (Eph 4,25) und fair (Mt 7,12) mit ihnen umzugehen. Er darf sich auf eine herrliche Zukunft bei Gott freuen, die ihn alles erlebte Leid vergessen lassen wird. (Rö 8,18) Er soll frei von Angst und ähnlichen Gefühlen sein, die angesichts einer ungewissen Zukunft entstehen. (1.Thess 4,13)

Gott schenkt ihm königliche Würde, die gerade in der Gemeindeversammlung (Konvent) zu respektieren ist. Er soll seine Unabhängigkeit gegenüber Gruppendruck, Manipulation, Verführung und Bestechung bewahren (Gal 1,10) und durch den Heiligen Geist verlässlich und fair urteilen können (1.Kor 2,15-16), um schädliche Einflüsse, die ihn und die Gemeinde bedrohen, zu erkennen und abzuwehren (Apg 20,28-30). Er fühlt sich mitverantwortlich für die Gemeinschaft und setzt sich deshalb für ein friedliches Miteinander von Gläubigen und Mitmenschen ein. (Mt 5,9)

Jesus wünscht sich, dass Charakter und Persönlichkeit seiner Gläubigen vollkommen sind: “Ihr sollt vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.” (Mt 5,48).

Diese Freiheit des Gläubigen ist – wie die zitierte Bibelstelle zeigt – bedroht! Wenn die Qualitätsmaßstäbe Jesu bei der Auslegung biblischer Gebote nicht angemessen berücksichtigt werden, so droht das Missverständnis der Werkgerechtigkeit. Entweder wird die bleibende Unvollkommenheit des Gläubigen zu ständig schlechtem Gewissen und zum Verlust von Glaubensfreude und Heilsgewissheit führen oder der Gläubige nimmt den Glauben inhaltlich gar nicht mehr ernst, sondern missbraucht ihn nur noch zum Genuß des religiösen Erlebnisses (Religiosität).

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Was ist Gesetzlichkeit ?

„Gesetzlichkeit“ meint das Leiden unter dem „göttlichen Gesetz“, d.h. eine seelische Überforderung, die auf den Gebrauch oder Missbrauch des göttlichen Gesetzes zurückzuführen ist. Sehr oft wird behauptet, dass diese Überforderung nur durch „Hinzufügungen“ zum biblischen Text zustande kommt, nicht durch den Text selbst.

Leider sind viele im Internet angebotenen Informationen zu diesem Thema oft sehr oberflächlich. Mit unseren Thesen wollen wir einladen, sich einmal gründlicher mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Zehn wichtige Thesen zur Annäherung an den Begriff „Gesetzlichkeit“:

1. „Gesetzlichkeit“ im Sinne von Selbstgerechtigkeit ist ein Merkmal charakterlicher Unreife bzw. Schwäche und kann durch Förderung der Selbsterkenntnis eingedämmt werden – z.B. auf dem Wege einer geeigneten Zusammenstellung biblischer Aussagen.
„Gesetzlichkeit“ im Sinne ausweglosen seelischen Leidens infolge Überforderung durch Gebote ist ein seelsorgerliches Problem und kann nicht theoretisch, allein durch Analyse biblischer Aussagen sinnvoll gelöst werden. Wer das möchte, muss sich mit den konkreten Notsituationen befassen: Sechs Seelsorge-Beispiele.

2. Wie die Notfallbeispiele zeigen, werden Gebote nicht automatisch in einer hilfreichen Weise verstanden. Der Sinn biblischer Normen ist nicht immer ausnahmslos und automatisch klar aus dem Wortsinn abzuleiten. Wäre das so, dann könnte man das Überforderungsproblem am „grünen Tisch“, d.h. theoretisch – allein mit Gelehrsamkeit -lösen.

3. Wenn der „Buchstabe tötet“ (2.Kor 3,17) , so ist Gesetzlichkeit, d.h. das Missverstehen und Missbrauchen des Gesetzes etwas, was der Wortsinn nahelegen kann. Es ist nicht automatisch dem Unwillen des Gläubigen anzulasten, sich korrigieren zu lassen. Buchstäbliches und richtiges Verständnis können einander widersprechen.

4. Die Behandlung der gesetzlichen Überforderung stellt nicht nur ethische Forderungen an den Betroffenen, sondern gleichermaßen an den Seelsorger, nämlich sich als guter Hirte zu bewähren, der sich durch Wertschätzung der Fairness (Ps 37, 28 / 94, 15 / Jes 1, 17), Liebe zu den schwachen Geschwistern (Mt 25,40 / 1.Kor 12, 22 -24) und nicht zuletzt durch Fähigkeit zu gründlicher Selbstkritik (Rö 2,21a / 2.Kor 10,12-13+18 / 15,5) auszeichnet. Wer gleichgültig gegenüber der seelischen Not von betroffenen Mitchristen ist, weil es ja nur wenige sind, befindet sich im Widerspruch zur Haltung Jesu, der das einzelne verlorene Schaf sucht: „was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40). Er befindet sich damit im Widerspruch zum „Geist Christi“ (1.Kor 2,16), der ihm die Schrift aufschließen könnte.

5. Geistliches Verständnis wird gerne mit theologischer Loyalität verwechselt. Der Glaube, ein sicheres Urteil auf der Basis theologischer Loyalität, verbunden mit logischem Instrumentarium gefunden zu haben, verkennt die Tatsache, dass die Bibel nicht Objekt ist, sondern in einer lebendigen Weise auf die innere Haltung des Lesers positiv oder negativ reagiert, entweder mit Erkenntnis oder mit Missverstehen.

6. Der Gläubige ist aufgerufen, sich um ein „geistliches Verstehen“ und Gebrauchen biblischer Gebote zu bemühen (1.Kor 2,14-16).

7. Der richtige und zulässige Sinn eines Bibelwortes ist immer lebensfördernd (Mt 4,4) und überzeugend (Jo 1,17). Ein lebensförderndes Verständnis erfordert die Beachtung der richtigen Priorität (Mt 23,24): das Wohl des Gläubigen hat Vorrang vor der Erfüllung des Buchstabens: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht umgekehrt.“ (Mk 2,27)

8. Der zulässige Sinn ist abgesichert durch die Autorität Jesu und entspricht ausnahmslos den wichtigsten (!) Geboten: (Mt 23,23) der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeitsliebe und der Vertrauenswürdigkeit.

9. Wenn der Wortsinn eher destruktiv als hilfreich ist, so handelt es sich nicht um eine letztgültige Aussage, sondern um eine Aussage mit „Schatten„-Charakter, d.h. um eine Vorstufe, die dem Gläubigen als Aufgabe gegeben ist, um vom Wortsinn abweichend den richtigen Sinn zu erschließen. Der Gläubige soll auf diese Weise geistliches Urteilen üben und folgt damit dem Vorbild Jesu, der sich ebenfalls in solchen Fällen nicht an den Wortsinn gebunden fühlte. (Joh 8, 1ff: Verzicht auf die Steinigung der Ehebrecherin). Es ist wenig glaubhaft, dies als einzelne Ausnahme zu sehen. Wer würde bezweifeln, dass Jesus nicht auch Gebote wie 5.Mo 25,12 (Hand abhacken) oder 4.Mo 15,26 (Steinigen des Sabbatschänders) ignorieren würde ? Die Apostel gebrauchten diese Befugnis viel umfassender, um sich vom ganzen mosaischen Gesetz zu lösen. Die Begründung lässt auf sehr weitgehende Freiheitsrechte schließen: „Es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen„. (Apg 15,28).

10. Der Zwang zur Beschränkung auf den wortwörtlichen Sinn und auf logische Verknüpfung – der die Suche nach einem überzeugenden, dem Gläubigen wohltuenden Sinn als überflüssig einstuft – ist ein deutlicher Hinweis auf eine die Wahrnehmung störende „Decke vor den Augen“ (2.Kor 3,14), d.h. auf mangelhaftes Verstehen „geistlicher Freiheit“ (Rö 8,21), auf Verwechslung von „Schatten“ (Kol 2,17) und geistlichem Faktum. Gleichwohl lässt sich auf diese Weise manches Phänomen als „gesetzlich“ diagnostizieren, dass „über die Schrift hinaus geht“. Auch das ist ein – wenn auch schmaler – Gewinn.

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Fromme Funktionäre

(… in Bearbeitung …)

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Geistliche Disziplin

Die Prinzipien geistlicher Disziplin sind zuverlässig und sind alle einem Bibelvers zu entnehmen, den alle evangelikalen Theologen als fundamentale Definition biblischer Inspiration betrachten.

“Denn alle Schrift – von Gott eingegeben – ist nützlich zur Lehre, zur Warnung, zur Korrektur, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit ein Mann Gottes vollkommen sei und geschickt für jedes gute Werk.” (2.Tim 3,16)

Prinzip 1: Autorität. “Alle Schrift… ist von Gott eingegeben …damit…” Der Glaube beginnt nicht beim Gläubigen. Gott selbst ist der Initiator des Glaubens. Jesus ist dessen „Anfänger und Vollender„. (Hebr 12,2) Nicht der Mensch hat Gott erwählt, und seine Gnade mit religiösen Übungen und Werken erworben, sondern Gott erwählt ihn, um ihn zum Segen für andere Menschen zu setzen. (Joh 15,16)

Das Fundament des Glaubens ist der Wille Gottes. Auch wenn Gott ein verborgener Gott ist (Jes 45,15) – Er will sich finden lassen (Jer 29,13-14) ! Wäre dieser Wille nicht da, wäre dieser Wille nicht entschlossen genug, was würde dann entstehen ? Nur eine Weltanschauung, eine religiöse Projektion (Feuerbach), die der Spiegel der religiösen Bedürfnisse des Menschen ist.

Gott sendet sein Wort mit einem bestimmten Zweck, nämlich den Gerufenen zum Segensträger zu machen, zu einem Menschen mit Charakter, der aufrichtige Liebe als höchstes Ziel erkennt und erstrebt.(1.Kor 13)

Diese Absicht weckt und festigt das tiefste Vertrauen in der Seele des Gläubigen.

Zu diesem Zweck hat Gott sein Wort gegeben. Die Auslegung der Heiligen Schrift kann deshalb kein anderes Ziel haben. Nur dann ist JEDES WORT darin lebensfördernd. (Mt 4,4)

Eine Auslegung, die sich nicht die Liebe als höchstes Ziel setzt, ist nicht durch Gott authorisiert – auch wenn sie sich auf den „Buchstaben“ (2.Kor 3,17) berufen kann.

Deshalb verwerfen wir jede Auslegung, durch die sich der Mensch der heilsamen Autorität Gottes zu entziehen versucht. Wir bleiben vor Missdeutung geschützt, wenn wir jede Auslegung verwerfen, die gemessen am Maßstab der Liebe unglaubwürdig ist. Wir bekennen, dass jede Auslegung irreführend ist, die Gott als zweideutige Persönlichkeit darstellt und die Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit Gottes untergräbt.

Prinzip 2: Effizienz, Wirksamkeit. “Alle Schrift … ist nützlich”. Wir können die Bibel nur dann im Sinne Jesu verstehen (1.Kor 2,16), wenn wir in erster Linie nach der geistlichen Funktion, dem geistlichen Nutzen eines Bibeltextes fragen. Wir verwerfen jede Auslegung, die diesen Nutzen als zweitrangig betrachtet und die mit unheiligen Motiven verbunden ist wie dem Mangel an Demut vor Gott, dem Wunsch nach intellektueller Selbstbestätigung, oder die im wesentlichen eine quantitative Beschäftigungsmaßnahme für Theologen ist oder dem Erwerb von Beliebtheit durch Anpassung an den Zeitgeist innerhalb oder außerhalb der Gemeinde dient. Wir verwerfen jede Auslegung, die die Maßstäbe Christi vorrangig auf das private Wohlergehen bezieht und über den Schaden, der der Gemeinde und ihrer Glaubwürdigkeit dadurch entsteht, hinwegsieht.

Prinzip 3: Priorität. “gegeben… zur Warnung, zur Korrektur”. Um die Bibel im Sinne Jesu zu verstehen (1.Kor 2,16), müssen wir die absolute Priorität der Qualitätsstandards Jesu respektieren: Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit (Mt 23,23). Wir verwerfen deshalb jede Auslegung, die diese Priorität in Zweifel zieht oder sie teilweise aufzulösen versucht. Wir verwerfen die falsche Lehre, dass diese Maßstäbe zweitrangig sind gegenüber einer angeblichen Pflicht zur blinden Unterwerfung oder zu sklavischen Gehorsam gegenüber dem Buchstaben. Wir bekennen, dass sie unverzichtbare Kennzeichen der Liebe sind, die selbst von Jesus das höchste Gebot genannt wird (Mt 22:36-40). Wir bekennen, das der Gläubige, sofern er geistlich gesinnt ist, befähigt ist, darüber zu urteilen, was barmherzig und gerecht ist (1.Kor 2,15) und dass kein Theologe und kein Vertreter irgendeines Dogmas das Recht hat, ihn zu zwingen, gegen sein Gewissen zu reden oder zu handeln. Wir bekennen, dass der geistlich gesinnte Gläubige authorisiert und qualifiziert ist, falsche Prioritäten in der christlichen Lehre zurückzuweisen.

Prinzip 4: Pädagogik.…zur Erziehung in der Gerechtigkeit” Wir bleiben vor Missdeutung der Bibel geschützt, wenn wir von jeder Auslegung verlangen, dass sie sich dem freien Wettbewerb der Argumente stellt und dort Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft beweist. Wir verwerfen jede Auslegung, die den Gläubigen zu einer selektiven Auswertung des biblischen oder seelsorgerlichen Befundes verpflichten will oder andere unfaire oder unredliche Methoden benutzt. Wir bekennen, dass jede Auslegung gebunden ist an das pädagogische Ziel, dem Gläubigen auf dem Weg zu geistlicher Mündigkeit und Reife weiterzuhelfen und ihr Urteilsvermögen zu stärken. Wir verwerfen jede Auslegung, die dazu dient, das Urteilsvermögen zu schwächen und blinde Gläubigkeit gegenüber Gemeindeleitern oder Theologen zu erzeugen. Wir bekennen, dass verantwortbare Auslegung die Liebe zu Gerechtigkeit und Recht erweckt, nicht nur in der persönlichen Lebensführung, sondern auch im Gemeindeleben. Wir bekennen, dass sie die Gemeinde fähig macht, sich von böswilligen Mitgliedern zu trennen (“Gemeindezucht“) und auch die Weisungsbefugnis entsprechend der geistlichen Autorität entsprechend zu vergeben. Wir verwerfen jede Auslegung, die Autoritätsansprüche unterstützt, die durch den geistlichen Zustand nicht gerechtfertigt sind.

Prinzip 5: Fruchtbarkeit. “damit ein Mann Gottes vollkommen sei und geschickt für jedes gute Werk”. Wer Gläubige im Auftrag Jesu belehrt, wird die Aufmerksamkeit zu ALLEN Aufgaben lenken, die die Heilige Schrift dem Gläubigen stellt. Dazu gehören nicht nur die Förderung des inneren Menschen und der liebevolle Umgang mit dem Nächsten, sondern auch alle Aufgaben, die dem Schutz des Schwachen in der Gemeinde vor Missbrauch und Unrecht dienen. Wir distanzieren uns von jeder Belehrung, die zu einer hartnäckigen Vernachlässigung einer dieser Aufgaben beiträgt. (Jak 4,17)

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Gemeindeordnung im Sinne Jesu gestalten

Wenn Gläubige sich treffen, soll in ihrer Versammlung “alles in einer ehrbaren und ordentlichen Weise zugehen“. (1.Kor 14,40)

Dabei hilft eine Gemeindeordnung, die allgemein anerkannte Regeln für die Strukturen und Befugnisse wie auch für den Ablauf der Gemeindeversammlung festlegt.

Auch diese Regeln sollten gemäß dem Gebot “Prüfet alles” (1.Thess 5,21) mit Hilfe der Qualitätsmaßstäbe Jesu überprüft und gegebenenfalls geändert werden. In so mancher Gemeinde ist diese Überprüfung leider tabu und der Missbrauch von Macht entsprechend groß.

Zur Einrichtung einer bibelgemäßen Gemeindeordnung muss man sich vergegenwärtigen, welche Befugnisse die Gemeindemitglieder in der Versammlung haben.

Grundsätzlich sind sie gleichberechtigt. “Nur einer ist euer Meister – ihr alle aber seid Brüder” (Mt 23,10). Jesus warnt vor den Schriftgelehrten, die immer den ersten Platz in der Gemeinde haben wollen. (V.6-11) Gleichwohl gibt es Älteste, “Lehrer … und Regierer“, die Gott berufen hat (1.Kor 12,28) Sie sollen Vorbilder im Glauben sein und sich durch eine geistlich geprägte Persönlichkeit (Charakter) auszeichnen. (1.Tim 3,1 ff) Daran kann die Gemeinde ihre Berufung erkennen und sie in das betreffende Amt wählen.

Die unabdingbare Voraussetzung ihres Dienstes bleibt die Bereitschaft, “sich in jeder Hinsicht als Diener Gottes zu erweisen” (2.Kor 4,2), sich “nicht als Herr” (2.Kor 1,24), sondern als “Diener aller Brüder” (Mt 23,11-12) zu sehen und sich an den Qualitätsmaßstäben Jesu selbst zu prüfen bzw. prüfen zu lassen.

Ist der geistliche Zustand der Gemeinde schlecht (Offb 3, 1), dann werden auch Leute in Lehr- und Leitungsämter gewählt, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen und nicht erfüllen wollen. Dennoch wollen sie im Amt bleiben und sammeln dazu im Laufe der Jahre eine große Klientel an, die sich ihnen persönlich verbunden fühlt und sich gedankenlos hinter sie stellt. Sie sind bemüht, sich möglichst bei jedem beliebt zu machen (Gal 1,10) und tun sich sehr schwer damit, Gemeindezucht gegen Mitglieder zu üben, die schon lange zur Gemeinde gehören. Diese haben ja Beziehungen zu vielen anderen in der Gemeinde aufgebaut, die womöglich für sie Partei ergreifen könnten.

Wenn ein vollzeitlicher Mitarbeiter Unrecht tut, dann sollte die Gemeindeordnung die Möglichkeit bieten, ihn angemessen zu disziplinieren. Bietet sie diese Möglichkeit nicht, dann muss man, um gegen das Unrecht vorzugehen, Gleichgesinnte um sich sammeln, um die Klientel des Gemeindemitarbeiters zu überstimmen bzw. abzuwerben. Diese Parteikämpfe tragen sehr viel Unfrieden in die Gemeinde und werden daher meist vermieden. Folge ist, dass man sich daran gewöhnt, lieber Unrecht in der Leitung stillschweigend zu tolerieren – mit allen negativen Folgen für geistliche Gesundheit und Urteilsvermögen in der Gemeinde.

Das ist aber nicht der biblische Weg.

Tatsache ist, dass alle Menschen, auch Gläubige in verantwortlicher Position fehlbar, sündig und Versuchungen ausgesetzt sind. Tatsache ist auch, dass man auf schädliches Fehlverhalten in angemessener Weise reagieren können muss, damit sich nicht andere daran ein schlechtes Beispiel nehmen.

Die Disziplinierung muss der Schwere der Tat entsprechend in verschiedenen Stufen möglich sein. In manchen Gemeinden scheint es nur die “Alles oder Nichts” – Lösung zu geben – eine zweifellos wenig überzeugende Alternative. Entweder es geschieht gar nichts: der Täter betrachtet die Sache mit einer Entschuldigungsphrase als erledigt, wobei selbstverständlich der Geschädigte den Schaden weiter trägt und der Täter sich das Recht vorbehält, auch in Zukunft dasselbe noch einmal zu tun. Oder es geschieht “alles”: d.h. jegliches größere Fehlverhalten wird gleich zum Anlass genommen, die Entlassung des Gemeindemitarbeiters zu fordern – womit unnötiger Widerstand auch von gutwilligen Gläubigen provoziert wird, die nun meinen, um der Barmherzigkeit willen die “Existenzvernichtung” ihres Bruders verhindern zu müssen.

Sinnvoller erscheint es, einen Katalog von strafbaren Handlungen aufzustellen und für diese Handlungen entsprechend ihrem Schädigungspotential Geldstrafen festzulegen. Diese sind so hoch festzusetzen, dass eine Wiederholung der Tat – auch durch andere Mitglieder – mit hoher Wahrscheinlichkeit unterbleibt. Der Abschreckungseffekt wird erheblich geschwächt, wenn die Strafe “zur Bewährung” ausgesetzt wird – wie es in der weltlichen Gerichtsbarkeit üblich ist. In der “Gemeinschaft der Heiligen”, d.h. einem “Ethikverein”, dessen Leiter und Lehrer genauestens mit ihren Pflichten, ethisches Vorbild zu sein, vertraut sind, ist das sicherlich fehl am Platz. Wenn der Geschädigte die Strafe als angemessen ansehen kann und der Täter die Tat bereut, dann kann auch die Gemeinde die Angelegenheit als erledigt betrachten und ihm noch eine neue Chance im Amt geben.

Die eingenommenen Gelder sollten nicht Vorhaben der Gemeinde zugute kommen, zugunsten einer möglichst objektiven, unabhängigen Strafzumessung. Sie könnten in eine Stiftung fließen, die der Unterstützung von Gläubigen dient, die durch fahrlässige Theologie geschädigt wurden. (“Gemeinde-Haftpflicht“)

Der Vorstand kann die Aufgabe der Urteilsfindung nicht übernehmen. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Beschuldigten führt in der Regel zu engen menschlichen Bindungen, sodaß ein Urteil unter dem Verdacht der Befangenheit steht. (“Ansehen der Person“)

Als Schiedsrichter sollten Gläubige bestimmt werden, die diesem Verdacht möglichst wenig ausgesetzt sind und die auch kein Einkommen aus der Gemeinde beziehen. (schiedsgerichtlicher Dienst)

Jeder Gemeindemitarbeiter sollte bereits bei seiner Einstellung unterschreiben müssen, dass er Entscheidungen des schiedsgerichtlichen Dienstes anerkennt und strafbare Handlungen, wie sie der Katalog nennt, unterlässt. Außerdem ist es sinnvoll, zu Beginn jedes Jahres alle Mitarbeiter regelmäßig an diese Verpflichtung zu erinnern.

Zur Änderung der Gemeindeordnung (Gemeindeverfassung) ist in der Regel eine 2/3 Mehrheit der Mitglieder in der beschlussfassenden Versammlung (Konvent) erforderlich.

Die in den Konvent aufgenommenen Mitglieder sind der “Souverän”, die “Legislative” der Gemeinde, das “auserwählte Geschlecht, Mitglieder des königlichen Priestertums, das Volk, das zu Gott gehört” (1.Pet 2,9) Sie haben nicht die Pflicht, sich an eine vorgefundene Gemeindeordnung gedankenlos, leichtgläubig und unterwürfig anzupassen – auch wenn es Menschen gibt, die ihnen das einreden. Sie haben das von Gott verliehene Recht, diese Ordnung an biblischen Qualitätsmaßstäben zu prüfen und alles, was dem Unrecht Vorschub leistet und Gott nicht ehrt, zu erkennen und zu entfernen.

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Gemeindezucht

Unter “Gemeindezucht” wird im allgemeinen der Ausschluß eines notorisch böse handelnden Gläubigen aus der Gemeinde verstanden. In der Bibel wird von einer schändlichen Partnerschaft eines Gläubigen mit der Frau seines Vaters berichtet. Paulus forderte den Ausschluß dieses Gläubigen aus der Gemeinde (1.Kor 5) und seine Wiederaufnahme, nachdem er sein Unrecht eingesehen hatte. (2.Kor 2,7-8)

Es gibt Gemeinden, die auch schon auf kleine Verstöße mit einem Ausschluß reagieren, und anderen Gemeinden, bei denen “Gemeindezucht” allenfalls bei einem großen Skandal geübt wird, der das Ansehen der Gemeinschaft beschädigen würde.

Die Gemeinschaft der Heiligen hat sicherlich auch die Funktion eines “Ethikvereins”, in dem Menschen ermahnt und ermutigt werden, “würdig ihrer hohen Berufung zu leben” (Eph 4,1) Deshalb sollten biblische Qualitätsstandards ernstgenommen werden.

Dies sollten in erster Linie die Maßstäbe der “Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, sowie Treue und Redlichkeit” sein, die Jesus die wichtigsten Gebote waren. Es gibt keine Liebe ohne Beachtung dieser Qualitätsmaßstäbe – und keine echte Barmherzigkeit.

Wenn Gläubige gegen diese Maßstäbe ohne Reue verstoßen, dann sind sie ungeeignet, Mitglied einer christlichen Gemeinde zu sein. Insbesondere verurteilt Paulus den hartherzigen, unfairen Umgang mit Mitchristen: “Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz in Gottes unsichtbarer Welt haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die mal mit diesem, mal mit jenem ins Bett steigen, falschen Göttern dienen oder Ehen kaputtmachen, Lustknaben und Knabenschänder, Diebe oder Habsüchtige, reuelose Saufbolde, Lästerer oder Räuber werden keinen Platz im Reich Gottes haben.” (1.Kor 6,9-10) Diese sind aus der Gemeinde auszuschließen, um sie zu warnen, dass sie dereinst auch vom Himmel ausgeschlossen sein werden, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern.

Unsachgemäße Gemeindezucht hat aber gefährliche Nebenwirkungen. Zum einen können die Gläubigen, die jemanden ausschließen, es in pharisäischem Hochmut tun. Sie “sehen den Splitter im Augen des Bruders, aber den Balken im eigenen Auge sehen sie nicht.”(Mt 7,3-5) Damit ist nichts gewonnen. Eine Gemeinde, die notgedrungen über das böse Verhalten eines Gläubigen urteilt, muss auch eine Kultur der ehrlichen Selbstkritik und Selbsterkenntnis pflegen.

Zum anderen droht die Gefahr der Spalterei von allen Mitchristen, die irgendein Gebot anders auslegen und verstehen. “Spalterei” und selbstgerechte “Zänkereien” sind aber selbst wieder Sünde (Gal 5,20). Sie sind Schuld, die nicht bereut wird und die den Frieden in der Gemeinde zerstört.

Hier helfen die Maßstäbe Jesu, gemeinsam zu einer lebensfördernden Auslegung (Mt 4,4 / Mk 3,27) der Gebote zu kommen. Eine möglichst strenges oder möglichst wortgetreues Verständnis ist nicht automatisch richtig, wenn es übergeordnete Qualitätsmaßstäbe ungenügend berücksichtigt.

Gemeindezucht ist notwenig, wenn die Gemeinde die Berufung zur “Heiligung” (1.Thes 4,7) ernstnimmt.

Sie kann aber nur mit großer Vorsicht im Blick auf die Nebenwirkungen angewandt werden, damit Gebote in lebensfördernder Weise (Mt 4,4 / Mk 3,27) und nicht destruktiv interpretiert werden.

Destruktive Nebenwirkungen kommen z.B. bei der Frage in den Blick, ob Gemeindezucht auch bei Ehescheidung und Wiederverheiratung angewandt werden sollte.

Oft sind es Frauen, die zugunsten einer attraktiveren Geliebten verlassen werden. Wer seinen Ehepartner im Stich lässt, obwohl sich dieser liebevoll und rücksichtsvoll verhält, handelt charakterlos und ungerecht. Es ist klar, dass die Gemeinde sein Verhalten nicht tolerieren kann. Sie wird ihn erst einmal ausschließen und aus Ämtern entfernen und damit an sein Gewissen appellieren.

Doch werden durch Ehescheidung und Wiederverheiratung anders als bei der Promiskuität oder bei Diebstahl vollendete Tatsachen geschaffen. Man kann fordern, dass der Dieb das Gestohlene zurückgibt, ehe er wieder aufgenommen wird. Man kann fordern, dass jemand seine Promiskuität aufgibt. Aber kann man auch fordern, dass die neue Ehe aufgelöst und die alte wieder geschlossen wird ? (Im Alten Testament (5.Mo 24,4) ist das übrigens ausdrücklich verboten !) Kann man das den Kindern zumuten, die aus der zweiten Beziehung stammen? Falls keine Kinder da sind: ist es gerechtfertigt, Ehebrecher unterschiedlich zu behandeln und einige unerlaubte Ehen nachträglich zu legitimieren, bloß weil in ihnen Kinder gezeugt worden sind ?

Es ist also sehr oft eine Wiederherstellung des früheren Zustandes praktisch unmöglich, ohne noch mehr Schaden anzurichten.

Soll man deshalb den untreuen Bruder abschreiben, für alle Zeiten ausgeschlossen lassen und annehmen, dass er der ewigen Verdammnis unwiderruflich verfallen ist ? Vielleicht bereut dieser längst seine verhängnisvolle Entscheidung, kann aber daran nichts mehr ändern. Soll er nun verzweifeln ? Was würde Jesus tun?

Das ist die entscheidende Frage. Denn eine Gemeindezucht ohne Barmherzigkeit verkündet einen Gott, der wenig Wert auf Barmherzigkeit legt. Stärkt diese Erkenntnis die Liebe und das Vertrauen der übrigen Gläubigen zu ihrem Herrn?

Warum gibt es denn diese strengen Bestimmungen über die Ehe im Neuen Testament ? Die Ehe ist ein Bild für die unauflösliche Beziehung des Gläubigen zu seinem Herrn. “Gott hasst das Verstoßen” (Mal 2,16). “Darum darf ein Mann seine Frau nicht verstoßen.” (1.Kor 7,11). Gottes Erbarmen mit dem verstoßenen Menschen ist der Grund für die Unauflöslichkeit. Gottes Erbarmen !

Auf mutwillige Zerstörung der Ehe durch Verstoßen muss die Gemeinde deshalb mit Ausschluß reagieren. Doch auch der gemeinste Ehebruch kann vergeben werden, denn es heißt ausdrücklich “alle Sünden können den Menschen vergeben werden, selbst die Gotteslästerungen, die sie aussprechen. ” (Mk 3,28 / NeÜ). Vergebung ist möglich, auch wenn tätige Reue und Wiedergutmachung nicht mehr möglich sind. Gott sieht ins Herz. Wenn deshalb eine Gemeinde den Ehebrecher für eine lange Zeit ausschließt und später doch wieder zulässt, so hat sie damit sowohl der Strenge des Gebots wie auch der Größe der Barmherzigkeit Gottes entsprochen. Sie hat ihr möglichstes getan, um die Einzigartigkeit der göttlichen Eheordnung dem Gewissen der Gläubigen eingezuprägen.

Eine Eheschließung im Gottesdienst (Trauung) sollte grundsätzlich nur Christen vorbehalten bleiben, die zuvor weder einen Partner verlas­sen noch Ehebruch begangen haben (Mt 5,32). Paulus forderte, dass der, der sich scheiden lässt, unverheiratet bleiben oder sich wieder mit dem Partner versöhnen soll. (1.Kor 7,10-11)

Kann man Gläubige zu einer zweiten Trauung zulassen, die ihre Ehe haben retten wollen, aber dennoch böswillig verlassen worden sind ? Warum sollen sie noch einmal bestraft werden? Würde das nicht dem Gebot der Barmherzigkeit wider­sprechen ?

Es ist aber ein übles Signal, Gläubige zu trauen, die ihren Partner verlassen haben, gleichgültig wie lange es her ist. Es kann doch Gott nur veru­nehren, wenn man einen Gottesdienst dazu verwendet, um eine Aktion unter den Segen Gottes zu stellen, die Jesus abgelehnt hat. Würde man das tun, hätte man überhaupt kein Recht, irgend jemandem, der seinen Partner verlassen hat oder verlassen will, ins Gewissen zu reden. Auch ist eine solche Aktion eine Beleidigung des verlassenen Ehepartners. Die Eheschließung kann also nur standesamtlich erfolgen. Eine solche Ehe muss nicht in jedem Falle Unrecht sein, aber die Entscheidung wird nicht auf das Gewissen des Pastors oder der Ältesten abgeschoben, sondern von beiden Partnern selbst verantwortet.

Ist sie Unrecht, dann lässt sich der Segen Gottes mit einer gottesdienstlichen Handlung nicht erzwingen. Es wäre Aberglaube, das zu denken. Dennoch steht auch diese Ehe, nachdem sie einmal geschlossen ist, wieder unter dem Schutz der göttlichen Eheordnung, sodass auch dort die für die Ehe geltenden Gebote zu beachten sind.

Um der Barmherzigkeit willen hat Jesus die Ehescheidung nicht generall verboten. Er hat eine Ausnahme genannt, in der sie ausdrücklich erlaubt ist: wenn der Ehepartner sich in anderen Betten vergnügt (“Hurerei“). (Mt 5,32) Hier ist die Vertrauensgrundlage für eine Beziehung restlos zerstört. Wenn der geschädigte Partner sich scheiden lässt, wird diese Initiative nicht als “Verstoßen” betrachtet.

Es ist nicht sicher auszuschließen, dass das Beispiel der Hurerei stellvertretend für eine Reihe weiterer Unzumutbarkeitstatbestände steht (biblischer “Pauschalstil” ) wie z.B. Vergewaltigung, wiederholtes Prügeln oder andere Bösartigkeit, in dem sich charakterliche Entartung manifestiert. Dann stellt sich die Frage, ob solche Unzumutbarkeitstatbestände den leidenden Partner verpflichten, nach der Scheidung ehelos zu bleiben, oder ob Paulus sich nur auf den “Normalfall” der Scheidung bezieht, in dem ein Partner, bei dem man es hätte aushalten können, wegen Desinteresse verstoßen wird.

Werden Unzumutbarkeitstatbestände ignoriert, so erscheint vielen Gläubigen die Stigmatisierung eines Gläubigen in einer unzumutbaren, unerträglichen Lebenssituation als “Ehebrecher” ebenso wie der Ausschluss aus der Gemeinde als unfair und unbarmherzig. Die Gemeinde gerät selbst in den Verdacht, üble Motive zu haben, wie Sexualneid, Genießen von Machtgefühlen (“Buchstabenterror“) oder Pharisäismus. Damit hat sie viel von ihrer Autorität verloren und das Ziel eines Ausschlusses, vorbeugend auf das Gewissen zu wirken, wird nicht erreicht.

Diese Beobachtungen sprechen gegen eine enge Auslegung der biblischen Anweisungen zur Ehe, die sklavisch am Buchstaben klebt. Ist denn eine “Ehe” überhaupt noch schutzwürdig, wenn die Erbarmungslosigkeit und Gefährlichkeit eines Ehepartners offensichtlich ist ? Wieso muss man diesen Menschen vor dem “Verstoßen-werden” schützen ? Handelt die Gemeinde nicht gegen das Gebot der Barmherzigkeit, wenn sie den Geschädigten hindert, eine wirkliche Ehe, die ihren Namen tatsächlich verdient, mit einem neuen Partner aufzubauen ?

In unserer Zeit sind die Worte Jesu jedoch nach wie vor von aktueller Bedeutung. Unerlaubte sexuelle Beziehungen (“Fremdgehen”) und damit verbundene Gefährdung von Ehen werden zu einer immer größeren Not in evangelikalen Gemeinden. Sie werden oft gar nicht mehr als Schuld empfunden, sondern ganz selbstverständlich als Recht auf sexuelle Selbstbestimmung betrachtet.

Es besteht jedoch kein Zweifel, dass rücksichtsloser sexueller Egoismus von Gott sehr negativ gesehen werden und mit dem Ausschluss vom Himmel (!) bestraft werden kann. “Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz in Gottes unsichtbarer Welt haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die mal mit diesem, mal mit jenem ins Bett steigen, oder Ehen kaputtmachen, Lustknaben und Knabenschänder, … werden keinen Platz im Reich Gottes haben.” (1.Kor 6,9-10)

Der Sinn der Gemeindezucht ist nun, den Gläubigen diese Gefahr in Erinnerung zu rufen. Sie müssen gewarnt werden, dass eine Scheidung stattfinden wird, zwischen den Gläubigen, die wirklich dazugehören und denen, die sich das nur einbilden.

“Nicht jeder, der dauernd ‚Herr’ zu mir sagt,wird in die unsichtbare Welt Gottes kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut. An jenem Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ‚Herr, haben wir nicht unter Berufung auf dich Prophetien verkündet? Herr, haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen Wunder getan?’ Doch dann werde ich ihnen unmissverständlich erklären: ‚Ich habe euch nie gekannt! Macht, dass ihr weg kommt, ihr Halunken!” (Mt 7,21-23 / NeÜ)

Es ist wichtig, dass ein Christ weiß, dass alle Lebensstile kennt, die vom Himmel ausschließen könnten. Das ist keinesfalls nur sexuelles Fehlverhalten, sondern z.B. auch Unversöhnlichkeit und Brutalität (siehe “Heilsgewissheit ohne Heiligung“).

Diese Scheidung geht durch die Familien und durch die Gemeinden. “Wenn dann zwei Männer auf dem Feld arbeiten, wird der eine angenommen und der andere zurückgelassen. Wenn zwei Frauen an derselben Handmühle mahlen, wird die
eine angenommen und die andere zurückgelassen werden.” (Mt 2,40-41)

Ein Ausschluß aus der Gemeinde war zur Zeit des Paulus in der damaligen Stadtgemeinde eine wirksame Maßnahme. Heute aber hat der betroffene Gläubige in der Regel keine Mühe, eine andere Gemeinde aufzusuchen, wo man von seinem Verhalten nichts weiß. Er kann sich der Mahnung seines Gewissens sehr leicht entziehen. Umso wichtiger ist es, dass die Gemeinde wirklich nach dem Willen Gottes fragt, dass man dort Gottes Heiligkeit und Autorität spürt. Ein Ausschluss erreicht das Gewissen überhaupt nicht, wenn die Glaubwürdigkeit der Gemeinde durch Pharisäismus, Scheinheiligkeit, blinde Traditionsgläubigkeit, Buchstabenterror und Geringschätzung der Gabe der Weisheit in Frage gestellt ist.

Ein Ausschluss kann auch dazu führen, dass der Betroffenen gar nicht mehr zur Gemeinde kommt und keine Warnung oder Mahnung mehr zu ihm gelangt.

Gemeindezucht-Maßnahmen müssen deutlich machen, dass jemand sich außerhalb des echten Jüngerkreises gestellt hat. Wer echter Jünger sein will, der kann am Abendmahl teilnehmen, Dienste und Spenden in die Gemeinde einbringen. Wer das nicht will, sollte davon ausgeschlossen werden, bis tätige Reue vorhanden ist. Insbesondere vor Spenden (“Opfer”) von bösen Menschen warnt die Bibel ausdrücklich, da sie leicht als Kompensation für böses Verhalten angesehen werden: “Mich widern eure Opfer an … Lasst lieber das Recht wie Wasser fließen und die Gerechtigkeit wie einen immer fließenden Bach. ” (Amos 5,22)

Ein Gläubiger, der böse mit anderen umgeht, sollte auch das Abendmahl nicht nehmen dürfen, da dadurch das Gewissen abstumpft. Als Judas das Stück Brot aus der Hand Jesu nahm, “fuhr der Satan in ihn” (Jo 14,27). Er ging daraufhin seine eigenen Wege und erfuhr nichts mehr von den Reden, die Jesus an seine eigentlichen Jünger richtete. (Joh 15-17)

Ein Gläubiger, der böse mit anderen umgeht, kann nur den Status eines Gastes oder Hörers haben. Das Wort Gottes, das er hört, kann ihn vielleicht zur Umkehr bewegen.

Dieses Wort ist allerdings nicht glaubwürdig ohne Gemeindezucht. In vielen Gemeinden wird eindringlich vor dem Fremdgehen oder der Unversöhnlichkeit gewarnt, mit deutlichen Hinweisen auf die möglichen Folgen. Doch geschieht quasi “mit der Gießkanne” – ganz unpersönlich. Nirgends wird dem Gläubigen, der am Unrecht festhält, klar gemacht, dass er nicht mehr zum inneren Kreis der Jünger gehört. Er nimmt das Abendmahl, er spendet, er arbeitet mit. Dies erzeugt bei ihm den Eindruck, dass die Gemeinde nicht auskommt ohne ihn. Sie braucht seine Spenden und seine Mitarbeit. Dann liegt der Fehlschluss nahe, dass Gott selbst auch nicht auf ihn verzichten möchte und dass die Warnung auf der Kanzel nur unterhaltsame Dramatik war.

Bußpredigt ohne Gemeindezucht ist nicht ernstgemeint. Sie ist Propaganda, mit der eine verantwortungslose Gemeindeleitung üblicherweise den Schein wahrt, die Mitglieder sammelt um jeden Preis und sich deshalb bei niemandem unbeliebt machen möchte.

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Gesetz der 50-jährigen

Ein Mechanismus, der von Noll und Bachmann beschrieben wurde (Peter Noll, Hans Rudolf Bachmann, Der kleine Machiavell. Handbuch der Macht für den alltäglichen Gebrauch, Zürich, München, 1999, S.23.) und der plausibel erklärt, warum sich Gemeinden, und noch viel mehr fromme Verbände und Institutionen so oft und so lange gegen dringend notwendige Reformen sperren bzw. Gläubige, die sich darum bemühen, anfeinden und entmutigen („Semmelweis-Reflex„).

Wer sich zu einer Reform entschließt, hat mehrere schwierige Jahre durchzustehen. Man hat mit Widerständen zu rechnen, mit dem Vorwurf, warum man es bisher falsch gemacht hat und mit Einbußen an Ansehen bei den Uneinsichtigen. Etliche werden abwandern, neue Leute müssen hinzugewonnen werden.

So mancher Leiter, der um die 50 ist, erkennt, dass er selbst von einer Reform nicht mehr profitiert. Die Früchte wird erst die nächste Führungsgeneration ernten. Also lohnt es sich für ihn privat weitaus mehr, wenn er weitermacht wie bisher. Manchmal heuchelt er Einsicht und betätigt sich auch etwas, damit ihm nicht vergeworfen werden kann, er täte nichts. Aber die „radikale Operation“, die lebensrettend für das Unternehmen wäre, will er nicht. Mit etwas Glück wird er die Katastrophe selber gar nicht mehr erleben.

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Gesetzliche llusionen

Das gesamte jüdische Kultgesetz ließ die Selbsttäuschung blühen, denn es ließ überhaupt nicht erkennen, dass es eine nur vorläufige Frömmigkeit vermittelte. Im Gegenteil! Begünstigte es nicht damit ein fürchterliches Missverständnis? Paulus war vor seiner Bekehrung darauf hereingefallen. Er hielt die Christen für Irrlehrer und verfolgte sie. Es war niederschmetternd, als ihm plötzlich die Augen aufgingen.

Durch dreierlei kam dieser falsche Eindruck zustande. Erstens war es nicht das Liebesgebot, sondern das symbolische Gesetz, das Israel von den übrigen Völkern unterschied und seine Erwählung bezeugte. Zweitens war das symbolische Gesetz weit ausführlicher in die Einzelheiten hinein ausgebildet als die Liebe betreffende Gebote. Wenn der Verfasser des Gesetzes sich mit dem symbolischen Gesetz so viel Mühe gemacht hatte, dann schien es ihm ja besonders wichtig zu sein. Drittens ist aus dem symbolischen Gesetz selbst heraus nicht erkennbar, das es später zugunsten des Liebesgebots aufgelöst werden wird. Es erweckt den täuschenden Eindruck, als ob es in Ewigkeit gilt (“Ewigkeitsillusion”).

Die Betonung des symbolischen Gesetzes vermittelte also den Eindruck, dass die wahre Frömmigkeit im wesentlichen in der fehlerlosen Beobachtung eines umfassenden Rituals bestand. Dem Liebesgebot blieb nur die Nebenrolle eines weniger praktizierbaren Ideals.

In der Folge kommt es zu weiteren Illusionen. Da das Liebesgebot unterbelichtet war, entstand der Eindruck, dass es möglich sei, das Gesetz zu halten (“Erfüllungsillusion”). Das mosaische Gesetz wehrt diesem falschen Eindruck nicht. Die Anforderungen werden als leicht bezeichnet (5.Mo 30,11), was ja – bei oberflächlicher Beachtung des Liebesgebotes – auch zutrifft. Wer Gewissensbisse hatte, konnte sich damit beruhigen, dass das Tieropfer, das der Hohepriester einmal im Jahr darbrachte, sämtliche Schuld des Jahres (!) sühnte (3.Mo 16, 30+34). So verheißt es das Gesetz. Kam das Gewissen wegen der Schwere der Schuld dennoch nicht zur Ruhe, so gab es die Möglichkeit, zusätzlich noch ein eigenes Tieropfer darzubringen (3.Mo 4,1ff). David hat nach der Ermordung Urias zum ersten Mal an der Wirksamkeit dieser Opfer gezweifelt (Ps 51,18-19 / vgl Heb 10,4). Für andere Gläubige, die das Recht mit Füßen traten, diente dagegen der Opferkult als billige Gewissensentlastung (Am 5,22-24).

Weiter lässt das Gesetz den falschen Eindruck entstehen, dass sein Fluch, mit dem es den Ungehorsamen bedroht, durch Eifer und zufriedenstellenden Gehorsam abgewendet werden könne. “Befolgt meine … Gebote; denn sie werden dem Menschen, der sich nach ihnen richtet, das Leben bringen” (3.Mo 18,5). Dieser Satz hatte im mosaischen Gesetz eine positive Bedeutung und wurde auch immer als Verheißung verstanden. Erst Paulus entdeckte, dass die Verheißung des Gesetzes tatsächlich ein Todesurteil war: weil niemand all das in zufriedenstellendem Maße tun könne, was das Gesetz fordert (Rö 3,11+19+20), könne auch niemand am Leben bleiben!

Dessen ungeachtet hat Gott immer wieder gesegnet, obwohl die Bedingung, die das Gesetz stellte, eigentlich nicht erfüllt worden war. Die Gnade, die nicht aufgrund von Werken verliehen wird (Eph 2,8+9), wird somit schon im alten Bund gewährt. Sie ist jedoch dort nur aus der Geschichte zu erkennen und nicht aus dem Gesetz heraus. Wer nun über den äußerlichen Gehorsam nicht hinauskam, verfiel einer weiteren Selbsttäuschung: Er musste aus den Segnungen gerade den verkehrten Schluss ziehen, dass das Gesetz erfüllbar und der Segen verdienbar sei. Er musste annehmen, dass die äußerliche Gesetzeserfüllung Gott gefällt (“Qualitätsillusion” oder “Freiheitsillusion“). Das missverstandene mosaische Kultgesetz hängt wie eine undurchdringliche “Decke” vor den Augen der Gläubigen (2.Kor 3,15) Und zwar für Jahrhunderte!

Die mit dem Gesetz verbundenen Illusionen sind ein Beweis für das Phänomen der Selbstverstärkung.

Zur Zeit des Paulus waren etliche Christen tatsächlich der Meinung, dass sie besser und gläubiger waren als die Vertreter jüdischer Gesetzlichkeit (vgl. Rö 3,9ff). Doch damit irrten sie sich gewaltig (Rö 11,20-21). Auch in der christlichen Gemeinde wird äußerliche, erlernte Frömmigkeit ständig gerne mit echtem Glauben verwechselt (Mt 7,21 / Jak 2,14 / Off 3, 1+17). Auch dort hat man große Mühe, sich manipulativer Tendenzen und Methoden zu erwehren!

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Gottesbeweis

Es gibt nur einen wirklichen Beweis, der wirklich zu Gewissheit und Glaubensfreude führt: und das ist die tagtägliche Vertiefung der Freundschaft mit Gott. Dann erfährt der Gläubige: “Ich lebe, aber nicht nicht ich, sondern Jesus Christus lebt in mir” (Gal 2,20). Diese Erfahrung ist der tiefste Grund der christlichen Gewissheit: das Zeugnis des heiligen Geistes (Rö 8,16). Die Bibel nennt diese Erfahrung “Heiligung“.

Ohne sie werden die Bemühungen um Geborgenheit vielleicht zu einer stabilen religiösen Weltanschauung, aber nicht zur inneren Schau führen, die die Bibel mit Glaubensgewissheit bezeichnet.

Wenn einem nun beigebracht worden ist, die Existenz Gottes zu bezweifeln, dann kann dieser Zweifel mit Hilfe gewisser Indizien erschüttert werden. Diese Indizien spielen aber nur eine vorbereitende Rolle. Gewissheit, wie sie die Heiligung vermittelt, können sie nicht vermitteln.

So haben Berechnungen von Astrophysikern ergeben, dass bereits die Entstehung des Universums ein außerordentlich unwahrscheinliches Ereignis ist. Ebenso unwahrscheinlich sind die vielen Bedingungen, die zusammen eintreten müssen, damit ein Planet wie die Erde von Pflanzen Tiere und Menschen bewohnt werden kann.

Ebenfalls ist die zufällige Entstehung dieser Lebewesen so extrem unwahrscheinlich, dass es vielen leichter fällt, an einen intelligenten “Designer” (Schöpfer) zu glauben.

Allerdings lässt sich aus diesen Beobachtungen nicht schließen, wie Gott ist, ob er sich für seine Geschöpfe noch interessiert, ob er über – aus menschlichen Sicht – über einen guten oder einen wankelmütigen oder gar bösartigen Charakter verfügt. Die Schöpfung zeigt jedenfalls viel genial konstruierte Tötungstechnik und ein unablässiges Quälen und Sterben, das offenbar auch notwendig ist, da Raum und Nahrung begrenzt sind.

Die Frage, WIE Gott ist, ist genauso wichtig, ja sicherlich noch viel wichtiger als die Frage, ob es ihn überhaupt gibt.

Wenn es keinen Gott gibt, wenn es nur Materie gibt und alles Zufall ist, dann mag das sehr frustierend sein, aber die Frustration ist ja spätestens mit dem Tode überstanden, wenn ich als Person aufhöre zu existieren und in Atome zerfallen bin.

Wenn es aber einen Gott gibt und dieser mir nicht freundlich gesinnt ist, sondern mit mir herumspielt und mich ggf. opfert, wie eine Schachfigur, dann droht sehr wahrscheinlich Frust und Not ohne Ende. Ich bin ihm wehrlos ausgeliefert. Was soll mich dann die Antwort trösten, dass es Gott gibt? Dann wäre es besser, es gäbe keinen.

Deswegen ist es der entscheidende und wichtigste Beweis, dass der Geist Gottes Wohnung in der Seele des Gläubigen nimmt. Der Geist Gottes redet von Jesus (Jo 16,13-14), und wenn wir Jesus sehen, dann sehen wir auch, wie der Vater im Himmel ist (Jo 14,7). Mit dem Erkennen des göttlichen Charakters ist auch die Frage nach seiner Existenz automatisch beantwortet.

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Gottesbild – vertrauenswürdig oder zweideutig ?

Im alttestamentlichen Zehngebot war es strikt verboten, sich ein Bild von Gott zu machen. (2.Mo 20,4) Anders im Neuen Testament: wenn Jesus sagt: „wer mich sieht, sieht den Vater“ (Jo 14,9), so macht er deutlich, dass das Vertrauen und die Liebe zu Gott auf der Wahrnehmung der göttlichen Persönlichkeit beruht. Im Alten Testament ist das vereinzelt auch schon zu sehen. (Ps 17,15 )

Der biblische Befund zeigt nun vereinzelt Aussagen, die noch von keinem (!) Theologen in glaubwürdiger Weise mit dem Charakter Jesu in Einklang gebracht werden konnten. Die Reaktion Jesu darauf ist absolut vorhersehbar.

Es handelt sich bei diesen Aussagen generell um Texte im „No-comment“ – Stil. Zu ihnen gehört auch das alttestamentliche Gebot, dass einer Frau, die ihren Mann in unziemlicher Weise verteidigt und den Angreifer bei den Geschlechtsteilen packt, die Hand abgehackt werden müsse. (5.Mo 25,12) Im Neuen Testament ruft Paulus dazu auf, einer Frau, die ihren Kopf beim Beten nicht verhüllt, die Haare abzuschneiden. (1.Kor 11,6) Gerade im jüdischen Kontext ist das Abschneiden der Haare besonders entehrend. (Vgl. 2.Sam 10,4-5)

Kein Gläubiger wird bezweifeln, dass Jesus diese Gebote nie anwenden würde und dass er auch niemals andere Gläubige auffordern wird, so zu handeln.

Gebote erlauben einen Rückschluss auf den Charakter des Gebotsgebers, der eben ein bestimmtes Verhalten vorschreibt, weil er es als besonders wertvoll oder richtig hervorheben möchte.

Auch der gutwilligste Gläubige wird das Verstümmelungsgebot nicht für „wertvoll“ halten können. Er wird es instinktiv als überflüssige Grausamkeit ignorieren und so tun, als ob gar nichts geboten wäre. Die Christen aller Konfessionen reagieren so und machen sich nicht das geringste Gewissen darüber.

Wozu soll diese Strenge gut sein ? Um Männer vor grabschenden Frauen zu schützen ? Wo doch jedermann völlig klar ist, dass es in fast allen Fällen Männer sind, die ungeniert nach Frauen grapschen, und noch nicht einmal zum Zweck der Selbstverteidigung, sondern einfach, weil es ihnen Spaß macht. Das ganze Alte Testament ist voll von Männern, die sich an Frauen mit ihrer Begehrlichkeit versündigen.

Will man von dem Verstümmelungsgebot auf den Charakter des Gebotsgebers schließen, so wird man gezwungen sein, festzustellen: der Gebotsgeber erscheint grenzenlos unfair in der Behandlung der Geschlechter, er erscheint extrem frauenfeindlich, sein Bemühen um sexuelle Reinheit erscheint unehrlich, weil er Mücken seiht und Kamele verschluckt, und er erscheint grenzenlos grausam. Falls die arme Frau nicht an der schweren Verwundung stirbt, wird sie den Rest ihres Lebens als trostloser Krüppel zubringen.

Das jedenfalls wäre das Urteil ALLER Christen, wenn …
…wenn das Gebot im Koran stünde und von Korangläubigen angewendet werden würde.

Sehr viele Gläubige kennen solche Stellen nicht bzw. vergessen sie sofort wieder, wenn sie davon hören. Andere Gläubige kennen diese Stellen, aber ignorieren sie. Dann gibt es Gläubige, die diese Stellen nicht verdrängen können, sodass ihr Gottesbild dadurch beeinflusst und geprägt wird. Trotz aller Gutwilligkeit können sie einem Gott, der bösartige und gute Eigenschaften in sich vereinigt, dessen Charakter zweideutig bleibt, nicht mehr vertrauen – ihr Gottvertrauen schmilzt dahin wie Schnee an der Sonne.

Leider reagieren manche Theologen ziemlich gewissenlos auf diese seelische Not: sie argumentieren, dass Gläubige, die nicht in der Lage sind, zu verdrängen, selber schuld sind, wenn sie verzweifeln.

Dieser Ansicht ist entgegenzuhalten, dass Verdrängen-Können keine geistliche Eigenschaft ist, die der Gläubige besitzen muss. Im Gegenteil: Jesus fordert dazu auf, sich jedem Bibelwort zu stellen: „Der Mensch lebt von JEDEM Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ (Mt 4,4)

Wenn Bibellehrer dem Kanon – so wie er ist – bescheinigen, dass „alles darin Gottes Wort ist“, müssen sie auch destruktiven Aussagen wie dem Verstümmelungsverbot einen lebensfördernden Sinn zuordnen können.

Kommt dieser Sinn zustande, indem man dem Verstümmelungsgebot das Etikett „fehlerlos“ oder „qualitativ hochwertig“ umhängt ? Sicher nicht ! Die praktische Reaktion auf dieses Gebot lässt eine andere Einschätzung erkennen: überflüssig, bedenkenlos ignorierbar, eher peinlich.

Ein ehrlicher Denkansatz sollte von der beobachteten Reaktion ausgehen: unzweifelhaft kann und darf das Verstümmelungsgebot ignoriert werden. Jesus hätte es auch ignoriert. Es hat den Rang „Null“. Eindeutig! Diese Tatsache soll der Gläubige offensichtlich erkennen und respektieren.

Er ist damit aufgerufen, sich um eine widerspruchsfreie überzeugend begründete Rangordnung biblischer Aussagen zu bemühen. Dies wäre ein nachvollziehbarer, positiver und glaubwürdiger Zweck solcher Aussagen. Auf dieser Erkenntnis aufbauend kann man dann ein Modell des Schriftverständnisses erarbeiten, das die Autorität der Schrift wahrt und Distanz zum liberalen Fahrwasser hält.

Oder soll man tatsächlich glauben, der „lebensfördernde Zweck“ bestünde darin, etwas wider besseres Wissen zu verkündigen und zu verteidigen ? Manche meinen das tatsächlich ! Und das erklärt vielleicht, warum Ehrlichkeit und Fairness für sie nur noch ein untergeordneter Wert ist, sodass sie immer weniger Scheu davon haben, ihre Mitchristen mit miesen Tricks zu manipulieren.

Wie soll der, der das Zerrbild eines zweideutigen Gottes verehrt, seinen Charakter von dieser Zweideutigkeit und Widersprüchlichkeit reinhalten können ? Wird nicht auch er allmählich zum Zerrbild werden ? Ist der Knecht etwa größer als sein Meister ?

Jesus jedenfalls war nicht zweideutig, scheinheilig, unehrlich und frauenfeindlich. Das steht fest.

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Heilsgewissheit, eingeschränkt durch Vertragspflichten?

Was wird dem Gläubigen für die Zukunft zugesichert?

Der Vertragszweck: Rettung vor dem Schicksal der ewigen Gottesferne, Befreiung von drückenden Schuldgefühlen, Freude über die enge Verbindung mit Gott, Leben im Vertrauen auf Ihn und in Seiner Kraft: ewiges Leben.

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.” (Joh 3,16)

Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum, daß er der HERR sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.” (Rö 10,9)

Rettung heißt Befreiung von aller Schuld und Schuldgefühlen: “das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.” (1.Jo 1,7). “Wir können nun zu Gott kommen mit aufrichtigem Herzen und völligem Vertrauen, denn das Blut Jesu Chrti hat uns vom bösen Gewissen befreit und uns völlig reingewaschen.” (Hebr 10,22)

Rettung heißt Auferstehung nach dem Tod und ewige Freude bei Gott in der unsichtbaren Welt: “sie werden sein Volk sein, und er selbst wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.” (Offb 21,3-4)

Wer nicht gerettet ist, hat eine schreckliche Strafe zu erwarten: ein ewig dauerndes Leben fern von Gott: “Der Verzagten aber und Ungläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod.” (Offb 21,8)

Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben” (Mt 25,46)

Diese Rettung ist ein Geschenk, dass auch dem Unwürdigsten gegeben wird, sofern er nur auf die Gnade Gottes vertraut: “Denn aus Gnade durch den Glauben seid ihr gerettet geworden, und das nicht durch euch selbst: Gottes Gabe ist es, die man sich nicht verdienen kann, damit sich niemand seiner Leistung rühme.” (Eph 2,8-9).

Vertragspflichten:

Das Geschenk des Heils, die Annahme des Gläubigen an Kindes Statt (1.Joh 3,1), ist nicht nur ein juristischer Akt, der das Leben des Gläubigen unberührt lässt und quasi “über seinen Kopf hinweg” entschieden wird.

Die geschenkte Würde soll das Leben des Gläubigen zum Guten verwandeln und prägen. Sie soll den Gläubigen dazu bringen, Gottes Gnade im eigenen Leben Raum zu geben, die Freundschaft mit Ihm durch den Lebensstil deutlich werden zu lassen und seine Liebe an Mitmenschen weiterzugeben.

Der Ephesertext fährt deshalb fort: “… Denn wir sind sein Werk, geschaffen
durch Christus Jesus, um ein Leben voll guter Werke zu führen, für das uns Gott vorbereitet hat” (Eph 2,10).

An vielen Stellen redet die Bibel von der Aufgabe des Gläubigen, Gott würdig zu repräsentieren: “wir haben euch bezeugt, dass ihr würdig vor Gott leben sollt, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit.“ (2.Thess 2,12)

Die Liebe Gottes soll Frucht bringen zum Segen für die Mitmenschen: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.” (Joh 15,5)

Frucht ist etwas Lebendiges, etwas das göttliche Qualität hat, und selbst wieder Geschenk und Gnade ist. Sie ist etwas, was durch eigene Anstrengungen nicht erzwungen werden kann und nur in der lebendigen liebevollen Verbindung zum Weinstock, zu Jesus Christus entsteht.

Die Gebote verdeutlichen die äußerlichen Merkmale der Frucht. Man sieht an ihnen, dass das Leben zur Ehre Gottes mit erheblichen Einschränkungen hinsichtlich Egozentrik, Habgier, Vergnügungssucht und Triebhaftigkeit verbunden ist.

Auch wenn dieser Weg nicht leicht ist, so ist sein Zweck immer die Vertiefung der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst. Wer sich in einen anderen Menschen verliebt hat, wird selbstverständlich freudig Einschränkungen auf sich nehmen, die den Partner erfreuen. Eben denselben Zweck, Liebe und Vertrauen zu vertiefen, hat die “Heiligung” auch.

Schädliche Reaktionen:

Nun können Gläubige in zweifacher Weise in fataler Weise auf die Gebote Gottes reagieren.

Entweder sie leben so wie alle Welt. Sie wollen zwar nach dem Tod von Gott als die Seinigen anerkannt werden, hier auf Erden soll man sie möglichst nicht als Christ erkennen. Folglich gibt es für sie auch keine Pflicht, Gott würdig zu repräsentieren. Einschränkungen ihres Egos betrachten sie als unzumutbar.

Diese Menschen warnt die Bibel: “Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.” (Mt 7,23) Nur “dran glauben”, genügt nicht: “Versteht ihr nun, dass der Mensch den Gehorsam braucht um von Gott anerkannt zu werden, und dass es nicht genügt, einfach nur an Gott zu glauben ….Denn so wie der Körper ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Gehorsam tot.” (Jak 2,24+26) “Denn wenn ihr wie alle Welt lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Aktionen des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.” (Rö 8,13)

Die andere fatale Reaktion von Gläubigen ist, dass die Angst vor eventueller Ungnade Gottes sie in blinden “Gehorsam” hineintreibt. Ihre Angst hindert sie zu verstehen, dass Gott nur an “lebendiger Frucht”, interessiert ist. “Lebendige Frucht” gedeiht nur nur in Liebe und Freiheit und ist mit der Willenskraft allein nicht zu erzwingen.

Sie erkennen auch nicht, dass sie mit ihrem Verhalten bezeugen, dass eine Pflicht zum “nachträglichen Abarbeiten des Heils” besteht und dass dieses “Zeugnis” eine Beleidigung der freien Gnade und Liebe Gottes ist. Deswegen wirkt dieses “Zeugnis” auch auf die Mitmenschen in keiner Weise einladend. Von einem würdigen Repräsentieren Gottes kann keine Rede sein. Doch diese Tatsache erreicht das Gewissen oft nicht mehr.

Deswegen ist der Gehorsam aus Angst nicht nur sinnlos, er ist selbst Sünde und führt das herbei, was er unbedingt vermeiden will, die Gefährdung des Heils! “Ihr habt Christum verloren, die ihr durch die Erfüllung der göttlichen Normen gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.” (Gal 5,4)

Mit einem Gleichnis lässt sich die Situation verdeutlichen. Wer Christ wird, nimmt teil an einem Segel-Wettbewerb. Er muss sein Segel aufziehen und steuern, um das Ziel zu erreichen. Er darf sich dabei nur der Kraft des Windes bedienen. Der Wind ist der Heilige Geist, der Vertrauen und Liebe schenkt. Der Einsatz eigener Körperkraft (Rudern) ist verboten. Wenn der Wind abflaut oder aufhört, so muss er geduldig warten. Wer ungeduldig wird und doch Ruder einsetzt um das Schiff zu bewegen, wird disqualifiziert. Dem faulen Christen entspricht der Teilnehmer, der am Startplatz verbleibt und alle Annehmlichkeiten dort genießt in der Haltung: das Segel aufziehen ist viel zu unbequem – es kommt ja doch kein Wind.

Gläubige die unter ständiger Angst leiden, brauchen eine verlässliche Antwort auf die Frage, ob Unvollkommenheit das Heil gefährdet.

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Heilsgewissheit ohne Heiligung ?

Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen” (Hebr 12,14) Es gibt also kein Heil ohne (echte!) Heiligung. Genauso gilt: Es gibt ebenso kein Heil mit unechter, werkgerechter Schein-Heiligung!

Deswegen ist die Frage sehr wichtig: Was ist echte Heiligung ?

Heiligung ist der Wunsch des Gläubigen, die Freundschaft Jesu mit aufrichtiger Freundschaft zu beantworten, d.h. Jesus mit seinem Lebensstil Freude zu machen.

Was Jesus Freude macht, macht dem Gläubigen auch selbst Freude und wird in Freiheit und freiwillig getan. Echte Heiligung ist heilsam und befreiend. Damit ist ausgeschlossen, dass der Gläubige der Erpressung durch das Gewissen und durch den Buchstaben ausgeliefert ist und Leistung quantitativ nachweisen muss (Werkgerechtigkeit).

Heiligung ist eine Einstellung, um die sich der Mensch, der den Heiligen Geist hat, trotz aller Unzulänglichkeit immer wieder neu bemüht. Der in ihm wohnende Geist „treibt“ (Rö 8,14) oder motiviert ihn dazu.

Ist diese Motivation überhaupt nicht (!) vorhanden, dann existiert der Antrieb durch den innewohnenden Geist nicht. Eine Freundschaft mit Jesus ist überhaupt nicht vorhanden. Der betreffende Mensch „gehört nicht zu ihm„. (Röm 8,9) Er kann bestenfalls religiös sein.

Ist der Antrieb nur teilweise, evt. nur in winzigem, „senfkorngroßem“ Maße vorhanden, so ist der Heilige Geist in irgendeiner Weise „gebremst“ (1. Thes 5,19), was verschiedenste Gründe haben kann. Dafür können Glaubensterror und religiöse Zwänge verantwortlich sein, die verhindern, dass Jesus noch als Freund und Retter wahrgenommen wird. Dennoch bleibt Jesus treuer Freund, er bittet den Vater darum, dass „der Glaube nicht aufhöre“ (Luk 22,32). So kann dank der Treue Gottes, deren Unerschütterlichkeit mit der Festigkeit der Berge verglichen wird (Jes 54,10), aus dem Senfkorn wieder ein großer Baum werden. (Mt 13,31).

Wenn der religiöse Mensch meint, die Annahme als Gottes Kind sei nur ein juristischer Akt, die sein Leben und seine Lebenseinstellung nicht praktisch verändern wird, dann irrt er sich sehr. Eine echte Freundschaft mit Jesus verändert immer den Lebensstil und die Lebensziele.

Werke, die ein Mensch für die Gemeinde tut, haben auf das Heil keinen Einfluss. Sie werden belohnt, wenn sie aus dem Geiste Jesu stammen. Sie werden nicht belohnt, wenn sie aus falschen Motiven stammen. “Das Werk jedes Einzelnen wird im Feuer auf seinen Bestand geprüft. Hält das, was er auf das Fundament gebaut hat, stand, wird er belohnt. Wenn es verbrennt, wird er den Schaden zu tragen haben. Er selbst wird zwar gerettet werden, aber so wie jemand, den man gerade noch aus dem Feuer reißen kann.” (1.Kor 3,12-15)

Fehlt aber der Wunsch nach Heiligung gänzlich, so fehlt das Fundament, d.h. der heilige Geist, der den Gläubigen zur Heiligung motiviert. Diese Leute, die “kein Öl mehr in ihren Lampen haben” (Mt 25, 8), bleiben draußen. Sie finden die Tür verschlossen vor und Jesus sagt ihnen: “Ich kenne euch nicht” (V.12)

Auch wenn der Wunsch nach Heiligung gänzlich fehlt, kann man noch große Taten in der Gemeinde tun und religiösen Erfolg erzielen.

Dieser Selbstbetrug kann mit großen Taten, mit religiösen Erfolgen verbunden sein: “Nicht jeder, der dauernd ‚Herr’ zu mir sagt, wird in die unsichtbare Welt Gottes kommen, sondern nur der, der den Willen me ines Vaters im Himmel tut. An jenem Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ‚Herr, haben wir nicht unter Berufung auf dich Prophetien verkündet? Herr, haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen Wunder getan?’ Doch dann werde ich ihnen unmissverständlich erklären: ‚Ich habe euch nie gekannt! Macht, dass ihr weg kommt, ihr Halunken!” (Mt 7,21-23)

Schlimm ist es, wenn man den Selbstbetrug nicht durchschaut. Die Bibel nennt bestimmte Fehlhaltungen, die eines durch Gott geprägten Lebens besonders unwürdig sind. Falls ein Mensch an ihnen unbeirrt festhält und nicht den geringsten Wunsch hat, aus dieser Sackgasse wieder herauszufinden, liegt der Gedanke nahe, dass der Heilige Geist gänzlich fehlt und deshalb auch keinen dem Willen Jesu entsprechenden Wunsch hervorrufen kann. Insofern sind diese Fehlhaltungen ein deutliches Indiz für die Abwesenheit der Heiligen Geistes und damit für die Verlorenheit des Menschen, für die Gefährdung seines Heils.

Wir werden uns hüten, an dieser Tatsache die unter Theologen heiß umstrittene Frage aufzuhängen, ob ein Christ theoretisch verloren gehen könnte.

In erster Linie ist die Sünde der erbarmungslosen Unversöhnlichkeit ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Wenn ihr den Menschen ihre Fehler nicht vergeben wollt, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.” (Mt 6,15)

Der Schuldenerlass wurde widerrufen, weil der Schuldner hartherzig mit einem Kleinschuldner umging: “ So wird auch mein Vater im Himmel jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt. “(Mt 18,35)

Mit diesem Bibelwort wird allerdings viel Missbrauch getrieben und nicht selten wird Übervorteilung und Verweigerung des fairen Ausgleichs damit gerechtfertigt.

Die Bibel sagt auch, dass es dem Gläubigen bei schweren Verbrechen unmöglich sein kann, zu vergeben. So flehen z.B. die Märtyrer Gott an, das ihnen angetane Leid zu rächen. (Offb. 6,9-10) Ein natürlicher Wunsch der Gequälten, den Gott ihnen offenbar überhaupt nicht übelnimmt.

Somit beziehen sich die Worte Jesu eher auf das kleinliche, hartherzige und erbarmungslose Nachtragen im Alltag, besonders dem reuigen Sünder gegenüber, das für den Gläubigen, dem Gott so reichlich vergeben hat, eine Schande ist.

Auch fortgesetztes hartherziges, brutales Verhalten gegenüber einem Mitchristen ist ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Wenn der Sklave aber ein böser Mensch ist und denkt: ‚Mein Herr kommt noch lange nicht’, und anfängt, die anderen Diener zu schlagen, während er sich selbst üppige Mahlzeiten gönnt und sich gemeinsam mit anderen Trunkenbolden betrinkt, dann wird sein Herr an einem Tag zurückkommen, an dem er es nicht erwartet hat, und zu einer Stunde, die er nicht ve rmutet. Er wird den Sklaven in Stücke hauen und ihn dorthin bringen lassen, wohin alle Heuchler kommen und wo das große Weinen und Zähneknirschen anfängt.“ (mt 24,48-51)

Hier wird ohne Zweifel ein gläubiger Christ gewarnt, denn Nichtchristen warten nicht auf den Herrn.

Im Alten Testament gibt es eine ganz ähnliche Warnung: “Ich will selbst meine Schafe weiden, und ich will sie ruhen lassen, spricht der Jahwe, der Herr. Ich will die Verlorengegangenen suchen und die Verirrten zurückzurückholen, die Verwundeten verbinden und die Kranken gesund pflegen; aber die Fetten und Starken will ich vernichten und will ihnen das zukommen lassen, was sie verdienen.” Und zu euch, meiner Herde, spricht Jahwe, der Herr: ‚Passt auf! Ich werde zwischen Schaf und Schaf, zwischen Widdern und Böcken richten. Ist es euch nicht genug, eine so gute Weide restlos abzufressen? Müsst ihr auch noch die restliche Weide zertrampeln? Ihr trinkt das klare Wasser und trübt das restliche mit euren Hufen! Meine Schafe sollen dann fressen, was eure Hufe zertrampelt haben, und trinken, was ihr verschmutzt habt?’ ‚Passt auf! Ich bin es, der bald für Recht sorgen wird zwischen den fetten und mageren Tieren.” (Hes 34,15-20)

Einen Mitchristen ständig mit seinem Haß zu verfolgen, ist ebenfalls ein Indiz für die völlige Abwesenheit des Heiligen Geistes und damit für das nicht vorhandene Heil:

Man kann erkennen, wer ein Kind Gottes und wer ein Kind des Teufels ist: Wer nicht das Rechte tut, stammt nicht von Gott, und wer seinen Bruder und seine Schwester nicht liebt, auch nichtJeder, der seinen Bruder oder seine Schwester hasst, ist ein Mörder. Und ihr wisst, dass das ewige Leben nicht in einem Mörder bleiben wird. ” (1.Joh 3,10)

Auch hier ist sicherlich eine ähnliche Einschränkung wie bei der Vergebung zu machen: Menschen, denen es gut geht und die aus Selbstherrlichkeit und Pharisäismus heraus auf anderen herumtrampeln, sollen sich fürchten und vorsichtshalber mit ihrer Bosheit aufhören. Menschen, dagegen, die auf grausame Misshandlung mit dem Wunsch nach gerechter Vergeltung reagieren (Offb. 6,9-10), haben das Mitgefühl Jesu.

Gleichwohl wünscht Jesus sich, dass auch diese Gläubige ihren Hass überwinden können, denn Hass ist destruktiv und zerstört oft den, der hasst, schneller als den, der gehasst wird.

Wer Mitmenschen immer wieder missbraucht, schädigt und verletzt, sollte sich ebenfalls Sorge um sein Heil machen:

Wisst ihr denn nicht, dass ungerechte Menschen keinen Platz in Gottes unsichtbarer Welt haben werden? Täuscht euch nicht: Menschen, die in Sexgier auf Kosten anderer leben, Ehrfurcht vor falschen Göttern haben oder ihren Partner betrügen, Lustknaben und Knabenschänder, Diebe oder Habsüchtige, Trinker, Lästerer oder Räuber werden keinen Platz im Reich Gottes haben.” (1.Kor 6,9-10)

Der Gläubige investiert in den Glauben, der ihm kostbar ist. Ein Glaube, in den überhaupt nichts (!) investiert wird, ist nicht echt und auch nicht kostbar:

Denn es gibt viele, vor denen ich euch schon oft gewarnt habe und es jetzt unter Tränen wiederholen muss. Durch ihr Verhalten zeigen sie, dass sie Feinde der Kreuzesbotschaft von Christus sind. Sie werden im Verderben enden, denn ihr Bauch ist ihr Gott, und sie sind stolz auf das, was sie Schändliches tun. Sie denken nur an die irdischen Dinge. Doch wir haben unser Bürgerrecht im Himmel. ” (Phil 3,20)

Denn wenn ihr euer Leben von eurer alten sündigen Natur bestimmen lasst, werdet ihr zugrundegehen. Wenn ihr aber durch den Geist die Interessen und Vorlieben dieser alten Natur tötet, werdet ihr leben. Nur diejenigen, die sich der Führung durch den Geist Gottes unterstellt haben, sind Kinder Gottes. Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, dass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir „Abba !“, Vater, zu Gott sagen. So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn wir aber Kinder sind, dann sind wir auch Erben, Erben Gottes und Miterben mit Christus, die jetzt mit ihm leiden, um dann auch an seiner Herrlichkeit teilzuhaben.” (Rö 8,13-17)

Ich möchte lernen, was es heißt, mit ihm zu leiden und in ihm zu sterben, um dann auch unter denen zu sein, die aus den Toten heraus auferstehen werden.” (Phil 3,10)

Heiligung ist eine Einstellung, um die sich der Mensch, der den Heiligen Geist hat, trotz aller Unzulänglichkeit immer wieder neu bemüht. Der in ihm wohnende Geist „treibt“ (Rö 8,14) oder motiviert ihn dazu.

„Immer wieder neu“ – das ist das Entscheidende. Eine quantitative Hürde, eine Notwendigkeit, eine bestimmte „Mindestmenge“ an Gebotserfüllung nachzuweisen, gibt es nicht. Es heißt ausdrücklich: „wenn Gott uns mit sich versöhnt hat durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, wieviel mehr werden wir gerettet durch das Leben seines Sohnes, nachdem wir nun versöhnt worden sind.“ (Rö 5,10) Die Erlösung ist ganz und gar auf Christus gegründet, nicht nur auf seinen stellvertretenden Opfertod, sondern auch auf sein Leben und Wirken als Freund und Fürsprecher (siehe auch: „Kann ein Christ wieder verlorengehen ?„)

Das Wiederholen von Sünde kann das Heil nicht zerstören. Selbst wenn der Gläubige siebenmal dieselbe Sünde begeht, soll sein Mitchrist ihm vergeben. Ja, Jesus erwartet sogar, dass er „siebenmal siebzig mal“ vergibt. (Mt 18,22) Wieviel mehr wird Gott das tun!

Es ist ein naheliegender Fehlschluss, dass ein Gläubiger, der die im folgenden genannten Sünden über lange Zeit getan hat, sich damit vom Heil ausgeschlossen hätte. Sobald er die Sünde bereut und Umkehr wünscht, „ist Freude im Himmel über ihn mehr als über hundert Gerechte.“ (Luk 15,7). Diese Freude wird umso größer sein, je länger er in die Irre ging. Manche befürchten, dass langes Sündigen nur halbherzige Vergebung zu Folge hat. Das Gegenteil ist wahr: „wo die Sünde mächtig geworden ist, ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ (Rö 5,20) Das ist gewisslich wahr. Wer bereut, darf sich immer darauf verlassen: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Jo 6,37)

Wer überhaupt keinen Wunsch nach Heiligung verspürt, ist noch nicht zu Jesus gekommen, auch wenn er sich vielleicht religiös engagiert. Von solchen Leuten sagt der Prophet: „Dies Volk naht sich mir immer nur mit dem Mund und ehrt mich immer nur mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.“ (Jes 29,13) An solche Menschen richten sich die folgenden Warnungen:

Die Tür ist eng. Setzt alles dran, hineinzukommen! Denn ich sage euch: Viele werden es (zu spät) versuchen, aber es wird ihnen dann nicht mehr gelingen. Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Haustür abgeschlossen hat, werdet ihr draußen stehen, klopfen und bitten: ‚Herr, mach uns auf!’ Doch er wird euch antworten: ‚Ich kenne euch nicht und weiß auch nicht , wo ihr her seid.” (Luk 13,24-25)

Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer sich im Kampf bewährt, dem werde ich im Paradies Gottes vom Baum des Lebens zu essen geben.“ (Offb 2,7)

Wer hören will, achte auf das, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer sich im Kampf bewährt, dem wird der zweite Tod nichts anhaben können.“ (Offb 2,11)

Wer sich im Kampf bewährt, wird mit einem weißen Festgewand bekleidet werden. Ich werde seinen Namen nicht aus dem Buch des Lebens streichen, sondern mich vor meinem Vater und seinen Engeln zu ihm bekennen.” (Offb 3,5)

Wer sich im Kampf bewährt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen und er wird diesen Platz für immer behalten. Ich werde ihn mit dem Namen meines Gottes kennzeichnen und mit dem Namen der Stadt meines Gottes…” (Offb 3,12)

Und wer sich nicht im Kampf bewähren will, ja noch nicht einmal kämpft…

… wird der auch im Paradies vom Baum des Lebens essen, vor dem zweiten Tod bewahrt bleiben, mit einem Festgewand bekleidet werden, im Buch des Lebens stehen und seinen Platz im Himmel für immer behalten ?

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Hölle

1. Im Alten Testament gibt es keine Hölle
2. Erst Jesus warnt vor der Hölle
3. Die Warnung vor der Hölle ist ein unüberhörbarer Aufruf zur Selbstprüfung
4. Vermittelt die Hölle den Eindruck göttlicher Unbarmherzigkeit, wird die Einladung eher wirkungslos.(Missionsparadox)
5. Höllische Kurzschlüsse
6. Seltsame Kriterien für den Eintritt in das Reich Gottes

7. Gute Nachricht – die Hölle betreffend !
8. Die Hölle ist Nebensache
9. Befreiende Wirkung der Hölle bei Paulus

Die Hölle ist ein Ort in der unsichtbaren Welt, der für die Aufbewahrung des unverbesserlich Bösen vorgesehen ist. In der unsichtbaren Welt Gottes, dem Himmel, werden seine Gläubigen unbelastet und frei von allem Bösen leben können: “Ich hörte eine laute Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das, was vorher war, ist vergangen.” (Offb 21,3-4)

 

1. Im Alten Testament gibt es keine Hölle

Im Alten Testament ist die Hölle unbekannt, obwohl es bei dem Propheten Jesaja eine Andeutung in dieser Richtung gibt (Jes 66,24).

Doch hat man sich dort sicher auch schon Gedanken gemacht, was denn mit Menschen nach dem Tode geschieht. Denn das Alte Testament lehrt keinesfalls, dass mit dem Tode alles aus ist. Wer starb, wurde zu seinem Volk (5.Mo 32,50) oder “zu seinen Vätern versammelt”. Dieser Ausdruck wurde auch für ganz gottlose Menschen gebraucht (1.Kö 14,31 / 15,8). Dass es zu einer entgültigen Trennung vom Volk Gottes kommen könnte, wurde hier noch nicht gesehen. Auch wird berichtet, das Henoch und Elia in die unsichtbare Welt aufgenommen wurden, ohne zu sterben (1.Mo 5,24 / 2.Kö 2,11). Wohin sind beide wohl gekommen? Wohin kommen dann die, die zeit ihres Lebens schädliche Menschen und Verächter Gottes gewesen sind?

Es erstaunt ziemlich, dass diese Fragen, die sich doch zwangsläufig stellen, im alten Testament nirgends ausgeführt werden.

Besonders die Propheten haben von der Auferstehung berichtet: “Doch deine Toten
werden leben, die Leichen meines Volkes werden auferstehen! Wacht auf und jubelt, Bewohner des Staubs! Du, Herr, bist wie ein belebender Tau; darum gibt die Erde die Toten heraus.” (Jes 26,19). Es geht also irgendwie weiter mit einem neuen Körper und nicht etwa als Geistwesen oder gar als unpersönlicher Bestandteil einer Weltseele. Der Prophet Daniel empfängt die Verheißung, dass er nach seiner Auferstehung sein Erbteil, eine Belohnung empfängt (Dan 12,13). Erben kann man nur als Person.

Mehr sagt das Alte Testament nicht.

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2. Erst Jesus warnt vor der Hölle

Jesus erst hat den Gläubigen die Nachricht gebracht, dass es einen Ort gibt, an dem sich der Mensch, der sich gegen Ihn, den Sohn Gottes entschieden hat, eines Tages wiederfindet, ein Ort, an dem er unwiderruflich von Gott getrennt bleibt.

Dieser Zustand, in dem man Gott zu spät als den eigentlichen Urheber all dessen, was wir als Liebe, Freude, Schönheit und Würde wahrnehmen, erkennt und zugleich erkennt, dass man für immer von dieser Quelle abgeschnitten ist, ist so schrecklich, dass ihn Jesus und die Apostel mit dem Schmerz des Verbrennens verglichen haben (Mt 25,41 / Lk 16,24 / Jo 15,6 / Hebr 10,27).

Jesus ist derjenige, der die “Schlüssel der Hölle” (Offb 1,18) besitzt und dem der Gott, der Vater, alles Gericht übertragen hat (Jo 5,22). Es gibt also weder Erlösung, noch Verurteilung ohne Einbeziehung der Person Jesu Christi. Er ist das “A und das Z, der Erste und der Letzte, der Anfang und die Vollendung” (Offb 22,13) der Heilsgeschichte.

Deshalb entscheidet die Stellung, die der einzelne Mensch zu Jesus Christus einnimmt, darüber, ob er in der Zukunft zu Gottes Volk gehören wird oder nicht. “Achtet darauf, dass ihr nicht den zurückweist, der jetzt zu euch redet.” (Hebr 12,25)

Mit Brachialgewalt wird der jahrhundertealte Wahn endgültig zertrümmert, dass ein Mensch automatisch Gott gefallen und von ihm bevorzugt werden würde, weil er zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft bzw. zum jüdischen Volk gehöre. Die Propheten haben das schon wiederholt erwähnt: „Seid ihr etwas Besseres als die Leute von Nubien, ihr Israeliten? “, spricht Jahwe . „Gewiss habe ich euch aus Ägypten geführt, aber auch die Philister aus Karmel und die Syrer aus Kir.” (Amos 9,7 / NeÜ)

Jahrhunderte später wird Jesus immer noch mit diesem Wahn konfrontiert: “Ihr beruft euch auf Abraham als euren Vater? Wenn ihr zu Abraham gehören würdet, würdet ihr euch wie er verhalten.” (Jo 8,39) Johannes der Täufer sagte: “Gott kann Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.” (Lk 3,8)

Dieser Wahn hält sich in vielen Varianten bis heute. Menschen glauben, zu Gott zu gehören, weil sie sich einer bestimmten Glaubensgemeinschaft angeschlossen haben, weil sie zu einer Kirche gehören und regelmäßig Kirchensteuer zahlen.

Wer sicher sein will, in der Zukunft zu Gottes Volk zu gehören, muss Jünger und Freund Jesu Christi sein wollen. (Joh 15,14) Niemand kann sich hinter einer Gruppe verstecken. Jeder entscheidet für sich allein.

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3. Die Warnung vor der Hölle ist ein unüberhörbarer Aufruf zur Selbstprüfung

Die Warnung vor der Hölle ist der lauteste, brutalste Weckruf, der vorstellbar ist. Er spiegelt wieder, wie unvorstellbar taub der Mensch normalerweise gegenüber dem Reden Gottes ist. Die Lebensgeschichte Jesu zeigt uns dasselbe: manche Menschen bleiben stocktaub, obwohl sie nur die Hand auszustrecken und den Sohn Gottes zu berühren brauchten, der tatächlich zu ihnen gekommen ist. Es gibt Menschen, die darauf verzichten, ihn anzurühren, um gesund zu werden und stattdessen lieber seine Feinde werden. Die Barmherzigkeit zum Greifen nah – aber dennoch entscheiden sich Menschen gegen sie.

Der Warnruf, der allen ausnahmslos gilt, stört Selbstzufriedenheit und Pharisäismus erheblich. Er fördert im Gläubigen eine grundsätzliche Bereitschaft zur Selbstprüfung.

Dabei geht es in erster Linie um die Frage, ob der Gläubige schon dieses Leben sich oder anderen zur Hölle macht. Wenn der Gläubige hofft, dass Gott mit ihm barmherzig verfährt und ihn im Himmel willkommen heißt, dann darf er gegenüber einem Mitchristen nicht erbarmungslos handeln.

Wertschätzung der Barmherzigkeit ist eine unerlässliche Bedingung für den Eintritt ins Reich der Barmherzigkeit, den „Himmel“.

Daraus folgt aber auch: im Nachdenken über die Hölle muss eine völlig überzeugende, unbezweifelbare Barmherzigkeit zu erkennen sein.

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4. Vermittelt die Hölle den Eindruck göttlicher Unbarmherzigkeit, wird die Einladung eher wirkungslos. (Missionsparadox)

Der Gläubige nimmt dann wahr:

a) eine destruktive Wirkung auf die sozialen Beziehungen:
Was für eine verzweifelte Aufgabe wäre das, wenn der Gläubige mit äußerstem Einsatz in der Missionsarbeit der uferlosen Grausamkeit Gottes entgegenzuarbeiten hätte.
Diese Zwangslage kann den Gläubigen, der um seine unbekehrten Familienmitglieder fürchtet, sehr leicht in einen Zustand chronischer Depression bringen. Zudem würden
die sozialen Beziehungen durch panische Missionsbemühungen vergiftet. Ein zwangloses und harmloses Miteinander wäre gar nicht mehr möglich.

b) eine destruktive Wirkung auf den Charakter:
Es ist ein unerträglicher Widerspruch: wenn Gläubige eifrig mit der „frohen Botschaft“ werben, aber sich zugleich aufgrund ihrer Unvollkommenheit mit der Hölle bedroht
fühlen. Es wird aber manchmal nicht als Widerspruch gesehen, vielmehr dient das Missionieren dazu, kompensierende Verdienstpunkte zu sammeln, mit denen die eigene
Angst ein Stück weit abgebaut wird. Dies lässt sich mit Bibelstellen rechtfertigen: „Wenn du mit deinem Munde Jesus bekennst … so wirst du gerettet.“ (Rö 10, 9) De
facto ist dieses „Zeugnis“ Propaganda. Nicht die Freude über die Barmherzigkeit Gottes, sondern die Angst vor seiner maßlosen Grausamkeit wäre das Motiv. Diese Angst
wird dem Menschen, den man „einladen“ möchte, verheimlicht. Er wird mit falschen Vorstellung in eine System hinein gelockt, dass ihn sehr bald in dieselbe Zwangslage
bringen wird. Das ist absolut unfair. Dieses Verhalten hätte verheerende Wirkung auf den eigenen Glauben und auf die eigene Sicht des göttlichen Charakters ! Es steht in klarem Widerspruch zum Qualitätsmaßstab der Ehrlichkeit. Das Missionieren ist in diesem Fall unzulässig. Je schlechter das Gewissen wegen unzulässiger Mission plagt, desto größer wird die Angst um die eigenen Familienmitglieder (siehe a) sein.

Für beide negativen Wirkungen braucht es also große „Gegengewichte“.

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5. Höllische Kurzschlüsse

Wir kennen alle diese Fragen: Was geschieht mit den Millionen von Menschen, die noch nie von Jesus gehört haben ? Was geschieht mit denen, die dank ihrer Erziehung sich nie für Jesus interessiert haben ? Was geschieht mit denen, die vom Christentum zeitlebens eine durch bigotte und scheinheilige Frömmler geprägte Vorstellung hatten? Was geschieht mit denen, die nur kurz gelebt und gar nicht viel Entscheidungszeit gehabt haben ?

Wir sind geneigt, das Konzept der Hölle auch des Himmels dem göttlichen, überlogischen Verantwortungsbereich zuzuordnen. Das heißt, dass der Mensch nur die Aspekte verstehen kann, die ihm das Wort Gottes in irgendeiner Weise erläutert.

Hier hat man leider mit dem Nachdenken sehr oft zu früh aufgehört und sich mit dem Argument der „Unerforschlichkeit Gottes“ vorschnell zufriedengegeben. Wenn dank dem gern gebrauchten Totschlag-Argument der „göttlichen Unerforschlichkeit“ die nötigen Gegengewichte nicht erschlossen werden, die negative Wirkungen des Höllengedankens auffangen können, so bleibt der Gläubige in seinem Dilemma, in seinen Befürchtungen gefangen. Die Hölle wird verdrängt, ohne dass eine konstruktive Einordnung gelingt.

Es gibt viel mehr in diesem Bereich, dessen Gläubige absolut gewiss sein dürfen. Wer den Charakter Jesu kennt, weiß, dass die destruktiven Wirkungen des Höllengedankens absolut unerwünscht sind und auch nicht von Jesus „für höhere Zwecke“ in Kauf genommen werden. Jeder Gläubige, der die Qualitätsmaßstäbe Jesu respektiert als Gebote höchster Priorität, kennt den Charakter Jesu gut und muss sich deshalb nicht mit quälenden Zweifeln herumplagen. Er weiß, dass Jesus niemals unbarmherzig, unfair oder unehrlich handeln wird. Besonders die Barmherzigkeit kommt im Verhalten Jesu zum Ausdruck. Sie ist der absolute, typische und höchstrangige Maßstab.

Auch in der Beantwortung der obigen Fragen wird Barmherzigkeit der oberste Maßstab sein. Dieser Maßstab gibt vor, wie andere – insbesondere entmutigende – Bibelworte einzuordnen sind.

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6. Seltsame Kriterien für den Eintritt in das Reich Gottes

Wer darf in den Himmel kommen ? Schon in der Sonntagschule lernt man, was die Voraussetzung für die Errettung ist: der Glaube an Jesus Christus. „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht“ (Joh 3,36). Doch was ist richtiger Glaube ? Im Bemühen, die „Sache ganz festzumachen“, wird ein Hingabe- bzw. „Übergabe-Gebet“ empfohlen, das die eigene Glaubensbereitschaft zum Ausdruck bringt.

Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, geht auch die ernstgemeinteste „Übergabe“ mit bleibender Unvollkommenheit einher – d.h. einzelne Gebote werden in der Regel konsequent ignoriert, obwohl ihnen eine gewisse Bedeutung nicht abgesprochen werden kann. Eine bedenkliche, negative Sicht ließe sich mit dem Bibelwort begründen: „Nicht alle, die Herr Herr sagen, werden ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen Gottes tun“ (MT 7,21) Dem steht entgegen, dass auch Gläubige in den Himmel kommen, die „geringe Gebote aufgelöst und die Menschen entsprechend belehrt“ haben. (Mt 5,19)

Das bedeutet konkret, dass Unvollkommenheit keine Gefährdung des Heils heraufbeschwört. Allenfalls ist geringerer Lohn, geringeres Lob zu erwarten. (1.Kor 3)

Anschließend warnt Jesus, dass Menschen, die keine bessere Gerechtigkeit haben als die der Pharisäer, nicht ins Himmelreich kommen werden. (V.20) Diese Warnung ist eindrücklich, aber nicht so ohne weiteres klar. Im folgenden werden zwei konkrete Fehlverhaltensweisen mit der Hölle bedroht: der Hass gegen den Bruder und Ehebruch. Die Verbot häufigen Schwörens und das Gebot der Bereitschaft, sich übervorteilen zu lassen, ja seine Feinde zu lieben, werden nicht mehr mit einer Strafandrohung verbunden. Wir ziehen daraus den Schluss, dass der Gläubige den Sünden der Triebhaftigkeit auf Kosten anderer und der Sünde der Unversöhnlichkeit Widerstand leisten muss. (Dabei sollte er sich nicht in das werkgerechte Missverständnis einer rigiden Sexualmoral bzw. einer Pflicht zur Rechtlosigkeit hineinziehen lassen, mit dem er sich selbst erheblich schadet.)

Eins ist auch sicher: das Bemühen um die vollkommene Gesetzeserfüllung mit dem Ziel, sich vor der Hölle zu schützen, ist nicht nur zum Scheitern verdammt, sondern auch glaubenszerstörend und deshalb verboten. (Gal 5,4)

Jesus weist uns zwar auf die Notwendigkeit der Taten hin – aber dennoch lässt sich die Errettung nur schwer an einer zufriedenstellenden Erfüllung von Geboten festmachen.

Barmherzigkeit sollte jedoch unbedingt im Leben des Gläubigen vorhanden sein: „es wird ein unbarmherziges Gericht ergehen über den, der nicht Barmherzigkeit getan hat.“ (Jak 2, 13) „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ (Mt 5,7) Barmherziges Handeln ist Beachtung des wichtigsten Gebotes Jesu und hat höchste Priorität. Der römische Hauptmann Kornelius wurde von Gott beschenkt, weil er barmherzig mit den Juden umging, die ihm ein hohes Lob ausstellten. Petrus sagte dazu: „Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht. Jeder in jedem Volk ist ihm lieb und teuer, der Ehrfurcht vor ihm hat und recht tut.“ (Apg 10,34) Auch der äthiopische Finanzminister kannte Jesus nicht, aber er sehnte sich nach Gott und machte eine Reise zum jüdischen Tempel. (Apg 8) Was wäre geschehen, wenn er auf dieser Reise gestorben wäre, ohne von Jesus zu erfahren ? Wäre er in die Hölle gekommen, weil er kein „Übergabegebet“ an Jesus gesprochen hätte ? Absurd !

Das können Menschen in jedem Volk und in jeder Religion: an einen Gott glauben, der Barmherzigkeit und Fairness liebt und sich entsprechend verhalten.

Erfahrungsgemäß haben Menschen, die selbst Unglück erlitten haben und arm sind, eher Mitgefühl mit Menschen, die leiden müssen, als Menschen, die keine Not kennen.
Deswegen sagt Jesus ganz pauschal: „Selig sind die Traurigen, denn sie sollen getröstet werden.“ (Mt 5,7)

Priester und Levit waren rechtgläubig und gingen an dem Verletzten vorbei, der Samariter, dessen Glaube zum Teil heidnisch war, erbarmte sich und erlangte das Wohlgefallen Jesu. (Luk 10,31-33)

Kinder haben prinzipiell einen Platz im Himmel, ohne dass eine Taufe oder ein Bekenntnis zur Voraussetzung gemacht wird: „Lasset die Kinder zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Mt 14,19)

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7. Gute Nachricht – die Hölle betreffend !

Ein wichtiger Gesichtspunkt wurde bisher übersehen: Gott entscheidet nicht allein über Himmel und Hölle. Nach dem Tode sind Gläubige Teil des „Richterkollegiums“. Wisset ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden ?“ (1.Kor 6,2) Ja, die Befugnisse gehen noch viel weiter: auch das Gericht über die Engel wird den Gläubigen anvertraut. (V.3) „Siehe, der HERR kommt mit vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Gottlosen um alle Werke ihres gottlosen Wandels, womit sie gottlos gewesen sind, und um all das Harte, das die gottlosen Sünder wider ihn geredet haben.“ (Jud 14-15)

Eins ist sicher: Gott wird im Gericht nie über den Kopf seiner Gläubigen hinweg entscheiden.

Zuvor erscheinen diese Gläubigen selbst vor dem Richterstuhl Christi – aber nicht zum Gericht, sondern zur Feststellung ihres Lohnes (1.Kor 3, 14-15) und ihrer Befugnisse. (Luk 19,17)

Wer über Barmherzigkeit urteilen will, dem muss Barmherzigkeit natürlich selbst in seinem Leben kostbar gewesen sein. Es gibt leider Gläubige, die so wenig barmherzig
mit anderen verfahren sind, dass ihnen keine nennenswerten Befugnisse anvertraut werden können. Fehlt Barmherzigkeit gänzlich im Leben eines Gläubigen, so wird ihn
Jesus eines Tages ungeachtet aller Lippenbekenntnisse vom Himmel ausschließen. (Mt 24,48)

Das ist das Wunderbare: wer zum Richterkollegium gehören will, muss sich durch ein besonderes Niveau an Barmherzigkeit in seinem Leben qualifiziert haben.

Schon jetzt spielt das Verfahren Jesu, das Urteil von Gläubigen in den endgültigen Richterspruch einzubeziehen, eine wichtige Rolle (siehe Hilfen für Gläubige, die sich vor der unvergebbaren Sünde fürchten).

Jetzt quält auch die Sorge um die Verwandten und Freunde nicht mehr. Jeder Gläubige hat das Recht, im Leben des Verwandten nach Barmherzigkeit zu suchen und dann für ihn zu sprechen. Dem Hindu oder Moslem, der nicht Christ möchten werde, weil er nicht von seinen Verwandten, die nicht an Jesus glaubten, getrennt sein möchte, kann man
sagen: dies ist doch umso mehr ein Grund, Christ zu werden, denn dann kannst du im Gericht für sie sprechen. Da die Gläubigen Freunde Jesu sind (Joh 15,15), hört Gott
auf diese Bitten, wie er auf Abraham hörte, der für die Leute in Sodom und Gomorrha bat. (Gen 18,23 ff) Jesus vergab dem Gelähmten, weil er den Glauben seiner Freunde (!) sah. Vom Glauben des Gelähmten wird nichts berichtet. (Markus 2,5) Er hätte doch hier mit erwähnt werden können. Möglicherweise kann auch stellvertretender Glaube retten.

Es gibt viele Aussagen in der Bibel über die Barmherzigkeit Gottes, die mit allen Menschen zur einem guten Ziel kommen will. (Details !)

Das sind wirklich starke Gegengewichte !

Leider verstehen etliche Gläubige unter den „10 Städten“, die dem fleißigen Gläubigen anvertraut werden (Luk 19,17), immer noch irgendeinen administrativen Job, ein „Bürgermeisteramt“, das ihnen in der Zeit des 1000-jährigen Friedensreiches angeboten wird. Angesichts der viel wichtigeren Frage nach ausreichenden Gegengewichten zu einem destruktiven Verständnis des Höllengedankens ist das wirklich „kalter Kaffee“ – auch wenn es gewisse Leute gibt, die eine politische Karriere als viel wichtiger und vielversprechender empfinden als die Klärung dieser Frage. Sollte diese Haltung uns Vorbild sein ? Besser nicht ! Auch passt die Information, dass Gläubige über Engel richten werden, nicht dazu.

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8. Die Hölle ist Nebensache

Trotz des durch Mark und Bein gehenden Aufweck-Effekts ist die Hölle in der Bibel Nebensache.

Die Schönheit und Würde des Lebens in der Kraft Jesu, die Befreiung von Schuld und Gewissensnot, eine positive charakterliche Entwicklung und die ungetrübte Vorfreude auf den Himmel sind die Hauptsache. All das motiviert dazu, dass sich Menschen Jesus Christus anvertrauen und ihr Leben seiner Führung unterstellen wollen.

Die Furcht vor der Hölle oder vor der Strafe Gottes ist bei manchen Menschen ein Motiv, Christ zu werden. Sie ist aber ein sehr schlechtes Motiv, um wie ein Christ zu leben, weil Gott sich vom Gläubigen die lebendigen Früchte des Geistes erhofft und nicht deprimierende Werkgerechtigkeit. Seine Jünger sollen freie Menschen sein. “Zur Freiheit hat er sie befreit“. (Gal 5,1) Es dient nicht seiner Ehre, aus seinen Jüngern geknechtete und eingeschüchterte Menschen zu machen.

Ein gutes Motiv ist die Erkenntnis, dass das bisherige Leben ohne Jesus schon eine Art Hölle ist, in der göttliche Freude und Liebe fehlt. Es ist der Wunsch Jesu, dass alle seine Gläubigen von Seiner Freude und Seinem Frieden erfüllt sind. (Jo 15,11 / Rö 14,17)

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9. Befreiende Wirkung der Hölle bei Paulus

Die Warnung vor der Hölle hatte in der Theologie des Paulus eine völlig unerwartete BEFREIENDE (!) Wirkung.

Die unendlich hohen Forderungen Jesu (Mt 5,48: “Vollkommenheit”) in Verbindung mit einer erstmalig unendlich hohen Bestrafung (Mt 25: “ewige Verdamnis”) führten den Kollaps der werkgerechten Frömmigkeit des Phariser Paulus herbei.

Paulus war von fanatischem Eifer für das mosaische Gesetz erfüllt. Das mosaische Gesetz verhieß Segen für ausnahmslose Erfüllung seiner Gebote und Fluch für den Fall der Nichterfüllung. Der Pharisäer Paulus glaubte sich gesegnet und war mit dem Niveau seiner Gesetzeserfüllung zufrieden.

Das änderte sich, als ihm Jesus in einer strahlenden Erscheinung begegnet war. Er traf die Entscheidung, sich diesem Jesus, den er nun als den verheißenen Retter erkannte, zu unterwerfen. Es lag allzu nahe, zunächst die Gebote Jesu zu halten, so wie er die mosaischen Gebote gehalten hatte, um sich des göttlichen Segens zu versichern (Werkgerechtigkeit).

Da gab es nur ein kleines Problem: Jesus forderte von seinen Jüngern Vollkommenheit (Mt 5,48), die Bereitschaft zum totalen Selbstopfer: “wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen” (Mt 10,39 / 16,25). Jesus erwartete völlige Selbstlosigkeit.

Paulus scheiterte an den Forderungen Jesu sowohl was die Quantität als auch die Qualität seiner Leistung betraf.

Zur Quantität: Ausdrücklich spricht das mosaische Gesetz davon, dass “alle Gebote” ausnahmslos zu erfüllen sind (5.Mo 27,26). Nur dann wird die Verheißung wirksam. Paulus erkannte: schon die quantitative Erfüllung ist unmöglich, da Jesus Vollkommenheit fordert. (Gal 5,3) Deshalb ist die Verheißung, die das Gesetz in Aussicht stellt, ein Bluff. Sie ist im Grunde genommen ein Todesurteil für jeden Menschen, da keiner es schafft, das Gesetz zufriedenstellend zu erfüllen.

Zur Qualität: Jesus wollte aufrichtige Liebe bei seinen Jüngern, echte Liebe, die freiwillig das Gute um seiner selbst willen tat. Eben das war Paulus nicht möglich, da er ja das Gute tun musste, um eine unendlich schwere Strafe von sich abzuwenden. Schon deshalb musste er am Gesetz verzweifeln (Rö 7).

Auch wenn die zwölf Jünger sich gelegentlich über die Strenge Jesu sehr erschrocken haben (Mt 19,25), so verzweifelten sie dennoch nicht. Sie sahen Jesus jeden Tag und kannten ihn sehr gut. Es war für sie gar keine Frage, dass ihr Meister ihnen die Treue halten würde.

Paulus war der erste Apostel, der nicht an der Seite Jesu wanderte. Da er Jesus nur kurz begegnet war, konnte er keine klare Vorstellung vom Charakter Jesu bilden und war deshalb dem ganzen Schrecken einer unendlich strengen Strafe ausgesetzt.

In den Jahren der Stille, die auf seine Bekehrung folgten, wurde ihm aber klar, dass Jesus für ihn einen Ausweg aus dem Dilemma hatte und dass dieser Ausweg auch die Not mit dem Gesetz für die ganze Gemeinde ein für allemal vermeidbar machte.

Nun wird von manchen Theologen sehr viel Unsinn über Paulus geschrieben. Manche sind ja der Ansicht, dass der Gläubige grundsätzlich erst einmal am Gesetz verzweifeln muss, “um zur Gnade durchzudringen”. Das ist Unsinn! Paulus war diese Not zuzumuten. Es war für ihn nicht ungerecht, denn er war für viel Leid und Not verantwortlich, die er durch Verfolgung über die Gemeinde gebracht hatte.

Wenn Gläubige am Gesetz verzweifeln, so ist dies unfair und ungerecht! Denn man hat sie zum christlichen Glauben eingeladen mit der Zusage, dass Jesus das Schuldproblem zuverlässig lösen würde. Wenn sie dann Christen werden, Christus nachfolgen wollen, aber sich ständig überfordert und unter Druck gesetzt sehen und in dieser Verzweiflung ihre Nerven verschleißen, dann werden sie sich zu Recht als betrogen betrachten. Die Verzweiflung am Gesetz ist schon deshalb ungerecht, weil sie fast immer die Falschen trifft (Sorgfaltsparadox).

Kein Christ muss dank der Erkenntnisse des Paulus mehr am Gesetz verzweifeln. Verzweifelt er doch, dann ist ihm durch unberufene Theologen falsche Lehre vermittelt worden.

Jesus machte Paulus klar, dass die Verdienstlogik nicht funktioniert und auch noch nie funktioniert hat, d.h. auch zu Zeiten des mosaischen Gesetzes nur eine fromme Illusion gewesen ist. Es ist eine Sünde, auch nur ein einziges Gesetz aus falschen Motiven zu erfüllen, beispielsweise um sich selbst vor der Strafe Gottes zu retten. Liebe ist das höchste Gebot und wer wirklich liebt, tut nichts aus Eigennutz (1.Kor 13,5).

Ein einziger hat das Gesetz erfüllt, das ist Jesus Christus (Jo 8,46). Und der Gläubige, der sich mit Jesus Christus verbindet, sich ihm anvertraut, dem wird all das, was Christus tat, zugerechnet (Rö 4,11 / Gal 3,6). Die Rechnung ist bezahlt: für gestern, heute und morgen.

Mit Christus verbunden sein, heißt aber, dem heiligen Geist, der jedem Gläubigen geschenkt wurde, Raum geben, bereit sein, sich von ihm zeigen zu lassen, wo man den Willen Gottes freiwillig, aus Überzeugung und aus uneigennütziger Liebe tun kann (Heiligung). Diese Haltung stärkt die Glaubensgewissheit, die Gotteserkenntnis und die Glaubensfreude und die Verbundenheit mit anderen Christen.

Ohne die Worte Jesu von der Hölle hätte Paulus dieses neue Konzept niemals erkannt, sondern das Evangelium von Jesus Christus einfach im alttestamentlichen Sinne missverstanden.

Auch heute fällt es manchen Theologen schwer, sich von solchen Missverständnissen zu lösen. (siehe “Giftige Theologie“)

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Inspirationsmodell, schöpfungsgemäßes

Die Bibel ist ein einzigartiges Buch. Sie informiert den Menschen über Geheimnisse, über Fakten der unsichtbaren Welt. Sie stammt aus Gottes Geist und kann nur mit Hilfe dieses Geistes verstanden werden. „Der natürliche Mensch aber versteht das, was der Geist Gottes will, nicht. Er hält es für eine Dummheit. Er kann den Wert nicht erkennen, was durch geistliches Urteilen möglich ist. Ein Mensch, der vom Geist Gottes geleitet wird, kann den Text richtig beurteilen und muss nicht befürchten, dass sein Urteil später von jemandem als Irrtum verworfen werden muss.“ (1:Kor 2,14-15)

Menschen interpretieren die Bibel nicht automatisch richtig, weil sie gläubig oder weil sie evangelikale Theologen geworden sind. Durch eigennützige Motive, mangelnde Reife, charakterliche Mängel kann der Heilige Geist stark „gebremst“ (1. Thes 5,19) und die Urteilskraft entsprechend eingeschränkt sein. Dann werden Gläubige Aussagen der Bibel falsch interpretieren, ohne die Schwächen ihrer Interpretation zu erkennen. Es ist zu beachten, dass Gott „Laienboten“ authorisieren kann, denen theologische Experten widersprechen.

Das heißt auch, dass die Methoden, mit denen üblicherweise Literatur erschlossen wird, hier nur teilweise – in Einzelfällen gar nicht – anwendbar sind. Eine möglichst eng am Wortlaut orientierte Interpretation kann in manchen Fällen falsch sein. Über die angemessene Art, mit der Bibel umzugehen, informiert uns diese selbst. Wenn wir die biblische Arbeitsweise akzeptieren, erkennen wir den hilfreichen und guten Sinn ihrer Aussagen.

Eine hilfreiche und lebensfördernde (Mt 4,4) Interpretation des biblischen Textes ist unmöglich, wenn alle Sätze gleiches Gewicht haben und insoweit Sätze mit gegensätzlichen Aussagen (Heilszusagen und Drohungen) sich gegenseitig entkräften oder aufheben. Eine hilfreiche und ermutigende Interpretation ist gleichermaßen unmöglich, wenn alle Sätze des neutestamentlichen Vertragstextes gleiches Gewicht habe. Konkurrieren zwei Aussagen miteinander, so muss ihre Rangfolge festgestellt werden („Polarität der Bibel) .

Die unterschiedliche Rangfolge biblischer Aussagen darf nicht willkürlich festgelegt werden. Zu einer eindeutigen, zuverlässigen Festlegung gelangt man nur mit Hilfe eines höheren, von der Heiligen Schrift authorisierten Ordnungsprinzips – den drei Qualitätsmaßstäben Jesu.

Auch das vom Schöpfer konzipierte biologische “Lebensbuch”, die Erbsubstanz, wird mit Hilfe übergeordneter Mechanismen ausgelesen. Um das Leben zu entwickeln und zu erhalten, werden Abschnitte des genetischen Codes nach einem sinnvollen Plan aktiviert („Fokussierungsstil„), zeitweilig deaktiviert oder ganz stillgelegt. Eine gleichzeitige und dauerhafte Aktivierung aller Abschnitte findet niemals statt. Ähnliches sehen wir auch bei der Bibel. (schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell)

Dieser Denkansatz ist ein „Modell“, eine Denkmöglichkeit, für die etliche gute Argumente sprechen, und kein Dogma. Mit diesem Modell ist es möglich, an der Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift festzuhalten und gleichzeitig offen zuzugeben, dass man bestimmte negativ wirkende Aussagen der Schrift kennt, sie nicht ignoriert, verschweigt oder verharmlost, aber sie mit niederem Rang einstuft, nicht eigenmächtig, sondern weil ein höherrangiges biblisches Prinzip den Gläubigen dazu authorisiert. Damit kann der Gläubige eine klare Grenze zur Propaganda ziehen – was ihn im Gespräch mit Andersdenkenden erheblich glaubwürdiger macht.

Die Bibel ist kein totes Buch. So wie im Lebensprozess Erbmolekül (DNS) und lebendige Zelle interagieren, so wird auch die Bibel nicht einfach passiv „gelesen“ und „analysiert“ wie andere Bücher, sondern sie reagiert auf den geistlichen Zustand des Lesers positiv oder negativ entsprechend seiner Einstellung. Sie kann nicht nur mitteilen, sondern auch Information zurückhalten („Selbstverstärkung„). Deswegen ist geistliche Disziplin des Lesers und Auslegers wichtig.

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Irrtumslosigkeit – ist dieses Schriftverständnis alternativlos ?

Sollte die Lehre der Irrtumslosigkeit alternativlos sein, d.h. das einzig erlaubte Schriftverständnis sein, um besser vor Unglauben zu schützen ?

Die Lehre von der Irrtumslosigkeit der Bibel wird der Gemeinde sehr oft als die für einen Gläubigen einzig mögliche und erlaubte Denkmöglichkeit präsentiert. Sie beansprucht, der wirksamste Schutz vor glaubenszerstörender Bibelkritik zu sein.

Es gibt jedoch einen weitaus effizienteren Schutz: die fünf Grundsätze der geistlichen Disziplin, die der fundamentalen Aussage über Inspiration in 2.Tim 3,16 entnommen werden können.

Mit ihrer Hilfe ist er Gläubige in der Lage zu erkennen, was allzumenschliche Lehre ist – vielleicht gutgemeint, aber eben mit menschlicher, begrenzter, fragwürdiger Autorität. Mit ihrer Hilfe erkennt der Gläubige auch, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit ein Denkmodell ist, eine Vereinfachung und Erleichterung des Denkens, auf jeden Fall etwas, dass menschlichen Ursprungs ist.

Was menschlichen Ursprungs ist, darf geprüft werden. „Der geistliche Mensch beurteilt ALLES.“ (1.Kor 2,16)

Deswegen kann es eine Pflicht zur gedankenlosen Übernahme der Irrtumslosigkeitslehre nicht geben, auch wenn viele Gläubige ihr denselben Rang der Unfehlbarkeit geben wie der Heiligen Schrift selbst.

Schützt nun die Lehre von der Irrtumslosigkeit am besten vor Unglauben ?

Leider kann man hier kein eindeutiges „Ja“ als Antwort geben.

Sicher erspart die Irrtumslosigkeitslehre dem Gläubigen, sich mit problematischen Bibelstellen zu befassen. Die Frage der Klärung wird auf später verschoben, an Gott selbst abgegeben. So kommt auf einfachste Weise – ohne jeden gedanklichen Aufwand – eine starke Beruhigung des Denkens zustande – was die Irrtumslosigkeitslehre attraktiv macht.

Ausgeblendet wird hier aber, dass es ethisch problematische Bibelstellen gibt, die sehr negative Rückschlüsse auf den göttlichen Charakter nahelegen.

Es sind Problemstellen, die auf exzessive Unbarmherzigkeit und willkürliche Grausamkeit Gottes schließen lassen wie 5.Mo 22,29 (Vergewaltiger muss Opfer heiraten), 5.Mo 25,12 (Hand der Frau abhacken), die pädagogisch verheerend und prophetisch-blind wirken wie 4.Mo 31,17,18 (Genozid-Befehle), Matth 27,25; Joh 5,16 (Sündenbock „die Juden“ im NT), oder nur grauenhafte seelische Qual bewirken wie Matth 12,36 („unvergebbare Sünde“) .

Die Beantwortung der Frage, wie ist Gott, gut oder ambivalent, zugleich gut und bösartig, können manche Gläubige nicht auf später verschieben, da sie für das Vertrauen in Gott und die Beziehung zu Ihm hier und jetzt Bedeutung hat.

Wird der Glaube nicht durch diese Stellen beunruhigt, so liefert die Irrtumslosigkeitsdoktrin dem Gläubigen Sicherheitsgefühle – ohne gedanklichen Aufwand.

Wird der Glaube bereits gestört oder ist noch gar nicht vorhanden, so wirkt die Irrtumslosigkeitsdoktrin nicht hilfreich, sondern eher schädlich.

Wenn Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin über Widersprüche in der Bibel sprechen, dann werden diese ethischen Problemstellen ausgeblendet und verdrängt,

Das ist sehr naiv, denn sie stellen das eigentliche Problem dar.

Man muss Kindern nicht alles Schlimme erzählen – ein bewährter pädagogischer Grundsatz.

Aber erwachsene „Gläubige sollen nicht wie Kinder, sondern auch wie Erwachsene denken.“(1.Kor 14,20) Das meinte jedenfalls der Apostel Paulus.

Auch auf einer theologischen Ausbildungsstelle, auf einer Hochschule mit wissenschaftlichem Anspruch hat dieser Grundsatz nichts zu suchen.

Auch gibt es Gläubige, die diese Stellen nicht verdrängen oder als unbedeutend abtun können.

Nicht sehen wollen, was jeder ohne weiteres sehen kann – dass ist ein klarer Verstoß gegen das Prinzip des ehrlichen Augenzeugen, auf dem der ganze christliche Glaube ruht (1.Kor 15,5-8 / 1.Joh 1,1).

Diese Unaufrichtigkeit führt bei vielen Menschen zu dem Fehlschluss, dass zum Glauben Selbstbetrug gehört, ja das Glaube Selbstbetrug ist. So kommt es zum „Rückprall“: das Interesse für den Glauben erlischt, sodass man sich mit den Inhalten des Evangeliums gar nicht mehr befasst.

In solchen Fällen wirkt die Irrtumslosigkeitsdoktrin glaubenszerstörend.

Innerhalb der Gemeinde mag bei vielen Gläubigen glaubensstärkend wirken. Doch sollte man nicht für eine Alternative offen sein, angesichts der verheerenden Wirkung nach außen ? Ist es nicht lieblos, hier stur zu sein ?

Auch etliche Gläubige, die erst die Segnungen der Irrtumslosigkeitsdoktrin genossen, haben allmählich die Schwächen dieser Doktrin erkannt. Sie haben eine Zeit lang noch frustriert und wider besseres Wissen an ihr festgehalten, immer in der Furcht den Glauben zu verlieren, bis sie schließlich einen Weg fanden, am Vertrauen in die Heilige Schrift festzuhalten ohne dieses Dogma.

Das schöpfungsgemäße Inspirationsmodell (Bibeltreue Update 2.0) ist ein solcher Weg, der ebenfalls Distanz zu glaubenszerstörender Bibelkritik bewahrt.

Die Vertreter der Irrtumslosigkeitsdoktrin behaupten gerne, dass das nicht möglich ist. Sie würden vielleicht bald anders reden, wenn sie die Grundsätze der geistlichen Disziplin beherzigen würden.

Diese entsprechen dem Geist Gottes, während die Irrtumslosigkeitsdoktrin ein Produkt des menschlichen Geistes ist, von Theologen erdacht und gerne verwendet, aber leider auch geeignet, Ängstlichkeit vor dem geistlich erwachsenen Denken (1.Kor 14,20) zu schüren und Gläubige in die Abhängigkeit von Theologen zu bringen.

Wer geistlich erwachsen denkt, kann erkennen:

1. Wenn man Gegenbeweise entkräften will, so muss man sich ehrlich den besten Argumenten stellen. Dieses Verhalten sucht man bei Vertretern des Irrtumslosigkeitsmonopols vergeblich.

Es werden immer nur formale Widersprüche untersucht und zu einem guten Teil aufgelöst. Die wirklichen Probleme – die ethischen Problemstellen, die die zentrale (!) Botschaft der Liebe fragwürdig werden lassen – werden ignoriert.

Ihr Tun gleicht dem Mann, der seinen irgendwo verlorenen Geldbeutel in der Abenddämmerung nur unter der Straßenlaterne sucht, weil er dort „das beste Licht zum Suchen“ hat.

2. Verdrängen und Herunterspielen beobachtbarer Fakten widerspricht dem fundamentalen biblischen Prinzip ehrlicher Augenzeugenschaft (1.Kor 15,5-8 / 1.Joh 1,1).

3. Das nachweisbare Phänomen des biblischen „Pauschalstils“ macht es unmöglich, nachzuweisen, dass der Gläubige ALLES in der Bibel zu glauben hätte.

4. Durch die Pflicht zur Verdrängung werden ganze Textteile, komplette Berichte in der Bibel im „No-Comment-Stil“ funktionslos – obwohl 2.Tim 3,16 ganz klar festgestellt hat, dass „ALLES in der Schrift der Erziehung zur Gerechtigkeit dienen“ soll.

5. Die Grundsätze der geistlichen Disziplin schützen den Glauben effizienter. Interessierte werden nicht durch einen obskuren, unglaubwürdigen Umgang mit Fakten abgestoßen.

Am Ende fragt man sich: was mag das Motiv dieser Theologen sein ? Wirklich die „Liebe zur Wahrheit“ (2.Thess 2,10) ?

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Vergleich der Inspirationsmodelle: Verbalinspiration (Chikago-Erklärung) versus schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell (Bibeltreue Update 2.0)

Verbalinspirationsmodell (Chikago-Erklärung):

Jedes Bibelwort ist vollkommen, absolut richtig, fehlerlos und von göttlicher Qualität.
Einzig mögliche Ausnahme: alle minderwertigen Aussagen sind ausnahmslos deutlich als Meinung fehlbarer Menschen oder des Satans markiert.

Wäre es nicht so, könne niemand mit Sicherheit wissen, ob Aussagen menschlich oder göttlich seien.

Dunkle Bibelstellen, die auf einen bösartigen, unbarmherzigen, teuflischen (so Luther!) Charakter Gottes schließen lassen, muss der Gläubige verdrängen, obwohl ihre
Gültigkeit und Vollkommenheit nicht angezweifelt werden darf.

Bibeltreues Update 2.0:

Die Bibel unterscheidet selbst zwischen Aussagen mit höchster und mit weniger wichtiger Bedeutung. Die Gebote der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Treue und Redlichkeit (Mt 23,23) haben die konkurrenzlos höchste Bedeutung und stehe daher als Maßstäbe für die Einordnung und Bewertung anderer Bibelstellen und sowie Bibelinterpretationen zur Verfügung. Der Gläubige hat nicht nur die Möglichkeit sondern das Recht, mit Hilfe des heiligen Geistes und dieser Maßstäbe solche Bewertungen vorzunehmen. „Er beurteilt ALLES.“ (1.Kor 2,16) Auf dieser Weise wird der Rang aller anderen Bibelstellen festgestellt und Gläubige kommen zu weitgehender Übereinstimmung in der Interpretation aller hochrangigen Aussagen. Wie Jesus sagte, entsteht Gewissheit über die göttliche Herkunft dieser Aussagen durch die praktische Anwendung und Veränderung des Charakters. „Wer das tut, was Gott will, der wird innewerden…“ (Joh 17,7)

Bei niederrangigen Schriftstellen gibt es bisweilen starke Unterschiede in der Interpretation, auch Verunsicherung und viel Unklarheit. Hier können Gläubige nur das tun, wass schon Rupertus Meldenius so einprägsam formuliert hat: Im Notwendigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber die Liebe.

Eine Verpflichtung Gottes, nicht-göttliche Aussagen in die Bibel deutlich zu markieren, ist eine theologische Theorie, für die es keine Beweise gibt.

Destruktive Schriftstellen können und dürfen nicht angewendet werden, insofern kann ihre göttliche Herkunft nicht mit der von Jesus empfohlenen Methode festgestellt werden. Es bleibt offen woher sie stammen. Der Gläubige hat die Freiheit, sich von ihnen unter Berufung auf Mt 23,23 zu distanzieren. Auf diese Weise entsteht eine widerspruchsfreie, konsequent positive Vorstellung vom Charakter Gottes, was von erheblicher Bedeutung für die seelische Gesundheit des sorgfältig lesenden Gläubigen ist.

Eine genaue Untersuchung zeigt, dass es zu allgemeingültig scheinenden Aussagen der Bibel (die die Worte „Jeder“, „alles“, „niemand“, „nichts“ verwenden) einzelne Ausnahmen geben kann (biblischer Pauschalstil). Deshalb ist es nicht möglich, aus der Bibel selbst einen Beweis für ausnahmslose Fehlerlosigkeit oder Göttlichkeit, der destruktive Stellen zwingend einschließt, herzuleiten.

Manche Gläubige reagieren auf das Update-Modell, das ihnen tieferes Nachdenken nahelegt, allergisch und fühlen sich in ihrem Glauben verunsichert, andere könne mit der Chikago-Erklärung nicht leben, die ihnen Verdrängung nahelegt.

Es wäre lieblos und destruktiv, dem andersdenkenden Bruder seine Sicht aufzuzwingen, die dessen Seele überfordert. Leider wird das sehr oft getan – ohne Rücksicht auf die Folgen.

Wenn man ein Medikament verteilt, dann ist ein Beipack-Zettel dabei. Man kann sich über das Risiko informieren. Manches Risiko lässt sich vermindern, wenn die Medizin in einer anderen Form gegeben wird. Bei Unverträglichkeit muss mancher auf ein ganz anderes Medikament umsteigen. Darüber muss ein Beipackzettel ehrlich informieren.

Leider sind Theologen selten so verantwortungsbewusst als die Pharmaindustrie. Viele wollen und können sich einem ehrlichen Vergleich nicht stellen, aus Angst, Gläubige könnten dem eigenen Einfluss verlorengehen. Deshalb wird so getan, als ob es nur die eigene Sicht gäbe. Evt. destruktive Folgen werden verdrängt.

Wir stellen hier Vor- und Nachteile beider Modelle einmal nebeneinander:

Vorteile des Verbalinspirationsmodells (Chikago-Erklärung) sind beispielsweise:

große Schlichtheit, Eignung auch für geistig behinderte Menschen, schnelle Erlangung von Sicherheitsgefühlen, einfaches Immunisieren gegen liberale Bibelkritik, „holzschnittartige“ Vertiefung der Grundwahrheiten des Glaubens.

Nachteile des Verbalinspirationsmodells im ungünstigen Fall:

Angst vor unbekannten Fakten, die schlecht ins gewohnte Denken passen, Bevorzugung längst bekannter, ewig wiederholter Inhalte, selektives Beobachten, Vorrang des emotionalen Gewinns bei der Bibellese, mangelndes Gespür für die emotionalen und intellektuellen Begrenzungen des Ratsuchenden in der Seelsorge, wenig Respekt vor individueller persönlicher Überzeugung, Unfähigkeit, belastende Fragen, die schlecht beantwortet sind, als solche zu erkennen und längere Zeit nach einer Lösung zu suchen, Neigung, sich stattdessen mit Propaganda zufriedenzugeben, Neigung zu Unterbewertung und mangelnde Übung der Urteilskraft, wenig Förderung der Fähigkeit zu sachlicher und charakterlicher Selbstkritik, Vergewisserung durch blindes Vertrauen in Glaubensvorbilder und Gemeindetradition, Eindruck von Unehrlichkeit und Selbstbetrug bei Außenstehenden, insbesondere bei Anhängern anderer Religionen, usw., unzureichend ausgebildete Schriftkenntnis, weil problematische Texte von vornherein aus der Lehre ausgeklammert werden, Gewinn von Sicherheit durch starken Konformitätsdruck in der Gemeinde, Wahrnehmung von Gläubigen mit abweichender Bibelinterpretation als Bedrohung, Neigung emotionale Sicherheit durch Abspaltung von andersdenkenen Gläubigen wiederherzustellen.

Vorteile des schöpfungsgemäßen Inspirationsmodells (Update 2.0) sind:

keine Angst vor unbekannten Fakten, gründlichere Erforschung der Schrift, Stärkung der Urteilskraft und Selbsterkenntnis, dem eigenen Gewissen verpflichtetes Denken, das sich nicht durch Tradition und Gruppendruck einschüchtern lässt, Beachtung auch der Nöte, die nur wenige Gemeindeglieder betreffen, Förderung der Charakterbildung, Respektieren der Gewissensentscheidung anderer, liebevolles Ertragen von Unterschieden in nebensächlichen Fragen, Anerkennen der Fehlerlosigkeitsdoktrin nicht als Monopol, aber als legitime Alternative des Schriftverständnisses, Sensibilität für die emotionalen und intellektuellen Begrenzungen von Ratsuchenden, Aufrichtigkeit gegenüber Außenstehenden,

Nachteile des schöpfungsgemäßen Inspirationsmodells:

Verunsicherung derjenigen Gläubigen, die glauben, ein einziger Fehler würde die Bibel unglaubwürdig machen (angebliches „Pullover“-Prinzip: Löse einen Faden – alles löst sich auf), Befürchtung, der liberalen Bibelkritik den kleinen Finger zu reichen. (Dies lässt sich verhindern durch Regeln der geistlichen Disziplin bei der Bibelauslegung: nicht Vermehrung des Wissens hat Vorrang bei der Schriftauslegung, sondern Förderung der Selbsterkenntnis, des Charakters und der Liebe).

Wenn dem Leser noch weitere Nachteile aufgefallen sind, die wir vergessen haben, so hat er die Möglichkeit, uns einen Kommentar oder Mail zu schicken.

Es ist unser Anliegen, dass für angefochtene Gläubige, die ihre zweideutige Gottesvorstellung nicht überwinden können, ein anderer Lösungsweg offengehalten werden muss. So wie parallel zu einem risikobehafteten Medikament möglichst eine Alternative verfügbar sein sollte.

Nicht ein bestimmtes Medikament wirkt automatisch verheerend, sondern Monopolismus, Bevormundung und Gewissenszwang.

Die folgende Grafik veranschaulicht den Vergleich der Chikago-Erklärung mit dem schöpfungsgemäßen Inspirationsmodell. (pdf-Datei im Hochformat)

Die Hälften der Grafik werden nacheinander gezeigt:

2 Denkmodelle Querformat12-12-2015 ChE 909x1139

2 Denkmodelle Querformat12-12-2015 schIM 1254

Welches Denkmodell hat größere Überzeugungskraft ?

 

 

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Katholisches Kontrollsystem

Die katholische Kirche ist nach ihrem Selbstverständnis die einzige und maßgebliche Vermittlerin des Heils.

„[Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet,] glaubt fest, bekennt und verkündet, daß ‚niemand außerhalb der katholischen Kirche — weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter — des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt. So viel bedeutet die Einheit des Leibes der Kirche, daß die kirchlichen Sakramente nur denen zum Heil gereichen, die in ihr bleiben, und daß nur ihnen Fasten, Almosen, andere fromme Werke und der Kriegsdienst des Christenlebens den ewigen Lohn erwirbt. Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergießen, so kann er doch nicht gerettet werden, wenn er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt‘ (Fulgentius).“ (Siehe Glaubenssatz 350 auf den Seiten 212 und 213 in: Josef Neuner S.J. und Heinrich Roos S.J.: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung. Vierte verbesserte Auflage, herausgegeben von Karl Rahner S.J. – Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 1954. Imprimatur 27. Juni 1949).

Ist ihr Vermittlungsdienst tatsächlich so heilsam und segensreich wie behauptet wird ?

Um eine engmaschige Kontrolle des Gläubigen sicherzustellen, bedient sich der Machtapparat der katholischen Kirche eines ausgeklügelten Systems von Dogmen, deren Wirkung auf die seelische Gesundheit unter bestimmten Bedingungen als äußerst bedenklich angesehen werden muss.

1. So soll der Gläubige möglichst ständig den Bick auf evt. Fehler und Sünden in der Vergangenheit gerichtet haben, die nur mit Hilfe der Kirche aufgearbeitet werden können.
2. Er soll sich infolge seiner sexuellen Bedürfnisse ständig schmutzig fühlen, damit die an den (zum Zölibat verpflichteten) Kleriker gerichteten berechtigten Fragen und Zweifel von vornherein als die irrelevanten Bedenken eines sittlich Schmutzigen empfunden werden.
3. Er soll den Eindruck vermittelt bekommen, dass der geweihte Priesterstand in größerer Nähe zu Gott steht als er selbst und dass Gottes Segen und Zuwendung von der blinden und kritiklosen Unterwerfung unter die Forderungen dieser Priviligierten abhängt.
4. Er soll bei Androhung göttlicher Strafe gezwungen sein, jeden Sonntag am Gottesdienst teilzunehmen, um dort aus der Hand des Priesters öffentlich die geweihte Oblate anzunehmen, deren Annahme unter schwerer Strafe steht, falls der Gläubige sie nicht im Zustand katholischer Würdigkeit empfängt. Mancher Gläubige gerät hier in quälende Gewissensnot, wenn er die Oblate dennoch annimmt, um der zuschauenden Gemeinde keinen Anlass für Spekulationen zu bieten, welche Verfehlung der Hinderungsgrund gewesen sein könnte.
5. Der Zustand der katholischen Würdigkeit wird hergestellt, indem dem geweihten Priester alle Sünden in der Beichte mitgeteilt worden sind, damit der Priester Bußübungen zur gültigen Wiedergutmachung auferlegen kann.
6. Die Prüfung und ggf. Korrektur der katholischen Lehrtradition wird als schwere Sünde gesehen, die ewige Verdammnis zur Folge haben kann.

Die Androhung von Folter im Fegefeuer oder möglicher ewiger Verdammnis im Falle eines plötzlichen Todes ohne vorherige Absolution durch einen geweihten Priester sind schwere Drohungen, mit denen der Besuch der Gottesdienstes, die Auskunft über sämtliche Verfehlungen gegenüber Vertretern der Organisation (Beichte) bzw. Aufwand von Geld und Zeit zur Verkürzung von Folter im Fegefeuer erzwungen wird.

Damit wäre eigentlich der Tatbestand schwerer Nötigung nach § 240 StGB verwirklicht.
(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.“

Leider setzt Absatz (2) voraus, dass die Androhung „als verwerflich anzusehen“ sein muss.

Wer sieht was als verwerflich an ?

Hier liegt das Problem: die Kirche genießt seit alters das Privilegium der Nötigung. Sie kann nach ihrem Ermessen Menschen unter schweren Druck setzen und im ungünstigen Fall sogar seelisch erheblich schädigen. Einen nachvollziehbare Rechtfertigung dafür existiert nicht.

Wer die als Link markierten Stellen anklickt, erfährt, wie diese Behauptungen im Licht der höchstrangigen Gebote (Mt 23,23), d.h. aus der Sicht Jesu, zu beurteilen sind.

Nach katholischer Sicht hat im Zweifel das Wort des Papstes mehr Gewicht als alle Aussagen der Bibel einschließlich der Gebote, die Jesus als „die wichtigsten“ bezeichnete. Hat der Papst in der Auslegung tatsächlich eine ähnlich hohe Autorität wie Jesus selbst ? Jesus und der Papst – in Augenhöhe ?

Die Bibel berichtet, dass der Apostel Petrus, der „erste Papst“ einmal versucht hat Jesus
zu korrigieren. Die Reaktion Jesu findest du in Mt 16,22-23.

Perfektionistische evangelikale oder sonstige bibelbezogene religiöse Gruppen haben zur Sicherung ihres Einflusses entsprechende Elemente und Strukturen in ihrem eigenen Dogmensystem.

Die hilfreichen Texte, auf die die markierten Stellen verweisen, befassen sich daher mit den Eigenarten beider Konfessionen.

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Keine Zeit für Qualitätsprüfung ?

Ein häufig vorgebrachtes Argument: “wir haben keine Zeit für Qualitätsprüfung und schiedsgerichtlichen Dienst – in der Gemeinde läuft ja schon so vieles und die Pastoren sind ständig überlastet.”

Das Argument hat etwas dieselbe Qualität wie die Behauptung, man könne die stark verschmutzten Scheiben eines Autos nicht reinigen, weil man noch so viele Kilometer zu fahren hätte und sich keinen Zeitverlust leisten könne. Mancher staunt viel später: wenn dann ein Unfall geschieht, dann hat man plötzlich sehr viel Zeit.

Doch hier hinkt das Bild. Wenn Menschen Schaden erleiden in der Gemeinde durch Dummheit und Blindheit, dann erleidet der Betrieb gewöhnlich keine Unterbrechung. Denn üblicherweise ist dieser Schaden ihre Privatangelegenheit. Gewöhnlich kümmert es niemanden. Der Betroffenen hat sich mit ein paar in “herzlichem Ton” geäußerten Phrasen zufriedenzugeben. Ansonsten wird ihm nahegelegt, die Gemeinde zu verlassen. (siehe: Haftung in Gemeinden)

Die Pastoren sind überlastet? Wo steht in der Bibel, dass sich die Arbeit auf wenige Pastoren konzentrieren müsse ? Wo steht in der Bibel, dass einzelne Gläubige Schaden in der Gemeinde erleiden dürfen, weil man vor lauter Aktivität nicht mehr auf sie achtet?

Ist es nicht oft umgekehrt ? Eine Aktivität jagt die andere, eben damit die Menschen „beschäftigt sind“, damit sie „auf vorbereiteten Schienen denken“ und gar keine Zeit mehr haben, über Risiken und Alternativen nachzudenken. Würde es einer Gemeinde schaden, wenn man in den ersten zwei Wochen des Jahres alle Veranstaltungen bis auf die Gottesdienste aussetzt und den Mitgliedern Gelegenheit gibt, in Ruhe und im Gebet über Qualitätsmängel und mögliche Gegenmaßnahmen nachzudenken?

Eine Aufgabe der Qualitätprüfung ist die sinnvolle Arbeitsverteilung und eine Bewertung der Veranstaltungen nach ihrem geistlichen Ergebnis.

Eine Qualitätsprüfung kann von wenigen Gläubigen geleistet werden, die sich in ihrem Urteilen an die Qualitätsmaßstäbe Jesu gebunden sehen. Wichtig ist nicht ihre Zahl, sondern geistliche Reife und Charakter.

Wichtig ist, dass sie ein “offenes” Gremium sind, das nach ihrem Ermessen weitere Gläubige als Berater hinzuziehen kann und dass die Mitgliederversammlung steht offen und ehrlich über die Arbeit unterichtet wird.

Die Mitgliederversammlung ist die verfassungsgebende Versammlung der Gläubigen. Entsprechend ist ihre Autorität. Sie hat das Recht, über alle Gefahrenpunkte und Mängel informiert zu werden, sie hat das Recht, Gläubige zur Qualitätsprüfung zu bestimmen oder wieder abzuberufen oder gegen die Hinzuziehung eines Beraters ein Veto auszusprechen.

Wichtige Schwerpunkte der Qualitätsprüfung sind die Kommentierung der Predigt (“Gemeinde-Feedback”) sowie der schiedsgerichtliche Dienst.

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Korrigieren von Gemeindeleitern – ist das praktisch möglich ?

… oder sollten Gläubige wegsehen, wenn Gemeindeleiter Unrecht tun ?

Wenn sich alle sofort auf die Seite des Gemeindeleiters stellen, dann kann man hoffen, dass der, der sich beschwert hat, bald aufgibt. Dieser Mitchrist wird ja nur als Störenfried gesehen, dem niemand zuhört. Irgendwann ist seine Kraft erschöpft und er verschwindet endlich.

Wenn der Gläubige Unrecht tut…

Nehmen wir an, ein Mitglied hat einen Mitchristen mit seinem Egoismus geschädigt: er hat ihn verleumdet oder bestohlen oder verführt jemanden zum Seiten­sprung. Wie wird eine bibeltreue Gemeinde reagieren ?

Nun gibt es etliche bibeltreue Gemeinden, die gar nichts tun. Der Beschuldigte ist ein netter Kerl, man kennt ihn schon seit Jahren und da will man es nicht mit ihm verderben. Man macht wohl ein bedenkliches Gesicht, spricht ein paar mahnende Worte, aber letztlich muss man es akzeptieren, wenn man auf taube Ohren stößt. Umkehr ist nun einmal Privatsache. So sah es auch der Priester Eli, dessen Söhne im Priesteramt waren und böse handelten. (1.Sam 2,12 ff)

Eli sprach ernste mahnende Wort, warnte auch vor der Strafe Gottes, aber er war nicht bereit, seine Söhne vom Priesterdienst zu suspendieren. Sie konnten im Amt bleiben und sündigten dort weiter wie zuvor. Die Zurückhaltung Elis wertete Gott als Verachtung seiner Person. (1.Sam 2,30) Eli wurde ebenso wie seine Söhne mit dem Tod bestraft.

Eine deutliche Anordnung Jesu
Die Gemeinde war noch gar nicht entstanden, als Jesus bereits festlegte, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten solle: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und stell ihn unter vier Augen zur Rede. Wenn er mit sich reden lässt, hast du deinen Bruder zurück gewonnen. Wenn er nicht auf dich hört, dann nimm einen oder zwei andere mit und geht noch einmal zu ihm, damit alles von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird. Wenn er auch dann nicht hören will, bringe die Angelegenheit vor die Gemeinde. Wenn er nicht einmal auf die Gemeinde hört, dann behandelt ihn wie einen Gottlosen oder Betrüger.“ (Mt 5, 15-17)

Wie sanft und liebevoll geht Jesus mit schwachen und hilfsbedürftigen Menschen um ! Warum nun diese Strenge ? Dafür gibt es drei Gründe:

1. Grund: Das Heil des Täters ist gefährdet
Wer unbarmherzig mit anderen umgeht, wer ihnen hier auf Erde ein Stück Hölle zumutet, muss sich nicht wundern, wenn er selbst den Anspruch auf den Himmel verliert. „Mein Herr kommt noch lange nicht“ dachte der böse Knecht, der Mitknechte misshandelte und dann mit der schrecklichsten Strafe bestraft wurde. (Mt 24, 48-51) Auch Paulus reagierte streng, „damit seine Seele am Tag des Herrn gerettet wird.“ (1.Kor 5, 5) und forderte wie Jesus „Trennt euch von dem, der unverbesserlich böse ist.“ (V. 13)

2. Grund: Der Ruf zur Umkehr wird unglaubwürdig
Wenn Hartherzigkeit und Bosheit in der Gemeinde geduldet wird, wie kann sie da noch glaubwürdig evangelisieren und Menschen auffordern, das alte Leben zu bereuen ? „Du predigst anderen, sie sollten bereuen, und bereust selber nicht?“ (Rö 2,22)

3. Grund: Am Ende steht die Verachtung Gottes
Deswegen wird Gott von den Heiden gelästert werden.“ (Rö 2,24) Was lernt man tatsächlich bei dieser Art „Gottesdienst“ ? Man lernt, dass man Gott nicht ernstnehmen muss. Seine Warnungen sind nur eine Form unterhaltsamer Dramatik.

Wenn der Gemeindeleiter Unrecht tut und nicht bereut, dann ist der Schaden für die Gemeinde viel schlimmer.

Paulus löste dieses Problem glaubwürdig: er stellt grundsätzlich immer die Vertrauensfrage: „Seht her: Wir haben niemandem Leid getan, wir haben niemand durch Unrecht verletzt, wir haben niemand übervorteilt.“ (2.Kor 7,2). Er war bereit, jederzeit jedem Rechenschaft über sein Handeln zu geben. (2.Kor 4,2)

Leider ist man in etlichen bibeltreuen Gemeinden dazu überhaupt nicht bereit. Woher soll der Impuls zur Selbstprüfung und Umkehr dann kommen ?

Schauen wir in die Verfassung. Ist dort die Möglichkeit einer Beschwerde vorgesehen ? In der Regel überhaupt nicht! Man müsste sie an den Vorstand richten, der aber gewöhnlich zu einer objektiven Untersuchung gar nicht in der Lage ist. Zu stark sind eigene Interessen betroffen. Peinliche Enthüllungen über das Fehlverhalten des Leiters schaden dem „Image“ der Gemeinde. Also guckt man lieber weg.

Also geschieht nichts! Solche Gemeinden können zahlenmäßig aufblühen, obwohl dort Böses bei Gläubigen geduldet wird, die andere im Glauben anleiten wollen. Kein Wunder, wenn trotz unablässiger frommer Aktionen und Programme zugleich die Scheinheiligkeit und Verachtung Gottes gedeiht. Auf dem „heimlichen Lehrplan“ steht: Heuchelei ist normal und Gott akzeptiert sie.

„Ansehen der Person“ zu üben, ist sowohl nach dem Alten wie nach dem Neuen Testament eine schwere Sünde (5.Mo 1,16-17 / 2.Chr 19,7 / Jak 2,9 / Jud 1,16), in der eine Geringschätzung der Berufung der Gläubigen “zu Königen und Priestern” (Offb 1,6) zum Ausdruck kommt.

Dabei gibt es eine einfache Lösung !

1. In der Verfassung wird festgelegt, wie bei der Beschuldigung eines Gemeindeleiters zu verfahren ist. Der Beschwerdeführer hat das Recht, Älteste einer unparteiischen, bibeltreuen Gemeinde um Hilfe zu bitten, die nicht unter dem Einfluss des Gemeindeleiters steht. Zu dieser Gemeinde sollte auch der Beschwerdeführer nicht gehören.

2. Diese Ältesten hören beide Parteien zur Sache. Beide Parteien dürfen Fragen an den Gegner stellen, die der Aufhellung dienen. Auch die untersuchenden Ältesten können eigene Fragen stellen. Dann berichten sie über alle Fragen und Antworten in den Mitgliederversammlungen. Diese entscheiden dann – nunmehr vollständig informiert – unabhängig über Wiedergutmachung und Disziplinierung.

Auf diese Weise wird vermieden, dass sich außenstehende Älteste über die Parteien stellen. Sie beschränken sich auf die Aufgabe, für einen fairen Ablauf der Untersuchung zu sorgen, damit alle Fragen gestellt werden dürfen und Gehör finden. Es ist nicht ihre Aufgabe, ihre persönliche theologische Sicht zur Geltung zu bringen. Um dies zur vermeiden, empfiehlt es sich, zusätzlich unparteiische Älteste mit einer anderen theologischen Sicht zu beteiligen.

3. Verweigert der Beschuldigte die Teilnahme an der Anhörung, so hören die Ältesten nur den Geschädigten und formulieren zusätzlich eigene Fragen an den Beschuldigten. Die betroffenen Mitgliederver­sammlungen stellen diese Fragen dann dem Beschuldigten und entscheiden über Vor­schläge zur Wiedergutmachung und Disziplinierung.

Diese einfachen Vorschläge sind äußerst wirksame Maßnahmen gegen Machtmissbrauch. Gemeindeleiter, die glaubwürdig sein wollen, werden solche oder ähnliche Maßnahmen unter­stützen. Auch ihnen wird es wichtig sein, dass sie „niemandem Leid getan, niemanden durch Unrecht verletzt, niemanden übervorteilt“ haben (2.Kor 7,2). Und wenn es doch geschehen sein sollte, dann tun sie das, was Jünger Jesu in diesem Falle tun: sie reparieren den Schaden und machen es auf diese Weise dem geschädigten Mitchristen leicht, zu verzeihen.

Wenn Sie Ältester sind, dann seien Sie bereit, einer anderen Gemeinde den Dienst des unparteiischen Beobachters zu leisten. Sie spielen sich damit nicht zum Richter auf, denn Sie hören nur zu. Sie richten nicht, sondern Sie berichten. Urteilen und entscheiden muss die Gemeinde selbst. Lassen Sie sich nicht zur Sympathie ver­leiten mit Gemeindeleitern, die einem Mitchristen geschadet haben und ihr böses Verhalten nicht bereuen. Tolerieren und entschuldigen Sie solche Verhaltensweisen nicht ! Helfen Sie mit, dass die Gemeinde Wertschätzung der Fairness lernen kann. „Die vielen den Weg zur Gerechtigkeit zeigen, werden leuchten wie Sterne für alle Zeit.“ (Dan 12,3)

(Dieser Text steht auch unter „Downloads“ auch auf einem Flyer zur Verfügung.)

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Korrigierbare Aussagen in der Heiligen Schrift ?

Diese Frage wird üblicherweise von Chicago-Theologen mit einem strikten NEIN beantwortet. Wir möchten diese Frage nicht von einem bibelkritischen Standpunkt aus, sondern mit der Heiligen Schrift selbst beantworten. Das Zeugnis der Heiligen Schrift (!) zeigt etwas anderes.

Wir stellen fest, dass der buchstäbliche Text manchmal in die Irre führen kann (und offensichtlich soll !), die Beachtung der Qualitätsmaßstäbe Jesu aber diesen Irrtum erkennen lässt. Die Nichtbeachtung führt in den Irrtum. Auf diese Weise wird der Gläubige daran gewöhnt, den hohen Rang dieser Qualitätsmaßstäbe anzuerkennen.

Fundamentales Beispiel: Mose verhieß den Gläubigen Segen, die alles genauso tun, wie es im mosaischen Gesetz geschrieben steht. (Deu 30, 2) Die Entlassung des Ehefrau ist aber nirgends im Gesetz verboten. Für die Entlassung kriegsgefangener Frauen gibt es ein Gesetz, dass ihren Verkauf verbietet. Die Entlassung aus dem doch recht niedrigen Motiv der Überdrüssigkeit („weil du keine Lust mehr an ihr hast„) wird hingegen ausdrücklich gestattet. (Deu 21,14)

Für die Entlassung einer jüdischen Ehefrau waren die Bedingungen etwas verschärft: „weil du etwas Schändliches an ihr gefunden hast„. Auch musste ein Scheidebrief ausgestellt werden. (Deu 24,1) Der Begriff „Schändlich“ wird nicht näher definiert und bietet viel Raum für die Willkür des Mannes. (Folglich gab es auch zwei jüdische Auslegungsrichtungen, die jeweils die Rechte des Mannes oder der Ehefrau mehr betonten.) Das Gesetz erwähnt nicht, wie oft das „Schändliche“ Ereignis eintreten musste. Offenbar genügt hier recht wenig. Auch ein eher seltenes Fehlverhalten kann als „schändlich“ gewertet werden: dem Ehemann wiedersprechen, eine Anweisung ignorieren, Familieninterna ausplaudern, nur Töchter gebären usw.

Wer nun etwas vorweisen konnte, was ohne Zweifel „schändlich“ war, der konnte guten Gewissens seine Frau entlassen, zumal kriegsgefangene Frauen sogar grundlos entlassen werden konnten. Er hatte nicht gegen den Wortlaut des Gesetzes verstoßen und falls er sich ansonsten an die Vorschriften des Gesetzes hielt, durfte er des Segens gewiss sein.

Doch schon im Alten Testament wird diese „Gewissheit“ jedoch in Frage gestellt.

Maleachi warnt ausdrücklich alle, die ihre Ehefrau verlassen, vor einem Fluch ! „Weiter tut ihr auch das: ihr bedeckt den Altar des HERRN mit Tränen und Weinen und Seufzen, weil er nicht mehr eure Speisopfer ansehen noch etwas Angenehmes von euren Händen empfangen. will. Ihr jammert: „Warum nur ?“ Der Grund ist einfach: der HERR war zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend Zeuge, die du nun verachtest, obwohl sie doch dein Lebensgefährte und die Frau deines Bundes ist.“ (Mal 2,13-14) Maleachi lässt überhaupt kein Motiv für eine Entlassung gelten.
Jesus äußerte sich später ähnlich streng, nennt aber eine Ausnahme (Mt 19,9: Auflösung einer Ehe wegen Unzucht).

Somit bekamen die Frommen, die ihre Frau entließen und sich ansonsten an den Buchstaben des mosaischen Gesetzes wortgetreu hielten, nicht den Segen, den sie erwarteten, sondern was ? Gar nichts !

Paulus resümierte später, dass er sich vorbildlich an das Gesetz gehalten hatte und einer Illusion aufgesessen war. Maleachi erschien erst Jahrhunderte nach dem mosaischen Gesetz. Man kann die Frommen förmlich meckern hören: uns hat niemand etwas von dieser „Falle“ gesagt. Und nun sollen wir für die Entlassung auch noch bestraft werden ?

Offenbar gibt es in der Bibel Aussagen, die nicht mithilfe der Tradition und Logik richtig interpretiert werden, sondern nur im Lichte des Liebesgebots.

Das Liebesgebot war auch schon im mosaischen Gesetz vorhanden. (Lev 19, 18) Allerdings erkannten nur ein Teil der Gläubigen seine überragende Bedeutung für die Textauslegung.

Das Gesetz des Mose verbot, „etwas zum Text hinzuzufügen. (Deu 12, 32) Was Maleachi schrieb, galt jedoch nicht erst ab der Abfassungszeit seines Textes sondern schon vorher, ja zur Zeit des Mose. Die Gläubigen hätten selber darauf kommen müssen. Dies impliziert auch, dass man die schäbige Behandlung einer kriegsgefangenen Frau selbständig hätte ein für alle Mal ächten müssen.

Somit ist auch das Verbot des Mose, etwas zum Gesetz hinzuzufügen ein vorläufiger Text („Schatten – Text„). Dass später von inspirierten Autoren viele andere Bücher der Bibel hinzugefügt wurden, die Aussagen des mosaischen Gesetzes teilweise aufheben, ist ein deutlicher Beweis für die vorläufige Natur dieses absolut erscheinenden Verbotes.

Ein Schatten-Text ist ein „Übungstext“ für die Gläubigen, die lernen sollen, ihn in das Licht des Liebesgebotes zu stellen. Man sieht, dass Gott von seinen „Freunden“ – die es ja auch schon zur Zeit des AT gab (Heb 2,23) schöpferisches Mitgestalten bei der Auslegung erwartete – bei aller Ehrfurcht, die vor fleischlicher Willkür bewahrte. Gottes Freunde haben „Christi Sinn“ (1.Kor 2,16) und seinen „Geist, der in ALLE Wahrheit leitet“ (Joh 16, 13).

Schatten-Texte“ sind ohne Zweifel irreführende Texte, Texte, die nicht nur verbessert werden dürfen, sondern müssen. Sie sind als verbesserungswürdige Texte selbstredend mangelhaft und nicht vollkommen. Denn Vollkommenes muss man nicht verbessern. Gleichwohl sind sie göttliches Werkzeug und gehören zu Gottes vollkommenem Plan.

Auch Jesus schloss die Bibel nur denen auf, die das Liebesgebot ernstnahmen und verbarg den Sinn seiner Texte vor anderen (Mt 13, 11). Das ist das biblische Konzept der Selbstverstärkung.

Das ist das Zeugnis der Heiligen Schrift selbst. Mit bibelkritischer Wissenschaft und Liberalismus hat diese Tatsache überhaupt nichts zu tun !

Viele andere Beispiele von „Übungstexten“ liegen als Texte im sogenannten No-Comment-Stil vor.

Wenn Gläubige dieses Zeugnis der Bibel nicht anerkennen können und die Mangelhaftigkeit solcher Texte bestreiten, so machen sie damit ein wichtiges Hilfmittel für geistliches Erkennen unbrauchbar. Ein erheblicher Teil biblischer Texte wird dadurch bedeutungslos, todlangweilig und armselig.

Übrig bleibt für alle diese Texte nur eine Funktion: etwas wider besser Wissen als fehlerlos und perfekt zu bekennen, bloß weil es angeblich von Gott verlangt wird.

Dieses „Bekenntnis“ wird als „Bewährung des Glaubens“ gesehen.

Ob es das ist ? Beweise dafür gibt es keine. Tatsache ist, dass in etlichen Gemeinden auf ein Abweichen von dieser eingeschränkten Sicht mit starkem sozialen Druck reagiert wird.

Wieviele Pfarrer tönen auf der Kanzel von der Fehlerlosigkeit, weil sie meinen, dass ihnen anderfalls die fromme Klientel davonläuft ! Wieviel haben gar nicht den Mut, sich zu ihren Beobachtungen zu bekennen, weil sie Angst vor Mobbing und Ausgrenzung haben !

Und Gott soll bei solchen Machtspielchen mitmischen ? Was ist das für ein Bild von Gott ? Ein Gott, der Wert darauf legt, dass man ihm nach dem Munde redet ! Der Wert darauf legt, dass man feige vor dem Meinungsdruck anderer kuscht, obwohl längst ein ehrlicher Kommentar angebracht wäre, der das Liebesgebot angemessen respektiert !

Haben wir Jesus so kennengelernt ? Können wir uns vorstellen, dass ihm solche Lippenbekenntnisse gefallen ? Wie soll denn bei solch einer Gottesvorstellung, die die Geringschatzung der Ehrlichkeit und Fairness impliziert, wirkliches Vertrauen entstehen ?

 

Laien-Bote

Der heilige Geist wirkt, wo, wann, wie lange und in wem er will (Jo 3,8). Er beauftragt manchmal Menschen, die kein geistliches Amt haben und stattet sie mit geistlicher Autorität aus, um den theologischen “Profis” ins Gewissen zu reden.

Das Buch Amos bringt ein Beispiel für diese Autorität und für die Folgen ihrer Missachtung.

Amazja, der Priester in Bethel, … sprach zu Amos: “Du Seher, hau ab und flieh ins Land Juda. Verdiene dir da dein Brot und prophezeie dort, was du willst. Aber in Bethel darfst du nicht mehr reden, denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.”

Amos antwortete darauf: “Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Hirte, der Maulbeeren züchtet. [= ich bin kein theologischer „Fachmann“]. Aber der HERR rief mich fort von der Herde mit dem Auftrag: Geh hin und warne mein Volk Israel! So höre nun des HERRN Wort! Du hast gesagt: Hör auf, gegen Israel zu prophezeien und dich zu ereifern!

Der HERR sagt dir nun folgendes: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen mit dem Schwert getötet werden, und dein Acker soll vermessen und verteilt werden. Du aber wirst in einem unreinen Lande sterben und Israel wird aus seinem Lande vertrieben werden.” (Amos 7,10-17)

Jesus erkennt theologische “Professionalität” grundsätzlich nicht an. Er verbot seinen Jüngern, sich “Lehrer” oder “Meister” nennen zu lassen. “Ihr sollt euch nicht Meister (Rabbi) nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der größte unter euch soll euer Diener sein.” (Mt 23,8-11).

In herkömmlich-bibeltreuen Institutionen hat dieses deutliche Gebot sehr oft kaum oder gar keine Bedeutung.

Auch dieser Webseite mag von Theologen der Vorwurf „mangelnder Wissenschaftlichkeit“ gemacht werden. Dem ist entgegenzuhalten, dass Verfasser biblischer Texte wie Johannes, Judas und Petrus allesamt kein Hochschulstudium inklusive Diplom mit Glanz und Gloria absolviert haben. Man kann nicht einmal als sicher annehmen, dass ihre intellektuellen Fähigkeiten für eine Universitätskarriere ausgereicht hätten. Dennoch sind ihre Schriften für die Gemeinde verbindlich. Warum ? Weil etwas richtig sein kann, ohne wissenschaftlichen Ansprüchen genügen zu müssen.

Genau das bitten wir auch, an dieser Webseite zu prüfen, einfach ob es richtig sein könnte, was dort erörtert wird, und nicht, ob wir mit dem üblichen wissenschaftlichen Formenkram aufwarten, wie langen Literaturverzeichnissen, Auflistung aller Meinungen von Hinz und Kunz, von Rabbi X und Prof.Dr. Y sowie uferlosen Details, die niemand braucht, als der Autor selber, um zu beweisen, dass er „wissenschaftlichen Ansprüchen“ genügt.

Zur „Wissenschaftlichkeit“ bibeltreuer Hochschulen ist zu sagen: sofern bestimmte Fakten dort gar nicht bekannt werden dürfen, insbesondere Schadensmeldungen, Warnungen und Widersprüche, sofern auf kritische Anfragen mit den typischen manipulativen Tricks reagiert wird, wie wir sie aus Sekten und indoktrinierenden Kaderschmieden kennen, ist der „wissenschaftliche Baum“ bereits an der Wurzel faul – auch wenn er mit einem reichen Blätterwerk wissenschaftlicher Betätigung auftrumpfen kann.

Es ist problematisch, wenn „schriftgelehrte“ Institutionen sich als maßgebliches Sprachrohr Jesu und der Apostel verstehen, da allzumenschliche Nebeninteressen – hohes Gehalt, Einfluss, allgemeine Anerkennung – in solchen Institutionen selbstverständlich sind. Diese ungeistlichen Motive kollidieren mit der Einstellung Jesu und verfälschen die Botschaft. Das war damals so und ist heute nicht anders.

Eben deswegen authorisiert Gott „Laienboten“. Eine theologische Hochschule kann nur gewinnen, wenn sie diesen Boten Gehör verschafft.

Durch Zusammenarbeit der lokalen Gemeinden in Aufgaben, die nicht dem Mitgliedererwerb dienen, wird die Bereitschaft gefördert, “Laienboten”, die Gott mit einem Auftrag zur Gemeinde schickt, anzuhören – wodurch die Gefahr des Machtmissbrauchs verringert wird.

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Liberale Theologie

“liber” = “frei”. Die liberale Theologie sieht sich an die wichtigsten christlichen Lehrinhalte (insbesondere an die Heilstatsachen) nur noch teilweise oder gar nicht mehr gebunden. Jesus wird nicht als Gottessohn, Erlöser und Weltenrichter, sondern allenfalls als Lehrer gesehen, der moralische Anregungen vermittelt. Der biblische Text wird als Steinbruch für eine individualistische, sich an humanistischen Idealen orientierende Lebensphilosophie genutzt. Sie geht oft mit Wissenschaftsgläubigkeit einher.

Für Theologen wie Ernst Troeltsch war das “Mittel, das Kritik überhaupt erst möglich macht, die Anwendung der Analogie.” (zit. in Armin Sierszyn, Die Bibel im Griff, Brockhaus 1987, S.23). Die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen wurden in die Bibel “hineinprojiziert”. Sie legten fest, was man überhaupt für möglich halten durfte. Damit wurde der Zweifel an allem Übernatürlichen, an Wundern und an der Erschaffung der Welt zu einer theologischen Mode, die mit wissenschaftlichem “Niveau” aufs engste verbunden schien. Typisch für die liberale Theologie ist auch der Versuch, echte und unechte Jesusworte zu unterscheiden. Typisch für Jesus war jedoch nicht das Traditionelle, sondern das Unerwartete, mit dem er die Theologen seiner Zeit zu provozieren pflegte. Wie soll dann vorhersehbar sein, wie Jesus hätte reden müssen? Die Behauptung, ein bestimmtes Jesuswort wäre unecht, ist von dem unzulässigen Wunsch, ein selbstkonstruiertes Jesus-Bild in das Neue Testament “hineinzuprojizieren” nicht zuverlässig zu unterscheiden.

Soll dieser Ansatz gelten, dann kann die heilige Schrift, in der Gott der menschlichen Egozentrik seinen heiligen Willen entgegenstellt, wenig bis keine Autorität haben. Vertrauen in die Verbindlichkeit seiner Zusagen wird auch nicht entstehen. Die Bibel wird stark abgewertet, die Einsicht in ihre Einzigartigkeit und Transzendenz geht verloren.

Gott wird zum Symbol menschlicher Bedürfnisse und Sehnsüchte, die man mit anderen Gläubigen teilt. Die eigene Weltanschauung ist der Bibel übergeordnet und bestimmt, welche Aussagen man gelten lässt.

Eine bibeltreue, d.h. bibelgemäße Interpretation der Heiligen Schrift wird die Bibel als einzigartige, von Gott an den Menschen gerichtete Botschaft wahrnehmen. Diese Botschaft hat das erklärte Ziel, das Vertrauen auf Gott zu ermöglichen und zu festigen. Jesus Christus wird dabei dem Gläubigen als die Mitte der Schrift und als ihr verbindlicher Interpretationsmaßstab bekanntgemacht: „wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9) Die Arbeit an der Bibel hat das Ziel, diese Mitte der Schrift hell erstrahlen zu lassen, und sie nicht durch den trivialen Horizont allzumenschlicher Vorstellungskraft – z.B. durch die müßige Frage, ob es Wunder gibt oder nicht – zu begrenzen.

Eine bibelgemäße Betrachtungsweise wird immer versuchen, die Bibel selbst reden zu lassen, ohne ihr mit eigener Weltanschauung ins Wort zu fallen.

Einflussreiche und weithin bekannte Theologen verbinden mit einer bibeltreuen Einstellung automatisch eine undifferenzierte Fehlerlosigkeitsdoktrin. (Bibeltreue im Sinne der Chikago-Erklärung von 1978.) Diese Position wird in vielen Gemeinden als die für einen gläubigen Menschen einzig mögliche und daher verbindliche Sichtweise präsentiert.

Tatsächlich ? Hat es seit 1978 wirklich keine gravierenden Fortschritte in dieser wichtigen Frage gegeben ? Wer redet schon gerne darüber, wenn die Konkurrenz besser ist ? So bleiben viele Gläubige schlecht informiert.

Das Konzept der Bibeltreue kann auf der Basis eines schöpfungsgemäßen Inspirationsmodells erheblich verbessert werden. (Bibeltreue – Update 2.0)

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Die finsteren Seiten Luthers – selten erwähnt und kaum bekannt

Luther bekämpfte den Papst und den Machtmissbrauch der katholischen Kirche. Doch am Ende war er sein eigener Papst, der Andersdenkende zu Tausenden blutig verfolgen ließ. Für Prediger, die ihn kritisierten und keinen amtskirchlichen Auftrag vorweisen konnten, forderte er die Todesstrafe ! Originalton: „wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und Gabriel vom Himmel wären, will er predigen, so beweise er den Beruf oder Befehl [… ]. Will er nicht, so befehle die Obrigkeit solchen Buben dem rechten Meister Hansen (= dem Henker)

Wie weit sich Luther, von der Haltung entfernt hatte, die Jesus Christus seine Jünger lehrte, nachdem endlich er die Unterstützung der Obrigkeit erlangt hatte, zeigt eine vielsagende detaillierte Dokumentation auf Youtube: „Luther einmal anders„.

Unter evangelischen Christen und Evangelikalen sind diese verheerenden Irrtümer Luthers kaum bekannt und werden – falls sie erwähnt werden – gerne als nebensächlich abgetan. (Unser Kommentar: Halbwahres zum Reformationstag„) Kein Wunder, wenn Machtmissbrauch nicht selten in der evangelikalen Szene toleriert bzw. verharmlost wird – siehe dazu die vielen Artikel unter „Stichworte“ mit dem Etikett „M.“

Der christliche Glaube ermöglicht eigentlich einen ehrlichen unbeschönigten Rückblick auf die eigene Geschichte. Weil der Gläubige seine Schuld an Gott abgeben kann, ist er in der Lage, seine dunkle Seite anzusehen, ohne zu verzweifeln. Statt sie zu verharmlosen, kann er ihr entgegentreten und sie mit der Waffe des Geistes, den Worten Jesu, unschädlich machen. Welche andere Religion bietet diese Möglichkeit, bietet soviel Freiheit zur ehrlichen Selbsterkenntnis ?

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Neurotische Sexualmoral

Sexuelle Disziplin ist ein wichtiges Element im christlichen Glauben. Doch sie wird häufig ersetzt durch eine neurotische Sexualmoral, die den Gläubigen mit perfektionistischem Reinheitswahn terrorisiert. Indem der Gläubige schon aufgrund seiner natürlichen Bedürfnisse und Empfindungen von ständig schlechtem Gewissen niedergedrückt wird, ist ständige Einschüchterung und leichte Lenkbarkeit garantiert.

Anhand biblischer Belege wird im Artikel “Verunreinigen sexuelle Sünden am stärksten ?” der Zusammenhang zwischen sexueller Disziplin, Charakterbildung und Machtinteressen erläutert.

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„No-comment“ – Stil

Mit „No-Comment“ („Kein Kommentar“) untertiteln Nachrichtensender Filmaufnahmen von oft schockierenden Ereignissen (z.B, in Krisengebieten), die ohne nachträgliche Vertonung gesendet werden. Es werden nur die Geräusche vor Ort aufgezeichnet. Dieser Filmstil verschafft dem Zuschauer den Eindruck, er befinde sich als Augenzeuge mitten in dem Geschehen.
Der Zuschauer wird angeregt, sich selbst ein Bild zu machen, quasi den Kommentar und die Bewertung selbst beizusteuern.

Eben das ist offenschtlich die Funktion mancher Berichte in der Bibel, denen der Gläubige keine ethische Leitfunktion guten Gewissens zubilligen kann. Der Gläubige ist hier vielmehr aufgerufen, sich durch praktische Anwendung der Qualitätsmaßstäbe Jesu selbst ein Urteil zu bilden und sein Urteilsvermögen zu trainieren.

Aus der Tatsache, dass es Paulus im Brief an die Korinther wichtig war (1.Kor 7,10+12), zwischen ausdrücklicher Weisung Jesu und eigener Meinung zu unterscheiden, ergibt sich nicht zwingend die Pflicht aller anderen biblischen Autoren, Texte im No-Comment Stil explizit als solche zu markieren. Völlig klar ist, dass Texte dieser Art keine ethische Orientierung liefern.

Werden sie als solche missverstanden, so werden die Qualitätsstandards Jesu, die doch höchste Priorität haben sollen, aufgeweicht. Dies zu tun, hieße Mücken zu sieben und Kamele zu verschlucken. (Mt 23,24) Kein Gläubiger ist verpflichtet, Schriftgelehrten, die dieses tun, zu folgen.

Im folgenden wird ein typischer Text im No-Comment-Stil analysiert.

2.Sam 21 berichtet von einer Hungersnot, die – so heißt es im Text – durch eine theologisch begründete Bluttat Sauls verursacht wurde. Saul hatte etliche Gibeoniter ermorden lassen „in seinem Eifer für Israel und Juda“ (V.2). Josua hatte diesen Bewohnern des Landes Kanaan bei der Eroberung mit einem Eid zugesichert, dass sie am Leben bleiben sollten (Jos 9,15). Saul hielt sich nicht an diesen Eid – aus theologischen Gründen – denn der Eid war nur mit Hilfe eines Betruges zustande gekommen (Jos 9,11ff) Mit dem Einhalten von Eiden nahm es Saul sehr genau, wollte er doch seinen eigenen Sohn mit dem Tode bestrafen, als er – ohne es zu ahnen – gegen den Wortlaut seines Schwurs verstieß (1.Sam 14,24-28 / VV.37ff). Gott schien über diesen versehentlichen Verstoß ja auch zornig zu sein, denn „er antwortete Saul an diesem Tag nicht mehr“ (V.37). Saul nun hielt es für frömmer, die Gibeoniter nach­träglich auszurotten, obwohl sie Josua am Leben gelassen hatte. Ein Irrtum, den Gott mit einer drei Jahre dauernden Hungersnot im Lande bestraft haben soll.

Positiv ist hier zunächst zu sehen, dass ein lange zurückliegendes Verbrechen von Gott nicht vergessen worden ist. Zu Recht verlangt er, dass die Angelegenheit in Ordnung gebracht wird.

Doch wird sie in Ordnung gebracht? Die Gibeoniter forderten von König David, sieben Nachkommen Sauls herauszugeben, um diese zum Ausgleich hinzurichten. Zunächst vermutet der Leser, dass es sich bei den Getöteten um die Mörder gehandelt habe. In diesem Fall wäre die Hinrichtung die vom Gesetz vorgesehene Strafe.

Doch dann stößt der Leser auf eine Textstelle, die zutiefst schockiert, weil sie erkennen lässt, dass die Hinrichtung willkürlich war. Mephi­boseth (2.Sam 4,4), der nun aufgrund seiner Verkrüppelung im Alter von fünf (!) Jahren (2.Sam 4,4) sicherlich kein Soldat gewesen war und sich folglich auch keiner Mordtaten im Krieg schuldig gemacht haben kann, blieb nur deshalb verschont, weil er zufällig der Sohn Jonathans war (2.Sam 21,7)!

Diese Begründung beweist, dass keine Namensverwechslung mit dem zweiten Mephiboseth, der ein Sohn Sauls war (V.8), in Frage kommt.

Bei dem Todesurteil wurde nach persönlicher Schuld gar nicht gefragt. Die Opfer wurden willkürlich ausgewählt. Es handelte es hier um Sippenhaft! Nur durch glückliche Umstände blieb der verkrüppelte Mephiboseth am Leben. Bei den anderen wurde dieses willkürliche Urteil vollstreckt. Die Gibeoniten bekamen, was sie wollten und „hängten die Söhne Sauls auf dem Berge vor dem Herrn auf“ (2.Sam 21,9).

Lapidar heißt es am Ende der Geschichte „und danach wurde Gott dem Land wieder gnädig“ (2.Sam 21,14). Hat David tatsächlich mit dieser unsäglichen Rache an schuldlosen Menschen den heiligen Gott zufriedengestellt?

Eine archaische, gruselige Geschichte, deren Sinn nur schwer zu verstehen ist ! Wie das Buch Josua berichtet, sollten die Gibeoniter eigentlich ausgerottet werden. Sie entgingen der Vernichtung, weil sie die Israeliten mit einem Betrug zu einem Eid verleiteten, sie zu verschonen. (Jos 9) Saul hat diesen Eid nicht anerkannt und wollte den ursprünglichen Willen Gottes ausführen. Damit ist er weitaus konsequenter als König Saul. der diesen Befehl nur halbherzig ausführte und deshalb sein Königtum verlor. (1.Sam 15)

Wegen diesem Schutzeid, den Saul nicht respektierte, wollte nun Gott, dass alle seine Söhne ihr Leben verlieren ? Das ist schwer zu glauben.

Denn David respektierte selbst den Schutzeid nicht, den er – in einem Augenblick der Selbsterkenntnis (2.Sam 16,10) – dem Simei gegeben hatte. Auf dem Sterbebett (!) beauftragte David in größter Seelen­ruhe seinen Sohn Salomo mit der Ermordung Simeis (2.Sam 19,22-24). Er hatte die Beschimpfung Simeis nie vergessen und vergeben. Aus der Sicht Jesu begeht David damit dieselbe unverzeihliche Sünde, deren sich der „Schalks­knecht“ schuldig gemacht hatte (Mt 18,23ff).

Wieder wird ein Schutzeid verletzt, der beim heiligen Gott geschworen wurde ! Warum kommt jetzt keine Hungersnot oder andere Katastrophe, die nur durch die Hinrichtung der Söhne Salomos zu beenden ist ? Warum geschieht hier keine Sippenhaft ?

Der sorgfältige Bibelleser weiß, dass Sippenhaft in jedem Fall gottlos ist. Sippenhaft ist selbst wieder ein Verbrechen, das im Wider­spruch zum heiligen Gottesgesetz steht. Denn dort heißt es unmissverständlich: “Eltern sollen nicht für die Verbrechen ihrer Kinder hingerichtet werden und Kinder nicht für die Schuld ihrer Eltern. Jeder soll nur für seine eigenen Sünde bestraft werden.” (5.Mo 24,16).

Dieses Gebot darf man als ein Versprechen Gottes sehen, dass allen Kindern der Israeliten gegeben wurde. Gleichgültig wie schwer sich Vater oder Mutter versündigt hatten, jedes Kind hatte das Recht, nicht für die Schuld ihrer Eltern zu büßen.

Das ist das Verstörende an dieser Geschichte: wenn Gott den Gibeoniter das Recht zugestanden hatte, an den Kindern Rache zu nehmen, so heißt das: dass ein wichtiges Schutzgesetz willkürlich aufgehoben werden kann. Woher soll der Leser dann wissen, dass Gott nicht auch andere Zusagen willkürlich und beliebig aufheben kann.

Woher soll er das wissen ?

Das ist die verstörende Schlussfolgerung aus dieser Geschichte.

Gehen wir umgekehrt davon aus, dass Gott seine im Gesetz verbrieften Zusagen niemals aufheben wird, sondern dass sie zuverlässig und ausnahmslos gültig sind, dann kann Gott diesen Sippenhaftbefehl nicht gegeben haben.

Auch hier sind wir wie bei der Unterscheidung von vorläufigen und letztgültigen Aussagen mit der Frage konfrontiert: „Muss man alles in der Bibel glauben ?“

Für den, der glauben möchte, dass jeder Satz der Bibel in einem endgültigen Lehrsatz-Stil geschrieben ist, ein unlösbares Dilemma ! Wie soll er Gläubigen, die aufgrund dieser Geschichte Angst bekommen, dass Gott seine Zusagen möglicherweise nicht einhält, Orientierung geben ?

Die Tatsache, dass auf diese Weise die Zuverlässigkeit der Bibel bestätigt ist, ist nur ein theoretischer Gewinn. Der Gläubige, der Angst bekommt, wird zwar nicht an der Bibel, dafür aber an Gott zweifeln.

Dies führt uns zum Umkehrschluss: es gibt Sätze und Textpasssagen, die nicht im endgültigen Lehrsatz-Stil geschrieben sind. Anders können wir den Text nicht aufschließen. Es hat Gott gefallen, hier ein Stück „Hofberichterstattung“ in die Bibel aufzunehmen.

Es gibt Fernsehsender, die Filme aus Krisengebieten senden mit dem Untertitel „No comment„. Es gibt keine Kommentierung des Reporters, man hört stattdessen den Life-Sound: Strassengeräusche, Gesprächsfetzen, und Meinungsäußerungen von einzelnen Personen, die die Kamera ins Visier nimmt.

Wir haben es bei der Gibeonitergeschichte mit einer Meinungsäußerung zu tun, mit einer (von politischen Interessen geformten) Schilderung der Begebenheiten aus der Sicht und nach dem Wunsch Davids. Parallel sehen wir im Neuen Testament, dass auch Paulus seine Meinung kundtun durfte. (1.Kor 7).

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Gott nicht gestattet ist, Hofberichterstattung oder Meinungsäußerungen in sein Heiliges Wort aufzunehmen. Dadurch wird das, was im endgültigen Lehrsatz-Stil gesagt wurde, nicht unzuverlässig.

Wenn den Gläubigen beim Lesen das ungute Gefühl beschleicht, dass in der Gibeoniter-Geschichte der Wurm steckt, so macht das Sinn. Der Leser ist gezwungen, den tatsächlichen Sachverhalt zu rekonstruieren. Dazu muss er auf feinste Unstimmigkeiten achten und seine Maßstäbe immer wieder neu ausrichten mit Hilfe von Aussagen, die im endgültigen Lehrsatz-Stil verfasst und absolut zuverlässig sind.

Das ist richtige Detektivarbeit. Sie schult das Urteilsvermögen ungemein ! Das ist das Interesse Gottes an dieser Geschichte. Seine Gläubigen sollen lernen, nicht auf alles und jeden hereinzufallen.

Sehen wir doch einmal genau hin!

Auffällig ist, dass Gott zunächst David präzise über die Ursache der Hungersnot informiert haben soll: der Grund seien Sauls militärische Maßnahmen gegen die Gibeoniter (V.1). Als es nun aber um die Fest­legung der angemessenen Sühne dafür ging, schwieg sich Gott urplötzlich aus. Offenbar wurde er zu diesem wichtigen Punkt erst gar nicht befragt. Dabei ist er doch in erster Linie der, der zufriedengestellt werden muss. Er ist derjenige, der genauestens in seinem Gesetz vorgeschrieben hatte, bei welchem Vergehen welche Sühnehandlung angemessen war (vgl 3.Mo 5)!

Statt­ dessen befragte David die Gibeoniter! Theologische Ignoranten! Warum sollten nun gerade diese Leute, die dem jüdischen Glauben distanziert gegenüber standen und sich deshalb auch Sauls fromme Aggression zugezogen hatten, über theologische Einsicht verfügen und etwas wissen, was David selbst nicht wusste?

Die Siebenzahl der Hingerichteten kann als Versuch verstanden werden, die fragwürdige Aktion mit frommer Symbolik als gottwohl­ gefälliges Werk zu deklarieren.

Doch das, was die Gibeoniter als Sühne vorschlugen, war kein gottwohlgefälliges Werk, keine wirksame Sühnehandlung, sondern ein schweres Verbrechen gegen ein wichtiges Schutzgesetz. David wusste genau Bescheid.

Nach der Hinrichtung blieben die Leichen noch tagelang am Galgen hängen, was ebenfalls im deutlichen Widersprung zum Gesetz stand (5.Mo 21,22-23). Manche Ausleger – wie z.B. Keil/Delitzsch – sind der Ansicht, dass auf diese Weise die Entsühnung des Landes aller Welt vor Augen geführt werden sollte .

Da ist zu fragen: woher stammt die Information, dass das nötig und erlaubt war? Hat sich Gott hierzu doch wieder geäußert, nachdem er zur Form der Sühne geschwiegen hatte ?

Wahrscheinlich ist jedenfalls, dass David selbst Soldaten unter den Galgen postiert hat, die die Beerdigung verhindern sollten. Andernfalls hätten die Anhänger der Familie Sauls die Gehenkten noch am selben Abend abgenommen und der schändlichen Schaustellung ein Ende gemacht. Für die Frau, die bei den Galgen blieb und Tiere und Vögel abwehrte (V.10), hatten die Soldaten keine Anweisungen. Sie duldeten es also und berichteten es später David. Der ließ daraufhin – eine “groß­zügige” Geste – die Überreste bestatten (V. 13-14).

Lässt man das „Fromme“ an dieser Geschichte weg, so bleibt das nackte Faktum stehen, dass David zielstrebig seine politischen Konkurrenten aus dem Hause Saul beseitigte. Die öffentliche Aufhängung sollte auch dem letzten Sympathisanten der Saul’schen Sippe vor Augen führen, dass von dieser Königsfamilie nichts mehr zu erwarten war.

Irgendwas stimmt in dem Bericht von David nicht. Wie es tatsächlich gewesen ist, hat uns der Autor der Bibel nicht verraten. Der Gläubige soll selber – so gut er kann – mit Hilfe biblischer Maßstäbe “ermitteln”, d.h. Tatsachen von Behauptung und Recht von Unrecht unterscheiden. Was “ermittelt” und erarbeitet werden muss, darf nicht von vornherein bekannt sein! Wäre alles klar, dann bräuchte der Leser nur noch zuzustimmen. Was wäre damit pädagogisch gewonnen? Genauso viel, als wenn – wie bereits gesagt – ein Lehrer vor der Klassenarbeit einen Zettel mit den fertigen Lösungen austeilen würde!

Der Gläubige kann an solchen Texten seine Urteilskraft schärfen. Er kann sich damit keine völlige Gewissheit, wie es in diesem Fall tatsächlich gewesen ist, erarbeiten. Denn es können keine lebenden Zeugen mehr befragt werden. Er wird also nur zum Ergebnis einer gut oder weniger gut begründeten Vermutung gelangen. Nicht die Wiederherstellung eines 100% genauen historischen Textes ist der Zweck der Übung, sondern die Verbesserung der Urteilskraft!

Die Bibel ist nun einmal kein Auskunftsbüro. Sie hat einen klaren pädagogischen Auftrag, der in knappem Zeitrahmen effizient zu bewältigen ist.

Im folgenden nun der Versuch einer “kriminalistischen” Rekonstruktion der Ereignisse:

Um das Volk der Gibeoniter zu dezimieren, hat Saul natürlich Truppen eingesetzt. Diese Israeliten aber waren genauso schuldig wie Saul, da sie ja alle den Eid kannten, auf den Josua sein ganzes Volk verpflichtet hatte (Jos 9,26).

Warum verzichteten die Gibeoniter darauf (2.Sam 21,4), diese Leute zur Rechen­schaft zu ziehen? Wahr­ scheinlich waren es zu viele, die an dem Feldzug teilgenommen hatten, sodass ihre Bestra fung, zu der David nach dem Gesetz verpflichtet gewesen wäre (4.Mo 35,31), politisch nicht durchsetzbar war. Und der Anstifter des Massakers – Saul – konnte nicht mehr bestraft werden, denn er war im Kampf gegen die Philister bereits gefallen (1.Sam 31,5).

War aber das im Gesetz dringend Gebotene – Blutschuld nur mit der Hinrichtung des Täters zu sühnen (4.Mo 35,31) – nicht durchsetzbar, dann hätte er zumindest auf die gebräuchliche Alternative zurückgreifen müssen, nämlich zur Zahlung eines Sühnegeldes. Daran ändert nichts, dass die Sühnung einer Blutschuld mit Geld in der genannten Bibelstelle ausdrücklich verboten wird. Blutschuld mit Mord zu sühnen, wäre das weitaus größere Übel. Dadurch wäre das Land ja erneut verunreinigt.

In diesem Konflikt kann sich ein Gott gehorsamer Mensch nur für die weniger schlimme Variante entscheiden. Ähnliche Beispiele: Im Alten Testament werden Gläubige für eine Notlüge belohnt, mit der sie Verfolgte geschützt haben (2.Mo 1,19-21 ). Für Jesus war es keine Frage, dass das sehr strenge Sabbatgebot (Todesstrafe! (2.Mo 31,15) gebrochen werden darf, um jemandem in seiner Not zu helfen (Mk 3,4 ) Seine Worte legen sogar nahe, dass nichts dagegen einzu­ wenden ist, wenn man am Sabbat einem Schaf, das in den Brunnen gefallen war, heraushilft (Mt 12,11).

Deshalb kommt also auch für die Gibeoniter nur ein finanzieller Aus­gleich in Frage. Einst waren die Gibeoniter zur Strafe für den durch Täuschung erschlichenen Eid zu ewigem Sklavendienst verpflichtet worden (Jos 9,23). Da Saul diesen Eid gebrochen hatte, hätte David den betreffenden Familien die Befreiung vom Sklavendienst anbieten können. Darüber hinaus wäre es angemessen gewesen, Steuerfreiheit oder Steuer­ermäßigung (vgl. 1.Sam 17,25) zum Ausgleich des Verlustes an Arbeitskraft zu gewähren.

Die Gibeoniter mögen ja als echte Heiden so von Unversöhnlichkeit erfüllt gewesen sein, dass sie die Blutrache einer großzügigen finanziellen Entschädigung vorzogen! Vielleicht hätten sie sich aber auch nach einigem Hin- und Her von dem langfristigen Vorteil der unblutigen und bibelgemäßen Lösung überzeugen lassen. Doch wollte David sie über zeugen?

David will glaubhaft machen, dass ihm keine andere Lösung als die im Gesetz verbotene Sippenhaft zur Verfügung stand, dass er keine andere Wahl hatte, als dazu schweren Herzens seine Zustimmung zu geben. Solange die Gibeoniter nicht einen Segen über Israel ausgesprochen hätten, wäre das Land weiter verflucht (V.3). So stellt es sein Bericht dar. Muss der Bibelleser das glauben?

Einst hatten die Moabiter den Propheten Bileam gebeten, Israel für sie zu verfluchen. Das Ergebnis dieser Bemühung war die Erkenntnis, dass Israel unter dem Schutz Gottes steht und nicht verflucht werden kann: “Gesegnet sei, wer dich segnet, und verflucht, wer dich verflucht!” (4.Mo 24,9). Was hätte da der Fluch der Gibeoniter bewirken können? Sie sind ja weiter gottlose Heiden geblieben – und deswegen ja auch von Saul verfolgt worden.

Somit existiert der von David präsentierte tragische Entscheidungszwang überhaupt nicht. Hier werden nur abergläubische Klischees bemüht. Es mag sogar sein, dass er die Gibeoniter lange Zeit mit scheinheiligen theologischen Bedenken hingehalten hat, die dann soviel Hass und Rachsucht wiederaufflammen ließen, dass die Gibeoniter zu guter Letzt selbst nichts mehr von einer finanziellen Lösung wissen wollten. Für David, der dieses Ergebnis von vorherein angestrebt hat, war es erstens billiger. Zweitens war ihm sehr daran gelegen, den langen Kampf (2.Sam 3,1) zwischen ihm und den Anhängern Sauls baldmöglichst zum Ende zu bringen – notfalls auch mit einem fromm getarnten Justizmord.

Eins ist jedenfalls sicher: wenn David tatsächlich so gehandelt hat, wie berichtet wurde, dann ist bei ihm – genauso wie bei seinem Sohn Salomo – ab einem gewissen Zeitpunkt offen­ sichtlich eine nicht mehr korrigierbare charakterliche Degeneration festzustellen (offiziell wird das aller­dings bestritten: 1.Kö 15,5). Möglicherweise ist es seit Ehebruch und Auftragsmord (2.Sam 11,1ff) mit ihm weiter bergab gegangen. Er hat sein Tun zwar bereut (1.Sam 11,13), und auch Gewissensnöte deswegen empfunden (Ps 51), aber solche Reue kann – besonders bei charakterlicher Abstumpfung – leicht in einem selbstmitleidigen Vorstadium stecken­ bleiben.

Einst hatte David König Saul zweimal verschont, obwohl ihn Saul töten wollte (1.Sam 24/ 26). Hier ist aber einzuwenden, dass es für seine Milde einen ganz wichtigen strategischen Grund gab: David fürchtete Königsmord (2.Sam 1,14-16). Die Stabilität der Monarchie wäre schon in ihrem Anfang gefährdet gewesen, wenn er gleich mit der Ermordung des ersten Königs Israels einen üblen Präzedenzfall geschaffen hätte. Das hätte den Glanz seiner gött­ lichen Erwählung, die der alte Samuel vor aller Augen mit einer Salbung symbolisiert hatte (1.Sam 16,13a), beschmutzt und entwertet. Auf die Legitimation „von Gottes Gnaden“ wollte und konnte David nicht verzichten, zumal große Teile des Volkes zu Saul hielten (2.Sam 2). Das ist der Grund, warum er auch alle, die in eigener Regie einen Nachkommen Sauls töteten, hinrichten ließ (2.Sam 4). Ja, er ließ sogar – eine große dramatische Geste – den Mann töten, der ihm berichtete, dass er Saul auf dessen eigenen Wunsch getötet hatte (1.Sam 1,14). Diese Art „Feindesliebe“ ist publikumswirksame “Öffentlichkeitsarbeit!” Nur den Gibeonitern erlaubte David den Mord – dann aber gleich siebenfach.

In vielen Gemeinden gilt David bis heute als das Vorzeige­ beispiel für praktizierte Feindesliebe. Saul hat es damals – den sicheren Tod vor Augen – so empfunden (1.Sam 24,17).

Wer sich mit der gesamten Davidsgeschichte näher befasst, kommt zu einem anderen Urteil. Normalen Mitbürgern wurde die berichtete Großzügigkeit nämlich nicht zuteil. Nachdem ihm Nabal Unter­stützung versagt hatte, schwor David, “nichts Männliches [!] in seiner Familie am Leben zu lassen” (1.Sam 25,22). Hier hätten alle blutig mitbüßen müssen – Verwandte, Kinder und Knechte! Alles Menschen, die die Entscheidung des Nabal gar nicht zu verantworten hatten. Nabal hatte ja nicht einmal auf die Warnung seiner eigenen Frau gehört. Dennoch hätte David seinen grauenhaften Schwur zweifelsohne wahrgemacht, wenn ihn Abigail nicht rechtzeitig ange­troffen hätte (V.34!). Nur der Zufall hat sie gerettet!

Warum auch nicht? “Nabal” ist das hebräische Wort für “Narr”. Nabal war eine Null, seine Leute waren folglich auch Nullen: nach ihnen hätte kein Hahn gekräht. Dass David leichtfertig und gerne Blut vergoss, war später der Grund, dass er für den Tempelbau nicht in Frage kam (1.Chr 22,8!). Die Chronik berichtet hierin objektiver als Salomo, der den Verzicht Davids damit begründet, dass die mit Davids Kriegen verbundene Unsicherheit den Tempelbau verhindert habe (1.Kö 5,17).

Erleidet die Glaubwürdigkeit der Psalmen dadurch Schaden? Die Psalmen Davids zeigen geistliche Kraft. Wenn er die Kreuzigung Jesu prophetisch beschreibt (Ps 22), haben wir es mit endgültigem, zuverlässigen Lehrsatz-Stil zu tun. Sicher hat David diese Texte in seinen besten Zeiten verfasst.

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Organisation – Hat Jesus eine kirchliche Organisation gegründet ? War Petrus der erste Papst ?

Zur Antwort siehe die Widerlegung der 24. und 25. Behauptung.

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Päpstliche Lehrentscheidungen – dürfen sie geprüft und ggf. angezweifelt werden ?

Jesus nannte die Schriftgelehrten seiner Zeit Heuchler und blinde Blindenleiter (Mt 15,14 / 23, 23), weil sie seine Qualitätsmaßstäbe „Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit“ missachteten. Hätte er bei Petrus eine Ausnahme gemacht und bei ihm diese Missachtung geduldet ? Wohl kaum ! Soll man nun glauben, dass Jesus den späteren Päpsten und der katholischen Kirchenorganisation die Einstufung dieser Maßstäbe als zweitrangig gestattet hätte ?

Ist aber Petrus – angeblich der erste Papst – verpflichtet, diese Maßstäbe bei der Interpretation des Gotteswortes zu beachten, so haben diese höhere Autorität als er selbst. Wie alle Lehrer, wie auch Paulus muss er Gläubigen Rechenschaft geben (2.Kor 6,7)), ob diese Maßstäbe bei seiner Auslegung absolute Priorität haben. Gläubige wiederum haben das Recht, dies zu überprüfen. (1,Thes 5,21) Sie haben durch den heiligen Geist die Fähigkeit dazu erhalten. (1.Kor 2,11-16)

Also hat auch der Papst in seinen Lehrentscheidungen die absolute Priorität der Maßstäbe „Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, wahre Treue“ zu beachten. Tut er das, so sind seine Lehrentscheidungen im Sinne Jesu. Sie sind hilfreich und haben Autorität, die von den Gläubigen respektiert werden sollte. Widersprechen seine Lehrentscheidungen diesen Qualitätsstandards (Beispiele siehe „Giftige Theologie“), so sind diese Entscheidungen Sünde, ihr Verkünden ist Verführung und das Festhalten an ihnen ist Verstockung.

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Pauschalstil

Die Bibel macht manchmal eine umfassende Feststellung, ohne explizit zu erwähnen, dass es auch eine Ausnahme zu dieser Feststellung gibt, die im betreffenden Zusammenhang als nebensächlich angesehen wird. Das ist der biblische “Pauschal-Stil” oder “Fokussierungsstil”. Beispiele: „Der geistliche Mensch beurteilt ALLES“ (1.Kor 2,15). Ausnahmslos? Nein, denn Paulus nennt Gottes Plan mit Israel „unerforschlich“ (Rö 11,33) „NIEMAND kann Jesus den Herrn nennen, es sei denn durch den heiligen Geist“ (1.Kor 12,3). Wirklich niemand? „Es werden nicht alle, die Herr, Herr zu mir sagen, ins Himmelreich kommen“ (Mt 7,21). Von den Schriftgelehrten sagte Jesus: „ALLES nun, was sie euch sagen, dass ihr halten sollt, das haltet auch.“ (Mt 23,3) Die Pharisäer verlangten, sich die Hände zu waschen, und hielten sich auch selbst an das Gebot. (Mt 23,25) Jesus und seine Jünger hingegen hielten sich nicht daran. (Mt 15,2) Jesus sagte über ganz Jerusalem: „Deine Feinde (werden) … dich belagern und … und werden dich dem Erdboden gleichmachen … und KEINEN STEIN auf dem andern lassen in dir, weil du nicht erkannt hast, dass Gott dich in dieser Zeit besucht hat.“ (Lk 19,43-44). Keinen Stein? Eine ganze Mauer – die Klagemauer – blieb erhalten und dient bis zum heutigen Tag als beeindruckendes Denkmal. Die mosaischen Gottesdienstordnungen sollten für “EWIGE” (!) Zeiten gelten: ewiges Brennen des goldenen Leuchters (2 Mo 27,21), des Altarfeuers (3.Mo 6, 6), ewiges Priestertum Aarons (2 Mo 29,9), ewige Sabbatordnung (2 Mo 31,16). Wirklich ewig? Die Urgemeinde in Jerusalem hob diese Ordnungen in der Autorität des Heiligen Geistes auf – und ließ nur vier Ausnahmen bestehen. (Apg 15, 28 -29) Nach dem Hebräerbrief sind diese Ordnungen nur symbolische Hinweise auf die Heilsereignisse des Neuen Bundes und können, nachdem diese Ereignisse eingetreten sind, fortfallen (Hebr 8, 5 +7 / 10,1 + 18). Die geistliche Aussage dieser alttestamentlichen Gebote geht also nicht verloren, auch wenn sie selbst nicht mehr eingehalten werden müssen.

Der Pauschalstil ist der kürzeste Gegenbeweis für die Behauptung, dass die wortwörtliche Auslegung eine Ausnahme mit Sicherheit ausschließt.

Wenn Jesus nun seine Jünger schalt, „weil ihr Herz zu träge war, ALLES zu glauben, was die Propheten gesagt haben“ (Luk 24,25) so taugt auch hier das Wort „ALLES“ ebensowenig als Synonym für ausnahmslose für „100 %“. Es ist kein Beweis, dass Jesus sich ausnahmslos hinter 100% der biblischen Aussagen gestellt hat, wie es die Vertreter der Chicago-Erklärung gerne behaupten.

Brauchbarer ist die Anahme, dass das Wort „ALLES“ ein Synonym für „BEIDES“ ist:
Denn die Propheten kündigten beides an, nicht nur den Triumph sondern auch das Leiden des Messias. Die Jünger hatten an das Leiden nicht glauben wollen (Luk 18,34), den Triumph dagegen sehnlich erwartet.

Der Pauschalstil ist eine Variante des biblischen Fokussierungsstils.

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Polarität der Bibel

Biblische Aussagen sind nicht gleichwertig.
a) Es gibt eine historisch-zeitliche Rangfolge: was später gesagt wurde, wiegt mehr als das, was früher galt.
b) Der Inhalt ist grundsätzlich wichtiger als die Form (Rö 2).
c) Was mit den Qualitätsmaßstäben Christi und dem Liebesgebot übereinstimmt, gilt unmittelbar. Was nicht mit ihnen übereinstimmt, muss im Sinne dieser Maßstäbe selbständig korrigiert werden.
d) Dann macht die Bibel noch eine Unterscheidung zwischen Milch und fester Speise: man kann Gläubigen, die im geistlichen Wachstum fortgeschritten sind, nicht nur mit Milch, d.h. einfachen, grundlegenden Glaubenswahrheiten versorgen, wenn man Stagnation im Wachstum vermeiden will (1.Kor 3,2 / Hebr 5,12+14). Zur festen Speise gehören auch Texte in der Bibel, mit deren Hilfe der Gläubige Urteilsvermögen trainieren soll. Damit ist natürlich auch die Möglichkeit des Missverstehens eingeschlossen bzw. die Möglichkeit, die fehlinterpretierte Bibelstelle als angeblichen „Beweis“ zu missbrauchen. Beispiel: einen Scheinbeweis für die Notwendigkeit der Selbsterlösung könnte man aus der Bibelstelle „Schaffet, dass ihr gerettet werden, mit Furcht und Zittern...“ (Phil 2,12) herauslesen. Anderes Beispiel: „doppelte Ehre“ in 1.Tim5,17 könnte man – dem Zusammenhang entsprechend – als „doppeltes Einkommen“ übersetzen. Das aber stimmt sicherlich nicht (siehe Details unter der Behauptung: “Das Textverständnis, das sich am engsten an den Wortlaut der Bibel hält, ist das beste.”). Um den Sinn zu erfassen, müssen die Auswirkungen („Früchte“ in Mt 7,16) der jeweiligen Interpretation auf das geistliche Leben untersucht werden.

Der unterschiedliche Rang biblischer Texte wird auch dadurch deutlich, dass die Bibel nicht so übersetzt wird, wie man üblicherweise ein Buch übersetzt, vom Anfang bis zum Ende. Ich möchte behaupten: es gibt keinen einzigen Bibelübersetzer, der mit der Genesis anfangen und mit der Offenbarung abschließen würde. Alle Bibelübersetzer, die einer bisher unerschlossenen Sprache die Bibel bringen, werden zuerst ein Evangelium übersetzen. Denn es ist völlig klar, wo der Kern der Botschaft (Anker) zu finden ist. Nicht ohne Grund verwendet man die Bezeichnung “Evangelium” (= gute Nachricht) auch für die gesamte Bibel. Später wird Stück für Stück der größte Teil des Neuen Testamentes übersetzt, wobei man sicherlich nicht der Reihenfolge Inhaltsverzeichnisses einer Vollbibel folgen wird. Sehr wahrscheinlich wird er vor Abschluß des Neuen Testamentes Psalmen und wichtige Kapitel der Genesis übersetzen. Für diese Arbeit braucht man sehr viel Zeit. Unter ungünstigen Umständen kann es länger als ein Jahrzehnt dauern. Hat man dann noch Zeit und Kraft, und ist nicht die Arbeit an einer neuen Sprache oder einem benachbarten Dialekt dringender geworden, wird man mit dem AT beginnen und auch dort muss man wieder Prioritäten setzen. Eine vergleichsweise geringe Priorität werden sicherlich das Buch Leviticus (3.Mose), das Buch Ecclesiastes (“der Prediger Salomo”) oder das Hohelied haben.

Es gibt also eine ziemlich klare Rangfolge biblischer Bücher und innerhalb der einzelnen Bücher eine nachvollziehbare Rangfolge der Aussagen.

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Predigt-Nachbereitungsdienst (“Gemeinde-Feedback”)

 

Die Predigt ist das Zentrum des Gottesdienstes.

Der Predigt-Nachbereitungsdienst prüft die Predigt am Wort Gottes und nimmt auch selbst Kommentare der Gemeindemitglieder dazu entgegen. Im nächsten Gottesdienst erhält er in den Abkündigungen ein paar Minuten, um der Gemeinde wertvolle Aussagen noch einmal in Erinnerung zu rufen, aber auch umstrittene Aussagen als solche zu kennzeichnen, Einseitiges zu ergänzen bzw. Irrtümer zu korrigieren.

Auf diese Weise nimmt die Gemeinde am Zentrum des Gottesdienst, dem Predigtdienst, aktiv teil.

Dadurch, dass die Kommentare der Gemeindemitglieder berücksichtigt werden, lohnt es sich für sie, ihre Bibel gleich zum Gottesdienst mitzubringen – zum Mitlesen und Mitdenken. Sie werden zum gründlichen Bibelstudium ermutigt – was einer leichtgläubigen Fixierung auf beliebte Personen entgegengewirkt.

Wie kann man das praktisch organisieren? Hier können wir auf eine brauchbare Lösung zurückgreifen, die etliche Brüdergemeinden bereits gefunden haben.

Im Predigt-Nachbereitungsdienst sind nur Gläubige, die entsprechende Begabung haben. In erster Linie natürlich Gläubige aus dem Vorstand. Vorstandsmitglieder, die nur administrative Fähigkeiten haben, sollten aber hier nicht teilnehmen. Dieser Kreis sollte ganz von administrativen Aufgaben verschont bleiben. Im Gegensatz zum Vorstand, der nur aus gewählten Mitgliedern besteht, ist dieser Kreis offen. Die Mitglieder haben das Recht, Gläubige aus der Gemeinde, die entsprechende Begabung haben, zur Mitarbeit einzuladen. Einer Wahl bedarf es dazu nicht. Die Gemeinde wird dennoch nicht übergangen. Sie hat das Recht, ein Veto gegen den Eingeladenen auszusprechen. Durch diese Konstruktion wird die starre Abschottung des Vorstandes von der Gemeinde (“wir hier oben – ihr da unten“), die dem Neuen Testament auch gar nicht entspricht, ein Stück weit überwunden.

Dabei ist zu beachten: der Gottesdienst ist ein Ort des Friedens und der Anbetung. Die Predigtnachbereitung in den Abkündigungen soll diesen Frieden nicht stören, sondern nur darauf hinweisen, dass aus der Gemeinde noch wichtige Impulse dazu gekommen sind. In einer weiteren Veranstaltung in der Woche könnte z.B. Gelegenheit gegeben werden, dazu im Detail Stellung zu nehmen. Diese Veranstaltung muss nicht wöchentlich stattfinden. Effizienter wäre es, auf der Internetseite der Gemeinde ein Forum mit Passwort einzurichten, wo jeder seinen Kommentar geben kann. Wer teilnimmt an diesem Forum, verpflichtet sich, die Fairness-Regeln im Umgang mit Andersdenkenden zu beachten. Falls sehr viel geschrieben bzw. viel wiederholt wird, kann der Administrator Kürzungen vornehmen, indem er Textteile mit einem Link auslagert.

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Propaganda

 

Die Propaganda liefert der Öffentlichkeit Denkmuster und Sprachregelungen, die die Wahrnehmung der Wirklichkeit behindern oder unmöglich machen sollen.

Propaganda bewirkt, dass übelste Zustände und Verhaltensweisen toleriert werden und ewig fortbestehen können. Propaganda führt zur Schizophrenie des Denkens. Man soll Dinge als gleichwertig akzeptieren, die sich nicht miteinander vertragen. Dadurch wird die Widerstandskraft gelähmt bzw. jeder Versuch, die Situation zu bessern, im Keim erstickt. Das Motiv der Propaganda sind Machtinteressen, die auf Kosten anderer durchgesetzt werden.

Sehr bekanntes Beipiel: Zu Zeiten der DDR wurde die Mauer als “antifaschistischer Schutzwall” deklariert, der das “Arbeiter und Bauernparadies” vor der “imperialistischen Aggression” schützten sollte.

Auch gute und wahre Worte können zur Propaganda werden, wenn sie dazu dienen, zu verschleiern, dass die Wirklichkeit anders ist.

Wer von Liebe redet, aber lieblos handelt, wer auf seine Autorität pocht, aber sich selber der Autorität Gottes entzieht, betreibt private Propaganda, die ebenfalls eine gestörte Wahrnehmung zur Folge hat. Man weiß zu guter Letzt wirklich nicht mehr, was Liebe oder was Autorität ist. Die Unart, maßlos zu übertreiben und Kleinigkeiten mit Superlativen aufzublasen, führt zur Abnutzung der Sprache. Wenn wirklich etwas einmal Besonderes geschieht, stehen dafür keine Worte mehr zur Verfügung.

Propaganda soll verdecken, dass die Gemeinde wichtige Aussagen der Bibel selbst nicht ernst nimmt. Sie soll fragwürdige Interessen einzelner verdecken. Je stärker die Propaganda ist, desto unglaubwürdiger das Trösten mit Heilsverheißungen der Bibel, desto schwächer und hilfloser die Seelsorge.

Das Trösten mit Heilsverheißungen der Bibel ist “Heilspropaganda”, wenn zugleich Werkgerechtigkeit oder Buchstabenterror geduldet wird.

Von “Heilspropaganda” wird man auch sprechen dürfen, wenn die Liebe und Vergebung Jesu verkündet, aber über den erneuerten Charakter des Gläubigen kaum gesprochen wird. “Sie belügen mein Volk und verkünden den Frieden, obwohl kein Friede da ist.” (Hes 13,10)

“Heilspropaganda” zeigt sich auch in mangelndem Respekt vor der königlichen Würde des einzelnen Gläubigen. Wenn die Ältesten einer Gemeinde die Befugnisse der Mitgliederversammlung, die sie gemäß der Bibel haben, zugunsten privater Interessen einschränken und Bemühungen um eine faire Gemeindeordnung behindern (siehe “strafbare Handlungen“), dann sind alle Beteuerungen, dass “jeder Gläubige die Würde eines Königskindes habe” und “sich niemand in der Gemeinde sich über den anderen stellen dürfe”, nur Propaganda.

Bußpredigt ist Propaganda, wenn keine Gemeindezucht geübt wird.

Weiteres Beispiel: “Gemeinschaft der Heiligen” ist ein Begriff aus dem Glaubensbekenntnis. Wenn eine Gemeinde Unrecht duldet, sich aber dennoch immer wieder als “Gemeinschaft der Heiligen” bekennt, dann zerstört sie ihre Wahrnehmung. Zu guter Letzt weiß man gar nicht mehr, was “heilig” ist und fragt auch nicht mehr danach. In der Volkskirche scheint das inzwischen weithin erwünscht zu sein.

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Qualitätsförderung

Die zwei wichtigsten Schwerpunkte der Qualitätsförderung sind der Predigt-Nachbereitungsdienst und der schiedsgerichtliche Dienst. Ohne diese Dienste ist eine objektive Gefahr von Manipulation und Machtmissbrauch gegeben, was Gläubigen zu denken geben sollte, die vorschnell rufen: “Dafür haben wir keine Zeit !”

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Qualitätsmaßstäbe Christi

Die Qualitätsmaßstäbe Jesu Christi sind “Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit” (Mt 23,23). Ebenso wie das Liebesgebot haben sie höchste Priorität (Mt 23,23). Deshalb muss auch die praktische Anwendung dieser Maßstäbe gelehrt werden. “Jeder Gedanke ist gefangenzunehmen unter den Gehorsam Christi” (2.Kor 10,5).

Entscheidend wichtig ist der Gedanke, dass alle drei Maßstäbe voneinander abhängen und dadurch dem frommen Selbstbetrug entgegenwirken: Es gibt keine Treue, keine Verlässlichkeit, keine Glaubwürdigkeit ohne Barmherzigkeit, keine Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit. Es gibt keine Liebe ohne Liebe zum Recht. Wer unfair handelt, handelt daher lieblos, unbarmherzig und unglaubwürdig – was immer er auch wortreich beteuern mag!

Da die Qualitätsmaßstäbe Christi höchste Priorität haben, müssen alle anderen Bibelworte in ihrem Lichte interpretiert werden. Andernfalls drohen gefährliche Missverständnisse. (siehe auch “Giftige Theologie“)

Es ist unter Evangelikalen Mode, zu betonen, dass “wir eine Erweckung brauchen”. In einer echten Erweckung werden die Maßstäbe Christi angemessene Bedeutung haben: nämlich höchste Priorität! (Mt 23,23)

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Rangunterschiede biblischer Aussagen

Wir beobachten bei Geboten folgende Unterschiede:

1. Aussagen der Bibel, deren allgemein höchste Autorität anerkannt wird: hierzu gehören in erster Linie z.B. die Zehn Gebote (Ex 20) mit Ausnahme der Feiertagsheiligung sowie die sogenannten Lasterkataloge des Neuen Testamentes (2.Kor 13,20 / Gal 5,18-21 / 1.Kor 6,9-10 / 1.Tim 1,9-10 / 2.Tim 3,2-6 / 1.Pe 4,3) sowie Gebote des freundlichen und großzügigen Umgangs (Jak 3,17 / 1.Pe 3,8-10) sowie die Gebote, Gott zu lieben, zu vertrauen, zu loben und zu danken.

2. Aussagen der Bibel, die nur von einem Teil der Gläubigen respektiert werden: das Gebot der Feiertagsheiligung (Rö 14,5), das Verbot, einen Bruder vor Gericht zu bringen (1.Ko 6,1ff), das Gebot, den, der böse ist, aus der Gemeinde zu entfernen (1.Ko 5, 13), das Gebot, einem hilflosen Menschen, der übervorteilt wurde, beizustehen (Jes 1,17), das Verbot, einem wohlhabenden Bruder mehr Respekt zu erweisen als einem armen Bruder (Jak 2,1 ff), das Verbot, einen Bruder Lehrer oder Meister im Glauben zu nennen (Mt 23, 8-11) (man nennt ihn stattdessen Dr.theol. oder Master of Divinity), das Gebot erwachsen und nicht kindisch zu denken (1.Ko 14,20), das Gebot über die geistliche Qualität des Dienstes in der Gemeinde ehrlich Rechenschaft zu geben (2.Ko 6,3-8), das Gebot, Gott die Leiter oder Lehrer in der Gemeinde bestimmen zu lassen (1.Ko 12,28), das Verbot, das Zungenreden in der Gemeinde zu untersagen (1.Ko 14,39), das Verbot über den Glauben der Geschwister zu herrschen (2.Ko 1,24/ 1.Pe 5,3); das Gebot, die Brüder mit einem Kuss zu grüßen (Rö 16,16 / 1.Pe 5,14), das Gebot, für die Feinde zu beten (Mt 5,44), das Gebot, dass Geschiedene ehelos bleiben sollen (1.Ko 7,10-11), das Gebot der schmucklosen Frauenkleidung und Haartracht (1.Pe 3,3), das Gebot, den Kopf der Frauen beim Gebet zu bedecken (1.Ko 11,5), das Gebot, dass die Frau in der Gemeinde nicht lehren soll (1.Tim 3,12).

3. Aussagen der Bibel, die meistens oder immer ignoriert werden: das Gebot, Streitfälle in der Gemeinde weise und vorbildlich gerecht zu entscheiden (1.Ko 6,5), das Verbot, Spenden anzunehmen, wenn das Geld jemandem zusteht, der versorgt werden muss (Mk 7,11), das Gebot, sich an Nahrung und Kleidung genügen zu lassen (1Tim 6,8), das Gebot, bei einem Fest vorrangig Menschen aus der sozialen Unterschicht einzuladen (Behinderte, Arme usw.) (Luk 14,13-14), das Gebot, einer Frau, die unbedeckt betet, das Haar abzuschneiden (1.Ko 11,6), das Gebot, dass Sklaven ihren Herren untertan sein, ihre Pflichten ohne Murren erfüllen müssen und Misshandlungen demütig ertragen müssen(1.Pe 2,18-19).

Wie verträgt sich die unterschiedliche Beachtung von Geboten und Verboten der Bibel mit der Behauptung, dass alle Aussagen gleiche Autorität hätten?

Eines steht fest: wenn es sich bei diesen Aussagen um Gottes heiliges Wort handelt – woran wir festhalten wollen – dann ist es völlig inakzeptabel, wenn der Gläubige ein einziges dieser Gebote und Verbote willkürlich ignoriert.

Wenn er dieses Recht hätte, hätten alle anderen Menschen dieses Recht auch, ein Gebot oder Verbot, dass ihnen nicht zusagt, willkürlich aufzuheben. Damit wäre die Ethik aufgelöst. Sie wäre einfach eine Geschmacksfrage.

Das gleiche gilt, wenn man die Aufhebung eines einzigen Gebotes oder Verbotes mit der Tradition begründet. Das hieße nichts anderes, man handelt so, weil alle anderen im eigenen Umkreis auch so handeln oder immer so gehandelt haben. Es hieße nichts anderes: als dass der Gläubige “mit den Wölfen heulen müsse“. Auch damit wäre die Ethik aufgelöst. Sie wäre einfach eine Mode, nach der man sich zu richten hätte, wenn man nicht “out“ sein möchte.

Daraus folgt: der Gläubige muss die Aufhebung eines biblischen Gebotes oder Verbotes immer mit der Bibel selbst begründen können. Für die Aufhebung nimmt er dann göttliche Autorität in Anspruch und nicht seine eigene menschliche.

Dieses Verfahren ist zum einen möglich, weil biblische Aussagen nicht gleichwertig sind, sondern in einer Rangfolge stehen, an deren Spitze (Mt 23,23)die drei Qualitätsmaßstäbe JesuBarmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit“ stehen.

Zum anderen ist es erlaubt, weil die Bibel uns dieses Verfahren selber vormacht: Der Apostelkonvent hebt fast alle für die jüdische Gemeinde bis dato gültigen jüdischen Gesetze auf, bis auf vier Ausnahmen. (Apg 15,20). Eine dieser Ausnahmen, das Verbot von Götzenopferfleisch, wird von Paulus später noch einmal relativiert. (1.Ko 11,29)

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Religiosität

Gott möchte, dass seine Kinder ihre hohe Berufung, ihre Freundschaft mit Gott, im Lebensstil zeigen. (“Heiligung“) Er will ihren Charakter formen, damit sie Menschen Mut machen können, Gott zu vertrauen. Der religiöse Mensch lehnt das ab, will aber auf religiöse Gefühle nicht verzichten. Der christliche Glaube soll nur noch emotionales Gewürz sein, eine verfeinernde Zutat zur Hauptmahlzeit, d.h. zur einer weitgehend materialistischen Lebenseinstellung. Kosten darf der christliche Glaube nichts mehr.

Religiosität ist ein Aberglaube, der leider auch in der lutherischen Volkskirche weit verbreitet ist. Man denkt dann in etwa so: “Wer glaubt, dass Jesus alles erledigt hat, der hat das Heil sicher, ganz egal ob er Heiligung wünscht oder darum betet.” Voltaire hatte einst zynisch gesagt: “Jesus muss ja sowieso vergeben. Es ist ja nun einmal sein Job”. Wahr ist: Diese Art “Gnade” ist ein gefährlicher Irrtum! Echte Gnade wird niemals durch Lippenbekenntnisse und Heuchelei erworben! Es gibt kein Heil ohne Heiligung !

Die Bibel sagt es ausdrücklich: “Ohne Heiligung wird niemand den Herrn sehen !” (Hebr 12,14) Mögen etliche Prediger auf den Kanzeln das Gegenteil versichern – auch wenn sie sich damit sehr beliebt machen, handeln sie nicht im Auftrag Jesu. Es wäre dumm, sich auf Menschenmeinung zu verlassen.

Religiosität kann eine Form der Resignation sein bei Menschen, die sich jahrelang sinnlos mit Werkgerechtigkeit herumquälen mussten. Gott wird diese Menschen sicherlich viel barmherziger beurteilen als solche, die die wohltuende Natur des Glaubens erkannt und ihn dennoch verworfen haben. Man kann immer wieder nur warnen, dass der Gläubige mit Werkgerechtigkeit keine Kompromisse machen darf, da sie für die Beziehung zu Jesus Christus äußerst gefährlich ist: “Ihr habt Christus verloren, die ihr durch die Erfüllung einer Norm gerechtwerden wollt – ihr seid aus der Gnade herausgefallen“. (Gal 5,4)

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Satire “Hiob und seine Freunde”

Unsere kleine Satire “Hiob und seine Freunde” veranschaulicht, wie vortrefflich sich die Bibel missbrauchen lässt, um Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen zu rechtfertigen. Dass unbequeme Mahner seriöse Argumente haben, braucht kein Kopfzerbrechen zu machen. Um zu gewinnen, braucht man nicht Argumente und Schriftbeweise – Gott behüte ! – , sondern eine funktionierende Propaganda und eine Reihe bewährter Tricks.

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Schiedsgerichtlicher Dienst

Da die Gemeinde “geheiligt” (Eph 6,26-27) worden ist, d.h. göttliches Eigentum geworden ist, darf Böses in ihr nicht geduldet werden. (Eph 5,11) Sie ist der Leib Christi, in dem sich die Körperteile füreinander verantwortlich sehen sollen, muss die Gemeinde auf die Schädigung eines Mitgliedes solidarisch und angemessen reagieren. (1.Ko 12, 26)

Sowohl Jesus wie Paulus sagten, dass Rechtsstreitigkeiten in der Gemeinde nicht ignoriert werden (Mt 18,17 /1.Ko 6,1 ff), sondern durch geeignete Gläubige der Gemeinde nach biblischen Maßstäben geschlichtet werden sollen. Dazu haben wir ein einfaches und sinnvolles Verfahren vorgeschlagen, das die Autorität der Gemeindeversammlung angemessen respektiert.

Sofern man dieses Verfahren noch nicht eingerichtet hat, sollte man dem Geschädigten das Recht zugestehen, seine Sache den Ältesten einer nicht beeinflussbaren anderen bibeltreuen Gemeinde vorzutragen, die den Beschuldigten hört und ihre Beurteilung in den Mitgliederversammlungen vorträgt. Diese simple Lösung ist immer möglich!

Dieser Dienst bearbeitet (nur!) einzelne Fälle, in denen jemand mutwillig durch ein Gemeindeglied geschädigt worden ist und deshalb Anspruch auf Hilfe hat (Straftaten wie Betrug, Diebstahl, Verleumdung, Mobbing, Körperverletzung). So etwas kommt gottlob selten vor, muss aber glaubwürdig geklärt werden – wenn Gläubige die Qualitätsmaßstäbe Jesu Barmherzigkeit, Liebe zum Recht, Treue und Redlichkeit” (Mt 23,23) als wichtigste Gebote respektieren. Der schiedsgerichtliche Dienst ist eine Notordnung, da die Gemeinschaft der Gläubigen durch Duldung von Straftaten unglaubwürdig wird.

Erbschaftsstreitigkeiten, die bei jedem Todesfall eintreten können, regelt die Gemeinde nicht (Luk 12,14). Nach biblischer Sicht verfügt der Erblasser über sein Einkommen so wie er will. Die Frage, wem der Erblasser was hätte hinterlassen müssen, wird von Gläubigen in der Regel unterschiedlich beantwortet werden. Ein Rechtsanspruch, der klar definiert ist und “vor die Gemeinde gebracht” (Mt 18,17) werden kann, entsteht dadurch nicht.

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Schritte zur Befreiung – ganz kurz gefasst

Um aus einer durch das Bibelverständnis verursachten Depression wieder herauszufinden, wird auf unserer Internetseite folgendes Vorgehen empfohlen:

1. perfektionistische, “giftige” Theologie demaskieren und glaubwürdig widerlegen

(Ziel: Durch Anwenden des höchstrangigen Ordnungskriteriums der Bibel, den Qualitätsmaßstäben Jesu, kann der depressiv gefährdete Gläubige den Freiraum zurückgewinnen, den er benötigt, um sich aus destruktiven Prägungen durch Tradition, Erziehung und Gewissen zu lösen. Glaubwürdig widerlegen heißt, sich allen möglichen Gegenargumenten von vornherein zu stellen. Dies ist besonders notwendig, wenn Gläubige unter der grausamen Angst leiden, eine unvergebbare Sünde begangen zu haben: siehe den Lösungsweg. Leider ist in etlichen Gemeinden gar nicht bekannt, dass die Qualitätsmaßstäbe Jesu der unverzichtbare Schlüssel für die Interpretation aller biblischen Aussagen ist.)

2. den positiven und mutmachenden Charakter einer Freundschaft mit Gott (“Heiligung“) verdeutlichen

(Ziel: auf die Überwindung negativer Missverständnisse muss das konstruktive Verstehen folgen, das eine durch Liebe und Vertrauen geprägte Beziehung des Gläubigen zu Gott ermöglicht und vertieft. Dabei nimmt der Gläubige das durch die Bibel verbriefte Recht in Anspruch, die Frage nach der Qualität der Ergebnisse (“Früchte”) zu stellen (Mt 7,16 / Joh 8,46). Ohne konstruktives Verstehen entsteht ein Vakuum, das bald wieder von Destruktivität – Selbsterlösungsbemühungen oder gar Verkümmerung des Glaubens – ausgefüllt werden wird.)

3. zur kritischen Wahrnehmung von Autorität und Macht in der Gemeinde anleiten

(Ziel: der depressiv gefährdete Gläubige braucht zusätzlich den Schutz vor unfairen Methoden der Manipulation und seelischen Erpressung, die möglicherweise weiter von außen auf ihn einwirken werden. Das Recht jedes Gläubigen, die Qualität der Ergebnisse zu prüfen, steht zu einem selbstherrlichen Interpretationsmonopol der Leitung in Widerspruch. Auch trägt die Erkenntnis, dass Gott eine Gemeinde weiter segnet trotz Unvollkommenheiten, Schwächen und langfristigem Versagen in der Leitung, viel zur Entkrampfung und Loslösung von perfektionistischer Prägung bei. Leider besteht in etlichen sich als “bibeltreu” verstehenden Gemeinden an der Identifikation und Bekämpfung von Machtmissbrauch kein Interesse, was eine dauerhafte Verunreinigung der Lehre und Ethik zur Folge hat. )

Wenn es erst einmal gelungen ist, auf diese oder ähnliche Weise die seelische Denkblockade aufzuheben, ist der Weg frei für seelsorgerlich-therapeutische Förderungsverfahren zur Wiederherstellung der seelischen Stabilität.

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Schutzmaßnahmen gegen giftige Theologie

– den Qualitätsmaßstäben Jesu in der Gemeindetheologie höchste Priorität zuerkennen;
– dem Gläubigen das Recht zugestehen, Interpretationen biblischer Aussagen entsprechend dieser Qualitätsmaßstäbe zu bewerten;
– auf diesem Weg eine Kultur der Offenheit und der Fairness in der Gemeinde schaffen, die negative Erfahrungsberichte zulassen kann;
– unfairen Manipulationsversuchen in der Gemeinde entgegentreten (“Miese Tricks“)
alle Versuche, Gläubigen wegen ihrer Unvollkommenheit ein schlechtes Gewissen zu machen ( “giftige Theologie”), konsequent abwehren;
– die Entwicklung des Charakters beobachten (“Früchte” Mt 7,16 / Eph 1,11 / Jak 3,17)
– dem Gläubigen das Recht zugestehen, aus charakterlichen Fehlentwicklungen Schlüsse auf theologische oder pädagogische Mängel zu ziehen.

Umgekehrt sind günstige Bedingungen für das Entstehen von giftiger Theologie: Theologische Aussagen werden nicht an den Qualitätsmaßstäben Christi geprüft; es wird geduldet, wenn sie ihnen widersprechen, die theologische Abgrenzung zur Werkgerechtigkeit ist unglaubwürdig und widersprüchlich; die Überprüfung unzulässiger Machtausübung von Eltern und Pastoren ist tabu, es existiert ein starker Gruppendruck, der bestimmt, welche Fakten öffentlich genannt werden dürfen und welche nicht. („Evangelical correctness„)

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Selbsterkenntnis

Die Fähigkeit zu realistischer und gründlicher Selbsterkenntnis ist das erste Werk des Heiligen Geistes im Gläubigen, der “von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überzeugt.” (Jo 16,8) Diese Selbsterkenntnis wirkt aber nicht destruktiv auf das Gemüt, da der Gläubige mit dem Heiligen Geist eine neue Natur geschenkt bekommt, die sein eigentliches Wesen bildet und im Gegensatz zur alten, sündigen Natur ewig fortbesteht.

Das Bemühen um Selbsterkenntnis verbessert das Urteilsvermögen erheblich, da die Verzerrung der Sicht durch eigene Rechtfertigungsversuche vermieden wird.

Auch in dem bemühtesten Gläubigen “steckt eine ganze Hölle”. Doch das Vertrauen auf die Gnade Gottes und die Reaktion der Liebe und Dankbarkeit eröffnen die Möglichkeit, im Einklang mit der neuen, geschenkten Natur und im Gegensatz zur alten, sündigen Natur zu handeln.

Gründliche Selbsterkenntnis hilft dazu, mit den Fehlern der Mitchristen gelassen umzugehen. Korrektur muss sein, doch sie soll mit “sanftmütigem Geist” geschehen (Ga 6,1), in der Erkenntnis, dass alle ausnahmslos durch Sünde in Versuchung geraten können.

Ein Gläubiger, der sich selbst um gründliche Selbsterkenntnis bemüht, macht es dem Mitchristen, den er korrigiert, leicht, notwendige Korrektur anzunehmen.

Der im Glauben gereifte Gläubige erkennt Selbsterkenntnis als äußerst wertvoll, da sie vor charakterlichen Fehlentwicklungen, unnötigen Konflikten und Schäden vielerlei Art bewahrt. Das vorübergehende Unbehagen, dass sie erzeugt, fällt diesem Nutzen gegenüber nicht ins Gewicht. Dieses Unbehagen wird zudem umso kleiner, je häufiger der Gläubige Selbstkritik übt.

Gläubige, die das vorübergehende Unbehagen meinen nicht ertragen zu können, entwickeln eine unangemessen hohe Meinung von sich selbst. Um diese Meinung zu stützen, spielen sie eigene Fehler herunter und betonen stets nebensächliche Punkte, in denen sie einigen Gläubigen überlegen sind. Ihre Kritik ist von vornherein dialogfeindlich (“moralischer Knüppel”), damit auf keinen Fall eigenes Versagen zur Sprache kommt. Kritik hat nur einen Zweck, dem anderen moralische Überlegenheit zu demonstrieren und die eigene Haltung der Selbstzufriedenheit – die man eher Unverbesserlichkeit nennen müsste – zu stärken.

Dadurch werden viele Beziehungen in der Familie und in der Gemeinde sehr schnell und leichtfertig zerstört. Da der selbstzufriedene Moralist aber nicht vereinsamen will, sammelt er eine kleine Gruppe von Gleichgesinnten um sich, die wie er auf dieselben nebensächlichen Punkte Wert legen und sich naserümpfend von allen anderen in der Gemeinde absondern, die ihre Ansichten nicht teilen. Solche Gruppen machen durch z.T. auffallend dumme Urteile, Beschimpfungen und Verleumdungen andersdenkender Geschwister ständig auf sich aufmerksam.

Es hat keinen Zweck, Angehörige der Gruppe auf ihr bösartiges Verhalten hinzuweisen, da sie sich als über jeder Kritik stehende “Lichtgestalten” ansehen bzw. glauben, dass der gute Zweck der Gruppe, für die “Reinerhaltung des Glaubens” zu kämpfen, nahezu jedes Mittel rechtfertige.

Wer Spaltungen in die Gemeinde hineinträgt, vergiftet das friedliche Miteinander und die Bruderliebe auf lange Sicht. Er begeht damit eine ähnlich schwere Sünde wie Hurerei und hat damit sehr schlechte Aussichten, dereinst bei Gott im Himmel anzukommen. “Was unsere Natur hervorbringt, ist offensichtlich: sexuelle Unmoral, Unsittlichkeit und Ausschweifung, Götzendienst und Zauberei, Feindseligkeit, Streit und Eifersucht, Zornausbrüche, Intrigen, Zwistigkeiten und Spaltungen, Neidereien, Sauforgien, Fressgelage und ähnliche Dinge. Ich warne euch, wie ich das schon früher getan habe: Wer so lebt, wird in Gottes Reich keinen Platz haben.” (Gal 5,19-21 / NeÜ)

Um diese große Gefahr deutlich zu machen und auch zu verhindern, dass noch andere Gläubige in solche Gruppen hineingezogen werden, sollte eine Gemeindeleitung niemals zögern, Gläubige dieser gefährlichen (!) Geistesrichtung, die bekanntermaßen sehr starrsinnig sind, aus der Gemeinde auszuschließen.

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Selbstverstärkung

Auch gläubige Menschen stehen immer in der Versuchung, sich geistlicher Disziplin zu entziehen. Entsprechend blüht die Kultur der Verharmlosung und Entschuldigung. Fromme Lippenbekenntnisse garantieren das Gefühl, es mit dem Glauben ernst zu meinen (Mt 15,8). Dabei hat man sich aus der Bibel das herausgesucht, was den eigenen Status quo bestätigt. Der Weg, den Gott eigentlich plante (Eph 2,10), interessiert nicht.

Um dieses Problem zu meistern, bedarf es mehr als einer Anhäufung lückenlos richtiger Informationen. Es bedarf dazu einer einzigartigen Eigenschaft der Heiligen Schrift. Die Bibel reagiert auf den Leser. Sie liefert keine standardisierte, allen gleichermaßen zugängliche Information, sondern sie verbirgt und enthüllt. Zuverlässige Information, die der Leser zur Gestaltung des christlichen Lebens braucht, erhält er nur durch starkes Interesse für die Wahrheit. Ist dieses Interesse nur halbherzig, ist ihm anderes gar wichtiger, so wird er das, was er liest, auch nur zum Teil oder gar gänzlich missverstehen:.

Jesus sprach zu ihnen: “Euch lässt Gott die Geheimnisse seiner neuen Welt verstehen, anderen sind sie verborgen. Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu, ja, er wird mehr als genug haben. Wer aber nichts hat, dem wird auch noch das Wenige, das er hat, genommen..” (Mt 13,11-12). Das gilt genauso für das Alte Testament: “Gegenüber den Heiligen bist du heilig, und gegenüber den Treuen bist du treu, gegenüber den Reinen bist du rein, aber für die Falschen bist du falsch.” (Ps 18,26-27)

Deshalb kann das göttliche Gesetz typische Illusionen hervorrufen.

Dass Gott solche Illusionen zulässt, heißt nicht, dass er lügt. “Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis” (1.Jo 1,5). Dieses Axiom bleibt uneingeschränkt gültig. Doch wenn man Kritizismus und Verachtung des Gotteswortes erfolgreich abwehren will, dann darf man nicht Methoden verwerfen, die Gott in seiner Weisheit für sinnvoll hält. Wenn Gott Illusionen zulässt, so steht auch dahinter sein Interesse an der Wahrheit (1.Tim 2,4). Das unterscheidet ihn vom Menschen, der zur Täuschung greift. Anders als Gott hat der unwahrhaftige Mensch keine Interesse daran, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt (Jo 3,20).

Warum wählt Gott bisweilen gerade diese Methode, die uns auf den ersten Blick suspekt erscheint?

Der Glaube an Gott bietet viele Möglichkeiten der Selbsttäuschung. Die eigentliche Realität, die ewig Bestand hat, ist unsichtbar. Das innere Leben des Gläubigen und die Seele der Mitmenschen ist unsichtbar. Die Folgen des menschlichen Verhaltens sind oft ebenfalls nur schwer zu erkennen, soweit sie sich auf den seelischen Bereich auswirken und sich mit anderen Einflüssen überschneiden. Auch sind die Nebenwirkungen eines Frömmigkeitsstils möglicherweise erst nach Jahrzehnten erkennbar.

Die Bibel beschreibt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben einiger Personen. Die Lücken lassen sich sehr oft nur durch Vermutungen schließen. Denn die in der Bibel geschilderten Persönlichkeiten kann man ja nicht mehr befragen. Wie sie im Detail gefühlt und gedacht haben, ist bei einer zeitlichen Distanz von zweitausend Jahren und mehr wohl kaum rekonstruierbar. Somit ist die Bibel eine Notlösung. Sie macht den Gläubigen nur mit dem Wichtigsten vertraut.

Das führt natürlich dazu, dass die emotionalen Bedürfnisse der Gläubigen sich in den Vordergrund drängen und die Interpretation sehr stark beeinflussen. Entsprechend groß ist die Neigung zum Selbstbetrug.

Einige falsche Interpretationen haben wir unter der Überschrift “Giftige Theologie” zusammengestellt.

Da aber eine Aufzählung aller möglichen Missverständnisse und faulen Kompromisse unmöglich ist, hat Gottes Weisheit einen anderen Weg gefunden.

Er erzieht zu einer inneren Haltung, die zur Überwindung des Selbstbetrugs befähigt. Wer sich selbst betrügt, etikettiert Informationen, die ihn auf Fehlverhalten aufmerksam machen, wider besseres Wissen als unwichtig. Er akzeptiert nur noch Informationen, die ihm zusagen. Ein unangenehmer, aber notwendiger Entscheidungskonflikt wird vermieden. Somit erzeugt der Selbstbetrug Selbstberuhigung und Seelenfrieden. Zugleich entsteht damit ein Anreiz, sich noch mehr Seelenfrieden auf dieselbe Weise zu verschaffen.

Gott durchbricht diesen Teufelskreis durch die Ankündigung, nun seinerseits zu diesem Seelenfrieden beizutragen. Er sagt allerdings offen, dass es sich dabei um Täuschung handelt. Und siehe da: so mancher empfindet diese “Hilfe” Gottes plötzlich alles andere als beruhigend. Er wird stattdessen unsicher. Aus dieser Unsicherheit heraus entsteht ein Bewusstsein für die Gefahr, in die er sich mit leichtfertigen und oberflächlichen Entschuldigungen hineinbegibt.

Auf diese Weise macht Gott es ihm leicht, sich ganz für die Liebe zur Wahrheit zu entscheiden. Insofern stimmt es doch, was die heilige Schrift sagt: “Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und die Wahrheit erkennen” (1.Tim 2,4).

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Sorgfaltsparadox

Leichtsinnige und faule Gläubige beziehen vorrangig die ermutigenden Bibelstellen und Verheißungen auf sich, sorgfältige und vorsichtige Gläubige in erster Linie die drohenden und warnenden.

Dieses Phänomen ist ein Hinweis darauf, dass es in der Gemeinde an der Liebe zum Recht und an der Wertschätzung widerspruchsfreien Denkens mangelt, sodass es zu dieser absurden Fehleinschätzung kommt. Das Urteilsvermögen kann erheblich verbessert werden, wenn wieder die absolute Priorität der Qualitätsmaßstäbe Christi in der Gemeinde gelehrt und beachtet wird.

Die Kinder von Gläubigen, die sich als Erwachsene bekehrt haben, sind dem Risiko des Sorgfaltsparadoxes besonders ausgesetzt. Ihre Eltern, die sich in ihrer gottlosen Zeit grobe Sünden und viel Unrecht geleistet haben, empfinden die harten biblischen Warnungen, die sie aus diesem Leben herausgerissen haben, als wohltuend. Sie geben ihren Kindern dieselbe Strenge weiter – in der naiven Ansicht – was ihnen geholfen hat, würde auch den Kindern helfen. Sie bedenken dabei nicht, dass ihre Kinder durch diese Strenge wesentlich härteren Forderungen ausgesetzt sind, wenn sie gar keine gottlose Karriere hinter sich haben, sondern gutwillig und schon von klein auf an biblische Ordnungen gewöhnt worden sind.

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Strafbare Handlungen

Verfehlungen, die der schiedsgerichtliche Dienst zu beurteilen und zu regulieren hat, können u. a. sein:

a) strafbare bzw. schadenersatzpflichtige Vergehen nach dem StGB, BGB etc.:
Sexueller Missbrauch (auch nach der Anzeige beim Gericht!); üble Nachrede; Verleumdung; Beleidigung, Diebstahl, Versäumen der Unterhaltspflicht.

b) bösartiges, aber nicht justiziables Verhalten gegenüber Familienmitgliedern oder Geschwistern in der Gemeinde:

notorische Unfreundlichkeit, Verweigerung der Anhörung, Verweigerung eines Klärungsgespräches, Verweigerung der Mediation.

c) Missachtung der Autorität des Konvents:
Falschaussage vor dem Konvent oder in amtlicher Funktion; willkürlicher, nicht durch biblisches Recht gerechtfertigter Abbruch einer Untersuchung; parteiliche Absprache mit einer Konfliktpartei (“Ansehen der Person verboten“), Weigerung, eine Rechtssache nach dem Scheitern der Mediation vor die Gemeinde zu bringen, Behinderung der Anhörung vor dem Konvent, eigenmächtiges Hausverbot, Behinderung des Vorhabens, Konventsmitglieder über Missstände zu informieren, Postunterschlagung (für die Rechtssicherheit relevante Post wird aus den Postfächern der Konventsmitglieder entfernt) usw.

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Unterscheidung der Verantwortungsbereiche

Es ist sinnvoll, bei der Interpretation biblischer Aussagen zu unterscheiden, ob sie zum Verantwortungsbereich des Menschen oder zum Verantwortungsbereich Gottes gehören.

Der Mensch kann seinen Verantwortungsbereich mit Hilfe seines Urteilsvermögens durchdringen. Es wird von ihm erwartet, dass er in diesem ihm anvertrauten Bereich konsequent und widerspruchsfrei denkt und handelt. Der Mensch darf Kritik, die ihm widersprüchliches Denken nachweist, nicht zurückweisen, sondern muss sein Denken korrigieren, bis es wieder widerspruchsfrei und konsequent ist.

Der göttliche Verantwortungsbereich ist nur teilweise logisch nachvollziehbar. Es gibt Bereiche, die “überlogisch” sind. Sie funktionieren zuverlässig, obwohl das nach menschlichem Ermessen unmöglich ist. ” Meine Gedanken sind nicht wie eure Gedanken, und eure Wege nicht wie meine Wege!, spricht Gott. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken über alles hinaus, was ihr euch denken könnt, und meine Möglichkeiten über alles, was für euch machbar ist.” (Jes 55,8-9)

In der Natur können wir dieses Phänomen direkt beobachten. Im Bereich der subatomaren, kleinsten Elementarteilchen herrschen bizarre, “verrückt” scheinende Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten. Man könnte daraus schließen, dass das Universum vom Zufall regiert wird.

Dennoch kann sich der Mensch in seinem Verantwortungsbereich nicht auf Zufälligkeit berufen, wenn er mit seinem Auto einen Verkehrsunfall verursacht. Dort gelten die nachvollziehbaren Gesetze von Ursache und Wirkung nach wie vor.

Auch beim Lesen der Bibel begegnen wir diesen beiden Verantwortungsbereichen. Es gibt Parallelen zwischen Schöpfung und Bibel (vgl schöpfungsgemäßes Inspirationsmodell).

Die Ethik zum Beispiel gehört zweifelsohne zum menschlichen Verantwortungsbereich. Der Mensch darf nicht nur, sondern er muss diesen Bereich konsequent durchdenken, um ehrlich und verlässlich zu urteilen. Widersprüche in diesem Bereich sind ein Hinweis auf Unehrlichkeit, Halbherzigkeit und Unzuverlässigkeit (Inkonsequenz).

Dann aber gibt es Aussagen in der Bibel, die nicht konsequent durchdacht werden können. Themen wie Himmel und Hölle oder Erwählung gehören eindeutig zum göttlichen Verantwortungsbereich – der durch “Überlogik” geprägt ist.

Der Mensch kann einzelne Aspekte dieses göttlichen Bereiches, soweit sie von der Bibel erläutert werden, verstehen und auch Folgerungen für sich daraus ziehen. Er kann diesen Bereich selbst aber nicht mit seinem Verstand durchdringen und zu widerspruchsfreien Ergebnissen kommen. Wenn er es doch versucht, kommt er zu sehr deprimierenden und destruktiven Ergebnissen, die mit dem Charakter Jesu nicht in Einklang zu bringen sind.

Deshalb handelt er vernünftig, wenn er sorgfältig auf die Unterscheidung der beiden Bereiche achtet, und über Aspekte des göttlichen Bereiches nur so viel nachdenkt, wie es die Schrift ihm aufschließt – und nicht darüber hinaus.

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Unvollkommenheit – gefährdet sie das Heil ?

Im Gegenteil ! Jesus preist glücklich, die ihre geistliche Armut erkennen und sagt ihnen zu, dass ihnen Gottes neue Welt gehören wird. (Mt 5,3) Er preist die Traurigen glücklich, weil sie getröstet werden sollen. (V.4) „Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Mt 12,20) Er vergleicht sich mit einer Henne, unter deren Flügel sich die Küken flüchten. (Mt 23,37) Die Tatsache, dass das Tun des Gläubigen unvollkommen, schwach und mangelhaft ist, ändert nichts an dieser Tatsache.

Denn für Jesus ist das Wichtigste: die Barmherzigkeit. (Mt 23,23). Er bleibt immer zuverlässig treu. (2,Tim 2,13)

Doch um den Charakter Jesus klar zu erkennen, genügt es nicht, die Buchstaben der Bibel zu betrachten. (Selbstverstärkung)

Deshalb erzeugt die Theologie sehr oft eine eher negative, pessimistische Vorstellung vom Charakter Jesu, besondern wenn ihr ein gedankenlos mechanisch-wörtliches Bibelverständnis zugrundeliegt und sie die Tatsache nicht anerkennt, dass Jesus den Gläubigen authorisiert, den Rang von Bibelworten mit Hilfe seiner wichtigsten Maßstäbe (Mt 23,23) selbst zu bestimmen.

Dann verdreht sich die frohe Botschaft in ihr Gegenteil.

Die Gewissheit der Liebe Jesu und die Freude über seine Treue schrumpft. Selbsterlösungsbemühungen vergiften immer mehr die Seele.

Der Buchstabe tötet“ (2.Kor 3,17). Eine Auslegung, die den absoluten Vorrang der Barmherzigkeit (Mt 23,23) nicht beachtet, ist falsch, destruktiv – und nicht von Jesus authorisiert.

Doch viele Ausleger können nicht an sich selbst und ihren Denkvoraussetzungen zweifeln.

So wird der Wahn gefördert, dass der Gläubige infolge seiner Unvollkommenheit immer mit einem Bein in der Hölle steht.

Bei einem gedankenlos mechanisch-wörtlichem Bibelverständnis liegt diese Befürchtung nahe. Die Bibel beschreibt die Vollkommenheit der “echten” Früchte, die der Gläubige reichlich bringen soll (Joh 15,5). Folglich ist der Maßstab , der durch Gebote vermittelt wird, unendlich hoch: “Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.” (Mt 5,48) Bis zur Aufgabe des eigenen Lebens: “wir sollen bereit sein, für die Brüder das Leben zu lassen.” (1.Jo 3,16) „Jeder habe dieselbe Gesinnung, wie sie Jesus hatte… Er war gehorsam bis zum Tode am Kreuz“ (Phil 2,5). „Wer weiß, Gutes zu tun und tuts nicht, dem ist es Sünde.“ (Jak 4,17). Ohne Zweifel ist es gut, dorthin zu gehen und zu helfen, wo die Not am größten ist. Zur Vollkommenheit gehört also die grundsätzliche Bereitschaft zu lebensgefährlicher Mission (z.B. In islamischen Gebieten) und Hingabe alles nicht unbedingt nötigen Eigentums für Notleidende: „wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so lasset und genügen.“ (1.Tim 6, 8)

Dabei wissen natürlich auch Jesus und die Apostel, dass der Gläubige nie ein sündloser Mensch wie Jesus selbst sein kann: Der Gläubige wird immer wieder der Versuchung zur Sünde nachgeben: “So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.” (1Joh 1,8) Diese Schwachheiten könne jedoch nur kurzfristig vorhanden sein. Sie müssen bereut und überwunden werden. Nur dann können sie vergeben werden: „Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ (Spr 28,13) Die buchstäbliche verstandene Bibel lässt den Einwand „es ist mir zu schwer“ nicht gelten: „Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1.Joh 5,3-4). Somit müsste der Gläube, der behauptet, etwas sei ihm zu schwer, daran zweifeln, ob er überhaupt „von Gott geboren„, d.h. gerettet ist. “ Eine Scheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen wird ebenfalls durch die Worte Jesu angedeutet: „Wer mich aber nicht liebt, der hält meine Worte nicht.“ (Joh 14, 24) die Aussichten dessen, der Jesus nicht liebt, sind düster: „Wenn jemand den HERRN Jesus Christus nicht liebhat, der ist verflucht.“ (1.Kor 16,22) Paulus bezieht sich ganz klar auf den Märtyrertod, wenn er schreibt: „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allem überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.“ (Rö 8, 36-37) An anderer Stelle schreibt er: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ (Phil 4,13) Damit die Entscheidung für die totale Hingabe erleichtert wird, kann man noch Jesus selbst zitieren:

Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.” (Mt 11,39)

Keine Frage, dass angesichts solcher hohen Forderungen der Gläubige ständig mit bleibenden Defiziten konfrontiert ist.

Hier besteht die Gefahr, dass ihm eine dilettantische Theologie weismacht, dass bleibende Unvollkommenheiten das Heil gefährden könnten. (Giftige Theologie). So wird das Gewissen ständig wund. Der Freiraum, den der Gläubige braucht, um sich in Liebe zu entscheiden, wird immer kleiner, bis er zu guter Letzt ganz verschwunden ist.

In der Folge werden sinnvolle Anordnungen der Bibel immer wieder in einer lebensfeindlichen Weise missverstanden. So meint man am Ende, dass schon ein kleiner Verstoß gegen das Gewissen tödlich sein kann. Zum „Beweis“ kann man folgende Bibelstellen anführen: “So aber dein Bruder um deiner Speise willen betrübt wird, so wandelst du schon nicht nach der Liebe. Verderbe den nicht mit deiner Speise, um welches willen Christus gestorben ist.” (Rö 14,15) “Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in dem, was er annimmt. Wer aber darüber zweifelt, und ißt doch, der ist verdammt; denn es geht nicht aus dem Glauben.” (Rö 14,22b+23)

Ist es so schnell aus mit dem Gläubigen? Weil er das Falsche gegessen hat? Tatsächlich?

Wenn man so schnell aus der Gnade Gottes fallen könnte, dann wäre sie doch nicht wert, in der ganzen Welt verkündet zu werden! Doch hat man erst einmal Angst, dann macht sie bekanntlich blind.

Was ist falsch an der engen Interpretation ? Hier ist nicht der Gewissensschwache, sondern der Starke angesprochen, der sensibel sein und vor der kleinsten Verletzung des Gewissens anderer wie vor einem großen Unglück zurückscheuen soll.

Das Dilemma zwischen Gehorsamspflicht und Heilsgewissheit lässt sich mit wenigen Bibelstellen skizzieren:

a) Versündigen kann man sich offenbar sehr leicht: “Alles, was nicht aus dem Glauben heraus getan wird, das ist Sünde.” (Rö 14,22b-23) “Wer etwas Gutes zu tun weiß und tuts nicht, für den ist es Sünde.” (Jak 5,17) Wenn aus diesem Satz z.B. die Pflicht zum wirtschaftlichen Totalopfer hergeleitet wird, so sind sicherlich die meisten Gläubigen völlig überfordert.

b) Es wird sehr viel und großzügig vergeben, aber es gibt auch Bibelstellen, die offenbar den Schluss zulassen, dass das notorische Wiederholen einer Sünde das Heil gefährden könnte: “Denn wenn ihr wie alle Welt lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Aktionen des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.” (Rö 8,13) “Denn wenn wir mutwillig an Sünde festhalten, haben wir kein anderes Opfer mehr für die Sünde.” (Hebr 10,26).

Deswegen hängt sehr viel davon ab, ob Unvollkommenheiten unter der Geduld Gottes sind oder nicht. Eine verantwortbare, barmherzige Theologie wird immer den lebensfördernden (Mt 4,4) und menschenfreundichen Sinn eines Gebotes herausarbeiten, während den Vertretern einer giftigen Theologie mehr an Einschüchterung und Entmündigung des Gläubigen als an dem lebensfördernden Sinn eines Gebotes gelegen ist. Sie widersprechen damit Jesus, der ausdrücklich gebietet, Gebote barmherzig auszulegen: “Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.” (Mk 2,27)

Ohne einen brauchbaren Schlüssel zur Heiligen Schrift, der die gegensätzlichen Aussagen in einen zuverlässigen, glaubwürdigen Zusammenhang bringt, liegt das destruktive Missverstehen bzw. der Missbrauch erschreckender Aussagen allzu nahe.

Dieser Schlüssel ist die Anerkennung der drei Qualitätsmaßstäbe Jesu als wichtigstes Gebot (Mt 23,23). Alle anderen Aussagen der Heiligen Schrift sind konsequent in ihrem Sinne auszulegen. Unter der Überschrift “Giftige Theologie” kann man beispielhaft sehen, wie das gemacht werden kann.

Der Gläubige kann sich nicht gottgemäß-perfekt verhalten, es bleiben Defizite. (Leider werden sogar wichtige Gebote, die mit wenig Aufwand eingehalten werden könnten, traditionsgemäß (!) von vielen Gläubigen ignoriert: siehe “Widerstandskraft” !)

Da es aber fast alle tun – wird erstaunlicherweise mit bestem Gewissen gehandelt !

Die Einschätzung der Reaktion Gottes auf diese Defizite bleibt subjektiv und äußerst schwierig. Die Folge ist eine sehr unfaire Situation: Optimisten verkraften auch eine starke Diskrepanz zwischen Bibel und Leben recht gut, Pessimisten und sensible Gemüter schlagen sich mit einem ständig schlechten Gewissen lebenslang herum… (Sorgfaltsparadox) Ein eklatanter Verstoß gegen das Gebot der Fairness und Gerechtigkeit – das Jesus als zweites der wichtigsten Gebote nennt. Das darf nicht sein!

Selten wird gesehen, dass Jesus ausdrücklich Unvollkommenheit erlaubt: „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich“ (Mt 5,19). Wer ein „kleines“ Gebot auflöst, d.h bis zum Lebensende reuelos missachtet, ja sogar andere verleitet, dasselbe zu tun – kommt in die Hölle ? Auf keinen Fall: auch er kommt im Himmelreich an. Jesus sagt es ausdrücklich. Allerdings wartet dort keine große Belohnung auf ihn, denn er hat es sich zu leicht gemacht. Jesus lässt es offen, was „kleine Gebote“ sind.

Sehr wahrscheinlich sind es all die „Mitteldinge“, die sehr fromme Leute aus dem Gesetz herausgelesen haben: nicht rauchen, auf Alkoholgenuss verzichten, nicht Fernsehen gucken, nicht Karten spielen, nicht am Geschlechtsteil fummeln, brav zum Gottesdienst gehen – eben sich wie sehr streng erzogene Menschen zu verhalten. Noch viel frömmere Leute meinen zu wissen, dass diese Verhaltensweisen absolut heilsnotwendig seien und ihre Missachtung mit ewiger Verdammnis bestraft werden wird. Ob ihnen jemals auffallen wird, wie viele junge Menschen unter diesem Druck zu verklemmten, freudlosen Persönlichkeiten mit einem ständig schlechtem Gewissen heranwachsen?

Ob ihnen jemals auffallen wird, dass das Gebot totaler Selbstaufopferung viel wichtiger ist – aus der Sicht der Hilfsbedürftigen, die die Sicht Jesu ist (Mt 25,40) ? Ob ihnen jemals auffallen wird, wie wenig davon der Gemeinde verwirklicht werden kann – und dass das Vertrauen in Jesus, in seine Liebe und Treue selbst durch diesen erheblichen (!) Mangel nicht (!) erschüttert wird ?

Je schwieriger ein Vertragswerk zu beurteilen und zu verstehen ist, desto mehr Gewicht bekommt die Persönlichkeit des Vertragspartners für das gegenseitige Vertrauen.

Unbezweifelbar gilt: die einzigartige Persönlichkeit des Gottessohnes Jesus Christus muss für das Gottesbild maßgeblich sein: “Wer mich sieht, sieht den Vater.” (Jo 14,9)

Jesus hatte großes Erbarmen mit den Menschen (Mt 9,36) und heilte sie nach Möglichkeit alle. (Lk 6,19). Er rief seine Jünger dazu auf, barmherzig mit Andersdenkenden (Lk 9,54-55) und Außenseitern (Lk 19,7) umzugehen. Anders als es unter jüdischen Frommen üblich war, war ihm die Würde der Frau wichtig (Jo 4,27). Er setzte sich für ihren Schutz ein (Mt 19,8). Sie wurden die ersten Zeugen seiner Auferstehung. (Jo 20,17)

Durch das Lebens Jesu, das die praktische Bedeutung seiner Maßstäbe bezeugt, erhalten auch alle anderen Aussagen über die göttlichen Persönlichkeit entsprechendes Gewicht, z.B. über Gottes Treue:

„ … selbst wenn wir untreu sind – er (Gott) bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2.Tim 2,13)

Es gibt sehr viele ähnliche Aussagen im Neuen Testament.

Gott beweist seine Liebe gegen uns, weil Christus für uns gestorben ist, obwohl wir von Gott und seinen Geboten nichts wissen wollten. Umso wieviel mehr (!) werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind.” (Rö 5,8)

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Urteilsvermögen

Auch wenn in manchen frommen Kreisen verkündet wird, dass der Verstand des Menschen nur sündig und in Glaubensdingen wenig wert sei, so sagt doch die Bibel, dass Gott gerne Weisheit und Verstand schenkt (2.Mo 36,1 / Jak 1,5). Geringschätzung der Gabe des Verstandes ist unbiblisch und gefährlich (Dummheit).

Gott gefiel es, dass König Salomo ihn um nichts anderes bat, als ihn mit Verstand zu begaben, um gerecht regieren zu können (1.Kö 3,11)

Voraussetzung der Menschenkenntnis ist die gründliche Bemühung um Selbsterkenntnis.

Paulus warnte: “Liebe Brüder, vermeidet das kindische Denken! Im Bösen, darin sollt ihr unerfahren sein wie Kinder! Denken aber sollt ihr wie reife, erwachsene Menschen!” (1.Kor 14,20) Kindliches Denken schont die Gefühle – erwachsenes, verständiges Denken kann sehr gefühlsstörend und beschwerlich sein. “Durch viel Weisheit kommt auch viel Verdruss. Wer seine Erkenntnis mehrt, mehrt auch seinen Schmerz.” (Pred 1,18) Man selber hat wenig davon, macht sich des öfteren auch unbeliebt – aber nimmt diesen Nachteil aus Liebe auf sich. “Wenn ich Menschen gefallen wollte, würde ich nicht länger Christus dienen.” (Ga 2,20)

Verstand ist nötig, um Lebensentscheidungen richtig zu treffen. “Ich bete dafür, dass eure Liebe immer reicher und tiefer wird und dass ihr immer mehr Weisheit und Einsicht bekommt. So könnt ihr in eurem Leben die richtigen Entscheidungen treffen und so vor Christus, eurem Richter, am Tage des Gerichts ohne Tadel und ohne Schuld erscheinen.” (Phil 1,9-10)

Verstand ist nötig, um Gefahren und Risiken rechtzeitig zu erkennen und um das Böse, das sich als gut oder harmlos tarnt, zu demaskieren. Urteils- und Unterscheidungsvermögen, die das selbständige Urteilen nach bestem Wissen und Gewissen ermöglicht, ist eine sehr wertvolle Fähigkeit!

Ohne Urteilsvermögen hat man wenig Überzeugungskraft und kann seine Mitmenschen dann nur noch mit manipulativen Methoden beeinflussen, d.h. auf eine Weise, die der Würde des Menschen nicht entspricht.

Der biblische Text in der vorliegenden vom göttlichen Regisseur der Bibel bestimmten Form hilft dem Gläubigen hervorragend, sein Urteilsvermögen zu üben. Er kann sich vor Missverständnissen nur schützen, indem er geistliche Prioritäten erkennt und respektiert.

Wenn der Gläubige urteilt, dann darf er sich auf gar keinen Fall für klug halten (Rö 12,16), und auch nicht für klüger als das zu beurteilende Bibelwort. Dünkel und Selbstüberschätzung führen unweigerlich zu großen Irrtümern, zu Blindheit und Dummheit. “Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen schenkt er seine Gnade” (Jak 4,6) “Wenn du jemand siehst, der meint, weise zu sein, dann besteht für einen Dummkopf mehr Hoffnung als für ihn.” (Spr 26,12)

Wenn der Gläubige urteilt, urteilt er niemals eigenmächtig, sondern ist Gott dankbar, zum einen dafür, dass Jesus Christus ihm seine unfehlbaren Qualitätsmaßstäbe geschenkt hat, die ihm helfen, den Segen der göttlichen Wortes aufzuschließen. Zum anderen ist er dankbar dafür, dass Gott ihm mit der Freiheit zum selbständigen unbeinflussten Urteilen (“Mündigkeit”) einen großen Vertrauensvorschuss geschenkt hat, dass er diese Freiheit nicht in fleischlicher Weise missbrauchen wird. Beim Urteilen achtet er stets auf geistliche Disziplin.

Er urteilt demütig, wenn er daran denkt, wie oft es geschehen ist, dass auch große Persönlichkeiten des christlichen Glaubens die Bibel trotz all ihrer Begabungen zum Schaden ihrer Mitgläubigen missverstanden haben. Er urteilt immer betend, weil er auf Gottes Weisheit angewiesen bleibt, die Gott dem Glaubenden verheißen hat (Jak 1,5). Ohne diese Weisheit würde er auch die Maßstäbe Jesu sehr bald falsch anwenden.

Was sagte Paulus? “Der geistlich gesinnte Mensch beurteilt ALLES” (1.Kor 2,15). Die Fähigkeit zu urteilen schenkt der heilige Geist jedem Gläubigen, auch wenn es außerdem noch besondere Erkenntnis- und Unter­scheidungsgaben gibt. (1.Ko 12,8-10)

Reagieren leitende und lehrende Brüder in deiner Gemeinde positiv, wenn du Urteilsvermögen, Pädagogik und Führungsstil mit Hilfe der Maßstäbe Christi prüfst?

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Verlust des Glaubens (Ursachen)

Gemeindelehrer, die auf manipulative Weise den christlichen Glauben vermitteln, d.h. christliche Propaganda betreiben, können naturgemäß kein großes Interesse haben, wie ein guter Hirte Mitgliedern nachzugehen (Hes 34,4 / Luk 15,4-7), denen der christliche Glaube verlorenzugehen droht.

Nur Ehrlichkeit, nur Authentizität und ehrliche Stellungnahme zu beobachtbaren Fakten könnten wieder Vertrauen herstellen. Doch wie sollen das diese Leute machen, wenn an der Propaganda nicht gezweifelt werden darf ?

Umso eifriger verlegt man sich auf die Anwerbung neuer Mitglieder, die das, was da alles an frommer Dressur auf sie zukommt, noch gar nicht ahnen.

Wir halten es für wichtig, sich eingehend mit den Bekenntnissen von Menschen zu befassen, die sich wieder von der christlichen Gemeinde und vom Glauben distanziert haben.

Nur wenn man von den Ursachen erfährt, kann man sich darum bemühen, niemandem vermeidbaren Anstoß zu geben. Schrecklich ist es, wenn man solchen Anstoß leicht hätte vermeiden können, aber dennoch an ihm festgehalten hat – aus Gleichgültigkeit, aus unverbesserlicher Selbstgerechtigkeit, aus Bequemlichkeit, aus Feigheit.

Wir halten es deshalb für notwendig, Links auf solche Mitteilungen zu sammeln.

Christsein adé: „Den Glauben abzulegen war wie eine Therapie“

Blog: Jesus-offline: Christsein-adé – Die Ergebnisse der Studie

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Werkgerechtigkeit

siehe: pessimistische Werkgerechtigkeit, optimistische Werkgerechtigkeit, Wege aus der Werkgerechtigkeit, echte Heiligung

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Wert des Glaubens

Vollendet eure Rettung mit Furcht und Zittern!” (Phil 2,12) C.H.Spurgeon erläuterte diesen schwierigen Satz überzeugend wie folgt:

“In der Sonntagsschule fragte man einen Jungen, ob sein Vater ein Christ sei. “Ja”. antwortete der Kleine, “aber er strengt sich nicht besonders an.”

Das muss man leider von manchem Christen sagen, denn etliche haben den Namen, dass sie leben, und sind tot. Und bei etlichen anderen ist die Liebe erkaltet. Sie bekennen sich zum Christentum, aber sie leben nicht darin. Wenn aber irgendeine Berufung tatkräftiges Handeln erfordert und ohne Eifer und Fleiß nicht zu verwirklichen ist, dann ist es die Berufung als Christ. Ein Faulpelz erstrebt nichts und hat nichts, was auch sein Beruf sein mag. Was kann aber der erwarten, der sich Christ nennt und doch nicht von Christus als seinem Lehrer lernt, der ihm nicht als seinem Herrn gehorcht, ihm nicht als seinem König dient ?

Wir können natürlich die Seligkeit nicht durch unseren Ernst und Eifer erwerben, aber wer diese Tugenden nicht hat, darf sich wohl fragen, ob er überhaupt ein Christ ist. Wer meint, er genüge seiner Christenpflicht, wenn er jeden Sonntag in die Kirche geht; wer weder Zeit noch Geld für das Werk des Herrn daheim und in der Heidenwelt übrig hat; wer keine Hausandacht hält, niemals ein Zeugnis für seinen Herrn ablegt, nicht für die Verlorenen betet, von dem gilt auch, was jener Knabe sagte: “Er strengt sich nicht an.” Vielleicht fühlt er, dass mit seinem Christentum wirklich nicht viel anzufangen ist.

Jemand sagte einmal: “Meine Religion kostet mich keine Mark jährlich.” Ein Freund antwortete ihm: “Sie ist auch keine Mark wert.”

Unser Herr zeigt uns das Christenleben nicht als ein Leben süßer Ruhe, sondern als Krieg und Kampf.

(aus: C.H.Spurgeon, Auf dein Wort – Andachten für jeden Tag, 2004, CLV-Verlag Bielefeld, zum 7.November.)

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Wörtliches Missverstehen in der Kirchengeschichte

Nach biblischer Priorität gilt: “Der Inhalt ist wichtiger als die Form” (Rö 2). Die Prüfung des Inhalts stellt immer einen Bezug zu den Qualitätsmaßstäben Christi her.

Wird diese biblische Ordnung ignoriert, dann meint der Gläubige dem Willen Gottes desto besser zu entsprechen, je enger er dem Wortlaut der Bibelstelle entspricht. Der Grad der formalen Übereinstimmung soll für die Heiligkeit der Auslegung garantieren. Ein Irrtum ! Wenn die formale Übereinstimmung die Heiligkeit garantiert, kann die Auslegung durch den Hinweis auf schädliche Folgen nicht mehr in Frage gestellt werden. Ist der Hinweis auf schädliche Folgen tabu, so ist der Inhalt der Form nachgeordnet. Damit stellt man – ohne es zu merken – ein grundlegendes biblisches Prinzip auf den Kopf und erliegt den typischen gesetzlichen Illusionen. Die Folge sind gefährliche, aber auch harmlose Missverständnisse.

Gefährliche Missverständnisse:

Wer am Sabbat Arbeit tut, soll ausgerottet werden aus meinem Volk” (2.Mo 31,14). Dies führte zum Fehlschluss, dass man am Sabbat gar nichts tun darf.

Jesus aber setzte dagegen, dass man am Sabat Gutes tun darf (Mt 12,12) und nennt das Grundprinzip auch der strengsten Gebote: “Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.” (Mk 2,27).

Dieser Satz beschreibt auch sehr eindrücklich den Unterschied zwischen bloß wörtlich-formalem und inhaltlichem Verstehen. Die folgenden schlimmen Beispiele zeigen, wie oft das Gebot wichtiger wurde als der Mensch. Statt statt ihm zu nützen und zu helfen, schadete es ihm. Gott will solche Auslegung nicht: “Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig” (2.Kor 3,6)

Sein Blut komme über uns und unsere Kinder” (Mt 27,25). Mit dieser Selbstverfluchung, die Jesu Ankläger vor Pilatus äußerten, wurde später immer wieder die Verfolgung der Juden gerechtfertigt, im Wahn, dass Christen diesen Fluch an allen Juden vollstrecken dürften.

Das Weib fürchte (φοβηται) den Mann” (Eph 5,33). Wortwörtliches Verständnis: Rechtfertigung von Tyrannei und Machotum des Mannes in der Familie!

Wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn” (Spr 13,24). Wortwörtliches Verständnis: brutale Gläubige rechtfertigen mit diesem Satz eine primitive Prügelpädagogik, die dank völliger Einschüchterung der Überzeugungskraft nicht mehr bedarf.

Ihr Sklaven, gehorchet euren Herren” (Eph 6,5): Das wortwörtliche Verständnis führte zur Duldung von Menschenjagden und Sklavenhandel durch “christliche” Regierungen bis 1776.

Wer dich schlägt, dem halte die andere Backe auch hin” (Mt 5,39). Wortwörtliches Verständnis: der Gläubige ist zu feigem Duckmäusertum verpflichtet und muss bei Unrecht tatenlos zusehen. Auch in der Gemeinde wird Unrecht wortlos geduldet.

Närrische Scherze ziemen euch nicht” (Eph 5,4). Wortwörtliches Verständnis: der Christ sündigt, wenn er mal einen Scherz macht. Manche Frommen meinten sogar, dass Christus nie gelacht habe, weil es nicht in den Evangelien berichtet wird. Folge: eine verkrampfte Lebenseinstellung, die zum Trübsinn neigt. Wer genau liest, sieht: In den Psalmen wird berichtet, dass Gläubige lachen sollen (Ps 126,2). Kinder lachen gerne und sollen Christen in ihrem Verhalten (1.Kor 14,20) – nicht in ihrem Denken! – ein Vorbild sein (Mt 18,3).

Seid untertan der Obrigkeit” (Rö 13,1). Wortwörtliches Verständnis: der Gläubige darf nichts zum Sturz einer verbrecherisch handelnden Regierung beitragen. Die Mehrheit der Christen Deutschlands haben sich im dritten Reich so verhalten.

Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen” (Hebr 13,17) Wortwörtliches Verständnis: Ein Christ muss sich der Gemeindeleitung kritiklos unterwerfen (“Obrigkeit“), auch wenn sie selbst geistliche Autorität außerhalb des Amtes nicht respektiert (Laien-Bote). Die Autorität des Gemeindeleitung ist aber an die treue Erfüllung seelsorgerlicher Pflichten gebunden “…denn sie wachen über eure Seelen und müssen dafür später Rechenschaft ablegen” (Hebr 13,17).

Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, steche es aus” (Mt 5,30). Das wortwörtliche Verständnis brachte einen Menschen wie Origines in eine unmenschliche Zwangslage. Er kastrierte sich selbst, um nicht durch sexuelle Begehrlichkeit in die Hölle zu kommen.

Hat Jesus das gemeint? Das Wort “begehren” (grie: επιθυμησαι) in Mt 5,28 verweist aber auf das im Zehngebot genannte Verbot des “Begehrens”, mit dem der Wille, etwas Unerlaubtes in seinen Besitz zu bringen, gemeint ist, was nicht nur die Frau des Nachbarn (Septuaginta: ουκ επιθυµησεισ την γυναικα), sondern auch sein Haus oder sein Esel sein kann (2.Mo 20,7). Es gibt also keinen Beweis, dass hier sexuelle Phantasien gemeint sind, sodass der Gläubige nicht daran verzweifeln muss, dass er mit Hormonen geschaffen worden ist. (Details)

Wer Sünde tut, ist vom Teufel” (1.Jo 3,8). Das wortwörtliche Verständnis führt zur Lehre, dass der Christ einen Zustand der Heiligkeit erlangen muss, in dem er sich keiner Sünde mehr bewusst wird. Das führt verständlicherweise zu einer sehr oberflächlichen Vorstellung von “Vollkommenheit” bzw. zur Unfähigkeit, sich auf Fehlverhalten hinweisen zu lassen. Wie merkwürdig: derselbe Autor schreibt auch: “wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst” (1.Jo 1,8).

Da die Bibel vom Gläubigen “Vollkommenheit” (Mt 5,48) verlangt, liegt auch der folgende fatale Schluss nahe: “fortgesetzte Unvollkommenheit” ist ein Beweis für die Zugehörigkeit zum Teufel, mithin für den Verlust des Heils.

Aktuelle gefährliche Missverständnisse siehe unter “Giftige Theologie“.

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